Steglitz stellt Friederike Kenneweg mit „frintze“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Von Ilja Regier, der Muromez ins Leben rief, kam der Vorschlag, dass sich Friederike mit frintze vorstellen möge.

Dein Steckbrief in Stichworten …

  • Vielseitig, spielerisch, neugierig, nachdenklich, kritisch
  • Freundin der Kurzprosa, Schnell-Leserin, gerne in Zwischenräumen unterwegs – am liebsten in denen zwischen Klang, Musik, Gesang, Wort und Bedeutung.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit Januar 2012 auf wordpress.com. Mit dem Bloggen angefangen habe ich auf der Seite des Prager Literaturhauses, als ich da ein Stipendium hatte. Bei dieser Gelegenheit habe ich gemerkt, dass mir das liegt – alltägliche Beobachtungen und Begegnungen direkt aus der Realität ausschneiden und Kurztexte daraus machen. Dass ich mit einem Blog diese Texte sofort einem Publikum zugänglich machen konnte, war für mich Ansporn und Motivation, meinen eigenen Blog frintze zu entwickeln. Bei wordpress bin ich deswegen gelandet, weil der Blog des Literaturhauses ebenfalls damit funktioniert hat und mir das, ohne mich näher damit zu beschäftigen, am sympathischsten war.

Deine Themenschwerpunkte …

so macht frintze auf © F. Kenneweg

so macht frintze auf © F. Kenneweg

Neben den mehr oder weniger regelmäßig erscheinenden Buchrezensionen über alles mögliche, was mir so an Lesestoff in die Finger kommt. Ich schreibe über Lesungen und (experimentelle) Konzerte, über alltägliche Begegnungen und Beobachtungen und seit nunmehr einem Jahr auch über meine persönlichenSounds der Woche“ – das sind kleine Kurztexte über Geräusche – und darüber hinaus.

Durch meinen Prag-Aufenthalt habe ich einige Bücher von tschechischen Autoren rezensiert, ich interessiere mich, ebenfalls durch Reisen inspiriert, für polnische, russische und rumänische Autoren, für Science Fiction, für allerhand Zeitgenössisches.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich beobachte gespannt die Entwicklungen, die aus der allgemeinen Digitalisierung resultieren. Einerseits ist da eine Befreiung dessen, was öffentlich zugänglich und für jeden im Internet lesbar ist, und damit einhergehend ja eine Demokratisierung, andererseits nimmt aber auch die Kommerzialisierung zu – es erscheint schwieriger, frei und nach Möglichkeit marktunabhängig zu schreiben und trotzdem davon zu leben.

Und das gilt sowohl fürs journalistische wie auch fürs literarische Schreiben. (Und in der Musik sieht das ähnlich aus.) Ich finde es ziemlich schade, dass Micropayment-Dienste wie flattr und so weiter es bislang nicht geschafft haben, da ein Gegengewicht zu schaffen. Und ich bin gespannt, wie sich die Buchbranche und das Verlagswesen in diesem Zusammenhang weiter entwickeln und welche Auswirkungen die Probleme und Chancen der Digitalisierung auf die Qualität und Form der Texte haben werden.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Bislang teile ich das außer eben im Blog nur auf Facebook, hab irgendwann mal in XING-Gruppen und hie und da auch auf anderen Blogs kommentiert – und bin ansonsten immer wieder erstaunt, welche Selbstläufer und Ausreißer es dabei manchmal gibt. Gerade erst habe ich einen Roman rezensiert – „Deadline“ von Bov Bjerg – der Autor hat das mitbekommen und getwittert – und auf einmal hatte ich einen unglaublichen Besucheranstieg auf meinem Blog. Vielleicht sollte ich es also auch mal mit Twitter versuchen – wobei ja sowieso schon die Gefahr besteht, dass man sich in der Social Media Maschinerie zu sehr verstrickt. Manchmal ist mir das so schon alles zu viel.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich mag es nicht, wenn Blogger Texte veröffentlichen, die allein von privatem Interesse sind. Natürlich ist das eine feine Linie und Geschmacksache– aber das Gesagte sollte nach Möglichkeit über die Privatangelegenheit hinausweisen. Und das Kleistsche „Allmähliche Verfertigen der Gedanken beim Reden“, das kann ja amüsant sein – manchmal ist das aber sehr mühsam, wenn die Texte noch nicht auf den Punkt sind und man beim Lesen an zu vielen irrelevanten Nebenwegen vorbei muss.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die erste Hürde ist ja schon mal das Einrichten eines Blogs inklusive der technischen Schwierigkeiten, die das zuweilen mit sich bringt. Da muss man aber all den Entwicklern von wordpress etc. ein großes Dankeschön aussprechen – das ist unterdessen derartig unkompliziert geworden, dass einem unterdessen nur noch die eigene Scheu im Wege steht. Sonst – am Ball bleiben, die Zeit finden, die Dinge nicht nur im Kopf formulieren und es dabei bewenden lassen, sondern wirklich am Rechner eintippen, was man da grade sagen will.

Das übrigens, hatte ich das Gefühl, übt man sehr beim Bloggen – den Moment festzuhalten und über diesen Moment auch entschieden und klar etwas zu sagen. Und Texte rauszuhauen und nicht ewig und drei Tage an einer Formulierung herumzubasteln. Da muss man natürlich auch rüber – über seinen eigenen Perfektionsanspruch, der so oft dem tatsächlichen MACHEN im Weg steht.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Im Moment besonders schön, das ist die Arbeit an dem LeseKonzert „Sounds“, das sich aus meinen „Sounds der Woche“ entwickelt hat und das im April jetzt tatsächlich erstmalig aufgeführt wird.

Es ist etwas sehr Spezielles, die Texte, die eigentlich für den Blog entstanden sind, in diesem Zusammenhang neu zu bearbeiten. Dass da etwas, was auf dem Blog seinen Ausgang nahm, jetzt in die wirkliche, analoge Welt eintritt, das ist ganz wunderbar. Und auch das ist ein ganz besonderes Gefühl: dass ich das jetzt seit genau einem Jahr mache und dass im Rahmen dessen schon etwas über hundert Kurztexte entstanden sind – angesichts dessen stehe ich mit offenem Mund da und staune.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist noch gar nicht vorgekommen. Je nachdem, worum es sich handelt, ob es mich interessiert und ob ich Zeit dafür habe, würde ich auswählen, ob ich dazu was mache oder nicht.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Genauso – wenn ich Zeit dafür habe und mich das interessiert, würde ich dazu was schreiben und hätte keine Berührungsängste.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Noch beäuge ich das argwöhnisch – wahrscheinlich ist das sehr praktisch, aber bislang habe ich noch keinen Anlass gehabt, mir einen Reader zuzulegen, und so hänge ich noch am Geruch von Papier, dem Staub auf den Seiten, den ich manchmal wegpusten muss, am Umblättern – und ich verfluche die Rückenschmerzen, über die ich wegen meiner stets zu schweren Taschen und Koffer voller Bücher zu klagen habe.

Welche anderen Blogs empfiehlst du?

Empfehlen möchte ich den Blog landläufig | Als Stadtschreiber in Ranis des momentan amtierenden Raniser Stadtschreibers Christian Wöllecke – da kann man stimmungsvolle Einblicke in die thüringische Literaturprovinz entdecken. Im Bereich Zeitgenössische Musik und digitale Entwicklungen finde ich den Blog Kulturtechno des Komponisten Johannes Kreidler sehr interessant. Und in eine ähnliche Ecke führt der Blog Weltsicht aus der Nische von Stefan Hetzel, dessen Antworten auf die „PUQ“ (permanently unasked questions) ich besonders lesenswert fand. Außerdem möchte ich die Leseköniginnen empfehlen – das ist ein Projekt, an dem ich selbst mit beteiligt bin: vier Frauen, die beruflich auf unterschiedliche Weise mit Büchern zu tun haben, rezensieren, empfehlen, kritisieren, diskutieren. Wir stehen da allerdings noch ganz am Anfang und sind selbst sehr gespannt, wie sich das weiter entwickelt!

Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Zu Wort kommen sollte Doctotte, dessen bibliophiler Blog „Tottes kleines Literaturlexikon“ mir sehr gut gefällt.

Danke sehr, auch für deine interessanten Empfehlungen. –  Und lass‘ bitte wissen, wenn Sounds. Ein Lesekonzert in Berlin ansteht.

Auch danke sehr!

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Eine kleine Anmerkung mag ich mir heute hier nicht verkneifen: In der kommenden Woche feiert „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“ mit dem 50. Beitrag ein rundes Jubiläum.

Zuletzt stellte sich Dieter Paul Rudolph mit Krimikultur: Archiv und anderem vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war der Kopf, der hinter Guido Rohms gestammelte Notizen steht. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

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Ein Kommentar zu “Steglitz stellt Friederike Kenneweg mit „frintze“ vor

  1. Pingback: frintze bei SteglitzMind | frintze

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