Steglitz stellt Klausbernd Vollmar mit „kbvollmarblog“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Klausbernd Vollmar vor, der kbvollmarblog meist vom idyllischen Künstlerdorf Norfolk/England aus betreibt. Dass er hier zu Wort kommt, haben wir Mila von den Seitenspinnerinnen zu verdanken, die Klausbernd um Blog-Preziosen bat. Als Gesprächspartner für SteglitzMind schlägt er den Betreiber von Jargs Blog und Dieter Wunderlich vor, der über Buch und Film bloggt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ursprünglich komme ich aus dem universitären Bereich (Germanistik, Nordistik, Linguistik) und arbeitete für das Goethe Institut. Nebenbei habe ich dies und das geschrieben, aber als mein erstes Buch, eine Jugendsünde, ein Bestseller wurde, wechselte ich von der Theorie zur Praxis des Schreibens. Zwei Jahre lang führte ich mit Freunden eine Buchhandlung in Köln, ehe ich nach England zog, wo ich in skurriler Umgebung Sachbücher und Romane schreibe, ab und an an Expeditionen in Arktis teilnehme, meinen Garten pflege – und blogge.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Regelmäßig blogge ich seit etwas über einem Jahr, aber das Bloggen hatte mich bereits. Davor führte ich eine Website (die ich weiterbetreibe) mit Freundesbriefen (per E-Mail), die mir aber auf die Dauer zu statisch erschienen. Die einseitige Kommunikation einer Website liegt mir nicht als kommunikativer Rheinländer, der noch dazu Berliner Eltern hat. Neben dem Austausch mit Gleichgesinnten wollte ich Ideen, die nicht in meine Bücher passen, zur Diskussion stellen und dazu für meine Freunde und alle England-Fans von meinem Leben auf dem Lande in einem idyllischen Künstlerdorf am Meer berichten. Außerdem lese ich viel. Mir scheint es, wer viel liest, muss auch darüber schreiben, sonst wird er verrückt – naja, sagen wir mal „zu abgehoben“ …

Ich blogge bei WordPress, da mir das die Plattform zu sein scheint, die am einfachsten zu bedienen ist. Ich wollte ja bloggen und mir nicht bei technischen Problemen die Haare raufen.

Deine Themenschwerpunkte …

Literatur – hauptsächlich skandinavische und englische Literatur, aber nicht nur. Ich schrieb auch über Karl May :-)und das Bild des Piraten und der Piratin in der Literatur. Das idyllische Landleben in England – ich liebe meine Wahlheimat, die Küste von Nord-Norfolk, die eine lange literarische Tradition besitzt. Meistens versuche ich, meine Eindrücke mit literarischen Themen zu verbinden. Aber hallo, ich bin kein Rosamundus Pilcher :-)

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Mich interessiert der Einfluss der „neuen“ Medien auf die Literatur, wie z.B. Autoren bloggen und wie sie ein Image für sich und ihre Bücher zu erzeugen suchen, und wie durch E-Mail, SMS und weniger durch den Blog die Sprache sich verändert. Was ich bisweilen bedaure.

Ein beachtenswertes Experiment fand ich den Blog von irgendlink während seiner Nordsee-Umradelung, der literarische Texte, Beschreibungen, Infos und Bild interessant miteinander verband.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Indem ich andere Blogs besuche und dort kommentiere. Allerdings erwähne ich auch bei jedem Medienauftritt meinen Blog. Außerdem habe ich mich mit dem Blog von Dina zusammengeschlossen, d.h. ich schreibe dort auch und sie macht die Fotos und Collagen auch für meinen Blog. Da ich weder Lust noch Zeit habe, in Deutsch und Englisch zu schreiben, halte ich die grafische Gestaltung für wichtig. Ich versuche, meine Beiträge so zu gestalten, dass auch einer, der kein Deutsch versteht, mit Freude meine Seite betrachtet. Bloggen ist ein weltoffenes Medium und so sollte ein Beitrag auf der Text- wie auf der Bildebene lesbar sein. Nur so erreicht man eine internationale Bekanntheit – will man nicht mehrsprachig bloggen (das mache ich dann mit 80, wenn ich alle Zeit der Welt habe). Ein gutes Beispiel finde ich Philea’s Blog, der gediegene Information bringt und zugleich stets dem Auge schmeichelt. – Sie hat sich bei dir hier ja bereits vorgestellt.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Klausbernd Vollmar © Hanne Siebers

Bloggen ist kein Solomedium, Bloggen ist Austausch. Keinen Kontakt zu anderen Bloggern zu pflegen ist falsch. Außerdem glaube ich, dass Qualität beim Bloggen wichtiger ist als Quantität. Einige Blogs sind – sorry – dahingeschludert. Also lieber weniger bloggen, aber dafür jeden Beitrag auf seine Wirkung hin reflektieren.

