Steglitz stellt Richard Norden mit „Writers Workshop“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute kommt Richard Norden zu Wort, der der Writers Workshop betreibt. Gewünscht hatte sich das Axel Hollmann, der ein gleichnamiges Schreibblog unterhält.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Geboren 1968. Abitur, Studium BWL und Wirtschaftsinformatik, heute Autor von Kurzgeschichten und Romanen aus den Bereichen Fantasy und Science-Fiction sowie Sachbüchern und Kursen rund ums kreative Schreiben. Außerdem gebe ich das WritersWorkshop E-Zine heraus, ein monatliches Magazin für Schriftsteller und Hobbyautoren.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

© Richard Norden

© Richard Norden

Ich habe 2007 auf Blogspot.com mein Autorenblog begonnen, um über die Arbeit an meinen Büchern zu berichten und Kontakte zu anderen Autoren aufzubauen. Das ursprüngliche Blog rückte 2009 mit der Gründung des WritersWorkshop E-Zines, in dem ich monatlich über diverse Themen rund ums kreative Schreiben berichte, etwas in den Hintergrund. Das Magazin (PDF-Format) kann man kostenlos über meine Webseite abonnieren. Fünf Ausgaben zum Reinschnuppern finden sich übrigens auch auf der aktuellen DVD-Beilage „KreativSuite 2013“ der CHIP 01/2013.

Mit meinem Autorenblog bin ich dieses Jahr auf ein selbstgehostetes WordPress-Blog umgestiegen. Blogspot war von den Features her lange Zeit für mich ausreichend, aber durch den Entschluss, meine Autorenhomepage und mein Autorenblog „unter einem Dach“ zu vereinen, führte kein Weg mehr an WordPress vorbei.

Aus heutiger Sicht hätte ich schon früher auf WordPress umsteigen sollen. Die Möglichkeiten hinsichtlich der Gestaltung und Administration des eigenen Blogs sind durch die zahlreichen nützlichen Plugins fast unbegrenzt. Gerade Erweiterungen wie der redaktionelle Kalender oder die automatische Twitter-Anbindung sind Gold wert.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich blogge über alles, was mit dem Schreiben und dem Veröffentlichen von Büchern zu tun hat – allerdings mit dem Schwerpunkt auf Planung, Organisation und Produktivität.

Das Gefühl für Sprache und Stil sowie die eigene ‚Autorenstimme‘ muss sich jeder Schriftsteller im Laufe der Zeit selbst erarbeiten, indem er viel und regelmäßig schreibt. Die handwerklichen Aspekte des Schreibens sind hingegen etwas, das man sehr gut über Bücher und Blogposts vermitteln kann.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Mich faszinieren der Vormarsch der eBooks und des Print-on-Demand-Sektors und die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die Verlagswelt. Heutzutage ist es jedem Autor möglich, seine Werke auch ohne einen klassischen Verlag und ohne finanzielles Risiko in Eigenregie zu veröffentlichen.

Manch‘ einer sieht diese Entwicklung kritisch …

Die gern geführte Diskussion, ob das nun eher Fluch oder Segen ist, möchte ich an dieser Stelle nicht vertiefen. Natürlich wird auf diesem Wege oft auch unausgegorener, schlecht geschriebener Schund auf den Markt geworfen, für den sich niemals ein Verlag gefunden hätte – aber durch die Interaktivität des Internets (also Leserrezensionen bei Online-Buchhändlern wie Amazon) trennt sich hier recht schnell die Spreu vom Weizen.

Wenn man den Buchmarkt beobachtet merkt man, dass mittlerweile immer mehr kompetente und professionelle Autoren die Verlage umgehen und ihre Bücher erfolgreich in Eigenregie herausbringen und vermarkten. Selbstverleger können mit ihren Büchern schneller auf Trends und neue Entwicklungen reagieren als große Verlage. Das ist ein wenig wie mit den flinken, beweglichen Säugetieren, die vor Jahrmillionen die schwerfälligen Saurier ablösten.

