Steglitz stellt die Bücherliebhaberin mit „Glasperlenspiel13“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Die Empfehlung, dass wir die Bücherliebhaberin und ihr glasperlenspiel13 näher kennen lernen sollten, stammt von Buechermaniac, die lesewelle pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich nenne mich auf meinem Blog Bücherliebhaberin, bin 80er Jahrgang und komme gebürtig aus Leipzig. Momentan wohne ich in der Nähe – ich zitiere Caterina, die in ihrem Porträt hier gesagt hat: „vom mäßig attraktiven Frankfurt“. Habe ein geisteswissenschaftliches Studium hinter mir und bin beruflich in der PR Branche unterwegs. Einige Familienmitglieder verweigern sich mittlerweile mir Bücher zum Geburtstag zu schenken, da seit Jahren nichts anderes auf meinem Wunschzettel steht.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit März 2011 auf blogger.com Würde sehr gern wechseln, scheue mich aber vor dem Zeit- und Arbeitsaufwand, der damit verbunden ist. Zum Bloggen hat mich meine Schwangerschaft gebracht. Ich wusste, dass ich das erste Jahr mit Kind zu Hause bleiben werde und hatte ein wenig Horror davor überhaupt nicht mehr geistig gefordert zu sein. Ein Blog schien mir genau das Richtige, um meine Leseleidenschaft weiterzuführen, dem Windelwechsel-Alltag ein wenig zu entfliehen und meiner Liebe zu Strukturen, Listen und Tabellen gerecht zu werden. Viele befreundete Mütter meinten, dass ich die Zeit zum Lesen UND für den Blog nicht haben würde. Bis jetzt klappt es aber eigentlich ganz gut. Mein Sohn ist immerhin schon anderthalb.

Deine Themenschwerpunkte …

Bücherliebhaberin mit Lieblingsfigur aus der Literatur © glasperlenspiel13

Auf meinem Blog findet man zeitgenössische Literatur aber auch ältere Werke; viel aus spanischsprachigen Ländern und Osteuropa. Bei mir eher unterbesetzt: Literatur aus dem englischsprachigen Sprachraum und Krimis. Ich besuche relativ viele Lesungen und berichte natürlich auch über meine Eindrücke.

Vor einiger Zeit habe ich meine Freude an Specials entdeckt. Das bedeutet, dass ich eine Woche lang jeden Tag einen Beitrag zu einem ganz bestimmten Thema veröffentliche. Anfang des Jahres war es die Leipziger Buchmesse, kurz darauf eröffnete ich die Jüdische Woche und erst vor wenigen Wochen endete die Lateinamerikanische Woche. Das nächste Special steht bereits in den Startlöchern – zumindest gedanklich.

Ja und dann gibt es noch „en español“ und „en français“. Das bedeutet in regelmäßig unregelmäßigen Abständen erscheinen auf glasperlenspiel13 spanische und französische Artikel. So bleiben meine Fremdsprachenkenntnisse ein wenig in Schuss.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die Verdrängung der Inhabergeführten Buchläden. Und zum anderen: Das permanente Geschrei um das eBook. Das ist nun mal die Entwicklung. Wer nutzt denn heute noch Schallplatten für die Musikrezeption? Das bedeute aber nicht, dass ich selbst auch eBooks konsumiere – im Gegenteil.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Da triffst du einen wunden Punkt. Kurz nach dem Start meines Blogs habe ich eine Seite beim „blauen Netzwerk“ eingerichtet, um dann doch die Finger davon zu lassen. Monate später habe ich erneut einige Posts eingestellt. Langfristig werde ich wohl eher darauf verzichten. ABER: Sag niemals nie.