Zu viel Ego tut auch nicht gut. Ich war kürzlich auf dem Blog einer mir unbekannten Autorin, die nur über ihr Buch schrieb und es peinlicherweise dazu noch selbst in höchsten Tönen lobte und es von Freunden aufdringlichst feiern ließ. Man sollte bloggend das Mantra laufen lassen: Schreiben ist eine Dienstleistung für andere. Ich besuche Blogs nur einmal und nie wieder, in denen sich die Leute gegenseitig lediglich beweihräuchern. Diese in USamerikanischen Blogs verbreitete Sitte hat auf deutsche Blogs abgefärbt. Natürlich freut sich jeder über Lob, aber Kommentare zu Blogbeiträgen sollten nicht inhaltsfrei sein. Ich meine, Blogger sollten sich über Widersprüche freuen. Ein Advocatus Diaboli befördert doch stets die Auseinandersetzung; sein Kommentar sollte nicht gelöscht werden.

Hat man sich als Blogger eine bestimmte Bekanntheit erarbeitet, muss man darauf achten, nicht seinem eigenen Narzissmus zu verfallen, der häufig von unbekannteren Bloggern ausgenutzt wird, indem sie einen für die eigenen Ziele einspannen. Bei Einladungen zu Aktionen auf anderen Blogs heißt es cool zu bleiben und genau abzuwägen, ob der zeitliche Aufwand auch dem eigenen Blog nutzt.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ich bin ehrgeizig. Das führte dazu, dass ich mindestens dreimal pro Tag aufgeregt meine Klicks abrief, die Statistik der Suchbegriffe schwitzend analysierte, geil auf Like-its und Kommentare war. Mehr oder weniger geht es vielen Bloggern zu Beginn so. Das erzeugt einen bösen Druck, der einem den Spaß am Bloggen nehmen kann. Wird der Blog zum Druck, sollte man bloß nicht das Handtuch werfen, sondern sich überlegen, was einem eigentlich am Bloggen wichtig ist. Meist hilft es weniger zu bloggen. Ich poste bestenfalls zweimal pro Woche und das passt so in mein Leben. Letztendlich ist mein größtes Problem, mir angenehme Zeiträume für das Bloggen zu schaffen. Von Maricopa lernte ich einen festen Zeitraum für das Bloggen – bei mir zwei Stunden tgl. von 11h bis 13h – einzuräumen und dann ist Schluss. Ein Blogger muss lernen, effektiv in Bezug auf seine Zeit zu bloggen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Mein schönstes Erlebnis – eine Frage wie beim Schulaufsatz :-) – war die Zusammenarbeit mit drei anderen Bloggern bei einem Gemeinschaftsprojekt auf Dinas Seite. Das Thema war die Farbe Blau. Von Fotobloggern bekamen wir die Bilder, ein anderer Blogger schrieb einen Text dazu und ich führte diesen Text fort, einige andere Blogger gingen sofort spontan darauf ein – es wurde ein Gemeinsames. Die Betreiberin des Blogs arrangierte das Ganze publikumswirksam und zum ersten Mal bekamen wir über 100 Kommentare und über 50 Like-its für einen Beitrag … Huch, ich widerspreche mir gerade, schon fahre ich auf Quantität ab. – Du siehst, das ist eine heimtückische Gefahr beim Bloggen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich freue mich darüber :-) Falls ich das Buch lese, wenn es in mein Interessengebiet fällt, werde ich etwas darüber schreiben – aber nur das, was ich davon halte. Da ich Bücher sammele, stelle ich Erstauflagen in meine Bibliothek, andere Bücher verschenke ich an Interessierte. Da ich in einem AONB (EU-Rating für Area of Outstanding Natural Beauty) lebe, habe ich viele Gäste und für sie habe ich stets Bücherstapel, von dem sie sich bedienen können.

Wie hältst du es mit E-Book?

In Deutschland und den USA habe ich je ein E-Book auf dem Markt. Um ein erfolgreicher Autor zu sein, muss ich ökonomisch denken, was heißt, dass ich alle Verwertungsmöglichkeiten nutze. So wie ich früher die Rechte für das Taschenbuch, foreign rights, Sonderausgaben und Buchklubausgaben regelte, so gehört heute die E-Book-Vermarktung auch dazu. Die Standardverträge der Publikumsverlage enthalten bereits seit einigen Jahren einen Paragrafen über diese Verwertung des Copyrights. Mein neustes Buch bei Droemer-Knaur „Das große Praxisbuch der Traumdeutung“ ist sowohl in der Print-Version als auch als E-Book erhältlich, wobei die Umsätze des E-Books deutlich unter denen der Print-Version liegen. Ist man nicht gerade Stephen Leather, der zurzeit erfolgreichste Autor bei der Vermarktung von E-Books, sollte man sich als Autor nicht zu hohe Gewinne von der E-Book-Vermarktung versprechen – noch nicht. Ich denke mir jedoch, dass dieses Buchmarktsegment zunehmend wichtiger wird. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ein konservativer Leser bin. Ich ziehe das „gute alte Buch“ dem E-Book vor.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Der mir liebste Blog ist jener von Dieter Wunderlich. Ich würde hier gerne ein Interview von Dieter lesen, zumal sein Blog ungewöhnlich ist, da er keine Rückmeldungsmöglichkeit aufweist. Vorbildlich ist die Ordnung auf seinem Blog, auf dem man auch ältere Beiträge mühelos findet. Ferner gefällt mir Rumgekritzelt von Dr. Martin Haeusler gut, da er witzig, zugleich klug und originell bestimmte Themen aus seiner Sicht als Germanist darstellt, die er mit Fotos von Roswitha Mecke würzt. Seine Geschichten findet man als Martinsche Geschichten auch auf Dinas Blog. Außerdem lese ich Jargs Blog auch stets gerne, den ich auch vorschlagen würde, dass er hier vorgestellt wird.