Und wie schätzt du die Zukunft der klassischen Verlage ein?

Dieser Trend wird meiner Meinung nach in den nächsten Jahren zu einem Umdenken in der Verlagswelt führen müssen. Heute sind Verlage längst nicht mehr die allmächtigen Türsteher, die darüber entscheiden können, wer veröffentlicht wird und wer nicht – und immer mehr Lesern ist es egal, ob der Name eines großen Verlags auf dem Buchrücken steht.

Dennoch glaube ich nicht, dass klassische Verlage vom Aussterben bedroht sind, wie manche Schwarzseher orakeln. Um jedoch mit der Flexibilität und den vergleichsweise höheren Tantiemen konkurrieren zu können, die Autoren z.B. in Amazons KDP-Programm oder zu CreateSpace locken, müssen klassische Verlage sich eher als Dienstleister positionieren, die Autoren durch professionelles Lektorat, Coverdesign und Unterstützung bei der Vermarktung ihrer Bücher ermöglichen, sich mehr auf ihre eigene Kernkompetenz – nämlich das Schreiben von Büchern – zu konzentrieren.

Ich glaube, dass in dieser Hinsicht die nächsten Jahre noch sehr interessant werden dürften.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich bin auf Twitter sehr aktiv und habe dort ein mittlerweile ein paar tausend Follower, die meine Schreibtipps lesen und teils ihrerseits retweeten. Was sich auch sehr bewährt ist, periodisch Links zu älteren, aber weiterhin aktuellen (Evergreen-)Blogposts zu twittern und diese Blogposts so erneut in den Fokus der Leser zu bringen.

Gelegentlich schreibe ich auch Gastposts für andere Autorenblogs, was ebenfalls zu Synergie-Effekten führt. Facebook ist für mich hingegen noch ziemliches Neuland, obwohl ich durchaus das Potential für Autoren und Blogger sehe. Aber das ist ein Thema, mit dem ich mich 2013 etwas intensiver beschäftigen möchte.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Als Blogger sollte man genau wissen, wer die Zielgruppe des eigenen Blogs ist und welche Themen diese Leser interessieren. Es ist gut, wenn man als Blogger vielseitig interessiert ist – aber im Blog selbst sollte man sich auf eine Zielgruppe und deren Interessen beschränken. Wer heute übers Schreiben, morgen über Nordic Walking und übermorgen über die neuesten Kinostarts bloggt, dürfte Probleme haben, sich eine feste Leserschaft aufzubauen.

Man sollte sich als Blogger auch sehr genau überlegen, ob bzw. wie weit man sein Privatleben in seine Blogposts einfließen lassen will. Solange die Anekdoten aus dem eigenen Privatleben etwas mit dem Thema des Blogs zu tun haben (oder man sie damit geschickt in Verbindung setzen kann), ist das schön und gut. Leser interessieren sich natürlich immer auch für die Person hinter dem Blog – aber wenn die Blogposts über private Dinge überhand nehmen und keinen Bezug mehr zum eigentlichen Thema des Blogs haben, verwässert man sein Blog und riskiert damit, seine Leser zu verlieren.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die größte Hürde ist der Balanceakt, einerseits regelmäßig zu bloggen und sich andererseits nicht zu wiederholen und damit langweilig zu werden. Wer zu selten neue Beiträge veröffentlicht, gerät rasch in Vergessenheit – aber wer 1-2 Blogposts pro Woche schreiben will, hat schon bald dasselbe Problem wie zahlreiche Zeitschriften – nämlich dass fast alle interessanten Themen schon einmal abgehandelt wurden. In diesem Falle bleibt nur, alte Themen aufzuwärmen, und dabei diesmal die Schwerpunkte anders zu setzen und das Thema von einer anderen Seite zu beleuchten.

Dieses Problem haben natürlich vor allem Blogger, die sich bemühen, überwiegend Evergreen-Posts zu schreiben, die auch in ein paar Monaten oder Jahren nicht viel von ihrer Aktualität verloren haben. Wer hingegen z.B. über Literatur-Neuerscheinungen berichtet, hat natürlich regelmäßig „frischen Stoff“, über den er berichten kann. Auf der anderen Seite kann man eine Buchrezension nicht so schnell aus dem Ärmel schütteln wie einen Blogpost über ein Thema, mit dem man sich ohnehin bereits intensiv beschäftigt hat. Bücher intensiv genug zu lesen, um sie angemessen rezensieren zu können, kostet nun mal Zeit.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Ich freue mich immer über Kommentare und Rückmeldungen zu meinen Blogposts und zu meinen Artikeln aus dem WritersWorkshop E-Zine. Auf diese Weise sind schon viele interessante Diskussionen und nette Freundschaften zustande gekommen.

Natürlich habe ich mich auch sehr gefreut, als die CHIP mein WritersWorkshop E-Zine auf ihrer DVD-Beilage „KreativSuite 2013“ gebracht hat. Sowas ist natürlich immer ein schönes Kompliment für die eigene Arbeit.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Der Fokus meines Blogs und des WritersWorkshop E-Zines liegen auf dem Schreiben von Büchern und Kurzgeschichten – daher stelle ich lediglich Schreibratgeber im weitesten Sinne vor – also alles, was sich ums Schreiben, Veröffentlichen und Vermarkten von Büchern dreht.

Rezensionsexemplare nehme ich durchaus an, behalte mir aber vor, ob ich letzten Endes tatsächlich eine Rezension in meinem Blog oder dem WritersWorkshop E-Zine veröffentliche. Wenn mir das Buch gefällt, schreibe ich gerne eine positive Rezension, aber ich lehne es ab, Verrisse zu schreiben. Wenn ich das Buch meinen Lesern nicht mit gutem Gewissen empfehlen kann, schreibe ich lieber gar nichts darüber. Das ist im Normalfall auch im Sinne des Autors bzw. Verlags.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich mache keinerlei Unterschiede zwischen den Büchern von Verlagen und denen selbstverlegender Autoren. Für mich zählt die Qualität eines Buchs und nicht, ob es über einen bekannten Publikums-Verlag, einen Print-on-Demand-Anbieter oder als Kindle-eBook veröffentlicht wurde.

Auch hier gilt: Ich veröffentliche nur dann eine Rezension, wenn ich das Buch meinen Lesern guten Gewissens empfehlen kann. Einen Verriss würde ich nur dann schreiben, wenn der Autor partout auf der Rezension seines Werks besteht.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Ich bin ein großer eBook-Fan und besitze mittlerweile ein halbes Dutzend unterschiedlicher Reader (davon allein drei unterschiedliche Kindle-Modelle). Seit der Erfindung der modernen eReader mit E-Ink-Display lese ich deutlich mehr eBooks als gedruckte Bücher. Da ich sehr häufig unterwegs bin, finde ich es sehr praktisch, jederzeit eine ganze Bibliothek in der Jackentasche dabei zu haben.

Auch in der Summe ist mein Buchkonsum durch eBooks nochmal deutlich gestiegen. In meinen Bücherregalen tummeln sich weit über tausend gedruckte Bücher, aber die hat man nun mal nicht immer dabei. Mit meinem Kindle habe ich hingegen jederzeit mehr als genug Lesestoff dabei.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da wären natürlich zunächst mal die äußerst lesenswerten Blogs der beiden Berliner Autoren Marcus Johanus und Axel Hollmann, die in dieser Gesprächsreihe ja schon zu Wort gekommen sind. Empfehlenswert sind auch die Blogs von Matthias Czarnetzki und Kerstin Brömers Literaturjournal – und natürlich (last, not least) das sehr abwechslungsreiche und informative schriftzeit-Blog von Stephan Waldscheidt, den ich als nächsten Interviewpartner vorschlagen möchte.

Danke sehr für diesen tiefen Einblick weit über deine Blogger-Werkstatt hinaus, Richard.

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Zuletzt stellte sich Ada Mitsou mit Ada Mitsou liest… vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin von vorgelesen. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Ada mit „Ada Mitsou liest“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Ins neue Jahr starten wir mit einem Beitrag von Ada, die Ada Mitsou liest… pflegt. Vorgeschlagen hatte das Simone Finkenwirth, die die Klappentexterin verantwortet.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich bin 30 Jahre alt und habe ein paar Semester Germanistik, Angewandte Sprachwissenschaft und Psychologie studiert, bevor ich letztlich in einer öffentlichen Bibliothek gelandet bin. Eigentlich wurde mir das bereits vor 15 Jahren im Zuge eines Berufstests empfohlen, doch es hat viel Zeit und einige Nebenjobs gedauert, bis ich endlich gemerkt habe, dass ich in dieser Branche richtig bin.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge bereits seit Ende 2007, allerdings ging es damals noch nicht um Bücher, sondern um meine eigenen Texte. Meine ersten Gehversuche hinsichtlich des Schreibens machte ich auf jetzt.de, wo ich damals auch die Klappentexterin kennen gelernt habe. Da die Resonanz auf das Geschriebene überwiegend positiv war, beschloss ich irgendwann meine Texte gebündelt im Internet zu veröffentlichen, da ich jedoch keine Ahnung davon hatte, wie man eine ansprechende Homepage erstellt, habe ich mich für einen kostenlosen Blog bei WordPress entschieden. Dabei bin ich seitdem geblieben.

Manchmal wünsche ich mir schon mehr Freiheiten hinsichtlich der Gestaltung, doch letztlich siegt die Bequemlichkeit und mit dem, was mir die kostenlose Version bietet, bin ich alles in allem sehr zufrieden.

Schreibst du noch eigene …

 © Ada Mitsou

© Ada Mitsou

Eigene Texte schreibe ich heute nicht mehr. Den Gedanken an einen selbstverfassten Roman habe ich zwar noch nicht aufgegeben, doch mir ist durchaus bewusst, dass u.a. sehr viel Arbeit und Geduld dahinter stecken. Für ersteres habe ich in meiner jetzigen Lebensphase nicht genug Zeit und in Geduld muss ich mich noch üben – ganz abgesehen davon, dass es in meinen Augen nicht nur handwerkliches Können, sondern auch Talent oder ein gewisses Gespür für die Zusammensetzung von Wörtern braucht, um als SchriftstellerIn erfolgreich zu sein. Ob ich das habe, kann ich selbst nicht gut beurteilen, was ich allerdings weiß, ist, dass mir das Schreiben als solches Spaß macht. Aus diesem Grund und weil ich schon immer gerne gelesen habe, habe ich mich Ende 2009 dazu entschlossen, einen Literaturblog zu führen. Aus heutiger Sicht war der Wechsel eine gute Entscheidung.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich bin nie mit dem Gedanken ans Bloggen gegangen, nur über ein bestimmtes Genre zu schreiben; in der Hinsicht bin ich ziemlich offen, auch wenn es literarische „Ecken“ gibt, die ich eher selten oder gar nicht betrete, z.B. Fantasy, Science Fiction oder ChickLit.

Trotzdem haben sich im Laufe der Zeit gewisse Themenschwerpunkte herauskristallisiert. So lese ich zum Beispiel sehr gerne Romane über den Zweiten Weltkrieg und dessen Auswirkungen auf die Entwicklung der Romanfiguren, aber auch Familiengeschichten, Mordfälle und Beziehungsgeschichten, solange letztere nicht zu kitschig sind. Ich habe einen Hang zum Melancholischen. Wenn eine Geschichte schön, aber gleichzeitig traurig ist, dann fühle ich mich berührt. Ich mag das Leichte genauso wie das Schwere. Und ich mag schwarzen, bissigen Humor.

