Steglitz stellt Anne-Kathrin Weber und Jessica Wilzek mit „lesErLeben“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der Vorschlag, mehr über Anne-Kathrin und Jessica und deren Literaturclub /-blog lesErLeben zu erfahren, kommt von Christiane Nowak, die vorgelesen pflegt.

Euer Steckbrief in Stichworten …

lesErLeben ist ein Literaturclub mitsamt Blog. Unsere Themen sind Literatur und Engagement sowie die Verknüpfung dieser beiden Themen. Wir sind zurzeit acht Mädels, die sich regelmäßig treffen und über Bücher diskutieren – und einige von uns bloggen auch aktiv auf lesErLeben.

Seit wann, warum und wo  bloggt ihr?

Wir bloggen seit Mai 2011 mit blogspot. Das schien uns damals am einfachsten und machbarsten. Der Blog sollte zunächst eine Ergänzung zu unseren Literaturclub-Treffen sein. Wer nicht teilnehmen kann oder weit weg wohnt, sollte so über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden bleiben und die Möglichkeit zum Mitdiskutieren bekommen. Mittlerweile hat sich der Blog aber auch weiterentwickelt. Wir veröffentlichen beispielsweise auch Rezensionen zu Werken, die wir nicht im LitClub gemeinsam lesen, interviewen unsere Blog-LeserInnen – und vor allem teilen wir unsere Gedanken zu Engagement und Literatur.

Eure Themenschwerpunkte …

Wir verbinden mit lesErLeben Engagement und Literatur. Das geschieht auf ganz unterschiedliche Weise, z.B. lesen wir im Literaturclub engagierte Literatur – zurzeit mit dem Schwerpunkt Europa, aber das kann sich noch ausweiten. Außerdem engagieren wir uns mit und für Literatur: Wir haben in einem Seniorenheim vorgelesen und mehrere Diskussionen zu unterschiedlichen Büchern oder literarischen Themen in Gießen veranstaltet. Diese Aktionen reflektieren wir dann wieder auf dem Blog.

Was treibt euch in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Da wir im lesErLeben-Literaturclub europäische engagierte Literatur lesen, beschäftigt uns das Problem, an gute Übersetzungen zu kommen. Bei vielen kleineren Nationalliteraturen ist es generell schwierig, Übersetzungen ins Deutsche zu finden. Bei der größeren mangelt es manchmal an der Qualität. In der Auswahl der Bücher, die übersetzt werden, steckt letztendlich auch ein ökonomisches Kalkül: Übersetzungen werden finanziert, wenn die Bücher den vermeintlichen Erwartungen der LeserInnen entsprechen. Das schränkt die Auswahl an Büchern – gerade auch für Literaturen außerhalb Europas, z.B. arabischsprachigen Ländern – extrem ein. Und es vermittelt den LeserInnen ein verzerrtes Bild der jeweiligen Literaturen, die in den übersetzten Büchern nur ihre eigenen Erwartungen an das jeweilige Land bestätigt finden. Wir wünschen uns eine sehr viel breitere Förderung von Übersetzungen!

© LeserLeben

© LeserLeben

Ganz gespannt verfolgen wir außerdem zurzeit die Entwicklungen zum Einfluss der LeserInnen bei der Entstehung eines Buches! Projekte, bei denen AutorInnen ihren Schreibprozess offenlegen und die LeserInnen daran beteiligen, z.B. bei der Figurenauswahl, eröffnen eine ganz neue Perspektive auf den Schreib- und Leseprozess.

Ein aktuelles Thema, mit dem wir uns erst kürzlich auseinandergesetzt haben, ist die Debatte um Rassismen in Kinder- und Jugendbüchern. Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie man damit umgehen kann, ohne die Texte zu zensieren, aber sie gleichzeitig auch den veränderten gesellschaftlichen Realitäten anzupassen.

Wie machst ihr euer Blog und eure Beiträge bekannt?

Durch unsere Veranstaltungen kommen wir mit vielen Leuten in Kontakt und so wird natürlich auch der Blog bekannter. Wir haben außerdem Postkarten mit unserem Logo und dem Link in unserer Stadt verteilt.

Eine Zeit lang hatten wir auch die für viele Blogs übliche Facebook-Seite, mit der wir regelmäßig auf die Beiträge aufmerksam gemacht haben. Allerdings konnten wir beobachten, dass wir über Facebook nicht viel Zulauf zum Blog hatten; im Gegensatz zu vielen anderen Blogs hatten wir auf lesErLeben sehr viel mehr Klicks am Tag als „Likes“ auf unserer Facebook-Seite. Das war der eine Grund, die Seite wieder zu schließen. Der andere Grund war der, dass wir einfach Prioritäten setzen mussten – da wir nur in unserer spärlichen Freizeit bloggen. Ohne großen Mehrwert der Facebook-Seite haben wir die freigewonnene Energie dann lieber wieder in den Blog reinvestiert.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das ist eine schwierige Frage, weil der eigene Blog es einem ja erlauben soll, sich kreativ sehr frei zu entfalten. Ansonsten gilt für uns: Wer Angst vor „Shitstorms“ hat, der sollte polarisierende Meinungen unterlassen; wer keine Lust auf rechtliche Konsequenzen hat, sollte sich auch als juristischer Laie gut mit dem Urheberrechtsschutz auskennen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Für uns war es eine große Hürde, tatsächlich online zu gehen und sichtbar zu werden. Wir hatten schon einige Zeit vor unserem ersten Post mit dem Gedanken gespielt, unsere Ideen auch zu veröffentlichen. Allerdings kannten wir uns überhaupt nicht mit dem Bloggen aus – und so war es für uns wirklich ein großes Abenteuer, uns eines Abends gemeinsam hinzusetzen und den Blog zu designen. Und dann tatsächlich auf „Veröffentlichen“ zu klicken! Heute ist das fast gar nicht mehr nachvollziehbar, weil das Bloggen sehr einfach zu machen ist. Um anderen die Angst vorm Bloggen zu nehmen, bieten wir im Frühjahr an der Volkshochschule Gießen übrigens einen Kurs an, mit dem Titel „Der erste eigene Blog!“ …

Euer schönstes Erlebnis beim Bloggen…

Auf jeden Fall das positive Feedback der LeserInnen und die stetig wachsende Zahl an LeserInnen. Was uns auch immer sehr freut, sind Klicks aus anderen Ländern. Wir haben viele LeserInnen in Frankreich, den USA und Georgien, obwohl wir ja nur auf Deutsch posten.

Wie gehst ihr damit um, wenn euch Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

In der Regel fragen wir bei Verlagen nach Rezensionsexemplaren von Büchern, die wir auch wirklich gern rezensieren wollen. Unser Blog ist kein rein literaturkritisches Forum. Rezensionen sind nur ein Teil dessen, was wir veröffentlichen. Daher werden wir immer eine Auswahl treffen und nicht alles Angebotene rezensieren können.

Und wie würdest ihr damit umgehen, wenn euch Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Das ist bislang noch nicht vorgekommen. Wenn wir denken, dass der Self-Publisher-Titel zu unserem Profil passt, hätten wir nichts dagegen einen zur Rezension anzunehmen. Allerdings bilden Rezensionen nur einen Teil unserer Posts und wir müssen daher immer eine Auswahl treffen.

Wie haltet ihr es mit dem E-Book?

Wenn wir ehrlich sind, hat bisher kein lesErLeben-Mitglied einen E-Book-Reader… Aber das soll nun nicht heißen, dass wir diese Geräte generell ablehnen. Die Vorteile – insbesondere für VielleserInnen – sind bekannt: Man kann unglaubliche viele Bücher auf einmal mitnehmen, wenn man viel unterwegs ist und auch in sekundenschnelle ein neues Buch kaufen. Angebote wie Online-Bibliotheken oder der kostenlose Download von Klassikern sind auch ein dickes Plus. Der E-Book-Reader sollte allerdings nicht an einzelne Online-Buchläden gebunden sein. Und die E-Books sollten legal „ausgeliehen“ werden können. Großer Nachteil des E-Books: Es fehlt das Knistern der Seiten beim Umblättern…

Welche anderen Blogs empfehlt ihr(max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Als Literaturblogs lesen wir gern mit vorgelesen von Christiane Nowak, die sich hier ja bereits vorgestellt und uns netterweise auch für dieses Interview vorgeschlagen hat! Eine weitere sehr gute Seite für Kinder- und Jugendbücher ist jungesbuch. Außerdem empfehlen wir noch lesewelle von Buechermaniac , die hier bereits auch schon zu Wort gekommen ist, und die Seite der Initiative Gefangenes Wort, die auf die Situation von SchriftstellerInnen weltweit aufmerksam machen will. Weitere Lieblingsblogs, die nicht primär mit Literatur zu tun haben, sind Mädchenmannschaft und Denkschablone, die einen Austausch über aktuelle Themen der Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften anregen .

Da dir unsere LieblingsbloggerInnen bereits Rede und Antwort gestanden haben, würden wir dir für ein Interview gern die Aktiven von jungesbuch.de vorschlagen.

Danke euch beiden, auch für die interessanten Blogpreziosen, da ist ja manche Perle dabei, die in der Gesprächsreihe bisher keine Erwähnung fand.

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Zuletzt stellte sich Kid37 mit Das hermetische Café vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war der Betreiber von coderwelsh/sychron. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

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2 Kommentare zu “Steglitz stellt Anne-Kathrin Weber und Jessica Wilzek mit „lesErLeben“ vor

  1. Das Blog „lesErLeben“ lese ich sehr gerne und ich finde es toll, dass sich die Blogbetreiberinnen auch aktiv für die Literatur in ihrer Region engagieren. Klasse!

    Liebe Grüsse
    buechermaniac

  2. Vielen Dank für Eure Erwähnung der Übersetzungen! Es gibt in der Tat zu viele Länder, aus denen wenig Literatur in der Übersetzung erhältlich ist. Das geht schon in Europa los … Eine breitere Auswahl an Texten wäre wünschenswert!

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