Von englischsprachigen Blogs spricht mich der Blog des irischen Autors Arran Q. Henderson wegen seiner unterhaltsamen Mischung von Literatur und Beschreibung Irlands, speziell Dublins, an. Naja und alles Weitere kann man ja zumindest bei WordPress unter “Books” aus seinem Reader ziehen;  deswegen nur noch zwei Hinweise auf englischsprachige Buchseiten: Book Rhapsody und At the BookShelf.

Danke, Klausbernd für geballte und nutzwertige Informationen. Danke, dass du deine Blog-Preziosen mit uns teilst und: Natürlich auch dafür danke, dass du meiner Einladung zu dieser Gesprächsreihe gefolgt bist ;-)

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In der losen Interview-Reihe präsentierte sich zuletzt Marius Fränzel mit Bonaventura. Empfehlungen von ihm gingen an den Umblätterer von Frank Fischer, die beiden Echtzeit-Blogs zum Schiller-Goethe-Briefwechsel und zu Eckermanns Gesprächen mit Goethe von Giesbert Damaschke, an den Turmsegler von Benjamin Stein und an Oliver Gassner mit seiner Literaturwelt

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52 thoughts on “Steglitz stellt Klausbernd Vollmar mit „kbvollmarblog“ vor

  1. Pingback: Gibt es – in Deutschland – gute Literaturblogs…? | stefanmesch

  2. Pingback: ich sage danke und freue mich auf … | SteglitzMind

  3. Pingback: Bibliophile Blogger und deren persönliche Blog-Preziosen im Überblick | SteglitzMind

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  5. Pingback: Bloggen nach étiquette? Anmerkungen zur Gesprächsreihe mit bibliophilen Bloggern | SteglitzMind

  6. Pingback: Steglitz stellt DieterWunderlich mit „Dieter Wunderlich: Buchtipps und Filmtipps” vor | SteglitzMind

  7. Pingback: Steglitz stellt „Jargs Blog“ vor | SteglitzMind

  8. Pingback: Im Überblick: Bibliophile Blogger stellen sich vor | SteglitzMind

  9. Liebe Gesine,

    vielen Dank für die tolle Reihe über bibliophile Blogger. Ich habe bisher jedes Interview mit großem Interesse gelesen und darüber schon den ein oder anderen tollen Blog gefunden, auf den ich von alleine wahrscheinlich nicht gestoßen wäre. Eine ganz großartige Aktion mit tollen, interessanten und sympathischen “Kandidaten”! :)

    Viele Grüße,
    Nina

  10. Ich freue mich sehr, dass die Gesprächsreihe ein so tolles Echo findet und noch dazu anregt, über Herausforderungen und Probleme beim Bloggen nachzudenken.
    Danke, Klausbernd: Nicht alleine für deinen instruktiven Beitrag, sondern auch dafür, dass du uns hier demonstrierst, wie Blogger-Kultur aussehen kann.

    • Liebe Gesine,
      dir sei auch recht herzlich gedankt, dass dies auf deiner Plattform stattfinden kann. Und macht es nicht Spaß, wenn es lebendig zugeht auf einem Blog?
      Liebe Grüße aus dem sonnigen Norfolk, wo ich gerade mit einem neuen Notebook kämpfe und leider nicht der Gewinner bin …
      Liebe Grüße und vielen Dank
      Klausbernd :-)

  11. Vielen Dank für die sehr treffenden Gedanken zur Statistik und zur Zahl der Postings in Blogs. Ich war da im Anfang auch wie im Wahn, habe ständig nach den Klicks und Likes geschaut und fast täglich Artikel gepostet. Das ist aber zum Glück nicht durchzuhalten, wenn man Wert auf Qualität legt. Und Bloggen soll ja nicht in Arbeit ausarten, sondern in erster Linie Spaß machen und zur Vernetzung, zum Austausch führen.
    Weniger ist eben oft mehr, wie man an vielen Blogs erkennen kann …

    • Ja, ich glaube, so geht`s jedem zu Beginn. Auf die Dauer merkt man jedoch, dass man mit seiner Anwesenheit auf seinem Blog, die Art, wie man dort auf Kommentare antwortet, viel wesentlicher ist als alle Taktik. Ich drück`s mal scharf aus: Wer nicht auf seinem Blog anwesend ist – mit seiner persönlichen Note – der kann nichts anderes erwarten, als dass sein Blog tot ist.
      Liebe Grüße und ein feines Wochenende
      Klausbernd :-)

  12. Ich habe gerade das Interview mit großem Intresse gelesen. Min erster Dank geht an Gesine von Prittwitz und mein zweiter Dank an Klausbernd, dessen Antworten ich einerseit lehrreich und anderseits ermutigend fand. Tolles Interview!!!