Dem entgegen steht meine absolute Liebe zu Kinderbüchern. Kinderbücher sind für mich eine Herzensangelegenheit, denn obwohl ich im Umgang mit Kindern eher etwas zurückhaltend bin, wünsche ich mir, dass jedes Kind auf der Welt das Glück empfinden darf, das ich als Kind gefühlt habe, wenn mir meine Mama Geschichten vorlas. Dabei geht es mir nicht nur um die Inhalte der Bücher, die in meinen Augen keinen unwesentlichen Anteil dazu beitragen, die Welt, aber auch das Miteinander verstehen zu lernen, sondern auch um die Geborgenheit, die solche Lesestunden vermitteln.

Muße beim Lesen …

Zeit und Ruhe empfinde ich als sehr kostbar in der heutigen Zeit. Das bedeutet nicht, dass ich alles Technische oder Moderne verteufle, aber ich finde es einfach schön und wichtig, wenn man sich Zeit für den Nachwuchs nimmt und auch als Erwachsener nicht verlernt hat, sich über die kleinen Dinge des Lebens zu freuen.

Wenn ich beispielsweise ein Bilderbuch aufschlage, kann es schon mal passieren, dass ich ganz für mich allein in albernes Kichern verfalle oder über all die schönen Farben und Zeichnungen staune. Bilderbücher sind so einfach gehalten und doch mitunter die schönste und bewegendste Form von Büchern, die ich kenne.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die digitalen Medien. Eigentlich ist das Thema ja fast schon ein alter Hut, doch beruflich habe ich durch die Einführung der Onleihe aktuell vermehrt damit zu tun und muss mich dementsprechend damit auseinandersetzen. Es ist nicht so, dass ich E-Books grundsätzlich schlecht finde, doch hinsichtlich des Lesens bin ich einfach noch von der alten Schule. Ich bevorzuge ganz klar das gedruckte Buch (wie bis dato übrigens 90 % unserer Nutzer), weswegen ich mich an meinem Arbeitsplatz auch unglaublich wohl fühle. Doch die Bedeutung von digitalen Medien nimmt in meinem Umfeld kontinuierlich zu, wodurch ich mich herausgefordert fühle, mich umfassender damit zu beschäftigen.

Gerade heute habe ich noch zu jemandem gesagt, dass E-Books zwar nichts für mein Herz sind, aber für meinen Kopf, denn dort ist diesbezüglich noch eine Wissenslücke und die möchte ich gerne schließen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich nutze fast alle gängigen Möglichkeiten. So kann man mich zum Beispiel in diversen Blogverzeichnissen oder bei Twitter finden. Außerdem habe ich eine Seite bei Facebook eingerichtet und profitiere von der Vernetzung mit Autoren, Online-Buchhandlungen und anderen Literaturbloggern.

Die Bekanntheit ergibt sich allerdings erst im Laufe der Zeit. Man braucht in der Regel sehr viel Geduld, bis man sich einen festen Leserkreis aufgebaut hat und sollte bereit sein, nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Prinzipiell nichts. Ich bin der Meinung, dass jeder Blogger tun und lassen kann, was er möchte, solange er damit nicht bestimmte Rechte verletzt oder jemandem Schaden zufügt.

Im Umgang miteinander schätze ich allerdings Herzlichkeit und/oder ein natürliches Maß an Höflichkeit. In hitzigen Diskussionen empfehle ich, möglichst einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht alles zu persönlich zu nehmen. Außerdem bevorzuge ich Artikel mit Inhalt, also Qualität, statt Quantität, aber auch das kann letztlich jeder halten, wie er möchte, denn schließlich werde ich nicht dazu gezwungen, alles lesen zu müssen und solange es Leser gibt, denen das Geschriebene gefällt, ist die Nachfrage gegeben. Sollte es hingegen keine Leser oder ausschließlich unschöne Auseinandersetzungen geben, besteht immer noch die Möglichkeit, sein Konzept oder Verhalten noch einmal in Ruhe zu überdenken.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Für mich war die größte Hürde der Anspruch an mich selbst. Ich wollte jedes gelesene Buch rezensieren – was ich lange Zeit auch getan habe – und mindestens zwei Artikel pro Woche posten. Wenn ich das nicht geschafft habe, hatte ich ein schlechtes Gewissen, wodurch sich immer mehr Druck aufbaute: Bleiben mir meine Leser erhalten? Wie soll ich Arbeit, Lesen und Schreiben unter einen Hut kriegen? Und was mache ich, wenn ich einfach mal keine Lust aufs Bloggen habe?

