Lieber buchaffine Blogger, wie hältst du es mit Selbst-Verlegtem?

Statements zur Frage „Wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten“

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass sich die klassischen Medien und das traditionelle Feuilleton nicht auf Publikationen von Self-Publishern einlassen. Und da Self Publisher vielfach eine starke Affinität zum Netz haben, bleibt ihnen meist gar nichts anderes übrig, als ihr Buchmarketing auf eben diese Kanäle zu konzentrieren. Ein eigenes Blog nebst Homepage gehören inzwischen zum Standard, bisweilen sogar ein Youtube-Kanal. Da wird getwittert, gegoogeltplust oder gepinterestet. Autorenforen und Communities sind ebenfalls ein Mittel zum Zweck. Neben Rezensionen auf Amazon, für die gegebenfalls auch Freunde und der Bekanntenkreis herhalten müssen, rückt die buchaffine Bloggerszene ins Visier, von der man sich Reichweite und Unterstützung bei der Vermarktung erhofft.

Doch wie stehen buchaffine Blogger zu Publikationen von Selbstverlegern? Da ich das etwas genauer wissen wollte, habe ich einige von ihnen um ein kurzes Statement dazu gebeten.– Der Form halber sei angemerkt, dass die Aussagen von 15 bibliophilen Bloggern selbstverständlich nicht repräsentativ sind und Schlussfolgerungen jedweder Art entsprechend fernliegen.

Wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Das kommt gelegentlich vor. Bisher war jedoch noch nichts dabei, was mich angesprochen und zur weitergehenden Lektüre gereizt hat. – Klingt vielleicht ein bisschen arrogant, ist aber so. GregorKeuschnig, Begleitschreiben

Eine schwierige Frage. Wenn ich den Self Publisher persönlich kenne, ist es schwer, da ich befangen bin. Ich bin ein eher kritischer Leser und möchte eine mir bekannte Person nicht verletzen. Das könnte für mich zu einem Konflikt führen. Ich würde mir den Vorbehalt herausnehmen, keine Rezension zu schreiben, wenn ich mich dazu nicht in der Lage sehe (aus welchen Gründen auch immer). Diesen Vorbehalt hätte ich aber auch bei unbekannten Autoren. Ich hadere noch mit mir, wirkliche „Verrisse“ zu schreiben, dann schreibe ich lieber gar nichts. Auf der einen Seite steht viel Arbeit und Herzblut eines Autors dahinter, auf der anderen Seite hat er das auch an die Öffentlichkeit gebracht, müsste die Kritik also annehmen können. Schwer ist es doch meistens und ich habe die wirkliche Lösung noch nicht gefunden. Das fiel mir auf wissenschaftlicher Ebene leichter, irgendwie war damals das Werk näher als der Autor, ich merke da eine Verschiebung. Sandra Matteotti, Denkzeiten und Bücherwelten

Die Self Publisher sind diesbezüglich – verständlicherweise – wesentlich aktiver als klassische Verlage. Sprich: Mir werden öfter Bücher angeboten. Allerdings selten meinen Interessen entsprechend, weswegen ich meist ablehne. Das hat nichts mit der möglichen Qualität zu tun, mich interessieren bestimmte Genres einfach weniger als andere. Insgesamt suche ich mir am liebsten selbst meine Lektüre aus, da kommt schon genug zusammen. Und ich fühle mich freier, als wenn ich einen Stapel Bücher hätte, den ich eher lesen „muss“ als will. Petra Gust-Kazakos, Philea’s Blog

Ich gehe mit Titel von Self Publisher genauso um, wie mit Verlagen oder Agenturen, die mir Rezensionsexemplare anbieten. Es gibt für mich da keinen Unterschied! D.h. Wer dem „Durchleser“ per Mail oder auch per Post unverlangt ein Leseexemplar anbietet, wird sich zu hundert Prozent sofort in der Ablage P wie Papierkorb wiederfinden. Durchleserin, Durchleser’s Blog

Ignorieren. Christian Köllerer, Dr. Christian Köllerers Notizen

Es ist erst ein paar Mal passiert, dass ich Mails in meinem Posteingang vorgefunden habe, wo mir Self Publisher ihre Titel angeboten haben. Bis jetzt habe ich diese Angebote nicht angenommen. Nicht aus dem Grund, weil sie selbstverlegt sind, sondern weil mich die Titel oder auch der Inhalt nicht angesprochen haben. Meine Lesezeit ist begrenzt, so dass ich mir gerne ganz bewusst die Lektüre suche, die mich interessiert. Selfpublished Büchern stehe ich jedoch nicht grundsätzlich skeptisch gegenüber. Die Möglichkeit des Self Publishing wird auf lange Sicht sicherlich dazu führen, dass Texte und Autoren erfolgreich werden, die es sonst vielleicht nicht geschafft hätten. Ich glaube, dass das eine große Möglichkeit für viele Autoren sein kann, aber auch zu einem Problem werden kann, wenn Autoren und Autorinnen inflationär ihre Texte herausbringen können. Mara Giese, Buzzaldrins Bücher:

Wenn mich das Thema des Romans und die Leseprobe ansprechen würden, hätte ich nichts dagegen auch den Titel eines Self Publishers zu lesen. Kerstin Pistorius, Atalantes Historien

Rezensionswünsche lehne ich grundsätzlich ab, denn ich müsste alle zwei Tage ein ZUSÄTZLICHES Buch lesen, um allen Anfragen nachzukommen. Da spielt es keine Rolle, ob es sich um Bücher aus Verlagen, BoD oder eBooks im Selfpublishing handelt. Allerdings neige ich zu Skepsis gegenüber Büchern, die nicht die Verlagshürde genommen haben. Da entgehen mir gewiss Perlen, aber – Achtung Vorurteil! – noch weniger als bei den Verlagsprodukten. Dazu kommt, dass den Texten oft ein Lektorat fehlt und man deshalb über Stilblüten, Grammatik- und Orthografie-Fehler stolpert. – Allerdings werden auch einige Verlagslektorate immer nachlässiger. Dieter Wunderlich, Dieter Wunderlich: Buchtipps und Filmtipps

Ich arbeite ja in der Buchbranche, beobachte das Phänomen Self Publishing also aus beruflichem Interesse und sehe das Potential, das darin steckt. Daher müsste ich eigentlich sagen: Ich halte es mit selbstverlegten Büchern genauso wie mit den “traditionell” bzw. “professionell” verlegten, d.h. ich informiere mich umfassend über den Titel und entscheide dann, ob er in das Profil von SchöneSeiten passt. Doch die Wahrheit ist, dass ich auf ein solches Rezensionsangebot sehr skeptisch reagieren würde, um nicht zu sagen: Ich würde es vermutlich aus Prinzip ablehnen.