    • Dank dir, lieber Georg, für deinen Kommentar. Übrigens deine Seite gefällt mir sehr gut vom Text, von der Präsentation her und – wie soll ich sagen? – von der Stimmung auf deiner Seite.
      Liebe Grüße aus dem stürmischen Norfolk, wo der Wind in meinem Kamin inspirierend pfeift
      Klausbernd

  13. Es haben ja schon einige Kommentatoren darauf hingewiesen und ich kann das leider nur bestätigen. In viele Blogs und Communities ist eine seltsame Höflichkeit eingezogen, im ursprünglichen Sinne: Courtoisie – Leben nach der Etikette des Hofes. Und wie in der Kultur der adligen Höfe der vorbürgerlichen Zeit zieht sich ein Regelwerk durch die Blogsphäre, die sowohl den Austausch wahrer Empfindungen als auch eine ehrliche Diskussion verhindert. In Foto-Foren etwa loben tausende Fotomacher ihre belanglosen Bilder gegenseitig in den Himmel und ziehen sich sozusagen gegenseitig aus dem Sumpf des Kitsches und der Bildklischees, in dem sie alle drin stecken. Fein, wer von uns würde nicht ständig gelobt? Aber sind wir tatsächlich alle so schwach, haben wir ein derart zerbrechliches Selbstbewusstsein, dass jeder Anflug von Kritik vermieden werden muss, dass das “Like it” zum Pflichtprogramm degeneriert?-
    Wäre sehr schade, weil das Medium doch eigentlich wie geschaffen ist für einen Austausch.

    Zum Schluss, nicht als Pflichtübung: Die Reihe und das Interview finde ich sehr interessant!

    • Genau, lieber Martin, diese correctness degradiert alles zur biederen Mittelmäßigkeit. Um es mal erfrischend platt auszudrücken: Ich brauche etwas Zoff auf meinem Blog, da lerne ich etwas, da kommt man sich näher und last not least hat doch die Mediengesellschaft genügend Voyeure geschaffen, die dann doch viele Like-its setzen und die Besucherzahlen asymptotisch steigern.
      Danke für deinen Kommentar. Übrigens schreibe ich gerade etwas zu genau zu diesem Thema auf meinem Blog – scheint der Zeitgeist zu sein …
      Schönen Abend noch
      Klausbernd

      • Na, na, was ist denn das für ein starres Denken in Polaritäten – so geht`s doch nicht im Cafehaus zu, oder? Blümenchenkommentar oder Krawall, das sind doch die extremsten Pole, aber das Dazwischen ist doch sopannend!

    • In Foto-Foren etwa loben tausende Fotomacher ihre belanglosen Bilder gegenseitig in den Himmel und ziehen sich sozusagen gegenseitig aus dem Sumpf des Kitsches und der Bildklischees, in dem sie alle drin stecken. Fein, wer von uns würde nicht ständig gelobt? Aber sind wir tatsächlich alle so schwach, haben wir ein derart zerbrechliches Selbstbewusstsein, dass jeder Anflug von Kritik vermieden werden muss, dass das “Like it” zum Pflichtprogramm degeneriert?

      Ich denke, was das Problem ist, dass viele insgeheim wissen, dass Kritik oft berechtigt ist und deswegen so agressiv reagieren. Mir ist es bei dem Dubai-Blog wieder klar geworden: In dem Land ist es so, dass bei einem Autounfall grundsätzlich der Ausländer schuld ist. (Man kann sich also ungefähr vorstellen die dort sind). Gleichzeitig ist das Land ein einziges glitzerndes Disneyland, in dem – ich schrieb es schon – selbst die Altstädte keine paar Jahre alt sind. Gleichzeitig muss die Bloggerin dort ausharren, weil der Job ihres Mannes dies erfordert. Also schreibt sie sich das Land schön, jeden Tag ein neuer Artikel über Shopping-Malls und luxuriöse Krankenhäuser. Und dann kommt jemand wie ich und sagt ihr, was sie – wahrscheinlich – tief im Inneren weiß: Dass das Land nur von Kommerz bestimmt, die Ausländer so gut wie rechtlos, dass das Bling-bling mich absolut nicht beeindruckt – das ist genau das, was sie nicht hören möchte.

      Genau wie eine Lehrerin nicht hören möchte, dass es Schüler gibt, die unter dem Schulsystem leiden und sich lieber mit Kollegen und Lehramtsstudenten umgibt, die meinen, dass Schule richtig toll ist.

      Ich kenne ein Literaturblog, bei dem stehen unter jedem Artikel Kommentare, wie toll sie das wieder gemacht hat. Diese Bloggerin muss jeder Hauch von Kritik eine Katastrophe und persönlicher Angriff bedeuten, da ungewohnt.

      Von den ganzen Selbstdarstellungsblogs ganz zu schweigen, die wollen unter Garantie nicht lesen, dass sie ein stinknormales Leben haben.

      Vor ein paar Tagen wurde sich darüber aufgeregt, wie die Öffentlichkeit mit Frau Wulff umgegangen wären. Ich war versucht zu fragen, ob die Bloggerin Frau Wulff kennt und daher weiß, dass es nur Gerüchte sind. Ich habe es gelassen, weil ich Ärger befürchtete.

