Steglitz fragt bei Jando nach … (Teil 2)

„Ohne meine Fans wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe.“

In diesem Beitrag erfahren wir, was Jando für sein Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo er im Social Web Chancen und Risiken ausmacht. In unserem ersten Gespräch berichtete er mir u.a. über seine Erfahrungen mit einem BOD-Verlag, in einem Publikumsverlag und warum sein neues Buch „Sternenreiter. Kleine Sterne leuchten ewig“ als körperliches Buch, Hörbuch und als E-Book erscheint.

Obwohl dein erstes Buch bei einem klassischen Publikumsverlag erschienen ist, lag die Vermarktung der „Windträume“ weitestgehend in deinen Händen. Wieso das?

Als ich merkte, dass der Verlag an seine Grenzen der Vermarktung angekommen war, bot ich ihm meine Unterstützung an. Zusammen haben wir eine Strategie entworfen und diese dann umgesetzt. Wenn man sich für einen Verlag entscheidet, der Autoren Freiräume und selbstbestimmte Entscheidungen einräumt, dann ist eine gewisse Mitarbeit zwingend notwendig.

Welche Möglichkeiten und Wege hast du für dein Buch-Marketing genutzt?

Da sind die Mittel begrenzt, vor allen Dingen, wenn man finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Ich habe die Netzwerke des Social Media genutzt, um auf meine Arbeiten aufmerksam zu machen. Um Werke einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, gibt es für junge und unbekannte Autoren meiner Meinung nach keine besseren Plattformen als die des Social Web. Vor allem deshalb, weil man hier ehrliches Feedback zu seinem Schaffen erhält. Das beinhaltet auch Kritik, die sehr hilfreich und lehrreich ist, auch wenn es manchmal schmerzt. Der tägliche Austausch mit meinen Lesern ist eine tolle Sache, die ich sehr schätze. Wenn man erst einmal einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, dann fällt vieles einfacher. Bei mir trudelten auf einmal Rezensionen, Presse- und Lesungsanfragen ein.

Wo findet man dich und deine Bücher im Netz? Welche Plattformen und Tools nutzt du?

Ich habe eine Autoren-Webseite nebst Blog und ein Profil bei Amazon. Ab 2009 legte ich meinen Fokus auf MySpace, da dieses Netzwerk damals noch das erste richtige Social Network gewesen ist, wo man als Autor und Künstler seine Arbeiten und Musik präsentieren konnte. Als dann Facebook den deutschen Markt eroberte, war ich einer der ersten, der auf diese Schiene aufgesprungen ist. Seitdem das dort angelaufen ist, besteht mein MySpace-Acount nur noch als Verknüpfung zu Facebook. Auch Twitter, wo ich seit Januar 2010 aktiv bin, und mein Autoren-Profil bei Amazon habe ich mit meinem Facebook-Account verknüpft. Wenn ich also etwas bei Facebook poste, dann erscheint es auch auf diesen Plattformen.

Meine Bücher sind durch die Verlage, bei denen ich publiziere, über Grossisten in allen Onlineplattformen gelistet. Und, was für mich ganz wichtig ist, auch bei allen deutschsprachigen Buchhandlungen!

Hast du bei deinen ersten Schritten im Social Web auf eine Strategie gesetzt?

Wichtig war mir von Anfang an, den Austausch beständig weiter voranzutreiben. Mal einen Monat gar nichts zu machen, kann schon fast bedeuten, wieder bei null anzufangen. Leser, User, die sich für einen interessieren, möchten gepflegt werden. Wie „echte Freunde“ eben. Wichtig ist: Keinen Stillstand aufkommen lassen. Immer wieder neue Ideen und Ansätze testen. Jeden Tag poste ich auf meinem Facebook-Profil und Fan-Seiten Texte und Aphorismen von mir. Einige stammen aus meinen Büchern, andere sind gerade verfasst worden. Ich beobachte, wie diese angenommen werden. Eine bessere, ehrlichere Kritik als die seitens meiner Leser kann ich gar nicht bekommen. Als Stilmittel setze ich auf inhaltlich passende Bilder und Illustrationen zu meinen Texten.

Was kommt bei Facebook besser an: Deine Autoren-Seite oder die Fanseiten zu deinen Büchern „Windträume“ und „Sternenreiter“?

Jando (c) Lisa Farkas

Das ist schwer zu sagen. Die Windträume-Seite existiert am längsten. Daher ist dort auch immer sehr viel los. Aber auch die Autorenseite erfreut sich inzwischen Beliebtheit. Da ich zudem ein persönliches Facebook-Profil pflege, das abonniert werden kann, gibt es zahlreiche Möglichkeiten mit mir zu kommunizieren. Die Fanseite für mein neues Buch „Sternenreiter“ ist gerade einmal vier Wochen alt. Ich denke, sobald die ersten Leser das Buch in den Händen halten, wird auch dort einiges los sein.

Welche deiner Aktivitäten im Social Web kamen besonders gut an, welche floppten?

Zum Valentinstag habe ich eine Postkarten-Aktion mit Zitaten von mir gestartet. Ich rief Fans und Freunde dazu auf, mir via E-Mail mitzuteilen, an welche Liebste/welchen Liebsten ich die Karte schicken soll. Entweder sagten sie mir, was ich schreiben sollte, oder ich ließ mir etwas einfallen. Eine so große Resonanz hatte ich allerdings nicht erwartet! Insgesamt habe ich 1.231 Postkarten verschickt und eine gute Woche dafür gebraucht, sie zu schreiben. Der Flop war: Die Umsetzung kostete mich 677,05 € Porto und 80,20 € an gedruckten Postkarten. So wurde aus meinem geplanten Urlaub ein Postkartenurlaub. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Doch als ich dann auf die Karten-Aktion ein unglaubliches schönes Feedback bekam, war alles wieder in Butter. Und: In Urlaub kann ich auch im nächsten Jahr fahren.

Die Idee war übrigens anscheinend so gut, dass Verlage diese kopierten und ähnliche Aktionen bei Facebook starteten. Nett fand ich, dass sie mich auch dazu eingeladen haben …

Siehst du zum Erscheinen von „Sternenreiter“ eine besondere Aktion im Social Web vor?

Ja, zusammen mit meinem Verlag haben wir uns zur Veröffentlichung etwas Besonderes ausgedacht. Alle, die am Erscheinungstag mein Buch „Sternenreiter“ kaufen bzw. bestellen, können ein Wochenende für zwei Personen in Neuharlingersiel an der Nordsee gewinnen. Dort habe ich mein neues Buch geschrieben. Abends werde ich die Gewinner besuchen und zu einem zünftigen norddeutschen Essen bei Meeresblick einladen. Alle, die bei der Aktion mitmachen, aber nicht den Hauptgewinn bekommen, schicke ich als „Danke schön“ eine handgeschriebene Sternenreiter-Postkarte mit einem Buchzitat. – Im Postkarten -Schreiben bin ich inzwischen ja gut geübt. Und: Diesmal auch viel besser darauf vorbereitet.

Hast du Erfahrungen mit Kostenlos-Aktionen im Netz gesammelt?

Nein! Habe ich nicht. Werde ich nicht! Oder denkst Du, dass ein Fischer, der einen besonders großen Hecht ans Land zieht, diesen kostenlos anbieten würde? Schreiben ist das Schönste der Welt und ich bin dankbar, dass ich es machen darf. Aber: Bisweilen ist es sehr harte Arbeit. Und für Arbeit sollte man entlohnt werden!

Social Media ist sehr zeitaufwändig. Wie sieht dein Pensum aus?

Ja, das ist wohl wahr. Ich versuche mir am Tag mindestens eine Stunde Zeit dafür einzuräumen. Meistens wird es aber mehr. Da mir viele Personen auch persönliche Nachrichten schreiben, Fragen haben, Infos erfahren wollen, nehme ich mir die Zeit, die dafür gebraucht wird. Ohne meine Fans und Leser wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe. Es ist mir wichtig, ihnen einen Teil zurückzugeben.

Kannst du dich ruhigen Gewissens ausloggen oder treibt es dich dann doch wieder zum Rechner bzw. dem Smartphone?

Wenn ich mich ausgeloggt habe, dann bleibt das auch so. Ich nutze mein Smartphone nicht, um weiter online zu bleiben. Dann wende mich meiner eigentlichen Arbeit, dem Schreiben zu. Ich gehe zwischendurch ans Meer, laufe meine Kilometer, um den Kopf frei zu bekommen und den Körper in Bewegung zu bringen. Das bewirkt bei mir Wunder. Es passiert oft, dass mir dabei Ideen für neue Projekte durch den Kopf geistern. Die schreibe ich bei Heimkunft dann gleich nieder. – So wäre es ein perfekter Tag. Bloß: Wann ist ein Tag einmal perfekt?