Wirklich begründen, warum ich so verfahren würde, begründen kann ich es nicht; es liegt wohl daran, dass es in meinem Kopf (noch!) eine Art Schranke gibt: Ich verbinde Self Publishing nicht mit Qualität und glaube nach wie vor an die Rolle der Verlage, sprich der Lektoren, der Hersteller, der Graphiker usw., denn wenn dem nicht so wäre, dann müsste ich dringend meinen Berufswunsch überdenken. Gleichzeitig bin ich mir aber sehr wohl darüber bewusst, dass auch die traditionellen Buchverlage schon längst keine Garantie mehr für Qualität sind. Ein Dilemma… Caterina, SchöneSeiten

Diesbezüglich kommen bei mir nur ganz seltene Angebote. Ich gehe damit ähnlich um wie mit allen anderen Angeboten: Falls das Buch mich interessiert, bitte ich nach Möglichkeit um ein eBook, weise allerdings darauf hin, dass ich mich nicht zur Rezension verpflichten mag. – Bislang habe ich auch kein Buch aus diesem Bereich besprochen, wenn ich mich recht erinnere. Marius Fränzel, Bonaventura

Wenn mir Selbstpublisher ihre Bücher anbieten würden, würde ich die genauso behandeln, wie jene von Großverlagen. Allerdings hat mir in all den Jahren nie ein Selbstpublisher ein Buch zur Besprechung geschickt. Ein Buch von einem Selbstpublisher würde mich besonders neugierig machen. Klausbernd Vollmar, kbvollmarblog

In der Regel stehe ich Selbstverlegtem, egal ob Print oder E-paper, was die Qualität betrifft, ziemlich skeptisch gegenüber. Das beträfe auch ein eigenes Werk. Allerdings ist der überwiegende Teil des Verlegten oft auch nicht besser und bloß marktgerecht herausgeputzt. Ich würde mich also nur damit befassen, wenn es mich vom Sprachniveau her anspricht und keinen allzu esoterischen Charakter hat. Sonst reagiere ich einfach nicht und eine dementsprechende Email landet als Werbung im elektronischen Papierkorb. Der Kopf hinter dem Buecherblogger 

Ich glaube, das ist mir noch nicht so oft untergekommen. Ab und an fragt ein Autor um eine Besprechung an, ob der jetzt aber nur „Werbung“ machen will oder Self Publisher ist, keine Ahnung, da ich meistens ablehne und mich nicht drum kümmere. Nicht aus Prinzip, aber ich habe so viel zu lesen, das reicht mir, da brauche ich nicht noch zusätzlichen Stoff. Ausnahmen mache ich allenfalls, wenn es ein Stoff ist der mich wirklich interessiert… Ist vielleicht ein-/zweimal vorgekommen bis jetzt.

In gewisser Weise stimme ich allerdings auch Caterina zu. Mag ein Vorurteil sein…. 😉 Bei einem Publikumsverlag gehe ich von einer gewissen Mindestqualität aus, weil da schon mal kritische Augen drüber gehuscht sind. Nichts finde ich ärgerlicher als einen Text, über den man sich ärgern muss, weil man über Ecken und Kanten stolpert.  Aber das mag, wie gesagt, ein Vorurteil sein, in beiden Richtungen… Flatter Satz, aus.gelesen

Ich habe einmal eine Anfrage erhalten, aber das Genre hat mir überhaupt nicht zugesagt und ich habe abgelehnt. Danach hat es noch einige unschöne Mails gegeben, weil ich mich vielleicht im Antwortschreiben falsch ausgedrückt habe. Das fand ich dann etwas weniger toll. Kurz und gut, gehe ich nicht anders mit einer Anfrage um, als von Verlagen. Das Thema müsste mich schon sehr interessieren, denn zu lesen habe ich wahrlich sonst noch genug. Buechermaniac, lesewelle

Da gilt die gleiche Antwort wie bei unverlangt angebotenen Rezensionsexemplaren oder Bitten um eine Besprechung: aus Prinzip würde ich ablehnen, da ich die Auswahl für meinen Blog selbst zusammenstelle und mich dabei neben den üblichen Quellen, aus denen ich meine Anregungen zur Lektüre oder zum Film- und Musikgenuss bekomme, auch auf Empfehlungen von Freunden, Bekannten oder Bloggern verlasse, auf deren Urteil ich vertrauen kann. Sofern ich jemanden persönlich gut kenne, der etwas geschrieben oder herausgegeben hat, mag das dann nochmal eine andere Sache sein: aber auch da würde ich nur rezensieren, wenn es mir gefällt und zu Jargsblog passt – oder aber schweigen. Jarg, Jargs Blog

Auch die 15 Blogger sind sich einig: Überzeugen müssen Self Publisher durch Qualität. Was es demnach dringend bräuchte, wäre eine Art Gütesiegel, das Lesern und Multiplikatoren hilft, Spreu vom Weizen zu trennen. Allerdings legen die Antworten auch nahe, dass hohe Qualitätsstandards nicht nur für die Publikation selbst gelten. Sie betreffen auch die Präsentation nach außen. Wofür freilich mehr als „nur“ ein zugkräftige Cover, ein gehaltvoller Klappentext und ggf. eine ansprechende Gestaltung der U4 (=Umschlagseite 4 beim gedruckten Buch) in die Waage fällt.

© M. v. Seydlitz

Was denn noch? Eine auf die Publikation exakt zugeschnittene Kommunikationsstrategie, deren einzelne Bausteine professionell erarbeitet sind. Die Statements führen nämlich deutlich vor Augen, dass man über Zielgruppen und potentielle Multiplikatoren möglichst genau Bescheid wissen sollte. Letzteres bedeutet wiederum, dass man sich im Vorfeld eingehend mit den Profilen und Interessengebieten von Blogger auseinandersetzt. Erst danach kann man überhaupt abwägen, ob und welche Blogs als Multiplikatoren in Frage kommen. Daran schließt sich eine weitere Hürde: Ein Rezensionsangebot in Form eines Anschreibens, aus dem deutlich hervorgeht, welche Alleinstellungsmerkmale, Besonderheiten und Qualitäten die Publikation hat und warum sie so gut zum Profil des Adressaten passt.