      Mir ist in den ganzen Jahren nicht einmal untergekommen, dass ein Blogger es vertragen hat, wenn man ihm – einen vernünftigen Tonfall setze ich dabei voraus – geschrieben hat, dass er Mist gemacht hat. Ich habe es auch noch nie von anderen gelesen. Was ich dagegen andauernd erlebe sind, bei denen rein vom IQ nicht viel los sein kann, richtig gut besuchte und kommentierte Blogs haben, bzw. Zustimmung ernten.
      Ich habe noch nie in den ganzen Mami-Blogs eine Anmerkung gelesen, dass sie ihren Kindern die Privatsphäre rauben, sondern nur Zustimmung.

      • Ja, es gibt, seltsamerweise, eine andere Sphäre, das lassen die Leute im Internet die Sau raus: Man lese nur mal die Kommentarspalten der großen Zeitungen. Zeitungen wie die NZZ und die FAZ mussten längst dazu über gehen, jeden einzelnen Kommentar zu moderieren, bei manchen Themen wird die Kommentarfunktion sofort deaktiviert. Um so mehr toben sich die Leute in den Kommentarspalten aus, die alles oder mehr drucken. — Ein seltsamer widerspruch: Hier die Blogsphäre mit ihren empfindlichen Seelen, dort die teilweise ungehemmt Aggression gegen Politiker und Journalisten. Wie passt das psychologisch nur alles zusammen??

      • Well, well, in der Politik geht es anders zu, da Politiker Projektionsflächen darstellen, die Aggressionen anziehen. Diese sind ungehemmt, da die Person qua Amt depersonalisiert wird. Hier bei den feinen Seelchen der literarischen Blogger wird hochgradig personalisiert und deswegen ist man zu vorsichtig. Das wäre eine mögliche Erklärung. Außerdem beobachte ich, dass diese Blogger oft selbst zu gehemmt sind, sich einzubringen, was sich überträgt.
        Nur so eine Idee am Samstag
        Klausbernd :-)

      • Man lese nur mal die Kommentarspalten der großen Zeitungen. Zeitungen wie die NZZ und die FAZ mussten längst dazu über gehen, jeden einzelnen Kommentar zu moderieren, bei manchen Themen wird die Kommentarfunktion sofort deaktiviert.

        Ich kann die Hand dafür ins Feuer legen, dass ich nichts Schlimmes geschrieben habe, und trotzdem wurden meine Kommentare bei besagter, angeblich liberaler Wochenzeitung gelöscht. Ich war da nur politisch nicht auf deren Linie und da dort sehr viele gelöschte Kommentare zu sehen sind, gehe ich davon aus, dass schon ein gewisses Bild geformt werden soll.

      • @ Klausbernd:
        Das Dazwischen ist in der Tat interessant,
        wobei die Atmosphäre in Cafés eher polarisierend ist.
        Ein Spiegel der Zeit eben.
        Kaffeehaus-Kultur, wie sie gerne literarisch transportiert wird,
        ist eher eine museale Schau.
        Mit dem realen Kaffeehaus-Leben hat das wenig gemein.

    • Kompliment zu Interview und Kommentaren, macht sehr neugierig – feines Blog!
      Meine Antwort zu den Zeitungskommentaren, bei denen übelst herumgesaut wird, und zu den politisch allzu korrekten Blogs: Als Journalistin und Bloggerin sehe ich die Ursache nicht in der technischen Form (die ersten Blogs kamen übrigens in D. aus dem Journalismus). Der Unterschied liegt in der Betreuung, der Moderation. Je mehr eine Seite / ein Blog / eine Gruppe / ein Forum den Eindruck vermittelt, da hört ja eh keiner zu und alles erscheint ungefiltert, desto eher lässt man die Sau heraus. Habe ich dagegen einen Ansprechpartner, der womöglich auch noch Persönlichkeit zeigt, trauen sich viel weniger Leute, nur aus Spaß vom Leder zu ziehen. Das ist ein bißchen wie im Leben: Anonym lässt sich herrlich stänkern, sehe ich dagegen jemandem in die Augen, bin ich vielleicht lieber höflich.

      Ich habe keinerlei Probleme damit, im Internet auch auf ein Mindestbenehmen zu pochen. Wenn einer in meinem Blog zum ersten Mal auftaucht und nur auf übelster Schimpfwörterebene herumrotzt (passiert genug), fliegt er im Gegensatz zur Zeitung heraus. Das hat langfristig viele gute Diskussionen ermöglicht, auch kontroverse.
      Aber – je dezidierter man in einem Blog Persönlichkeit und Meinung zeigt, desto eher bleiben Leute mit anderen Meinungen gleich weg. Nicht, weil sie sich keine Widerworte trauen, sondern weil man heutzutage lieber Bequemes aus dem eigenen Spektrum liest. Nach dem Motto: Leute, die Literaturblog “Weichspül” lesen, abonnieren auch Literaturblog “Rosenrot” ;-)

  14. Pingback: Vom Bloggen « tausendundeineblume

  15. Ich freue mich, dass Klausbernd und sein Blog hier vorgestellt werden – und über seine vielen (auch englischsprachigen) Empfehlungen. Die Interviewreihe ist wirklich toll und schon daran, wie rasch sie wächst, kann man sehen, dass viele von uns auf eine solche Serie wohl nur gewartet haben. Danke also auch an Gesine für die gute Idee : )

    • Vielen Dank, liebe Petra und liebe Gesine,
      ich glaube auch, dass es ein Bedürfnis von literarisch interssierten Bloggern ist, sich gegenseitig auszutauschen und so zu reflektieren, was sie eigentlich tun und wie sie es präsentieren. Diese Interviewreihe sehe ich als einen Beginn, die Blogkultur – huch, ich hatte mich verschrieben, da stand erst Blökkultur, oh dear, what a Freudian slip – zu verbessern.
      Liebe Grüße aus dem kleinen Dorf am großen Meer, wo ich mich sputen muss, da ich heute Gäste bekomme, aber Dina und Siri und Selma helfen kräftig, allerdings fragte Selmafee gerade grinsend, ob`s dafür FayrieTaler-TaschengeldAufbesserung gäbe.
      Klausbernd :-)

  16. Hallo Gesine,
    zunächst einmal: ein wirklich gelungenes Interview, das ich mit Interesse gelesen habe. Kann es sein, dass in diesem Artikel ein Link falsch führt, und zwar der zu Dieter Wunderlich’s Blog? Wenn ich auf seinen Namen klicke, komme ich zu Dina Toffeefee [http://toffeefee.wordpress.com/tag/blau/]. Für Dieter’s Blog wäre der Link http://dieterwunderlich.blog.de/, wenn ich das richtig sehe.
    Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
    Pit

  17. Ich schließe mich Mila an – dem ist Nichts hinzuzufügen. Oder doch: Danke für die Links.

    ehe ich nach England zog, wo ich in skurriler Umgebung Sachbücher und Romane schreibe, ab und an an Expeditionen in Arktis teilnehme, meinen Garten pflege – und blogge.

    Will ich auch. Ein wirklich gutes Leben.

    Einige Blogs sind – sorry – dahingeschludert. Also lieber weniger bloggen, aber dafür jeden Beitrag auf seine Wirkung hin reflektieren.

    Ich denke, da sollte man Blogs manchmal einfach eine Chance geben. Bei mir gibt es auch Beiträge, die nicht sonderlich toll sind und dann wieder welche, die die ich gut finde.

    Zu viel Ego tut auch nicht gut. Ich war kürzlich auf dem Blog einer mir unbekannten Autorin, die nur über ihr Buch schrieb und es peinlicherweise dazu noch selbst in höchsten Tönen lobte und es von Freunden aufdringlichst feiern ließ. Man sollte bloggend das Mantra laufen lassen: Schreiben ist eine Dienstleistung für andere. Ich besuche Blogs nur einmal und nie wieder, in denen sich die Leute gegenseitig lediglich beweihräuchern.

    Das ist doch der Standard im Internet! Mindestens 99% der Blogs lassen nur ihre Meinung zu, was letztendlich auch den anderen Lesern nicht fair ist, die nicht erfahren, was andere Leser denken. Ich denke mit Grausen an ein Dubai-Blog, in dem ich gesperrt wurde, weil ich der Bloggerin gesagt habe, was ich von dem Land halte – nur bling – bling, Geld, Kommerz, oberflächlich, selbst die *Altstädte* sind Nachbauten und die Ausländer so gut wie rechtlos. Tut mir leid, so habe ich es dort eben empfunden. Als die Bloggerin schrieb, dass sie dem Ramadan als Schwachsinn empfände, waren dafür reichlich Leute zu finden, die ihr nach dem Mund redeten. Irritierenderweise auch Leute, die in anderen Kulturen lebten, und eigentlich Toleranz gelernt haben sollten.
    Das ist der normale Umgang im Internet mit anderen Meinungen – die Blogger suchen nur Bestätigung für ihre Theorien.

    • Also, liebe Nomadenseele, ich bezieh mich auf deinen letzten Abschnitt: Einesteils hast du recht, anderseits kommt es auf die Art an. Wenn mich der Narzissmus von einem Beitrag böse anspringt, bin ich weg und komme nie wieder. Well, Jahrmarkt der Eitelkeiten …
      Dass Blogger nur Bestätigung ihrer Theorien wollen, finde ich jedoch etwas zu undifferenziert, sorry. Es gibt auch einige Blogs, auf denen das nicht der Fall ist – zum Glück. Aber die Tendenz, dass auf Blogs eine Kultur affirmativer Inhaltlosigkeit gepflegt wird, kann ich auch sehen. Aber vielleicht können wir das ja ändern.
      Herzliche Grüße
      Klausbernd, der sich für deinen langen Kommentar lieb bedankt :-)

      • Ich habe keine guten Erfahrungen gemacht, das einzige Blog, dessen Betreiberin diesbezüglich positiv hervorgestochen ist, war Cronenburg.

        Im Grunde ist es vermutlich auch logisch, in Blogs und Foren lagern sich Menschen mit bestimmten Meinungen und Interessen an, die keine Störfaktoren (andere Meinungen wollen).

        Ganz krass finde ich dies übrings bei Lehrerblogs (vielleicht, weil ich die in letzter Zeit viel gelesen habe): Die Kommentatoren sind zum größten Teil andere Lehrer oder Lehramtsstudenten, die sich gegenseitig einreden, dass das System, so wie es ist, gut ist. Wenn jemanden der Unterricht zu weltfremd war oder er sich in der Schule wie in einem Gefängnis fühlte, wird man da nicht lange überleben. Die hegen lieber weiter ihren Tunnelblick.

