Steglitz stellt Bianka Boyke mit „jungesbuch“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Von Anne-Kathrin und Jessica, die lesErLeben verantworten, kam der Vorschlag, dass wir mehr über Bianka Boyke erfahren sollten, die jungesbuch pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Bianka Boyke (30), selbständige Journalistin und Kinderbuchliebhaberin seit … immer. Studierte Kulturjournalismus, Rechtswissenschaften und Sozialethik in Bern und Marburg. Volontariat beim Medienhaus Lensing. Selbständig seit 2010, u.a. als Gerichtsberichterstatterin, Reporterin für sozialkritische Straßenmagazine und Rezensentin für das Fachmagazin Eselsohr. Kopf ist immer voll mit neuen Projekt-Ideen, die meist nachts zu Papier gebracht und weitergedacht werden, wenn meine beiden Töchter schlafen …

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Mit jungesbuch.de bin ich 2010 online gegangen, um dort vor allem Kinderbücher zu rezensieren. Ich habe immer gehofft, daraus irgendwann ein Online-Magazin für alle Kinder- und Jugendbuchbegeisterten machen zu können und probiere noch immer fleißig herum. Recht neu habe ich zum Beispiel eine Jugendredaktion ins Leben gerufen, die Novitäten aus den Bereichen Dystopie, Romantasy, Fantasy, … bespricht. Ein „Ehrenamt“ sollte es allerdings nie werden, weshalb ich meinen Arbeitsenthusiasmus nahezu täglich bremsen muss. Ich nutze WordPress, weil mir das vorgeschlagene Layout gefiel.

Deine Themenschwerpunkte …

der Kopf dahinter © René Boyke

der Kopf dahinter © René Boyke

… sind derzeit durch die noch recht neue Jugendredaktion vor allem Jugendromane. Ich selbst widme mich seit rund einem halben Jahr vor allem Illustratoren und präsentiere die dann mit Galerien und individuellen Portraits. Es liegt wohl am Alter meiner Töchter, dass ich mich derzeit vor allem sehr für Bilderbücher interessiere. Und die Steckbriefe vieler Autoren und Illustratoren fand‘ ich schon immer recht langweilig, versuche da durch individuelle Fragen auch die Persönlichkeit der einzelnen Illustratoren – bzw. sind es bisher hauptsächlich Illustratorinnen – einzufangen und den Lesern Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Wenn ich genügend Zeit habe, gelingt mir das ganz gut. Zudem gibt es immer ein Thema des Monats, weil ich mir zu verschiedenen Themen gerne einen Überblick verschaffe. Das kann ernst sein, wie etwa Depressionen im Bilder- und Kinderbuch, ein Messebericht oder auch einfach nur ein Blick auf die Novitäten unter einem Oberthema, etwa: Tierische Weihnachten, Detektive im Kinderbuch oder Serienheldinnen, die ich vergleiche. Solche Sammler veröffentliche ich dann immer auch im Eselsohr. Aktuell habe ich mich mit Magersucht und Bulimie im Jugendbuch bzw. in Büchern, die für Jugendliche geeignet sind, beschäftigt. Dazu gibt es in diesem Monat ein Interview auf jungesbuch.de.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das wenige bzw. ungerecht „verteilte“ Geld auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt. Wie schon gesagt, wollte ich aus jungesbuch.de mal ein Magazin machen und zusätzlich versuchen, mich in verschiedenen Projekten für Leseförderung starkzumachen. Zahlen schwirren mir ständig durch den Kopf. 500 bis 1000 Euro für den Illustrator eines ganzen Bilderbuchs, mehr als 95 Prozent der Branche sind kinderlos, vor allem unter den Lektorinnen und den Illustratorinnen, deren Arbeitspensum sich nur Selbständige vorstellen können. 2000 Euro „Gewinn“ am Jahresende für einen 40-Wochenstunden-Job, den Frau als eine Art „Hobby“ betreibt, weil der Ehemann ja Geld nach Hause bringt … Und immer wieder der Satz von verschiedenen Köpfen: „Kinderbücher machen hat nichts mit Kindern haben zu tun.“ Warum eigentlich nicht?! Vielleicht, weil es finanziell nicht möglich ist?

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Erst recht neu auf Facebook und – für eine vergleichsweise kleine Zielgruppe – in meiner Kinderbuchkolumne in der Tageszeitung Ruhr Nachrichten. Zu meinem Buchtipps gibt es immer auch den Hinweis auf meine Seite.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Zu viel Privates preiszugeben. Ein Mal im Netz, immer im Netz. Vor allem Fotos der Kinder, die jetzt oder später jeder dank digitaler Gesichtserkennung suchen kann, gehören nicht der ganzen Welt präsentiert.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Vor allem die rechtlichen Hürden sind hoch und für (junge) Blogger undurchsichtig und auch riskant – wenn etwa Produkte abgebildet oder Zitate übernommen werden, …