Dass der immense Aufwand kein Erfolgsgarant ist, sollte niemanden davon abhalten, sich die Mühe zu machen. Schließlich belegt das Stimmungsbild auch, dass Blogger Publikationen von Selbstverlegern zwar kritisch, aber nicht ablehnend gegenüber stehen.

Dieser Beitrag ist ein Nachtrag zur Gesprächsreihe mit bibliophilen Bloggern, wo die Fragestellung „Wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?“ bis zum 5. November nicht berücksichtigt wurde.

Zu weiteren 15 Stellungnahmen zu der Frage geht es hier

41 Kommentare zu “Lieber buchaffine Blogger, wie hältst du es mit Selbst-Verlegtem?

  1. Ich schreibe seit den 80-er Jahren Buchbesprechungen – und seit rund 10 Jahren für unsere Blogs. Mir ist das piepe, ob ein Buch von einem etablierten großen Verlag kommt, von einem kleinen Krauter oder selbst verlegt ist. Wenn das Thema in unser Beuteraster passt (in meins und das unserer Leser), wird es gelesen und vorgestellt.

    Ist das Buch wirklich ein reines Hobbyprojekt engagierter Laien, sehe ich auch mal großzügig über technische oder orthographische Unzulänglichkeiten hinweg. Wenn ich da hochnäsig wäre, wären mir eine Menge schräger und unterhaltsamer Nischenprodukte entgangen. Bin ich aber nicht. Es ist mein/unser Blog. Und da kann ich zum Glück schreiben, worüber ich will.

  2. Pingback: Die Gesellschaft bekommt jene Bücher, die sie verdient. – Ein Gastbeitrag zum Thema Self Publishing von Richard K. Breuer | SteglitzMind

  3. Pingback: „Mir kommt die Frage, ob ein Verlag mein Buch angenommen hätte, fast albern vor …“. Vorbehalte gegen Self Publishing | SteglitzMind

  4. Heute habe ich meinen ersten Roman bei Createspace als „Selfpublisher“ hochgeladen. Und bin nach wie vor begeistert von meinen Erfahrungen in den letzten Tagen oder gar Wochen. Vielleicht ist mein Weg nicht der „normale“ für einen Selbstverleger – ich habe viele Jahre Schreiberfahrungen als Drehbuchautor und auch eine ziemlich klar definierte Zielgruppe – aber mir kommt hier ein Aspekt doch deutlich zu kurz: Wenn man sich ewig in der Mühle von etablierten Monolithen befindet (in meinem Fall Sender …), ist es so befreiend und motivierend, sein Werk unabhängig, zügig und mit eigenem Risiko in die Welt zu setzen, dass mir die Frage, ob ein Verlag den Roman genommen hätte, fast albern vorkommt.

    Man muss dazu sagen, dass ich die Ausarbeitung meines Manuskripts und den ganzen Prozess des Veröffentlichens in meinem Blog, auf Twitter und Facebook begleitet habe. Wodurch nun eine kleine Gemeinde entstanden ist, die mich bei jedem Schritt nicht nur begleitet, sondern auch berät. Das ist für mich so gewinnbringend, dass ich mich frage, warum es nicht längst selbstverständlich ist, enger mit den Leuten zusammen zu arbeiten, die am Meisten von Büchern verstehen: Mit den Lesern!

    Klar muss man dann mit Kritik umgehen können, die Kunst des Filterns und auch mal die der freundlichen Gegenrede beherrschen. Aber dafür bekommt man einen reichen Schatz an Input und auch an konkreter Hilfe. Das ist für mich als Autor – bzw. als Kreativer generell – die Zukunft. Natürlich werde ich das Ganze noch einmal neu bewerten müssen, wenn ich weiß, wie sich das Buch verkauft und ob man damit auch Gewinne erzielen kann. Aber für mich ist jetzt schon klar, dass jeder, der sich diesem Weg ganz verschließt, etwas verpasst …

  5. Ich freue mich sehr, dass Richard K. Breuer, Matthias Matting und Peter J. Kraus hier auch Kommentare aus Sicht der autonomen Verleger einbringen.

    Mir scheint ein Hinweis angebracht. Die Frage „Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?“ ist Bestandteil einer Interviewreihe mit bibliophilen Bloggerinnen und Bloggern, deren 25. Folge morgen erscheint. Gefragt wird u.a. darin auch, wie die Gesprächspartner/innen damit umgehen, wenn (klassische) Verlage oder deren PR-Dienstleister ihnen Titel zur Rezension anbieten. Hierzu verhalten sich die Befragten in der Regel genauso wie sie bei Anfragen von Self Publishern verfahren.

    Die Befragten legen durchweg viel Wert darauf, ihre Lektüre selbst zu bestimmen. Deshalb nehmen sie von Rezensionsexemplaren häufig Abstand. Egal von wem.

    • Prima. Was ja meinem Kommentar die (unbeabsichtigte) Schärfe nimmt.

      Mir ist nur wichtig, festzustellen, dass Schablonen nicht immer zutreffen – jeder und jede hat andere Erfahrungen gemacht und daraus Konsequenzen gezogen. Wer Großverlage bevorzugt (und dazu gehörte ich nach einem Vierteljahrhundet im kalifornischen UKW-Rockradio als Programmgestalter/Moderator auch; geht halt nichts über major labels, wie man weiß), der schaut mit leichter Verachtung auf kleinere Verlage: wer bei einem kleinen Verlag gelandet ist, der sieht auf Selfpublishers herab. Der Selfpublisher hat nur Verachtung übrig für Menschen, die nur für die Schublade schreiben.

      Meint man. Ist aber nicht so. Manche sicher, aber die meisten von uns haben gelernt, zu differenzieren. Sonst könnten wir keine Bücher schreiben, die allesamt vom Leben handeln.