        Auswandererblogs sind tricky, weil die Betreffenden keine Kritik an ihrem neuen Land zulassen, wie z.B. das Dubai-Blog.

        Die Steigerung sind Blog-Kindergärten, wo man einem Blogger vermeintlich etwas Böses getan hat und dann eine ganze Gruppe einen nicht mehr mag.

        Mir hat mal jemand in einem Computerspiele – Forum per PN geschrieben: *Wenn ich nichts Positives zu schreiben habe, dann schreibe ich gar nichts*. und meiner Ansicht ist dies auch die einzige Möglichkeit, im Internet klarzukommen. So hatte ich die letzten Tage etwas Kritisches im World of Warcraft-Forum in zwei Threads geschrieben und schon waren die Fanboys da, um die Firma zu verteidigen.

        Ich hätte gerne in einem Blog, welches ich mag, eine kritische Anmerkung hinterlassen und habe es gelassen, weil wer weiß, wohin das wieder geführt hätte.

        Deine Aussage, dass Blogger nicht nur Zustimmung wollen, mag für Kultur-Blogs gelten, wenn einer das Buch gut findet und der andere nicht, aber ansonsten sollte man das kommentieren unterlassen.

        Entschuldigung, wegen der Off-Topic-Diskussion.

      • Ein dickes großes NEIN zu deinem Kommentar: Ich selbst bin ja ein Expat (fein dein tümliches Wort “Auswanderer”). Ich kenne einige Expat-Blogs wie von Pit und Sherry (iranique) z.B. auf denen es kontroverse Diskussionen gibt, auf meinen Blog ebenso. Und was machen wir denn hier gerade? Aber hallo, das sind doch undifferenzierte Vereinfachungen! Auf einem klugen norwegischen Blog las ich kürzlich “Blogger ziehen die Leute an, die sie verdienen.” Also denk mal darüber nach. Wenn man die Blogosphäre betritt, muss man doch nicht seinen kritischen Geist an der Türe abgeben und das tut auch längst nicht jeder. Vielleicht solltest du andere Blogs besuchen (hier bekommst du Anregungen). Ich kenne auch einige Lehrerblogs – z.B. Mätes (Dr. Martin Haeusler/Kerpen) und Pit (ein Expat-Blog aus Süd-Texas) waren Lehrer -, auf die deine Einschätzung nicht zutrifft.
        Allerdings gebe ich zu, dass ich nie Blogs von Computer-Spielern besuche, da ich noch nie ein solches Spiel gespielt habe. Das ist nicht meine Welt, Kindergarten-Blogs interessieren mich auch nicht, da ich kinderlos bin. Ich beschränke mich auf das, was du wohl Kulturblogs nennst in Englisch, Norwegisch, Schwedisch und Deutsch. Auf meinem Blog hagelt es Like-its und Kommentare wenn es kontroverse Diskussionen gibt (z.B. meinen Beitrag “Sprache lügt nicht” über Sprache in Blogs) und fast jeder beteiligte sich freudig an der Auseinandersetzung.
        Jetzt werde ich zum Oberlehrer: Ich glaube, das muss noch einmal überdacht werden – oder?

        Danke, dass du deine Meinung hier vertrittst.
        Herzliche Grüße aus Nord-Norfolk
        Klausbernd

      • Ich muss mich auch als Expatriat zu Wort melden: Ich bin Norwegerin, die teils in Bonn und teils in Nord-Norfolk lebt. Den internationalen Austausch finde ich gerade interessant und spannend besonders, wenn unterschiedliche Mentalities und Meinungen aufeinander treffen. Kritisierendes oder ironisierendes Kommentieren liegt mir und ich machte wenig negative Erfahrungen damit. Allerdings, da gebe ich recht dir, dass ich bisweilen Kommentare schrieb, die nicht veröffentlicht wurden. But so what?
        Du hast negative Erfahrungen gemacht, aber kann man die generalisieren?
        Deine Diskussion, die du hier begonnen hast, finde ich gar nicht nicht zum Thema passend. Die gehört doch hierhin. Es gibt heute Blogs wie Sand am Meer, jedenfalls mehr als Flints an der Küste Norfolks :-) und jeder kann die für sich passenden aussuchen. Nur Masochisten besuchen die unpassenden wieder :-)
        Danke an Gesine, dass auf diesem Blog solches stattfinden kann.
        Sov bra
        vennlig hilsen Dina

      • Here is action! Sorry for writing in English but it`s easier for me because I am Swedish (but I do understand in German). I think in a way Nomadenseele and Klausbernd are both right. I see the same tendencies in blogs as Nomadenseele describes it but I see blogs with controversial ideas as well. As a scientist I visit quite some international blogs of scientist. There it`s often really controversial and I like it.
        Greetings from sleeping Stockholm
        Buchdame

      • Wenn man die Blogosphäre betritt, muss man doch nicht seinen kritischen Geist an der Türe abgeben und das tut auch längst nicht jeder.

