„Wir erhalten viele Einzelbestellungen aus Buchhandlungen, die Infrastruktur ist da weit besser als frustrierte Kunden und hämische Presse vermuten lassen.“ – SteglitzMind stellt Steffen Ille vom Verlag Ille & Riemer vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich sehr, dass Steffen Ille vom Verlag Ille & Riemer heute dabei ist. Vorgeschlagen hatte das Barbara Miklaw, die für den Mirabilis Verlag verantwortlich zeichnet.

Wann ging’s mit dem Verlag los?

Der Verlag existiert seit Herbst 2001 und besteht aus vier Gesellschaftern. Verlagssitz ist Leipzig, weiterer Publikationsort ist Weißenfels. Unser erstes Buch erschien 2002, »Freygeist«, die wissenschaftliche Neuedition des Erstlings von Joachim Wilhelm von Brawe.

Die Programmschwerpunkte?

Steffen Ille © Literaturkreis Novalis e.V.

Steffen Ille © Literaturkreis Novalis e.V.

Unsere programmatischen Schwerpunkte liegen bei Regionalia und bei geisteswissenschaftlichen Titeln. Zusätzlich publizieren wir gelegentlich belletristische Titel. Lieferbar sind derzeit 27 Titel, davon 10 auch digital. Aktuell erscheinen unsere Titel in der Regel auch parallel als eBook.

Ihre persönlichen Highlights waren?

Die größten Highlights waren aus meiner Sicht die psychiatriehistorische Arbeit »Irre irren nicht« (2010), Lothar Strucks Handke-Studie »Der mit seinem Jugoslawien« (2012) und mein erstes Hörbuch »Gruß nach vorn«  mit Tucholsky-Texten (2011). Das nächste Highlight, auf das ich mich besonders freue, ist das zum 125. Geburtstag geplante Tucholsky-Lesebuch »Die Zeit schreit nach Satire«, herausgegeben von der Kurt Tucholsky-Gesellschaft.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

2001 ist ja schon ein paar Tage her. Da waren die Zeiten ja ganz andere ;-)

Es war sicher ein Konglomerat von Gründen. Ich war bereits damals als Buchhändler tätig und merkte sehr bald, dass unter der 5000er-Auflagen-Marke der Großverlage reichlich Platz für einige Texte war, die es einfach verdient hatten, gedruckt zu werden. Zum anderen spielte natürlich auch persönliche Eitelkeit eine Rolle – meine eigenen schriftstellerischen Fähigkeiten würden für gloria aeterna wohl nicht reichen, aber wenn nicht Goethe, dann kann man ja immer noch Cotta sein…

Als mein Freund Jörg Riemer mit Brawes Drama auftauchte, für das er und Frank Fischer keinen Verlag fanden, obwohl es sich um ein literaturhistorisch wichtiges Werk handelte, war dies der entscheidende Impuls, nicht länger nur den Gedanken daran mit mir herumzutragen, sondern die Sache einfach mal zu starten. Wir waren vier junge Studenten, die ein paar tausend Mark zusammentaten, um zu schauen, wie weit wir damit wohl kämen. Nunja, bis hierher hat es gereicht.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Verleger zu sein macht mir einfach einen Riesenspaß.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Genau genommen war die Digitalisierung der entscheidende Grund, den Verlag überhaupt gründen zu können. Ohne Digitaldruck und Internet wäre es nicht möglich gewesen, mit so wenigen Mitteln zu starten. Geändert hat sich auf Herstellerseite nur, dass wir eben nicht nur drucken, sondern auch eBooks erstellen. Wirklich massiven Einfluss hatte daher eher die Weiterentwicklung der Kommunikation. Gelegentlich muss ich mir das immer mal wieder in Erinnerung rufen: 2001 waren schon Mobiltelefone keineswegs allgemeiner Standard. Mit Internet-Anschluss war man noch Avantgarde, der Buchhandel arbeitete noch flächendeckend mit Buchlaufkarten und bestellte per FAX – ohne email-Adresse konnte man 2001 problemlos als Verlag arbeiten, ohne Faxgerät nicht. Inzwischen ist es eher andersherum (aber noch 2009 erhielt ich ernsthaft eine Bestellung per Bücherzettel!).

Die sozialen Netzwerke sind natürlich ein erheblicher Einflussfaktor. Dadurch ergeben sich einerseits viel mehr Möglichkeiten, gerade in der Öffentlichkeitsarbeit, gleichzeitig wird es aber auch aufwändiger, im schier endlosen Kommunikationsmeer nachhaltig aufzufallen

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

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Definiere »Die anderen«. Ich glaube nicht, dass wir so originell sind, dass unter den tausenden Verlagen der deutschen Publikationslandschaft keiner wäre, der wie wir arbeiten würde. Mein Anspruch ist es, eng mit meinen Autoren zusammenzuarbeiten – wir setzen kein Komma, mit dem ein Autor nicht einverstanden wäre (das klingt banal, ist es aber nicht, fragen Sie mal Random House-Autoren der zweiten oder dritten Reihe…). Vor allem aber sehe ich mich als der Ansprechpartner für »das Draußen«. All der ganze Kleinkram, der mit Distribution zu tun hat. Aber das ist ja auch Kernaufgabe eines Verlages.

Letztlich positionieren wir uns in den Nischen, in denen wir präsent sind. Zu Weißenfels publiziert sonst kaum jemand. Ein unvoreingenommener Blick auf Handkes Jugoslawien ist selten, DDR-Psychiatriegeschichte aus selbstkritischer Psychiatersicht ebenso. Wir bringen heraus, was uns begeistert, um andere dafür zu begeistern. Aber ist das wirklich anders als das, was die anderen machen? Ich habe Freunde und Bekannte in kleinen, mittleren und großen Verlagen – dass diese in ihrer täglichen Arbeit eine andere Motivation antreibt, kann ich guten Gewissens nicht behaupten.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich würde erst starten, wenn ich ein nennenswertes Programm habe und nicht einfach mit dem ersten Titel loslegen. Mit einem Einzeltitel in der Hand führen sich Gespräche mit Barsortimenten, Vertretern, Auslieferungen und Buchhändlern gar nicht so einfach…

Wie gewinnen Sie Autoren?

Vorrangig aus Netzwerken, seien sie nun aus dem Real Life oder dem Web. Der Satz »Ich habe einen Verlag« wirkt auch 2014 noch sehr anziehend. ;) Da wir alle nur nebenberuflich als Verleger tätig sind, stoßen wir recht schnell an Kapazitätsgrenzen, weshalb Autorenakquise nicht gerade unsere Schwerpunkttätigkeit ist.

Unsere erste Anthologie »An. Sicht. Aus.« (2004) war als Unterstützung für eine Gruppe junger Hallescher Dichter, zu der einer meiner Freunde gehörte, gedacht – und immerhin ist Dirk Laucke, von dem eine Erzählung stammt, heute preisgekrönter Dramatiker. Und Frank Tillmann, seinerzeit ebenfalls Mitglied dort und mir selbst aus meiner Arbeit im Landesscchülerrat bekannt, erlebte mit seinem Buch »Teilen statt Zuteilen. John Rawls und die Begründung eines relativen Grundeinkommens« inzwischen seine dritte Auflage.

Jan-Uwe Fitz schrieb in seinem Blog vor vielen Jahren einmal, er habe an die Klinken aller Verlage erfolglos geputzt – worauf ich schrieb, dass meine nicht dabei war. Und nun erscheint eine kleine Fortsetzungsgeschichte “Der Unerträgliche” bei uns. Lothar Struck, dessen Blog »Begleitschreiben« ich schon seit vielen Jahren schätze, kam zu uns durch Vermittlung von Frank Fischer, dem wir ja unser erstes Buch mit verdanken.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Für Dienstleister bewegen wir uns unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Es lohnt sich weder für uns noch für sie, professionell zusammenzuarbeiten. Wir liefern also selbst aus. Für den digitalen Vertrieb arbeiten wir mit libreka! (für eBooks) sowie claudio und TuneCore (für Hörbuchdownloads) zusammen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

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Ich bin ja selbst Buchhändler, kenne also die Schwierigkeiten, denen sich Buchhändler beim Einschätzen kleiner und kleinster Verlage gegenüber sehen. Man darf hier nie vergessen: Auch der Buchhändler muss Miete und Personal bezahlen. Da ist in der Regel Platz für Spezielles – aber es nicht genug Platz für das Spezielle aus 5000 Verlagen. Das ist nicht nur eine Frage von Ladenquadratmetern, sondern auch eine der Kunden. Der Anteil tatsächlich durch Beratung verkaufter Bücher ist weitaus geringer als angenommen (wer einen Follett lesen will, will einen Follett lesen…)

Fuß fassen im Sortiment bedeutet für Klein- und Kleinstverlage dann eben, Buchhändler zu finden, die sich für das eigene Programm begeistern lassen und es aus Überzeugung verkaufen. Aus Verlagssicht sind Buchhändler Kunden und die lassen sich genauso ungern gängeln wie alle Kunden. Wir versuchen dies durch persönliche Ansprache zu erreichen und zwar immer dann, wenn wir finden, dass unsere Titel auch zur Buchhandlung passen. Das klappt erwartungsgemäß bei Titeln mit regionalem Bezug sehr gut, bei anderen eher weniger (wer hat denn überhaupt geisteswissenschaftliche Fachliteratur am Lager…)

Ganz grundsätzlich aber funktioniert der deutschsprachige Buchhandel weiterhin sehr gut. Wir erhalten viele Einzelbestellungen aus Buchhandlungen, die Infrastruktur ist da weit besser als frustrierte Kunden und hämische Presse vermuten lassen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Zu Amazon habe ich eine sehr weit ausgreifende Position, da Amazon aus verschiedensten Perspektiven zu betrachten ist, in der Bücher letztlich eine eher untergeordnete Rolle spielen. Daher nur kurz angerissen: Amazon ist kein Dämon, sondern ein global agierendes Unternehmen mit großen Plänen und vielen Ressourcen, das mit den Mitteln arbeitet, die einem Unternehmen in diesen Dimensionen eben zur Verfügung stehen. Die Kernfrage ist daher politischer Natur, und zwar dahingehend, ob wir in einer Gesellschaft leben wollen, in der solches Agieren möglich ist. Und das hat dann mit Buchhandel genauso viel zu tun wie mit Lebensmitteln, Energie und Wasser.

Aus Verlegersicht ist es aber ganz einfach: Amazon hat im Online-Buchhandel einen Marktanteil von geschätzt 80%. Unsere Titel müssen also dort verfügbar sein, Distribution ist nun einmal die Hauptaufgabe eines Verlages. Allerdings denke ich nicht eine Sekunde darüber nach, die Konditionen von Amazon zu akzeptieren. Ein Geschäft muss sich immer für beide Seiten lohnen, das tut es bei einem Händler, der mehr als die Hälfte des Ladenpreises haben möchte, einfach nicht. Unsere Titel gibt es also, soweit es Print-Titel betrifft, nur über den Marketplace. Unabhängig davon, sind wir aber auch zu klein, um von Amazon überhaupt ans Lager genommen zu werden, insofern habe ich also leicht reden, die CEOs von Hachette und Bonnier haben da möglicherweise eine andere Perspektive. Auf unserer Website verweisen wir vorrangig auf den Webshop von Lehmanns Media (wo ich, dies sei erwähnt, hauptberuflich arbeite) und verweisen zusätzlich auf buchhandel.de und amazon.de. Wahrscheinlich werden wir demnächst auch Links auf Libris mybookshop hinzunehmen, das scheint mir etwas kundenorientierter als das äußerst behäbige MVB-Portal.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

gruss-nach-vorn-coverWas eben möglich ist und das hängt auch stark vom Titel ab. Meist sind unsere Titel so speziell, dass breitgestreutes Marketing praktisch nur aus Streuverlusten bestehen würde. Wir arbeiten daher, immer dann, wenn es sinnvoll ist, mit den ganz klassischen Mitteln: Mit Lesungen zum Beispiel, besonders natürlich bei »Leipzig liest«, das trotz seiner tausenden Veranstaltungen immer eine gute Gelegenheit ist. Wir beliefern die hübsche kleine App depeschen vom Mirabilis Verlag und arbeiten ansonsten mit Direktansprache bei in Frage kommenden Interessenten – was bei unserem Programm dann meist Bibliotheken sind.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Der Börsenverein ist ebenso wie seine Wirtschaftsunternehmen eine gute Sache. Gut deshalb, weil in der Welt, wie sie nun einmal ist, kein Weg an einem Branchenverband vorbeiführt. Auch wenn ich ihn mir häufig etwas beweglicher und innovativer wünschte. Aber für Bewegung und Innovation ist möglicherweise ein Verein auch nicht die richtige Lösung. Mitglied sind wir nicht, bei Beiträgen in Höhe eines Jahresgewinns ist das nicht drin.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Ich habe als Buchhändler Nietzsche an Maurer verkauft und »Das Lavendelzimmer« an gestandene Anwälte. Dem Konstrukt »Zielgruppe« stehe ich daher etwas skeptisch gegenüber. Ich mache Bücher für die, die sie interessieren – ausgehend von der Grundannahme, dass Bücher, die ich interessant finde, auch noch ein paar andere Menschen interessieren könnten. Wir bringen von Anbeginn Titel zu Weißenfels – so konstant ist dort sonst niemand unterwegs. Das ist keine große Nische, aber ein dankbares und treues Publikum. Achja, und wir können uns wohl noch immer der führende Brawe-Verlag weltweit nennen. ;)

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Im wissenschaftlichen Fachbuch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Strategie der Big Player außerhalb der Zeitschriften noch lange gut geht. Wissenschaftler wollen gelesen werden. Dieses Einsperren von Inhalten zu irrsinnigen Preisen kann nicht die Zukunft sein. Derzeit versuche ich die Kapazitäten und Ressourcen zu schaffen, um hier sinnvolle Open-Access-Alternativen anbieten zu können. So zwei, drei Monographien-Reihen aus dem universitären Feld wären schon eine feine Sache.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Ille  Riemer_LogoDie Buchbranche wird sich massiv verändern. Die, von mir befürwortete, Buchpreisbindung wirkt hier verzögernd, aber es ist klar, dass die Zahl der Buchhandlungen weiter sinken wird. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die keineswegs alle hausgemacht sind. Ein ausgedünntes Buchhandelsnetz bedroht direkt und indirekt unsere Vertriebswege. Letztlich ist es aber so: Von unserem Verlag hängt keine Existenz ab und alles andere wird sich finden.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Den Mut zum Außergewöhnlichen, Seltsamen und Verrückten – und den irrsinnigen Glauben daran, damit auch noch durchzukommen. Vor allem aber schätze ich die Begeisterungsfähigkeit, die eben Bücher entstehen lassen, weil es jemand will – und erst zweitrangig, ob es dafür einen Markt, einen Trend oder eine Zielgruppe gibt.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Verleger sein ist eine Ausdauersportart. Zum Ausdauersport gehört eine gewisse Leidensfähigkeit. Egal, was dubiose Quellen erzählen: Fürs schnelle Geld ist dies die falsche Branche. Wem das klar ist, dem rate ich dringend, sich mit der Branche und ihren Spielregeln zu beschäftigen. Wer nämlich weiß, wie die Branche tickt, wird es leichter haben. Also: Informieren, informieren, informieren – das Netz bietet dazu wunderbare Möglichkeiten. Das spart Nerven, Zeit und Geld. Und so ein Bramann im Regal kann nicht schaden.