      Herzlichen Gruß, diesmal mit z,
      Peter

  6. Immer wieder taucht in der Diskussion die Annahme auf, dass „Selbstverleger“ Trauerklöße sind, die „keinen Verleger gefunden haben“. Dem möchte ich widersprechen.
    Meine ersten drei (Sach)bücher wurden 1996-1998 bei Chr, Links, Berlin, verlegt. Mein erster Krimi, „Geier“, kam 2003 bei Knaur, München, heraus. Zwei Lernkrimis, „Verdacht in Hollywood“ und „Kleinstadt in Angst“ wurden von Tosa, Wien, verlegt“, meine weiteren Bücher, „Joint Adventure“ und „Cattolini Erbt“, erschienen bei Conte, Saarbrücken.

    Ich war und bin mit allen Verlagen, mit denen ich die Ehre hatte, zufrieden. Links war großartig, bei Conte bleibe ich, weil wohlaufgehoben.

    Und doch habe ich zwei E-books als Selbstverleger bei Kindle herausgebracht. Ein drittes folgt im Januar, Nummer vier und fünf sind für Sommer und Weihnachten 2013 geplant.

    Warum? Weil beim Fremdverlegten Buch mindestens eineinhalb Jahre, bis zu zwei Jahren vergehen, bis ich Geld sehe. Manuskript hin, Annahme/Vertrag dauerte nie länger als ein paar Wochen (lich lebe in den USA, was meist einen recht langen Postweg bedeutet), dann rollen die Verlagsräder, Vertreter geben ihren Senf, Lektoren lektorieren, Grafiker tun ihr Ding, Erscheinungstermin wird zwischen allen Beteiligten festgelegt, Kataloge gedruckt, Buch in den Laden, und dann warten alle, was sich tut. Abgerechnet wird gemeinhin im März des auf die Erscheinung folgenden Jahres – und jedes Jahr wiederholt sich die Abrechnung.

    Wenn ich selbst für alles verantwortlich bin, schreibe ich wie immer – da ist kein Unterschied zwischen Verlag und SP – etwa drei bis vier Monate an den circa 300 Seiten. Korrektur, Lektorat, Cover, alles im Outsourcing. Sagen wir nochmal vier Wochen. Dann , fünf Monate nach Manuskriptbeginn, wird das Buch auf Kindle geladen und erscheint im Amazonangebot einen Tag später. Bezahlt wird jeweils zwei Monate nach Ende des Verkaufsmonats. Das heißt, ich kann acht Wochen nach dem Verkauf mein Verdientes ausgeben, habe dadurch einen sich monatlich wiederholenden Geldeingang, der mich in die Lage versetzt, nach Gusto über meine Zeit zu verfügen. Ich weiß täglich genau, was verkauft wurde, ich kann anhand von Lesermails und Amazon Rezensionen etwa absehen, was gefällt und was nicht und habe die Möglichkeit, mich danach zu richten — falls ich das will.

    Ebook selbst verlegen, Papier dem Verlag überlassen:ich glaube, dass sich das für mich lohnt. Mal sehen, ob das auf Dauer zu machen ist. Wenn nicht, habe ich ja einen Verlag. Und wenn der nicht will, suche ich (und finde!) einen anderen.

    Herlichen Gruss aus dem allmählich winterlich werdenden Hot Springs, Arkansas,
    Peter J. Kraus

    • klingt gut, mein geschätzter deutscher autor aus amerika und logisch, was du schreibst, ist aber glaube ich nicht der regelfall. (sprech ich jetzt wie der blinde von der farbe?) und repräsentativ. wenn ich mir anschaue, was mir als blogger hier zum teil zur besprechung angeboten wird, da liegen welten dazwischen zu deinen sachen. es gibt natürlich auch autoren, die ihr buch halbwegs durchdacht in den markt bringen wollen, mit fb-page, mit blog etc pp.. e-book-mäßig dürfte das einfacher sein, wenn ich dein modell so lese….

  7. Ich denke, die Reaktion der Blogger liegt zum Teil auch an der Fragestellung. „Self-Publisher“, das klingt wie ganz allein selbstgemacht. Wenn mir meine Kinder etwas selbst machen, freue ich mich. Ansonsten möchte ich ganz einfach ein professionelles Produkt. Und das kann es nicht geben, wenn der Autor alles selbst gemacht hat (Cover, Layout, Lektorat usw.). Also bezeichne ich mich selbst dann nicht als Self-Publisher, wenn ich ein Buch verlagsunabhängig herausbringe. Ich denke, ein Blogger kann ein professionell gemachtes Buch von Selbstgebasteltem unterscheiden, oft sogar schon daran, WIE er angesprochen wird. Ich habe auch bisher wirklich keine Ablehnung von Bloggern erlebt.

  8. Disclaimer: Hätte mich Gesine nicht eingeladen, einen Kommentar hier einzustellen, hätte ich es nicht gemacht. Anbiederungskommentare sollten Selbstverleger nämlich tunlichst vermeiden.

    Also, Lit-Blogger sind nicht auf Selbstverleger angewiesen. Es gibt Unmengen an Mainstream-Erzeugnissen, die darauf warten, besprochen zu werden. Somit ist die Frage zu stellen, was ein Lit-Blogger überhaupt gewinnen würde, falls er Selbstverlegtes rezensierte. Zwar könnte sich in der Flut an Publikationen eine Perle befinden, aber würde diese Perle auch in der Außenwahrnehmung eine Perle sein? Ich denke, dass viele Lit-Blogger darauf achten, ihre Reputation nicht zu gefährden. Wie leicht könnte ein Blogger verächtlich gemacht werden, falls er oder sie sich abseits des Mainstreams bewegt und wohlwollende Worte für ein selbstverlegtes Buch findet, das – so heißt es – von Verlagen abgelehnt wurde. Somit ist meine recht kontroversielle Vermutung, dass nur Lit-Blogger, die literarisch auf festen Füßen stehen und eine gehörige Portion Selbstvertrauen an den Tag legen, dass diese überhaupt bereit sind, Selbstverlegern einen Raum zu bieten.

    Ansonsten sei gesagt, dass ich ebenfalls eine gewisse Voreingenommenheit habe, wenn mir jemand „sein Buch“ unter die Nase hält (wobei ich jetzt anmerken sollte, dass mich Mainstream-Verlagsbücher so gut wie gar nicht mehr interessieren), aber gleichzeitig gilt festzuhalten, dass es der Traum eines aufgeklärten Bürgertums war, dass jeder Mann seine Gedanken frei von Zensur publizieren durfte. Die Flut an qualitativ mäßigen und zum Teil unkorrigierten „literarischen“ Texten sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Selbstverlag auch einen gesellschaftspolitischen Aspekt erfüllt. Gerade in diesen Zeiten müssen wir das Recht auf freie Meinungsäußerung in Sprache und Schrift hochhalten und dürfen diese nicht als selbstverständlich erachten.