        Zumindest bei den Blogs, die ich bin jetzt kennenlernen durfte, läuft es so. Da wird Kritik schon als Majetätsbeileidigung aufepasst und nur erwartet, dass man zustimmt. Auch wenn die eigene Kultur als Maßstab genommen wird (Ramadan ist doof, Vielehe ebenfalls, aber ansonsten reicht nichts an Dubai heran, vor allem wahrscheinlich das Gehalt des Gatten). Zumindest bis jetzt habe ich noch kein anderes Blog kennengelernt.

        Die meisten sind doch dankbar, dass jede Störung aus ihrem Leben herausgefiltert wird und dass sie sich auch keine ungewohnten Ansichten über dieses oder jenes anhören müssen.

        Kommentar in der Zeit

        In einem Forum sind sie über mich hergefallen, weil ich meine Computerspiele gebraucht kaufe, weil man damit das Nischengenre nicht überstützt.

        Auf der Homepage eine deutschen Wochenzeitung wird jeder Kommentar, der nicht den Praktikanten dort gefällt, gelöscht. Und was die Großen machen, darf der kleine Blogger schließlich auch, oder?

        Das ist nicht meine Welt, Kindergarten-Blogs interessieren mich auch nicht, da ich kinderlos bin.

        Ich meinte damit eigentlich eher die geistige Reife mancher Blogger, die andere ablehnen, nachdem ihr Vorzeigeblog jemanden abgelehnt hat. Wie ich fürchte oft ohne Kenntnis der Sachlage. Und ja – ich rede von Literatur- / Kulturblogs.

        Ich glaube, das muss noch einmal überdacht werden – oder?

        Sollte ich einmal mitbekommen, dass es irgendwo anders läuft, vielleicht ;-) . Ändert aber nichts daran, dass es beim Großteil der Blogs anders läuft.

        Allerdings, da gebe ich recht dir, dass ich bisweilen Kommentare schrieb, die nicht veröffentlicht wurden. But so what?

        Weil es zwei Gruppen gegenüber unfair ist: Anderen Lesern, die nur eine Meinung zu einem Artikel vorgesetzt bekommen und dem Kommentator, dem der Mund verboten wird.
        Folgendes Gedankenspiel: Du bist irgendwo eingeladen, vertrittst eine Meinung, die dem Gastgeber nicht gefällt und er hält dir den Mund zu oder schmeisst dich raus. Würdest du immer noch denken: Na und? Und wie stände dieser Gastgeber vor den anderen da?

      • Hallo Nomadenseele,
        Du schreibst, “[…] Ändert aber nichts daran, dass es bei einem Großteil der Blogs anders läuft.”
        Mit Verlaub: darf ich fragen, woher Du Deine Kenntnis dieses “Großteils” beziehst? Wieviele der über 55 Millionen WordPress Seiten, um nur mal EINEN der vielen Blog-Hoster zu nennen, bzw. wieviele der täglich etwa 500,000 neuen Postings alleine bei WordPress hast Du gelesen bzw. verfolgst Du regelmäßig, um zu Deinem Urteil zu kommen? Ich denke einmal, da dürften ganz natürliche Grenzen gesetzt sein, die es unmöglich machen, ein derartig allgemeingültiges Urteil über die Blogosphäre zu fällen. Oder darf ich eher annehmen, dass hier ein paar persönliche negative Erfahrungen verallgemeinert werden?
        Liebe Grüße aus dem südlichen Texas von einem Blogger, der noch nie einen einzigen Kommentar auf seinem Blog unterdrückt hat und der, als Expat, auch seine neue Wahlheimat durchaus kritisch sieht,
        Pit

    • Liebe Nomadenseele,
      wir bewegen uns doch alle nur in gewissen Kreisen und schauen nicht über den Tellerrand hinaus. Das kann ich auch gut bei mir sehen. Wir bilden unsere Meinungen gemäß dem Feld, in dem wir uns bewegen.
      Danke für deinen Einsatz!
      Liebe Grüße, schönes Wochenende
      Klausbernd

      • Oft sollte man aber über den Tellerrand sehen, vor allem, wenn man im Ausland lebt. Und vor allem bietet das Internet zahlreiche Möglichkeiten, sich *gefahrlos* zu informieren.

  18. Herzlichen Dank für dieses schöne und interessante Interview. Mich haben vor allem die Gedanken zu den Blog-Hürden angesprochen, in denen ich mich – muss ich gestehen – wieder erkannt habe. Sich täglich eine feste Zeit für seinen Blog zu setzen, finde ich eine schöne Idee …

  19. Pingback: „Wer hat denn alles einen Buchblog?“ | SteglitzMind

  20. Danke nicht nur für die Links sondern auch für die Blog-kritischen Gedankenanregungen. Mir geht es ähnlich, dass ich an Blogs gerade die Möglichkeiten der Interaktion schätze. Allerdings ist das auch nicht immer so einfach… Viele Grüße, Mila

    • Habe Dank, liebe Mila, für deinen Kommentar. Ja, ich habe es auch erlebt, dass ich lange dafür arbeiten musste, bis auf meinen Blog ein reger Austausch stattfand – und das ist ziemlich zeitaufwändig.
      Liebe Grüße und einen schönen Abend
      Klausbernd :-)

  21. Pingback: Bloggers Freud und Leid « kbvollmarblog

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