Viele Blogger beklagen, dass bei Ihnen zu wenig kommentiert wird und gehen dann den Weg über Twitter und andere. Auch bei mir kommen keine 20 Kommentare bei jedem Beitrag zustande. Natürlich freue ich mich über jeden Austausch aber ich habe in den letzten Monaten auch viele Rückmeldungen aus meinem persönlichen Umfeld erhalten. Sei es per Telefon, per Mail oder über direkten Kontakt. Das motiviert und spornt ebenso an.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Persönliche Angriffe auf andere Blogger. Werbung für amerikanische Versandhäuser mag ich persönlich überhaupt nicht. Aber letztendlich ist jeder Blog der individuelle Ausdruck einer einzelnen Person und da kann man schlecht was vorschreiben.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Am Anfang muss man sich einige Zeit nehmen, um sich mit der Nutzeroberfläche anzufreunden und danach benötigt man noch mehr Zeit, um seinen Blog zu pflegen. Nebenbei lese ich auch sehr gern andere Blogs, möchte auch da einen Kommentar hinterlassen, wenn angebracht. Das ist auf jeden Fall ein enormer Zeitaufwand, auf den ja in dieser Reihe auch schon andere Blogger hingewiesen haben.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

1) Als ich Javier Marías den Link zu meinem Beitrag über seine Lesung schickte, stelle er diesen kurzerhand auf seinen Blog. Eine Stunde später hatte ich halb Lateinamerika und Spanien bei mir zu Gast … 2) Die Einladung, hier Antworten geben zu können. 3) Andere Blogger persönlich kennenzulernen: Wie in dem Fall von Caterina.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich schau mir immer genau den Inhalt an, ob es mich interessieren könnte. Wenn nicht antworte ich höflich, dass es einfach nicht meinen Geschmack trifft. Hin und wieder frage ich auch mal einen Verlag nach einem Rezensionsexemplar. Meist aber nur kleinere Verlage, da die großen eh mit Anfragen überschwemmt werden.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ähnlich. Entweder es passt oder eben nicht.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Dazu kann ich nur sagen: Ich nenne mich Bücherliebhaberin und werde mich niemals in eBook-Liebhaberin umbenennen. Auf diesem Gebiet bleibe ich sicher altmodisch. Selbst das Argument ein E-Reader sei praktisch für Reisen überzeugt mich einfach nicht, da ich meine Wälzer auch in der Ferne in den Händen halten will. Dann pack ich lieber eine Hose wieder aus. – Selbst Hörbüchern stand ich jahrelang sehr skeptisch gegenüber. Und Taschenbücher kommen mir grundsätzlich nicht ins Haus. Du siehst altmodischer geht es wirklich nicht.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hier sind schon viele gute Empfehlungen zusammengekommen, die auch meinen Geschmack treffen. Zwei Blogs wurden noch nicht genannt, deshalb möchte ich an dieser Stelle auf diese hinweisen. Besonders beeindruckend finde ich die Impressionen auf Where books live…. Wo Bücher wohnen. Und wer sich besonders für Kinderbücher interessiert, sollte bei Papillionis liest vorbeischauen, auch wenn es da momentan etwas ruhiger zugeht. – Als nächste Gesprächspartnerin wünsche ich mir Ruth von Ruth liest. Mit ihr verbindet mich die gemeinsame Leidenschaft für die Leipziger Buchmesse.

Danke sehr. Auch dafür, dass du Ruth zum Gespräch bittest, ihr Blog wurde hier ja bereits verschiedentlich als Perle gehandelt.

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Zuletzt stellte sich @Anousch mit Anousch vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war der Betreiber von Kid37. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

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16 Kommentare zu “Steglitz stellt die Bücherliebhaberin mit „Glasperlenspiel13“ vor

  1. Pingback: ich sage danke und freue mich auf … | SteglitzMind

  2. Pingback: Steglitz stellt Ruth Justen mit „Ruth liest“ vor | SteglitzMind

  3. Pingback: Steglitz stellt Svenja mit „Syn-ästhetisch“ vor | SteglitzMind

  4. Vielen Dank für das wunderbare Interview, liebe Bücherliebhaberin. Den „altmodischen“ Bücherkonsum haben wir natürlich gemeinsam (abgesehen von meinen beruflichen Lektüren), und ich finde auch deine Gedanken zur digitalen Entwicklung und den Vergleich mit der Musikindustrie interessant. Richtig, das viele Geschreie nützt nichts, das eBook wird so oder so kommen, es geht einzig darum, für alle Beteiligten (Autoren, Verleger, Leser, Buchhändler usw.) das Beste daraus zu machen.

    Allerdings schreibst du: „Wer nutzt denn heute noch Schallplatten für die Musikrezeption?“ Gerade die Schallplatte ist interessanterweise wieder „in“, neben der CD gibt es nun immer auch das Vinyl (ich selbst bin zeitweise vom MP3- zum Plattenkonsum zurückgekehrt). Dieses Gefühl der Nostalgie, das du beschreibst, ist also recht weit verbreitet, und so wie es sich in der Musikindustrie durchsetzt, wird es sich meiner Meinung nach auch auf dem Buchmarkt durchsetzen: „Altmodische“ Leser wie du und ich werden sich die bibliophilen Ausgaben kaufen, weil es uns nicht nur um den Inhalt geht, sondern auch um die Verpackung, um die Haptik, den Geruch (was bei der Schallplatte der ganz besondere Klang ist). Und damit werden wir nicht alleine dastehen, es wird nach wie vor einen großen Markt dafür geben, das eBook wird nur eine Alternative sein für die, die Literatur anders konsumieren als wir.

    Aber in einem anderen Punkt gebe ich dir natürlich recht: dass es besonders schön ist, wenn man die Gesichter hinter den Blogs kennenlernt. Danke dir für die anregenden Gespräche, die wir hin und wieder im mäßig attraktiven Frankfurt führen! 🙂

    • Liebe caterina,

      immer wieder schön festzustellen, wie viele Schnittstellen wir haben.
      Ja das stimmt, die Schallplatte ist wieder IN aber eben nur bei Liebhabern und sehe ich es in einigen Jahrzehnten auch für das Buch. Dann fragen sich die Kinder unserer Kinder „Wer kauft denn heute noch ein gedrucktes Buch?“

      Ich freu mich auf das nächste Treffen im mäßig attraktiven Frankfurt 🙂

  5. liebe bücherliebhaberin, erst einmal einen herzlichen dank für das interview und die einsichten in deine motive, wie und was du blogst. und ein schlechtes gewissen hast du mir gemacht, meine tumblr mit den wohnenden büchern ist jetzt ein wenig zur ruhe gekommen.. aber vllt gibt mir deine erwähnung ja wieder etwas schwung… 😉 ganz, ganz lieben dank jedenfalls dafür und es freut mich, daß er dir so gut gefällt, daß du ihn hier erwähnst…

  6. Ja, die Nostalgie, dieses heimelige Gefühl einer vertrauten Welt,
    wo nicht der Funktionalismus im Vordergrund steht.
    Noch schneller, noch kleiner, noch mehr Apps zu verkonsumieren.
    1000 Bücher auf einem Reader.
    Und gerade in dieser Masse, geht viel verloren.
    Bei mir finden sich sogar Taschenbücher im Regal,
    weil ihre Thematiken mich berühren.
    Auch Taschenbücher kann man ehren! 🙂

    • Lieber cafegaenger,
      die Nostalgie beschränkt sich bei mir tatsächlich nur auf die Bücherwelt, denn Musik landet bei mir schon auf dem Computer.
      Bei den Taschenbücher gibt es natürlich auch Ausnahmen, denn einige Werke erscheinen ja leider nicht gebunden. Hinzu kommt, dass mich manch Freund immer noch nicht gut genug kennt und mir dann mal ein TB in die Hand drückt – selbstverständlich unterdrücke ich dann einen Kommentar.
      Letztendlich ehre ich jedes Buch 🙂

  7. Herzlichen Dank für dieses schöne Interview, dass ich gerne gelesen habe. 🙂 Die Tendenz dazu, altmodisch zu sein, kann ich nur zu gut nachempfinden, auch ich greife am liebsten auf das herkömmliche Buch zurück. Hörbücher haben mich noch nie gereizt und auch an das E-Book habe ich mich noch nicht rangewagt. Schön, wenn man mit diesen Verhaltensweisen nicht ganz so alleine ist.

  8. Das ist schön, dass sich die Bücherliebhaberin endlich auch vorstellen konnte. Ich mag ihr Blog sehr, denn sie trifft meinen Literaturgeschmack und immer wieder ergeben sich gute Diskussionen 🙂

  9. Pingback: Bibliophile Blogger und deren persönliche Blog-Preziosen im Überblick | SteglitzMind

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