    Ich werde vielleicht nächste Woche darüber gerne mehr schreiben, im Moment bin ich ein wenig ausgelaugt, weil ich auf dem Wiener Spielefest meinen kreativen Mann stehe 😉

  9. Pingback: Bibliophile Blogger und deren persönliche Blog-Preziosen im Überblick | SteglitzMind

  10. was, die frage will ich mal in den raum stellen, machen die selfpublisher eigentlich selbst, aus eigener initiative, um bekannt zu werden, ein publikum zu finden, ev. sogar käufer? haben die eine interessenvertretung, eine plattform oder ähnliches…

    ich habe bei mir nachgeschaut, ob und wenn, wen ich aus diesem sektor bei mir im regal stehen habe. das ist eigentlich nur r.k. breuer aus wien, der ganz wunderschöne bücher macht, graphisch aufgepeppt, lektoriert, auch vom inhalt her durchaus ansehnlich. der wirbelt natürlich auch auf allen kanälen herum, macht aktionen, um leser an sich zu binden etc .. viel, viel arbeit und initiative…. ein einzelkämpfer? ich weiß es nicht.

    haben sich denn, liebe gesine, bei dir schon mal selbstverleger gemeldet, jetzt vllt mit bezug auf deine aktivitäten und aktionen?

      • habe den guten richard heute mal auf diese diskussion aufmerksam gemacht, es wäre ja ziemlich interessant, die meinung von autoren zum thema zu hören bzw. gemachte erfahrungen…. wir kochen ja hier ziemlich im eigenen saft, bis auf petra ….

      • fein, sehr gut gemacht, Flattersatz! Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich Richard K. Breuer (und andere erfahrene „Self Publisher“ – ohjemine, mögen wir uns doch endlich, bitte sehr, von dieser Begrifflichkeit verabschieden …) hier einbringen. Sehr gerne auch in Form eines „Gastbeitrags“ …
        Und ich will zusehen, absehbar die Kommentare für einen weiterführenden/tiefer gehenden (?) Blogpost zum Thema „Lieber buchaffiner Blogger, wie hälst du es mit Selbst-Verlegtem“ zusammenzufassen.

    • Sie machen genau das, was sie als Verlagsautoren auch immer häufiger selbst erledigen müssen, weil Werbung und PR oft nur noch für Spitzentitel zu haben ist: Klassische Pressearbeit, Lesungen und Auftritte, Flyer und anderes Werbematerial, Klinkenputzen, Multiplikatoren ansprechen, Social-Media-Arbeit. Dabei kann man sich enweder wie bei Lektorat und Grafik einen Profi leisten, oder man beherrscht es mehr oder weniger selbst. Das ist auch eine Geld- und Könnensfrage. Woraus dann auch unterschiedliche Qualitäten der PR resultieren.

      Übrigens weiß ich nicht, ob ich bei diesem Beitrag und einigen Kommentaren heulen oder lachen soll. Ich selbst habe im Self Publishing ein gedrucktes Buch herausgebracht (das auch Buchhändler mögen) und mehrere E-Books. Gleichzeitig stehe ich unter Vertrag mit Verlagen wie Hanser und Suhrkamp-Insel. Zu einem Buch bei Insel bringe ich das E-Book selbst heraus. Ich habe bei meinem gedruckten SP-Projekt sogar jede Menge Hilfe aus Verlagen heraus bekommen und ein berühmter Kritiker hat es gegengelesen. Zumindest die Qualitätsverlage und Fachleute scheinen mir da aufgeschlossener zu sein als die Hobby-Rezensenten? Nie und nirgends bin ich auf so viele Vorbehalte gestoßen wie hier, auch nicht bei der Presse!

      Ich habe den Eindruck, dass viele, die nun wirklich vorurteilsbeladen Self Publishing von vornherein als Trash klassifizieren, sich einfach nicht wirklich auszukennen scheinen. Sonst hätte sich bereits herumgesprochen, wie viele „gestandene Verlagsautoren“ inzwischen im Self Publishing sind, dass Literaturagenturen inzwischen für bestimmte Projekte sogar SP empfehlen, weil mehr dabei herumkommt oder der Kontakt zum Zielpublikum beim Autor enger ist. (Habe ich das nicht schon mal irgendwo geschrieben?)

      Ja, klar, es gibt grausig schlecht gemachte Bücher, auch bei Verlagen. Aber ich habe in den letzten paar Monaten allein drei Self Publisher entdeckt, bei deren Talent ich mich frage, warum die noch kein Großverlag eingekauft hat. Die Antwort des größten Erzähltalents war verblüffend: Auf die Idee, sich groß zu bewerben, sei sie gar nicht erst gekommen – in der Zeit hätte sie ein ordentlich lektoriertes Buch herausgebracht. Solchen Leuten würde ich differenzierter denkende Rezensenten wünschen – die gehen allerdings auch nicht hausieren.

      • es mag sein (ganz sicher sogar), daß das fach „selfpublishing“ nicht mein fachgebiet ist, das habe ich glaube ich auch nicht gesagt. ich sehe es ganz pragmatisch als leser, also endverbraucher, nicht als talentscout oder literaturwisschenschaftler auf der suche nach neuen autoren: ich habe so viele bücher, die ich unbedingt noch lesen will, bei denen ich aber jetzt schon nicht dazu komme, so daß ich persönlich überhaupt keinen anreiz habe, in diesem segment „selbstverleger“ nach perlen zu suchen… „…in den letzten paar Monaten allein drei Self Publisher entdeckt,..“ das ist mir einfach auch zu wenig…

        daß die selbstverleger auch aktiv werbung, pressearbeit etc machen, weiß ich wohl, ich habe ja selbst einen mail-ordner: rezi-anfragen… ich meinte mit meiner frage eigentlich eher: sind die untereinander vernetzt, gibt es plattformen, auf denen man einen überblick bekommen kann, was es für projekte, bücher etc gibt…

      • Flattersatz, sorry, dann habe ich deine Frage völlig falsch verstanden, ich habe auch vieles hier vielleicht noch einmal aufgrund anderer Kommentare erklärt.
        Ich kenne eher Gruppen, wo man sich technisch und beratend hilft, aber sicher gibt es auch andere. Nur – bei der Arroganz, die einem gemeinhin als Self Publisher von manchen Seiten der Branche entgegenschlägt, ist es besser, sich gar nicht erst als solcher zu outen, sondern Bücher ganz „normal“ herzustellen und in den Umlauf zu bringen 😉 Aber keine Frage, Gruppen und Foren zum Thema „Ich bin stolz, SPler zu sein und preise hier meine Bücher an“, gibt es ganz sicher, vor allem bei FB. Was zu fehlen scheint, sind Feuilleton-Alternativen mit Durchschlagkraft, die wie im Ausland ein Buch nur nach seinen Inhalten und deren Qualität, nicht aber nach dessen Veröffentlichungsart beurteilen. Die New York Times geht da mit gutem Beispiel voran.

      • Apropos … „nur“ drei Talente in ein paar Monaten … in der gleichen Zeit entdeckte ich zwei Talente in Verlagsbüchern und eins als „Hybridautor“. Ich lese zwar viel, aber mich wirft ziemlich wenig wirklich um.

    • Lieber Flattersatz,
      ich bin dir bislang eine Antwort schuldig geblieben, da mich neben der Arbeit eine gewisse Liste in Beschlag nahm 😉

      Ja, es haben sich bereits Self Publisher bei mir gemeldet und es werden zunehmend mehr, die professionelle Unterstützung bei ihrer Buch-PR suchen. Ich verfahre dann so, wie ich es immer bei mir unbekannten Auftraggebern tue. Ich begutachte zunächst das Manuskript bezüglich seiner Qualität und befrage es dann hinsichtlich seiner Zielgruppen und Chancen auf eine mediale Resonanz. – D.h. ich setzte ich mich nur dann für Publikationen von Self Publishern ein, wenn ich mir aufgrund der Qualität gute Chancen ausrechne, dass sie einen Platz in den Medien finden könnten. Wobei ich mir durchaus bewusst bin, dass bei den klassischen Medien diesbezüglich (noch) extreme Berührungsängste herrschen. Den Traum, dass man hier groß Furore machen könnte, den raube ich Self Publishern bereits beim ersten Gespräch.

      Man mag es glauben oder nicht: Mir sind schon einige Publikationen von Self Publishern untergekommen, die höchsten Qualitätsanforderungen entsprechen: von Inhalt und Sprache bis hin zu Aufmachung und Haptik. Verschiedentlich denke ich sogar, dass eingeführte Verlage von Self Publishern lernen können. Auch (und nicht zuletzt) bezüglich meiner Profession, der Buch-PR. Self Publisher sind sehr viel eher bereit, unkonventionelle Wege mitzugehen. – Was sie ja auch müssen, weil ihnen die klassischen Wege weitestgehend versperrt sind.

      Kurzum: So die Qualität stimmt, sich gute (möglichst originelle) Ansatzpunkte für eine Erfolg versprechende Kommunikationstrategie finden lassen und der Auftraggeber ein gewisses Budget für Pressearbeit zur Verfügung hat, arbeite ich sehr gerne mit Self Publishern zusammen. – Und ich verrate hier auch, dass ich just mit viel Freude und Engagement einmal wieder dabei bin, gemeinsam mit dem Autoren einem selbst-publizierten Buch auf die Beine zu helfen, das in keiner Weise an „do-it-yourself“ denken lässt.

      • wenn du so ein haptisch ansprechendes büchlein, auch sonst mit stimmender qualität, hast, kannst du mich gern ansprechen… eine gewisse menge publikum kann ich ja über meinen blog quasi „zusagen“ und prinzipiell bin ich schon bereit, auch neues zu wagen, wenn die entsprechende „vorauswahl“ durch dich getroffen worden ist….

        auch auf deiner stufe (pr) könnte ich mir eine plattform vorstellen, in der (du bist ja sicher nicht die einzig mögliche ansprechstelle für selbstverleger) solche projekte öffentlich gemacht werden und nach test-/lesern heischen können….

    • Alles kann ein Selfpublisher gar nicht allein schaffen. Neben dem eigentlichen Schreiben und veröffentlichen des Buches, zählt auch noch das Marketing dazu, welches enorme Zeit verbraucht. Ob ein Verlag zur Unterstützung nicht doch besser wäre, kann ich nicht beurteilen. Ich bin aber begeisterter Leser und interessiere mich auch sehr für das ganze „Drumherum“. Eine sehr interessante Seite ist dazu meiner Meinung nach http://veroeffentlichen-heute.de . Dort wird alles rund um das Verlagswesen besprochen.

  11. Anfragen von Selfpublishern erhalte ich häufig, für mein Blog und für den Xing-Büchergruppe-Newsletter. Und ich habe bisher alle abgelehnt, weil ich schlicht und ergreifend weder Lust noch Zeit habe, die eine, eventuell vorhandene echte Perle in dem riesigen Haufen Talmi zu suchen. Zudem bin ich der festen Überzeugung, dass wirkliche Perlen über kurz oder lang von Verlagen gefunden werden. Ein einziges Mal habe ich ein im Selbstverlag erschienenes Buch besprochen. Da kannte ich den Autor, wusste, dass er schreiben kann, hatte das Buch in der Hand, das wirklich ansprechend gestaltet und sorgfältig lektoriert war. Und es wurde mir nicht angeboten, ich habe danach gefragt. Lustig hingegen finde ich, zu beobachten, wie „souverän“ manch selbstverlegter Autor mit negativer Kritik umgeht. Auch dies ein Grund, weiterhin derartige Anfragen abzulehnen.

  12. irgendwie tun mir die selfpublisher schon leid. sicher steckt da, wie gesagt wurde, viel arbeit und herzblut in den werken. aber ist das schon ein grund, sie zu lesen? aus welchem grund überhaupt sollte ich sie lesen? mein sub quillt über (und es sind nur bücher, die mich wirklich interessieren), ich habe jetzt angefangen, auf dem boden zu stapeln… aus welchem grund sollte ich da jetzt noch ein buch draufgeben, von dem ich kaum etwas weiß? das mag ungerecht sein, unfair, aber so ist es nun mal… die erfahrungen mit unbekannten autoren, die in (sehr) kleinen verlagen publiziert haben, sind auch nicht gerade ermutigend, da habe ich einiges un- oder nur angelesen im regal stehen, was keinen mut auf mehr macht….

    den gedanken, der oben geäußert wurde, hatte ich neulich auch: warum gibt es keine datenbank: „autor sucht rezensent“ mit leseprobe und näheren angaben? das könnte ein weg sein zu mehr resonanz…. ist doch im moment sowieso an anderer ecke der lit-blogosphäre das thema: vernetzung und verbesserte kommunikation.

    • Mir ist geläufig, dass sich bei Facebook bereits einige mit dem Anliegen „Autor sucht Rezensent“ zusammengeschlossen haben. – Ob dieser Weg Erfolg versprechend ist, vermag ich nicht einzuschätzen. Gewisse Zweifel (nebst einem deutlich vernehmbaren Bauchgrummen) habe ich diesbezüglich allerdings …

      • Es ist wie eine „Selbstbeweihräucherung“ nach dem Prinzip, wenn du mein Buch besprichst, bespreche ich deines.
        So wie: Ich teile dich, wenn du mich teilst….
        Ich verurteile es nicht, ich stelle nur fest und frage mich, ob damit ein Vorwärtskommen erreicht wird.

      • das problem ist eigentlich recht simpel: die selfpublishenden autoren wollen in einen markt hinein, der gesättigt bzw. übersättigt ist, und das auch noch, ohne einen schlagkräftigen apparat im hintergrund. wenn die „qualität“ stimmt (aber wie will ich das als käufer/leser beurteilen, wenn ich das buch ja gar nicht erst lesen will, weil….), ist da meiner meinung nach erst einmal so ziemlich jedes mittel, auf sich aufmerksam zu machen, erlaubt, denn drei der hauptkanäle haben sie ja nicht: verlage, die professionelle literaturkritik und die blogger, die sich ja – wie hier zu lesen – aus den verschiedenen gründen zurückhalten. also müssen sie sich irgendwie am eigenen schopf aus dem dunkel der unbekanntheit ziehen und zumindest erreichen zur kenntnis genommen zu werden und – wenn es gut läuft – neugier zu erwecken….

    • Zu deinem „schlagkräftigen Apparat“ in der Antwort weiter unten, in Sachen Werbung, die Verlage machen … der besteht z.B. bei Konzernverlagen außerhalb der Spitzentitel aus einer klitzekleinen Erwähnung von Autor, Titel und Anreißer in einem Gießkannenmailing für zig Autoren und maximal 30 Sekunden Vertretersprech. Schlagkräftig sieht anders aus 😉

  13. Vorsicht fast-zynischer Kommentar )

    Solange es keine blogaffine Bücher gibt, wird das nichts werden; und begriffen wird, dass Texte in welchem Genre auch immer, nicht unbedingt mehr “Bücher” werden, nie wurden.

    Die Trennung zwischen Schreibern/Lesern/Rezensenten wird immer mehr durchbrochen , und umgekehrt. “Buchaffine Blogger” als Fortsetzung des Feuilletons mit privaten Produktionsmitteln ist m.E. eine falsche Sichtweise.
    Das ist so…. old school, sorry…

    Und ach ja…. selfpublishing ist nicht mehr selbstverlegt in meinem Verständnis.

    Und wenn die Ablehnung von eBooks, scheinbar, nicht so hoch wäre, in der klassischen “buchaffinen” Blogsphäre, könnte man von einer Datenbank, einem Portal träumen, in das sich Autor eintragen kann: Wer mag meinen Text besprechen? Der Blogger fragen, wer schreibt gerade an? Und dann kommt der Text, die Geschichte als eBook zu dem der Lust darauf hat. Ein PR-Portal für beide Seiten…

    Aber das ist ja nicht klassisch… und die Frau Radisch gibt bestimmt nicht ihren Segen dazu.

    Das ist alles viel dynamischer als man es auf wordpress ahnt…..

    Was wirklich fehlt ist der Respekt vor Amateuren, auch im textlichen Bereich, wie bei den “Buchaffinen Bloggern” auch. Gegenseitig.

  14. „Du kannst ja schreiben, warum hast Du keinen richtigen Verlag?“
    Das bekam ich von einem Branchenprofi zu hören, nachdem er ‚Mein erster Selbstmord‘ gelesen hatte. Diesen Roman habe ich bei BoD selbstverlegt. Er ist lektoriert, ein Profi hat das Cover gestaltet, und ich habe viel Zeit, Kreativität, Humor und Schokolade in das Schreiben gesteckt.
    Worum es geht? Diagnose manisch-depressiv: Kinderbuchautorin Maxi Winter flucht, trinkt, verschleisst Männer und Kreditkarten, hört Stimmen und hat eine Schreibblockade. Sie beschliesst, sich umzubringen.
    Grant Buchanan, alternder Einbrecher, Hobbykoch und Gentleman, findet sie gerade noch rechtzeitig. Mit seiner Hilfe und einer ordentlichen Portion schwarzen Humors kämpft Maxi sich ins Leben zurück.
    Gemeinsam mit der Heldin übersteht der Leser u.a. die englische Küche, den Satyr vom Prenzlauer Berg, einen Besuch vom lebenden Skelett und eine Therapiestunde am Höllenschlund. Ein Roman für alle Fans z.B. von ‚Einer flog über das Kuckuksnest‘, oder ‚Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen‘.
    http://carolawolff.wordpress.com/meinersterselbstmord/
    Nach der x-ten Verlagsabsage habe ich das Buch selbst gemacht. Ich bin auf facebook und twiter aktiv, blogge, organisiere Lesungen und freue mich über immer mehr gute Rezensionen, z.B. auf amazon.
    Nur die Branche tut sich schwer. BoD ist ein Makel, nach wie vor, auch bei Literaturbloggern. Schade.
    Aber ich bin zuversichtlich. Qualität setzt sich durch.
    🙂

  15. Ich finde das Thema schwierig. Ich habe bisher 5 gedruckte Bücher über meine Arbeit in zwei Verlagen publiziert. Beide Verlage haben mich angesprochen.
    Selbstproduzierte Bücher habe ich nicht herausgebracht.

    Eine Dozentin von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, sagte mir, dass ich in meinem Portfolio nur alle Bücher aufnehmen kann, die über einen Verlag erschienen sind. Denn sie zeigen, dass andere in mich investieren und an mich glauben.

    Das Argument gefällt mir. Ist es nicht so, dass mit Geld jeder ein Buch herausbringen kann? Wie kann ich das Gute vom Schlechten selektieren?

    Ich muss gestehen, dass ich teilweise meine Entscheidung, was ich lese, vom Verlag abhängig mache. Neben meiner Arbeit als Zeichnerin habe ich wenig private Zeit (wie alle Selbständigen in allen anderen Berufen auch).

    So habe ich sehr gute Erfahrungen mit dem Diogenes Verlag gemacht und verlasse mich darauf, dass sie Autoren, die mir gefallen, aussuchen.

    Sicher, es passiert mir auch bei Büchern des Diogenes Verlag, dass mir das eine oder andere Buch nicht gefällt. Aber ich bin trotzdem ein treuer Leser der Bücher des Verlages.

    Ich kaufe mir auch selbstverlegte Bücher, meistens dann ebooks von Twittereren, die ich auf dieser Plattform kennen gelernt habe und die mir symphatisch sind.

  16. Vielleicht etwas präziser: Das, was mir bisher angeboten wurde, war für mich qualitativ nicht ansprechend. Das merkt man nach wenigen Seiten. Anderes war politisch allzu wirr (Weltverschwörungspalaver etwa). Das sind keine Vorurteile, sondern Erfahrungen.

    @Mareike Höckendorff: Es bleibt einem gar nichts übrig als den Großteil der neu erscheinenden Literatur zu „ignorieren“: Es geht ist schlichtweg unmöglich, alle Neuerscheinungen auch nur ansatzweise zu lesen bzw. zur Kenntnis zu nehmen. Das gilt sowohl für den „normalen“ Leser wie auch für den professionellen Kritiker. Und das hat mit Self-Publishing noch nicht einmal etwas zu tun.

  17. Ich bin sehr erstaunt über die doch überwiegend ablehnende Haltung der befragten Blogger. Ich bekomme öfter Mails mit Anfragen, ob mich ein Buch interessiert. Mal sind es kleine Verlage, mal Selbstpublisher. Ich entscheide wie bei jedem anderen Buch auch: spricht es mich an, klingt es interessant, habe ich gerade Zeit? Dann lasse ich es mir zuschicken. Finde ich beim Lesen viele Fehler oder fallen mir andere Mängel auf, dann merke ich das in der Rezension eben an. Übrigens sind auch viele Verlagsbücher nicht sorgfältig lektoriert, ich würde das also nicht von vorneherein zum Kriterium machen.

  18. „Da wird getwittert, gegoogeltplust oder gepinterestet. Autorenforen und Communities sind ebenfalls ein Mittel zum Zweck. Neben Rezensionen auf Amazon, für die gegebenfalls auch Freunde und der Bekanntenkreis herhalten müssen, rückt die buchaffine Bloggerszene ins Visier, von der man sich Reichweite und Unterstützung bei der Vermarktung erhofft.“

    (Gesine von Prittwitz)

    The show must go on ?
    Nimmt man die Anzahl der Neuerscheinungen auf dem traditionellen Buchmarkt,
    denkt darüber nach, was schon alles zuvor veröffentlicht worden ist,
    dann haben es Self-Publisher schwer, auch nur minutiös im Laufe der Bücherwelten
    aufzufallen, beachtet und geschätzt zu werden

    Lohnt sich der o.g. genannte Aufwand der, wenn er halbwegs engagiert
    betrieben wird, ein Zeit- und Nervenfresser par exellance ist?
    Das muss jede Autorin, jeder Autor für sich entscheiden.
    Auf den Coup zu hoffen, ist nach meiner Einschätzung der Lage
    eher fatal. Die Bedingungen für Veröffentlichungen sind zu schnell, zu unüberschaubar geworden, von den Kräfteverhältnissen ganz zu schweigen.

  19. Schade eigentlich daß es da soviele Vorurteile gibt, denn ich ich denke immer, es kommt darauf an was in dem Buch drin steht und nicht welcher Verlagsnamen, bei denen man auch schummeln kann, draufsteht und ich würde einen Litblogger auch für so intelligent halten, daß er die Qualität selbst beurteilen und keine Qualitätssiegel, das ist von Fischer das darfst du lesen, beispielsweise, braucht und die Gefahr, daß man auf diese Art und Weise einiges übersieht, besteht ja auch, ich jedenfalls bleibe neugierig

  20. Liebe Frau von Prittwitz,
    ich scheine mich hier von vielen buchaffinen Bloggern zu unterscheiden. Ich finde die Zunahme von Selfpublishing nicht nur eine interessante Entwicklung, sondern mag auch den persönlichen Kontakt zu den Autoren, der sich durch die bschriebenen Anfragen ergibt. Manche möchten natürlich nur eine positive Kritik haben, andere sehen aber auch die Notwendigkeit einer kritischen Beurteilung für ihre literarische Entwicklung. Ich muss sagen, dass ich bisher immer positiv auf solche Angebote reagiert habe und versprochen habe, mir Zeit zu nehmen, das Buch zu lesen. Auf einem meiner beiden Blogs habe ich zur Zeit auch gerade eine Artikelserie zur Rezension von Selfpublishern gestartet (petitsalon.tumblr.com).
    Ich bin davon überzeugt, dass man sich nur auf diese Weise ein Bild davon machen kann, was in dieser Art des Schreibens und des Veröffentlichens für Potential steckt und inwiefern der traditionelle Buchmarkt davon betroffen ist. Außerdem können Kritiker meiner Ansicht nach ihre Position als „Gatekeeper“ nicht halten bzw. nicht vor sich selbst und anderen rechtfertigen, wenn sie einen Großteil der neu erscheinenden Literatur aus Prinzip ignorieren. Wie sollten sie so jemals zu einem fairen Urteil kommen?!
    Liebe Grüße,
    Mareike Höckendorff

    hier gehts zu PetitSalons Literaturblog

  21. Wenn das Buch interessant erscheint und es in gedruckter Form vorliegt, würde ich es lesen und besprechen. Nur von E-Books lasse ich die Finger, egal ob selbst- oder fremdverlegt.

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