Best of: Verlagsabsagen – Ein Bauantrag geht schneller durch!

Den Anfang  für ein kleine Blütenlese „Best of: Verlagsabsagen“ machte dankenswerterweise Thorsten Nesch. Mit seinem Dreiteiler „Von Musterabsagen und Meisterabsagen“ liegt ein unterhaltsamer Rückblick auf den eigenen schriftstellerischen Werdegang vor, der schreibenden Kollegen auch Tipps im Umgang mit abschlägigen Bescheiden von Verlagen liefert.

Heute zieht Michael Röder nach, bei Twitter als @IchBinDerMRR bekannt. Er greift hin und wieder selbst gerne in die Tastatur und hat mit seiner „ES NERVT!“-Reihe drei kleine Bände mit nervigen Geschichten aus seinem Leben veröffentlicht. Sein neuestes Projekt ist das Probierstübchen – Das ultimative Verbrauchermagazin, das subjektiv, satirisch und sexy daherkommt. – Ich sage Micha für seinen kurzweiligen Beitrag danke.

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Angeregt durch den wirklich schönen Beitrag von Thorsten Nesch, habe ich einmal im Archiv meiner Frau Petra Röder, die SteglitzMind bereits Rede und Antwort stand, gekramt und die Highlights herausgefischt. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Formulierungen, sondern die Zeitpunkte des Eintreffens. Es ist schon erstaunlich, dass manche Verlage noch langsamer arbeiten, als man es gemeinhin nur von Baubehörden und ähnlichen Institutionen kennt.

Noch eine kurze Anmerkung dazu, warum im Folgenden immer von „wir“ die Rede ist. Meine Frau und ich teilen uns nämlich den Job. Sie hat die Fantasie und schreibt, ich habe das Organisationstalent und mache den Rest. Auf Neudeutsch heißt das glaube ich Teamwork und in diesem Text eben „wir“.

Wir schreiben also das Jahr 2008, kurz nach der Lehman-Pleite. Es begab sich somit zu einer Zeit, in der Selfpublishing, E-Books, Kindle & Co. noch kein Thema waren und die Fantasie meiner Hausautorin endlich den Weg aufs Papier, bzw. in die Word-Datei geschafft hat. Ihr Erstlingswerk, ein Fantasyroman für jung gebliebene Jugendliche, war fertig und es ging an die Vermarktung. In guter alter Tradition wurden also Manuskripte, Leseproben, Exposés und Anschreiben ausgedruckt, eingetütet, mit ausreichend Briefmarken beklebt und an diverse Verlage in dieser Republik versendet. Die darauf folgenden täglichen Wege zum Briefkasten haben außer in Sachen Kalorienverbrennung wenig gebracht, die erste Reaktion erfolgte exakt zwei Monate später. Natürlich war es eine Absage mit Textbaustein, was aber hier im Haus nicht als schlimm empfunden wurde. Erstens war es eh nicht der Traumverlag und zweitens hatten wir ja noch viele Eisen im Feuer. Darunter übrigens auch einige Agenturen.

Fingerabdruck - Bild: dip/Photoxpress

Fingerabdruck – Bild: dip/Photoxpress

Schon etwas erstaunlicher war dann die zweite Absage, die nur wenige Tage später einging. Ebenfalls mit einem Standard-Text versehen und dem Zusatz „Ihr eingesandtes Manuskript schicken wir in der Anlage zu unserer Entlastung zurück“. Dabei fiel uns auf, dass sowohl die rund 20-seitige Leseprobe, als auch das Exposé keinerlei Abnutzungserscheinungen erkennen ließen. Ein befreundeter Forensiker bestätigte unsere Vermutung. Es konnten keinerlei Fremdfingerabdrücke darauf festgestellt werden. Von wegen „Nach umfassender Überprüfung müssen wir Ihnen leider mitteilen …“. Diese Lügner haben das Ding nicht einmal berührt, geschweige denn gelesen! Pfui! Falls mir jemand beweist, dass Verlage für diese Tätigkeiten Latex-Einweg-Handschuhe verwenden, nehme ich diese Aussage natürlich zurück.

In ähnlicher Form ging es die kommenden sechs Monate weiter, darunter viele der oben beschriebenen Lügen, dann war erst einmal Funkstille. Zugegeben, wir (in dem Fall primär ich) haben damals noch ein wenig schluderig agiert und nicht wirklich Buch darüber geführt, an wen alles eine Sendung hinausgegangen ist und dementsprechend auch keine Haken hinter die Punkte in der nicht vorhandenen Liste machen können. Dass noch einige „offene Posten“ unterwegs waren, wussten wir allerdings schon, haben uns aber gedacht, die wären wohl zu hochnäsig, um überhaupt zu antworten. Doch weit gefehlt, es dauert bei manchen Verlagen nur etwas länger.

Nach gut einem Jahr kam ein weiterer dicker Umschlag mit dem immer gleichen Inhalt. Manche Absage-Textbaussteine gleichen sich übrigens verlags- und konzernübergreifend wie ein Ei dem anderen. Man könnte vermutlich sogar von Plagiaten sprechen. Aber das nur nebenbei. Und kaum waren noch einmal fünf Monate ins Land gegangen, hagelte es gleich zwei Mustertexte, doch wer jetzt denkt, das wäre schon das lange Ende der Fahnenstange, der irrt. Die Top 3 in Listenform

Platz 3: 1 Jahr, 11 Monate und 4 Tage

Platz 2: 2 Jahre 1 Monat und 16 Tage

(An dieser Stelle jetzt bitte einen Trommelwirbel denken)

Platz 1: 2 Jahre, 7 Monate und 22 Tage

Hut ab! In der Zeit bekommt man ein Mehrfamilienhaus genehmigt, hat das Ding gebaut und bereits die ersten Mieter wieder hinausgeklagt.

Wenn sich der geneigte Leser nun fragt, warum hier keine Namen genannt werden, nun das ist relativ leicht erklärt. Mittlerweile erreichen uns Anfragen von Verlagen, die sich für eine Zusammenarbeit interessieren. Und wir möchten ja niemanden an den Pranger stellen, schließlich sieht man sich immer zweimal im Leben. Erschwerend kommt hinzu, dass das Buch, von dem die Rede war, nicht wirklich als Bestseller getaugt hätte. Mit einigem Zeitabstand wieder gelesen, gereicht es uns immer neu zur Erheiterung. Zur Veröffentlichung ist es allerdings vollkommen ungeeignet. Aber das war uns damals ja noch nicht bewusst.

Das Manuskript bleibt also im Giftschrank und wird erst bei plötzlich einsetzender Weltberühmtheit der Autorin wieder herausgeholt, um es bei Sotheby’s zu versteigern. Die damit erzielten Unsummen werden dann selbstverständlich einem guten Zweck zukommen, auch wenn mir da aktuell noch keiner einfallen will. Aber vielleicht kann man bis dahin mit dem Geld ja einen Staat retten.

© Michael Röder

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So Ihr ebenfalls zu der kleinen Blütenlese „Best of: Verlagsabsagen“ beitragen möchtet, nur zu. Dafür könnt Ihr die Kommentarfunktion nutzen oder mir eine eMail mit Euren Erfahrungen senden, die dann wiederum in Gänze oder in Auszügen in weitere Beiträge zum Thema einfließen könnten.

„Passt nicht ins Programm“, „wir haben lange überlegt“, „haben in der Redaktionskonferenz über das Manuskript gesprochen“, „ist wirtschaftlich ein Wagnis“, „Ihr Manuskript konnte uns leider nicht überzeugen“, „wir sehen leider keine Möglichkeit für eine Veröffentlichung“ – so klingen Standardabsagen von Verlagen. Ich freue mich auf eure Erfahrungsberichte.

2 thoughts on “Best of: Verlagsabsagen – Ein Bauantrag geht schneller durch!

  1. Es stimmt schon, dass die beste Devise ist: „Nicht ärgern nur wundern!“ Aber man kann sich schon darüber wundern, welche schlechten Angewohnheiten sich Verlage und andere Arbeitgeber inzwischen angewöhnt haben. – Es ist eine gut geschriebene Serie!

    Liebe Grüße

    Christiane (Texthase Online)

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