Der Stapel der zu rezensierenden Bücher wurde immer größer und reichte meinem wachsenden Unbehagen die Hand. Letztlich war das für mich eine gute Übung, das Bloggen etwas gelassener zu sehen. Es bringt nichts, wenn ich viel schreibe, aber dafür nur halbherzig etwas herunterleiere. Und es bringt auch nichts, wenn ich mich dazu zwingen muss, ein Buch zur Hand zu nehmen, denn wenn das Lesen zur Pflicht wird, vergeht mir die Freude daran.

Mittlerweile kann ich ganz gut damit umgehen, was man auch anhand meines Archivs verfolgen kann. Veröffentlichte ich zu Beginn noch 20 bis 40 Artikel pro Monat, sind es heute nur noch um die vier, also einer pro Woche. Meine Leserschaft habe ich trotzdem behalten und manchmal kann es auch von Vorteil sein, sich etwas zurückzunehmen, anstatt den Leser sinnbildlich mit einer kaum zu bewältigen Masse an Artikeln zu erschlagen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Da gibt es mehrere. Zunächst einmal finde ich es ganz wunderbar, dass man über das Bloggen mit so vielen verschiedenen Menschen in Kontakt kommt. Die Form des Kontakts ist dabei ganz unterschiedlich, sodass ich durch „Ada Mitsou liest…“ nicht nur andere Blogger kennen gelernt habe, sondern auch Verlagsmenschen, Buchhändler und Autoren. Manchmal beschränkt sich der Austausch lediglich auf ein paar E-Mails. Dann wiederum gibt es Kontakte, die sich über das Bloggen hinaus entwickeln und im Laufe der Zeit zu Freundschaften werden. Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, war mein Blog mehr als einmal eine Brücke, die mich mit jemand anderem zusammenbrachte. Im Alltag wäre das wahrscheinlich nicht passiert, weswegen ich diese Begegnungen definitiv zu den schönsten Erlebnissen des Bloggens zähle.

Ein weiteres Erlebnis, das mir sehr viel Freude bereitet hat, war die Einladung, in der Jury des M Pioniers zu sitzen.

Dem Literaturpreis der Mayerschen Buchhandlungen?

Ja, genau. Zwar beanspruchte das Lesen und Bewerten der nominierten Bücher viel Zeit, doch zum Glück war die Vorauswahl sehr gut getroffen, sodass ich einige interessante Romane dabei entdecken konnte und es mir leicht fiel, darüber zu schreiben. Nur die abschließende Bewertung empfand ich als etwas schwierig, weil zu viele in meinen Augen gute Bücher dabei waren und jedes davon auf seine ganz eigene Weise, sodass man sie schlecht miteinander vergleichen konnte. Trotzdem würde ich die Herausforderung jederzeit wieder annehmen.

Das bisher schönste Erlebnis ist jedoch eher ein persönliches. Ich hatte im vergangenen Jahr eine sehr aufreibende Phase, die vieles in meinem Leben verändert hat. Die Ereignisse haben mich nicht nur traurig gemacht, sondern mir auch sehr viel Kraft geraubt. In jener Zeit habe ich von einer sehr guten Freundin ein Buch geschenkt bekommen, das mich durch diese Tage und Nächte begleitet hat: Das Gedächtnis der Libellen von Marica Bodrožić.