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Da gibt es zwei ganz Aktuelle: Als ich vor wenigen Monaten auf der Suche nach einer Jugendredaktion war, um auf jungesbuch.de mehr Jugendbücher besprechen zu lassen, habe ich 5 Bloggerinnen angeschrieben und alle 5 haben sich sofort zurückgemeldet, weil Ihnen jungesbuch.de gefiel. Und dann freut es mich, dass die Illustratoren für „Meine Galerie“ auf jungesbuch.de mir immerhin pdfs ihrer Werke zukommen lassen und damit Vertrauen schenken und meine Arbeit anerkennen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich habe bereits als Studentin als Rezensentin gearbeitet, damals – passend zum Studium – ging es um neuere deutsche Literatur, etwa für das Internetmagazin literaturkritik.de. Später rezensierte ich für Tageszeitungen und inzwischen auch schon seit mehreren Jahren für das Fachmagazin Eselsohr. Darum ist es für mich nichts besonders – auch wenn das jetzt blöd klingt – jedes Jahr hunderte von Büchern geschickt zu bekommen. Zugegeben: ganz am Anfang hat mich das schon beeinflusst, jedes Paket war wie ein kleines Weihnachtsfest. Inzwischen trudelt aber täglich mindestens ein Buch ein und selbst meine 2-Jährige sagt: „Mama, Bucha“, wenn der Postbote klingelt. Verrisse schreibe ich selten, Bücher, die mir nicht gefallen, werden von mir schlichtweg nicht besprochen. Kritik gibt es hingegen oft, nichts ist perfekt, aber auch das kann ein gutes Buch ausmachen. Natürlich treffe ich nach der Durchsicht der Vorschauen selbst eine Vorauswahl. Was ich dann bestelle, oder zu welchen Themen ich Sammler schreibe, entscheide ich immer selbst.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Aufmachung anschauen, Inhaltsangabe und Leseprobe lesen, und mich dann für eine Zu- oder Absage entscheiden. Im Grunde wie bei jeder Mail aus dem Verteiler eines großen Verlages. Ein Buchtipps eines Selfpublishers oder eines ganz kleinen Verlages wäre an dieser Stelle doch ganz nett 😉

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Vielleicht werde ich mein erstes E-Book lesen, wenn ich mehr reise. Wenn ich meinen Kindern oder auch im Kindergarten vorlese, wollen die Kids anfassen, am Buch zerren, umblättern und dabei auch mal klebrige Obst- oder Kekshände haben können.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da empfehle ich – natürlich – die Blogs meiner Mädels, „meiner“ Jugendredaktion. Weil es allerdings sechs sind, MUSS ich alle nennen. Den Stab nur an eine weiterzugeben, ist ohnehin schwer genug. Das wären also: Lea (13) mit Meine Bücherwelt, Noelle (16) mit maybeweforgot, Elisa (16) mit mybookbubble, Filo (16) mit Filos Bücheruniversum, Evelyn (19) mit Dreaming till Midnight und Jessica (19) mit Jessis Bücherkiste.

Falls einer minderjährigen Gesprächsteilnehmerin nichts entgegensteht, entscheide ich mich für Filo, weil sie mir schlichtweg bei meiner Suche nach Rezensentinnen für die Jugendredaktion von jungesbuch.de zuerst aufgefallen ist – wegen ihr hübschen Seite und ihrer Rezensionen. – Zweite Wunschkandidatin ist Evelyn, die ihren Blog gemeinsam mit ihrer Schwester betreibt. Evelyn rezensiert alles, was ihr in die Finger kommt, ihre Schwester zeichnet bekannte Autoren.

Danke sehr Bianka. Und da du bereits über das zulässige Maß hinausgegangen bist, indem du 6 statt 5 Empfehlungen nennst, wollen wir auch bei den Interviewpartnerinnen ein Auge zudrücken und beide zum Gespräch bitten. Ausnahmen im Sinne der Blogger-Nachwuchsförderung sozusagen… Und womöglich zeichnet Evelyns‘ Schwester Miriam gelegentlich etwas für SteglitzMind 😉

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Zuletzt stellte sich Peter Hetzler mit seiner Comickunst vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war Myriel mit ihrer Bücherzeit. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

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2 Kommentare zu “Steglitz stellt Bianka Boyke mit „jungesbuch“ vor

  1. „500 bis 1000 Euro für den Illustrator eines ganzen Bilderbuchs, mehr als 95 Prozent der Branche sind kinderlos, vor allem unter den Lektorinnen und den Illustratorinnen, deren Arbeitspensum sich nur Selbständige vorstellen können. 2000 Euro „Gewinn“ am Jahresende für einen 40-Wochenstunden-Job…“

    Gibt es da eigentlich keine Gewerkschaft,
    die mal mit der Faust auf den Tisch haut?

    • Leider nicht. Natürlich könnten sich die Betroffenen nahezu bei jedem Vertag einen Anwalt nehmen, aber dann wäre die „Karriere“ auch schon beendet… Eine Illustratorin hat mir gesagt, dass sie immer wieder junge Kolleginnen trifft, die sagen: „Aber wir können doch froh sein, dass wir unseren Traumberuf überhaupt leben können.“ Was soll man da noch sagen? LG, B. Boyke

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