Was sollte man als Autor im Social Web unterlassen? Wo verortest du Risiken?

Das Social Web ist so etwas wie eine große Spielwiese für Jung und Alt. Ich achte darauf, dass Persönliches auch persönlich bleibt. Ich möchte nicht, dass meine Freunde und Fans wissen, wann und wo ich mein Krabbenbrötchen mit einer Flasche Jever herunter spüle, oder wann und wo ich einen Kaffee trinke. Klar ist aber auch, dass man – bis zu einem gewissen Teil – seine Fans und Freunde an seinem Leben teilhaben lassen sollte. Das ist ein schmaler Grat. Das habe ich erst vor kurzem erfahren. Bei einer Vorsorgeuntersuchung wurde bei mir ein Tumor unter der linken Axilla festgestellt, der nach innen gewachsen war und 15cm groß war. Er hatte sich vor dem Nervenstrang des linken Armes breit gemacht. Es bestand die Gefahr, dass der Arm gelähmt bleiben und sich der Tumor als bösartig herausstellen könnte. Am Ende ist glücklicherweise alles gut gegangen. Keine dieser düsteren Prognosen traten nach der Operation ein. Ich war lange hin- und hergerissen, ob ich darüber schreiben soll.

Ich entschloss mich schließlich, es zu machen. Mein Gefühl sagt mir, das ich Verantwortung gegenüber meinen Lesern und Fans habe. Ich wollte ihnen mitteilen, wie wichtig es ist, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen, auch dann, wenn man sich körperlich topfit fühlt. Mein Arm, und vielleicht auch mein Leben, wurden dadurch gerettet. Das Feedback auf meine ehrliche Botschaft war enorm. Es hat mich bestätigt, dass meine Entscheidung die richtige gewesen ist!

Man muss lernen, abzuwägen, was will und kann ich im Social Web verbreiten bzw. unterlassen? Im Endeffekt muss ein jeder für sich selbst, sein Handeln und Tun gerade stehen. Auch im Social Web.

Wie regelst du Fragen der Erfolgskontrolle?

Das beantworte ich mit einem Zitat von mir: „Erfolg ist das, was wir fühlen, aber manchmal nicht sehen können.“ Punkt. Aus.

Ein schöner Schlusspunkt, Jando. Danke vielmals für deine offene Rede und Antwort.

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Wer mehr über den Geschichtenerzähler von der Nordsee erfahren möchte, findet Jando hier im Netz:

Jandos Homepage

Jandos Seite bei Amazon, Jando bei MySpace,  Jando bei twitter

Homepage des Debüts „Windträume“

Jando bei Facebook: „Jando Schriftsteller“ „Jando Autor“ „Windträume“ und

das neue Buch „Sternenreiter“, das am 24. Juli erscheint

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe „Steglitz fragt … bei Autoren nach“ auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Demnächst steht die Autorin, Übersetzerin und Bloggerin Petra van Cronenburg hier Rede und Antwort.

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4 Kommentare zu “Steglitz fragt bei Jando nach … (Teil 2)

  1. Pingback: Steglitz fragt bei Jando nach … | SteglitzMind

  2. „Wenn ich mich ausgeloggt habe, dann bleibt das auch so“ ( Jando )

    So sollte sein. Proud of logout – das ist mein Motto.
    Wer das Meer in der Nähe hat, der ist natürlich im Vorteil.
    Da lässt es sich leichter ausloggen, will ich meinen.

  3. „Erfolg ist das, was wir fühlen, aber manchmal nicht sehen können.“

    Wunderbar. Auf den Punkt gebracht!
    Im Fachjorgan des Social Web gesprochen: Daumen nach oben für die offenen und anregenden Antworten des Autor.
    Freue mich schon auf weitere Autorengespräche.

  4. Ein tolles zweites Gespräch mit interessante Fragen und erfrischenden Antworten.E ist schon spannend zu erfahren, was alles möglich sein kann, wenn es richtig angefasst wird. Ich freue mich schon auf weitere Efahrungsberichte in der Autorenreihe.

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