In dem Buch stehen so viele wunderbare Sätze, dass ich ins Nachdenken kam und letztlich nicht nur, aber auch durch das Gelesene wieder zu mir fand. Ein paar Monate später fand ich dann eine Postkarte in meinem Briefkasten – übersandt von der lieben Freundin und geschrieben von Marica persönlich. Die Zeilen haben mich sehr glücklich gemacht – nicht, weil sie von einer bekannten Autorin stammen, sondern weil eine Geschichte dahinter steckt, die gleich mehrere Menschen miteinander verbunden hat. So wurde aus etwas ziemlich Traurigem noch etwas ziemlich Schönes. Für mich war diese Karte eines der wertvollsten Geschenke im letzten Jahr und ohne meinen Blog hätte ich es vielleicht nie bekommen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Früher habe ich fast jedes dieser Angebote angenommen, solange es zu meinen Vorlieben passte oder mein Interesse weckte. Heute nehme ich kaum noch Rezensionsexemplare an. Manchmal tut es mir Leid, Absagen erteilen zu müssen, gerade in Hinblick auf noch unbekannte Autoren, doch ich schaffe das zeitlich einfach nicht mehr. Je nachdem, was beruflich oder privat so anliegt, bin ich zu eingespannt, sodass für den Blog kaum noch Zeit übrig bleibt. In solchen Phasen schätze ich es sehr, meine Lektüre frei auswählen zu können, ohne unter dem Druck zu stehen, das Buch möglichst zeitnah zu lesen und vor allem auch zeitnah rezensieren zu müssen.

Wäre das Bloggen mein Beruf, würde ich sicherlich mehr Rezensionsexemplare annehmen, doch so gönne ich mir zwischendurch meine Pausen und beschränke mich auf die Zusage vereinzelter Angebote, wenn ich weiß, dass ich die Bedingungen zuverlässig erfüllen kann.

Abgesehen davon gebe ich gerne Geld für Bücher aus.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Grundsätzlich genauso wie mit anderen Rezensionsexemplaren auch, allerdings nehme ich keine E-Books an, da ich keinen eigenen Reader besitze und auch vorerst keinen haben möchte bzw. brauche.

Wie hältst du es generell mit dem E-Book?

Ich taste mich mittlerweile an dieses Medium heran, bisher allerdings nur in der Theorie und nicht in der Praxis. Ich habe kein Problem damit, gedruckte Bücher in meiner Tasche zu tragen, ich halte sie trotz ihres teils großen Umfangs gerne in der Hand und liebe es, darin blättern zu können oder auch mal bunte post-its reinzukleben. Wenn ich die Wahl habe, arbeite ich lieber mit dem Gegenstand Buch als mit Daten, bin aber auch allgemein nicht gerade ein Technikfreak.

Trotz meiner Vorliebe zum Papier möchte ich dem E-Book seine Vorteile nicht absprechen. Für Vielleser ist es gerade auf Reisen sicherlich ungemein praktisch, nur ein kleines Gerät im Koffer verstauen zu müssen, anstatt einen ganzen Stapel Bücher. Und auch für Leser, denen die gedruckte Schrift zu klein ist, bietet die Technik eines guten E-Readers augenschonende Möglichkeiten.

Nur weil ich diese Form des Lesens nicht mag, heißt das nicht, dass sie grundsätzlich schlecht ist. Vielmehr empfinde ich das E-Book mittlerweile als eine Alternative zum gedruckten Buch. Der Leser hat mehr Auswahl hinsichtlich der Form des Mediums und kann nach seiner Vorliebe entscheiden, welche er nutzt. Mit der parallelen Existenz beider kann ich gut leben.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Die meisten meiner Lieblingsblogs wurden hier bereits genannt, weswegen ich die Gelegenheit nutzen möchte, um den Kinderbuch-Blogs etwas mehr Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, so z.B. Kulturnaschen, dessen Gestaltung ich überaus ansprechend finde und vorgelesen, wo die Tipps aus erster Hand kommen. Außerdem mag ich die Literaturblogs Bücher Entdecken und Die Bücherphilosophin und derschöneblog. Spannend fände ich, mehr über die Betreiberin von vorgelesen zu erfahren, einem Blog von Eltern für Eltern, die ihren Kindern von 0 bis 6 Jahren vorlesen.

Danke, Ada, für deinen Beitrag zur Blogger-Gesprächsreihe – ein toller Start ins neue Jahr …

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Zuletzt stellte sich Dorota Federer mit Bibliophilin vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Bücherphilosophin. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier