Steglitz stellt Jannis Plastargias mit „schmerzwach“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir etwas mehr über Jannis Plastargias und dessen Blog schmerzwach erfahren sollten, hatte Guido Rohm vorgeschlagen, der Guido Rohms gestammelte Notizen bloggt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Jannis Plastargias aka „schmerzwach“ – am 6.7.1975 in Kehl am Rhein geboren, in Frankfurt lebend, Autor, Blogger und Lebenskünstler. Versuche überall mitzumischen, Hauptsache spannend, mein Tag könnte 36 Stunden oder auch mehr haben. Hier  kann man mehr zu meiner Person erfahren.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich bin seit dem 6.12.2009 bei blogspot.de. Damals hatte ich sehr wenig Ahnung von Blogs. Die Idee stammte tatsächlich von einer guten Freundin, mit der ich lange Emails tauschte. Ich fragte: „Wie geht das?“ Und sie gab mir eine Blog-URL und erklärte mir, dass ich oben in der Liste nur „Blog erstellen“ drücken müsste. Ich probierte das aus – und tatsächlich: Es war so einfach, wie es klang. Nur: ich hatte mir keinen Namen überlegt. Dann hatte ich die Eingebung: „schmerzwach“ – das wäre ein poetischer und schöner Name für einen Blog. Und dann begann das aufregende Bloggen.

Deine Themenschwerpunkte …

Jannis Plastargias © Corinna Kaiser

Jannis Plastargias © Corinna Kaiser

schmerzwach macht regelmäßig einen Wandel durch… Das Wort „schmerzwach“ soll ja diesen Zustand beschreiben, den man nachts im Bett liegend hat, völlig überfordert mit den Anforderungen der modernen Welt, voller Gedanken und Ideen, voller Ängste und Zweifel. So war es mir anfangs vor allem ein Anliegen, Anekdoten aus meinem Leben zu erzählen, mir etwas von der Seele zu schreiben. Ich mischte jedoch von Anfang an Buch- und Filmrezensionen hinein, berichtete von Erlebnissen in verschiedenen Szenen Frankfurts (Kultur und quer). Als ich mich später mehr mit meinem eigenen Schreiben beschäftigte, erste Veröffentlichungen und Lesungen aufweisen konnte, wurde dies immer mehr ein Thema. Jetzt ist der Blog ein wilder Mischmasch.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Bei dieser Frage wird mir ganz schummerig, so vieles schwirrt in meinem Kopf herum, ungeordnet und ungefiltert. Viele Fragen tun sich mir auf: Wohin geht dieser so genannte „Literaturbetrieb“? Wie muss ich mich als noch „junger Autor“ aufstellen, um nicht unterzugehen? Wie werde ich eine Marke? Manchmal habe ich so ein bisschen das Gefühl, dass gerade viel zu viele Autor/innen gleichzeitig in den „Markt“ drängen. Die Digitalisierung ist eine wunderbare Sache – nur macht sie das ganze Leben und vor allem die Literatur nicht gerade übersichtlicher, eher im Gegenteil.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Gleichzeitig mit meinem Blog habe ich mir einen Twitter-Account angelegt und dort herum experimentiert, gleichzeitig meine Facebook-Aktivitäten intensiviert. Von Anfang an war ich auch bei Google + mit dabei. Früher habe ich gelegentlich Emails an Freunde geschickt, aber das ließ ich recht bald wieder.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Etwas, das für alle Menschen im Netz gilt: Fair bleiben, andere Menschen und Meinungen respektieren, offen für alles sein, nicht hetzen, nicht bewusst verletzen, dafür lieber andere Blogger unterstützen, für andere einstehen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Da ich gelegentlich sehr privat werde, hatte ich mitunter das Problem, dass fremde Menschen bestimmte Dinge evtl. früher erfahren als meine eigenen Freunde, natürlich ganz unbeabsichtigt – aber manche sind da gerne einmal sauer oder enttäuscht. Man muss außerdem Grenzen von anderen Menschen ganz genau kennen, um ihnen nicht vor den Kopf zu stoßen. Da ist viel Kommunikation und Vertrauen notwendig.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Generell finde ich es schön, wenn Menschen, die ich kenne, Gedanken und Formulierungen aus meinem Blog in ihren eigenen Sprachgebrauch und ihre Lebenswelt mit aufnehmen. Das schönste Erlebnis war, als eine von mir sehr geschätzte Dichterin, Lütfiye Güzel, mich und meinen Blog in einem Interview erwähnte, weil die Moderatorin ihr meine Worte in den Mund gelegt hatte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Mittlerweile muss ich leider ablehnen, da ich keine Zeit mehr für fundierte Rezensionen finde. Bisher war es so, dass ich mir genau anschaute, was sie mir da andrehen wollten – und lehnte ab, wenn ich das Gefühl hatte, es könnte mich langweilen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Das ist oft passiert und ich verfuhr da genauso wie bei guten Verlagen: anschauen, was sie mir anbieten, auf meine Intuition achten und dann annehmen – oder eben nicht.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe meine beiden letzten Werke bei Tubuk Digital veröffentlicht, also vorerst sind sie nur als E-Book erhältlich – das finden etliche meiner Leser/innen eher schwierig. Ich lese ebenfalls nach wie vor lieber auf Papier, aber gewöhne mich gerade ein bisschen um.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Folgende Blogs mag ich: Hier bloggt Charlotte Reimann, das Blog von Petra van Cronenburg, Guido Rohm mit gestammelte Notizen, der sich hier ja bereits vorgestellt hat, und das Blog LIVE.LOVE.READ von diejai. Für ein Gespräch möchte ich gerne Hilke-Gesa Bussmann vorschlagen.

 Jannis, danke vielmals, dass du hier dabei bist. Und Glück auf mit deiner neuen Aktion Meine Lieblingsbuchhandlung, bei der Zoë Beck so fein vorgelegt hat.

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Zuletzt stellte sich DocTotte mit Tottes kleines Literaturlexikon vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war juneautumn mit 1001 Bücher. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

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