Steglitz stellt Harald Sack mit „Biblionomicon“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute erfahren wir mehr über Harald Sack, der Biblionomicon betreibt. Dass sich der Kopf vorstellt, der dahinter steht, hatte sich die Durchleserin gewünscht, die Durchleser’s Blog pflegt.

 Dein Steckbrief in Stichworten …

Informatiker, Wissenschaftler und Nerd der ersten Stunde, bibliophil (ok… wahrscheinlich eher biblioman), Teetrinker, Blog- und Buchautor, Vordenker (von Berufswegen) und Querdenker (aus Leidenschaft), Läufer, Genussmensch, aktuell in Potsdam, aber ursprünglich aus Franken (auch wenn man es nicht gleich hört).

Seit wann, warum und wo bloggst du?

der Kopf hinter Biblionomicon © Harald Sack

2005 begann ich mit meinem wissenschaftlichen Blog …more semantic!, in dem sich aber zusehends Buchrezensionen und literarische Beiträge sammelten. Seit 2007 gibt es daher das Biblionomicon zu den Themen Bücher, Rezensionen, Buchkritik und Büchergeschichte(n).

Das Bloggen begann ich 2005, da ich neue Wege und Möglichkeiten des wissenschaftlichen Publizierens ausloten wollte. Da ich schon immer viel gelesen habe und in meinem Umfeld nicht gerade viele Menschen meinen – manchmal etwas exzentrischen – Lesegeschmack teilen, schreibe ich seit 2007 Rezensionen zu allerlei Gelesenem. Daneben gibt es auch noch diverse Beiträge zur Mediengeschichte, in denen Interessantes und Unerhörtes aus meiner Recherchearbeit zu Vorlesungen und Büchern quasi als „Abfallprodukt“ weiterverwertet wird. Aus Bequemlichkeit nutze ich schon immer blogspot.com. Würde ich heute mit dem Bloggen anfangen, wäre ich wahrscheinlich (aus dem gleichen Grund) bei tumblr.

Deine Themenschwerpunkte …

Ganz einfach: Bücher, Rezensionen, Buchkritik und Büchergeschichte(n). Die Auswahl der Bücher ist meinem eigenen speziellen Geschmack geschuldet und sicherlich „nichts für jedermann“ (wie es schon im Steppenwolf heißt). Daneben gibt es auch immer wieder einmal Mediengeschichte.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das allgemeine Gejammer bzw. der ebenso bestehende Hype zum Thema eBook, dem damit verbundenen Niedergang des Abendlandes, des Druckgewerbes, der Literatur und der Kultur überhaupt, das geht mir ziemlich auf die Nerven. Warum müssen Bücher so teuer sein und warum haben die Autoren so wenig davon? Eskapismus schön und gut, aber warum muss man sich die aktuelle Vampirgrütze und Sachen wie Urban Fantasy antun? Warum hat Trivialpornografie zwischen zwei Buchdeckeln aktuell so viel Erfolg? Warum liest kaum jemand mehr Gedichte?

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Twitter, insbesondere mit Bezügen zur Literaturgeschichte, natürlich auch Facebook über meine eigene Seite bzw. über diverse Lese- und Literaturgruppen und google+. Als letztes habe ich blogzug ausprobiert, bin davon aber nicht gerade überzeugt, da 95% der dort vertretenen Buchblogs eher der „rosa Sorte“ zugerechnet werden können.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Kommt darauf an, ob ich persönlich das Blog gut finden soll, oder ob es den Massengeschmack treffen soll. Oft schließt sich das natürlich aus. Daher freue ich mich über all die Bücherblogs, die nicht dem Mainstream folgen und in denen man auch die eigenen Gedanken der Blogautoren finden kann.

