Steglitz fragt bei Patric Marino nach

„Und wenn ich in einem Text lese: ‚Ich möchte lieber nicht‘, dann rufe ich: Bartleby!“

Der Berner Patric Marino fiel mir auf, weil er ein literarisches Debüt hinlegte, von dem Nachwuchsautoren eigentlich nur träumen können. Hoppla, dachte ich mir, welche Kräfte haben da gewirkt?

Patric Marino © Matthias Günter

Der heute 22-jährige Shooting-Star debütierte mit seiner Abschlussarbeit am Schweizerischen Literaturinstitut, für die er einen engagierten Verleger fand. „Nonno spricht“ erschien im März 2012, und zwar in einem Verlag, der im Begriff ist, sich einen Namen zu machen. Danach ging es Schlag auf Schlag. Zunächst stieß die Hommage an Nonna und Nonno, Patrics Großeltern aus Kalabrien, auf regionales Echo. Hoch gelobt wurden der subtile Humor und die poetische, schnörkellose Sprache des Newcomers.

Im Juni verlieh ihm die deutschsprachige Literaturkommission des Kantons Bern den Anerkennungspreis. Nun zollten auch die überregionalen Medien dem Debüt Aufmerksamkeit. Am 6. September lud sogar das Schweizer Fernsehen Patric zum Gespräch in die angesagte Talk-Show „Aeschbacher“ ein. Eine Anfrage folgte der nächsten, für Patric begann eine anhaltende Lesetour. Die Folge: Sein Erstling verkaufte sich in der Schweiz so gut, dass sein Verlag inzwischen eine zweite Auflage herausbrachte.

Von Patric wollte ich u.a. wissen, wie ihm der frühe Ruhm bekommen ist, wie er zu seinem Verlag kam, ob Literaturpreise Türöffner sind und was er anderen jungen Autoren rät.

Du hast ein Studium am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel absolviert. Was hat dir das gebracht?

Das Studium hat mir Zeit geschenkt und als eine Art Katalysator gewirkt. Ich konnte mich während dreier Jahre voll auf mein Schreiben konzentrieren. Am Literaturinstitut habe ich Leute getroffen, die das gleiche machen wie ich, vorher war ich mit dem Schreiben alleine. Sowohl mit Mitstudierenden als auch mit Dozenten tausche ich mich weiterhin aus. Und ich habe viel von der Erfahrung anderer Autoren profitiert.

Braucht es zum Schreiben nicht mehr als „nur“ literarisches Handwerkzeug?

Natürlich. Es braucht Beobachtungsgabe, Interesse für Geschichten, Sprachgefühl; all diese Dinge bringt man mit, die kann man nicht erlernen. Mit den Werkzeugen, die man am Institut erhält oder zu gebrauchen lernt, kann man sie aber schärfen und verbessern. Wir hatten dort die Möglichkeit, Texte zu schreiben, zu überarbeiten, zu publizieren. Zur Werkzeugkiste gehört auch ein Büchergestell, wir haben am Institut nicht nur geschrieben, sondern auch viel gelesen.

Derzeit studierst du Germanistik. Was versprichst du dir davon?

Zum einen lerne ich im Germanistikstudium, Texte noch genauer zu lesen und besser zu verstehen. Ich finde neue Literatur, die beim Schreiben und Lesen immer mitschwingt, und wenn ich in einem Text lese: „Ich möchte lieber nicht“, dann rufe ich: Bartleby! Zum anderen führt das Studium zu Berufsmöglichkeiten, die mir mehr Freiheit fürs Schreiben schaffen können.

Kannst du dir vorstellen, Schreiben als Broterwerb zu betreiben?

Das Schreiben wird eine Scheibe vom Brot sein, aber ich möchte finanziell nicht darauf angewiesen sein, sondern unabhängig weiterschreiben und mich nicht am Markt orientieren müssen. Sprache und Literatur wird aber auch Teil meiner Arbeit sein, wenn ich neben der Schriftstellerei zum Beispiel als Deutschlehrer oder Literaturvermittler arbeite.

Wie kam es dazu, dass der Lokwort Buchverlag deinen Erstling „Nonno spricht“ publizierte?

„Nonno spricht“ war meine Abschlussarbeit am Literaturinstitut. Gleichzeitig mit der Abgabe an der Schule habe ich mein Manuskript an eine Literaturagentur geschickt, die es noch in der gleichen Woche meinem zukünftigen Verleger vorstellte. So ist zwischen dem Fertigschreiben meiner Abschlussarbeit und ihrer Publikation als Buch nicht einmal ein Jahr vergangen.

Lokwort ist quasi ja ein Ein-Mann-Verlag, der im Begriff ist, sich aufzustellen. Meinst du, dass ein eingeführter Verlag deinen Erstling noch stärker hätte pushen können?

Ein eingeführter Verlag hat bereits viele große Marktstände, er braucht neue Bücher nur noch hinzulegen und verkauft sie unter seinem Gütesiegel. Mit meinem Verleger habe ich den Marktstand erst aufbauen und ein Gütesiegel schaffen müssen, dafür sind beide auf mein Buch zugeschnitten. „Nonno spricht“ war die einzige Publikation von Lokwort in diesem Frühjahr. Wir waren also zwei Leute, der Verleger und ich, die ein Buch mit aller Kraft pushten.

Welche Vorteile hatte die Zusammenarbeit mit einem kleinen Verlag für dich?

In einem kleinen Verlag steht man sich persönlich gegenüber, so fühlte ich mich wohl. Ich konnte überall mitreden: bei der Auswahl der Lektorin, bei der Gestaltung, bei der Vernissage. Es gibt kein Verlagskonzept, in das ich gepresst wurde, sondern wir haben zusammen eines geschaffen und so auch gegenseitig voneinander profitiert.

Siehst du auch Nachteile?

Ein Nachteil ist, dass Mittel und Kanäle beschränkt sind. Man muss den Markt zuerst erschließen, sowohl für mich als unbekannten Autoren als auch für den kleinen, neu ausgerichteten Verlag. So gesehen passten wir ganz gut zueinander.

Was sollte ein Jung-Autor bei der Zusammenarbeit mit einem Verlag besonders beachten?

Autoren- und Verlegerköpfe sind hart. Es ist wie beim Eiertitschen …

Beim Eiertitschen …?

Genau so. Wer hat den dickeren Schädel bzw., um beim Bild zu bleiben, die dünnere Schale? Letztendlich geht es um die Frage: Wie weit gehe ich, wie viel gebe ich her und ändere ich, damit mein Buch publiziert wird? Bei Gestaltungsfragen und Formalien kann man mit sich reden lassen, bei inhaltlichen und sprachlichen Dingen sollte man hart bleiben.

Für dein Debüt hast du im Juni den Anerkennungspreis der deutschsprachigen Literaturkommission des Kantons Bern bekommen. Öffnen Literaturpreise Türen? Und: Kurbeln sie den Verkauf an?

Neben Anerkennung schaffen Literaturpreise Öffentlichkeit. Man erscheint in den Medien, es gibt eine Lesetour, aus jedem Bericht und jeder Lesung ergeben sich weitere Berichte und Lesungen. Dies wirkt sich schließlich auch auf den Verkauf aus. Zudem lernt man durch Preise auch andere Autoren, Kommissionsmitglieder, Veranstalter und Buchhändler kennen, was einem die Tür zur Literaturszene noch weiter öffnet.

Wie bist du mit deinem plötzlichen Ruhm zurechtgekommen?

Ganz einfach, indem ich nicht darüber nachdenke. Wenn ich im Zug jemanden mit meinem Buch sehe, dann ist es, als würde ich diese Person kennen, und ich bin jeweils erstaunt, dass dem nun nicht mehr so ist. Die Vorstellung, dass mein Buch auf fremden Nachttischchen liegt, ist so komisch wie auch schön, weil doch jeder seine eigene Gutenachtgeschichte wählt.

Hat dein früher Erfolg auch Schattenseiten?

Ich komme vor lauter Lesungen und Anfragen im Moment kaum zum Schreiben von neuen Texten, aber das ist es ja, was ich mir für mein Buch gewünscht habe. Druck mache ich mir deswegen keinen. Ich versuche, so weiterzuschreiben wie bisher.

Kannst du dir erklären, warum die Hommage an deine kalabrischen Großeltern Nonna und Nonno in deiner Heimat ein so großes Echo fand?

Die Hommage ist ja eine doppelte, zum einen an meine Nonni, zum anderen an Kalabrien. Jeder hat Grosseltern und einen Heimat- oder Ferienort, von dem er Anekdoten erzählen könnte, und so finden viele Leser in meinem Buch ihre eigenen Geschichten wieder. Dass hier in der Schweiz sowohl die italienischen Auswanderer als auch die Italianità aus den Ferien bekannt sind, hat dieses Echo noch verstärkt und bei vielen Sehnsüchte ausgelöst.

Glaubst du, dass dir ein so fulminantes Debüt auch außerhalb der Schweiz gelungen wäre?

Ich habe ein Buch über die italienischen Grosseltern und die Reise in ihre Heimat geschrieben, weil diese Themen für mich und andere Menschen in der Schweiz wichtig sind. Folgerichtig hat das Buch zuerst hier Verbreitung gefunden. Außerhalb der Schweiz würde ich mit der gleichen Schreibhaltung ein anderes Buch schreiben, doch wie es vom Buchmarkt aufgenommen würde, lässt sich nicht voraussagen.

Rechnest du dir für deinen Erstling auch Chancen auf dem deutschen Buchmarkt aus?

Ja. Das Herkunftsland ist zwar wichtig bei der Entstehung des Buches, mit der Publikation löst es sich aber von einem Ort. Auch in Deutschland kennt man das Thema der Migration, auch aus Deutschland kommen Touristen nach Italien. Schließlich sind es diese Leute, die mein Buch in Deutschland aus den gleichen Gründen kaufen werden wie in der Schweiz, und die entscheiden werden, ob mein Buch auch auf dem deutschen Buchmarkt einen Platz findet.

Was rätst du Nachwuchsautoren? Worauf sollten sie besonders achten?

Schreibt, was Ihr lebt, erzählt Geschichten weiter, haltet Erinnerungen fest. Diese Art des Schreibens mag nach Tagebuch oder Arbeitsjournal klingen, doch ich finde wichtig, dass man sich auf den Stoff konzentriert, den man erzählen will, und dafür eine geeignete Form sucht. Ob das ein Roman, eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht ist, wird sich weisen.

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Im zweiten Teil des Gesprächs erfahren wir von Patric u.a., wie man in seiner Heimat die Entwicklungen infolge der Digitalisierung einschätzt, welchen Stellenwert das eBook dort hat, ob Self-Publishing in der Schweiz angesagt ist und inwieweit Social Media-Marketingmaßnahmen auch für Schweizer Autoren inzwischen ein Gebot der Stunde sind.

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Steglitz stellt Harald Sack mit „Biblionomicon“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute erfahren wir mehr über Harald Sack, der Biblionomicon betreibt. Dass sich der Kopf vorstellt, der dahinter steht, hatte sich die Durchleserin gewünscht, die Durchleser’s Blog pflegt.

 Dein Steckbrief in Stichworten …

Informatiker, Wissenschaftler und Nerd der ersten Stunde, bibliophil (ok… wahrscheinlich eher biblioman), Teetrinker, Blog- und Buchautor, Vordenker (von Berufswegen) und Querdenker (aus Leidenschaft), Läufer, Genussmensch, aktuell in Potsdam, aber ursprünglich aus Franken (auch wenn man es nicht gleich hört).

Seit wann, warum und wo bloggst du?

der Kopf hinter Biblionomicon © Harald Sack

2005 begann ich mit meinem wissenschaftlichen Blog …more semantic!, in dem sich aber zusehends Buchrezensionen und literarische Beiträge sammelten. Seit 2007 gibt es daher das Biblionomicon zu den Themen Bücher, Rezensionen, Buchkritik und Büchergeschichte(n).

Das Bloggen begann ich 2005, da ich neue Wege und Möglichkeiten des wissenschaftlichen Publizierens ausloten wollte. Da ich schon immer viel gelesen habe und in meinem Umfeld nicht gerade viele Menschen meinen – manchmal etwas exzentrischen – Lesegeschmack teilen, schreibe ich seit 2007 Rezensionen zu allerlei Gelesenem. Daneben gibt es auch noch diverse Beiträge zur Mediengeschichte, in denen Interessantes und Unerhörtes aus meiner Recherchearbeit zu Vorlesungen und Büchern quasi als „Abfallprodukt“ weiterverwertet wird. Aus Bequemlichkeit nutze ich schon immer blogspot.com. Würde ich heute mit dem Bloggen anfangen, wäre ich wahrscheinlich (aus dem gleichen Grund) bei tumblr.

Deine Themenschwerpunkte …

Ganz einfach: Bücher, Rezensionen, Buchkritik und Büchergeschichte(n). Die Auswahl der Bücher ist meinem eigenen speziellen Geschmack geschuldet und sicherlich „nichts für jedermann“ (wie es schon im Steppenwolf heißt). Daneben gibt es auch immer wieder einmal Mediengeschichte.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das allgemeine Gejammer bzw. der ebenso bestehende Hype zum Thema eBook, dem damit verbundenen Niedergang des Abendlandes, des Druckgewerbes, der Literatur und der Kultur überhaupt, das geht mir ziemlich auf die Nerven. Warum müssen Bücher so teuer sein und warum haben die Autoren so wenig davon? Eskapismus schön und gut, aber warum muss man sich die aktuelle Vampirgrütze und Sachen wie Urban Fantasy antun? Warum hat Trivialpornografie zwischen zwei Buchdeckeln aktuell so viel Erfolg? Warum liest kaum jemand mehr Gedichte?

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Twitter, insbesondere mit Bezügen zur Literaturgeschichte, natürlich auch Facebook über meine eigene Seite bzw. über diverse Lese- und Literaturgruppen und google+. Als letztes habe ich blogzug ausprobiert, bin davon aber nicht gerade überzeugt, da 95% der dort vertretenen Buchblogs eher der „rosa Sorte“ zugerechnet werden können.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Kommt darauf an, ob ich persönlich das Blog gut finden soll, oder ob es den Massengeschmack treffen soll. Oft schließt sich das natürlich aus. Daher freue ich mich über all die Bücherblogs, die nicht dem Mainstream folgen und in denen man auch die eigenen Gedanken der Blogautoren finden kann.

Ich hasse blinkende und völlig überladene Blogs, in denen nichts als Werbung zu finden ist. Ich hasse ebenfalls alphabetisch geordnete Rezensionslisten, die nach dem Titel des Buches (100 Bücher, deren Titel mit „Der“ beginnt) bzw. nach dem Vornamen des Autors sortiert sind. Buchblogs sind Buchblogs, die sich mit Gelesenem und Dingen, die damit zu tun haben beschäftigen. Mich interessieren daher keine Ausflüge in die Mode- und Beautyindustrie. Auch sollte man es als Blogautor nicht mit der Selbstdarstellung übertreiben.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Hürden sehe ich keine, wenn man einmal vom nötigen Zeitaufwand absieht. Für eine Rezension benötige ich 1-2 Stunden volle Konzentration. Soviel muss ich erst einmal erübrigen können.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Die Anfrage einer Zeitung, ob sie einen meiner Artikel zur „Kulturgeschichte des Lesens“ abdrucken dürfte, war schon eine tolle Sache, da ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte. Ich finde es auch immer wieder toll, wenn ich einmal eine Rezension zu einem Buch, das ich selbst schon besprochen habe, in einem anderen Blog finde. Gibt mir die Rezension dann einen Denkanstoß, kommentiere und diskutiere ich auch gerne.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Naja, mein Eklektizismus in Sachen Buchgeschmack scheint bei den Verlagen nicht gefragt zu sein. Daher habe ich noch keine Rezensionsexemplare angeboten bekommen. Ehrlich gesagt, ich würde Rezensionsexemplare, die mich nicht interessieren auch zurückschicken bzw. weiterverschenken.

Im wissenschaftlichen Bereich ist das anders. Dort frage ich explizit nach Rezensionsexemplaren nach, die ich dann allerdings nicht für das Blog, sondern direkt für den jeweiligen Verlag nach dessen Vorgaben rezensiere. Da geht es dann meist um Fragen der fachlichen Genauigkeit, Vollständigkeit und der Darstellung des Stoffes.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Als Early Adopter habe ich schon vor einigen Jahren die ersten Erfahrungen in Sachen eBooks gemacht, die man im Biblionomicon nachlesen kann. Leider musste ich das Gerät damals wieder an unser Institut zurückgeben. Allerdings bin ich selbst bislang noch nicht in die Verlegenheit gekommen, mir einen eigenen eBook-Reader zu kaufen, auch wenn ich manchmal unter der Last der mitgeschleppten Seiten stöhne.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Natürlich sind bereits einige meiner Favoriten in dieser Interviewreihe erwähnt worden. Ich lese gerne im Bonaventura, lasse mich von aus.gelesen inspirieren oder von Boylevard. Darüber hinaus möchte ich noch Lebe lieber literarisch sowie Markus Trapps Text & Blog, das ich schon seit einer Ewigkeit lese, empfehlen.

Als Interviewvorschlag wünsche ich mir die beiden unermüdlichen und schwerproduktiven Urheberinnen von leselink.de.

Danke, Harald. Ich habe nachgelesen: Das war 2008 als du erstmals ein Lesegerät zur Hand hattest. Und dein „biblioman“, eine nette Neuschöpfung …

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Zuletzt stellte sich Gisbert Damaschke u.a. mit seinen Echtzeit-Blogs zum Schiller-Goethe-Briefwechsel und zu Eckermanns Gesprächen mit Goethe vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war der Betreiber von litteratur.ch, der sich doch bitte bei mir melden möge. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier

Steglitz stellt Giesbert Damaschke vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Giesbert Damaschke vor. Der Vorschlag kam von Marius Fränzel, der sein Blog Bonaventura – Lektüren eines Nachtwächters seit 2005 betreibt. Er hatte uns Damschkes Echtzeit-Blogs zum Schiller-Goethe-Briefwechsel und zu Eckermanns Gesprächen mit Goethe ans Herz gelegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Jahrgang 1961, Studium der Germanistik, Philosophie und Historischer Geographie (ich brauchte halt ein drittes Fach …) in Bonn. Abschluss mit einer Arbeit über Wilhelm Raabe. Seit 1989 Computerjournalist in München, seit 1997 selbstständiger Autor und Trainer zu Internet-/Computerthemen, Schwerpunkt: Apple.

Seit wann, warum und wo  bloggst du?

Angefangen habe ich mit einer handgestrickten Homepage 1997 (frühe Formen kann sich, wer will, bei archive.org ansehen), zu Beginn bei AOL, sehr schnell dann auf eigenem Server. Warum? Weil ich es ganz reizvoll fand, „einfach so“ und ohne allzu großen Aufwand publizieren zu können.

Die Blogform habe ich mit Der große Mülleimer ab Anfang 2004 auf blogger.com ausprobiert, bin da aber rasch an die Grenzen gestoßen. 2005 habe ich dann auf damaschke.de WordPress installiert und bin bis heute dabei geblieben.

Überzeugt hat mich bei WordPress der angenehm schlanke Ansatz, inzwischen ist das System ja auch erheblich aufgebläht, aber ein Umzug zu einer anderen Plattform wäre mit zu viel Mühen versehen – ich bin ein fauler Mensch.

Deine Themenschwerpunkte …

Alles, was mich interessiert oder soweit ärgert, dass ich dazu kurz oder auch weniger kurz etwas schreibe. Die Notizen nutze ich auch als Ablagestelle für Glossen und Kommentare, die ich aus verschiedenen Anlässen für verschiedene Auftraggeber geschrieben habe. Thematisch geht es da wild durcheinander: Internet, Technik,  Kommentare zum alltäglichen Unfug, der über einen so hinwegschwappt, Klassik, Comics, Bob Dylan – der einzige gemeinsame Nenner aller Beiträge bin wohl ich: „that’s me“.

Giesbert Damaschke © Kerstin Groh

Thematisch strenger geht es im Arno-Schmidt-Blog zu, das ich Mitte 2005 ergänzend zu meiner 1997 gegründeten Arno-Schmidt-Mailingliste aufgesetzt habe. Hier dreht sich ausschließlich alles um Arno Schmidt & Umfeld. Leider hat mir der Brotberuf in den letzten Monaten keine Zeit gelassen, mich darum zu kümmern und das Blog ist ein wenig verwaist. Aber das muss ja nicht so bleiben.

Seit Mitte 2009 veröffentliche ich den Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe als Echtzeitblog, d.h. die einzelnen Briefe werden um 215 Jahre versetzt an dem Datum veröffentlicht, an dem sie geschrieben wurden.

Ähnlich funktionieren die Gespräche mit Goethe, wo ich Eckermanns Einträge an dem Datum veröffentliche, das er ihnen in seinen Aufzeichnungen gegeben hat. Hier funktioniert die Sache aber nicht so gut, es gibt einfach zu viele, oft monatelange Pausen zwischen den Beiträgen.

Kein Blog ist mare-crisium.de, eine Website, die sich ausschließlich dem Roman “Kaff auch Mare Crisium” von Arno Schmidt widmet.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Nicht sehr viel, eigentlich gar nichts. Der Literaturbetrieb ist ein mir fremdes Paralleluniversum. Manchmal tun sich Wurmlöcher auf, und es dringt etwas zu mir durch. Bei manchen Themen werde ich gelegentlich neugierig (Arno Schmidt, Ror Wolf, Klassiker, eBooks), aber das Interesse hält nie wirklich lange an. Das war nicht immer so, früher habe ich etwa zur Buchmesse alles gelesen, was mir in die Finger fiel, heute interessiert mich das alles nur noch sehr am Rand – wenn überhaupt.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Gar nicht. Manchmal weise ich bei Twitter auf einen neuen Beitrag hin, meistens allerdings nicht.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das muss jeder selbst ausprobieren. Ich maße mir nicht an, hier irgendwelche Regeln aufzustellen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

An erster Stelle ist sicherlich Ausdauer zu nennen. Bloggen ist ein Marathon, kein Sprint. Man sollte sich auch nicht selbst unter Druck setzen und glauben, man müsse nun jeden Tag etwas posten. Das muss man nicht.

Danach kommt die vermaledeite Technik. Das ist zwar alles sehr viel einfacher als vor – sagen wir mal 10 Jahren, aber wenn man (wie es mir letztens passiert ist) durch den Ausfall eines Spamfilters plötzlich 3.500 Spam-Kommentare im Blog hat, die man dann noch nicht einmal en bloc löschen kann, dann stößt man schon sehr deutlich an die Grenzen der Technik.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Das erstaunliche Interesse, auf das das Schiller/Goethe-Blog gestoßen ist.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Sie bieten mir keine an.

Wie hältst du es mit dem eBook?

EBooks interessieren mich, seit ich mich mit Computern beschäftige. Das sind nun immerhin auch schon gut 30 Jahre. Ich gehöre zu den Leuten, die sich seinerzeit das Rocket eBook gekauft haben. Das war aber eher nichts, viel zu schwer, zu kurze Akkulaufzeit, matschiger Bildschirm, krude Software zum Befüllen und so weiter. Dann habe ich meinen Palm V als eBook-Reader eingesetzt und darauf unter anderem Karl Mays monströsen 2.500-Seiten-Roman “Waldröschen” gelesen (was überraschend gut funktioniert hat).

Als der erste Kindle auf den Markt kam, war ich enttäuscht, das Gerät war mir entschieden zu hässlich und viel zu langsam. Glücklicherweise hat Amazon da kräftig nachgebessert. Meinen Kindle habe ich immer dabei und möchte ihn auf gar keinen Fall mehr missen.

Es hat zwar etwas gedauert, aber das eBook ist nicht mehr aufzuhalten. Ich vermute, dass zukünftige Generationen unter “Buch” ganz selbstverständlich ein eBook verstehen und die heutigen Bücher als “P-Book” oder dergleichen bezeichnet werden.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Bonaventura, Der Umblätterer und Christian Koellerer wurden ja schon genannt oder vorgestellt. Ich möchte noch litteratur.ch ergänzen, ein Blog mit immer lesenswerten Rezensionen und Kommentaren zu Literatur, über die zu reden sich auch wirklich lohnt. Wünschenswert wäre, dass du mit dem Betreiber ein Gespräch suchst.

Danke, Giesbert. Dann werde ich mich in der Schweiz auf die Suche nach dem Betreiber machen …

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Zuletzt stellt sich Ada Textkrieg mit text krieg vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war @Anousch mit ihrem Blog Anousch. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier

Steglitz stellt Ada Blitzkrieg mit „text krieg“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute lernen wir Ada Textkrieg aka @bangpowwww on Twitter kennen, die text krieg pflegt. Dass sie hier zu Wort kommt, hat sich der Kopf gewünscht, der den Zeitspiegel macht.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Kreuzberg. Texthaudegen. Motiviert. Jung. Journalistin. Autorin. Bloggerin. Textkrieg. Popkultur. Dinge mit Tieren am Laufen haben. INTRO Magazin. In Bewegung.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Textkrieg ist in der Tat mein erstes eigenes Blog. Jahre davor, in einem Alter von etwa 16 Jahren, habe ich mich auch bei neon.de, jetzt.de und im lokalen Forum meines damaligen Wohnortes herumgetrieben und tiefnachdenkliche Texte oder Gedichte publiziert, die in erster Linie dazu dienten, Jungs klarzumachen oder umsonst in die Disko zu kommen. Irgendwann hat sich das geändert. Inzwischen publiziere ich unter Textkrieg und über Twitter meine Gedanken und nutze diese Plattformen nicht mehr zum Generieren von Geschlechtsverkehr oder Anerkennung, sondern als Megafon für meine Energien und Philosophien. Das Projekt Textkrieg dürfte jetzt zwei Jahre alt sein und ich bin immer noch verliebt wie am ersten Tag.

Deine Themenschwerpunkte …

DAS Thema des Blogs © Ada Blitzkrieg

Ich selbst bin der Themenschwerpunkt meines Blogs. Ich intensiviere und verschriftliche alle Gedanken, die einem jungen Menschen in einer Großstadt so überfallen. Dabei sind die Themen oft unterhaltsam (Kurzgeschichten), politisch (Barbara Scheel und der Rassismus), kulinarisch (Rezepte) oder einfach nur aus meinem Leben (Reisen, Konzerte, Pop, Literatur). Derzeit experimentiere ich viel mit SoundCloud und versuche, einige meiner Texte auch als Audiofassung anzubieten, um damit auch einer Lesergruppe Zugang zu den Inhalten meiner Texten zu verschaffen, denen das Lesen langer Texte nicht vertraut ist oder eben für blinde Menschen. Das Echo ist bisher sehr gut ausgefallen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich habe schon oft versucht für mich selber zu erkennen und zu verstehen, warum ich ein Buch bedingungslos liebe oder es bereits nach den ersten Seiten wieder beiseitelege. Ich bin nicht themengebunden. Die Art und die Leidenschaft der Erzählung ist es, die mich bindet.

Ich liebe Christian Kracht – auch nach Jahren. „Imperium“. Wow! Gut, er ist etwas ausgelutscht durch das Feuilleton und er wirkt menschlich unglaublich kalt, aber die Leidenschaft in seinen Büchern ist der Motor meiner Aufmerksamkeit. Sybille Berg legt eine ähnliche Leidenschaft ans Tageslicht und ihr neuer Roman „Vielen Dank für das Leben“ wirkt ehrlich und bewegt mich sehr. Ich kann schwer sagen was mich besonders im Literaturbetrieb rumtreibt. Viele meiner Freunde sind Autoren und veröffentlichen derzeit Stoff und ich liebe ihre Bücher. Linus Volkmann schrieb kürzlich „Kein Schlaf bis Langenselbold“ und hat mir damit ein paar schöne Stunden geschenkt.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich verweise über Twitter und Facebook auf den neuen Beitrag.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das kommt ganz darauf an was man mit seinen Inhalten überhaupt möchte. Wer ist man? Was möchte man? Wen möchte man erreichen? Wie möchte man sich darstellen? Ich scheine recht intuitiv die richtigen Themen und die richtigen Worte zu finden. Ich würde es als sehr schlimm empfinden mich eines Tages wegen „Was sollten Blogger sein lassen“-Regularien entfremdet von meinem eigenen Blog zu erkennen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Je größer die Reichweite des Blogs, desto mehr Menschen glauben zu spüren, dass sie ein Anrecht auf die Inhalte haben. Es wird Lob und Kritik verübt, die den Urheber dann auf den unterschiedlichsten Kanälen erreicht. Das ist schön und eine große Chance solange die Kritik sachlich und beitragsspezifisch stattfindet und nicht persönlich und verletzend daherkommt.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Wenn ich den Computer abends ausschalte und mich trotzdem auf den nächsten Tag freuen kann.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

So was würden Verlage machen?

Wie hältst du es mit dem eBook?

Meine Hände haben genau die richtige Größe für mein Kindle. Ich reise viel und bin viel in der Stadt unterwegs. eBooks und ich funktionieren gut zusammen.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Unbedingt das Blog von Mischa-Sarim Vérollet anschauen. Cartoons und allerlei hübscher Tand aus dem Leben eines sympathischen Autors. Herms Farm passt für mich in keine Kategorie und bekommt daher eine eigene Zuordnung: In der Kategorie Hermsfarm empfehle ich also das Blog von Herms Farm. Ich mag classless Kulla und über Horst, Hund und Brodt hängen Rauchschwaden.

Außerdem möchte ich uneingeschränkt GIRLS CAN BLOG von Annina Luzie Schmid über Frauen im Netz empfehlen. Im Interview würde ich mir gerne eine inspirierende Frau wünschen: @Anousch mit ihrem Blog Anousch.

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Zuletzt stellte sich Lothar Struck alias  Gregor Keuschnig mit Begleitschreiben vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war der Der Buecherblogger. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier

„Blitzlicht haben wir genug im Literaturbetrieb.“ Engagiert und couragiert – die Verlegerin Lisette Buchholz

Nachrichten aus der Buchbranche, die mir zur Freude gereichen, sind selten geworden. Heute Nachmittag kam eine: Lisette Buchholz, die ihren persona Verlag seit nahezu 30 Jahren pflegt, wird ausgezeichnet! Und zwar für „ihre begeisterte Entdeckerlust mit höchsten Ansprüchen an Qualität und einem bewundernswerten Durchhaltevermögen“ abermals mit dem baden-württembergischen „Landespreis für literarisch ambitionierte kleinere Verlage“.

Gegründet hat Lisette den Mannheimer Verlag am 1. November 1983. Erstling im Verlagsprogramm war der Exilroman „Manja“ von Anna Gmeyner (1938 bei Querido in Amsterdam erschienen). Die Publikation hatte der legendäre Fritz Landshoff der Jung-Verlegerin persönlich ans Herz gelegt. Zu Ausgrabungen und Entdeckungen aus der Zeit des Exils kamen im Laufe der Jahre verwandte Titel und Sujets.

Kontinuierlich erschien in Mannheim alljährlich ein kleines, feines Programm mit Buchpreziosen für anspruchsvolle Liebhaber und Kenner. In Juni letzten Jahres allerdings erhielt ich einen Brief, in dem Lisette den Freunden ihres Verlages erläuterte, warum sie 2011 erstmals seit 28 Jahren auf eine Neuerscheinung verzichtet. – Die heutige Auszeichnung veranlasst mich, an die bemerkenswerten Zeilen zu erinnern, in denen Lisette streng mit einem Literaturbetrieb und Buchmarkt ins Gericht geht, der sich auf Mainstream und Spektakel fokussiert:

Die Erde würde ohne uns Menschen auch ganz gut laufen, meinte der scharfzüngige Wolfgang Neuss. Und manchmal denke ich, das gilt auch für den Literaturbetrieb, der Literatur eigentlich gar nicht braucht. Die Puzzleteilchen der Branche lassen sich gewinnbringend zu immer neuen Mustern zusammensetzen, ohne dass wirklich Neues nötig wäre. Festivals, Preiskarusselle, Interviews, Hit- und Hotlisten, Talkshows, Starfotos von Schriftstellern und Schriftstellerinnen, die sich für Hochglanzmagazine eignen, mit den passenden Homestorys – das reicht, um den Betrieb am Laufen zu halten.

Nachdenken? Nachsinnen? Einen Schritt beiseitetreten? Das Feld räumen? Aufräumen? Von wegen. Das Leben, zumal das literarische, ist eine Achterbahn.

Jeden Donnerstag, wenn ich das Börsenblatt aus dem Kasten ziehe, weiß ich schon, welche Gefühle mich erregen werden, wenn ich es durchblättere. Ist das noch meine Branche? Habe ich einen Verlag gegründet, um dabei mitzutun? Ich sehe meine Autorinnen und Autoren vor mir – sie eignen sich zu alledem nicht. Diejenigen, die nicht mehr leben, schon gar nicht. Zu ernsthaft, zu selbstständig, zu wenig marktgerecht, waren bzw. sind sie nie an den richtigen Orten, um einschlägige Kontakte zu knüpfen. Alle Voraussetzungen für den Beruf des Adabeis fehlen ihnen. Manche leben im Ausland und sind in Deutschland schwer unterzubringen.

Lisette Buchholz mit ihrem Erstling „Manja“ © persona verlag

Die aggressive Vermarktung von Literatur mag über den Atlantik zu uns herübergeschwappt sein. Schon Vicky Baum wusste davon ein Lied zu singen. Trotzdem liebe ich die Literaturkritiker der New York Times. Man erfährt tatsächlich etwas über die besprochenen Bücher und deren Verfasser und relativ wenig über die Scribenten der Rezension. Hierzulande überwuchert die Kritik oft die Produktion. Und so erfreulich die Existenz zahlreicher Literaturpreise und -stipendien ist, zeitigen sie so etwas wie eine Förderliteratur, deren gemeinsames Merkmal …  nun, lassen wir das.

Ich werde den Verdacht nicht los, dass der blutige Aderlass von 1933 Gräben hinterließ, die immer noch spürbar sind. Ermordung und Vertreibung töteten auch eine Tradition kritisch gepflegter Sprache. Die Exilliteratur ist die letzte Tranche der deutschsprachigen Klassik. Stellen Sie sich Walter Benjamin oder Georg Hermann auf einem der heute üblichen Mega-Events vor. Sie würden nicht anreisen, glaube ich, obwohl Heinrich Mann es zu seinen schönsten Vorlese-Erlebnissen zählte, in einem großen Berliner Kaufhaus während der Geschäftszeit aufzutreten. Immerhin gibt es auch bei toten Autoren jener Epoche unverhoffte, durchaus erfolgreiche Wiederbelebungsversuche. Der Impuls dazu geht oft von einem anderen Land aus, so geschehen bei „Alone in Berlin“ von Fallada.

Es ist nicht nur die Qualität der heute gepushten, übermorgen vergessenen Bestseller, die mich vor den Kopf schlägt, sondern auch die schiere Quantität. Würden sich alle Verlage auf drei Titel im Jahr beschränken, könnten wie diese Produktion zur Kenntnis nehmen. Aber so? Muss es denn so viel sein? Verdauen wir Kaviar und Sahne in Kiloportionen? Oder nur dünne Suppen und Pommes?

Mein verlegerisches Über-Ich quält mich mit Vorwürfen. Tatsache ist, dass ich in diesem Jahr keinen neuen Titel verlege. Es gibt eine Produktionspause. Nicht nur Geldsorgen haben diesen Entschluss befördert. Ich habe keinen Titel gefunden, bei dem es gekribbelt hätte. Und kribbeln muss es. Wenn schon keine Aussichten bestehen, mit einer Neuerscheinung, einer übersetzten zumal, in absehbarer Zeit schwarze Zahlen zu erreichen, muss es wenigstens ein Buch sein, für das mein Herz schlägt. Apropos Lizenzen: Auch dieser Markt wuchert. Es grenzt an Wahnsinn, was manche Agenturen verlangen. Aber wenn man bedenkt, dass bei marktkonformen Titeln lukrative Zweit- und Drittvermarktungen winken, sind diese Preise leider gerechtfertigt. TV-Filme, Serien, Kinofilme, Unterlizenzen aller Art sowie das ganze Merchandising: Benjamins Deutsche Menschen als Plüschgestalten, Jettchen Gebert als Anziehpuppe oder virtuelle Person im interaktiven Spiel.

Die Zunahme von Graphic Novels deutet darauf hin, dass eine gewisse Übersättigung am allzu Bunten eingetreten ist. Gothic- und Fantasytitel dagegen verlangen knallige Cover und die entsprechende Werbung. Auch die Vorschauen werden immer opulenter und erinnern an Lifestyle-Werbeprospekte. Seit Jahren haben wir uns an die Heerscharen von Manga-Kostümierten auf den Buchmessen gewöhnt. Ein urliterarisches Erlebnis. Laut Statistik ist allerdings der Marktanteil dessen, was wir Literatur nennen, am Buchverkauf verschwindend gering. Überhaupt Messen: Warum dürfen wir nicht verkaufen? Angesichts einer Buchhändlerin, die mir allen Ernstes erklärt, wenn sie einen Titel bei amazon nicht findet, sei der nicht lieferbar? VLB – ein Fremdwort. Auf die Idee, beim Verlag nachzufragen, ist sie nicht gekommen. Dazu fällt mir nichts mehr ein. Da hilft nur noch schottischer Whisky.

Die Backlist war früher der Kronschatz der Verlage, unser Rückgrat. Heute bricht sie uns in Form der Lagerkosten das Genick, denn so gut wie niemand möchte ein altes Buch bestellen. Alt, das bedeutet: keine Neuerscheinung. Neu heißt: ein bis drei Monate alt. Auch in den Feuilletons gilt ein Titel als alt, wenn er in der vorangegangenen Saison erschienen ist. Erst gab es leider keinen Platz, ihn vorzustellen, dann ist er zu alt. Was der Buchhandel liebt, heißt „Schnelldreher“. Heute rein, morgen raus. Die Beziehung zwischen Kunst und Kommerz gehört zu den unerforschlichsten. Ich grüble viel darüber nach und komme zu keinem Ende. Die übliche Paartherapie greift hier nicht.

Ob das E-Book uns glücklich macht? Ich hege starke Bedenken, was passiert, wenn mir der Kindle in die Badewanne fällt. Oder sich beim Schmökern im Bett der Akku entleert. Da bleibt dann nur die Meditation über den leeren Bildschirm. Non-Books sind ohnehin der Renner!

Georg Hermann unterschied zwischen Büchern, die uns etwas geben, und solchen, die nur interessieren. Wann hast Du zuletzt ein Buch gelesen, dass Dir etwas gab? Du kannst es mehrfach lesen, Du wirst immer neue Seiten an ihm entdecken. War es bloß interessant, wirst Du es weiterverschenken oder ihm einen Platz auf einer Parkbank zuweisen.

Ich mache jetzt einen Spaziergang und denke über rätselhafte Gedichtzeilen von Josef Brodski nach. Sie beschäftigen mich übrigens schon eine ganze Weile. Man kann sie wie eine Murmel hin- und herwenden und immer leuchten sie bisschen anders. Mehr Leuchten wär schön. Licht, zumal Blitzlicht, haben wir ja genug im Literaturbetrieb.

Der Brief vom Juni 2011 © Lisette Buchholz, persona verlag

Steglitz stellt Gregor Keuschnig mit „Begleitschreiben“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts erläutert habe.

Heute stellt sich Lothar Struck alias Gregor Keuschnig vor, der Begleitschreiben seit 2006 betreibt. Der Vorschlag, dass er in der losen Interviewreihe Rede und Antwort stehen möge, kam von Benjamin Stein, der das literaische Weblog Turmsegler seit 2006 pflegt. Stein, der mit den Romanen „Das Alphabet des Juda Liva“ (1995), „Die Leinwand“ (2010) und „Replay“ (2012) reüssierte, hält das Begleitschreiben für „eine sehr wichtige, vom Mainstream-Feuilleton unabhängige Plattform für fundierte Literaturkritik“, mit der sich der Betreiber „nicht nur Freunde gemacht haben“ dürfte.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Geboren 1959 in Mönchengladbach, in Düsseldorf lebend; im Brotberuf im Büro sitzend.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich schreibe im Internet seit 2005, anfangs in einem inzwischen nicht mehr existierenden Forum. Seit 2006 gibt es den Blog Begleitschreiben und ich schreibe seit einigen Jahren bei Glanz & Elend.

Deine Themenschwerpunkte …

Zeitgenössische Literatur, Politisches und auch Medienkritik.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Durch mein Schreiben bei „Glanz & Elend“ bin ich ein bisschen mit den literarischen Aktualitäten befasst. Ansonsten steht der Literaturbetrieb den Onlinemedien bis auf Ausnahmen immer noch sehr skeptisch gegenüber. Man zitiert eher die griffige Formulierung im Feuilleton der „Kieler Nachrichten“ als aus einem Onlinetext.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Twitter und/oder Facebook. Manchmal wird ein Beitrag im Perlentaucher-Medienticker, seltener im Bildblog bei „6 vor 9“ verlinkt.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

1. Sensationalismus. – Hierunter leidet dann das gesamte Ansehen auch seriöser Blogger. 2. Sich selbst zum Nabel der Welt erklären. – Zwei der größten Fehler der Online-Aktivisten. Man vergisst leicht: Selbst 4000 oder 6000 Klicks auf einen Beitrag bedeuten nur die Zuschauerzahl eines Fußball-Drittligaspiels. Andererseits: Wie hätte man früher eine solche Reichweite erzielt?

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Zunächst einmal gibt es technische Hürden. Ich war viel zu lange aus Bequemlichkeit beim Anbieter twoday. Im Frühjahr 2011 hat Ralph Stenzel das alles auf eine eigene Seite gebracht und alle Beiträge nebst Kommentare herübergebeamt. Eine große Arbeit. Er wartet meinen Blog auch.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

so kennt man ihn bei Twitter © Lothar Struck

Verschiedene. Nicht unbedingt schön, aber interessant: Auf einen Beitrag über eine falsche Statistikeinblendung in der tagesschau meldete sich einige Wochen später der zuständige Redakteur. In einem Telefonat meinte er dann, warum ich nicht die Redaktion angeschrieben habe. Er empfand meinen Beitrag irgendwie als „shitstorm“, auch wenn er das nicht direkt ansprach.

Schönes: Einige Diskussionen auf dem Blog, die mich weitergebracht haben. Inzwischen werde ich auch insbesondere von der österreichischen Germanistik wahrgenommen. Malte Herwig hatte meinen Blog in seiner Handke-Biographie erwähnt. Und wenn jemand wie Benjamin Stein bei SteglitzMind aussagt, „Begleitschreiben“ sei eine „sehr wichtige“ Plattform, dann ist das schon toll.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich bekomme selten unaufgefordert Leseexemplare zugeschickt. Daher kann ich sie auch zumindest beginnen zu lesen. Häufig erhalte ich Bücher über „Glanz & Elend“ – Herr Debes beweist da zuweilen ein sehr gutes Händchen. Manchmal fordere ich sie auch direkt an. Dabei gibt es Verlage, die lieber die üblichen Feuilletonredaktionen mit unaufgeforderten Exemplaren zupflastern, die dann dort verrotten, statt einen seriösen Leseexemplar-Wunsch zu bearbeiten. Im Übrigen gilt: Wer glaubt, mich mit einem Rezensionsexemplar zu einer wohlwollenden Besprechung „überreden“ zu können, ist schief gewickelt.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe einen Amazon-Kindle. Da sind Klassiker drauf und Texte aus dem Netz; auch Zeitungsartikel oder eigene Texte, die ich transformiert habe. Erspart viel Papierkram. Einige Verlage schicken auch lieber Fahnen statt Bücher. Ich habe zwar keine Probleme mit dem E-Book-Lesen, bevorzuge jedoch immer noch das konventionelle Buch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Einige meiner Empfehlungen hast du hier bereits vorgestellt: Bonaventura und Turmsegler zum Beispiel. Unbedingt sollte man sich mit Alban Nikolai Herbsts Die Dschungel. Anderswelt mindestens einmal befasst haben, auch wenn das nicht ganz in die Kategorisierung „Bücherblogs“ passt. Das ist ja eher ein fiktionales Geflecht, das er dort ausbreitet. Herbsts Urteile über aktuelle Bücher und Autoren sind oft sehr luzide. Er hat neulich einen Hörspiel-Essay über Krausser gebracht, der ausgezeichnet war.

Auch nicht direkt in die Rubrik, aber unbedingt erwähnenswert ist Der Umblätterer – DAS deutschsprachige Online-Feuilleton überhaupt. Empfehlenswert ist Der Buecherblogger. Zwar stimme ich mit dessen Urteilen fast nie überein, aber die Mühe, die er sich macht, ist enorm. Seine Erfahrungen würden mich in deiner Gesprächsreihe besonders interessieren. Und der Jost Renner … Aber der hat ja seinen Rezensionsblog schon lange abgeschafft. Leider.

Herzlichen Dank und Glück auf mit deiner aktuellen Handke-Studie „Der mit seinem Jugoslawien„, die just bei Ille & Riemer erschienen ist. Schön finde ich, dass du hier auch Jost Renner erwähnst. Sehr bedauerlich ist, dass er sein ambitioniertes Rezensionsblog nicht mehr pflegt. Wohl ist Josts Lyrik, nachzulesen bei LiebesEnden, auch eine Empfehlung wert.

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Zuletzt stellte sich Manuela Hofstätter mit lesefieber.ch vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin der Lesewelle. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier.

Steglitz stellt Manuela Hofstätter mit „lesefieber.ch“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir heute einiges von und über Manuela Hofstätter und ihr Blog lesefieber.ch erfahren, schlug Dieter Wunderlich vor, der seine Webseite Dieter Wunderlich: Buchtipps und Filmtipps seit zehn Jahren pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Lesefiebrige Buchhändlerin mit Leib und Seele. Chaotische und wilde, naturverbundene Mutter. Mensch voller Ideen mit einer Bande von wilden Kerlen, welche dies unterstützen und tatkräftig mithelfen, allen voran mein Mann.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ja, meine Idee war das ja ursprünglich gar nicht, aber wie heißt es so schön: einem geschenkten Gaul… Nein, im Ernst, heute liebe ich es in dieser Form Lesefieber verbreiten zu können, ich kann mir kaum noch vorstellen, wie das Leben wäre ohne lesefieber.ch. Es gibt inzwischen auch Leute, die mich Frau Lesefieber nennen, das finde ich schön. Lesefieber.ch existiert seit 2005 und basiert seit drei Jahren auf WordPress. Vorher fristete es ein Dasein als einfaches Forum.

Deine Themenschwerpunkte …

Aktuelle Belletristik, querbeet durch alle Genres. Möglichst nahe am Erscheinungstermin ein Buch vorzustellen, das ist mein persönliches Ziel.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Bei uns in der Schweiz ist der feste Buchpreis Vergangenheit, dies beschäftigt mich und es stellt eine reelle Gefahr dar für kleine Buchhandlungen, in einer solchen bin auch ich angestellt. Angst macht mir auch, dass unsere Verlagsvielfalt zurückgeht, Schweizer Autoren immer mehr zu ausländischen Verlagen abwandern und immer öfter der Verlag an sich infrage gestellt oder gar umgangen wird.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Über Social Media, allen voran Twitter. Bei der Arbeit in der Buchhandlung, durch meine Lesefieber On Tour Events.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Manuela Hofstätter © Thomas Wüthrich

Sich beeinflussen, oder gar kaufen zu lassen. Deshalb gibt es auch keine Werbung, Sponsoren oder alles andere was in diese Kategorie gehört im Blog. Gewinnspiele und Freitagsfüller im Blog sind mir genauso ein Gräuel wie blinkende Buttons und Pop-ups!

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Man muss bereit sein, viel Zeit zu investieren. Nicht nur in das Lesen an sich, sondern auch danach in das Verfassen der Rezensionen, die Pflege des Blogs mit allem, was dazugehört. Eine anständige Portion Durchhaltewillen und Disziplin kann auch nicht schaden.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Wenn ich ein Buch bespreche und kurz darauf Leute mir berichten, wie sie das auch gelesen haben, oder man mir herzlich Dankeschön sagt für einen Buchtipp. Oder wenn sich dann einer meiner absoluten Lieblingsautoren bei mir meldet und dann bei einer meiner Veranstaltungen im Publikum sitzt.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Nach dem Lustprinzip, was mich anspricht, das darf man mir gerne zusenden. Als Buchhändlerin ist dies ohnehin normal. Rezensionsexemplare, oder wie ich sie lieber nenne Arbeitsexemplare zu erhalten, kein Verlag bindet daran eine Forderung.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Mein Buchhändlerinnenherz blutet, in der Schweiz hat der Buchhandel zu diesem Thema einen viel zu langen Winterschlaf gehalten. Als Privatperson muss ich sagen, ja, ab und zu ein E-Book lesen, es geht, aber ich liebe es dennoch mehr, das Papier in meinen Händen zu fühlen, seinen Geruch, die Tätigkeit des Blätterns hat etwas Sinnliches. Ich muss meine Bücher sehen, sie sollen meinen Lebensraum aus- und auch überfüllen.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich wusste ja schon lange, dass meine Nachbarin sehr belesen ist und in puncto Literatur wirklich was drauf hat. Aber dass sie seit anderthalb Jahren auch bloggt, das habe ich erst kürzlich im Anschluss an eine Episode in unserem Mietshaus erfahren. Ihre sehr lesenswerten Rezensionen finden sich bei der Lesewelle. Ich würde mich freuen, wenn sie hier ebenfalls Rede und Antwort steht. Einen längeren Besuch ebenfalls wert sind Thriller Killer’s Blog, Buchjunkie von Grete_o_Grete und Lesenslust.

Danke Manu. Ein wirklich schönes Waschküchenerlebnis. Da freue ich mich auf den Austausch mit deiner Nachbarin, der Betreiberin von Lesewelle gleich doppelt!

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Zuletzt stellte sich die frankophile Durchleserin vor, die Durchleser’s Blog seit drei Jahren pflegt. Ihr Wunsch-Interviewpartner war der Betreiber von Biblionomicon. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier.

Es geht die Mär: Die Zukunft des Buches sei elektronisch …

Nun muss ich meinem Unmut doch Luft machen. Ich kann es nicht mehr hören. Das, was ich in den letzten Jahren immer öfter und während der weltgrößten Büchershow in den vergangenen Tagen aber- und abermals zu hören bekam: Nämlich, dass die Zukunft des Buches elektronisch sei.

So ein Quatsch! Das Buch ist ein Trägermedium. Und zwar für Inhalte oder neudeutsch: für Content. Diesbezüglich stellt sich ja auch keiner mehr hin, um (je nach Standpunkt) mit Verve oder mit Wehmut zu erklären, dass deren Zukunft elektronisch sei. Ein Hinterwäldler, würden wir von ihm denken, einer der die Entwicklung komplett verschlafen hat … Haben wir uns nicht schon lange daran gewöhnt, dass die Digitalisierung in Alltag, Freizeit und Beruf fest Fuß fasste? Schließlich gehen wir seit Jahren selbstverständlich mit digitalisierten Inhalten um, sei es wenn wir Musik hören, fotografieren, uns mit Freunden und Bekannten in sozialen Netzwerken austauschen oder auf dem Rechner bzw. Smartphone Meldungen, Kommentare oder Informationen lesen.

Längst ist auch das elektronische Buch auf dem Vormarsch. Und die Buchbranche, die sich lange gegen die Entwicklungen gesträubt hat, stellt die Weichen ebenfalls neu. So mancher Verlag wagt sich auf Neuland. Sorgen muss uns auch nicht, welche Rolle die Frankfurter Buchmesse spielen wird, wenn es im großen Stil zukünftig das nicht mehr gibt, was bislang zwischen Buchdeckeln gehandelt wurde. Eine Messe für’s Non-Book? Das ist sie doch längst. Ein Think Tank für Überlegungen, wie sich Geschäfte mit dem machen lassen, was nach dem Buch kommt? Auch das wurde in Frankfurt viel diskutiert.

Fest steht jedenfalls: Nach all‘ dem Wehklagen, Lamentieren und Beharren darauf, dass keine Abkehr vom Buch stattfände, setzt sich nunmehr auch bei den Hinterwäldlern die Einsicht durch, dass die Tage für das gedruckte Buch gezählt sind. Das lässt sich beispielsweise auch eindrucksvoll an der Außenwahrnehmung ablesen, die das Frankfurter Buchspektakel heuer hatte. Sehr viel weniger Lobgesang auf Bücher, Autoren und die Buchkultur als noch in früheren Jahren, dafür umso mehr Abgesang! Wehmütig-polemisch etwa bei Sibylle Berg, martialisch bei Malte Herweg, der sich eine Guillotine besorgte, um sich seiner Bibliothek zu entledigen, oder bissig wie bei Robin Detje und seinem eBuch-Selbstversuch.

Und auf der Messe selbst? Auch dort standen die Folgen der Digitalisierung im Fokus. Ihre Berührungsängste haben Verlage inzwischen verloren. Angst macht nun nicht mehr das eBuch, sondern die Entwicklungen beim Self-Publishing, die Verlage kannibalisieren, wie Ina Fuchshuber von neobooks in Frankfurt meinte. Unverblümt sprach Messedirektor Boos in seiner Eröffnungsrede davon, dass wir es mit der größten Umbruchsphase seit Einführung der Druckerpresse, einem „Urknall im Publishing“ zu tun hätten. Fast könnte man meinen, dass sich die Buchbranche Mitte Oktober 2012 zu digitalen Ufern aufmacht. Ginge da nicht diese Mär, dass die Zukunft des Buches eine digitale sei …

auf der langen Bank … © Gesine von Prittwitz

Ich mag mir jedenfalls kein X mehr für ein U vormachen lassen. Digitaler Content ist keine Zukunftsmusik, sondern schon lange Realität! Insofern ist man gut beraten, sich diesem zuzuwenden. Auch diesbezüglich setzte Frankfurt, wenn wohl auch nicht als Trendscout, unmissverständliche Zeichen. Ob davon allerdings Zugkraft genug ausgeht, um die Versäumnisse der vergangenen Jahre wettzumachen? Die Buchbranche hatte ja nicht nur die Digitalisierung zu weiten Teilen verschlafen. Vielfach verlor sie auch einen Bezug zu Inhalten und Ehrfurcht vor jenen, die Inhalte schaffen. Statt auf die Qualität von Büchern zu achten, wurde auf Mainstream und Quantität, d.h. massenhaften Verkauf gesetzt. Lässt sich das wieder gutmachen? Mit einer Buch-Marketingkampagne des Börsenvereins, die „laut, überraschend, involvierend und aktivierend“ geplant ist, sicher nicht. Und mit lautschreierischen Aktionen, karnevalistischen Aufzügen, sensationellen Aufmachern und hippen Social Media Maßnahmen, derer Frankfurt auch voll war, ebenfalls nicht.

Steglitz stellt die Durchleserin mit „Durchleser’s Blog“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich die frankophile Durchleserin vor, die Durchleser’s Blog seit drei Jahren pflegt. Dass wir sie näher kennenlernen sollten, schlug Jarg vor, der Jargs Blog betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Der Durchleser ist weiblich: (geborene) Bayerin, Bloggerin, Buchhändlerin, Journalistin, Leserin, Marketingmanagerin, (gefühlte) Pariserin, Proustliebhaberin, Texterin – biblioman, designverrückt, frankophil und kunstbegeistert.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Seit über sieben Jahren blogge bzw. empfehle ich Literatur in verschiedenen Buch- und Literaturgruppen auf einer Internet-Business-Networking-Plattform. Vor fast drei Jahren entstand – durch den Wunsch einer gewissen Empfehlungsunabhängigkeit heraus – Durchleser’s Blog, der mit WordPress läuft. WordPress wurde mir von einem befreundeten und erfahrenen Mediendesigner empfohlen und ich habe es bis heute nicht bereut!

Deine Themenschwerpunkte …

Durchleser’s Themenschwerpunkte setzen sich aus den vier Kategorien „Durchgelesen“, „Durchgeblättert“, „Zitat“ und Gedicht“ zusammen. Die beiden Letzteren – man könnte sie auch als Nebenkategorien bezeichnen – bedürfen eigentlich keiner weiteren Erläuterung, wohl handelt es sich bei den ausgesuchten und somit gebloggten Zitaten bzw. Gedichten um einen rein persönlichen, subjektiven Geschmack.

Die zwei Hauptkategorien „Durchgelesen“ und „Durchgeblättert“ bieten eine Plattform für Bücher, die mich mehr als nur faszinieren, die mich zum leidenschaftlichen Lesen verführt haben und die andere Leser meiner Meinung nach unbedingt entdecken sollten. Das bedeutet, dass ich nur Bücher empfehle, die mich absolut überzeugen, somit keine Verrisse veröffentliche, sondern den Leser auf ein bibliophiles bzw. literarisches „Bijou“ aufmerksam machen möchte. Unter „Durchgelesen“ findet man hauptsächlich Romane deutsch- und französischsprachiger Autoren. Die Kategorie „Durchgeblättert“ bietet Bild-, Foto- und Kunstbände, Bücher über Bibliotheken und Buchhandlungen, Essaysammlungen und Graphic Novels.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

ein durchgelesenes Buch © Durchleserin

Es ist bemerkenswert und sehr spannend wie unterschiedlich doch der Literaturbetrieb bzw. die Buchbranche innerhalb Europas in verschiedenen Ländern funktioniert. Deshalb genieße ich es sehr, diese Unterschiede an den Beispielen von Deutschland und Frankreich immer wieder neu zu entdecken, zu bewerten und zu vergleichen. Gehe ich zum Bespiel in München in eine Buchhandlung und mein gewünschtes Buch ist nicht vorrätig, kann es in der Regel (bis auf wenige Ausnahmen) innerhalb von 24 Stunden bei einem Großhändler bestellt werden. Ich darf das Buch am nächsten Tag abholen. Diesen Service gibt es in Frankreich nicht, da das deutsche System Barsortiment in dieser Form dort nicht existiert.

Natürlich kann man auch in einer Pariser Buchhandlung ein Buch bestellen, das kann allerdings je nach Verlag zwischen vier und vierzehn Tagen dauern. Dadurch ist der Buchhändler hier in Frankreich stärker darauf bedacht, die wichtigsten Titel vorrätig zu haben. Eine Folge daraus ist, dass dem Leser in vielen französischen Buchhandlungen, auch wenn sie sehr klein sind, neben den aktuellen Neuerscheinungen eine Vielzahl von Backlisttiteln und Klassikern geboten wird, was wir so in Deutschland heute nur noch selten vorfinden. In Frankreich ist die Buchhandlung somit mehr Buchhandlung. Man wird dort nur in den seltensten Fällen von sogenannten Nonbooks abgelenkt. Und: Man trinkt seinen Espresso oder die Tasse Tee nicht zwischen Bücherregalen, sondern fast immer im Café nebenan.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Die Beiträge werden auf folgenden Internet-Plattformen „beworben“: Facebook, Google plus, paperblog, Twitter und Xing.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Nur dem Mainstream zu folgen und sich zu sehr von anderen Bloggern beeinflussen zu lassen. Grundsätzlich sollte man von jeglicher Art von Werbung absehen (vor allem die unermüdlich Blinkende innerhalb von Artikeln) und insbesondere für eine amerikanische Internetbuchhandlung. – Ernähren kann man sich davon trotzdem noch lange nicht! Dann doch lieber einen örtlichen Buchhändler durch Verlinkung seiner Website unterstützen!

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Es gibt keine wirklichen Hürden als Blogger. Man muss nur den Zeitmangel in punkto Lesen und Schreiben irgendwie mit den vielen anderen Lebensaufgaben in Einklang bringen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Die schönsten Erlebnisse sind direkte Autorenreaktionen auf eine Buchempfehlung, die dann sogar zu einem sehr bereichernden persönlichen Kontakt entwickeln können, und die Verlinkung des Blogs bei Verlagen und natürlich auch bei anderen Bloggern, aber besonders bei Autoren, auf deren persönlichen Websites und Wikipedia-Profilen, bei denen man dann beispielsweise in der Reihe zwischen L’Express, Le Point und Der Spiegel als einziger Blogger erwähnt wird.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Wer dem „Durchleser“ per Mail oder auch per Post ungewollt ein Leseexemplar anbietet, wird dieses Buch zu hundert Prozent sofort in der Ablage P wie Papierkorb wiederfinden. Viele empfohlene Bücher habe ich selbst gekauft oder sie befanden sich bereits vor der Empfehlung in meiner Privatbibliothek, wo noch Tausende andere schlummern. Hin und wieder bestelle ich ein sogenanntes Rezensionsexemplar, nehme mir aber trotzdem die Freiheit, dass ich darüber nichts schreibe, wenn mich das Buch nicht total begeistert und überzeugt.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Da ich sehr an technischem Schnickschnack interessiert bin und eine gewisse Apfelsorte besonders mag, ist für mich auch – natürlich neben dem ECHTBUCH – das E-Book eine grandiose Erfindung. Ich glaube, eine gewisse Offenheit gegenüber dem E-Book sollte heutzutage jeder Leser mitbringen. Es ist fantastisch und äußerst bequem sich eine Leseprobe direkt auf sein iPad, iPhone oder auf seinen E-Reader zu laden. Man kann etwas anlesen, ohne sich sofort für einen Kauf entscheiden zu müssen. Allerdings ziehe ich bei Gefallen letztendlich dann doch das ECHTBUCH vor, das ich vorzugsweise in einer realen Buchhandlung erwerbe. Ich halte vor Beginn der Lektüre erstmal meine Nase in das Papier, nehme einen tiefen Zug und tauche dann langsam in das neue Werk ein.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5)? Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächsreihe möglichst auch zu Wort kommen?

Viele der hier bereits im Interview vorgestellten Blogger gehören auch zu meinen Favoriten. Ich liebe unter anderem auch Blogs über Bücherregale, wie zum Beispiel Bookshelf Porn. Darüber hinaus verfolge ich natürlich auch sehr gerne Literatur- bzw. Buchblogs aus Frankreich wie Le Blog des Livres und La République des livres, das Blog von Pierre Assouline. Und bei den deutschsprachigen Blogs bin ich begeistert von Syn-ästhetisch und Der Umblätterer. Als Interview-Partner für diese grandiose Reihe würde ich sehr gerne den Betreiber des äußerst beeindruckenden Literaturblogs Biblionomicon vorschlagen.

Ganz herzlichen Dank, liebe Durchleserin. Auch für deine vergleichenden Betrachtungen zum deutsch-französischen Buchmarkt …

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Zuletzt stellte sich Kerstin Pistorius mit Atalantes Historien vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin von SchöneSeiten. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier.

Steglitz stellt Kerstin Pistorius mit „Atalantes Historien“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass sich heute Kerstin Pistorius mit Atalantes Historien vorstellt, schlug Flatter Satz in seinem Beitrag hier auf SteglitzMind vor, der das Blog aus.gelesen pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Historikerin, die auch Archäologie studiert hat, so erklärt sich auch der Name meines Blogs. Da ich gerne über Gelesenes diskutiere, pflege ich seit langem den Austausch auf Literaturseiten im Internet.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Zunächst war ich im Diskussionsforum von Buchticket sehr aktiv. Diese Tauschbörse wurde leider zunehmend kommerzieller und mutierte schließlich zu Tauschticket. Auch die Diskussionen litten darunter und wurden für mich uninteressant. Da zudem mehrere Threads gelöscht wurden, unter anderem ein gemeinsames Leseprojekt zu Anna Karenina, wollte ich mir einen eigenen Literaturort schaffen. Seit April 2010 blogge ich auf Atalantes Historien. Ich verwende WordPress auf einer eigenen Domain. – Ein nettes Forum habe ich ebenfalls wieder gefunden, auf der Seite Die Leselust von Daniela Brezing.

Deine Themenschwerpunkte?

Ich lese vorwiegend deutsche Gegenwartsliteratur meist nicht mehr ganz so junger Autoren. Damit die Distanz zwischen gelesener und gelebter Erfahrung nicht so auseinanderklafft. Daneben berichte ich über die Lektüren eines Literaturkreises. Die entsprechenden Beiträge sind meine subjektiven Eindrücke, sie geben also nur bedingt die stattgefundenen Gespräche wieder. Der dritte Schwerpunkt liegt bei Proust. Aus einem Leseprojekt ist der Wunsch entstanden, alle Bände der Recherche zu lesen. Die einstigen Mitleser sind zwar perdu, aber ich lese weiter. – Außerdem schreibe ich regelmäßig zu Literaturereignissen wie dem Bachmann-Wettbewerb, Literatursendungen oder Preisen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Kerstin Pistorius © Kerstin Pistorius

Kerstin Pistorius © Kerstin Pistorius

Die Marketing-Strategien der Buchbranche. Natürlich ist es mir bewusst, dass ich selbst daran teilnehme, wenn ich ein Rezensionsexemplar annehme, bei einer Aktion mitwirke oder eine Besprechung bei Amazon einstelle. Trotzdem wundere ich mich, wenn auf vielen bunten Seiten nicht viel mehr als Klappentexte abgetippt werden. Ob dies tatsächlich zum Erfolg führt?

Ebenso überrascht bin ich über Autoren, die in den sozialen Netzwerken nach potentiellen Jubelbloggern fischen. Verständlich mag es ja sein, aber auf mich wirkt es merkwürdig. Und wenn ich Literaturkritiken in den Feuilletons lese, frage ich mich manchmal, ob sie noch frei und unabhängig entstanden sind. – Vielleicht bin ich ein wenig misstrauisch geworden mit den Jahren?

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich twittere, schreibe im Forum von Die Leselust, vereinzelt poste ich Rezensionen bei Amazon, wenn mir ein Buch besonders gut gefällt und es dort noch keine oder nur negative Bewertungen gibt. Außerdem diskutiere ich gerne mit anderen Bloggern.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Zuviel Harmonie! Mir gefällt es, wenn ein Blogger seine eigene Meinung vertritt und auch kritische Gedanken zur Lektüre formuliert. Ich lese gerne mal einen schönen Verriss, wie er sich beispielsweise auf der Seite von Stephan Maus findet.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Bloggen mit WordPress bietet eine relativ einfache Technik, um ein Lesetagebuch zu führen und mit anderen in Kontakt zu treten. So wie Mara Giese und einige andere es hier bereits geschildert haben, stelle auch ich mir manchmal die Sinnfrage. Ich hoffe immer noch auf mehr Diskussionen. Kurioserweise gibt es Leser, die mir E-Mails zu den Beiträgen schreiben, aber nicht kommentieren wollen. Auch besteht mein Literaturkreis, über den ich auf der Seite berichte, eher aus Lesern denn aus Schreibern. – Umso mehr freue ich mich über die Kommentare, die trotzdem bei mir landen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Als ich mich in der Blogroll von Mara entdeckte und die Lesewelle mich mit einer ganzen Welle von Kommentaren überrollte, habe ich mich sehr gefreut. Ebenso als ich aufgrund einer Rezension vom Berlin Verlag das Angebot zur Auswahl von Leseexemplaren erhielt.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist bisher, abgesehen von dem oben geschilderten Fall, erst wenige Male geschehen. Wenn mich eine spezielle Neuerscheinung interessiert, schreibe ich die Verlage an, in den meisten Fällen erhalte ich ein Exemplar. Allerdings fühle ich mich dann weder zu Lobhudelei aufgerufen, noch empfinde ich, wie Flatter Satz es in dem Gespräch mit dir formulierte, besondere Beißlust.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Zweimal habe ich bisher ein Buch in dieser Form gelesen. Es ist sicher eine nützliche Sache für unterwegs, aber für mich entbehrlich. Ich lese lieber altmodisch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächsreihe möglichst auch zu Wort kommen?

Einige Blogs, die ich gerne besuche, haben sich hier in deiner Interviewreihe ja bereits vorgestellt: So Bonaventura,  Buzzaldrins Bücher und aus.gelesen. Ebenso gerne lese ich die kreativen Beiträge der Lesewelle, die Rezensionen und literarischen Informationen auf der Lesemond, die ungeschönten, herrlich klaren Meinungen bei Buchrezension sowie die amüsanten Beiträge auf walk-the-line s. – Und: Als nächste Interviewpartnerin möchte ich Catarina mit ihrem Blog SchöneSeiten vorschlagen.

Herzlichen Dank, Kerstin. Und zudem: Viel Erfolg und Vergnügen beim Projekt des Berlin Verlages „Gordimer Lesen“ Blogger lesen gemeinsam Nadine Gordimers „Keine Zeit wie diese“, das du gemeinsam mit sechs bibliophilen Bloggern ab heute angehst. Einige von ihnen haben wir hier ja bereits etwas näher kennen gelernt.

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Zuletzt stellte Dieter Wunderlich vor, der seine Webseite Dieter Wunderlich: Buchtipps und Filmtipps seit zehn Jahren pflegt. Seine Wunsch-Interviewpartnerin ist Manuela Hofstätter mit mit ihrem Blog lesefieber.ch. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier.