„Immer mehr tun für meist den gleichen Umsatz…“ SteglitzMind stellt Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten (hier etwas mehr zum Vorhaben) . – Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort standen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer in der losen Interviewreihe ebenfalls zu Wort kommen sollte.

Den Anfang macht heute Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen, der ich herzlich danke.

Eine Skizze vom Laden …

Die Schiller Buchhandlung gibt es seit Jahrzehnten in Stuttgart – Vaihingen. Ich habe sie 1995 vom vorherigen Inhaber übernommen, den Standort und die Verkaufsfläche auf ca. 115 m² erweitert. Wir sind eine klassische Stadtteilbuchhandlung an einem stark besetzten Standort: Neben uns gibt es noch eine weitere Stadtteilbuchhandlung mit ganz ähnlichem Profil wie wir, eine Weltbildfiliale im nahegelegenen Einkaufszentrum sowie eine christliche Buchhandlung. Das alles im Umkreis von knapp zwei Kilometern. Außerdem gibt es in den benachbarten Stadtteilen Buchhandlungen und auf dem Campus der Universität eine Filiale von Wittwer. Und dann natürlich noch Buchhandlungen in der Stuttgarter Innenstadt, die von Vaihingen aus in knapp 15 Minuten erreichbar ist.

Unsere Schwerpunkte sind Belletristik, Kinder- und Jugendbuch, Reisen und Wandern sowie Sachbücher.

Wir führen außerdem regelmäßig Veranstaltungen und Aktionen durch.

Warum bist du Buchhändlerin geworden?

Susanne Martin © Silvie Brucklacher

Susanne Martin © Silvie Brucklacher

Bitte nicht lachen : Weil ich gerne lese! Ich war eine miserable Schülerin und meine Eltern gingen in ihrer Verzweiflung mit mir zum Arbeitsamt und „weil das Kind sehr gerne liest“ schickte man mich in die Lehre zu Weise’s Hofbuchhandlung. Dort entdeckte ich, dass zu diesem Beruf noch viel mehr gehört, als gerne zu lesen: Aufgeschlossenheit, Neugierde, breitgefächteres Interesse, Geschick im Umgang mit Menschen. All das kam mir entgegen und sorgte dafür, dass ich diesem Beruf bis heute treu geblieben bin.

Würdest du dich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ich weiß es nicht. Einerseits hat er nichts von seiner Faszination verloren. Andererseits wandelt sich unsere Branche so sehr, sodass gerade der Beruf der Buchhändlerin besonders vom Wandel betroffen ist. Sicher ist, dass heute noch viel mehr dazu gehört als Mitte der 70er Jahre. Als junger Mensch hätte ich aber vielleicht auch ganz viele Ideen, wie ich diesen Beruf neu füllen könnte. Insofern: Ich weiß es wirklich nicht!

Was hat sich in den vergangenen Jahren in deinem beruflichen Alltag verändert?

Ich weiß nicht, ob ich es ein Privileg nennen soll, dass ich seit knapp 37 Jahren als Buchhändlerin arbeite. Ich habe also den Wandel vom Arbeiten ohne Buchlaufkarte bis hin zum Arbeiten mit Warenwirtschaftssystem und Internetshop am eigenen Leib erleben dürfen. Die größte Veränderung waren in meiner ganz persönlichen Wahrnehmung die Rationalisierung durch Warenwirtschaftssysteme und elektronische Bestellprozesse, die für Transparenz der Zahlen sorgten und außerdem die Geschwindigkeiten enorm erhöht haben. Und dann natürlich das Internet mit all seinen Vor- und Nachteilen. Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie früher bibliographiert und recherchiert wurde, wie kompliziert es war, Bücher aus England oder USA zu besorgen oder antiquarische Bücher zu beschaffen. Und nicht zu vergessen: Durch die Konkurrenz aus dem Netz sind auch die Serviceansprüche an Buchhandlungen enorm gestiegen. Im Alltag bedeutet das schlicht: Immer mehr tun für meist den gleichen Umsatz…

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternimmst du in dieser Richtung?

Wir waren schon seit 1996 oder 97 mit einem Shop im Internet, zuerst über das Portal von KNV, kurz darauf mit einer ersten kleinen Seite, die wir im Laufe der Jahre mehrmals relauncht haben, das letzte Mal glaube ich 2005 oder 2006. Wir nutzten bis vergangenes Jahr das Shopsystem von KNV, seit einem Jahr das von Libri. Auf unserer Seite präsentieren wir unsere persönlichen Buchtipps, machen auf unsere Veranstaltungen und Aktionen aufmerksam und haben seit einiger Zeit einen Blog, der unseren früheren News-Bereich ersetzt.

Wir sind außerdem in den sozialen Netzwerken (Facebook, Google+, Twitter, Pinterest) vertreten, die wir mehr oder weniger intensiv bespielen. Seit ein paar Wochen haben wir noch einen kleinen Wanderblog begonnen, als Begleitmusik zu unserem neuen, etwas erweiterten Schwerpunkt Wanderführer.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo machst du für deinen Laden die größten Gefahren aus?

Für die Schiller Buchhandlung ist die größte Gefahr im Moment der überbesetzte Standort und die 2a, wenn nicht gar 2b Lage. Wir haben fast ausschließlich Zielkundschaft, kaum Laufkundschaft. Damit sind wir auch abhängig von einem intakten Umfeld, das wir leider nicht haben. Vaihingen ist zwar der zweitgrößte Stuttgarter Stadtbezirk und hat eine sehr hohe Kaufkraft. Andererseits ist es jedoch so wie in vielen Städten, dass der Ladenmix schon lange nicht mehr stimmt und es immer wieder Ladenleerstände, auch an zentralen Stellen gibt. Dazu kommt, dass der Stadtteil eine „Sandwichlage“ hat: Von manchen Wohngebieten aus ist man genauso schnell in der Stuttgarter City wie im Ortskern von Vaihingen.

Das alles führt dazu, dass nicht nur Entwicklungen wie der Internethandel oder die Digitalisierung, sondern auch solche vor Ort zu Umsatzrückgängen führen.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Wir haben von Anfang an E-Reader im Sortiment gehabt und offensiv verkauft. Das ist auch heute noch so. Allerdings merken wir, dass es für uns als stationäres Sortiment schwierig ist, ein adäquates Angebot zu machen: Der harte Kopierschutz, mit dem die meisten Bücher belegt sind, macht die Ladevorgänge kompliziert und viele KundInnen sind damit überfordert. Als kleine Buchhandlung ist es schwierig für uns, den technischen Support zu bieten, der notwendig wäre und den größere Buchhandlungen leisten können. Dazu kommen immer wieder neue Geräte in relativ kurzen Intervallen, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Und diesem erheblichen zeitlichen und auch finanziellen Aufwand, den ich durchaus als notwendige Investition sehe, stehen miserable Provisionen aus den Downloads entgegen. Ich sehe die Zukunft in diesem Bereich für das kleine und mittlere Sortiment eher schwierig.

Wäre das eine Option für dich, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

der Buchladen © Schiller Buchhandlung

der Buchladen © Schiller Buchhandlung

Eher nein. Wir sind eine kleine Buchhandlung und haben nur sehr begrenzt Platz und Geld. Für mich sind Verlage immer noch eine gewisse Gewähr dafür, dass ein Buch mit einem gewissen Qualitätsstandard daher kommt (Lektorat, Druck, Gestaltung). Es kommt also sehr auf das Buch, das Thema und die Autorin an. Etwas anderes ist es, wenn es sich um einen Titel handelt, der von einer Autorin aus unserer Stadt bzw. unserem Stadtteil stammt oder der ein Thema behandelt, das regional interessant und gefragt ist.

Selbstverständlich bestellen wir Bücher von Self Publishern, wenn sie von Kunden gewünscht werden. Wenn die Titel im VLB gelistet sind, dann sind sie ja auch gut auffindbar, das macht es uns deutlich leichter, als wenn wir erst im Netz suchen müssen und dann oft zwar das Buch finden, aber Bezugsquelle und Konditionen nicht angegeben sind.

Noch etwas an die Adresse aller Self Publisher: Ich bekomme oft Mails, immer wieder auch schriftliche Post, in der mir wenig über das jeweilige Buch erzählt wird, dafür aber stolz verkündet wird, das Buch sei jetzt bei Amazon gelistet, bei Amazon gäbe es eine Leseprobe und anderes mehr. Das ist ziemlich armseliges Marketing – warum sollte mich das dazu verleiten, mich mit diesem Buch zu beschäftigen? So etwas landet bei mir in den elektronischen und anderen Papierkörben!

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Wir versuchen, unsere Buchhandlung durch gute Dekoration und Präsentation und interessante Veranstaltungen und Aktionen zu einem Ort zu machen, in dem Inhalte im Mittelpunkt stehen. Das Angebot „Buchgenuss nach Ladenschluss“ oder auch unsere neue Veranstaltungsreihe „Schillers Buch-Bistro“ zum Beispiel sind solche Versuche: Beim Buch-Bistro haben wir vier Gäste (1 AutorIn, ein Verlagsmensch, 1 BuchhändlerIn aus einer anderen Buchhandlung und jemand aus unserem Kundenkreis). Diese stellen jeweils ein Buch vor, das zum Thema des Abends passt, daran schließ sich dann ein ca. 10-minütiges Gespräch an. Dazu gibt es ein Büffet und Getränke, die Leute sitzen an Bistrotischen und kommen dabei auch miteinander ins Gespräch.

Neben diesen Punkten gehört aber natürlich auch solides Arbeiten, zuverlässige Bearbeitung aller Kundenwünsche etc. immer noch als Basis wesentlich dazu.

Wenn du drei Wünsche frei hättest, die dir Verlage erfüllen… Welche wären das?

Seht den stationären Buchhandel immer noch als wichtigen Partner an und sprecht mehr mit uns darüber, wo uns der Schuh drückt.

Denkt über Alternativen zum harten Kopierschutz bei E-Books nach und nehmt den stationären Buchhandel auch als Partner für digitale Produkte wahr und ernst.

Schafft ein Budget für Veranstaltungen, aus dem ihr kleinere Buchhandlungen unterstützen könnt. Und zwar mit mehr als nur Plakaten oder Partieexemplaren!

Und was würdest du dir vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Keinen expliziten Wunsch. Im Gegensatz zu vielen finde ich, dass unser Verband keinen sooo schlechten Job macht angesichts der Herausforderungen, denen er sich stellen muss und der Bandbreite der Mitglieder, die er vertreten soll. Meine Kritikpunkte liegen eher in der Vergangenheit, in der wichtige Entwicklungen einfach verschlafen wurden, aber darüber jetzt noch Tränen zu vergießen, hilft niemandem. Ein Verband ist auch immer nur so gut wie seine Mitglieder.

Was treibt dich in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich bedauere sehr, dass der Branchenkonsens, Werte, die für alle Sparten über viele Jahrzehnte gegolten haben, in den letzten Jahren mehr oder weniger verloren gegangen ist. Ich bedauere das natürlich zum einen, weil der Sortimentsbuchhandel als schwächstes Glied das besonders zu spüren bekommt. Aber auch deshalb, weil ich glaube, dass das langfristig unserer Branche und ihrer Durchsetzungskraft (und damit letztlich dem Buch) sehr schaden wird und sie beliebig werden wird. Und das finde ich einfach schade.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Ich würde die Frage erweitern: Warum sollten KundInnen in Läden gehen? Vielleicht deshalb: Um sich überraschen zu lassen, um Entdeckungen zu machen, um Menschen zu begegnen, mit denen sie interessante Gespräche führen können oder einfach nur ein freundliches Wort wechseln. Nun mag mancher entgegnen: Das kann ich im Netz auch. OK, ich kann im Netz auch Entdeckungen machen, sicher werde ich auch immer wieder überrascht. Ich kann mich auf Facebook oder sonst wo unterhalten. Aber ich glaube, das reicht eben auf Dauer vielen Menschen nicht. Man möchte doch vielleicht zwischendurch auch mal was anfassen, einen Scherz machen und in ein lachendes Gesicht schauen, zufällig jemanden im Laden treffen, den man schon lange nicht mehr gesehen hat… Und das geht halt nur, wenn es genügend Menschen gibt, die das goutieren, das Angebot nutzen, auch wenn’s manchmal ein oder zwei Tage länger dauert und man womöglich noch mal hinlaufen muss. Aber wer weiß, was man da dann wieder entdeckt oder erlebt?

Welche anderen Buchhandlungen empfiehlst du? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Buchhandlung Roth, Offenburg, Buchladen Neusser Strasse in Köln Nippes (Dorothee Junck), Buchhandlung Riemann, Coburg (Irmgard Clausen), Buchhandlung Schmitz, Essen, und die Bücherinsel Dieburg (Ehepaar Kleene).

Du meinst, die sollten möglichst alle zu Wort kommen?

Ja, das meine ich…

Danke vielmals, Susanne, ein starker Start, wie ich meine…

PS.: Im kommenden BücherFrauen-Magazin wird es ebenfalls mehrere Artikel zu diesem Thema geben; darunter einen weiteren Beitrag von Susanne.

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Mit meinem Versuch, das Augenmerk auf unabhängige Buchhandlungen zu lenken, stehe ich im Netz gottlob nicht alleine da. Und deshalb dürfen Hinweise auf mir bekannte Initiativen hier natürlich nicht fehlen:

Ende Mai 2013 rief Sophie auf ihrem Blog Literaturen die Aktion „Die Kleinsten werden die Größten sein“ ins Leben, Simone Finkenwirth listet auf ihrem Blog Klappentexterin seit längerem auserlesene Buchhandlungen und seit April 2013 stellen Autoren bei schmerzwach, dem Blog von Jannis Plastargias, ihre Lieblingsbuchhandlung vor. Frank Maria Reifenberg präsentiert auf schreibkraft_fmr verschiedentlich 4 Buchtipps von Buchhändler/innen für 4 Jungs; auch We read Indie – das brandneue Projekt von Ada Mitsou (Ada Mitsou liest….), Dorota Federer (Bibliophilin), Simone Finkenwirth (Klappentexterin), Svenja (Syn-ästhetisch), Mareike Fallwickl aka Bücherwurm Mariki (Bücherwurmloch), Caterina  (SchöneSeiten) und Mara Giese (Buzzaldrins Bücher) – das sich Publikationen von unabhängigen Verlagen annimmt, stellt in loser Folge Buchhandlungen vor.

Ich freue mich auf die Gespräche bei SteglitzMind – und Eure Vorschläge, wer in der losen Interviewreihe mit Buchhändlerinnen und Buchhändlern ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr!

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16 Kommentare zu “„Immer mehr tun für meist den gleichen Umsatz…“ SteglitzMind stellt Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung vor

  1. Pingback: “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” - Papiergeflüster

  2. Als Buchhändlerin bewegt mich diese Autoren vs. Buchhändler-Debatte schon länger.
    Ich gebe wirklich jedem eine Chance, der seine Sachen zu mir bringt, ich stelle die Bücher – zumindest für eine Weile – an eine prominente Stelle, dekoriere ein Fenster damit und gebe den Kunden gerne Auskunft über Autoren aus der Umgebung. Nur kann ich nicht für 30 Leute im Jahr eine Lesung machen. Ich kann nicht bei jedem für die entsprechende Presse sorgen. Und ich habe nicht die Zeit alles selbst zu lesen.
    Und wenn ich 5 Leuten wirklich helfen kann, ihre Bücher bekannt zu machen, weil sie mir eben auch persönlich gefallen, dann sind immer noch 25 Autoren unzufrieden und schimpfen über die bösen Buchhändler.
    Ich habe es selbst bei Autoren gesehen, die unheimlich viel Geld in Werbung und Marketing gesteckt haben, dass die Nachfrage nur bis eine Woche nach dem letzten Artikel in der Lokalpresse ausreicht. Und wenn mir dieses Buch eben auch nicht gefällt, dann kann ich es einfach nicht den Kunden aufdrängen.
    Ich MUSS die Sachen da haben, die meine Kunden wollen und wenn es nun mal ewig der heiß ersehnte 3. Band von Crossfire ist.
    Und auch ich bin der Meinung, dass gerade im Sachbuch ein bestimmter Verlag ein verlässlicher Indikator für die Qualität eines Werkes ist.
    Im Übrigen versuche ich auch nicht den großen Verlagen zuliebe, den Kunden etwas anzudrehen. Wir haben genau 2 Sorten von Bücher da: die, nach denen die Kunden von selber fragen und die, die wir lieben und empfehlen können. Egal wie bekannt Verlag oder Autor sind.

  3. Sehr treffen finde ich den Antwort auf die Frage, warum man in die Buchhandlung gehen sollte: „Um sich überraschen zu lassen, um Entdeckungen zu machen, um Menschen zu begegnen, …“
    Genau auf diese Weise habe ich jahrelang die interessantesten Bücher und Reihen entdeckt. Nur dummerweise gehöre ich damit einer aussterbenden Art an. Und da ich es mir leider nicht leisten kann, eine oder mehrere Buchhandlungen am Leben zu halten, bedeutet es langfristig, dass dieser Typ Buchhandlung leider auch irgendwann aussterben wird.

    Alles, was stattdessen entsteht – sprich: die schrecklich öden Ketten – kann diesen Entdeckertrieb nicht befriedigen. Sie führen alle denselben Bestsellersenf aus Krimi, Ratgeber oder Schnarchbuch, die Mitarbeiter haben kaum Zeit für Beratung oder Gespräche. Wenn es eines Tages nur noch diese weichgespülte „Alternative“ geben sollte, kann ich mir den Besuch von Buchhandlungen ganz sparen. Leider.

  4. Ein schöne, Idee, diese Reihe.
    Frontberichterstattung, die mir als Autorin vielleicht ein paar Grenzpfähle einschlägt oder Wegweiser aufzeigt – schließlich produziere ich entweder für meine Schublade oder für einen Markt, dessen Bedürfnisse und Handlungsspielräume zu kennen eine entscheidende Voraussetzung für Erfolg im Sinne von erfreulichen Verkaufszahlen für meine Werke darstellt. (Bitte nicht steinigen: Ich weiß, manch einer hält das für eine ausgesprochen schnöde Ansicht inmitten der hehren Künstlerschar, die berufen ist Worte zu drechseln. Aber ich kann mir mit zwei Kindern im Studium ein Leben, das der reinen Kunst dient, nicht leisten…)
    LG
    Barbara

  5. Sehr interessantes Interview, vielen Dank euch beiden! Ich möchte noch sehr viel mehr über den Alltag in Buchhandlungen erfahren, denn das ist uns kleinen Verlagen immer wieder ein Rätsel. Vorschlag für weitere Buchhandlungen: BIB-Buchhandlung in Karlsruhe mit Martina Schwörer-Härtel oder in Endingen Vollherbst&Koch, interessant fände ich halt, etwas über diese Feld-Wald-Wiesenbuchhandlungen in kleinen Städten zu erfahren.

  6. Ich kann Simone Ehrhardt nur beipflichten. Ich war letztes Jahr in Potsdam und wollte in dortigen Buchhandlungen mein neues Buch über die Jugend Friedrichs des Großen auslegen lassen. Ein Buchhändler sagte zu mir: „Wir haben genug Bücher“. Das war jedoch nicht auf die Erscheinungsflut zum Friedrich-Jahr bezogen, sondern ganz allgemein gemeint. Denn der Buchhändler hat mich nicht einmal ausreden lassen, um zu erfahren, worum es geht. Also da kann man auch keine Solidarität der Autoren erwarten.

  7. Der Kommentar an die Selfpublisher ist vielleicht doch eher unnötig. Natürlich ist es nicht sehr geschickt von Autoren, bei einem freien Buchhändler auf amazon zu verweisen. Allerdings sind die Buchhandlungen ja ohnehin nicht offen für solche Autoren (wie im Interview erwähnt) und es dürfte völlig egal sein, in welcher Form eine Info kommt. Wenn man nicht zufällig persönliche Beziehungen zu einer Buchhandlung hat, wird man dort nie sein Buch reinbekommen. Ich habe mit einem meiner Bücher etliche (christliche) Buchhandlungen angeschrieben und hätte doch wenigstens ein gewisses Interessere vorausgesetzt, oder auch nur Höflichkeit, aber wenn überhaupt eine Reaktion kam, dann wurde ich nur angepflaumt. Und ich habe gute Info geschickt.
    Das Verhältnis zwischen Autor und Buchhandlung ist sehr mangelhaft und ich glaube, das liegt zum größten Teil an den Buchhändlern. Man hat allenfalls mit Regionalkrimis eine kleine Chance, ansonsten gehört die Regal- und Auslagefläche den großen Verlagen. Es gibt so viele Autoren, die ignoriert werden vom Buchhandel. Warum sollten die den örtlichen Buchhandel unterstützen?

  8. Die Schiller Buchhandlung ist eine Vaihinger Institution. Ich bin in diesem Stadtteil aufgewachsen und habe bei der Vorvorgängerin in den 70er Jahren meine Schulbücher gekauft. Bei der Übernahme durch Susanne Martin erinnere ich einen Glückwunsch, der nach dem Umzug konstatierte, dass es ihr gelungen sei aus einem „begehbaren Kiosk eine richtige Buchhandlung zu machen“. Bei den von Susanne benannten Veranstaltungen, neuestens dem Buchbistro, hat man wirklich das Gefühl an einer Veranstaltung teilzunehmen, an der viele Stränge eine vernetzten buchhändlerischen Lebens zusammenlaufen. Seit ca. 3 Jahren findet in der Schiller Buchhandlung immer mal wieder das sogenannte mxsw-Treffen statt. Hier treffen sich Medien- und Büchermenschen, die sich vor allem mit dem digitalen Wandel der Branche auseinandersetzen. Vom Professor über viele Verlagsmitarbeiterinnen, Studentinnen der Medienwirtschaft und Buchhändlern und BeraterInnen, die teilweise von weit angereist kommen, um sich hier auszutauschen. Das nächste übrigens kommenden Mittwoch, 10.7.2013 um 19 Uhr. http://meier-meint.de/2013/07/01/11-mxsw-medienmenschen-treffen-am-10-7-2013-in-stuttgart/
    Ich bin etwas vorbelastet, aber die Schiller-Buchhandlung ist ein besonderer Ort. Sowohl im Real Life als auch im Virtuellen. Also schaut einfach mal vorbei.

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