SteglitzMind stellt Daniel Ludwig mit „Mein Lesesessel“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute lernen wir Daniel Ludwig etwas näher kennen, der Mein Lesesessel pflegt. Vorgeschlagen hatte das Markus Kolbeck von der Leipziger Bücherlei.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ein Bibliophile wie aus dem Lehrbuch. Leidenschaftlicher Bücherarchäologe und Leser von Werken, die längst vergessen sind. Sammler von alten Computern. Geschäftsführer einer GmbH für IT Consulting. Vater, Ehemann, Gärtner und Rennradler. Tee- und Weintrinker. Fernsehhasser. Fotograf. Liebhaber alter Ohrensessel.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Die ersten Gehversuche habe ich mit einem selbstgeschriebenen CMS namens Akeron gemacht. Irgendwann wurde mir die Wartung zu doof und der Server krachte natürlich ab. Ohne Backup. Über Joomla bin ich anschließend zum WordPress gekommen, welches auf einem der von mir betriebenen Server läuft. Dieser Blog läuft seit etwa Ende 2012. Ich blogge eigentlich nur deswegen, weil ich gern über Bücher und verbundene Themen rede. Leider gibt es nur wenige Menschen in meinem Umfeld, die auf der gleichen Wellenlänge sind wie ich, daher gebe ich meiner Redelust Auslauf, indem ich sie bloggen lasse.

Deine Themenschwerpunkte …

Bücher. Bücher. Bücher. Idealerweise solche, deren Autoren längst zur Staub zerfallen sind. Entdeckungen in Antiquariaten, an die sich niemand erinnert. Aber auch die Verbindung des Lesens mit gehobener Lebenskultur: welcher Wein passt zu welchem Buch? Kunst und Malerei mit Büchern als Sujet. Im Focus liegen auch Kuriositäten wie Bücher aus Menschenhaut, alte Bibliotheken und Menschen, die für Bücher gemordet haben.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Um ehrlich zu sein, nicht wirklich viel. Schon seit langem kümmere ich mich recht wenig darüber, was aktuell angesagt ist, sondern gehe meinen eigenen Weg. Literaturpresse, Foren und Blogs lese ich eigentlich nur, um mir paar neue Empfehlungen einzuhandeln, oder weil mir deren Still gefällt. Ich lese das, was mir gefällt. Der sogenannte Literaturbetrieb interessiert mich wenig.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Der Blog entstammt meiner Lust zum Plaudern über Bücher. Ob es jemand tatsächlich liest (oder nicht) tut dem keinen Abbruch. Es ist natürlich schön, Lesezuschriften zu bekommen, aber auch ohne diese würde ich schreiben. Daher bleibt es eigentlich bei Facebookeinträgen und Twitter, was ich vor kurzem für mich entdeckt habe. Darüber hinaus poste ich hin und wieder in einzelnen Bücherforen oder kommentiere, wenn auch selten mangels Zeit, andere Blogs.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Sich nicht so ernst nehmen. Niemand von uns hat ein Monopol für die Wahrheit. Nicht jeder, der mit unserer Meinung nicht übereinstimmt, ist gleich ein Teufel. Als Blogger sollte man sich häufig mehr Höflichkeit aneignen. Wenn sich schon jemand die Mühe macht, unseren Text zu lesen, sollte er etwas respektvoller behandelt werden, als so mancher es mit seinem Publikum tut. Auch dann, wenn man gerade einen stressigen Tag hinter sich hat oder der Kommentar nicht so positiv ausfällt: Höflichkeit ist das Gebot!

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die Zeit, ach, die leidige Zeit. Wieso hat ein Tag keine vierzig Stunden? Als Unternehmer, Familienvater und jemand mit vielen anderen Interessen fällt es häufig schwer, Zeit zu finden, um vernünftige Blogeinträge zu schreiben. Spätestens dann, wenn ein Release beim Kunden ansteht oder der Sohn krankt, wird es richtig schwer, Zeit zu finden, um überhaupt ein Buch in die Hand zu nehmen. Geschweige denn, darüber zu schreiben.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Als Blogger weniger. Aber ich betreibe noch eine zweite Seite, Computermuseum Lorsch, welche sich meiner zweiten Leidenschaft widmet: dem Sammeln von alten Computern. Da fand zufälligerweise tatsächlich ein Arbeitskollege diese Seite, rief mich an und schenkte mir einen Tandy Radio Shack 80 Model 1, den aller ersten Heimrechner, der fertig gebaut ausgeliefert wurde. Einfach so, damit er nicht verschrottet wird. Oh, selig sind die Glücklichen, die einen TRS 80 in ihren Regalen wissen!

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

der Lesesessel © Daniel Ludwig

der Lesesessel © Daniel Ludwig

Mein Blog ist schon etwas spezifisch, was mein angeht. Die meisten Autoren und Verlage, deren Bücher ich beschreibe, sind seit 50 Jahren tot. Da ist es schwer, von ihnen Rezensionsanfragen zu bekommen…

Grundsätzlich stehe ich dieser Praxis etwas skeptisch gegenüber. So manche Anfrage, die mich erreichte, scheint aus dem Schrottflinten-Bereich zu kommen: man schreibt einfach alle bekannten Blogs an, irgendeiner wird schon was Positives darüber schreiben. Wieso sollte ich ein Buch über die lesbische Liebe zweier Sekretärinnen beschreiben, die sich ihrer Neigung bewusst werden? Oder, als bekennender naturwissenschaftlich interessierter Hobbyforscher das neueste Esoterikbuch über die Wirkung von Erdstrahlen (Blödsinn)? Würde man sich nur wenig mit meinem Blog auseinandersetzen, wäre schnell klar, wie unpassend diese Themen für mich sind.

Darüber hinaus ist mir stets etwas unbehaglich zumute, zu rezensieren. Wenn mir schon jemand was schenkt, sehe ich mich verpflichtet, das Buch auch tatsächlich zu lesen, selbst dann, wenn es mich nicht interessiert. Meine angeborene Höflichkeit macht es mir ebenso schwer, dieses Buch anschließend negativ zu bewerten, während ich bei einem gekauften Exemplar keinerlei Hemmungen hätte und es verreißen würde. Es ist schon passiert, dass ich Rezensionsexemplare zurückgeschickt habe mit der Entschuldigung, es nicht beschreiben zu wollen, weil es zu grottenschlecht ist.

Bisher hat es übrigens kein Rezensionsexemplar in meine Top Ten geschafft…

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Warum nicht? Gefällt mir das Buch, beschreibe ich es gern. Ich mache keinen Unterschied zwischen Hemingway, Tolstoi und Frau Müller oder Herrn Schmidt. Gut und mit Leidenschaft geschrieben ist mir viel lieber als Stangenware. Ist es jedoch lausig und langweilig, geht es postwendend an den Autor zurück mit der Bitte, mich künftig davon zu verschonen.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Auf Geschäftsreisen und im Urlaub liebe ich meinen Kindle. Ist man mit einem Kind unterwegs oder hat eine Marathonwoche mit vielen Hotels und Konferenzen vor sich, lernt man schnell, jedes Kilo zu schätzen. Ich lese schnell. Früher war ich spätestens gegen Ende der ersten Urlaubswoche auf der Suche nach neuen Lesequellen, während die ausgelesenen Bücher im Hotel oder unter Mitreisenden sich breit machten. Seitdem ich den Kindle habe, begleitet er mich stets überall, randvoll gefüllt mit Klassikern und Thrillern. Die letzten lese ich sowieso nur einmal, so nehmen sie danach wenigstens keinen Platz in meinen Regalen und ich habe keine Mühe mehr damit, sie weiter zu verschenken.

Daheim jedoch verschwindet der Kindle in der Schublade und staubt vor sich hin. Lesen daheim heißt für mich: Chesterfield Ohrensessel, Tasse Tee und ein Papierbuch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Wie ich sehe, hast Du die meisten Blogs, welche ich gern lese, bereits aufgeführt? So viel bleibt da leider nicht mehr übrig. Aber ich versuche es dennoch. Wie wäre es mit dem Blog von Jarg? Ich mag sehr diese privaten Blogs, deren Autoren sich wenig darum kümmern, was gerade angesagt ist, sondern schreiben, was ihnen an der Seele liegt.)

Hatten wir…

Dann vielleicht Leopolds Leselampe – Geographie in Texten und Bildern. Empfehlen möchte ich außerdem die beiden ungewöhnlichen Tumblr-Blogs Lesestunde und The Bibliophile.

Danke sehr, Daniel. Ich freue mich, dass du dabei bist.

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Zuletzt stellte sich Markus Kolbeck mit der Leipziger Bücherlei vor. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

 

 

 

 

 

Vergesst die kleinen Buchhändler nicht. Wünsch dir was! (Teil II)

So einiges kam auf die Frage „Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… welche wären das?“ zusammen, die Buchhändler im Rahmen meiner Reihe SteglitzMind stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor beantwortet haben. Während sich die Gesprächspartner bei der Frage, was man sich vom Börsenverein des deutschen Buchhandels erhoffe, eher zurück hielten, gab sich hier keiner bedeckt. Mancher holte weit aus. Schnell wurde mir deutlich, dass das Verhältnis zwischen verbreitendem und herstellendem Buchhandel nicht gänzlich ungetrübt ist. Wissen Verlage etwa das nicht zu schätzen, was Buchhändler leisten?

Welche Schritte Verlage einzuleiten hätten, um das unabhängige Sortiment zufriedener zu stimmen, thematisieren zwei Blogposts. Im ersten Teil habe ich die Wünsche an Programm und Marketing zusammengefasst; heute geht es um den Vertrieb, die Wettbewerbsbedingungen und anderes, was Buchhändlern bei der Zusammenarbeit mit Verlagen aufstößt.

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Auf den Umstand, dass Filialisten und Großbuchhändler ihren Einkauf zentral tätigen, haben sich die Verlage in den vergangenen Jahren eingestellt, indem sie den Innendienst ausgebaut und den Außendienst verkleinert bzw. gänzlich abgeschafft haben. Seither ist des Öfteren zu hören, dass freie Handelsvertreter, die zwei- oder teilweise sogar dreimal jährlich Buchhandlungen besuchen, um Novitäten vorzustellen und Bestellungen aufzunehmen, ein Auslaufmodell sind. Dass Verlage gänzlich auf Vertreter verzichten können, diese Ansicht teilen die Interviewpartner allerdings nicht. Vielmehr schlagen sie eine Bresche für kompetente Verlagsvertreter, die individuell und unabhängig beraten. Sie sind ein wesentliches Bindeglied zwischen Buchhandel und Verlag; nicht zuletzt, weil sie wichtige Informationen zu Neuerscheinungen vermitteln, die Vorschauen nicht bieten. Der verlagseigene Innendienst, namentlich die telefonische Betreuung durch Key Account Berater, punktet bei den 44 Gesprächsteilnehmern dagegen nicht.

Sabine und Ute Gartmann  © Jürgen Heuser

Sabine und Ute Gartmann © Jürgen Heuser

Wir arbeiten gern mit fitten Vertretern, haben keine Lust auf „Telefonbetreuung“. Sagen Sabine und Ute Gartmann von der Buchhandlung die schatulle in Osterholz-Scharmbek

“Man erhalte uns unsere Verlagsvertreter, die abseits der plakativen und austauschbaren Kurzbeschreibungen der Neuerscheinungen in den Verlagsvorschauen, glaubwürdige und auf meine Buchhandlung zutreffende Einschätzungen abgeben können.” Wünscht sich Bettina Haenitsch von der Buchhandlung der buchladen in Seligenstadt

“Vertreter sind uns wichtig. Als Bindeglied zwischen Verlag und Buchhändler leisten diese eine wichtige und unersetzliche Arbeit. Den Verlagsvorschauen mit den unklaren Titelankündigungen wie „Ein neuer Irving“ oder „Der neue Weltbestseller“ und kein anständiger Text dazu kann man selten trauen. Und zum Vertreter sollte man so ein Verhältnis haben, dass die Kommunikation stimmt, der Vertreter den Laden kennt und unabhängig und individuell trotz Umsatzvorgaben seitens des Verlages beraten kann. Das kann telefonische Betreuung nicht leisten.” So Heike Wenige vom Taschenbuchladen in Freiberg

Gar auf wenig Verständnis stößt, warum Verlage ihre Geschäfte über andere Vertriebsschienen als den Buchhandel abwickeln. Moniert werden Aktivitäten auf Nebenmärkten wie Supermärkten, Blumenläden oder Apotheken. Ein Dorn im Auge der Befragten ist der Direktvertrieb an Endkunden.

Holger Brandstädt © Roland Köhler

Holger Brandstädt © Roland Köhler

Ich wünsche mir, dass Verlage weniger die Nebenmärkte fördern und stattdessen dem Buchhandel ähnlich attraktive Angebote machen.” Fordert Holger Brandstädt von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung in Ueckermünde

“Dass die Verlage zu uns Buchhandlungen als Partner 100% stehen und somit alle Geschäfte über den Buchhandel abgewickelt werden und nicht die arbeitsintensiven abgeben, die leicht zu handelnden und lukrativen jedoch direkt über Verlag-Kunde laufen…” Das möchte Barbara Roth von der Offenburger Buchhandlung Roth

“Wenn, wie die Verlage gerne betonen, der Buchhandel als Vertriebsweg so wichtig ist: Wieso gibt es dann Bücher in Supermärkten und wieso verkaufen sie, die laut über nicht rentable Einzellieferungen an die Buchhändler wettern, ihre Bücher direkt an Endkunden?” Fragen Ingo Herrmann und Heike Röminger von der Berliner Buchhandlung Moby Dick

In diesem Kontext ist es wenig verwunderlich, dass die verlagseigenen Webshop-Lösungen ebenfalls im Kreuzfeuer der Kritik stehen. Besser beraten wären Verlage, wenn sie auf das stationäre Sortiment verlinken würden.

Bettina Heanitsch © privat

Bettina Heanitsch © privat

Mich stören tatsächlich auch die eigenen Shops auf den Homepages der Verlage. Warum wird hier nicht an den örtlichen Buchhandel verwiesen? Über die Zahlen im Direktvertrieb wird gar nicht gesprochen. Kein Wunder, dass der einzelne Sortimentsbuchhändler immer weniger Unterstützung durch die Verlage erfährt, warum sollte der Verlag das auch tun, wenn er es selber verkaufen kann und mehr verdient. Da kann man sich das auch leisten, ein Taschenbuch für 9,90 Euro versandkostenfrei zu liefern.” So Heike Wenige vom Taschenbuchladen im sächsischen Freiberg

“Ab und an habe ich den Eindruck, der Buchhändler steht bei Verlagen als letzter in der Reihe. Warum eigene Shops auf den Verlagshomepages? Die Buchhändler lesen und setzen sich aktiv für die Bücher der Verlage ein – das ist nicht sehr unterstützend.” Meint Bettina Haenitsch von der buchladen in Seligenstadt

Gar nicht gut kommt an, dass Verlage auf ihrer Webpräsenz auf die Bezugsmöglichkeit via Amazon verweisen. Und so mancher fragt sich, warum sie überhaupt mit einem Onliner kooperieren, der den Buchmarkt gnadenlos kannibalisiert, statt ihm die Stirn zu bieten.

Barbara Roth  © Iris Roth

Barbara Roth © Iris Roth

Dass die Verlage uns auf Ihre Homepages verlinken und listen und nicht als erstes (und meist auch noch ausschließlich) Amazon als Bezugsquelle anführen.” Ärgert Barbara Roth von der Offenburger Buchhandlung Roth

“Verkauft eure Bücher nicht an Amazon! Würden sich drei, vier große Publikumsverlage trauen, ihre Titel nicht mehr über Amazon zu verkaufen, wäre der Ruf von Amazon bezüglich der allumfassenden Lieferfähigkeit schnell hin und der Kunde würde auch wieder mal woanders hinschauen.” Fordern Jessica Ebert und Katja Weber von der Berliner Buchhandlung ebertundweber

Auf allgemeines Unverständnis stößt, warum sich Verlage nicht an den Kosten für Lesungen und Veranstaltungen beteiligen. Dass Buchhandlungen, die sich solcherart mit viel Herzblut und Engagement für Bücher einsetzen, mit Flyern oder Partieexemplaren abgespeist werden, sorgt für Unmut. Manchen ärgert in diesem Zusammenhang auch, dass Autoren zunehmend über spezialisierte Agenturen und nicht mehr direkt über den Verlag für Lesungen in der Buchhandlung gebucht werden können.

Torsten Meinicke © Buchladen Osterstraße

Torsten Meinicke © Buchladen Osterstraße

Übernahme eines Teils der Kosten bei Lesungen, denn schließlich machen wir mit unseren Lesungen Werbung für das jeweilige Buch.” Das wünscht Torsten Meinicke vom Hamburger Buchladen Osterstraße

“Schafft ein Budget für Veranstaltungen, aus dem ihr kleinere Buchhandlungen unterstützen könnt. Und zwar mit mehr als nur Plakaten oder Partieexemplaren!” Fordert Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Obwohl der Sortimentsbuchhandel trotz aller Umwälzungen ein wichtiger Umschlagsplatz für Bücher ist, scheinen Verlage auf die Belange kleinerer und mittlerer Buchhandlungen wenig Rücksicht zu nehmen. Für ihr Engagement sehen sich die Befragten regelrecht abgestraft. Sie wünschen sich mehr Entgegenkommen und Solidarität. Darüber hinaus sind ihre Forderungen so vielfältig wie das stationäre Sortiment bunt ist.

Annaluise Erler © Julius Erler

Annaluise Erler © Julius Erler

Vernünftige Konditionen auch für Kleinbestellungen. Ich möchte für mein Engagement per VLB (und nicht nur per BS-Katalog zu bibliografieren) nicht mit Minderrabatten und Versandkosten statt Portokosten „bestraft“ werden. Nachlieferungen grundsätzlich portofrei (das ist in jeder anderen Branche selbstverständlich!)” Sagt Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster in Ganderkesee

“Wir Buchhändler sind das Schaufenster für die Verlage. Falls wir die Produkte dann trotz Bemühungen doch mal nicht verkaufen können, möchten wir nicht auch noch mit Remi-Kosten bestraft werden.” So Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus in Tharandt

Beate Laufer-Johannis  © privat

Beate Laufer-Johannis © privat

“Ein höherer Rabatt ohne Riesenabnahmemengen würde uns das Leben sehr erleichtern. Nehmt auch uns „kleine Buchhandlungen“ ernst und unterstützt uns bei Aktionen.” Wünscht sich Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

“Schnürt Pakete, die zu unserer Größe passen. Stellt uns auch bei kleineren Bestellmengen Werbematerial und Leseexemplare zur Verfügung. Wir, die Indis, sind diejenigen, die sich auch für die Bücher einsetzen, die nicht auf den Bestsellerlisten landen.” So Brigitte Gode von der Gollenstein Buchhandlung in Blieskastel

“Schön wäre es, auf Sonderauslieferungen zu verzichten, die uns unnötig die Kosten in die Höhe treiben.” Meinen Beate und Mischa Klemm mit der Buchhandlung lesen und lesen lassen

Allgemein sorgen die Konditionen für Verdrießlichkeit. Dass Verlage vor Ketten, Filialisten und Großabnehmern wie Amazon regelrecht katzbuckeln und ihnen nennenswerte Wettbewerbsvorteile einräumen, gereicht den Kleineren, die sich stärker anstrengen müssen, zum großen Ärgernis. Unisono werden ungerechte Konditionen und unfairer Wettbewerb beklagt, der auf Kosten des unabhängigen Sortiments geht. Entsprechend wünschen sie sich bessere Konditionen, geringere Versand- und Remissionskosten und Rabatte, die nicht nur auf die Absatzzahlen, sondern auch auf die Ladengröße abgestimmt sind.

Edda Braun © privat

Edda Braun © privat

Ich erwarte, dass die Verlage Konditionenforderungen von Amazon und Konsorten, die keine Wettbewerbsgerechtigkeit mehr ermöglichen, an unsere Realitäten angleichen. Die Preisbindung würde es ermöglichen und mit welchem Recht fordert die Krake 20 – 25% mehr Rabatt zzgl. Distributionskosten? Schließlich wickelt der traditionelle Buchhandel erheblich mehr Buchumsatz ab als Amazon.” So Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung

“Bei der Konditionengestaltung nicht nur die ‘Großen’ zu hofieren, sondern an unseren gemeinsamen Auftrag denken, für die Verbreitung und den Erhalt der Buches als Kulturgut und Bildungsmittels ersten Ranges zu sorgen.” Wünscht sich Edda Braun von der Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

“Bessere Rabatte, die zugeschnitten sind nicht nur auf Absatzzahlen sondern auch auf die Ladengröße.” Fordert Maria Glusgold-Drews vom Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

Hatte das Spartenpapier 1985 nicht festgeschrieben, das die drei Parteien des deutschen Buchhandels fair miteinander umgehen sollen? Und heißt es in der Orientierungshilfe des Börsenvereins für das Verhalten von Verlag, Sortiment und Zwischenbuchhandel nicht, dass Verlage bei ihrer Konditionengestaltung darauf Acht geben müssen, auch kleinere Sortimente wettbewerbsfähig zu halten? Ist der gemeinsame Konsens, der drei Sparten jahrzehntelang verband, inzwischen hinfällig geworden? Ja, beklagt Susanne Martin von der Stuttgarter Schiller Buchhandlung:

Susanne Martin © Silvie Brucklacher

Susanne Martin © Silvie Brucklacher

Ich bedauere sehr, dass der Branchenkonsens, Werte, die für alle Sparten über viele Jahrzehnte gegolten haben, in den letzten Jahren mehr oder weniger verloren gegangen ist. Ich bedauere das natürlich zum einen, weil der Sortimentsbuchhandel als schwächstes Glied das besonders zu spüren bekommt. Aber auch deshalb, weil ich glaube, dass das langfristig unserer Branche und ihrer Durchsetzungskraft (und damit letztlich dem Buch) sehr schaden wird und sie beliebig werden wird. Und das finde ich einfach schade.”

Bleibt an dieser Stelle ein Appell an die Adresse der Verlage: Zeigt euch solidarischer, nehmt Rücksicht auf die Belange der Kleineren und fokussiert nicht nur kurzsichtig jene, die eure Kasse klingeln lassen. Buchhändler wünschen sich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Und nicht zuletzt: Sie vermissen Wertschätzung!

Simone Dalbert © privat

Simone Dalbert © privat

Es wäre schön, wenn man nicht als Bittsteller, sondern als Handelspartner mit gemeinsamem Interesse (Handel mit Kultur UND Ware, nämlich Buch) gesehen würde.” Meint Ingo Herrmann und Heike Röminger von der Berliner Buchhandlung Moby Dick

“Nach der Buchmesse hat sich bei uns eine gewisse Frustration breit gemacht, was den Messebesuch betraf. Irgendwie hatten wir uns in den letzten Jahren an den Ständen der Verlage zunehmend als Störfaktor gefühlt, nicht als interessierten und möglicherweise sogar interessanten Partner der Verlage. Klar gilt das nicht für alle, wir hatten auch sehr nette Messegespräche, aber wenn mir gesagt wird, ich solle doch von zu Hause aus bestellen, man habe gerade keine Zeit zum Aufnehmen einer Bestellung, dann komme ich schon ins Grübeln…” So Rosemarie Reif-Ruppert von der Gostenhofer Buchhandlung

“Vergesst die vielen kleinen Buchhändler nicht. Wir machen einzeln nicht den Umsatz einer großen Filialkette oder sogar eines Online-Riesen. Aber wollt ihr wirklich, dass die Kleinen mit der Nähe zum Kunden immer weniger werden?” Fragt Simone Dalbert von der Würzburger Buchhandlung Schöningh

“Dass auch umgekehrt sie, wenn sie denn solcherart Bücher machen und herausbringen, in ein ähnlich ambitioniertes Verhältnis zu denjenigen Buchläden und Buchhändlern treten, wo sie ein solches Verhältnis zu ihren Büchern lebendig vorfinden können.” Wünscht sich Clemens Bellut vom Heidelberger Buchladen artes liberales

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BTW: Die Fragestellungen der Gesprächsreihe will eine Veranstaltung erweitern und vertiefen, die in Berlin/Mitte am 3. Juni 2014 ab 19.00 Uhr in der Tucholsky-Buchhandlung stattfindet. Wir erwarten uns eine kontroverse Debatte, zu der Ihr herzlich eingeladen seid. Zur Diskussion beitragen werden u.a. Siegmund Ehrmann, MdB (Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien), Zoë Beck (Autorin und e-Book-Verlegerin CulturBooks), Lorenz Borsche (Vorstand der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch), Boris Langendorf (freier Publizist), Daniel Leisegang (Autor von “Das Buch als Beute”) und Stefan Weidle (Verleger und Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung). – Der Eintritt ist frei.

Um Voranmeldung wird gebeten: kurt(klammeraffe)tucholsky(punkt)de

Wünsch dir was! Wie Verlage Buchhändler zufriedener stellen können (I)

Sollte sich der Osterhase befleißigen, all‘ jene Wünsche in einen Sack zu packen, die Buchhändler an Verlage richten, dann hätte er schwer zu schleppen. Ganz schön viel kam jedenfalls auf die Frage „Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… welche wären das?“ zusammen, die Buchhändler im Rahmen meiner Reihe SteglitzMind stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor beantwortet haben. Während sich die Gesprächspartner bei der Frage, was man sich vom Börsenverein des deutschen Buchhandels erhoffe, eher zurück hielten, gab sich hier keiner bedeckt. Mancher holte weit aus. Schnell wurde mir deutlich, dass das Verhältnis zwischen herstellendem und verbreitendem Buchhandel nicht gänzlich ungetrübt ist. Wissen Verlage etwa das nicht zu würdigen, was Buchhändler leisten?

