Steglitz stellt Alban Nikolai Herbst mit „Die Dschungel. Anderswelt“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Die Dschungel. Anderswelt ist ein Blog unter jenen, die im bisherigen Verlauf der Gesprächsreihe mehrfach Lob auf sich vereinen konnten, sich aber noch nicht vorgestellt haben. Über Pfingsten ergab sich unverhofft eine Gelegenheit, Alban Nikolai Herbst zu bitten, hier mitzutun. Er ließ sich zu meiner großen Freude, nicht lange bitten …

Seit wann, warum und wo  bloggen Sie?

Ich begann 2003, weil eine damals noch blutjunge Geliebte, die ein, zwei meiner Bücher gelesen hatte, der Meinung war, ich solle nicht nur immer theoretisieren, sondern müsse auch „real“ im Netz zugegen sein. Also programmierte sie mir die heute leider verwaiste Site „Herbst & Deters Fiktionäre“ . Kurz darauf wurde ich in einen Buchprozeß gezogen, eine der unterdessen gängigen Persönlichkeitsrechts-/Kunstrechtsauseinandersetzungen, in deren Folge mein Roman „Meere“ verboten wurde; er ist unterdessen, leicht modifiziert, wieder frei. Der Prozeß verbot mir gewissermaßen den Mund für alles, so empfand ich das, was privat war. Also eröffnete ich mein erstes Weglog, damals noch bei free city und begann darin, Privates zu poetisieren, zu thematisieren, Fragen nach Zusammenhängen von Privatem und Öffentlichem zu stellen und das auf das Netz zu übertragen. Vorher schon hatte ich in einigen Chats mit verschiedenen Identitäten gespielt, war ein fünfzehnjähriges Mädchen, ein achtzigjähriger Mann usw. – was den Grund hatte, daß ich für meine Romane Sprech- und Sprachhaltungen ausprobieren und trainieren wollte. Besonders, aus der imaginierten Innensphäre einer Frau zu sprechen, ist sehr heikel, wenn es um Glaubwürdigkeiten geht. In neuerer Zeit zeigt das der „Fall Torik“, wo so etwas aber meisterhaft gelang, vor allem auf Dauer, was wiederum mein Ziel nie war; ich wollte einfach nur Figuren möglichst glaubhaft gestalten können.

Der Ort des Geschehens - eine Momentaufnahme beim Beantworten der Fragen © Alban Nikolai Herbst

Der Ort des Geschehens – eine Momentaufnahme beim Beantworten der Fragen © Alban Nikolai Herbst

Hinzu mischte sich mein Interesse an den Verbindungen privaten Erlebens mit dem, was dann poetisch in Romanen und Erzählungen daraus wird. Ich fing also Faktisches und Fiktives zu vermischen an und begleitete das von allem Anfang an mit theoretischen Überlegungen, die ich ebenfalls öffentlich formulierte. Daraufhin bekam ich eine Email von Oliver Gasser, einem der, kann man sagen, netzaffinen Autoren der allerersten Tage: Er finde, schrieb er mir, daß ich, um meine Vorstellungen auch poetisch realisieren zu können, eine andere Plattform brauche, und zwar dringend. Durch seine Vermittlung kam ich vor knapp zehn Jahren an Twoday, also Knallgrau in Wien. Gassner empfahl, mir die dortige, damals noch vorausweisende, Technologie unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, davon hätten ganz gewiß beide Seiten etwas. Twoday tat das und tut es bis heute. Deswegen, weil ich mich dem Unternehmen verpflichtet fühle, habe ich den Hoster nie gewechselt, auch dann nicht, als andere Technologien nach vorne und schließlich weit voraus drängten. Ich habe einen starken Freundschaftsbegriff.

Ihre Themenschwerpunkte …

Unterdessen sehr weit gespannt. Es gibt – je in gesonderten Rubriken zusammengefaßt – die halb persönlichen, halb fiktiven, weil immer wieder von „klassischen“ Erzählungen durchzogenen Arbeitsjournale, die von ihren Lesern als eine Art tägliche Sitcom rezipiert und ganz sicher so auch einfach konsumiert werden; es gibt die Beiträge, in denen literarische Texte ausprobiert werden, bisweilen skizzenartig, bisweilen schon sehr ausgeführt, also Gedichte, Erzählungsanfänge, Romanauszüge; es gibt Notate und Paralipomena, d.h. Aphorismen, die oft sehr zugespitzt, bisweilen provokant sind; es gibt einen stark ausgebauten Bereich, der sich mit Sexualmoral usw. beschäftigt; es gibt Briefwechselauszüge, aber auch tatsächlich im Weblog und nur darin stattfindende Briefwechsel; es gibt quasi philosophische, vor allem kunstphilosophische Partien; es gibt „Fundstücke“ der Banalität, bzw. banaler Beobachtungen und den Versuch, Schlüsse aus ihnen zu ziehen; es gibt, sozusagen überfassend, das Unternehmen einer kleinen Theorie des Literarischen Bloggens usw. Unter letzterem Namen ist bereits ein Buch entstanden, das auch als eBook erhältlich und im Netz recht ausführlich diskutiert worden ist – meines Wissens das erste Unternehmen dieser Art überhaupt. Hinzukommen als eigener, sehr ausgeführter Bereich Rezensionen zum Musiktheater und zur E-Musik. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Tagebücher anderer Autoren; ich hatte die Idee eines „chorischen“ Tagebuches, also möglichst vieler Stimmen zu jedem Tag; sie hat sich aber nie wirklich realisiert. – Und schließlich gibt es eine erstaunlich viel beachtete und diskutierte Rubrik, die sich mit literarischen Übersetzungen beschäftigt, also in der sie vorgelegt, modifiziert und/oder verworfen werden. Das letzte Projekt dieser Art habe ich mit dem in Italien lebenden Lyriker Helmut Schulze, der selbst ein spannendes Weblog führt, begonnen und Partie für Partie eingestellt; wir stehen jetzt davor, daß es ein Buch wird. Es handelt sich um frühe Skizzen von James Joyce, seinen „Giacomo Joyce“, von denen es bislang nur eine einzige, unterdessen vierzig Jahre alte Übersetzung von Klaus Reichert gibt. Unsere „Aneignungen“ dieser Dichtung werden im Herbst dieses Jahres sowohl als Print als auch eBook erscheinen. Das Besondere ist, daß man die Entstehungsgeschichte mitsamt Irrtümern, Ideen usw. im Netz wird weiter nachlesen können.

Was treibt Sie in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Na ja, es ist ein Teil meiner Arbeit, insofern ich zu denjenigen Autoren gehöre, die aus der Printwelt kommen und sie auch gar nicht völlig verlassen wollen; ich bin durch das herkömmliche Buch sehr geprägt, es gehört zu mir. Aber ich habe ein riesiges Interesse am Netz als einem neuen Medium von Literatur, gerade auch von Dichtung, der hier Bereiche aufgeschlossen werden, in die sie bislang nicht eindrang. Es gibt eine beachtenswerte Szene insbesondere für Lyrik, die in Buchausgaben selten höhere Auflagen erzielt als zwischen 500 und 1000 Exemplaren. Manche meiner Gedichte aber sind vieltausendfach gelesen, um manche gibt es die heftigsten Auseinandersetzungen. Ähnliches gilt für die Prosa. Dabei macht es mich ärgerlich, ja manchmal wütend, mit welcher Ignoranz der herkömmliche Literaturbetrieb das Netz als literarisches Ausdrucksmedium abzutun versucht, nicht selten mit schwer diskriminierenden Artikeln. Es wird hier ein Machtkampf um Deutungshoheit, das heißt letztlich: um Einkommen geführt, die man sich sichern will – auch wenn das auf Kosten vieler geschieht, die im Netz vorzügliche poetische Arbeiten vorlegen. Meist werden die gar nicht erst angeschaut. Ja, das treibt mich sehr und leidenschaftlich um.

Hinzu kommen die Auseinandersetzungen um das Urheberrecht. Ich mag mich hier nicht wiederholen, meine Position ist in Der Dschungel deutlich nachzulesen. Aber ich will doch betonen, daß eine Neuauffassung dessen, was ein Urheberrecht wäre, dringend ansteht.

Wie machen Sie Ihr Blog und die Beiträge bekannt?

Anfangs tat ich das gar nicht, bzw. verschickte wöchentliche Rundmails. Unterdessen nutze ich vor allem – aber allein als Medium des Annoncements – Facebook. Ich hatte aber auch Glück, weil Die Dschungel ziemlich gleich nach ihrem ersten Erscheinen querdurch die Szene diskutiert wurde, oft ablehnend, oft aber auch zustimmend. Das führte zu Verlinkungen, um die ich selbst mich gar nicht kümmern mußte. Manche provokante Stellungnahme tat ihr übriges. Hinzukommt, daß ich eine sehr lange Zeit lang Kämpfe mit Trolls (ich schreibe bewußt nicht Trollen) ausfocht, mich aber zugleich weigerte, Kommentare zu löschen; mir war der, auch wenn bisweilen weit unter der Gürtellinie geführte, Kampf lieber, als daß ich zensiert hätte. Das führte zu einem Schwall von Rezipienten, die sich am Dreck ergötzen wollten; es ist ein bißchen widerlich, aber auf kurze Spannen erhöht Sensationsgier die Zugriffszahlen extrem. Auf lange Sicht übrigens nicht; wenn ich jahrealte Beiträge, etwa Gedichte, wieder neu aufrufe, haben sich die Zugriffszahlen geradezu verkehrt: Long„seller“ sind, meiner jetzigen Erfahrung nach, die „seriösen“ Beiträge und, selbstverständlich, solche, die mit Sexualität zu tun haben.

Bis heute moderiere ich Kommentare nicht; manche allerdings lösche ich unterdessen einfach weg – vor allem, weil es nach den Kämpfen, die Wortschlachten werden konnten – schwere Leser:inn:enklagen und Verluste mir wertvoller Kommentator:inn:en gab. Auch dieser Prozeß ist von theoretischen Reflektionen begleitet worden.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Keine Ahnung. Wenn man es gut macht, kann man alles machen. Wie weit der Bogen gespannt wird, hängt aber sicherlich – und da vielleicht sollte jede:r für sich nachdenken – von der persönlichen Belastbarkeit der Autorinnen und Autoren ab. Geschehen in viel gelesenen Weblogs sind, wie im übrigen Leben auch, nicht ohne Folgen, vor allem dann, wenn Blogs mit Klarnamen geführt werden. Mir ist es wichtig, das so zu tun, aber es gibt Konditionen, in denen sich die Verwendung eines Pseudonyms sehr empfiehlt, weil eben auch Blogs nicht „aus der Welt“ sind. Denken Sie an die vielen Präsenzen von Frauen, in denen sie ihre Fantasien präsentieren – etwas, das sehr wichtig ist, daß es geschieht, aber es kann da zu existentiellen, z.B. etwa ökonomischen, Sanktionen kommen, gerade im nach-wie-vor-Patriarchat.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Man braucht Kontinuität, wenn man nicht einen Anlaß hat, der Leser:innen qua Thema immer wieder herholt. Sehr viele Blogs sterben wieder, und nicht wenige sehr schnell, weil, darin zu publizieren, nicht als Arbeit begriffen wird, sondern als Freizeit. Das kann gutgehen, besonders bei dem, was ich einmal einen Plauderblog genannt habe – es sind dies in meinen Augen aber weniger Blogs als mehr fixierte Chats. Man muß damit umgehen, daß man eventuell jahrelang ins Leere schreibt – aber das ist bei jedem künstlerischen Beruf so. Da ich Die Dschungel als Teil meines literarischen Werkes betrachte und so von Anfang an auch angelegt habe, bin ich aber nicht eigentlich geeignet, Ihre Frage zu beantworten. Ich betreibe Die Dschungel als poetisches Werk, habe sie bisweilen sogar „einen Roman“ genannt. Das ist sicher bei anderen Blog-Autor:inn:en nicht so und muß auch nicht so sein. Bewahre.

Gab’s beim Bloggen auch persönliche Krisen?

Meine persönlichen Schwierigkeiten, ja richtige Krisen hatte ich durchzustehen, wenn ich diffamierend angegriffen wurde. Manchmal kostet sowas eine Woche, um sich wieder zu berappeln. Man kann wütend werden, man kann depressiv werden, ich habe einige Male vorm Computer geweint. Andere Male war ich für meine Nächsten nur sehr schwer zu ertragen, weil ich schon ohnedies cholerisch genug bin. Aber so etwas formt einen. Ist man zäh genug, findet man schließlich akzeptable Umgangsformen und reift dran; man lernt auch einiges über sich selbst und kann das dann wieder poetisch umsetzen, ob nun im Weblog selbst, ob in anderer künstlerischer Weise.

Ihr schönstes Erlebnis als Blogger …

Wirkliche Freundschaften, die sich nie oder wahrscheinlich nie ergeben hätten, gäbe es Die Dschungel nicht. Eine der engsten entstand zu Helmut Schulze (parallalie), den ich oben schon erwähnte, aber auch mit Benjamin Stein (Turmsegler), Phyllis Kiehl (Tainted Talents),  Norbert W. Schlinkert, ebenso wie zu June (changes)und vor allem auch Jutta S. Piveckova (Gleisbauarbeiten), mit der ich quasi ständig diskutiere. Wir sind durchaus nicht immer einer Meinung, aber getragen von gegenseitiger Achtung.

Wenn ich nachdenke, kann ich eine ganze Liste erstellen.

Wie gehen Sie damit um, wenn Ihnen Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Tun sie nicht. Sie täten’s aber sofort, wenn ich fragte, da ich auch für „klassische“ Medien rezensiere; ich muß da nur anrufen, halte meine Rezensionstätigkeit indessen in sehr engen Grenzen, weil ich zum Beispiel zu einer solchen Klasse, wie Keuschnig mit dem Begleitschreiben sie repräsentiert, schon aus Zeitgründen nicht aufrücken könnte. Er betreibt das für mich nachdrücklichste und zugleich „ehrlichste“ Rezensionsforum des deutschsprachigen Raums. Meine Achtung vor seiner Leistung ist riesig.

Und wie würden Sie damit umgehen, wenn Ihnen Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anböten?

Gefährliche Frage. Ich würde versuchen, in den Text hineinzuschauen, aber immer auch gleich sagen, daß es ziemlich lange dauern kann, bis ich’s schaffe. Das tue ich aber genau so, wenn mich Autor:inn:en um Lektorate bitten oder auch nur um meine Meinung. Wie jede/r andere kann auch ich nicht alles lesen, was erscheint – wobei ich da zwischen Neuen und klassischen Medien keinen Unterschied mache, mir die Neuen vielleicht sogar lieber sind, weil haptische Bücher – Platz brauchen. Davon steht mir ein nur sehr begrenzter zur Verfügung. Am „Fetisch Buch“ hänge ich eitlerweise nur für meine eigenen Texte, bzw. bei Dichtungen, die mir wirklich nahegekommen sind. Da lasse ich ein Buch auch schon mal neu, nach eigenem Entwurf, binden.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Siehe hierüber. Einen prinzipiellen Unterschied zu gebundenen Büchern mache ich nicht.

Welche anderen Blogs empfehlen Sie?

Wobei ich mich bei allen entschuldigen möchte, die ich ebenfalls nennen müßte, aber begrenzungshalber nicht kann; ich wähle deshalb nach Spanne dessen aus, was im Netz poetisch möglich ist und gehe dabei nach der – zufälligen, nicht alphabetischen – Reihenfolge meiner Bookmarks vor. Imgrunde ist Ihre Frage eine nach der Blogroll, die ich nicht führe, bzw. habe ich auf meiner Site nur sehr wenige feste Links. Es hat sich bewährt, solche Verlinkungen immer an einen Anlaß zu binden; gibt es einen, verlinke ich schnell.

Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Herzenswunsch? Sophia Mandelbaum mit Ze Zurrealism itzelf. Freundes- und ebenfalls Herzenswunsch: Helmut Schulze mit parallalie. Einstein hatte unrecht: Gott würfelt. In dem Fall möchte ich’s nicht ihm, sondern Ihnen überlassen.

Das habe ich besonders gerne: Die Qual der Wahl … Danke vielmals, dass Sie hier dabei sind, Alban Nikolai Herbst, ich freue mich sehr darüber.

___________________________________________________________________________________________________

Zuletzt stellte sich Miss TT mit Tainted Talents vor. Ihr Wunsch-Interview-Partner war Norbert W. Schlinkert mit seinen Nachrichten aus den Prenzlauer Bergen. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

14 Kommentare zu “Steglitz stellt Alban Nikolai Herbst mit „Die Dschungel. Anderswelt“ vor

  1. knallhart zu agieren
    Das möchte ich überhaupt nicht lernen; ich bin für meine Sensibilität sehr dankbar, und Härte ersetze ich durch Zähigkeit. Die Sensibilität zu verlieren, bedeutete, nicht mehr ergriffen zu sein – das Wichtigste, was ich für mein Leben kenne und weitergebe, an meine Kinder und an meine Leser:innen.

  2. @Nomadenseele
    Offenbar haben Sie noch nie erlebt, wie zerstörerisch die Dynamik in einem Blog werden kann, wenn man gehässige, abschätzige Kommentare einfach stehen und vor sich hin miefen lässt. Wir sprechen ja hier nicht von hitzigen Diskussionen, bei denen Meinungen aufeinander prallen, sondern von sich selbst genügender Häme; ich habe das oft genug miterlebt. Niemand, der bei Sinnen ist, würde so etwas stehen lassen. Ein Blog ist ein Ort, der gepflegt werden will.

    • Nein, aber ich habe erlebt, wie (kontroverse) Diskussionen von einem Blogger gelöscht wurden, obwohl sie stundenlang dort standen und er selbst an der Diskussion beteiligt war. Ich bin den Morgen danach auf sein Blog gegangen und die ganze Diskussion war gelöscht worden.

      Ich habe dann ganz gegen meine Gewohnheit den Emailordner meiner WordPress-Email aufgerufen. Keine Begründung wie *Das ist mir zuviel geworden* oder ähnlich Nachvollziehbares. Für solche Verhaltensweisen habe ich kein Verständnis, vor allem, weil die Diskussion dort eine gefühlte Ewigkeit stand. Wenn ich die eigenen Thesen nicht beherrsche, sollte ich sie nicht ins Internet stellen. Das hat auch nichts mit *aufs Glatteis führen* zu tun, wie er einmal meinte. Es sei denn man begreift kritische Nachfragen, warum man seine Kinder mit Antworten vollstopft, zu denen sie keine Fragen haben, mit *aufs Glatteis führen*. Ich lehne Indoktrinationen jeder Art ab; es gibt Themen (der Moral und Religion), zu welchen sich jeder frei (!) eine eigene (!) Meinung bilden muss.

      Wobei ich, wenn es zuviel geworden wäre, einfach für diesen Artikel die Kommentare ausgeschaltet hätte. Das wäre eine Alternative zur Löschung gewesen, bei der sich andere Leser für sich hätten weiterentwickeln können.

      Ich habe erlebt, dass Blogger Anmerkungen löschten, die ihnen nicht gefielen.

      Eine war sich nicht blöd genug, einen Kommentar zu löschen, in welchem ich (sinngemäß) schrieb, dass es zwar eine schöne Buchhandlung wäre, die sie vorgestellte hat, aber Amazon diesen Läden immer mehr ein Ende bereiten wird. Wer in der Anmerkung etwas Schlimmes entdeckt, möge mich bitte aufklären, ich kann darin nichts Verwerfliches entdecken.

      Ich habe vor kurzem in einem Buch die Sage von Narziss und Echo gelesen und genau das ist es, was die meisten Blogger wollen: Ein Echo, welches nachbrabbelt, wie toll der Blogger ist, dass sie ganz seiner Meinung sind und sich immer kleiner machen.

      Deswegen, wenn Zensur schon angekündigt wird, dann klicke ich nicht einmal auf den Link, um mir das Blog näher anzusehen. Wobei das der letzte Satz war, den ich von der Vorstellung überhaupt gelesen habe.

      • Das wäre eine Alternative zur Löschung gewesen, bei der andere Leser – die Argumente – für sich hätten weiterentwickeln können.

        Manchmal lasse ich ganze Wörter aus und es wird unverständlich -.- .

      • Woebi ich dir Recht gebe, dass ich Häme, Beleidigungen und Spott auch nicht dulden würden.

        Aber 99% aller Blogger meinen schon löschen zu müssen, wenn jemand nicht ihrer Auffassung folgt. Wahrscheinlich ist das in ihrer Wahrnehmung auch schon Häme, Beleidigung und Spott

      • Ich sag vielleicht selbst mal was dazu:
        Tatsächlich ging es um Beleidigungen, und zwar schwerer Natur, und um Häme sowieso – während ich spöttische Kommentare durchweg stehen lasse, allerdings darauf reagiere. Alles andere ist bei mir immer stehengeblieben und steht auch heute noch da.
        Als die Beleidigungen z u heftig wurden und überhaupt nicht mehr nachließen, führte ich die Rubrik >>>> Anti-Herbst ein. Auch dort ist bis heute alles nachzulesen. Nicht selten habe ich mir die Arbeit gemacht – es ist/war eine ganze Menge -, solche Häme-Kommentare zu kopieren und in diese Rubrik hineinzustellen. Damit wurde es insgesamt ruhiger in Der Dschungel, bzw. kam es später in Wellenform immer mal wieder zu neuen Attacken, aber das war gar kein Vergleich mehr zu vorher.
        Was den Umgang mit Trolls anbelangt, wurde mir in der Blogosphäre aber sogar vorgeworfen, ich löschte sie absichtlich nicht, um Traffic zu generieren, ja ich selbst träte als meine Trolls auf, schriebe also die Hetztexte selbst. In meiner „Kleinen Theorie des Literarischen Bloggens“ habe ich den Trolls einige Passagen gewidmet, weil sie wirklich ein Problem waren. Es ist also genau andersherum, als Sie vermuten.

      • Harmlos gegen das, was einige Warcraftspieler in meinen WoW – Blog abließen. Sicherlich nicht nett, allerdings hätten diese Posts mich jetzt nicht im Geringsten erschüttert – meine Schmerzgrenze ist da recht niedrig.

        Ich zolle Ihnen aber meinen vollen Respekt, dass Sie die Kommentare nur verschoben und damit nachlesbar gemacht haben. Dafür haben Sie – im Gegensatz zu den Zensursulas – meine Achtung.

      • Oder müsste es heißen *hoch*? Keine Ahnung. Wahrscheinlich eher *hoch*, oder?
        Auf jedenfall muss man inzwischen echt Arbeit investieren, um mich im Internet noch verletzen zu können.

  3. danke für die erinnerung. die dschungel habe ich früher regelmäßig gelesen, ist mir aber in letzter zeit verloren gegangen.

    und jetzt denke ich über die inkonografie von sprach- bzw. schriftsymbolen nach. : statt _ ; interessant!

  4. manche allerdings lösche ich unterdessen einfach weg – vor allem, weil es nach den Kämpfen, die Wortschlachten werden konnten – schwere Leser:inn:enklagen und Verluste mir wertvoller Kommentator:inn:en gab.

    Danke für die Warnung, dann klicke ich das Blog har nicht erst an.

    • (Ich antworte >>>>> darauf jetzt hier, weil die Kommentare zunehmend schmal angezeigt werden und ich dabei die Übersicht über die Texte verliere.)
      Es ist auch eine Frage, also was die Verletzbarkeit anbelangt, womit Sie in einem Weblog arbeiten; geben Sie sehr viel Privates/Persönliches mit hinein und tun Sie das unter Ihrem Klarnamen, liegen die Dinge völlig anders als bei anonym geführten Weblogs. Soweit ich auf Ihrer Präsenz sehe, beschäftigen Sie sich vor allem mit Buchbesprechungen; von Ihrem eigenen Leben, Ihren eigenen Erlebnissen und Ansichten, ob un erfunden, tatsächlich oder beides gemischt, erfahren Ihre Leser nichts oder nur indirekt. Da wird die Angriffsfläche in der Tat sehr klein. Müssen Sie gewärtigen, daß z.B. Ihre Kinder in der Schule wegen Ihres Weblogs attackiert werden, sieht es bereits sehr anders aus, auch, übrigens,wenn Ihre Netzarbeit direkte Auswirkungen auf IHr Berufsleben hat. Daß mich Kommentatoren eine Zeit lang einen KIndesmißbraucher genannt haben, war damals eine problematische Situation, weil von Gerüchten immer etwas hängenbleibt, ob ihnen irgend eine Tatsächlichkeit entspricht oder nicht. In solchen Situationen muß man reagieren. Ich wollte mich damals aber nicht nötigen lassen, mein Projekt so, wie ich es entworfen habe und gestalte, wegen derartiger Anwürfe zu schließen. Man braucht da Kraft, das durchzuhalten.
      Übrigens verwenden Sie den Begriff „Zensur“ nicht korrekt. Weblogs sind nur insofern öffentliche Räume, als sich an zumindest Standards eines zivilisierten Umgangs gehalten wird,. Wenn Ihnen jemand während eines öffentlichen Festes, das Sie geben, mitten aufs Parkett pinkelt, ist es schlichtweg Ihr Recht, ihn hinauszuschmeißen. „Zensur“ meint staatliche Eingriffe oder Auslöschungen von Meinungen. Es wäre – ein weiteres Übrigens – auch dann nicht Zensur, wenn,. sagen wir, rechtsradikale Ideologie unterbunden wird.

      • Daß mich Kommentatoren eine Zeit lang einen KIndesmißbraucher genannt haben, war damals eine problematische Situation, weil von Gerüchten immer etwas hängenbleibt,

        Ist mir auch schon passiert, nachdem ich einmal schrieb, ich wäre gegen Gewalt im Allgemein, egal ob gegen Tier oder Kind. Offensichtlich war das nicht explizit genug. Mit *Kindesmißbrauch* kann man immer noch schocken, deswegen wird es verwendet.

        Da die Person, die dies äußerte, öfter die Gilden gewechselt hat als ich meine Unterhosen – und zwar über Jahre – wußte irgendwann jeder, dass diese Person dringend einen Termin bei dem Typen mit der Couch gebraucht hatte.
        Die Wahrheit ist der Stachel der Bosheit, der sich festsetzt und dementsprechend kommen solche Dinge nicht an mich heran.

        Wobei der Unterschied zwischen uns sicherlich ist, dass ich mich freiwillig in die Öffentlichkeit begebe und Sie beruflich. Und wer auf dem Präsentierteller steht, auch wenn es in meinem Fall nur ein sehr kleiner ist, muss eben damit rechnen, in die Schusslinie zu geraten.

        daß z.B. Ihre Kinder in der Schule wegen Ihres Weblogs attackiert werden, sieht es bereits sehr anders aus, auch, übrigens,wenn Ihre Netzarbeit direkte Auswirkungen auf IHr Berufsleben hat. Daß mich Kommentatoren eine Zeit lang einen KIndesmißbraucher genannt haben, war damals eine problematische Situation, weil von Gerüchten immer etwas hängenbleibt, ob ihnen irgend eine Tatsächlichkeit entspricht oder nicht. In solchen Situationen muß man reagieren.

        Screenshots der Kommentare machen samt IP-Adresse und Anzeige erstatten. So habe ich es gemacht, die Polizei in Sachsen-Anhalt nimmt die auch per Internet entgegen und leitet die an die zuständigen Stellen weiter. Manchmal hilft es auch schon, selbst die IP-Adresse zu lokalisieren und sich Gedanken darüber zu machen, wer in der Region einem Böses will.

        Die Staatsanwaltschaft wird das Verfahren zwar in aller Regel wegen mangelnden Interesses der Öffentlichkeit einstellen, vorher dürfen die Kommenatoren aber evt. dem Lebenspartner oder Eltern erklären, warum sie eine Einladung von der Polizei bekommen haben. Zudem bekommen Sie mit der Absage Informationen, gegen wen ermittelt wurde. Zwar nur Informationsfetzen, die aber ausreichen, von den Betreffenden private Adressen / Telefonnummern, Interessen, Vereine, Firmen ect. zu ergoogeln.
        Bei mir war eine der bösartigsten Personen Ministrantin – kein Kommentar 🙂 . Die katholische Kirche war auch so freundlich, ihre Telefonnummer und Adresse online zu stellen.

        Man kann sich wehren, man sollte sich nur vorher im Klaren sein, wie hart man gegen diese Personen vorgehen möchten und wo die persönlichen Skrupel anfangen. Weiter werde ich dazu nichts sagen.

        Übrigens verwenden Sie den Begriff “Zensur” nicht korrekt. Weblogs sind nur insofern öffentliche Räume, als sich an zumindest Standards eines zivilisierten Umgangs gehalten wird,. Wenn Ihnen jemand während eines öffentlichen Festes, das Sie geben, mitten aufs Parkett pinkelt, ist es schlichtweg Ihr Recht, ihn hinauszuschmeißen. “Zensur” meint staatliche Eingriffe oder Auslöschungen von Meinungen. Es wäre – ein weiteres Übrigens – auch dann nicht Zensur, wenn,. sagen wir, rechtsradikale Ideologie unterbunden wird.

        Wenn jemand sich daneben benimmt, ja. Bei obigen Beispielen habe ich mich aber nicht *daneben benommen*. Das eine war eine harmlose Bemerkung, bei dem anderen war der Blogger am Ende seiner Argumente angelangt. Im Gegenteil, der einzige, der regelgerechte Blasphemie betrieb, war er. Im Gegensatz zu ihm habe ich weitestgehend die Contenance behalten, während sich der Elefant beim Rausgehen aus dem Porzellanladen fragte, wo die ganzen Scherben herkommen und zu dem Schluß kommt, dass das Porzellan schuld war.

        Zu ihrem Beispiel:

        Es treffen sich Leute zu einer Feier auf Augenhöhe. Auf einmal hält der Gastgeber einem Gast den Mund zu, der eine andere Meinung vertritt und schmeißt ihn raus. Im RL wäre der Gastgeber gesellschaftlich erledigt, in Blogszene wird er dadurch erst salonfähig. Und das verstehe ich nicht, dafür bin ich offensichtlich zu blöd.

        Wobei ich durchaus sehe, dass wir wegen der Heftigkeit / der Empfindung der Angriffe und die Auswirkungen auf das Leben durchaus auf verschiedenen Ebenen diskutieren.

        Es liegt mir fern Ihr Leben zu zerstören, aber vielleicht sollten Sie sich WoW zulegen; wenn sie eine gewisse Zeit unter der einzigartigen Mischung aus Narzissten (gefühlt 100%), Psychopathen und Selbstmordgefährdeten zugebracht haben, kommt Ihnen das alles nicht mehr so schlimm vor. Ein Aufenthalt in der Psychatrie kann nicht mehr abhärten und der Vorteil ist, Sie können sich jederzeit ausloggen und die Dosis langsam aber sich erhöhen.

      • Was ist WoW?

        Nur noch einmal zur Klarstellung: Es geht mir in keiner Weise darum, anderer Meinungen zu unterdrücken, und das passiert auch nicht; im Gegenteil, die Leser:inn:en werden in Der Dschungel geradezu aufgefordert, sich zu beteiligen. Das reicht sehr weit, ich schalte sogar andere Beiträger:innen frei, wenn sie Interesse am Mitspiel haben – wobei ich da selbstverständlich auswähle, weil es sich um einen Literaturblog handelt, also in wenn auch weitem Sinn um Dichtung. Ich muß, um das Niveau zu halten, bei Beiträgern auf Stilistik achten, erwarte aber auch in den Kommentaren ein ausgeführtes Formulieren, also Hochsprachlichkeit oder aber (im Sinn von Rollenprosa) geformte Umgangssprache; Die Dschungel ist kein Chat und auch kein beliebiges Plauderforum. Man mag das elitär nennen, aber man muß es ja nicht lesen, ebenso wenig, wie man „schwierige“ Bücher lesen muß; jeder/m steht es frei, bei E.L. James, Utta Danella und anderen Autor:inn:en dieser Schattierung zu bleiben, bzw. deren Lektüre der von, sagen wir, Döblin, Pynchon oder Schlüter vorzuziehen.

      • Was ist WoW?

        World of Warcraft. Härtet ab wie nicht anderes im Leben. (Auch wenn Fisherman`s Friend etwas anderes behauptet 😉 ) Normalerweise gilt das Zitat: Lösche den Dreck, den du Char nennst und höre auf, solange du noch kannst. Aber in Ihrem Fall sollte es helfen, die weiche Schale abzustreifen und zu lernen, knallhart zu agieren.

        Ansonsten finden Sie dort bei näheren Kontakten so viel menschliches Elend, dass es reicht mehrere Bücher zu füllen. So aus dem Stegreif meiner Bekanntschaften geschüttelt: Extrem seltene chonische Krankenheiten, Krebs, Selbstmorde, eine hat über Jahre ihre kranke Mutter bis in den Tod gepflegt und dazu kommen die ganzen kleinen Alltagsdramen, Eifersüchtelein, Über-den-Tisch-ziehen u.ä.. Inpiration sollte es für Kreative mehr als genug geben.

        Wenn Sie es geschafft haben, da zu überleben, sitzen Sie unter Garantie nicht mehr weinend vorm Computer, wenn Ihnen jemand etwas an den Kopf wirft. Im Gegenteil, wenn Sie wieder Kommentare in Ihrem Blog haben, werden Sie eines Tages feststellen, dass Sie ein Stickefinger auf zwei Beinen geworden sind. Und das Beste ist, dass man die Dosis regulieren kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s