Ansonsten aber: Loslegen und Spaß haben. Nichts auf Marktanalysen geben – fast kein großer Erfolg, praktisch keine Welle wurde bisher wirklich vorhergesehen. Also verlegt das, was ihr richtig findet.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Die Liste könnte jetzt ziemlich lang werden, ich beschränke mich mal ganz willkürlich auf fünf Verlage. Frank Maleu und Marc Degens von SuKuLTuR, Mark Lehmstedt vom Lehmstedt Verlag, Leif Greinus und Sebastian Wolter von Voland & Quist, Claudia Gehrke von konkursbuch und Jonas Engelmann vom Ventil Verlag.

Herzlichen Dank, Steffen Ille, für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier

Verlag Ille & Riemer im Netz:

Die Verlagshomepage: http://www.ilri.de/

Facebook: https://www.facebook.com/pages/Verlag-Ille-Riemer-GbR/131539420201485

Google+: https://plus.google.com/+IlriDe/posts

Die lieferbaren Titel bei Lehmanns Media: http://bit.ly/illeriemer

 

„Wenn ich ein Fetischist bin, dann vielleicht ein Buchfetischist.“ SteglitzMind stellt Franziska Röchter vom chiliverlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich sehr, dass Franziska Röchter, die den chiliverlag verantwortet, heute Rede und Antwort steht. Vorgeschlagen hatten das Christiane aka Texthase Online und Sebastian Kaufmann vom Chaotic Revelry Verlag.

Seit wann existiert der Verlag?

Den chiliverlag habe ich 2011 ins Leben gerufen. Er entstand aus einer Herzensangelegenheit heraus: Ich wollte mit jungen Menschen ein Veggie-Buch machen. Wir sind quasi im kulturellen Zentrum Ostwestfalen-Lippes angesiedelt, im Dreieck zwischen Bielefeld, Gütersloh, Paderborn. Während 2012 erst zwei Titel entstanden, werden wir Ende 2014 bereits ca. 20 lieferbare Titel haben, mindestens zwei davon zusätzlich auch im eBook-Format.

Philipp Röchter und Franziska Röchter auf der text & talk 2014 © Ellen Eckardt

Philipp Röchter und Franziska Röchter auf der text & talk 2014 © Ellen Eckardt

Machen Sie alles alleine?

Mittlerweile ist bei Bedarf ein freiberuflicher Lektor im Einsatz, der auf Buchmessen und Veranstaltungen auch zusätzlich repräsentative und anderweitige Aufgaben übernimmt. Dass er zufällig auch den Namen Röchter trägt, ist äußerst praktisch.

Wofür steht der Verlagsname?

Der Untertitel zu chiliverlag lautet: „brennend interessant“. Da Interesse aber etwas sehr Individuelles ist und mir allzu Vollmundiges nicht zusagt, wird dieser oftmals weggelassen. Schließlich ist die Chilischote aussagekräftig genug.

Der chiliverlag ist „schubladenfrei, offen, unabhängig“ und „literalyrisch“ tätig und führt unabhängig vom Geschmack der Masse Projekte aus reinster Überzeugung oder einer inneren Notwendigkeit heraus durch. chiliverlag wird übrigens wirklich klein geschrieben.

Die Programmschwerpunkte?

Bislang betätigte sich der chiliverlag in den Bereichen Lyrik, Krimi, Komik / Slam Poetry, Erotik, Kunst, aktuelle Themen sowie Biografien. Weitere Bereiche (u.a. Drama) kommen in Kürze hinzu. Dennoch sind wir nicht beliebig, Projekte müssen uns überzeugen. Im chiliverlag haben authentische Projekte von authentischen, interessanten Menschen gute Chancen. Wir beschäftigen uns gern mit echten Menschen, die wirklich etwas zu sagen haben. Wir bekommen viele außergewöhnliche Anfragen für besondere Projekte, weil die Autoren wissen, dass sie damit bei uns genau richtig sind. Die Wünsche und Vorstellungen der Autoren sind uns wichtig, aber auch der Spielraum für die chili-Kreativität darf nicht zu kurz kommen.

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Cover_Jetzt anders_1Jedes Buch, welches in sehr einvernehmlicher Kooperation mit den Autoren entsteht, ist ein persönliches Highlight. Wir sind stolz auf jeden Titel. Aber mein ganz persönliches Highlight ist die Anthologie „Jetzt anders! – Ein Lesebuch voller Vielfalt und für Toleranz“, in dem sich 35 bekannte sowie weniger bekannte Literaten mit „besonderen“ Erscheinungsformen vielfältiger menschlicher Existenz literarisch auseinandersetzen. Das Cover zeigt die bekannte Stürmerin und Erstligaspielerin des Herforder SV, Romina Burgheim, die auch mit einer Satire vertreten ist. Ebenfalls ein Highlight sind immer wieder die Bücher, deren Cover von Fotografien des dominikanischen Künstlers Yves Drube geziert werden (etwa „Brombeerrausch“), der momentan im dominikanischen Fernsehen auf etlichen Kanälen von sich reden macht.

In Kürze erscheint die erste Biografie im chiliverlag. Der aus dem Fernsehen aus verschiedenen Serien und Sendungen (u.a. „Helden für Tiere“ oder die VOX-Tierschutz-Doku „Harte Hunde“) bekannte Kampfsport-Champion im Free Fight, im Boxen und Kick-Boxen, Ralf Seeger, hat sich für den chiliverlag entschieden, weil wir unsere Projekte mit Enthusiasmus und weniger mit Blick auf Gewinn durchführen.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Warum nicht? Gut, das Wort „Verlag“ hätte man auch unterschlagen können, aber chili allein ist schon durch die Kochbranche besetzt. Wenn ich ein Fetischist bin, dann vielleicht ein Buchfetischist. Es besteht eine echte Macke für Bücher. Außerdem verlegen wir im wahrsten Sinne des Wortes: Texte und Projekte von Menschen, die ans Licht der Öffentlichkeit wollen und sollen, jenseits von rein strategischen Gesichtspunkten. Auch kann ein „Verlag“ ein Stück literarisches und menschliches „Zuhause“ bieten, d.h., Gleichgesinnte mit ähnlichen Spleens und Faszinationen fühlen sich unter Umständen mit ihren Projekten gut im chiliverlag aufgehoben. Weil wir auch unkompliziert sind.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Zum einen bin ich immer schon ehrenamtliches Engagement gewohnt. Ob es im Bereich der Behindertenhilfe, des schulischen Ehrenamtes oder des Tierschutzes ist. Jedes Ehrenamt findet aus tiefster Überzeugung für eine Sache statt.

Cover_Ralf_SeegerWir erleben täglich, dass Menschen das Wort abgeschnitten oder verweigert wird. Sprachrohr zu sein für Menschen, die sich äußern wollen, auch zu heiklen Themen, finde ich enorm sinnstiftend. Meine Antriebsfeder ist das Bewusstsein, dass es mehr gibt, um sich an dieser Gesellschaft zu beteiligen, als lediglich das zu konsumieren, was andere produzieren. Einen Verlag zu betreiben bedeutet auch, ein Stück weit Demokratie, Pluralismus und Meinungsvielfalt zu leben.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Mit etwas kaufmännischem Rüstzeug, wie ich es vor vielen Jahren erwerben konnte, schon. Sicher wäre das Buchgeschäft ohne die Digitalisierung um ein Vielfaches zähflüssiger, weniger schnelllebig oder sagen wir: anders. – Ich versuche ständig, mir das Verlagsgeschäft zu Zeiten der Postkutschen vorzustellen.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der mächtigen Konkurrenz?

Zum einen: Menschen, die häufig Sätze beginnen mit: „Man macht … Man sollte …“ etc., sind mir suspekt. Wir sind etwas anarchistisch. Ich gehe davon aus, dass ich von der sogenannten „mächtigen“ Konkurrenz eher belächelt werde. Ein einflussreicher Veranstalter sagte während einer Diskussion über die Zukunft der Buchbranche und des Verlagswesens, ihm wäre es lieber, manche Frauen würden zum Kegeln nach Mallorca fliegen anstatt in dieser Branche „mitzumischen“. Ich behaupte, dass gerade unabhängige Kleinverlage sehr gute Ideen haben. Und weil sie unabhängig sind, können sie es sich leisten, diese umzusetzen. Eine „Konkurrenz“ interessiert mich nicht, weil wir für niemanden eine solche darstellen. Die Kleinen und die Großen sind nicht Passagiere auf dem gleichen Boot, befahren aber das gleiche haifischverseuchte Gewässer. Wir müssen mehr rudern, um nicht sofort zu ertrinken.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Wahrscheinlich nichts.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Natürlich machen wir interessante Ausschreibungen zu bestimmten Themen, stellen auf Buchmessen aus, sind im Netz präsent. Mittlerweile kommen viele sehr interessante Autoren von selbst auf den Verlag zu. Bei uns braucht niemand Berührungsängste zu haben.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Cover_BrombeerrauschSo vielseitig wie möglich. Wir sind auf sehr vielen gängigen großen Online-Shops zu finden, in jedem Buchladen bestellbar und man kann die Bücher direkt beim Verlag ordern. Bestellungen, die vor ca. 16.00 Uhr direkt bei uns eingehen, sind im Regelfall am nächsten Tag beim Kunden. Buchkäufer sollten sich häufiger vor Augen führen, dass kleine Verlage wesentlich besser überleben könnten, wenn viel mehr direkt bei ihnen bestellt würde.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen?  Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Überregional ist es eher schwierig bis derzeit unmöglich, großflächig in den Buchhandlungen auszuliegen. Dieses steht und fällt mit engagierten Autoren, die ihre Bücher bei ihren lokalen Buchhändlern unterbekommen – sporadisch, oftmals leider am liebsten auf Kommissionsbasis. Warum z.B. können die großen Buchhandelsketten nicht einen Bereich in ihren Häusern für die Independants reservieren, zu gesonderten Konditionen? Das würde die Angebote der Häuser etwas heterogener und noch vielseitiger gestalten.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Nun ja, man muss zugeben, dass es schon einen gewissen Effekt hat, auf Amazon präsent zu sein. Viele Autoren fordern dieses geradezu ein.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wir sind auf Messen wie der Leipziger Buchmesse oder auf der text & talk Kleinverlagsmesse präsent, wir haben viele Kontakte zu unterschiedlichsten Bereichen der Literatur, wir organisieren gern Lesungen, bemühen Presse und Zeitschriften, wir schalten auch Werbung in teilweise wirklich renommierten Publikationen.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Eine Mitgliedschaft wäre unter Umständen erstrebenswert, es ist nicht auszuschließen, dass es einmal dazu kommt.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Wir machen Bücher für Menschen, die unkonventioneller, offener, schräger, enthusiasmierter sind als andere. Die außerhalb von Schubladen denken und nicht in vorgefertigten Mustern leben. Und wir machen Bücher von und für Menschen, deren Leben womöglich außergewöhnlich und mehr anders ist als das von anderen.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Bei uns können auch Menschen zu Wort oder besser zu Papier kommen, die womöglich woanders keine oder wenig Chancen hätten. Gleichzeitig aber gibt es nicht wenige sehr bekannte Autoren, die dem chiliverlag ihre Texte anvertrauen und auch veröffentlicht werden.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

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Ein besonderes Risiko gerade für Kleinverlage stellen immer Menschen dar, die man unter ewige Meckerer, Besserwisser, Intriganten und Bedenkenträger subsummieren könnte. Dazu habe ich in den vergangenen Jahren sehr viel von anderen Kleinverlagen mitbekommen, wie und womit diesen das Leben schwergemacht werden kann. Was zum Beispiel treibt einen Menschen dazu, einem Kleinverlag seine Zusammenarbeit anzudienen, obwohl er sich in keiner Weise weder mit diesem Verlag noch mit dem Inhaber desselben identifizieren kann?

Ein weiteres Risiko stellt die unübersehbare Tendenz zur Selbstausbeutung in sämtlichen Bereichen bei Kleinverlegern dar. Mittlerweile verstehe ich eine befreundete Verlegerin, die sich den Sonntag für Telefon- und PC-frei erklärt hat. Darüber hinaus sollten Autoren, um auch in Zukunft noch Veröffentlichungsmöglichkeiten vorzufinden, verstehen, dass ein Kleinverleger zusätzlich zu den vielen Allroundtätigkeiten, die er ausübt, nicht auch noch gleichzeitig eine Sozialbank sein kann. Selbst wenn er das aus philanthropischen Gesichtspunkten gern wäre.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Unkonventionelle, originelle, freidenkende Menschen und Verleger, die das tun, was sie für richtig halten. Sie sind die Pippi-Langstrumpfs der Literatur“branche“, versprechen mehr Spaß für die Autoren und unter Umständen interessantere Projekte.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Möglichst etwas Eigenes zu machen, nicht versuchen, irgendwas zu imitieren.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Zunächst empfehle ich gerne alle Verlage, die auf der letzten text & talk in Düsseldorf waren, insbesondere Alawi Verlag (Belletristik aus der arabischen Welt), LITRevier Verlagskooperation (gute Idee!), Daedalus Verlag, Chaotic Revelry Verlag, Richtungsding, Zagava, Papierverzierer Verlag, Pendragon, dann auch Lektora (auch wenn sie nicht in Düsseldorf waren) oder Wunderwaldverlag. Ich kapituliere nun, weil man nicht alle aufzählen kann. Weil es so wunderbar viele gute Kleinverlage gibt. Zu Wort kommen sollte unbedingt der Inhaber von Zagava, da er quasi noch Bücher in Handarbeit erstellt und noch besonderer agiert als andere.

Herzlichen Dank, Franziska Röchter, für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier

Der chiliverlag im Netz:

Homepage www.chiliverlag.de
chiliverlag und Franziska Röchter bei Facebook https://www.facebook.com/franziska.roechter
chiliverlag bei twitter https://twitter.com/chiliverlag
http://www.youtube.com/user/FranzisLitFass   eine Playlist mit Leseproben vom Verlag

 

„Ich habe keine Konkurrenz. Wenn ich einen Autor, der mir gefällt, nicht verlegen kann, frage ich einen anderen Verleger.“ – SteglitzMind stellt Andreas Heidtmann vom poetenladen Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich sehr, dass Andreas Heidtmann vom poetenladen Verlag heute dabei ist. Vorgeschlagen hatte das Barbara Miklaw, die für den Mirabilis Verlag verantwortlich zeichnet.

Seit wann gibt es Ihren Verlag?

2005 ging der poetenladen als virtueller Raum für Dichtung ins Netz. Nachdem sich das Literaturportal innerhalb weniger Jahre zu einer der lebendigsten und bestbesuchten Websites für neue deutschsprachige Literatur entwickelt hatte, lag es nahe, ein Komplement zur Webpräsenz zu schaffen. So wurde 2008 der Verlag in Leipzig von mir ins Leben gerufen.

Die Programmschwerpunkte?

Zum Programmschwerpunkt gehört die junge Gegenwartsliteratur, angefangen von der Prosa (Erzählung, Roman, Kurzprosa) über Anthologien bis hin zur Lyrik. Der Verlag bezieht viel Inspiration und Engagement und auch konkrete Unterstützung aus der gewachsenen Netzgemeinde.

???????????????????????Zu den Prosatiteln 2014 zählt die Anthologie “Die Taubenjägerin“, die die besten Texte des MDR-Kurzgeschichtenwettbewerbs versammelt. Für die Kontinuität des Programms ist das halbjährliche Literaturmagazin “poet” wichtig, soeben ist die 17. Ausgabe mit über 200 Seiten erschienen. Gesprächsthema im Herbst 2014: Literatur und Vergänglichkeit.

Zu den Lyriktiteln des Jahres gehören u.a. Andreas Altmanns Gedichtband (Die lichten Lieder …) sowie der Nachlassband des Chamissopreisträgers Jean Krier (Eingriff, sternklar) und der siebte Band unserer Reihe Neue Lyrik (Roland Erb: Trotz aller feindlichen Nachricht), die zusammen mit der Sächsischen Kulturstiftung herausgegeben wird.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Der poetenladen Verlag entstand Schritt für Schritt. Es war nicht so, dass ich von Anfang an einen Print-Verlag angestrebt hätte. Zunächst gab es ja nur das Internetportal “poetenladen“, das im Mai 2005 online ging. Hieraus erwuchs vor dem Hintergrund einer großen literarischen Community der Verlag.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Lust auf gute Literatur. Lust auf gute Autoren. Lust darauf, aus einem guten Text ein gutes Buch zu machen. Lust an der Subversion. Denn ein Independent-Verlag handelt meist entdeckerfreudig und passioniert, ohne sich durch ökonomische Vernunft maßregeln zu lassen.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Ich mag das Internet und die digitale Innovation, aber ich verstehe mich als Produzent von Büchern, die man anfassen kann. Es gibt einfache Dinge, die sind bereits optimal und kein evolutionär-wirtschaftliches Durchgangsstadium. Dazu gehört für mich das Buch. Wie der Stuhl. Das vielzitierte Rad. Ein digitales Buch ist für mich keine Weiterentwicklung des haptischen Buches, sondern prinzipiell etwas anderes. Das beinhaltet keine Wertung. Beide werden vermutlich nebeneinander existieren – wie Theater und Kino. Der E-Reader als solitäres Gerät ist allerdings sehr temporär, denn man kann und wird digitale Texte überall lesen.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich habe keine Konkurrenz. Wenn ich einen Autor, der mir gefällt, nicht verlegen kann, frage ich einen anderen Verleger. Umgekehrt habe ich im Verlag Autoren, die mir andere Verleger empfahlen Ähnliches gilt für die Kommunikation mit größeren Verlagen: Martin Hielscher, Jo Lendl, Thorsten Ahrendt oder Michael Krüger sind großartige Verleger bzw. Lektoren. Ansonsten: Es wird gern als Besonderheit herausgestellt, dass der poetenladen erst eine Netzcommunity aufbaute und darauf den Verlag “aufsetzte”, so dass er in der Szene bereits vom ersten Buch an bekannt war.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Literaturmagazin "poet"

Literaturmagazin “poet”

Nichts.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Man könnte eher fragen: Wie vertrösten Sie all die guten Autoren, die Sie nicht drucken. Der poetenladen erhält – Portal und Magazin eingeschossen – 5000 Zusendungen pro Jahr.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Überwiegend Grossisten und Barsortiment. Internethandel. Und einen Online-Shop, den wir selbst betreiben. Ausgewählte Buchhandlungen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen?

Der Buchhandel ist im Allgemeinen auf Bestseller angewiesen. Man kann viel gegen Amazon sagen, aber vom Prinzip her steckt hinter dem Online-Handel auch ein positiver Verbreitungsaspekt: Man erhält eben hier mühelos auch Bücher kleiner Verlage, Lyrik, Raritäten, “Vergriffenes”. Das können sich Buchhandlungen in exponierten Innenstadtlagen kaum leisten.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Natürlich kann niemand eine Monopolstellung befürworten. TUBUK, der Internethändler für Independents, hat ja leider aufgehört.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Alles Erdenkliche: Wir sind ja aus einem Web-Portal entstanden. Entsprechend ist unsere Präsenz im Netz groß. Ansonsten: Lesungen, Lesepartys, Literaturpreise (mit etwas Glück). Wichtig sind mir die “Independent-Messen” wie die BuchLust in Hannover, der Independent-Bazar im Münchner Literaturhaus, das sommerliche Verlagstreffen im LCB und der Lyrikmarkt der Literaturwerkstatt und natürlich die Leipziger Buchmesse, wo wir bis zu 20 Veranstaltungen haben.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind Mitglied. Die Kurt-Wolff-Stiftung ist ein guter Gegenentwurf.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Für alle, die gern Gutes lesen. Wir kümmern uns neben der Prosa und der jungen Literatur auch um die Lyrik, weil es hierzulande viele talentierte Lyriker gibt.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Das zu machen, von dem wir glauben, dass es ein anspruchsvolles Angebot ist.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Signet Poetenladen

Signet Poetenladen

Es bedarf einer guten Kondition, um einen Independent Verlag zu führen. Wie lange hält man das durch, Wochenendarbeit und Messen eingeschlossen? 10 Jahre, 20 Jahre, 30 Jahre? Übernimmt jemand den Stab?

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Die gute Literatur. Die meisten Independents machen Dinge, von denen sie überzeugt sind. Bei den Großen gibt am Ende oft der Geschäftsführer (und nicht der Lektor) die Richtung an.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sich zu fragen, ob noch mehr gedruckt werden muss.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Viele. Da helfen der jährliche Katalog der Kurt-Wolff-Stiftung oder die oben genannten Independent-Messen wie die Buchlust in Hannover oder der Markt der unabhängigen Verlage, vom Münchner Literaturhaus organisiert.

Herzlichen Dank für diesen Einblick, Andreas Heidtmann.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier

Der poetenladen Verlag im Netz:

Web-Portal: http://www.poetenladen.de

POET-Magazin: http://www.poet-magazin.de

Verlag: http://www.poetenladen-der-verlag.de

„Bei uns dürfen sich die Autorinnen und Autoren mal so richtig austoben.“ SteglitzMind stellt Sebastian Kaufmann mit dem Chaotic Revelry Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich sehr, dass Sebastian Kaufmann vom Chaotic Revelry Verlag heute Rede und Antwort steht. Vorgeschlagen hatte das Anne Hagemann.

das Logo © Chaotic Revelry Verlag

das Logo © Chaotic Revelry Verlag

Seit wann existiert Chaotic Revelry?

Der Chaotic Revelry Verlag (kurz CR-Verlag) ist ein unabhängiger Underground-Verlag und wurde 2007 von mir und Dog Thor Dionysos in Köln gegründet. Mittlerweile wird der Verlag regelmäßig von unserer freiberuflichen Lektorin Anne Hagemann unterstützt und komplettiert.

Für was steht der Name?

Der Verlagsname ist programmatisch gemeint: Das Verlagsprogramm ist humorvoll-anarchisch geprägt; statt herkömmlicher Lesungen werden die Neuerscheinungen des Verlags über experimentelle Video- oder Online-Lesungen sowie Performance-Projekte vermarktet. Zudem werden bevorzugt analoge Werke von Autoren verlegt, die vorher noch nicht publiziert haben.

Lieferbare Titel?

In der Zwischenzeit hat der Verlag neben sechs Anthologien schon elf Einzelpublikationen herausgegeben.

Ihre Highlights im Bücherjahr?

Unsere Highlights im Bücherjahr sind das Buch von Johannes Witek mit dem Titel Wenn alle Sängerknaben der Welt das hohe C singen, muss ich mir in den Kopf schießen sowie das Debüt unserer Autorin Enya Benthaus Betrachtungen über Blaues und Schwarzes.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

CoverWitekInterviewFrische Texte und Bücher haben so etwas unglaublich Befreiendes und Beständiges. Es gibt so viele schlaue, feingeistige Menschen, denen wir eine Plattform bieten möchten, um gehört zu werden. Außerdem war die Faszination für Bücher schon von klein auf da. Schon bei der unendlichen Geschichte waren die spannendsten Buchstellen die im Antiquariat von Karl Konrad Koriander.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Nun ja, wie in jedem Kunstbereich gibt es den Mainstream, der sich das liebe Geld auf die Fahnen geschrieben hat, und es gibt die subkulturellen Kleinen, denen das Kunstwerk an sich wichtiger ist als die Millionen auf dem Konto. Wir haben abgekoppelt vom Buch als Kapital natürlich viel mehr Freiheiten das zu tun, was wir möchten. Wie alles Im Leben gibt es Vor- und Nachteile.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Ich denke, ohne die Möglichkeit einer Homepage und somit quasi die direkte Öffnung für die gesamte Welt, hätten wir in der Weise einen solchen chaotischen, rebellisch-anmutenden Verlag nicht gegründet. Nun leben wir aber mitten im digitalen Zeitalter, und wir sind quasi das Ergebnis dieser Epoche.

CoverEnyaInterviewWas machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Das ist relativ einfach zu erklären. Bei uns dürfen sich die Autorinnen und Autoren mal so richtig austoben ohne großartige Grenzen und Schranken, natürlich alles im Rahmen des friedlichen Menschenbildes, aber das versteht sich ja von selbst.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Eventuell hätten wir uns doch etwas intensiver um Fördermittel oder Startgelder bemüht. Wenn die Mittel zu knapp sind, beeinflussen sie letztlich doch das künstlerische und verlegerische Schaffen.

Wie gewinnen Sie Autoren?

In der Regel über das Internet. Wir bekommen sieben Jahre nach Gründung doch regelmäßig Manuskripte per Post oder per Email zugeschickt. Wir haben aber auch schon eine Autorin auf einer kleinen Verlagsmesse persönlich und direkt gewinnen können.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Sehr independent. Nämlich vertreiben wir die Bücher komplett selbst. Bestellungen sind direkt bei uns möglich telefonisch, per Mail und Fax sowie über unseren regionalen Handelspartner booklooker aus Düsseldorf. Und natürlich kann man unser gesamtes Sortiment auch direkt mit der ISBN-Nummer bei einer Buchhandlung bestellen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen?

CoverSchumacherInterviewWir versuchen immer wieder persönlichen Kontakt zu Buchhändlern aufzubauen und ausgewählte Independent-Buchhandlungen über unsere Bücher durch Flyer und Postkarten zu informieren.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Gar nicht. Ich habe weder ein privates noch ein gewerbliches Konto bei Amazon.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wir gehen auf Kleinverlagsmessen, unsere Autorinnen und Autoren lesen so oft es möglich ist und wir knüpfen Kontakt im Netz zu guten Literaturbloggern und Literaturzeitschriften. Außerdem gibt es häufig Online-Lesungen auf Youtube etc. Klassische Rezension findet man aber auch von unseren Büchern.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Bisher sind wir noch kein Mitglied. Mal sehen, ob sich das in Zukunft ändern wird. Generell habe ich nicht den Eindruck, dass sie sich besonders um Independent-Verlage kümmern.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Das ist vielleicht diese beste Frage dieses Interviews, weil man das nie so richtig einschätzen kann. Aber es ist schon das Lesepublikum abseits des Mainstreams, Vielleser, Querdenker, Satireliebhaber, Surrealisten.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Da wir in dem Rahmen, in dem wir uns bewegen, unsere Literatur kostendeckend herausbringen können und frei entscheiden können, mit wem wir welches Projekt gestalten wollen, sind die Chancen nicht schlecht, dass wir noch ein wenig auf dem Markt überleben können.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

CoverJonisInterviewDas größte Risiko eines Independent-Verlags sind wohl irgendwelche unvorhersehbaren Steine, die einem in den Weg gelegt werden, sei es finanziell oder gesundheitlich. So etwas kann einem kleinen Verlag natürlich schnell mal das Genick brechen.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Die ungezwungene Art mit Büchern und Literatur umzugehen. Independent-Verlage wirken freundlicher, unsteifer und offener als große Verlage, die verbissen um jeden Euro kämpfen müssen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Macht es einfach!

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich empfehle hiermit den Brühler Independent-Verlag open for books, die sich auf europäische Kinderbücher spezialisiert haben, wie auch den Chili Verlag, weil dieser genauso verrückt ist wie wir.

Herzlichen Dank, Sebastian Kaufmann, für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier

Chaotic Revelry Verlag im Netz:

Homepage: http://www.chaoticrevelry.de

Twitter: https://twitter.com/chaoticverlag

Facebook: https://www.facebook.com/chaoticrevelryverlag

Online-Messestand: http://www.smallpress.de/aussteller/aid/397/

„Ohne Autoren kein Verlag.“ SteglitzMind stellt Barbara Miklaw mit dem Mirabilis Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich sehr, dass Barbara Miklaw, die den Mirabilis Verlag verantwortet,  heute Rede und Antwort steht.

Seit wann gibt es Ihren Verlag?

Den Mirabilis Verlag gibt es seit 2011, Verlagssitz ist Miltitz bei Meißen. Das erste Buch ist im August 2012 erschienen: „Unsere Sache“, Erzählungen von Rainer Rabowski. Pro Jahr soll es künftig etwa vier bis sechs Bücher geben, darunter je ein kleiner Gedichtband und ein Kinderbuch. Ansonsten liegt der Schwerpunkt bei literarischen Erzählungen. Die dürfen gern auch mal relativ kurz sein – und wenn es nur 90 Seiten sind, wesentlich ist für mich die Qualität. Die Bücher sollen inhaltlich und sprachlich anspruchsvoll sein und natürlich auch hinsichtlich der Gestaltung ansprechend.

Machen Sie alles alleine?

Struck_Der Geruch der FilmeIm Wesentlichen arbeite ich allein, unterstützt von befreundeten freiwilligen Mitstreitern, die gelegentlich Probeleser sind, Hinweise geben oder beim Versand helfen. Mit dem Satz hilft mir Wolfgang Schanz, Bruder und Kollege. Die PR-Agentur Johannes Keil in Köln versendet regelmäßig Meldungen an die Presse, was sich schon als sehr hilfreich erwiesen hat. Den Druck der Bücher übernimmt im Allgemeinen eine kleine Druckerei in Meißen. Dort kann ich auch schnell mal hinfahren, geeignetes Papier aussuchen, mich beraten lassen. Das ist nicht nur praktisch, sondern macht auch Spaß. Fürs jeweilige Cover suche ich gemeinsam mit den Autoren Fotografien oder Grafiken aus, frage auch gern bei Künstlern nach.

Wie stehen Sie zum E-Book?

Bisher sind zehn Bücher erschienen, noch keines allerdings als E-Book. Wir denken darüber nach, das eine oder andere Buch auch als E-Book erscheinen zu lassen („wir“ heißt: die Autoren und ich). Aber meiner Ansicht nach ist nicht jedes Buch auch dafür geeignet. Das gilt z. B. für Bücher, die Fotografien oder Dokumente enthalten, wie Lothar Strucks Essay „Der Geruch der Filme. Peter Handke und das Kino“ oder Dieter Sanders biografische Erzählung zu Fritz Picard. Die sind mir in gedruckter Form viel lieber, zum Anfassen, Anschauen …

Für wen machen Sie Bücher?

Als Leser wünsche ich mir kluge Menschen, die gern auch mal etwas Ungewöhnliches lesen, sich zum Denken anregen lassen wollen, offen für das Besondere sind – oder einfach interessiert am Thema.

Ihre Highlights im Bücherjahr …

Die Highlights dieses Jahres: die Leipziger Buchmesse im Frühjahr, dort werde ich auch im nächsten Jahr wieder einen Stand haben. Die Lesung von Dieter Sander in der Kammeroper Köln vor ca. 80 sehr interessierten Zuhörern, organisiert von der Kölner Buchhandlung Koehl. Die Lesung von Vazrik Bazil in der Buchhandlung Findus in Tharandt bei der sehr engagierten Frau Erler. Die 25-minütige Sendung des RBB im August zu Peter Handkes Kinofilmen, basierend auf dem Essay „Der Geruch der Filme. Peter Handke und das Kino“ von Lothar Struck. Die Verlagsvorstellung bei der Ulmer Literaturwoche durch Florian L. Arnold. Ansonsten: Jedes neu erscheinende Buch ist ein Highlight, jede Rezension – und gerade Lothar Strucks Essay hat bisher schon einige Aufmerksamkeit gefunden.

Lieferbare Titel?

Bei bisher erst zehn erschienenen Büchern darf ich vielleicht alle nennen …

  • Rainer Rabowski: „Unsere Sache“, Erzählungen, 2012
  • Rainer Rabowski: „Haltestellen“, Kurzprosa und Lyrik, 2013
  • Lothar Struck: „Der Geruch der Filme. Peter Handke und das Kino“, ein wissenschaftlicher Essay, 2013
  • Lothar Struck: „Grindelwald“, eine autofiktionale Erzählung, 2014
  • Ingo Schramm: „Der Irbis“, eine literarische Erzählung, 2014
  • Dieter Sander: „Fritz Picard. Ein Leben zwischen Hesse und Lenin“, eine biografische Erzählung, 2014
  • Jost Renner: „LiebesEnden“, „Das eigene Brot“, Gedichte, beide 2013 erschienen
  • Vazrik Bazil: „Auf kläglichen Straßen“, Gedichte, 2014
  • „Der Zeitstrudel“ – Erzählungen von Kindern; ein Projekt, an dem 16 Kinder beteiligt waren, 2013

der ZeitstrudelAußerdem gibt es noch zwei Postkartensets: Kunstpostkarten mit Motiven von Sebastian Rogler und ein Set mit alten Fotografien zum Thema Automobil und Straße, liebevoll in eine bedruckte Blechschachtel gebettet.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Die Frage nach den Zeiten habe ich mir bei der Entscheidung gar nicht gestellt. Ich hatte vor einigen Jahren im Netz das Blog eines exzellenten Schriftstellers gefunden – Rainer Rabowski. Die Texte waren so ungewöhnlich, so sprachlich elegant, dass sie mich nicht mehr losgelassen haben. Wir korrespondierten längere Zeit, und zu meiner Überraschung hatte er noch keinen Verlag, schrieb eigentlich nur für sich. Dann veröffentlichte er im onomato Verlag Düsseldorf, der damals noch fast ausschließlich Hörbuchverlag war, seine ersten beiden Erzählbände, die ich zum Teil lektorierte, schlug mir aber wiederholt die Gründung eines kleinen literarischen Verlags vor. Zwei Jahre lang habe ich das rundweg abgelehnt, bis mir plötzlich die Erkenntnis kam, dass das etwas wäre, was ich eigentlich sehr, sehr gern machen würde. Und dann machte ich es einfach, Zeiten hin oder her. Zum Glück auch mit etwas Unterstützung und Zuspruch durch Axel Grube vom onomato Verlag. Was mir übrigens sehr geholfen hat: Ich habe zuvor schon viele Jahre freiberuflich gearbeitet, so dass mir z. B. betriebswirtschaftliche Dinge nicht neu waren.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Aus der Freude an der Sache. Ein richtig gutes Buch auf den Weg zu bringen, mit allem was dazugehört, die Gestaltung, die Zusammenarbeit mit den Autoren, die kleinen Erfolgserlebnisse, wenn es gute Rezensionen gibt oder überhaupt ein gutes Echo, der Kontakt zu anderen Büchermenschen auch, das ist schon wirklich Freude. Die Freude wird auch den Büchern mitgegeben, bei der Gestaltung zum Beispiel, bei der Typografie, bei der Auswahl der Titelgrafik oder -fotografie. Oder in Dieter Sanders Buch zu Fritz Picard beispielsweise sind Ex-Libris-Etiketten eingeklebt, mit viel Liebe zum Detail ausgedacht. – Noch mehr Freude gibt es natürlich, wenn sich die Bücher auch gut verkaufen.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Schwer zu sagen. Wenn mit Digitalisierung auch die gesamte Text- und Bildbearbeitung gemeint ist, wahrscheinlich nicht. Und: Es lebe das Internet. Ohne das würde ich meine Autoren gar nicht kennen.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Sander_Fritz PicardMeine Autoren haben ein großes Mitspracherecht, mir liegt sehr an einer guten Zusammenarbeit, an der gemeinsamen Herstellung eines guten Buches. Das betrifft auch Fragen der Gestaltung, die Auswahl des Titelbildes zum Beispiel. Das ist vielleicht nicht überall so. – Ansonsten gehe ich davon aus, dass auch andere kleine Verlage mit Enthusiasmus und einer gehörigen Prise Idealismus arbeiten. Eine Konkurrenz zu anderen kleinen Verlagen sehe ich nicht. Im Gegenteil, eine gelegentliche Zusammenarbeit oder der Austausch zu den sicher ähnlichen Fragen und Problemen kann sehr hilfreich sein. – Gemeinsam mit dem Kunstverein Zwickau organisiere ich für das nächste Frühjahr eine mehrtägige Vorstellung kleiner sächsischer Verlage mit Lesungen, Filmvorführungen usw. Das wird sicher sehr spannend – und ohne Konkurrenzgedanken.

Etwas wirklich Besonderes ist unsere komplett kostenlose App „Depeschen“, auf die kleine unabhängige Verlage Text- oder Hörproben, auch Filmsequenzen laden können – über einen Link wird der Nutzer dann direkt auf die jeweilige Verlagsseite geleitet (nähere Informationen unter depeschen.net). Eine schöne Werbemöglichkeit für Verlage, von der der Leser/Nutzer auch etwas hat. Wir freuen uns über weitere unabhängige Verlage, die mitmachen wollen, keine Kosten, kein Risiko

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Hm. Man tut in jedem Moment ja immer das, was man kann. Ganz wichtig ist m. E., dass man die Möglichkeiten der Vernetzung nutzt, sich einbringt, auch um Aufmerksamkeit zu finden und um Neues zu erfahren. Da muss ich mich auf jeden Fall noch besser organisieren. – Kürzlich hatte ich die Einreichfrist für die Hotlist der Indie-Verlage verpasst und mich mächtig darüber geärgert. Mist. So was passiert, wenn man weitgehend allein arbeitet und schon aus zeitlichen Gründen nicht auf alles achten kann. Und ich arbeite ja auch „nebenbei“ in meinem eigentlichen Beruf als Diplomingenieurin und Fachlektorin. Aber wichtig sind solche Dinge schon! Nächstes Jahr passiert mir das hoffentlich nicht noch mal. Also: prinzipiell mehr Präsenz zeigen, die Möglichkeiten des Netzes stärker nutzen. Immerhin bin ich seit ein paar Wochen bei den Bücherfrauen.de. Auch was Gutes, das mir eigentlich auch eher hätte einfallen können.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Renner_Das eigene Brot

Manchmal ergibt eins das andere. Lothar Struck, einen erstklassigen Literaturkritiker und Handke-Experten, Rainer Rabowski und Jost Renner kenne ich schon seit etlichen Jahren über ihre Blogs, wenn auch das persönliche Kennenlernen sehr viel später stattfand. Überhaupt gibt es unter den Bloggern noch einige, die ich gern als Autoren gewinnen würde. – Dr. Vazrik Bazil wurde mein Verlag von einer sehr guten Buchhandlung empfohlen. Er sprach mich an und ich war sehr angetan. – Dieter Sander ist der Fotograf des Titelbildes von Lothar Strucks Essay – ich habe ihn der Bildrechte wegen gesucht und gefunden (was schon wieder eine eigene Geschichte wäre). Dieter Sander hatte damals bei Handkes Filmaufnahmen zur „Chronik der laufenden Ereignisse“ fotografiert. Und er ist selbst ein sehr interessanter Mensch, der unglaublich viel zu erzählen hat, auf seinen Reisen bemerkenswerte Persönlichkeiten kennenlernte, als Fotograf und Filmproduzent tätig war und mehrere Jahre in Paris lebte und arbeitete (für den WDR im Studio von Peter Scholl-Latour). In Paris lernte er auch Fritz Picard kennen, der in der Berliner Kaffeehausszene der Zwanziger Jahre zu Hause und unter anderem mit Else Lasker-Schüler, Walter Mehring und Erich Mühsam befreundet war und nach dem Exil und dem Krieg dann das Antiquariat Calligrammes in Paris eröffnete. Moment mal – wie viel Platz habe ich hier eigentlich …?

Platz genug …

Ingo Schramm hat 1996 in Klagenfurt gelesen und hatte schon einen guten Namen als Autor, ich habe ihn über gemeinsame Freunde kennengelernt. Und einen neuen Autor, Florian L. Arnold, von dem im Frühjahr ein kleiner Roman erscheinen wird, lernte ich auf der letzten Buchmesse in Leipzig kennen. Ein großer Gewinn!

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Die Verlagsbücher werden über die Homepage verkauft oder über die Barsortimenter Libri und Umbreit. Ich habe keine eigene Verlagsauslieferung. Leider, leider habe ich auch keine Verlagsvertretung! Das wäre sehr wichtig, aber ich habe noch niemanden gefunden, der sich für so einen kleinen Verlag engagieren möchte. Absage vom Indiebook-Büro, Absage von der Berliner Verlagsvertretung usw. Wobei die Absagen noch die freundliche Form sind – die meisten Angefragten antworten gar nicht erst. Großes Problem!

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Bazil_Auf kläglichen StraßenMangels Verlagsvertretung reise ich ab und an selbst durchs Land und bitte ausgewählte Buchhandlungen um die Möglichkeit, die Verlagsbücher vorstellen und ggf. einige Exemplare auf Kommissionsbasis dalassen zu dürfen. Das ist mühselig und manchmal frustrierend, aber ich habe dadurch auch schon sehr gute Buchhandlungen und sehr engagierte, sympathische Buchhändler kennengelernt: Jörg Braunsdorf von der Tucholsky-Buchhandlung in Berlin z. B., Klaus Kowalke von Lessing und Kompanie in Chemnitz, Annaluise Erler von der Buchhandlung in Tharandt, Margarete Haimberger von der Schröerschen Buchhandlung in Berlin (sie habe ich übrigens angesprochen, weil mir ihr Beitrag zu den unabhängigen Buchhandlungen hier bei SteglitzMind so gut gefallen hatte!). Diese Erfahrungen und Bekanntschaften möchte ich keinesfalls missen, aber – siehe oben – ohne Verlagsvertretung ist es verdammt schwierig. Abgesehen davon: Ich würde mir wünschen, dass mehr Buchhändler offen und ansprechbereit für kleine Verlage sind, auch was Lesungen angeht (ich bin auch gern bereit, mich am Aufwand zu beteiligen).

Wie halten Sie es mit Amazon?

Ich verkaufe Bücher auch über Amazon. Die geforderten Rabatte sind unverschämt hoch, aber Amazon ist auch clever und kundenfreundlich. Alle Titel, die beim VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher) gelistet sind, werden auch bei Amazon gelistet, Kunden können dort also jedes Buch finden, übrigens auch ganz ohne Zutun des Verlags. Wenn Leser meine Bücher bei Amazon kaufen und meine Autoren möchten, dass ihre Bücher auch über Amazon verkauft werden (ich frage sie), sehe ich mich nicht in der Position, darauf zu verzichten oder gar Leser in ihren Kaufgewohnheiten zu „erziehen“. Ich würde sicher lieber mehr Bücher in kleinen Buchhandlungen verkaufen, aber leider … (siehe oben). Es fehlt meiner Ansicht nach an einer konkurrenzfähigen, für den Kunden gleichwertigen Plattform, von der auch kleine Buchhandlungen und Verlage profitieren könnten. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf indiebook.de und möchte den Verlag dort gern auch einbringen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Rabowski_Haltestellen

Pressemitteilungen versenden (Johannes Keil macht das), Neuigkeiten auf der Homepage und der Facebook-Verlagsseite einstellen, Verlagsprospekte verteilen, Rezensionsexemplare versenden und Rezensenten werben, Lesungen und Verlagsvorstellungen organisieren (siehe auch die geplante Veranstaltung im nächsten Frühjahr in Zwickau) – und ich leiste mir zur Leipziger Buchmesse einen eigenen kleinen Stand. Das hat mir übrigens schon zu sehr guten Kontakten und Erfahrungen verholfen. Und nicht zuletzt leisten die Autoren selbst einen nicht unbeträchtlichen Beitrag: Jost Renner zum Beispiel ist sehr aktiv bei Facebook und Twitter und hat eine große Fangemeinde; er findet auch für sein Blog viel Anerkennung. Lothar Struck und Rainer Rabowski betreiben sehr gute Blogs. Dieter Sander und Vazrik Bazil bringen ihre guten Kontakte ein. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie stehen Sie zum Börsenverein des deutschen Buchhandels?

Ich bin Mitglied im Börsenverein und schätze sehr das Engagement des Landesverbandes. Auch der Download-Bereich ist sehr hilfreich mit Musterverträgen usw. Ein großes Aber: Die Mitgliedsbeiträge sind für ganz kleine Verlage nahezu unerträglich hoch. Hier würde ich mir eine differenziertere Staffelung wünschen.

Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Eine ganz spezielle Marktnische, also wie etwa ein Verlag, der nur Literatur zu einem ganz bestimmten Thema veröffentlicht, habe ich gar nicht. Ich möchte inhaltlich und sprachlich anspruchsvolle Bücher veröffentlichen, die dem Leser lange in Erinnerung bleiben. Bücher, die auf den ersten Blick vielleicht auch einmal ungewöhnlich oder sogar sperrig erscheinen, dem Leser, der sich darauf einlässt, dann aber zu einem besonderen und nachhaltigen Gewinn werden.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Ich wünsche mir, dass mein Verlag längerfristig als kleiner und feiner Verlag mit besonderen und guten Büchern bekannt wird. Das wäre auch die größte Chance für ein erfolgreiches Weitermachen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Der Vertrieb muss unbedingt besser funktionieren (liebe Verlagsvertreter …!). Zu wenig Bücher zu verkaufen, ist natürlich immer ein Risiko für einen Verlag. Ich hätte schon gern, dass der Verlag sich irgendwann selbst trägt.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Barbara Miklaw (c) Wolfgang Schanz

Barbara Miklaw © Wolfgang Schanz

Die guten Bücher, die Frische, die guten Ideen – wie zum Beispiel der Indiebookday oder die Hotlist der Independent-Verlage -, das Engagement – und überhaupt die gemeinsamen Themen. Zur Buchmesse ist mein Eindruck immer, dass gerade im Umfeld der Independent-Verlage das meiste los ist, die lebendigste und ansprechendste Stimmung herrscht. Hier zeigen sich der Enthusiasmus und die Liebe zur Literatur, zur „Arbeit am Buch“.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Eine Verlagsgründung ist nichts für Feiglinge! Überlegt vorher gut, ob Ihr den langen Atem mitbringt und auch finanzielles Durchhaltevermögen. Ob Ihr genug Zeit und Kraft aufbringen könnt, gerade wenn Ihr vielleicht noch in einem anderen Beruf arbeitet. Ob Ihr den nötigen Rückhalt in der Familie und bei Freunden habt und zur Not auch auf Mitstreiter zurückgreifen könnt (ganz wichtig!). Und natürlich solltet Ihr gründlich überlegen, was Euch wichtig ist, welches Konzept Ihr mit dem Verlag verfolgen wollt, was Ihr selbst an Kenntnissen und Fähigkeiten einbringen könnt und ob das ausreicht. Scheut Euch nicht, Leute zu fragen, die das schon länger machen. – Und wenn Euch das alles keine Angst macht und Ihr sicher seid, dass es genau das ist, was Ihr machen wollt: dann nur zu – und viel Glück!

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da fallen mir etliche Verlage ein. Meine Empfehlung für Gespräche: Axel Grube mit dem onomato Verlag in Düsseldorf, Andreas Heidtmann mit dem Poetenladen-Verlag in Leipzig, Helge Pfannenschmidt mit der Edition Azur in Dresden, Steffen Ille mit dem Verlag Ille & Riemer in Leipzig.

Ganz herzlichen Dank, Barbara Miklaw, für diesen Einblick.

Ich bedanke mich herzlich für die Möglichkeit, den Mirabilis Verlag hier vorstellen zu können. Und: Ich danke sehr meinen hervorragenden Autoren! Ohne Autoren kein Verlag. Lasst uns weiter gute Bücher machen …

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier

schriftzug mirabilis_

Verlagsseite: http://www.mirabilis-verlag.de/ (wird demnächst etwas klarer und moderner, ist schon in Arbeit), zu den jeweiligen Büchern finden sich auch Leseproben sowie Links zu Rezensionen

Der Verlag bei Facebook: https://www.facebook.com/MirabilisVerlag?ref=hl

Autorenblogs:

Rainer Rabowski: www.rainerrabowski.wordpress.com

Lothar Struck: www.begleitschreiben.net

Jost Renner: www.liebesenden.twoday.net

Info zu Dr. Vazrik Bazil: http://de.wikipedia.org/wiki/Vazrik_Bazil

Info zu Ingo Schramm: http://de.wikipedia.org/wiki/Ingo_Schramm

Info zu Dieter Sander

Homepage von Sebastian Rogler: http://www.sebastian-rogler.de/

 

Klein und oho, aber nicht auf dem Schirm? Wer und wo sind sie – die kleineren Verlage?

Ich mache Bücher – das scheint heutzutage kein Problem mehr. Die Hürden sind in Folge der Digitalisierung niedrig. Selfpublishing hat sich als feste Größe etabliert und Verlagsgründungen sind en vogue. Die Grenzen zwischen Klein-/Indie-/Miniverlagen einerseits und Selfpublishern andererseits verwischen immer mehr. So mancher, der damit liebäugelt, sein Werk an die Leser zu bringen, gründet gleich seinen eigenen Verlag. Fast könnte man versucht sein, die Redewendung „Wer nichts wird, wird Wirt. Und wer das nicht wird, macht Bücher!“ auf die Buchbranche zu münzen.

Wer schaut da noch durch? Und: wie definiert sich das überhaupt – Verlag? Wie trennt man die Spreu vom Weizen? Und wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick?

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Wer sich mit den Kleinverlagen beschäftigt, der kommt um die Kurt-Wolff-Stiftung mit ihrem rührigen Vorsitzenden Stefan Weidle nicht umhin. Im Jahr 2000 ins Leben gerufen, vertritt sie nach eigenen Aussagen die „Bedeutenden“ der Kleineren. Ähnlich wie der 1980 gegründete Arbeitskreis unabhängiger Verlage (AkV) im Börsenverein hat sich die Stiftung das Ziel gesetzt, die Interessen der Independents zu vertreten und ihnen zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen. Alljährlich präsentieren sich 65 Mitglieder im Katalog der Stiftung „Es geht um das Buch“, der unter Liebhabern und in Buchhandlungen die Runde macht. Zudem werden der 26.000 Euro dotierte Kurt-Wolff-Preis sowie ein Förderpreis vergeben, die beide für Außenwirkung sorgen.

wer macht denn alles Bücher?  © GvP

wer macht denn alles Bücher? © GvP

 

Wer wissen will, wie ein kleiner Verlag bestellt sein sollte, wird bei der Kurt-Wolff-Stiftung ebenfalls fündig. Hier wurden Kriterien für die Aufnahme in den Freundeskreis erarbeitet. Der Anwärter muss ein allgemeines Programm aus den Bereichen Literatur und/oder Sachbuch bieten. Er darf kein Druckkostenzuschussverlag sein. Weitere Anforderungen wie Konzernunabhängigkeit und eine Umsatzobergrenze leuchten mir ebenfalls ein. Warum aber Verlage ohne professionelle Auslieferung, ohne Mitgliedschaft im Börsenverein oder mit einer geringeren Produktion als vier Titeln jährlich aus dem Raster fallen, erscheint mir dagegen wenig stimmig und nicht mehr à jour.

Ganz alleine jedenfalls stehen die Independents schon lange nicht mehr. Seit den 1960ern, als die ersten Unabhängigen an den Start gingen, hat sich eine Menge getan. Etwa gibt es Dienstleister, die sich eigens an die Kleineren wenden. Tubuk, die Buchshop-Plattform für Literatur von unabhängigen Verlagen, bietet seit vergangenem Jahr auch Unterstützung beim Vertrieb und der Herstellung von E-Books. Oder das Büro indiebook, ein Backoffice für Vertreter, die für unabhängige Verlage reisen. Zum Start der Leipziger Buchmesse 2015 ist indiebook.de geplant, eine Plattform für unabhängige Verlage und Buchhandlungen. Events wie die Mainzer Minipressen-Messe, Buchlust in Hannover oder Kleine Verlage am Großen Wannsee bieten seit Jahren für Kleinverlage regelmäßig Schaufenster. Nicht zu vergessen die Hotlist, die 2009 initiiert wurde, um die besten Bücher aus unabhängigen Verlagen zu küren.

Unter den Literaturaffinen im Netz macht der Indiebookday Furore, der auf Anregung des Mairisch Verlages 2013 aus der Taufe gehoben wurde. „Geht am 23. März in einen Buchladen Eurer Wahl und kauft Euch ein Buch. Irgendeins, das Ihr sowieso gerade haben möchtet“, so der diesjährige Aufruf. „Hauptsache es stammt aus einem unabhängigen/kleinen Verlag.“ Hier beißt sich die Katze freilich in den Schwanz. Heißt es nicht, dass die Kleinen im Buchhandel nicht präsent sind? Und tatsächlich wurden am diesjährigen Indiebookday verschiedentlich Klagen laut, dass in den besuchten Buchläden keine Indie-Perlen zu finden sind.

Überhaupt tut sich im Netz so einiges, um Aufmerksamkeit für die Kleineren zu schaffen. We read Indie beispielsweise. Eine Blogger-Allianz, die sich nach dem ersten Indiebookday 2013 rund um die Klappentexterin zusammengefunden hat, um regelmäßig über Bücher von Independents und die Kleinstverlagsszene zu berichten. Auch das Portal Kleinfairverlage, ebenfalls 2013 ins Leben gerufen, hat sich auf die Fahne geschrieben, kleineren und mittelgroßen Verlagen zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen. Und die literarisch ambitionierten Blogger? Deren Herz schlägt ohnehin für Bücher aus unabhängigen, kleineren Verlagen.

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Kurzum: Es bewegt sich was. Allerdings fiel mir bei meinen Recherchen auf, dass der Kreis der Independents, denen die Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zollt, leider noch eng bemessen ist. Beachtung finden nämlich zumeist die Immer Gleichen. Dazu zählen jene, die der Kurt-Wolff-Stiftung angehören. Häuser, die seit längerem existieren, und Verlage, die Preise gewonnen oder einen Bestseller gelandet haben.

wer macht denn alles Bücher? © GvP

wer macht denn alles Bücher? © GvP

Was ist mit den vielen anderen, die das Wagnis Verlag eingegangen sind? Martina Bergmann, Sascha Lobo, Peter R. Hellinger, Tobias Hertle, Nikola Hahn, Ingolf Ludmann-Schneider, Barbara Miklaw, Michael Fischer, Zoë Beck, Bettina Schaefer, Gabriele Schmid, die Pennigtons, Ursula Richard oder Dieter Paul Rudolf, um einige wenige zu nennen. Wie schaut man da durch? Was treibt junge Verleger an? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chance?

Fragen, die SteglitzMind in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgreifen möchte. Schön wäre ja, dabei auch einige Unabhängige zu entdecken, die im Schatten stehen. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr!

Bislang vorgestellt haben sich:

Barbara Miklaw mit ihrem Mirabilis Verlag

Sebastian Kaufmann, der den Chaotic Revelry Verlag gemeinsam mit Dog Thor Dionysos gründete

Andreas Heidtmann vom poetenladen Verlag

Franziska Röchter, die den chiliverlag verantwortet

Steffen Ille vom Verlag Ille & Riemer

Gut gemeint, reicht nicht. Was sich Buchhändler vom Börsenverein des deutschen Buchhandels wünschen

„Welchen Börsenverein braucht die Branche?“ – das wird die Zukunftskonferenz erörtern, die auf dem Frankfurter Mediacampus am 11. und 12. September stattfindet. Diese Themenstellung hatte ich auch schon im Rahmen meiner Gesprächsreihe mit Buchhändlern aufgegriffen. So liegt es nahe, die Aussagen im Vorfeld des Branchentreffens zusammenzufassen.

Auf meine Frage, was sich Sortimenter vom Börsenverein des deutschen Buchhandels wünschen, gaben 44 Befragte Auskunft. Generell keinen Änderungsbedarf erkennen nur zwei der Befragten. Wobei Susanne Martin (Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen) Versäumnisse in der Vergangenheit einräumt und Brigitte Gode (Gollenstein Buchhandlung in Blieskastel) offen darüber nachdenkt, ob sie aufgrund ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Börsenverein womöglich voreingenommen ist.

Brigitte Gode  © privat

Brigitte Gode © privat

Im Gegensatz zu vielen finde ich, dass unser Verband keinen sooo schlechten Job macht angesichts der Herausforderungen, denen er sich stellen muss und der Bandbreite der Mitglieder, die er vertreten soll. Meine Kritikpunkte liegen eher in der Vergangenheit, in der wichtige Entwicklungen einfach verschlafen wurden, aber darüber jetzt noch Tränen zu vergießen, hilft niemandem. Ein Verband ist auch immer nur so gut wie seine Mitglieder.

Ich bin selbst seit vielen Jahren im Ehrenamt engagiert und deshalb sicherlich voreingenommen. Es wird ja immer wieder unter Kollegen diskutiert, ob man den Börsenverein wirklich braucht und ob man sich den Beitrag nicht sparen könnte. Ich halte ihn für enorm wichtig, weil wir eine sehr sensible Branche sind und daher eine starke Branchenvertretung brauchen. Das kann nur der Börsenverein leisten.

Abgesehen von den beiden Statements, die dem Dachverband der Buchbranche eine zufriedenstellende Arbeit bescheinigen, äußerten alle anderen Verbesserungswünsche; darunter auch jene Vier, die nicht Mitglied sind. Ganz oben rangiert der Wunsch, dass sich der Börsenverein mit aller Kraft für die Buchpreisbindung und den reduzierten Mehrwertsteuersatz einsetzen soll. Sorgen macht in diesem Zusammenhang das Freihandelsabkommen. Gemeinsam ist außerdem das Anliegen, dass die Öffentlichkeitsarbeit forciert werden sollte. Es hapert an Aufklärung. Beklagt wird, dass der Verband die besonderen Leistungen des Buchhandels nicht herausstellt. Stichworte sind: Buchpreisbindung, Lieferzeiten und Onlineshops. Insbesondere mit Blick auf das Schreckgespenst Amazon werden hier erhebliche Versäumnisse angekreidet.

Ingo Herrmann & Heike Röminger  © Ingo Herrmann

Ingo Herrmann & Heike Röminger © Ingo Herrmann

Ich wünsche mir weniger Event und mehr Information; mich erschreckt immer wieder, wie wenig Kunden z. B. um die gesetzliche Buchpreisbindung in Deutschland wissen und darum, dass die (auch kostenlose!) Lieferung auf den nächsten Tag zwar etwas Besonderes ist (im Vergleich zum europäischen Ausland), aber keine Erfindung der Eingeborenen von Amazonien. – Mit diesem Wissen relativiert sich der „Vorteil“ der Bestellung bei Amazon doch erheblich. So Ingo Herrmann und Heike Röminger von der Buchhandlung Moby Dick in Berlin

Innovative Werbekampagnen, zum Beispiel wie wahnsinnig schnell der Buchhandel liefert! Nach 30 Jahren immer noch fast ein Geheimnis, obwohl es eines der dicksten Pfunde der Branche ist. Nur Apotheken sind schneller! Meinen Jessica Ebert und Katja Weber von der Berliner Buchhandlung ebertundweber

Was ich mir wünsche? Eine Werbe-Kampagne, für die Online-Präsenz und die schnellen Lieferungen des allgemeinen Buchhandels und für die Preisbindung. Sagt John Cohen von der Hamburger Buchhandlung cohen + dobernigg

Neben besseren Kundeninformationen erwartet man sich verstärkte Anstrengungen in Sachen Marketing und Werbung für das Buch und das Lesen. Und das, obwohl der Börsenverein mit “Vorsicht Buch!” eine solche Kampagne gestartet hat. Freilich kommt die Initiative nicht bei allen gut an.

Margarete Haimberger © Margarete Haimberger

Margarete Haimberger © Margarete Haimberger

Die Aktion „Vorsicht Buch“ ist für uns eine große Enttäuschung. Meine Kundschaft versteht nicht, warum sie Angst vor einem Buch haben sollte… Sagt Heike Wenige vom Taschenbuchladen im sächsischen Freiberg

Sollten sie nochmal Werbung für das Buch machen, sollten sie dies bitte auf dem Niveau von Quentin Blake oder Tomi Ungerer tun, mit menschlichem Strich statt mit Photoshop-Glätte, mit Humor statt Funnyfunny. Wünscht sich Margarete Haimberger von der Schröersche Buchhandlung in Berlin

Für besonders einfallsreich hält man die Werbemaßnahmen, die der Börsenverein für das Buch betreibt, jedenfalls nicht. Gewünscht werden mehr Kreativität und Originalität sowie eine stärkere Einbeziehung der Buchhandlungen. Schlussendlich treffen auch die horrenden Kosten, die „Vorsicht Buch!“ verschlingt, einen Nerv.

Holger Brandstädt © Roland Köhler

Holger Brandstädt © Roland Köhler

Ich wünsche mir, dass der Börsenverein in Zukunft gut gemeinte Werbeaktionen ein bisschen kostengünstiger und näher an der Realität in den Buchhandlungen konzipiert. So Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach

Macht noch viel mehr Werbung für das Buch & das Lesen – in allen Formen!!! Bespielt dabei verschiedene Kanäle! Bietet mehr lokale Aktionen an, die dann individuell von den Buchhandlungen genutzt und ergänzt werden können… Fordert Barbara Roth von der Offenburger Buchhandlung Roth

Aktionen wie „Vorsicht Buch“ und einiges, was da sonst gestalterisch aus Frankfurt auf die Branche losgelassen wurde (z.B. die Bücherstapelgutscheinhüllen), erschrecken mich ob ihrer Einfallslosigkeit. Auch Nachfragen heißt es dann immer reflexartig: ‚Ihren Kollegen gefällt es. ‘ Solche Aussagen bringen weder mich noch die Branche weiter. Meint Holger Brandstädt von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung

Noch weiter gehen Sabine und Ute Gartmann, die in Osterholz-Scharmbek die schatulle betreiben. Sie fordern einen „Umbau der MVB“ (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels). Und Clemens Bellut vom Heidelberger Buchladen artes liberales hält die Anstrengungen, die der Börsenverein in Sachen Werbung und Marketing unternimmt, sogar für gänzlich überflüssig:An mir könnte der Börsenverein schon eine Menge sparen, wenn er den unglaublichen Aufwand mit seinen Magazinen und Informationsblättern einschränken oder einstellen würde und auch den dazugehörigen ganzen Apparat der Werbewirtschaft, des Marketings, der Produktion und des Vertriebs dieser völlig überflüssigen Papiere…”

Ein anderes großes Thema, das die Befragten umtreibt, sind die Mitgliedsbeiträge, die für sozial unverträglich gehalten werden. Angemahnt wird mehr Beitragsgerechtigkeit.

Thomas Calliebe  ©  Thomas Calliebe

Thomas Calliebe © Thomas Calliebe

Es kann nicht angehen, dass die „Kleinen“ proportional viel mehr zahlen als die „Großen“. Sagt Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster in Ganderkesee

Bei der Gestaltung des Mitgliedsbeitrages stehe ich auf dem Standpunkt, dass ein geringerer Umsatz bei den Sortimentern auch zu geringeren Mitgliedsbeiträgen führen muss. Da läuft im Verband derzeit eine Gegenbewegung, um das Gesamtbeitragsniveau nicht weiter absinken zu lassen. Erläutert Thomas Calliebe, Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Offenbar kommt den kleineren Buchhandlungen eine Mitgliedschaft generell zu teuer. Die Angebote, die der Verein offeriert, können sie sich selten leisten.

Kostengünstigere Seminare, denn der Kostendruck in einer Buchhandlung ist ohnehin schwierig, da wäre es wünschenswert, dass Seminare, die zweifelsohne wichtig sind, günstig (nicht kostenlos) angeboten würden. Meint Gaby Kellner von Barbaras Bücherstube in Moosburg

Schlussendlich stellt sich die Frage, ob der Verband genügend für seine Mitglieder tut. Hier ist Skepsis angebracht. Immerhin klagen die Umsatzschwächeren vielfach darüber, stiefmütterlich behandelt zu werden.

Nicole Jünger © privat

Nicole Jünger © privat

Das ist wie in der Politik: Je weiter man sich von der Basis entfernt, desto weniger bekommt man das „wahre Leben“ mit. Der Börsenverein sollte mehr auf die Probleme der kleinen Buchhandlungen bzw. Verlage eingehen. Sagt Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Die an sich guten Verbandsstrukturen werden von Interessengruppen aktiv gegen andere benutzt. Das stört mich sehr, und ich wünsche mir, dass die Verbandsangestellten sich von ihren (großen) Beitragszahlern weniger manipulieren lassen. So Martina Bergmann, Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Naturgemäß wünsche auch ich mir eine Stärkung der Interessen der kleineren Mitglieder – da wo uns das Geld, der Einfluss, die Reichweite fehlt. Meint Nicole Jünger vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

Wo man mit seinen Sorgen, Wünschen und Interessen nicht ernst genommen werden, dort fühlt man sich auch nicht wohl.

Die Heerscharen „grau gekleideter Herren“ in Leipzig stoßen mich regelmäßig ab. Da fühle ich mich als Sortimenter weder wohl noch wahrgenommen. Sagt Holger Brandstädt von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung in Ueckermünde

Offenbar hat sich inzwischen sogar eine Kluft zwischen „Oben“ und „Unten“ entwickelt; zwischen einer abgehoben und elitär agierenden Verbandsspitze nebst dem zugehörigen Apparat festangestellter Mitarbeiter einerseits und den “kleineren” Einzelbuchhändlern andererseits.

Maria Glusgold-Drews © privat

Maria Glusgold-Drews © privat

Mitgliedernähe fällt mir ein. Wenn ich den Stand des Börsenvereins auf den Buchmessen sehe, fühle ich mich als Einzelbuchhändler ausgeschlossen in der Masse der schwarzen Anzüge. Und mit Nähe meine ich in allen Dingen: Transparenz, weniger elitäres Getue, Einsatz für den Buchhändler und die Preisbindung, bezahlbare Seminare… So Heike Wenige vom Taschenbuchladen im sächsischen Freiberg

Ich würde mir wünschen, dass der Landesverband aktiver auf die Mitglieder zuginge mit Aktionen und Ideen, und nicht nur Newsletter verschickte, die so unpersönlich aufgemacht sind. Fordert Maria Glusgold-Drews vom Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

Ginge es nach den Wünschen der 44 Befragten, dann würde der Börsenverein die Beiträge überdenken und sich stärker um die Belange der Umsatzschwächeren kümmern. Täte er dieses, dann wären ihm womöglich sogar neue Mitglieder gewiss.

Ich bin ganz bewusst kein Mitglied im Börsenverein. An Umsätze angepasste Mitgliedsbeiträge war ein Entscheidungskriterium bei mir, aber auch der Eindruck der fehlenden Nähe zur Basis. Bisher habe ich diese Entscheidung nicht bereut. Bettina Haenitsch von der Buchhandlung der buchladen in Seligenstadt

Beate und Mischa Klemm © lesen und lesen lassen

Beate und Mischa Klemm © lesen und lesen lassen

Was dem Verein ganz offensichtlich fehlt, ist Nähe zur Basis. Diese Anforderung fasst das Statement von Beate und Mischa Klemm, Buchhandlung lesen und lesen lassen, prägnant zusammen. Auf die Frage, was sie sich vom Börsenverein wünschen, antworteten die beiden Berliner Buchhändler: “Die einfache Frage: “‘Was würden Sie sich vom Börsenverein wünschen?’ wäre schon mal ein guter Anfang.”

Weitreichender sind die Wünsche von Clemens Bellut, Heidelberger Buchladen artes liberales. Er fordert den Verband auch auf, sein Selbstverständnis zu überdenken: “Für diese Wunschliste reicht das (virtuelle) Papier hier nicht: Vielleicht am kürzesten zu sagen, dass der Börsenverein wirklich eine Vereinigung des BUCH handels werden sollte und nicht ein Instrument von Großunternehmen, die wahlweise Bücher, Schlüsselanhänger, Teddybären, Tassen u.a. vertreiben. Oder umgekehrt gesagt: die klare Selbstzuordnung, ob der Börsenverein für den Handel arbeiten will, der zufällig auch die Ware ‘Buch’ vertreibt, oder für die Bücher, ihre Autoren, ihre Verleger, ihre Setzer und Drucker, ihre Buchläden und ihre Leser arbeiten will, die nebenbei auch über Handelsbeziehungen verbunden sind.”

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Was sich die befragten Buchhändler/innen von Verlagen wünschen, das kann man hier nachlesen

 

„Ich schreibe meinen Autoren nichts vor, vor allem nicht, was oder wie sie zu schreiben haben.“ Ein Gespräch mit Lea Korte über Schreibschulen und Autoren-Coaching

Lea Korte veröffentlicht bei Droemer Knaur historische Romane, Liebesromane beim Aufbau Verlag und unter Pseudonym liegen bei Heyne und Bastei Lübbe Sachbücher und Liebesromane von ihr vor. Seit 2011 bietet die rührige Autorin, die seit Jahrzehnten im Süden lebt, zudem Online-Autorenkurse und ein Manuskriptcoaching an. Beides nahm Gabriele Schmid wahr, mit der ich Gespräche über ihren Weg als Autorin und Eigenverlegerin geführt habe. Darüber kam ich mit Lea Korte in Kontakt, die sich freundlicherweise bereit erklärte, mir im Zusammenhang mit Schreibschulen einige Fragen zu beantworten. – Ich sage Lea Korte herzlich danke, dass sie sich die Zeit genommen hat.

Dem Literaturinstitut in Leipzig und dem Studiengang Kreatives Schreiben in Hildesheim eilt der Ruf voraus, Türöffner für Verlage und den Literaturbetrieb zu sein. Werden Autoren ernster genommen, die spezielle Schulungen durchlaufen haben?

Ja, ich denke schon, dass dies der Fall ist. Wann immer ich mit Agenten oder Lektoren über die Autoren meiner Kurse und deren Werke rede, sehe ich ja auch, auf welch großes Interesse ich stoße. Der Agent oder der Verlagslektor weiß, dass die Projekte, die im Rahmen des Kurses entwickelt wurden, handwerklich einwandfrei und optimiert sind. In der Tat haben ja auch schon einige „meiner“ Autoren den Weg in Publikumsverlage geschafft beziehungsweise einen Agenturvertrag unterschreiben können.

Anfang des Jahres sorgte ein ZEIT-Kommentar von Florian Kessler für Aufregung, in dem auch die Literaturinstitute in Hildesheim und Leipzig ihr Fett abbekamen. Wie sehen Sie das: Besteht die Gefahr, dass Schreibschulen uniforme Literatur produzieren?

Lea Korte © Lea Korte

Lea Korte © Lea Korte

Nein, diese Gefahr sehe ich nicht – und in meinem Kurs schon gar nicht. Ich schreibe meinen Autoren nichts vor, vor allem nicht, was oder wie sie zu schreiben haben. Das Autorenhandwerk, das ich im Kurs vermittele, ist einfach das Rüstzeug, das jeder Autor braucht, wenn er vorankommen will – und das bedeutet nicht, dass man ab da „nach „Regeln schreibt“. In der Tat habe ich derzeit sogar in jedem Kurs einige äußerst „regelwidrige“ Romane, denen ich aber größte Chancen auf dem Buchmarkt einräume, gerade weil sie anders, weil sie originell, weil sie etwas ganz Besonderes sind. Ich helfe Autoren, das Optimum aus IHRER Romanidee zu machen und stelle vor allem Fragen, durch die der Autor selbst den richtigen Weg finden kann, und zwar einen, der dann auch zu ihm passt.

Reicht ein solides literarisches Handwerk tatsächlich aus, um als Autor unter heutigen Bedingungen zu reüssieren?

Nicht allein, denn mindestens ebenso wichtig ist die Romanidee, die Figuren… Beides muss Hand in Hand gehen, und deswegen arbeiten ich im Kurs ja auch auf mehreren Ebenen.

Das „wie erzähle ich?“ mag man lernen können. Aber doch nicht das „was erzähle ich?“. Oder?

Doch, auch das. Ideenfindung gehört zur Arbeit im Kurs. Nicht alle Autoren kommen schon mit einer Romanidee; die, die noch keine haben, finden sie im Kurs. Auch hierfür gibt es durchaus Techniken.

Sie haben selber Schreibkurse belegt; meines Wissens sogar bereits in Ihrer Schulzeit. Wie waren Ihre Erfahrungen?

Ich habe schon in der Schule – was damals sicher der Zeit voraus war – Kurse in „creative writing“ besuchen können, auch später jede Schulungsmöglichkeit wahrgenommen, den ständigen Austausch mit guten Kollegen gesucht und viele, viele Romane analysiert, um zu sehen: Was geht, was nicht? Was zieht den Leser weiter, was wirft ihn raus? Wie baut welcher Autor die Figuren, die Spannung auf? Etc. Und ich habe bei alledem immens viel gelernt – und gebe dieses Wissen heute weiter.

Was hat Sie bewogen, Kurse für Autoren anzubieten?

Je bekannter ich geworden bin, desto öfter habe ich Mails von Autoren mit der Bitte bekommen, mir ihre Texte doch mal „kurz“ anzusehen und eine Einschätzung bzw. „ein paar Tipps“ zu geben. Damit aber ist es in 99% der Fälle nicht getan. Da fehlt Handwerk, die Figurenentwicklung ist nicht hinreichend durchdacht, die Spannungskurve flacht schon nach wenigen Seiten wieder ab, etc. Das alles aber kann man nicht „in drei Worten“ vermitteln. Und da ich, wenn, dann richtig helfen wollte, habe ich diesen Kurs entwickelt.

Sollte man ein gewisses Rüstzeug mitbringen, wenn man sich bei Ihnen fortbilden will?

entführt in phantastische Welten... © Lea Korte

entführt in phantastische Welten… © Lea Korte

Wichtig ist die Liebe zum Schreiben, Ausdauer und Kritikfähigkeit. Wer diese drei Dinge mitbringt, der hat in der Regel alles, was man braucht, um sich weiterentwickeln zu können. Ich sehe ja immer wieder, wie sehr sich die Projekte und Romanszenen der Autoren allein schon in nur drei Monaten weiterentwickeln!

Wie schätzen Sie die Entwicklung ein, dass mit dem Aufkommen des Selfpublishings auch Schreibschulen wie Pilze aus dem Boden wachsen?

Das Problem ist – wie immer -, dass der Autor am Ende vor der Schwierigkeit steht, den richtigen Mentor/Lehrer zu finden. Es gibt sehr gute Mentoren, Coacher, Schreiblehrer, etc. – aber es gibt auch weniger gute, die ihr Handwerk selbst nicht verstehen. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen ist für einen Autor, der ja zunächst nur einen Blick von außen auf das werfen kann, was da angeboten wird, sicher nicht einfach.

Worauf sollte man bei der Wahl einer Schreibschule besonders Acht geben?

Die Chemie zwischen dem Autor und seinem Mentor muss stimmen. Die Kursdauer sollte nicht zu kurz angelegt sein, denn Roman und Autor brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Es sollte nicht nur um das Handwerkszeug, das Schreiben an sich gehen, sondern man sollte auch Hilfe bei der Roman- und Figurenentwicklung, dem Plot, dem Exposé, der Leseprobe bekommen. Man sollte einen Probemonat machen können. Wichtig wäre mir als Autor auch der Austausch mit anderen Autoren. Wie ich dies zum Beispiel in meinem (nur für Kursteilnehmer offenstehenden) Autorenforum anbiete und das in sehr großem Umfang genutzt wird.

Sie sind eine eingeführte Autorin, die inzwischen sogar vom Schreiben leben kann. Was raten Sie dem Nachwuchs?

Wichtig ist, so langweilig sich das jetzt auch anhören mag, Disziplin, Ausdauer und Geduld. Ein Roman schreibt sich nicht „in drei Minuten“, der braucht Zeit – auch Zeit zum Atmen, sprich Zeit, in der man ihn mal liegenlässt, damit der Blick für ihn wieder frei wird, man Abstand zu seinem Werk bekommt. Und der andere wichtige Tipp hängt damit direkt zusammen: Ein gutes Buch ist das Ergebnis von vielen, vielen Überarbeitungsschritten. Nur die allerwenigsten Autoren können einen guten Text aus dem Ärmel schütteln. Der „normale“ Autor, und das sind sicher die meisten, braucht dafür viele Überarbeitungsschritte. Ein guter Roman wird seinen Weg gehen, aber bis er gut ist, muss man viel Zeit und Energie reinstecken. Und das Wissen, wie man beim Überarbeiten vorgeht, kann dabei nur nützlich sein.

„Mir imponiert sehr, wie freundlich die Community von LovelyBooks mit Neuautoren umgeht.“ SteglitzMind fragt bei Gabriele Schmid nach

Bei Gabriele Schmid habe ich nachgehakt, weil die Autorin eine erstaunliche Entwicklung nahm, die ohne die Umwälzungen auf dem Buchmarkt so schwerlich möglich gewesen wäre. Der erste Teil unseres Gespräches drehte sich um Schreibschulen und Autoren-Coaching, dann ging es um ihre Erfahrungen als Newcomerin, die den Eigenverlag PCSbooks ins Leben gerufen hat. Heute will ich von ihr wissen, was sie dafür tut, um als Autorin Fuß zu fassen.

Der Zwang zum Selbst-Marketing gilt heute für alle Autoren. Was tun Sie, um Ihre Bücher bekannt zu machen?

Werbung (lacht). Spaß beiseite: Ich versuche regelmäßig jeden zweiten Tag bei Facebook zu posten, halte meine Homepage so aktuell wie möglich und habe seit neuestem einen Blog, der aber erst noch seine Anhänger finden muss. Ansonsten versuche ich bei Veranstaltungen in meiner Heimatgemeinde präsent zu sein. Zum Beispiel darf ich am kommenden Freitag, den 11. Juli, gemeinsam mit Joanne St. Lucas zum zweiten Mal im Froggy in Münchingen lesen. Eine weitere Lesung bei den Landfrauen in Münchingen ist bereits für Dezember geplant.

Welche Aktivitäten kamen besonders gut an?

Lesung im Froggy © Nicole Geck

Lesung im Froggy © OOOGrafik

Die Lesungen sind gut besucht. Wobei wir hier nur von kleinen Veranstaltungen sprechen, nicht von Sälen, die ich fülle. Aber die Resonanz ist toll.

Und was floppte?

Erfolglos waren meine Bemühungen, bei einer der regionalen Zeitungen einen Bericht über mich und meine Bücher unterzubringen. Da kam nicht einmal eine Rückmeldung.

Im Social Web setzen Sie auf Facebook. Sie pflegen eine Autorenseite, eine PCSbooks-Seite und für Ihre Publikationen Fanseiten. Was versprechen Sie sich von den unterschiedlichen Auftritten?

Anfangs schwebte mir vor, mit meiner Fanseite für „Gleichklang“ auch Menschen erreichen zu können, die mit Hämophilie irgendwie verbunden sind.

Der Bluterkrankheit ihres Sohnes, die im Roman ja auch eine Rolle spielt…

Ja. Leider ist mir das bisher nicht gelungen. Gleiches gilt für meine Kurzromane, die im fiktiven Örtchen Mittsingen spielen. Auch hierfür hätte ich gerne eine eigene kleine Fangemeinde gewonnen. Letztlich ist es aber so, dass immer dieselben Leute meine Seiten besuchen. Das meiste läuft wohl über meine eigene Chronik, die ich ursprünglich gar nicht pflegen wollte und anfangs dementsprechend vernachlässigt habe.

Was kommt bei Facebook besser an: Ihre Autorenpräsenz oder die Fanseiten?

Meine Autorenpräsenz, obwohl ich alle meine Seiten gezielt bespiele.

Worauf achten Sie bei Ihrer Kommunikation im Web besonders?

Das Privatleben bleibt außen vor. Fotos nur von mir, keine von meiner Familie. Das ist absolut tabu!

Wo verorten Sie im Social Web besondere Risiken?

Das „Ausgeliefert-Sein“ fürchte ich am meisten. Man hört ja immer wieder von verbalen Angriffen. Menschen, die einem nicht wohlgesonnen sind, oder Neider. Das lässt sich im Netz schon gar nicht steuern.

Marketing übers Pricing ist im Selfpublishing-Bereich eine gängige Methode, um Publikationen „an den Mann“ zu bringen. Anfang Mai lief eine Preisaktion für die E-Bookversion von „Gleichklang“, Mitte Juni gab es eine Mittsingen-Sonder-E-Book-Edition für 0,99 Cent. Rechnen sich solche Aktionen?

Auf jeden Fall! Die Verkaufszahlen sprechen für sich. Durch die vermehrten Verkäufe rutscht man im Ranking nach oben und man ist in den Bestenlisten präsenter.

Was halten Sie von Kostenlos-Aktionen?

Davon halte ich gar nichts. Es ist harte Arbeit, ein gutes Buch zu schreiben und herauszubringen. Das kann es nicht für umsonst geben.

Es hat sich inzwischen eingebürgert, Testleser ins Boot zu holen…

der Stadtplan  © PCSbooks

der Stadtplan © PCSbooks

Das halte ich ebenso. Sobald ein Manuskript erstmals lesereif ist, geht es an mindestens fünf Testleser, die nur lesen. Obwohl es keine Profis sind, kommen von ihnen wertvolle Rückmeldungen, die in meine Überarbeitungen einfließen. Und sie haben tolle Ideen. Als ich die Mittsingen-Reihe „Aus Träumen werden Geschichten“ entwickelte, machte eine Testleserin zum Beispiel den famosen Vorschlag, dass ich eine Karte von Mittsingen entwerfen sollte. Gesagt – getan. Mithilfe eines jungen Bekannten entstand der Stadtplan von Mittsingen, der von Band zu Band ergänzt wird.

Wie rekrutieren Sie Ihre Testleser?

Die Ersten habe ich direkt angesprochen. Inzwischen kommen Menschen auf mich zu, um sich als Testleser anzubieten.

Was hat ein Testleser davon, wenn er Ihre Manuskripte kritisch unter die Lupe nimmt?

Spaß (lacht). Nach Erscheinen erhält jeder ein handsigniertes Exemplar des entsprechenden Buches.

Leserunden bei der Holtzbrinck-Community LovelyBooks sind bei Autoren und Lesern ausgesprochen beliebt. Wie waren Ihre Erfahrungen, als Sie „Gleichklang“ und die Mittsingen-Kurzromane auf Deutschlands beliebtester Social-Reading-Plattform vorgestellt haben?

Zunächst war ich sehr überrascht, dass so viele meinen Debütroman lesen wollten. Es kam zu einer regelrechten Rangelei um die Freiexemplare von „Gleichklang“. Riesig gefreut habe ich mich über die durchweg positiven Rezensionen und schließlich auch darüber, dass die ersten beiden Bände meiner Mittsingen-Kurzromanreihe „Herbststürme“ und „Sternschnuppen-Regen“ ebenso gut aufgenommen wurden wie der Liebesroman „Gleichklang“. Mir imponiert sehr, wie freundlich die Community von LovelyBooks mit Neuautoren umgeht und vor allem wie ausgereift und detailliert die einzelnen Rezensionen sind. Man erkennt auf Anhieb, dass die Leser nicht nur eine starke Affinität zu Büchern, sondern auch Ahnung davon haben.

Es gibt aber sehr wohl auch schwarze Schafe…

Ja, leider gibt es die auch, die Bücher zwar kassieren, aber nie eine Rückmeldung oder Rezension posten. Ich achte inzwischen sehr sorgfältig darauf, ob die jeweiligen Interessenten auch Rezensionen anfertigen. Sollte dem nicht so sein, fällt die betreffende Person aus meinem Lostopf raus.

Haben Sie infolge der Leserunde auch Bücher verkauft?

Bezüglich „Gleichklang“ kann ich darauf leider keine Antwort geben, da ich die Verkaufszahlen bislang nicht kenne. Was meine Kurzromane anbetrifft, sind in diesem Zeitraum kaum mehr verkauft worden. Was die Verkaufszahlen generell anbetrifft, da beobachte ich ein Phänomen: Geht ein Buch weg, dann folgen in den nächsten Tagen viele nach. Geht ein paar Tage nichts, dann steigt der Verkauf prompt wieder an, wenn das Erste gekauft wurde. Die Verkaufszahlen, meine Mittsingen-Reihe betreffend, kann ich schmunzelnd als Wellenbewegungen bezeichnen. Aber, damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich bin hoch zufrieden!

 Vielfach wird ja behauptet, dass die Beschäftigung mit Büchern im Internet substanzlos ist. Bücher werden gelikt, gerankt oder allenfalls in stümperhaften Rezensionen wiedergegeben, die vielfach nicht mehr sind als der Klappentext. Wie sehen Sie das?

Meine Erfahrungen mit der Community von LovelyBooks bestätigen das nicht. Die Rezensionen zu meinen Büchern sind allesamt detailliert und urteilssicher. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass abgeschrieben wird. Auch nicht von einander. Zu meinen Leserunden, die durchweg gut besucht waren, wurden ebenfalls kompetente Beiträge beigesteuert.

Herzlichen Dank, dass Sie mir so ausführlich Rede und Antwort standen. Viel Erfolg mit PCSbooks und Glück auf bei den Projekten, die Sie derzeit gemeinsam mit Ulrike Dietmann und Lea Korte angehen.

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In der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” standen bereits Rede und Antwort:  Jando, Petra van Cronenburg, Petra Röder, Nicole Sowade aka Miss Januar, Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer, die Sachbuch-Autorin Sonya Winterberg, der Berner Shooting-Star Patric Marino, Wilhelm Ruprecht Frieling, im Social Web als Prinz Rupi bekannt, der Selfpublisher Michael Meisheit und der Lyriker Jost Renner. –  Stets geht es darum, wie die befragten Autoren die Entwicklungen infolge der Digitalisierung einschätzen, welche neuen Wege sie nutzen und wo sie Chancen und Risiken sehen.

„Als Selbstpublisher steht man unter scharfer Beobachtung.“ SteglitzMind fragt bei Gabriele Schmid nach

Bei Gabriele Schmid hakte ich nach, weil die Autorin eine erstaunliche Entwicklung nahm, die ohne die Umwälzungen auf dem Buchmarkt so schwerlich möglich gewesen wäre. Der erste Teil unseres Gespräches drehte sich um Schreibschulen und Autoren-Coaching. Heute geht es um ihre Erfahrungen als Newcomerin und den Eigenverlag PCSbooks.

Ursprünglich hatten Sie geplant, ihre Romanserie rund um eine Freiburger Privatklinik an einen Verlag oder Agenten zu bringen. Wie waren Ihre diesbezüglichen Erfahrungen?

(lacht) Damals war ich überzeugt, den Bestseller schlechthin geschrieben zu haben. Sofern überhaupt eine Reaktion kam, hagelte es Absage über Absage. Tatsache war, die Freiburg-Reihe kam bei Verlagen nicht an. Keiner fragte nach einem kompletten Manuskript. Geurteilt wurde aufgrund des Exposés und der Leseprobe von 30 Seiten.

Dank dem mobilen Lesen sind Kurzromane und Serien stark im Kommen, Verlage verlieren ihre Berührungsängste vor kurzen Texten. Meinen Sie, Ihre Chancen stünden heute besser?

Das glaube ich eher nicht. Selbst gestandene DeLiA-Autorinnen…

DeLiA, die Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autoren und Autorinnen, der Sie angehören…

Genau. Selbst Mitglieder aus diesem Kreis, die bei namhaften Verlagen unter Vertrag stehen, haben sich entschieden, ihre Kurzromane in Eigenregie herauszubringen. Sofern sie es nicht schon längst tun. Es gibt verschwindend wenig Romanliteratur in den Buchhandlungen, die unter 200 Seiten aufweisen. Aber: man soll nie „Nie“ sagen. Womöglich ändert sich das ja noch.

Wo kommt ihr Faible für Serien her?

Ohje, da muss ich weit ausholen. Ich bin weniger die architektonisch, planende Autorin als vielmehr eine, die aus dem Bauch heraus schreibt. Wenn ich die Geschichte einer Protagonistin beginne, dann lasse ich mich dabei auf ganz viele Überraschungen ein. Jede Figur hat ein Umfeld, das einfach da ist, mit ihr lebt. Mir offenbart sich das beim Schreiben erst nach und nach. (Lacht) Oft vermag ich es auch gar nicht zu ändern, aber immerhin darf ich zumindest Regie führen. Es passiert mir immer wieder, dass sich das Umfeld auf seine eigene Weise verselbständigt. Es drängt sich in den Vordergrund. Will seine eigene Geschichte erzählen, die aber so gar nicht in meinen geplanten Plot passt.

Mögen Sie das an einem Beispiel konkretisieren?

Das erging mit bereits bei meinem allerersten Roman um die Freiburger Klinik so. Als ich die Geschichte von Doktor Katja Thalbach niederschrieb, verselbstständigte sich deren beste Freundin. Sie wollte mir ihre Geschichte ebenfalls erzählen. Also machte ich mich an den zweiten Band, sprich an die Geschichte von Viktoria Karl. Wie aus dem Nichts tauchte beim Schreiben noch dazu eine komplette Familie auf, die mir ebenfalls nicht mehr aus dem Kopf ging. Im Lauf der Zeit entwickelte sich aus meinem Freiburg-Roman eine Reihe mit sechs Bänden, die jeweils etwa 400 Manuskript-Seiten stark sind.

Wie kamen Sie auf die Idee, Kurzromane zu schreiben?

Band 1 der Kurzroman-Serie

Band 1 der Kurzroman-Serie “Aus Träumen werden Geschichten”

Ähnlich wie sich meine Serien ergeben, ist es mir auch mit den Kurzromanen ergangen. Den ersten beiden Bänden der Kurzroman-Reihe „Aus Träume werden Geschichten“ liegen zwei voneinander unabhängige Geschichten zugrunde, die für einen Schreibwettbewerb im Winter 2012 entstanden sind. Ich war nicht wirklich zufrieden damit. Pias Geschichte – auf 30 Seiten gepresst – wollte länger erzählt sein. Obwohl ich damals mit der Überarbeitung von „Gleichklang“ beschäftigt war, setzte ich mich hin und schrieb. Rund 140 Seiten. Dabei gewann Pia eine Freundin: Lexi. Hups, dachte ich mir – schon wieder eine Fortsetzung. Und dann begannen die Ideen nur so zu sprudeln. Inzwischen habe ich Fährten für etwa acht Bände gelegt.

Ihr Debüt „Gleichklang“ ist bei spiritbooks erschienen. Was hat Sie bewogen, Ihre Kurzroman-Serie „Aus Träumen werden Geschichten“ im Eigenverlag herauszubringen?

Nach den Erfahrungen mit der Freiburg-Reihe war mir klar, dass kein Verlag der Welt ein so „schmales Werk“ drucken würde. Und da ich von Haus aus sowieso der Typ „Selbst-ist-die-Frau“ bin, dachte ich mir, probiere es selbst. Ich bin gut darin, mich zu organisieren. Hier kommt mir höchstwahrscheinlich die logische Denke der Datenbank-Ingenieurin zugute, die mich ständig zwingt, alles Wichtige im Auge zu haben und dann sukzessive abzuarbeiten. Und: ich kann die Arme hochkrempeln und mich in eine neue Aufgabe stürzen. – Dadurch fällt auch Unbekanntes leichter und macht mehr Freude.

Wie ist Ihr Label “PCSbooks – Plots . Characters . Scripts” entstanden; was steckt dahinter?

Das waren zum einen rein pragmatische Gründe. Die Domain pcs-schmid.de existierte noch aus den Zeiten, als ich während meiner Elternzeit einen kleinen PC-Service betrieben habe. Ich wollte diese Domain nicht ändern und suchte nach einer Lösung. Die ließ sich dann recht schnell finden: Plots-Characters-Scripts. Da ich alles professionell aufziehen wollte, holte ich mir von einer Spezialistin Unterstützung. Die Web-Präsenz, das Logo und alle meine Cover stammen von  Corina Witte-Pflanz. Ich bin über die Zusammenarbeit mir ihr sehr glücklich. Wir verstehen uns nahezu ohne Worte.

Warum fahren Sie mit Print und E-Book zweigleisig?

Nichts kann jemals das Gefühl und den Geruch von Papier ersetzen. Alt oder neu, jedes gedruckte Buch ist ein Kunstwerk. Erfahrungsgemäß gehen die E-Books von Selfpublishern allerdings besser. Daher wollte ich beides anbieten.

Meinen Sie, dass dem E-Book die Zukunft gehört?

Ich bin da sehr zweigespalten. Inzwischen nutze auch ich ein Lesegerät, allerdings eher im Urlaub oder für Bücher, bei denen ich ahne, dass ich sie nur ein einziges Mal lesen werde. Hat mich mein Bauchgefühl betrogen und mir das Buch trotzdem gefallen, dann kaufe ich auch die gebundene Ausgabe. Ich bin altmodisch.

Sie arbeiten mit tredition zusammen. Warum haben Sie sich für diesen Dienstleister entschieden?

Ich habe mich in der einschlägigen Fachpresse kundig gemacht und kannte die Druckqualität von den Büchern her, die Ulrike Dietmann für spiritbooks bei tredition verlegt hat. Außerdem habe ich auf der Frankfurter Buchmesse ausführliche Gespräche mit den Verantwortlichen geführt. Überzeugt hat mich Anna Fleck, die bei tredition u.a. für die Kundenbetreuung zuständig ist. Schlussendlich war aber die Qualität der Bücher entscheidend.

Waren andere Anbieter wie etwa Create Space von Amazon, BoD oder epubli für Sie nie eine Option?

Anfangs habe ich noch mit dem Gedanken gespielt, die E-Books in Eigenregie bei Amazon zu veröffentlichen. Davon bin ich aber wieder abgekommen, weil tredition alle Formate und den globalen Handel bedient.

Welche verlegerischen Dienstleistungen nimmt Ihnen tredition ab?

(lacht) Den Buchdruck. Außerdem geht von tredition eine Pressemitteilung an den kompletten deutschen Buchhandel und sie machen Werbung für meine Titel auf ihren Seiten. Und nicht zuletzt übernehmen sie die Umwandlung der E-Books in alle gängigen Formate.

Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit?

Sehr zufrieden! Fragen werden sofort, nahezu postwendend beantwortet. Ich habe einen direkten Ansprechpartner. Fehler, so sie denn passieren, werden sofort ausgemerzt. Und sie unterstützen mein Buch-Marketing; etwa dadurch, dass sie meine Aktionen auf ihrem Facebook-Profil teilen.

Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?

das Logo

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Für meine E-Books würde ich über tredition gerne kleinere, kurzfristige Marketingaktionen initiieren können. Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Absatz dadurch anzieht. Außerdem würde ich mir wünschen, den Buchpreis flexibler gestalten zu können. Die Fixkosten sind relativ hoch. So man mit seinen Büchern etwas verdienen möchte, wird man nie mit den Preisen mithalten können, die für ein „normales“ Taschenbuch in der Seitenstärke meiner Kurzromane verlangt werden. Für ein Buch mit 220 Seiten 12,99 Euro haben zu wollen, halte ich für grenzwertig. Das überlege ich mir doch drei Mal, ob ich so viel dafür ausgeben möchte. Im Selfpublisher-Bereich liegt die Hemmschwelle – kaufe ich, kaufe ich nicht? – meines Erachtens bei zehn Euro.

Viel hängen bleibt da wohl nicht?

(lacht) An „Herbststürme“ – Band 1 meiner Kurzroman-Reihe „Aus Träumen werden Geschichten“, der den Leser 8,99 Euro kostet – verdiene ich 25 Cent pro gedrucktes Buch. Da muss ich schon sehr viele Exemplare verkaufen, um davon leben zu können.

Rechnet sich die Zusammenarbeit mit tredition für Sie dennoch?

Bisher rechnet es sich tatsächlich. Nehme ich 50 Bücher ab, dann fallen für die Veröffentlichung keine Kosten an.

Worauf sollte man bei der Zusammenarbeit mit BOD-Verlagen besonders Acht geben?

Die Qualität der Bücher (Einband, Layout, Stärke des Papiers) muss stimmen. Die Software zum Einstellen der Bücher muss bedienerfreundlich sein. Der Autorenvertrag muss der Norm entsprechen.

Was würden Sie nach Ihren bisherigen Erfahrungen als Selfpublisherin heute anders machen?

Eigentlich nichts. Ich genieße es, für meine Cover und das Layout mitverantwortlich zu sein und scheue auch die viele zusätzliche Arbeit nicht, die neben dem Schreiben anfällt.

Wo sehen Sie für Selfpublisher die größten Herausforderungen?

Kontrolle muss sein! Als Selbstpublisher steht man unter scharfer Beobachtung. Fehler können einem gleich beim ersten Buch das Genick brechen. Schon von daher ist ein Lektorat meines Erachtens zwingend notwendig. Ein Blick zu viel, schadet nie. Es ist ein Haufen Arbeit, aber es macht unheimlich Spaß und Freude. Allemal, wenn man dann endlich – nach der vielen Plackerei – sein fertiges Werk in Händen hält.

Was sollte sich ein Selbstverleger abschminken?

Reich zu werden und einen Spiegel-Bestseller-Rang zu ergattern.

Im Buchhandel tun sich Publikationen von Selfpublishern bekanntlich schwer. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Sonderedition der Kurzroman-Reihe

Sonderedition der Kurzroman-Reihe

Ich kam mir schlichtweg vor, als würde ich saure Äpfel anbieten. Abgesehen von zwei Buchhandlungen zeigte im gesamten Umkreis meiner Heimatstadt keiner Interesse, meine Bücher auszulegen. Bei meinen Besuchen in den Buchläden musste ich vielfach abfällige Bemerkungen einstecken wie: „Scheiben kann heutzutage jeder.“ „Wir nehmen nur Spitzenautoren.“ Das habe ich genau acht Mal persönlich versucht, danach via E-Mail. Inzwischen denke ich mir meinen Teil. In meinem Heimatort liegen meine Titel bei Wunderkind & Naseweis aus. Die Buchhandlung One im Nachbarort Gerlingen unterstützt mich ebenfalls.

Wie sehen Sie das: Krempelt Selfpublishing den Buchmarkt um?

Vermutlich schon. Allerdings müssen wir erst einmal abwarten, was noch so alles kommt. Verlage setzen inzwischen auch auf das Pferd, Amazon steht im Kreuzfeuer der Kritik, der Buchmarkt unter Druck. Es bleibt spannend.

Gesetzt den Fall, dass Ihnen ein eingeführter Publikumsverlag ein Angebot unterbreitet. Würden Sie sich darauf einlassen?

Eine sehr schwierige Frage. Ich weiß es nicht. Ich fühle mich bei spiritbooks mit den großen Romanen und bei tredition in Eigenregie sehr gut aufgehoben. Würde ein Publikumsverlag bei mir anklopfen, dann müsste ich schwer mit mir kämpfen. Eigentlich eher nein! Beziehungsweise allenfalls dann, wenn ich ein Mitspracherecht beim Layout, der Covergestaltung und der Titelei hätte. – Das käme dann wohl einer Sensation, bestenfalls sogar einer kleinen Revolution gleich(lacht). Spaß beiseite: Mir ist sehr daran gelegen, dass Inhalt-Titel-Layout eine Einheit bilden. Dafür stehe ich als Autorin gerade, das ist mein Markenzeichen.

Was planen Sie in naher Zukunft?

Im Eigenverlag werden Fortsetzungen meiner Kurzroman-Reihe „Aus Träumen werden Geschichten“ erscheinen; Band 3 „Hitzeschlag“ spätestens Ende des Jahres. Gemeinsam mit Lea Korte feile ich derzeit an meiner Serie rund um die Kriminalkommissarin Sina Roth. Außerdem sieht Ulrike Dietmann vor, mit mir ein neues Projekt anzugehen.

Lassen Sie mich wissen, um was es geht?

Ich verrate sicher nicht zu viel, dass es sich um die Freiburger Reihe handelt, die wird wohl doch noch zum Buch. Insofern von Ulrike Dietmann irgendwann das GO kommt.

Danke für das Gespräch. Die Ideen gehen Ihnen jedenfalls nicht aus…

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Im abschließenden Teil unseres Gespräches möchte ich von Gabriele Schmid wissen, was es alles braucht, um als Autorin Fuß zu fassen.

In der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” standen bereits Rede und Antwort:  Jando, Petra van Cronenburg, Petra Röder, Nicole Sowade aka Miss Januar, Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer, die Sachbuch-Autorin Sonya Winterberg, der Berner Shooting-Star Patric Marino, Wilhelm Ruprecht Frieling, im Social Web als Prinz Rupi bekannt, der Selfpublisher Michael Meisheit und der Lyriker Jost Renner. –  Stets geht es darum, wie die befragten Autoren die Entwicklungen infolge der Digitalisierung einschätzen, welche neuen Wege sie nutzen und wo sie Chancen und Risiken sehen.