Welche Schritte Verlage einzuleiten hätten, um Buchhändler zufriedener zu stimmen, darum geht es in den folgenden Blogposts. In diesem Teil fasse ich die Wünsche an Programm und Marketing zusammen; im zweiten Teil wird es vorrangig um Vertrieb und Wettbewerbsbedingungen gehen.

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Ganz oben auf der Liste steht ein Wunsch, der nicht nur aus dem Sortiment seit Jahren laut wird. Obwohl der Novitäten-Ausstoß in jüngerer Zeit etwas rückläufig ist, bleibt der Buchmarkt dennoch durch eine unverminderte Titelflut unüberschaubar. Das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) listet nahezu 1,4 Millionen Titel und jährlich kommen Unmengen hinzu. So buhlten 2012 – laut „Buch und Buchhandel in Zahlen“ – 91.100 Neuerscheinungen um Buchhändler und Leser. Diesen Bücherberg kann selbstverständlich kein Mensch bewältigen; selbst ein potentieller Vielleser nicht, der es hypothetisch auf vier Bücher wöchentlich bringt. Auch dieser schafft jährlich kaum mehr als 200 Bücher. Kurzum: Es drängeln sich zu viele auf dem Markt, sagen die Buchhändler, und fordern entsprechend von den Verlagen eine Drosselung der Produktion.

lesende Buchhändlerin ©  Mila Becker

lesende Buchhändlerin © Mila Becker

Sucht sorgfältiger aus, strafft die Programme. Das gäbe dem Buch eine größere Wertigkeit. Nicht alles, was gedruckt werden kann, muss auch gedruckt werden”. Sagt Brigitte Gode von der Gollenstein Buchhandlung in Blieskastel

“Stoppt die irrsinnige Masse an Neuerscheinungen. Es gibt nicht weniger Leser, es gibt zu viele Bücher. Gegen diese unendliche Flut, die produziert wird, kann weder der gutwilligste Buchhändler, noch der ambitionierte Leser ankommen. Nicht Masse, sondern Klasse wäre mal wieder angesagt!” Findet Mila Becker von Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

“Ratlosigkeit im Neuerscheinungsdschungel treibt um… Es wird uns so schwer gemacht, gute Belletristik zu finden – aber wir finden sie!” Meint Heike Wenige vom Taschenbuchladen im sächsischen Freiberg

Da sich die befragten Sortimenter in der Pflicht sehen, Perlen aus dem Büchermeer zu fischen, gereicht ihnen ein unüberschaubarer Markt, den niemand bewältigen kann, zum doppelten Ärgernis. Perlen lassen sich in trüben Gewässern nur schwerlich auffinden. Aber nicht allein die Überproduktion wird kritisiert, sondern auch das Tempo, das Verlage beim Verlegen vorlegen. Bücher werden zu schnell und zu eilfertig verramscht und damit der Chance enthoben, sich auf dem Markt durchzusetzen. Moniert wird in diesem Zusammenhang ebenfalls, dass Verlage ihre Backlist vernachlässigen und dass die Fristen zwischen Hardcover- und Taschenbuchausgaben zu kurz sind.

Lia Wolf  © Oskar Schmidt

Lia Wolf © Oskar Schmidt

1. weniger Publizieren in 2. niedrigeren Auflagen was zu 3. weniger Verramschen führt und somit der dritte Wunsch sich von selbst erfüllt und für den Wunsch nach Backlistpflege frei bleibt.” Sagt Lia Wolf von der Wiener Buchhandlung Lia Wolf

“Verramscht eure Bücher nicht so schnell! Die Bücher werden sehr, sehr schnell – manchmal innerhalb eines halben Jahres an moderne Antiquariate billig verhökert, so dass zeitgleich bei uns die „normale“ Ausgabe gehandelt wird – das ist sehr unschön…” Meinen Jessica Ebert und Katja Weber von der Berliner Buchhandlung ebertundweber

Ebenfalls ihr Fett weg bekommen die Verlagsprogramme höchst selbst. Anstoß nehmen die Befragten vorrangig an Qualität und Uniformität des Angebots.

Mich treibt um, das es immer schwerer wird, Titel mit Substanz zu finden, die zu verkaufen Freude macht. Die Unzahl austauschbarer Massenware auch aus Häusern mit großer literarischer Tradition wie z.B. Aufbau, Ullstein, List deprimiert. Fragen Sie doch mal Verlage, was im vorletzten Herbst der Spitzentitel war?! Auch wenn Osburg, Liebeskind u.a. immer noch für Lichtblicke sorgen, dünnt sich das Angebot trotz hoher Novitäten-Anzahl doch zusehends aus.” So Holger Brandstädt von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung in Ueckermünde

Moniert werden allerdings nicht nur flache Inhalte, auch die Gestaltung der Bücher lässt in den Augen der Buchhändler vielfach zu wünschen übrig. Verbesserungen fordern sie bei der Titel- und Covergestaltung. Lieblose, uninspirierte Klappentexte kommen ebenso wenig an wie austauschbare und uniforme Cover. Zudem scheinen Verlage das Preis-/Leistungsverhältnis aus dem Auge verloren zu haben. Für Unmut sorgt außerdem, wenn Titel künstlich aufgeblasen werden. Und bisweilen wäre weniger ganz einfach mehr.

Margarete Haimberger © Margarete Haimberger

Margarete Haimberger © Margarete Haimberger

Ich wäre schon zufrieden, wenn auf jedem Umschlag ein paar Angaben zum Inhalt stehen würden und keine geheimnisvollen Sätze aus dem Buch. Es mag originell sein, aber die Kunden legen so ein Buch meist zurück.” Sagt Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

“Reduziert die vielen austauschbaren Titel und blast Bücher nicht künstlich auf: in unsere Regale passt halt nur eine begrenzte Zahl von Titeln. Ein Buch mit den Ausmaßen eines Backsteins nimmt uns einfach zu viel Platz weg wenn man den Text auch – ohne Einbußen an guter Lesbarkeit – auf ein Drittel der Seiten unterbringen könnte. “Meint Rosemarie Reif-Ruppert von der Gostenhofer Buchhandlung in Nürnberg

“Übertreibt es nicht mit der Ausstattung, vertraut auf die Wirkung des Worts (und wenn es keine Wirkung hat, lasst es lieber ganz bleiben.” Wünscht sich Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Rosi Reif-Ruppert © Rainer Kradisch

Rosemarie Reif-Ruppert © Rainer Kradisch

Ach, bitte: druckt ansprechende Texte auf die Buchrückseite!” Fordern Beate und Mischa Klemm von der Berliner Buchhandlung lesen und lesen lassen

“Liebe Verlage, bitte macht Bücher nicht so billig! Wenn die Qualität stimmt, darf ein Taschenbuch auch 14,99 kosten und nicht nur 8.99. Achtet doch bitte wieder mehr auf das Preis-Leistungsverhältnis: für 800 Seiten mit schmucken Cover sind 10 € zu wenig, für 80 Seiten, auf schlechtes Papier gedruckt, sind € 12,90 zu viel.” So Rosemarie Reif-Ruppert von der Nürnberger Gostenhofer Buchhandlung

Absolut NO GO ist das „Trittbrettfahrer-Syndrom“, was meint, dass Verlage das abkupfern, was auf dem Markt gut geht. Mogelpackungen verschaukeln Leser, in der Folge büßen Verlage langfristig Glaubwürdigkeit und Renommee ein.

Stefanie Dietz © Anette Hempfling

Stefanie Dietz © Anette Hempfling

Die zunehmende Produktion austauschbarer Titel und die zunehmende Uniformität des Angebotes mit der Gefahr, dass die Qualität immer mehr in den Hintergrund tritt. Tödlich für den Buchhandel ist die Devise „Fliegen irren nicht…“, also legen wir noch eins auf den großen Haufen drauf. Das andauernde „Für die Leser von…„ signalisiert doch nur „Abklatsch Nr. X“. Sagt Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster in Ganderkesee

“Was mir am Programm der großen Publikumsverlage am meisten auf den Geist geht, ist das “Trittbrettfahrersyndrom”. Erfolgreiche Titel werden von anderen Verlagen kopiert, (indem etwa Themen geklaut werden, Cover ähnlich gestaltet), um den naiven Leser dazu zu bringen, Bücher zu kaufen, die den eigentlichen Erfolgstitel nur wiederkäuen. Durch dieses reine Interesse am schnellen Umsatz verlieren Verlage an Glaubwürdigkeit.” Meint Stefanie Diez von der Berliner Buchhandlung Die Insel

Bedauert wird vielfach, dass etablierte (Publikums-) Verlage den Mut zum besonderen, zum ambitionierten Buch verloren haben. In diesem Zusammenhang kommen in der Gesprächsreihe die sogenannten Independent Verlage gut weg, die abseits des Mainstreams trotz schlechter gestellter Vertriebsmöglichkeiten mit innovativen Programmen und ungewöhnlichen Büchern überzeugen, die ansprechend gestaltet sind. Sie werden von den befragten Buchhändlern vielfach lobend erwähnt.

Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner © die Buchkönigin

Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner © die Buchkönigin

Sehr viele kleinere bis kleine, unabhängige Häuser wie z.B. der Secession Verlag, Binooki oder Kunstmann leisten wunderbare Arbeit und sind mit großer Hingabe bei der Sache, da gibt es rein gar nichts dazu zu wünschen!!!” So Stefanie Diez von der Berliner Buchhandlung Die Insel

“Schön ist, dass auch im Literaturbetrieb immer noch neue Konzepte erdacht werden und funktionieren. Zum Beispiel der neue Berliner Verlag Metrolit – ein Projekt verschiedener Akteure des Literatur- und Medienbetriebs (Aufbau, Walde + Graf, Flux Fm). Sie haben ein innovatives Programm aufgestellt, das sich sowohl am Zeitgeist orientiert als auch auf klassisch verlegerische Arbeit setzt. Weiterhin ist es erfreulich zu sehen, dass auch kleine ambitionierte Projekte wie zum Beispiel der Binooki Verlag oder Kookbooks eine Chance haben, sich zu etablieren. Auch Ungewöhnliches oder scheinbar Abseitiges muss nicht konträr zu wirtschaftlicher Machbarkeit stehen, und trägt zu einer lebendigen literarischen Szene abseits des Mainstreams bei.” Meinen Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner von der Berliner Buchhandlung Die Buchkönigin

Nicht gut weg kommt das Marketing, mit dem Verlage gedenken, Buchhändler für ihre (Spitzen-)Titel einzunehmen. Dass Mittelmäßiges mit Superlativen hochgejubelt wird, verärgert den Buchhandel. Mit künstlich aufgeblähten Kampagnen für einzelne Titel, die mit aller Macht auf Bestseller-Listen gehievt werden sollen, hat er ebenso wenig am Hut. Und für marktschreierische Vorschauen, die den Handelspartner für dumm verkaufen wollen, haben Buchhändler schon überhaupt kein Verständnis.

Heike Wenige  © privat

Heike Wenige © privat

Es bringt mir nichts, einen umworbenen Bestseller einmal von hinten, von vorne, auf einem Stapel, in einen kunstvollen Aufbau oder sonst wie auf jeweils einer ganzen Seite abgebildet bestaunen zu können. Dagegen hätte ich gerne Vorschauen oder Leseproben, die Informationen über Text und Autor bieten. Ja, auch wie die Geschichte ausgeht und wer der Täter ist, darf gerne verraten werden…” So Rosemarie Reif-Ruppert von der Nürnberger Gostenhofer Buchhandlung

“Verlagsvorschauen sollten mehr Arbeitsmittel sein und den Buchhändler nicht mit den üblichen Superlativen und mehrseitigen Einzeltitelankündigungen quälen, man hat doch auf der ersten Seite schon begriffen, wie wichtig das Buch für den Verlag sein könnte.” Findet Heike Wenige vom Taschenbuchladen in Freiberg

Statt viel Gedöns und leeren Versprechungen („wir werben in…“) wünschen sich Buchhändler sachliche Informationen und Leseproben. Auf wenig Verständnis stößt, dass Verlage inzwischen mit Leseexemplaren geizen. Mancher kann sich durchaus vorstellen, auf die gedruckte Vorschau zu verzichten. Andere wiederum sprechen sich dafür aus, dass die Gelder, die für aufwändig gestaltete Vorschauen und Kataloge ausgegeben werden, sinnvoller fließen sollten.

