Steglitz stellt Peter Hetzler mit „Comickunst“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Um Autorencomics und Graphic Novels dreht sich Peters Blog Comickunst. Den Vorschlag, dass wir ihn etwas näher kennenlernen sollten, stammt von Ingrid, die DruckSchrift pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Autor & Journalist aus dem Rhein-Main-Neckar-Delta, bei dem schon in frühester Jugend eine schwere Buchstabensucht diagnostiziert wurde, die bis heute nicht geheilt werden konnte und sich im späteren Leben auch noch auf Comics ausgeweitet hat.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Der Gravatar von Comickunst:  Ein Motiv aus „Eric“ von Shaun Tan © Shaun Tan

Der Gravatar von Comickunst: Ein Motiv aus „Eric“ von Shaun Tan
© Shaun Tan

Ich blogge mit WordPress. Dass ich mich damals für WordPress entschieden habe, war Zufall – bin aber sehr zufrieden damit.

Comickunst gibt es seit fünf Jahren. Seit sich die Comics zur Graphic Novel gewandelt haben und auch von Literaturverlagen verlegt werden, ist es etwas unübersichtlich in der bis dato familiären Comicwelt geworden. Sinn des Blogs ist es, Comic-Fans, aber auch Comic-Neulingen, die sich erstmals mit diesem Medium beschäftigen und ganz erstaunt darüber sind, wie vielfältig die Welt der bunten Bilder inzwischen geworden ist, Orientierungshilfe zu geben. Außerdem ist es schön, unabhängig von den inhaltlichen und formalen Zwängen schreiben zu können, denen man als Journalist bei der Arbeit für Printmedien unterworfen ist.

Deine Themenschwerpunkte …

Autorencomics und Graphic Novels, und dabei vor allem literarische Alben. Das ist kein feststehender Begriff, sondern meint, dass mir neben den Zeichnungen auch die erzählerische Ebene wichtig ist. Sie sollte mehr als Klischees zu bieten haben. Wie in der Literatur mag ich vor allem Themen, die sich mit dem realen Leben auseinandersetzen. Mangas, Fantasy-, US-, Superhelden- oder die typisch frankobelgischen Comics werden in Comickunst nicht rezensiert (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die Diskussion über neue Copyright-Modelle. Ich finde es grundsätzlich richtig, wenn Inhalte im Web frei zugänglich und kostenlos sind. Das setzt aber voraus, dass man eine Möglichkeit findet, Autoren und Künstler trotzdem angemessen zu bezahlen. Initiativen wie flattr oder die Verwertungsgesellschaft Wort werden nicht reichen. Hier müssen sich die Kreativen auch selber engagieren und Entscheidungen nicht der Politik oder den Verlagen überlassen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Bekanntheit im Web entsteht durch Interaktion. Ich beteilige mich an Diskussionen in Comic-Foren. Außerdem verlinken manche Verlage zu Rezensionen ihrer Alben in Comickunst. Am besten sind aber Empfehlungen von Lesern.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Geschwätzigkeit. Das Web ist ein Medium, in dem es um Geschwindigkeit geht. Niemand hat Zeit und Lust, da seitenlange Prosa zu lesen.

Bauchläden machen auch wenig Sinn. Am effektivsten ist, sich auf ein oder zwei Themen zu konzentrieren und die Zielgruppe im Auge zu behalten. Man kann in Grenzbereichen wildern –  in einem Comic-Blog beispielsweise auch mal einen Cartoon-Band oder einen illustrierten Roman vorstellen. Aber niemand will da eine Kritik über die neue CD von XY lesen – so sehr man vielleicht auch persönlich davon begeistert ist und es einen drängt, diese Begeisterung mit der Welt zu teilen. Wer über Gott und die Welt kommunizieren will, ist bei Twitter besser aufgehoben.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die heutigen CMS sind alle leicht zu bedienen. Technische Hürden gibt es da nicht mehr. Ein Hauptproblem bei Neulingen ist manchmal fehlende Geduld. Wer nach zwei Monaten bloggen enttäuscht ist, dass er immer noch keine vierstelligen Besucherzahlen hat, hat falsche Erwartungen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Schön ist die Kommunikation, die sich mit Lesern, Autoren und Zeichnern ergibt.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Graphic Novels kosten zwischen 13 und 30 Euro. Manche auch mehr. Ich rezensiere fünf bis zehn Alben pro Monat. Das kann man als freier Schreiberling unmöglich selber finanzieren, weshalb ich die Alben als Rezensionsexemplare bestelle. Einfluss auf den Inhalt der Rezension hat das nicht.

Schwieriger scheint mir, bei Kontakten mit Verlagsvertretern Abstand zu halten. Wenn man Menschen persönlich kennen (und vielleicht mögen) lernt, fällt es schwerer, ihre Produkte wenn nötig auch hart zu kritisieren. Ich bemühe mich trotzdem, meine Ungerechtigkeiten gleichmäßig zu verteilen.  😉

Komplettverrisse schreibe ich selten. Ich will meinen Lesern Empfehlungen geben, und ihnen nicht erzählen, wie langweilig ein Album ist. Im Comic geht es immer um zwei Dinge: um die Story, und um die grafische Umsetzung. Meist ist das eine besser als das andere oder umgekehrt – da hat man genug zu meckern. Alben, bei denen mir beides nicht gefällt, rezensiere ich grundsätzlich nicht. Das hat zwar schon dazu geführt, dass Verlage sich geweigert haben, weiterhin Rezensionsexemplare zur Verfügung zu stellen, aber damit muss man als Rezensent leben.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Mich interessiert nicht der Verlag, sondern der Inhalt eines Buches. Self-Publishing bietet die Möglichkeit, unabhängig von konventionellen Verlagskriterien zu publizieren. Es gibt Autoren mehr Autonomie. Und ja: Natürlich kommt da eine Menge Müll auf den Markt. Aber seien wir ehrlich: Auch die Mehrzahl der bei etablierten Verlagen erschienenen Bücher ist nicht der Rede wert.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Finde ich gut – obwohl ich persönlich lieber gedruckte Bücher lese. Ein Buch in der Hand – das ist auch ein haptischer Genuss. Im Comicbereich werden E-Books bisher kaum angeboten.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da ich Literatur-Blogs nur sporadisch lese, und die, die ich lese, hier schon erwähnt wurden, kann ich leider nicht mit neuen Highlights dienen. Auf der Suche nach einem Vorschlag für die nächste Blog-Präsentation bin ich auf Bücherzeit  von Myriel gestoßen, das von einem Autor angefeindet und mit strafrechtlicher Verfolgung bedroht wurde, weil dem Herrn die Rezension seines Romans nicht gepasst hat. Ich könnte mir vorstellen, dass Myriel interessante Dinge zu erzählen hat. Interessant wäre für deine Leser aber natürlich auch, wenn du diese Fragen mal selber beantworten würdest. 😉

Eine gar feine Idee, Peter… Danke auch , dass du die Staffel an Myriel weitergibst. Die Geschichte, die ihr im November 2011 passiert ist, hat wohl so mancher in schlechter Erinnerung.

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Zuletzt stellte sich  Jannis Plastargias mit schmerzwach vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war Hilke-Gesa Bussmann. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

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6 Kommentare zu “Steglitz stellt Peter Hetzler mit „Comickunst“ vor

  1. Eine klitzekleine Anmerkung zum Thema „Im Comicbereich werden E-Books bisher kaum angeboten.“ Das scheint ein deutsches Phänomen zu sein, denn im englischsprachigen Raum gibt es über Plattformen wie Comixology schon ein riesiges Angebot an E-Comics, die sogar smartphonefähig sind 🙂

    • Deutschland ist in Bezug auf Comics immer noch ein bisschen Entwicklungsland. Sicher wird es auch hier bald mehr Alben als E-Book geben. Allerdings: Großformatige A4-Comics stelle ich mir auf Smartphone-Displays eher schauderhaft vor.

  2. Vielen Dank für dieses schöne Interview und spannende Ideen, die Peter in seinem Blog umsetzt. Gefällt mir sehr! Die Service-Idee für Presse, Buchhandel und – besonders – Schule finde ich großartig.

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