Ich hasse blinkende und völlig überladene Blogs, in denen nichts als Werbung zu finden ist. Ich hasse ebenfalls alphabetisch geordnete Rezensionslisten, die nach dem Titel des Buches (100 Bücher, deren Titel mit „Der“ beginnt) bzw. nach dem Vornamen des Autors sortiert sind. Buchblogs sind Buchblogs, die sich mit Gelesenem und Dingen, die damit zu tun haben beschäftigen. Mich interessieren daher keine Ausflüge in die Mode- und Beautyindustrie. Auch sollte man es als Blogautor nicht mit der Selbstdarstellung übertreiben.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Hürden sehe ich keine, wenn man einmal vom nötigen Zeitaufwand absieht. Für eine Rezension benötige ich 1-2 Stunden volle Konzentration. Soviel muss ich erst einmal erübrigen können.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Die Anfrage einer Zeitung, ob sie einen meiner Artikel zur „Kulturgeschichte des Lesens“ abdrucken dürfte, war schon eine tolle Sache, da ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte. Ich finde es auch immer wieder toll, wenn ich einmal eine Rezension zu einem Buch, das ich selbst schon besprochen habe, in einem anderen Blog finde. Gibt mir die Rezension dann einen Denkanstoß, kommentiere und diskutiere ich auch gerne.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Naja, mein Eklektizismus in Sachen Buchgeschmack scheint bei den Verlagen nicht gefragt zu sein. Daher habe ich noch keine Rezensionsexemplare angeboten bekommen. Ehrlich gesagt, ich würde Rezensionsexemplare, die mich nicht interessieren auch zurückschicken bzw. weiterverschenken.

Im wissenschaftlichen Bereich ist das anders. Dort frage ich explizit nach Rezensionsexemplaren nach, die ich dann allerdings nicht für das Blog, sondern direkt für den jeweiligen Verlag nach dessen Vorgaben rezensiere. Da geht es dann meist um Fragen der fachlichen Genauigkeit, Vollständigkeit und der Darstellung des Stoffes.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Als Early Adopter habe ich schon vor einigen Jahren die ersten Erfahrungen in Sachen eBooks gemacht, die man im Biblionomicon nachlesen kann. Leider musste ich das Gerät damals wieder an unser Institut zurückgeben. Allerdings bin ich selbst bislang noch nicht in die Verlegenheit gekommen, mir einen eigenen eBook-Reader zu kaufen, auch wenn ich manchmal unter der Last der mitgeschleppten Seiten stöhne.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Natürlich sind bereits einige meiner Favoriten in dieser Interviewreihe erwähnt worden. Ich lese gerne im Bonaventura, lasse mich von aus.gelesen inspirieren oder von Boylevard. Darüber hinaus möchte ich noch Lebe lieber literarisch sowie Markus Trapps Text & Blog, das ich schon seit einer Ewigkeit lese, empfehlen.

Als Interviewvorschlag wünsche ich mir die beiden unermüdlichen und schwerproduktiven Urheberinnen von leselink.de.

Danke, Harald. Ich habe nachgelesen: Das war 2008 als du erstmals ein Lesegerät zur Hand hattest. Und dein „biblioman“, eine nette Neuschöpfung …

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Zuletzt stellte sich Gisbert Damaschke u.a. mit seinen Echtzeit-Blogs zum Schiller-Goethe-Briefwechsel und zu Eckermanns Gesprächen mit Goethe vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war der Betreiber von litteratur.ch, der sich doch bitte bei mir melden möge. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier

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8 Kommentare zu “Steglitz stellt Harald Sack mit „Biblionomicon“ vor

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  6. ich freue mich sehr über dieses bereichernde und spannende Interview! Tja und was die Ausflüge in die Modewelt und anderen nicht buchorientierten Schnickschnack auf sogenannten – zumindest nach dem Titel – Bücherblogs betrifft, habe ich auch so einige Schwierigkeiten, die eigentliche Intension, Bücher zu empfehlen, sichtbar zu erkennen. Deshalb ist es um so angenehmer, auf Blogs wie „Biblionomicon“ zu verweilen, die sich weder verzetteln, noch abweichen, sondern dafür wie der Schuster bei seinen „Leisten“ bleiben und wundervolle Bücher präsentieren…

  7. lieber harald, herzlichen dank für dieses schöne interview, bei dem ich an einigen passagen schmunzeln musste. wie recht du hast! (btw weil du harry anführst: ich warte noch auf deine vor langer zeit einmal angekündigte steppenwolf-rezi… oder habe ich da was versäumt?) …. und daß du dich von aus.gelesen inspirieren läßt, das – ich gebe es zu – freut mich tierisch…

    lg
    fs

  8. Pingback: Im Überblick: Bibliophile Blogger stellen sich vor | SteglitzMind

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