Clemens Bellut © Laurenz Micke

Clemens Bellut © Laurenz Micke

Vor allem: Seid großzügig mit Leseexemplaren, denn unsere Kunden fordern unsere persönlichen Buchempfehlungen ein und dafür müssen wir lesen, lesen, lesen.” Sagt Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach

“Wieder mehr Leseexemplare im Hinblick auf den Einkauf und natürlich den Verkauf. Was ich gelesen habe, kann ich in der Regel auch verkaufen.” Meint Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

“Dass sie die Gelder, die in ihre oft unglaublich aufwendigen Kataloge und Präsentationen gehen, eher den Autoren, den Lektoren, den Setzern und den Buchhändlern zugute kommen lassen.” Fordert Clemens Bellut vom Heidelberger Buchladen artes liberales

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BTW: Die Fragestellungen der Gesprächsreihe will eine Veranstaltung erweitern und vertiefen, die in Berlin/Mitte am 3. Juni 2014 ab 19.00 Uhr in der Tucholsky-Buchhandlung stattfindet. Wir erwarten uns eine kontroverse Debatte, zu der Ihr herzlich eingeladen seid. Zur Diskussion beitragen werden u.a. Siegmund Ehrmann, MdB (Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien), Zoë Beck (Autorin und e-Book-Verlegerin CulturBooks), Lorenz Borsche (Vorstand der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch), Boris Langendorf (freier Publizist), Daniel Leisegang (Autor von “Das Buch als Beute”) und Stefan Weidle (Verleger und Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung). – Der Eintritt ist frei.

Um Voranmeldung wird gebeten: kurt(klammeraffe)tucholsky(punkt)de

 

SteglitzMind stellt Markus Kolbeck mit „Leipziger Bücherlei“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

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Es ist inzwischen über ein Jahr her, dass Oliver Gassner, der das Blog Literaturwelt koordiniert, Markus Kolbeck mit Leipziger Bücherlei ins Spiel brachte. Umso mehr freue ich mich, dass heute wird, was so lange währte.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Geburtenstarker Jahrgang 1966. Gelernter Koch, Abitur an einem besonderen Studienkolleg (Norbertinum) nachgeholt. Seit 1989 als examinierter Krankenpfleger im stationären Bereich. Leipziger durch und durch.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Markus Kolbeck @ privat

Markus Kolbeck @ privat

Seitdem ich im Internet bin, spielen dabei Bücher und Literatur eine zentrale Rolle. 1995 begann mein virtuelles Dasein wie bei einigen anderen hier interviewten Bloggern im und mit dem Usenet – in der Büchergruppe de.rec.buecher, der ich über viele Jahre treu blieb. Von Anfang an fand ich Gefallen daran, nicht nur zu diskutieren, sondern das Leben mit Büchern in seinen vielen Facetten auch zu vermitteln, andere zu den Plätzen im Netz zu führen, die auch ich gefunden habe. Daraus entstand auf Drängen anderer User im Juli 1996 meine Webseite “Bibliomaniac List”, die dem entsprach und katalogartig literarische Netzinhalte verlinkte und die später in “Leipziger Bücherlei” (Wortbildung aus der hiesigen Spezialität “Leipziger Allerlei” und “Bücher”) umbenannt wurde. Im April 2001 begann ich tagebuchartig zu schreiben, was wenig später als Weblog betitelt wurde. Nach vielen Versuchen mit Bloghostern (Antville, Twoday, Posterous, WordPress usw.) beschränke ich mich seit ein paar Jahren wieder darauf, mein Bücherleben allein durch die Webseite zu präsentieren.

Deine Themenschwerpunkte …

Der Fokus liegt eindeutig auf dem, was man als Lesefrüchte bezeichnen kann. Was mir inhaltlich und sprachlich auffällt und gefällt, was originell, beeindruckend oder skurril ist, wird gesammelt.
Da ich mich immer wieder gerne als Bibliomane geriere, spielen alle damit zusammenhängenden Aspekte nach wie vor eine Rolle. So werden Bilder, Texte und Videos verlinkt, welche die Bücherleidenschaft konkretisieren. Besonderes Augenmerk gilt dem Akt des Lesens und der Zukunft des Buches.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Mit dem Literaturbetrieb habe ich nichts zu tun. Hin und wieder hänge ich mich bei besonderen Aufregern mit hinein. Ich erinnere an die Debatten um Günter Grass, Martin Walser oder jüngst die durch Maxim Biller ausgelöste um Literatur von Autoren mit Migrationshintergrund.

Wie machst du das Blog und deine Beiträge bekannt?

Dies wechselt immer wieder. Mal durch Twitter, Facebook, mal durch das Klassikerforum.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

In seinem Blog sollte er natürlich tun und walten, wie er mag. Selbst das kleinste und spezialisierteste Blog wird seine treuen Leser finden, sofern man den großen Atem hat, einigermaßen durchhält und regelmäßig postet. Penetrante Eigenwerbung in fremden Gefilden ist ungut und unbedingt zu meiden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die deutsche Blogosphäre, so unken viele, habe ihren Zenit hinter sich. Umso hartnäckiger sollten Anfänger bleiben. Reichlich in anderen Blogs kommentieren, viel loben, dann knüpft man virtuelle Beziehungen, die oft über Jahre und Jahrzehnte halten.
Probleme entstanden für mich anfangs daraus, dass ein gewisses technisches Grundverständnis vonnöten ist, wenn man zum Beispiel ein eigenes CMS aufsetzen will, woran ich immer scheiterte. Auch die leidige Fragen der Archivierung oder Datenmigration, wenn man umziehen will. Technischer Schnickschnack, mit dem ich mich nicht belasten konnte und wollte.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Wenn man von Menschen, z.B. Schriftstellern, die man selbst bewundert und verehrt, wahrgenommen wird, wenn sich ein Austausch herstellt. Dass mich vor Jahren Florian Felix Weyh für das Erlanger Poetenfest zu einer Podiusmdiskussion zum Thema “Leseglück” eingeladen hatte, freute mich sehr. “Geadelt” wurden Oliver Gassner und ich bereits 1997, als wir von der Wochenzeitung der ZEIT und IBM im Rahmen des damals ausgelobten Internet-Literaturwettbewerbes für unser Bemühen ausgezeichnet worden waren, Literatur durch das Internet zu vermitteln.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Davor bin ich glücklicherweise gänzlich verschont.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn euch Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Auch diesbezüglich habe ich als kleiner, mit Eigenarten behafteter Blogger Ruhe. Prominentere Literaturmenschen müssen hierbei sicher Grenzen setzen. Lebenszeit ist Lesezeit und bekanntlich begrenzt.

Wie hältst du es dem E-Book?

Die Gretchenfrage des Bibliomanen. Seit zwei Jahren lese ich viel auf dem Kindle, klinke Totes-Holz-Literatur jedoch nicht aus, sondern teile mich – je nach Angebot: Klassiker auf den Schirm, Neues eher auf Gutenbergs bewährte Art. All die Vorzüge, die dem guten alten Papierbuch immer wieder attestiert werden, genieße ich, halte sie aber nicht für schlagkräftig, wenn es darum geht, etwas zu seiner Zukunft zu orakeln.
Heute und in naher Zukunft Geborene werden selbstverständlich Texte elektronisch lesen.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Leider sind alle Blogger in meiner Blogroll schon befragt. Ein Pluspunkt für deinen Spürsinn und die gute Vernetzung der Litblogger untereinander. Ein großes Bedauern auch, dass Liisa mit ihrem Litblog pausiert. Sie bewunderte ich stets. Vielleicht lassen sich Cornelie Müller-Gödecke mit ihrem Avantart Lese-Buch oder Daniel Ludwig mit Mein Lesesessel oder Hanjo Iwanowitsch mit ats20.de Ein Blog zu einem Gespräch überreden?

Ich tue mein Bestes. Danke, dass du nun – endlich – auch dabei bist!

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Zuletzt stellte sich Vero Nefas mit Drei Groschen Poesie vor. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

 

 

SteglitzMind stellt Vero Nefas mit „Drei Groschen Poesie“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Melanie Döring von bookrecession hatte vorgeschlagen, dass wir Vero Nefas etwas näher kennenlernen sollten, die das Blog Drei Groschen Poesie pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten…

Vero Nefas, 29 Jahre alt, alleinerziehende Mama einer ganz bezaubernden, literaturbegeisterten Tochter, berufstätig, buchverrückt, Single.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Vero Nefas mit... @ privat

Vero Nefas mit… @ privat

Ich blogge seit Anfang 2012, genauer gesagt seit dem 22.2.12 (Die eine freche 1 hat sich einfach in das schöne Datum geschlichen ;-) ) Aber eigentlich war das alles gar nicht geplant. Ich habe über Facebook damals recht zeitgleich zwei Testlese-Bücher gewonnen und dann stand ich da, mit meinen ersten beiden Rezensionen und wusste nicht wohin damit. Für Amazon waren sie mir zu schade, auf Lovelybooks war ich damals noch nicht aktiv und so habe ich kurzerhand einen Blog gegründet (zuerst noch bei Blogspot getestet. Mich dort nicht wirklich wohl gefühlt, daher dann am besagten 22.2. zu WordPress gewechselt), einen irgendwie griffigen Namen gesucht und dann war ich geboren: Vero Nefas und die Drei Groschen Poesie waren zum Leben erweckt und sind seither ein nicht unbedeutender Teil von mir.

Deine Themenschwerpunkte …

Mein Themenschwerpunkt: Alles Rund ums Buch. Nein, im Ernst. Ich lese alles was mir gefällt, bespreche Bücher wie mir der Sinn danach steht und blogge vor allem gerne über Lesungen, Messen und andere Literatur-Veranstaltungen. Gerade meine Event-Berichte erfreuen sich großer Beliebtheit. Manchmal spreche ich auch einfach Themen an, die mich interessieren, aber im Großen und Ganzen geht es immer irgendwie um meine Leidenschaft: Bücher.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Eine schwierige Frage, weil ich gar nicht genau weiß wie ich sie zu verstehen habe. Aber es gibt durchaus ein paar Dinge, die mich eher wenig begeistern können. z.B. der aktuelle Trend, dass man ein Buch, das sich gut verkauft, von allen Seiten versucht zu kopieren und im Endeffekt dann ein und die selbe Geschichte hundertmal erzählt wird. Als Beispiel dient mir dazu das, was aktuell so unter „Fantasy“ läuft: Junges Mädchen findet durch Zufall heraus, dass sie Fee/Elfe/anderes magisches Wesen ist und ihr Reich vor dem Untergang retten muss. Dabei verliebt sie sich in den Prinzen und nach diversen (und unbedingt notwendigen) Irrungen und Wirrungen finden sie am Ende zusammen. Ja, die Story hatte durchaus mal ihren Reiz – aber halt nicht, wenn sie zum 150 mal mit wechselnden Protagonisten erzählt wird. Von Glitzervampiren oder Pseudo-erotischen Romanen will ich jetzt gar nicht erst reden.

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Ein anderes Problem sehe ich darin, dass man versucht Bücher – vor allem bei Thrillern fällt mir das vermehrt auf – als etwas auszugeben, was sie nicht sind. Man verspricht rasante Unterhaltung, promotet ein Buch mit riesigen Mitteln und am Ende liest der Käufer zwar ein im Prinzip sehr, sehr gutes Buch, an das er aber völlig andere Erwartungen hatte und weswegen der geneigte Einheitsbreileser natürlich enttäuscht ist und das Buch verreißt. So geschehen z.B. bei Gone Girl von Gillian Flynn. Ein wunderbarer, hochintelligenter Roman und eine wirklich gigantische Kampagne, die aber halt leider absolut nichts mit dem Buch zu tun hatte. Die Werbestrategie für das Buch versprach Serienmörder, viel Gewalt und Blut. Nichts davon findet man im Buch. Es wurde so promotet, dass sich der geneigte Fitze Leser (Ich führe ihn hier einfach mal als erfolgreichsten Deutschen Thriller Autoren ins Feld) angesprochen fühlt. Aber dieser Roman hat mit einem typischen Psychothriller null Komma nix zu tun, obwohl es einer der besten und raffiniertesten Romane ist, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Und das passiert einfach immer häufiger – eine gute Geschichte wird der Stempel „Thriller“ geklebt, nur damit es sich besser verkauft und am Ende sind alle enttäuscht, weil viele nur ihre Erwartungen erfüllt sehen wollen, statt offen zu sein für neue Entdeckungen.

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Also eigentlich ärgere ich mich diesbezüglich gleichermaßen über Leser und Verlage: über die Verlage, weil sie die immer gleiche Massen-Einheits-Ware produzieren und über den Leser, weil er so langweilig und fad ist, und genau das auch noch haben will.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Eigentlich gar nicht – ich teile jeden Beitrag auf meiner Facebookseite und dem zugehörigen Twitter-Account und das war’s eigentlich. Manchmal sind dann eben Autoren, Verlage oder andere Blogger so nett und teilen mich weiter, wenn ihnen gefällt, was ich mache, und darüber kommen neue Leser hinzu. Aber um ehrlich zu sein blogge ich nicht, um bekannt zu werden – auch wenn das ein wirklich netter Nebeneffekt ist. Ich mache das, weil es mir Spaß macht zu schreiben, zu erzählen und meine Meinung zu Büchern zu „Papier“ zu bringen. Und es freut mich natürlich, wenn ich damit den ein oder anderen begeistern kann.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Oh weh, da gibt es so vieles. Angefangen mit der Bettelei um Rezensionsexemplare bis hin zu Neidattacken und Intrigen gegen andere Blogger oder sogar Autoren. Aber vor allem sollte er sich selbst nicht so wichtig nehmen. Mein Rat an andere Blogger: Macht euer Ding, schaut nicht immer wie andere es machen oder wie ihr besser sein könntet als andere, sondern bloggt wie es euch Spaß macht. In erster Linie geht es doch um Bücher und nicht darum, sich selbst zu präsentieren. Oder?

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Schwierigkeiten? Mal abgesehen vom anfänglichen Reinfinden in die Technik, eigentlich keine, außer, dass es manchmal nicht ganz nette Gerüchte über einen gibt, nur weil man ein bisschen Erfolg hat. Das ist schade, denn eigentlich sollte Bloggen ein Hobby sein, das allen Spaß macht und kein Konkurrenzkampf. Aber es wird immer Leute geben, die anderen nichts gönnen können und, ich gebe zu, manchmal ärgere ich mich auch, wenn besonders unsympathische Blogger Erfolg haben, weil ich es natürlich einfach den richtig lieben und netten Menschen viel eher wünschen würde. Aber hey, man kann sich über sowas auch einfach im stillen Kämmerchen ärgern, ohne über andere öffentlich herzuziehen. Und ein bisschen „Neid“ ist, glaube ich, sehr menschlich. Daher stehe ich auch voll dazu: Wenn jemand unverdient etwas bekommt bin ich durchaus missgünstig, oder wenn sich jemand durch Lügen und Intrigen Erfolge erschleicht. Wenn sich jemand Erfolg erarbeitet oder einfach Glück gehabt hat, dann gönne ich das von Herzen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

Buchmessen, wenn einen einfach jeder erkennt. Das ist klasse, surreal und wahnsinnig witzig. Manchmal fühlt man sich schon ein bisschen wie ein kleiner Star, wenn man angesprochen wird und die Leute Fotos mit einem machen wollen. *Lach* Aber es ist vor allem schön, weil man so viele gleichgesinnte, wunderbare Menschen kennen lernen kann, die die gleiche Leidenschaft haben wie man selbst.
Im Moment z.B. steht es noch in den Sternen, ob ich nach Frankfurt fahren kann und es ist einfach schön, wenn viele Menschen darauf mit einem „Oh nein, Vero! Frankfurt ohne dich, das geht gar nicht!“ reagieren. Ich hatte keine unbedingt schöne Schulzeit, will heißen: Ich war nie sehr beliebt. Und es tut so unglaublich gut, wenn einen Menschen gern haben :-)

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das passiert tatsächlich sehr häufig, meistens jedoch lehne ich ab, bzw. lasse – aufgrund der Menge an Mails – die Anfragen unbeantwortet. Das erscheint zwar unhöflich, aber mir fehlt einfach die Zeit auf jede Mail zu antworten und 20 Bücher in der Woche könnte ich sowieso nicht lesen. Außerdem soll Lesen Spaß machen – ich möchte lesen können was ich will und wann ich es will. Außer natürlich ich bekomme ein Buch angeboten, das sowieso ganz weit oben auf meiner Wunschliste steht. Dann freue ich mich darüber, dass ich mir gelegentlich ein paar Euro spare. Schließlich kaufe ich mindestens fünf bis sechs Bücher im Monat.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Diese Anfragen lehne ich mittlerweile, aufgrund einiger negativer Erfahrungen, generell ab. WENN ich wirklich Interesse an einem SP-Buch habe, dann kaufe ich es mir gerne, um den Autor zu unterstützen. Aber ich muss zugeben, dass tatsächlich wenig veröffentlich wird, was mich wirklich interessiert. Oder sagen wir: Es passiert selten, dass ich auf ein Buch stoße das mich anspricht, aber ich suche auch nicht gezielt danach.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Lese ich eigentlich gerne, aber leider vergesse ich meistens, dass ich auch noch eine ganze Menge ungelesener E-Books habe, weil man die einfach nicht so schön auf dem Nachttisch bzw. in meinem Fall ein Bücher-Nähmaschinen-Tisch (so ein antikes Teil, ohne Nähmaschine natürlich) präsentieren kann. Ich bin ein sehr visuell veranlagter Mensch. Alles, was ich nicht sehe, das vergesse ich einfach. Manchmal ist das wirklich lästig.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich empfehle als Blogs: Literatwo – Binea & Mr. Rail, das Bücherkaffee, …a literary passion und Buchgefieder und finde, dass die liebe Bella – von …a literary passion als noch recht junge Bloggerin hier auch zur Wort kommen sollte!

Danke sehr, Vero, ich freue mich, dass du dabei bist.

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Zuletzt stellte sich Melanie Döring mit bookrecession vor. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

 

“Wer will denn ernsthaft mit dem konkurrieren wollen, was die Internet-Handelsunternehmen da veranstalten?” – SteglitzMind stellt Clemens Bellut von der Buchhandlung “artes liberales” vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Heute lernen wir Clemens Bellut vom Heidelberger Buchladen artes liberales etwas näher kennen. Vorgeschlagen hatte das Giovanni Belmonte, der das Blog vnicornis pflegt.

Eine Skizze vom Laden…

Im Mai 2013 habe ich den Buchladen unter dem Namen artes liberales in der Heidelberger Altstadt, am Kornmarkt, in einem frisch restaurierten, 300 Jahre alten traumhaft schönen Haus eröffnet. Er ist in einem ausgesprochen ernst gemeinten Sinn als philosophischer Buchladen aufgebaut, versammelt auf sehr kleinem Platz einen entsprechend kleinen Bestand von ca. 1.200 Titeln, die vornehmlich aus meiner eigenen disziplinären Perspektive in einem gewissen Verhältnis zur Philosophie stehen: Dichtung, Literatur, Philologie, Kunstwissenschaft, Physik, Musikwissenschaft, Geschichte.

Clemens Bellut © L. Povilas Ludvikas

Clemens Bellut © L. Povilas Ludvikas

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

Weil ich vor eineinhalb Jahren nach Heidelberg gezogen bin und in der Altstadt, neben all den zahlreichen Antiquariaten, leidvoll die Abwesenheit eines solchen Buchladens registrieren musste – eines Buchladens zum Lesen, zum Gespräch, zur Entdeckungsreise und zur veritablen Konkurrenz fürs Café oder für die Kneipe als Tagesraum.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ja.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Der Wechsel von den akademischen Tätigkeitsorten zu einem Buchladen. Dabei ist der Wechsel lange nicht so grundsätzlich wie es scheinen mag: Seit alters her trage ich mich mit der Idee, einmal eine kleine Akademie oder ein Kolleg oder Institut zu gründen, auch zur Wiederaufnahme der alten, herkömmlichen Impulse in der Gründungszeit der ersten europäischen Universitäten. Und auf die Idee mit dem Buchladen bin ich, über den genannten äußeren Anlass hinaus, nur darum gekommen, weil ich mir einen solchen Buchladen mit seiner Präsenz höchst sorgfältig ausgesuchter Titel und Bücher denken kann als die Keimzelle einer solchen „Akademie“.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Ich unternehme keine gesonderten Anstrengungen – aber ich nutze die digitalen Techniken überall, wo sie sich hilfreich machen können. So gibt es eine Facebook-Präsenz des Ladens, eine Internet-Seite, die auch zur Bestellung und zur Beauftragung taugt und man kann eben alle gedruckten, digitalen, audio-visuellen Werke – soweit sie mir erreichbar sind – bestellen und erhalten. Ich sehe nicht den geringsten Anlass, einerseits, mich deswegen von meinem ursprünglichen Impuls abbringen zu lassen – und der Impuls war eben nicht zuerst auf digitale Experimente ausgerichtet – oder, andererseits, mich ohne Not auf völlig gegenstandslose Abgrenzungskämpfe verpflichten zu lassen.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Das Sterben ist vielleicht ein sehr populärer und doch ein wenig stichhaltiger Topos: Es verhält sich vermutlich so ähnlich wie mit den Schallplattenläden. Sie sind ja auch nicht gestorben – oder sie sind jedenfalls wiedergekommen. Und sie genießen vermutlich eine erheblich höhere Wertschätzung als zu Zeiten vor der Digitalisierung. Und so geht es auch mit den Buchläden. Freilich wenn man glaubt, der Digitalisierung und dem Internet-Handel hinterherlaufen zu müssen und davon ausgeht, dass es sich beim Buch um ein völlig austauschbares Handelsgut gegenüber anderen Waren handelt – dann hat man auch ökonomisch schon verloren, bevor man auch nur einmal in seine Buchhaltung geguckt hat … umso mehr in inhaltlicher Hinsicht. Wer will denn ernsthaft mit dem konkurrieren wollen, was die Internet-Handelsunternehmen da veranstalten? Das ist für sich womöglich mehr oder weniger legitim, aber ich will doch gar nicht neben Büchern oder austauschweise gegen sie irgendwelche anderen Waren vertreiben, nur um überhaupt Handel zu treiben oder nur um überhaupt Gewinn zu erzielen. Sondern ich habe eine Idee und einen Wunsch und ich sehe Menschen, die sich wie ich weit unterfordert fühlen von dieser selbstverständlich restlos anti-intellektuellen Industrie. Nicht zufällig geht das Sterben insbesondere bei denjenigen Läden und Ketten los, die ihrerseits einmal einst die kleinen kostbaren Läden zu Grabe gebracht haben und nun einem Trend hinterherlaufen, unter dem sie gar nicht anders als ersticken können.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Ich schreibe niemandem vor, in welcher Gestalt er dasjenige, was mir lesenswert scheint, in die Hand nehmen will: In Schweinsleder gebunden, in Leinen gebunden, kartoniert, als Hörbuch, in irgendeiner digitalen Gestalt…

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Es gibt kein grundsätzliches Argument dagegen – und keines dafür. Die beiden entscheidenden Argumente sind ausschließlich: 1.  was damit publiziert wird und 2.  wie es gemacht ist.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

artes liberales © Clemens Bellut

artes liberales © Clemens Bellut

Indem man einen Buchladen wie ein Café und wie eine Kneipe auffasst: Wenn man versteht, dass es beim Buchverkauf wie bei einigen anderen bemerkenswert eigenartigen Gütern darauf ankommt, ihren ökonomische Ertrag als notwendigen Ermöglichungsgrund ansieht – aber nicht als das ausschlaggebende Anliegen. Ich brauche den Verkauf dafür, den Laden überhaupt betreiben zu können – aber ich mache ihn aus einem völlig anderen Grund. Da braucht es dann aber auch ein intimes Verhältnis sowohl zu den ausgestellten Büchern als auch zu den Menschen, die zu Besuch kommen. Und vielleicht fängt schon alles damit an, diese Menschen nicht als Kunden, sondern als Besucher anzusehen. Und bei den Büchern kommt es darauf an, den Schreck vor den Verlagspreisen zu verlieren und sich mit denjenigen schönen, gutgemachten und verdienstvollen Editionen, Titeln und Publikationen zu umgeben, für die es sich immer lohnen wird, Menschen damit in Berührung zu bringen, darauf aufmerksam zu machen und sie miteinander in Verbindung zu bringen. Das darf man ruhig in beiden Richtungen als ein erotisches Verhältnis ansehen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

1. Dass auch umgekehrt sie, wenn sie denn solcherart Bücher machen und herausbringen, in ein ähnlich ambitioniertes Verhältnis zu denjenigen Buchläden und Buchhändlern treten, wo sie ein solches Verhältnis zu ihren Büchern lebendig vorfinden können.

2. Dass die Gelder, die in ihre oft unglaublich aufwendigen Kataloge und Präsentationen gehen, eher den Autoren, den Lektoren, den Setzern und den Buchhändlern zugute kommen lassen.

3. Dass sie meine Vorstellung einer erneuernden Art der Akademie, die aus dem Buchladen hervorgeht, fördern wollten.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Für diese Wunschliste reicht das (virtuelle) Papier hier nicht: Vielleicht am kürzesten zu sagen, dass der Börsenverein wirklich eine Vereinigung des BUCH handels werden sollte und nicht ein Instrument von Großunternehmen, die wahlweise Bücher, Schlüsselanhänger, Teddybären, Tassen u.a. vertreiben. Oder umgekehrt gesagt: die klare Selbstzuordnung, ob der Börsenverein für den Handel arbeiten will, der zufällig auch die Ware ‘Buch’ vertreibt, oder für die Bücher, ihre Autoren, ihre Verleger, ihre Setzer und Drucker, ihre Buchläden und ihre Leser arbeiten will, die nebenbei auch über Handelsbeziehungen verbunden sind. – Und am banalsten zu sagen: an mir könnte der Börsenverein schon eine Menge sparen, wenn er den unglaublichen Aufwand mit seinen Magazinen und Informationsblättern einschränken oder einstellen würde und auch den dazugehörigen ganzen Apparat der Werbewirtschaft, des Marketings, der Produktion und des Vertriebs dieser völlig überflüssigen Papiere…

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die engstirnige Beschränkung auf einen Talkshow- und Nachtisch-Literaturbegriff, der aus merkwürdigen Gründen die wissenschaftliche Literatur fast ausschließlich unter der Kategorie „Sachbuch“ oder „Populärwissenschaft“ oder „Wissenschaftsjournalismus“ kennt und weitergibt. Und die Beschränkung auf der anderen Seite, die aus der ängstlichen Scheu kommt, in Deutschland noch das Wort „Dichtung“ in den Mund zu nehmen.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Es fängt damit an, dass überhaupt  niemand  in eine Buchhandlung gehen  sollte  – und es geht weiter mit dem Buchhändler und dem Verleger, die aufhören sollten, ihre Leser und Besucher so maßlos wie die Talkshows zu unterschätzen und die ihrerseits vielmehr diesen Lesern und Besuchern den  lohnenden  Weg in eine Buchhandlung überhaupt  möglich  zu machen.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Den Reisebuchladen in Heidelberg, Buchhandlung & Antiquariat Schöbel, ebenfalls in Heidelberg ansässig, die literarische Buchhandlung Quichotte in Tübingen, ebenfalls in Tübingen die H.P. Willi Buchhandlung, Pro qm aus Berlin, die sich hier bereits vorgestellt haben, Calligramme in Zürich und die Buchhandlung Klio, auch in Zürich. – Für ein Gespräch schlage ich Wolfgang Zwierzynski von der Tübinger Quichotte Buchhandlung vor, weil sie meiner auch auf beste komplementäre Weise entspricht.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/ innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

Außerdem gibt es inzwischen ein dreiteiliges Fazit zu den 44 Interviews:

1. Ob und wie sich die Befragten im Netz engagieren 2) inwieweit E-Bücher bereits Einzug in ihre Läden gehalten haben 3) wie sie es mit Publikationen von Self-Publishern halten. Zum “Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen” geht es hier und falls sich jemand die Frage stellen sollte, einmal Buchhändler, immer Buchhändler?, der wird hier fündig

SteglitzMind stellt Melanie Döring mit „bookrecession“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute lernen wir Melanie mit bookrecession kennen. Vorgeschlagen hatte das Hilke-Gesa Bußmann, die ihr gleichnamiges Blog pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Mein Name ist Melanie Döring und ich wurde am 07.05.1981 in Hamburg geboren. Ich arbeite als Außenhändlerin bei einem kleinen Betrieb und habe Spaß bei der Arbeit. Ansonsten gibt es nicht so viel über mich zu erzählen.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Melanie Döring © Martin Schmidt

Melanie Döring © Martin Schmidt

Meinen Blog betreibe ich seit dem 13.06.2012 auf der Plattform „Wordpress“. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, wie viele verschiedene Blog-Plattformen es gibt, und so wurde es im Grunde die Erste, die mir untergekommen ist. Durch Zufall hab ich einen Blog bei WordPress gelesen und mir gefiel das sehr gut und nach den weiteren Informationen meldete ich mich da einfach an. Ich bin aber sehr froh, dass ich zu  WordPress gefunden habe. Es macht einfach Spaß sein Design dort zu gestalten und es ist um vieles leichter, als bei anderen Anbietern.

Zum bloggen bin ich gekommen, da eine Freundin meinte, es wäre doch sehr gut für mich, meine Meinung über Bücher auch anderen als nur ihr mitzuteilen. Hinzu kam, dass ich gerade für ein Jahr viel Zeit hatte und so war die ganze Sache beschlossen. Auf meinem Blog gibt es dazu auch einen Artikel (Wie wurde ich zum Blogger).

Deine Themenschwerpunkte …

Bücher und alles was damit zu tun hat. Ich veranstalte auch Blogtouren, in denen ein Buch über eine gewisse Zeit durch verschiedene Blogger vorgestellt wird. In Form von Interviews (Autor, Charakter), Hintergrundinformationen (Zur Entstehung des Buches, Arbeitsweise des Autors, etc.) oder durch die Vorstellung der Schauplätze im Buch. Was man schon immer über ein Buch wissen wollte.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich veröffentliche alle meine Beiträge bei Facebook und Google+. Rezensionen werden dann auch noch vor allem bei Amazon, Lovelybooks und anderen ähnlichen Plattformen eingestellt.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich bin der Meinung, dass wir Blogger an einem Strang ziehen sollten. Ich kann es nicht verstehen, wie man z. B. aus Eifersucht versucht, andere Leute (Blogger, Autoren) schlecht zu machen. Muss es immer ein Kindergartenverhalten geben, also sich gegenseitig anschwärzen oder so? Du hast mir jetzt meine Idee zum… was weiß ich geklaut und dafür muss ich dir das jetzt heimzahlen, in dem ich die Sache nicht ruhen lassen, sondern mindestens die nächste Woche das Thema immer wieder aufwärme und durchkaue. So etwas nervt mich schon etwas. Aber gut. So ist das halt, wenn man teilweise noch zur Schule geht.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ehrlich gesagt, hatte ich noch nicht so viele Hürden. Meistens halte ich mich aus allem raus. Der Blog war auch mal ursprünglich nur für mich gedacht. Mittlerweile habe ich allerdings so viele tolle Leser (die meisten über Facebook), dass ich jetzt auch für die blogge. Allerdings setze ich mich da nicht unter Druck. Wenn es etwas zu berichten gibt gut, wenn nicht auch gut. Ich versuche mindestens einmal pro Woche etwas zu veröffentlichen, aber auch nur, wenn es passt. Wichtig ist auf jeden Fall, dass man authentisch bleibt. Man darf sich nicht wundern, wenn man beispielsweise die Rezensionen teilweise oder ganz von anderen Bloggern klaut, dass man dann nicht mehr für voll und erst genommen wird.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Das hatte ich bei meinem letzten großen Artikel (Hinter den Kulissen). Es haben sich so viele Leute gemeldet, denen es auch so ging oder die mich einfach unterstützen wollten. Ich ging ja davon aus, dass ich mit diesem ziemlich offenen und nicht ganz netten Artikel eher auf Unmut und Reaktionen der Verleugnung oder so treffe und dass ich hinterher weniger Leser habe, aber dem war nicht so. Ich bekam sogar noch mehr Leser und einige mir völlig unbekannte Blogger haben sich da auch zu Wort gemeldet. Meistens trifft man ja immer die gleichen Blogger. Das war ein sehr schönes Gefühl und ich denke, dass ich jetzt mehr solche Artikeln schreiben werde.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das kommt sehr auf das Buch an. Im Moment bin ich allerdings zeitlich zu eingeschränkt, dass ich zurzeit gar keine Rezensionsexemplare annehme. Die Anfragen bekommen dann alle von mir eine Mail, in der ich leider sagen muss, dass ich keine Zeit habe. In der Regel sind aber Rezensionsexemplare gerne gesehen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich mache keinen Unterschied zwischen Verlagen, Agenturen oder Self-Publishern. Leider muss ich auch denen im Moment absagen. Von einigen Self-Publishern hab ich noch einige E-Books liegen, aber die haben zum Glück Geduld.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich lese sehr gerne E-Books. Dadurch hat man alle Bücher immer bei sich, wenn man mal eines unterwegs fertig gelesen hat. Ich habe früher immer gleich mehrere Bücher mit mir herumgetragen, da ich ja das eine vielleicht fertig gelesen haben könnte und ich dann nicht weiterlesen kann. Diese Zeit ist im Grunde vorbei. Jetzt hab ich immer mehrere Bücher dabei, aber alle in einem Gerät gebündelt.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich würde die folgenden Blog gerne empfehlen, da sie authentisch geblieben sind und ich diese viel und oft besuche. Es macht einfach Spaß deren Artikel zu lesen. Meistens geht es um Literatur.

Nadine Scherer von Meine kleine Welt, Peggy Illner und Claudia Leonhardt, die das Gänseblumenmeer betreiben, und Vero Nefas von Drei Groschen Poesie, von der ich mir wünschen würde, dass sie hier mittut.

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Zuletzt stellte sich Hilke-Gesa Bußmann mit ihrem gleichnamigen Blog vor. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Avantgarde oder Traditionalisten? Wie sich Buchhändler heute positionieren (Teil 3)

Nach immerhin 44 Beiträgen, die seit September 2013 im Rahmen der Gesprächsreihe SteglitzMind stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor zusammengekommen, schien die Zeit reif, etwas näher darzulegen, wie sich die befragten Sortimenter im Zuge der Digitalisierung aufstellen. Bewahrheiten sich Vorurteile, die vielfach kolportiert werden: Hinken sie den Entwicklungen hinterher? Ist ihnen das Netz fremd und Online-Shopping ein rotes Tuch? Haben Sie mit E-Books und Publikationen von Self Publishern nichts am Hut?

Ob und wie sich die Befragten im Netz engagieren und inwieweit E-Bücher bereits Einzug in ihre Läden gehalten haben, habe ich bereits dargelegt. Somit geht es heute im dritten Teil meines Resümees um die Frage:

  • Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Verneint wird die Frage selten. Lediglich acht von 44 Gesprächsteilnehmern denken nicht daran, Titel von Self Publishern feil zu bieten. Ein Buchhändler führte an, den Markt nicht zu überschauen – Hand auf’s Herz: wer tut das schon? Andere begründeten ihre Abwehr damit, dass man der Bücherschwemme auf dem Markt sowieso nicht Herr werden könne und deshalb auf die Selektion durch Gatekeeper angewiesen sei, die sich bewährt habe.

Anna Jeller ©  Jacqueline Godany

Anna Jeller © Jacqueline Godany

Nein. Verlage leisten sehr viel, egal ob Groß, Mittel oder Klein. Diese Filterfunktion benötige ich in dem schieren Überangebot von Büchern. Verlagsprogramme schaffen Identität und stehen für Qualität, jeder Verlag hat seinen eigenen Ausdruck. Meint Klaus Kowalke von der Buchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Eher nicht. Die Produktionen der Verlage sind ohnehin unübersichtlich genug. Sagt Anna Jeller von der Wiener Buchhandlung Anna Jeller

Mir reichen schon die Bücher, die mir von den Verlagen angeboten werden. So Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Das Gros allerdings hat mit Self Publishern keine Berührungsängste. Wohl konnte ich mich bisweilen des Eindrucks nicht erwehren, dass man dabei vorrangig an Werke aus Independent Verlagen denkt, die im Buchmarkt ja durchaus ein gewisses Ansehen haben.

Das machen wir schon immer bei Pro qm. Im Eigenverlag herausgegebene Publikationen – aus dem In- und Ausland – in Form von Heften, Büchern, Zeitschriften, Platten, CDs und DVDs gehören bei uns zentral zum Sortiment, sofern sie sich thematisch mit unseren Fragestellungen überschneiden. Die Verwaltung ist  zugegebenermaßen etwas aufwändiger, aber manchmal kommen gerade die wertvollsten Kommentare zu einer Thematik aus den verwickeltsten Kanälen. Meint das Team von der Buchhandlung Pro qm in Berlin/Mitte

Maria Glusgold-Drews © privat

Maria Glusgold-Drews © privat

Ich biete sowieso schon Titel von Self Publishern an. Ich finde es enorm wichtig, eine Plattform zu haben, auf der man ausprobieren kann. Ich habe einige Titel am Lager, die in Kleinstauflagen produziert wurden und die durchaus auch verkauft werden. So Maria Glusgold-Drews vom Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

Ja – ich biete seit Beginn der Buchhandlung auch Publikationen von Self-Publishern an – diese können eine große Bereicherung sein, weil es viele besondere Publikationen gar nicht in einem Verlag gibt, sondern in sehr geringen Auflagen in Eigeninitiative erscheinen. Voraussetzung ist die qualitative Umsetzung des entsprechenden Themas. Sagt Lia Wolf von der Wiener Buchhandlung Lia Wolf

So Titel von Self Publishern ins Sortiment aufgenommen werden, dann im Kommissionsbezug. Chancen räumen die befragten Buchhändler am ehesten Titeln mit regionalen Bezügen und solchen Autoren ein, die im Umkreis der Buchhandlung leben und wirken. Ob die Bücher, die in Kommission genommen wurden, dann tatsächlich auch gekauft werden – das freilich steht auf einem anderen Blatt.

Beate Laufer-Johannis  © privat

Beate Laufer-Johannis © privat

Hm, ja, habe ich schon ab und zu gemacht. Es handelte sich dann um Autoren aus dem Ort. Da war es durchaus auch für andere interessant zu erfahren, was ihr Freund oder Nachbar zu sagen hatte. Auch wenn nicht immer die Qualität dem entsprach, was ich normalerweise empfehle. Es gibt aber immer wieder Überraschungen, eines dieser Bücher war sogar ein richtiger Renner. So Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus im sächsischen Tharandt

Einige Titel haben wir im Laden, diese sind allerdings sorgfältig ausgesucht. Ich muss von dem Buch wirklich überzeugt sein und die Chemie zum Autor muss stimmen. Es ist sehr unterschiedlich, wie diese Titel ankommen. Bücher mit einem regionalen Bezug verkaufen sich da noch am besten. Sagt Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach

Christian Röhrl © privat

Christian Röhrl © privat

Ich verkaufe ja auch seit 25 Jahren Bücher von Eigenverlegern. Es sind vor allem regional gute Titel dabei. Generell denke ich aber, dass es Sinn macht, vor einer Veröffentlichung jemanden zu haben, der das Ganze lektoriert, korrigiert, bewirbt, veröffentlicht und einen wirtschaftlich sinnvollen (gebündelten) Vertrieb ermöglicht. – Kurz ich bevorzuge Verlage. Meint Christian Röhrl von der Buchhandlung Bücherwurm in Regensburg

Es kommt immer wieder vor, dass uns Eigenproduktionen angeboten werden, in der Regel von Menschen aus unserem näheren Buchhandlungsumfeld, sprich regionale Geschichten. Da bin ich immer offen und nehme sie in Kommission. Allerdings verkaufen sich solche Werke meist schlecht. Oft ist die sprachliche Qualität leider nicht besonders gut. Ein Lektorat/ Korrektorat ist sehr wichtig, das fehlt in der Regel. Sagt Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

lesende Buchhändlerin ©  Mila Becker

lesende Buchhändlerin © Mila Becker

Ich biete sie an. Allerdings nur, wenn sie mich wirklich überzeugen. Der Haken bei diesen ist, und ich höre schon den Aufschrei, man sieht es ihnen leider zu 90% an. Das Auge isst ja bekanntlich auch mit, und die meisten sehen vollkommen unprofessionell aus. Wenn man da dann nicht 100% hinter steht, liegen diese, wie in Blei gegossen. Meint Mila Becker von Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Gefragt ist Qualität, und zwar sowohl in inhaltlicher als auch in gestalterischer Hinsicht.

Es gibt kein grundsätzliches Argument dagegen – und keines dafür. Die beiden entscheidenden Argumente sind ausschließlich: 1. was  damit publiziert wird und 2. wie  es gemacht ist. So Clemens Bellut vom Heidelberger Buchladen Artes Liberales (diesen Beitrag könnt Ihr hier ab 6. März in Gänze lesen)

Warum denn nicht? Schließlich entscheidet die Qualität, die Form, der Inhalt. Wenn das stimmt, sehr gern. Sagt Susanne Dagen vom Buchhaus Loschwitz in Dresden

Doch der Anforderungen an Form und Inhalt nicht genug. Qualität allein reicht nicht, um das Herz von Buchhändlern zu gewinnen! Self Publisher punkten bei ihnen vorrangig dann, wenn die Publikation gedruckt vorliegt und der Titel zum Sortiment der Buchhandlung passt. Wünschenswert ist außerdem, dass das Marketing stimmt. Da die Befragten unisono berichten, dass Titel von Self Publishern besonders beratungsintensiv sind, sollte man nicht mit (sachlichen!) Informationen geizen, die auf die Belange des Buchhandels zugeschnitten sind. Von Lobhudeleien und Marktschreierei sei dringend abgeraten. Gut beraten ist außerdem, wer sich gewisse Kenntnisse über die buchhändlerische Praxis aneignet. Und – last but not the least – potentielle Handelspartner lassen sich nur dann überzeugen, wenn die Rabatte stimmen. Und genau hier scheint noch manches im Argen zu liegen.

Frau Bergmann © Hedwig Bergmann

Martina Bergmann © Hedwig Bergmann

Ich verkaufe auch Bücher von Self Publishern – wenn sie mir gefallen und wenn die Einkaufsbedingungen marktfähig sind. Deshalb verkaufe ich meistens keine Bücher von Self Publishern. Meint Martina Bergmann von der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Gedruckte Exemplare, wenn sie denn gut sind, auf jeden Fall. So Lutz Heimhalt von der gleichnamigen Buchhandlung in Hamburg

Barbara Roth  © Iris Roth

Barbara Roth © Iris Roth

Grundsätzlich kann ich mir diese Entwicklung gut vorstellen. Wichtig wäre dabei, dass wir uns über diese Titel auch vorab informieren und die Kunden dazu beraten könnten. Wünscht sich Barbara Roth von der Offenburger Buchhandlung Roth

Warum nicht, wenn die Qualität stimmt. Allerdings scheitert es oft an dieser Voraussetzung. Unser örtlicher Bestseller wurde von einer Marketingfrau zusammen mit einem alten Verlagsprofi gemacht, da stimmte alles. Auch die Kalkulation mit Buchhandelsrabatten. Oft hat man statt dessen aber den Eindruck, dass einige Produzenten glauben, Buchhändlers ausreichender Lohn sei die Ehre, ihre Produkte zu handeln. Wird von uns erwartet, Eitelkeiten zu finanzieren? Sagt Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster in Ganderkesee

Thomas Calliebe  ©  Thomas Calliebe

Thomas Calliebe © Thomas Calliebe

Wir führen selbstverständlich Titel von Autoren aus unserer Region, auch Self Publisher – allerdings hat das nichts mit Umsatz oder gar Gewinn zu tun. Diese Titel sind mangels Marketing sehr beratungsintensiv und zudem nur mäßig rabattiert. Auf den gesamten Buchmarkt bezogen vertraue ich auf Bücher aus eingeführten Verlagen, weil ich mir hier in Bezug auf Inhalt, Form und Gestaltung sicher sein kann. So Thomas Calliebe von der Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Unbeliebtes Thema Self-Publisher. Grundsätzlich habe ich keine Einwände – vorausgesetzt die (Text-)Qualität stimmt. Ja, liebe Self-Publisher, auch Druck, Schriftbild, Papierqualität, Covergestaltung… beeinflussen die Kaufentscheidung! In der Praxis gibt’s jedoch jede Menge Ärger: fehlende Einträge im VLB und oft auch via Internet schlecht oder gar nicht zu bibliografieren. Fehlerhafte Rechnungsstellung, unorthodoxe Liefermethoden, fehlendes Wissen der Usancen im Buchhandel, nicht zu reden von Rechtschreibfehlern im oft genug miserablen Text. Und ja, es ist ja schön, wenn der Autor von seinem Werk begeistert ist, aber wir wollen auch unsere Kunden im Laden bedienen und nicht so gerne umständlichen Inhaltsangaben am Telefon lauschen. Meint Rosemarie Reif-Ruppert von der Gostenhofer Buchhandlung in Nürnberg

Beate und Mischa Klemm © lesen und lesen lassen

Beate und Mischa Klemm © lesen und lesen lassen

Also in unserem Laden gibt es genau ein Buch eines Self Publishers. Super Cover, super Titel, ansprechender Klappentext, günstiger Preis, bei unserem Großhändler einfach zu beziehen. Aber diese Dinge treffen leider nur ganz selten zusammen. Und dann ist es ja so, dass wir zweimal im Jahr etwa fünfzig Kilo Verlagsvorschauen durchsehen, Leseexemplare testen, mit Verlagsvertretern sprechen, auswählen, aussortieren … Wenn man das geschafft hat, klickt man einfach nicht mehr auf den Link zu einem „ganz tollen“ Buch. Sorry. Sagen Beate und Mischa Klemm von der Berliner Buchhandlung lesen und lesen lassen

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Zum “Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen” gelangt Ihr hier. Und falls sich wer die Frage stellen sollte, einmal Buchhändler, immer Buchhändler?, der wird hier fündig

Zu guter Letzt: Die Aussagen von 44 Buchhändlerinnen und Buchhändlern sind ebensowenig repräsentativ wie das Resümee, das ich ziehe.

Steglitz stellt Hilke-Gesa Bußmann mit ihrem gleichnamigen Blog vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir Hilke-Gesa Bußmann mit ihrem gleichnamigen Blog näher kennenlernen sollten, hatte Jannis Plastargias vorgeschlagen, der schmerzwach pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich liebe ja diese kleinen „Freundschaftsbücher“, die es früher immer gab, in denen man sich ein analoges Profil angelegt hat und alle immer die beliebtesten Schüler auf die erste Seite haben wollten. Ich imitiere das mal:

Name: Hilke-Gesa Bußmann

Geboren: 26.Januar 1990 – während Sturm Daria über Norddeutschland wütete und teilweise sogar für Stromausfälle verantwortlich war – aber zum Glück kennen wir in Norddeutschland auch Notstromgeneratoren.

Heimatort: Aurich – oder besser gesagt Moordorf, ein kleines Dorf im tiefsten Ostfriesland, ungefähr dreißig Kilometer von der Nordsee entfernt. Also quasi mit Blick auf Norderney und den anderen Inseln.

Wohnort: Im Moment Offenbach am Main, weil ich mein Studium in Frankfurt beende, aber möglicherweise ändert sich das zukünftig.

Ausbildung: Gymnasium Ulricianum Aurich, Abitur. Danach Studium an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main im Fachbereich Germanistik und Medienwissenschaft.

Traumjob: Was mit Digitalisierung. Was mit E-Books. Was mit innovativen Verlagen, die in die Zukunft denken und nicht nur trauern, sondern sich trauen nach vorne zu gehen. Und an dieser Stelle liegen die Worte trauern und trauen wirklich sehr nah beieinander.

Hilke-Gesa Bußmann © Hilke-Gesa Bußmann

Hilke-Gesa Bußmann © Hilke-Gesa Bußmann

Diesen ganzen Kram von wegen Lieblingsband (Flogging Molly – immer nur Flogging Molly (okay – und Nathen Maxwell, aber der ist Teil von Flogging Molly)), mein erster Moment mit Büchern (Struwwelpeter! Eindeutig der. Mit 4 Jahren konnte ich den auswendig rezitieren und meine unwissenden Großeltern hielten mich für ein Genie (aber meine Mutter hat es mir auch jeden Abend mindestens dreimal vorgelesen)), Lieblingssänger (habe ich doch schon gesagt, Nathen Maxwell! Na gut, Dave King und Bridget Regan sind auch lieblich), Lieblingsfächer (kurioser Weise tatsächlich nicht Deutsch sondern Latein und Geschichte – obwohl Latein in der Oberstufe und in meinem Leistungskurs dann irgendwann nicht mehr), Lieblingslehrer (Professor Dumbledore und natürlich Gandalf), Lieblingseis (Zitrone und Schokolade, bitte in diese Kombo) und Kaffee oder Tee (KAFFEE!) übergehe ich jetzt einfach. Es ist doch nicht wirklich von Interesse, oder? Vielleicht noch folgende Stichpunkte und dann sind auch schon die Seiten im Freundschaftsbuch voll:

Lieblingsbuch: Régis de Sá Moreira – Das geheime Leben der Bücher

Lieblingsautor: Ich kann nicht nur einen Autor mögen – ich bin Literaturwissenschaftlerin (zumindest meine eine Hälfte) – aber Tolkien, Ende, Zweig und Uwe Tellkamp stehen sehr nah beieinander.

Lieblingszitat: „Es gibt sehr viel Interessantes über die Eisberge zu erfahren“ Régis de Sá Moreira – Das geheime Leben der Bücher.

Motto: Literatur ist meine Leidenschaft

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit ungefähr 2011 auf verschiedenen Plattformen, aus verschiedenen Gründen und zu unterschiedlichen Themen. Begonnen habe ich mit einem Autorenblog auf einer kostenlosen WordPress-Seite, nachdem ich meinen Debüt-Roman „Lieb mich!“ im Herbst 2011 veröffentlicht hatte. Da ich es gerne seriös mag und unbedingt eine eigene Homepage haben wollte, stellte ich diesen kostenlosen Blog allerdings sehr schnell auf eine WordPressinstallation auf einem eigenen Server um. Seitdem blogge ich unter Hilke-Gesa Bußmann über meine Autorentätigkeiten, gebe Einblick in mein Schreiben, führe unterschiedliche Aktionen durch und versuche mich dort meinen Lesern vorzustellen. Dort kann man beispielsweise auch meinen momentanen Selbstversuch „Ein Jahr ohne Printbücher“ lesen und quasi hautnah mitbekommen wie leicht und gleichzeitig schwer es mir fällt, größtenteils auf das gedruckte Buch zu verzichten.

Für mein Haupt-Buchprojekt blogge ich auf Die Legenden der Weltentaucher. Obwohl ich zugeben muss, dass die Blogtätigkeit dort manchmal einschläft und oft nur mit den „neuesten“ Updates zum Buch bestückt sind. Ich versuche das zu ändern, aber leider fehlt oft die Zeit. - Ach und Zeit: Weil ich ja zu viel davon habe (nicht!), ich aber eigentlich schon immer einen Traum von einem informativen Blog hatte, bereite ich gerade den Blog Zukunft-Literatur vor, auf dem Neuigkeiten und Diskussionen rund um das Thema Zukunft der Literatur präsentiert werden sollen. Diesen Blog möchte ich nicht alleine führen – auf lange Sicht gesehen – sondern mit visionären Co-Autoren betreiben, die ebenfalls Spaß an einem Blick in die Zukunft haben.

Und irgendwann … Ja, irgendwann werde ich mich auch noch um einen Reiseblog kümmern. Zum Beispiel dann, wenn das Studium vorbei ist.

Deine Themenschwerpunkte …

Bücher. Literatur. Digitalisierung. E-Books. Geschichten. Storytelling. Buchbranche. Weltentaucher. Fantasy. Zukunft. Innovationen. Self-Publishing.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das Self-Publishing. Ich mag das verlagsunabhängige Publizieren. Nicht, dass ich was gegen Verlage hätte oder ihnen den Tod prophezeie, ich empfinde es  - als junger und dynamischer Typ, der ich bin – nur als sehr angenehm, wenn sich in einem Betrieb, der quasi hunderte Jahre lang Tradition und Bestand hat, etwas verändert. Das klingt jetzt ziemlich kurios, aber: Ja – der Literaturbetrieb hat sich seit vielen Jahrzehnten nicht wirklich verändert. Vielleicht im Detail, vielleicht in einigen Abschnitten, aber immer war der Verlag die oberste Instanz. Die Möglichkeiten, die uns Unternehmen wie Amazon und Apple beispielsweise liefern (auch wenn sie natürlich in einigen Bereichen nicht moralisch handeln und den Literaturbetrieb ziemlich umkrempeln), sind grandios. Sie haben Vorteile, die wir nur akzeptieren müssen. Die wir nutzen müssen. Ich glaube in diesem Zusammenhang fest an ein Nebeneinander und nicht an ein Entweder-Oder.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Soziale Netzwerke. Facebook, Twitter, ganz selten Xing, noch seltener Google+. Ich glaube, meine Leser sitzen auf Facebook, weil ich dort auch am aktivsten bin. Obwohl sich das möglicherweise auch mit der Zeit ändern könnte.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich mag es nicht, wenn Blogger immer nörgeln. Egal, ob es Autoren, Buchblogger oder sonst wer ist, der meint, sich in einem Blog verewigen zu müssen, was ich nicht mehr lesen kann sind Aussagen wie: „Ich bin nur auf dem Amazon-Rang 1234, ich möchte aber sooooo gerne unter die Top100, könnt ihr bitte mein Buch kaufen? *heul * * schluchz * + Link zu Amazon.“ Ich finde es gut, wenn man mit seinen Lesern kommuniziert, ich kann es aber nicht ausstehen, wenn man sie „bevormundet“. Für mein Verständnis ist das keine Autorenarbeit mehr, sondern Betteln um Anerkennung. Aber das machen nicht nur Autoren, sondern auch normale Blogger, normale Menschen, einfach alle, die irgendwie nicht weiterkommen. Ich würde da eher raten: Schaut euch an, wie ihr eure Blogs verändern und optimieren könnt, um mehr Leser zu erlangen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Für mich die allergrößte Hürde: Das regelmäßige Bloggen. Ich zähle mich selbst nicht zu den Bloggern, die „über alles“ bloggen. Mein(e) Blog(s) sind themenbezogen, d.h. es kann durchaus sein, dass ich mal eine Woche keine Themen finde, über die ich bloggen soll. Das soll nicht heißen, dass ich keine Lust habe, dass ich nichts zu sagen hätte … Ich möchte nur nicht „spamen“ und unnötige Dinge schreiben. Ich lege sehr viel Wert darauf, dass meine Beiträge (oder die meisten zumindest) einen Mehrwert liefern und ein „Aha-Erlebnis“ hinterlassen. Dieses zu erzeugen ist wahrlich schwierig, aber irgendwie ist es das Resultat meines wissenschaftlichen Anspruchs.

Das soll nicht heißen, dass ich Blogger, die „über alles“ bloggen verachte. Ganz im Gegenteil, ich finde es sehr bemerkenswert, wenn man so etwas kann. Es hat etwas mit Authentizität zu tun: Ich möchte mich als die Person zeigen, die ich bin. Wenn jemand so persönlich offen ist, soll er das bitte zeigen. Ich charakterisiere mich eher als anders offen und liebe meine kritische Weise zu sehr, um sie gegen etwas „Aufgesetztes“ zu tauschen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

Reaktionen auf meine Blogposts. Auf der Buchmesse Menschen zu begegnen, die mich wiedererkannt haben und sich an meine Beiträge erinnert haben. Das hat mich unglaublich glücklich gemacht – vor allem habe ich es nicht erwartet.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich rezensiere nicht. Das mache ich jedem Autor, mit dem ich Umgang habe und jedem Verlag deutlich. Ich bin selbst Autor und somit kann ich nicht garantieren, dass ich neutral über andere Titel urteilen kann. Ich meine das nicht böse, nur empfinde ich meine Arbeit als Autorin wesentlich grundlegender als meine Arbeit als Rezensentin es jemals sein könnte und ich möchte vermeiden, dass Aussagen wie „Die schreibt ja nur Freundschaftsrezensionen“ oder im Gegenzug „Die macht ja nur alle nieder“ kommen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Da ich ja selbst Self-Publisherin bin und ich mir vorstellen kann, was ich machen würde, wenn ich rezensieren würde: Ich würde sie annehmen. Warum? Weil ich das Self-Publishing als sehr guten Parallelweg empfinde und ich die Autoren unterstützen würde. (Ich mache es ja jetzt auch, nur eben nicht auf Ebene von Rezensionen, sondern durch Vorstellungen, durch Beratungen usw.) Self-Publisher haben es im Vergleich zu Verlagen immer noch sehr viel schwerer, es ist aber keine schlechtere Literatur. Von daher möchte ich jeden bitten: Unterstützt die Self-Publisher, aber seit ehrlich und behandelt die Titel wie Verlagstitel!

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich liebe E-Books. Für dieses Jahr habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, nur E-Books zu lesen. Okay: Nicht nur, um für meinen Studienabschluss zu lernen, habe ich mir erlaubt, auch Printbücher und Kopien zu benutzen, da es sehr viele Bücher einfach nicht digital gibt, aber privat und Belletristik lese ich ausschließlich E-Books. Ich habe mir hierfür zu meinem Apple iPad einen Kindle E-Reader zugelegt, der mich davon abhalten soll, nebenbei auf Facebook und so herumzugammeln. Das ist bei eInk-Readern halt einfach wesentlich weniger der Fall (oder eher gar nicht) als bei Tablet-PCs. Ich habe mich zudem wissenschaftlich sehr ausführlich mit dem Thema E-Books beschäftigt und denke, dass gerade die Verbindung aus Multimedialität und Literatur die Zukunft sein könnte. Natürlich wird es die – ich nenne sie „klassischen E-Books“ – Adaptionen eines analogen Textes ins Digitale noch geben, aber die multimediale Varianten, die werden überzeugen und haben mich schon überzeugt.

Und, um auf meinen Selbstversuch zurückzukommen: Bisher vermisse ich Printbücher nicht. Ich lese sogar mehr im Vergleich zum Vorjahr. Warum: Weil ich anfange, nicht mehr mit dem Smartphone auf sozialen Netzwerken zu chatten, sondern in der Zeit, z.B. beim Warten auf der Bahn, lese.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich empfehle insbesondere Blogger wie Jannis Plastargias (schmerzwach) und beispielsweise Steffen Meier (Meier-meint). Blogs wie ihre sind einfach unterhaltsam und gleichzeitig informativ. Aber ich denke, beide haben hier schon einmal vorsprechen dürfen? Ich möchte Euch auch noch Buchblogger Christina Mettge mit Pudelmützen Bücherwelten und Melanie Döring mit bookrecession ans Herz legen – beide sind in meinen Augen sehr wichtig in der Bloggerwelt!

Danke vielmals, Hilke. Ich freue mich sehr, dass du der Gesprächsreihe zu einem Revival verhilfst…

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Zuletzt stellte sich die Mützenfalterin mit muetzenfalterin vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war Réka Kinces mit ihrem Blog Hausdrachen. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

„Die Zeit des Einzelhandels ist vorbei.“ – SteglitzMind stellt Lutz Heimhalt von der Buchhandlung Lutz Heimhalt vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Heute lernen wir Lutz Heimhalt etwas näher kennen, dessen gleichnamige Buchhandlung in Hamburg zu finden ist. Herrn Heimhalt habe ich gebeten, hier mitzutun. Neben der Arbeit im Buchladen widmet er sich Vintage Postkarten, die restauriert und nachgedruckt werden. Die historischen Reprints, darunter auch einige rund um das Thema Bücher und Frauen, kann man in ausgewählten Buchhandlungen und Online erwerben.

Eine Skizze vom Laden…

Lutz Heimhalt mit Ehefrau Natalia Banakh © Lutz Heimhalt

Lutz Heimhalt mit Ehefrau Natalia Banakh © Lutz Heimhalt

Unsere Buchhandlung ist eine Stadtteilbuchhandlung in Hamburg Fuhlsbüttel. Die Buchhandlung habe ich 1975 noch während meiner Ausbildung mit 600.- DM Eigenkapital von meinem Ausbilder übernommen. Da war ich gerade 21 Jahre alt…

Wir und unsere Kunden empfinden unsere Buchhandlung als gemütlich, das liegt nicht nur an unserem offenen Kamin im Laden. – Schwerpunkt ? Unsere Kunden sollen zufrieden, mit einem guten Buch und einem Lächeln im Gesicht, den Laden wieder verlassen.

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

Ganz einfach, weil wir Bücherwürmer sind !

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Nein. Leider ist meiner Meinung nach die Zeit des Einzelhandels insgesamt vorbei. Das große Geschäft macht heute schon fast allein Amazon.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

(lacht) Viel, früher konnten wir mit unseren Kunden zahllose Zigaretten im Laden rauchen, ohne dass es jemanden gestört hätte. Das ist natürlich vorbei. Auch politische Diskussionen im Laden sind sehr viel weniger geworden. Und natürlich hat der Computer, dann das Internet unseren Betrieb auf den Kopf gestellt.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

der Buchladen © Lutz Heimhalt

der Buchladen © Lutz Heimhalt

Die Devise ‚Buchhandel go online‘ ist meiner Meinung nach eher eine Durchhalteparole. Gegen den großen Anbieter können wir online nicht konkurrieren. Nur offline ! Und darauf sollten wir uns alle besinnen!

Ok, eine selbstgestrickte Website haben wir, aber keinen Onlineshop für Bücher, und auch keine E-Books. „Schuster, bleib bei deinen Leisten“, so habe ich das mal gelernt, und so halte ich es auch. Wir konkurrieren gegen den Onlinehandel mit uns selbst. Und das klappt bisher recht gut, obwohl natürlich die Umsätze der 80er Jahre bei uns nicht mehr erreicht werden. Das hat nicht nur bei uns natürlich leider Arbeitsplätze gekostet.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Schlimm wäre es, wenn mehrere Geschäfte in der Straße schließen würden, weiterhin Parkplätze rückgebaut werden. Damit verliert dann der Kiez seine Attraktivität. Und dann natürlich die übermächtige Amazon-Krake.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

E-Book? Kaufen die Menschen im Netz, nicht im Buchhandel. Bei uns gibt es Bücher, die schön gestaltet sind, die riechen, die man anfassen und ansehen kann. Wenn sie dann doch nicht gefallen, kann man sie verkaufen, verschenken oder in den Kamin werfen. Versuchen Sie das mit einem E-Book!

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Gedruckte Exemplare, wenn sie denn gut sind, auf jeden Fall.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

deutlich zu lesen © Lutz Heimhalt

deutlich zu lesen © Lutz Heimhalt

Leidenschaft. Fachwissen, ein nettes Gespräch nebenbei. Wie ich oben schrieb: Der Kunde soll den Laden mit einem Lächeln verlassen.

Wir beschaffen auch vergriffene Bücher. Und, wie bei uns deutlich zu lesen ist: Was Amazon liefern kann, können auch wir liefern. Genau so schnell und zum gleichen Preis. Versprochen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Den gleichen Rabatt, den Amazon auch bekommt, nette Vertreterbesuche und ganz wichtig: sinnlich gestaltete schöne Bücher, die man einfach anfassen muss. Dann gibt es auch kein Problem mehr mit den E-Books.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Wir sind nicht Mitglied dieses Vereins. Aber ich würde mir z.B. wünschen, dass dieser Verein zukünftig eine glücklichere Hand bei der Auswahl seiner Werbeagenturen hat.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Wir drehen hier bei uns gerade einen kleinen Film. Es ist schwieriger, als wir zunächst dachten, aber wir werden das schaffen. Mehr wollen wir noch nicht verraten.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil es hier noch Menschen gibt, mit denen man nicht nur über Bücher reden kann, man immer wieder beim Stöbern hochinteressante Bücher findet, die man sonst nie entdeckt hätte.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Einfach alle! Jede Buchhandlung hat ihr eigenes persönliches Flair und Gesicht.

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Eine Übersicht, wer bislang Rede und Antwort stand, findet sich hier und zu allen empfohlenen Buchhandlungen geht es hier.

Im Entstehen ist ein Resümee der Gesprächsreihe. Teil 1 “Avantgarde oder Traditionalisten. Wie sich Buchhändler aufstellen” kann man hier nachlesen und den zweiten Teil (Wie sie es mit dem E-Book halten) dort.

Zum “Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen” gelangt man hier. Und falls sich wer die Frage stellen sollte, einmal Buchhändler, immer Buchhändler?, wird hier fündig