„Das Besondere sind die Bücher und was drin steht.“ – SteglitzMind stellt Margarete Haimberger von der Schröersche Buchhandlung vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten. – Etwas mehr zum Vorhaben hier.

Meinolf Reul hatte empfohlen, dass wir mehr über Margarete Haimberger und die Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg erfahren sollten. Danke für den Vorschlag und danke, dass Margarete Haimberger der Einladung so prompt gefolgt ist.

Eine Skizze vom Laden …

in Aktion © Margarete Haimberger

in Aktion © Margarete Haimberger

Eine Kundin sagte mal: Das ist, als stöbere man bei Freunden in den Bücherregalen. Die Buchhandlung in der Langenscheidtstraße 7 in Schöneberg ist als einladender Raum gedacht, wo Menschen und Bücher einander begegnen können. Der Freunde-Bücherbestand umfasst noch Kinderbücher für die Kleinen und englischsprachige Titel, und eines der vier Regale ist Sach- und Fachbüchern gewidmet, hauptsächlich aus der humanwissenschaftlichen Ecke.

Warum sind Sie Buchhändler/in geworden?

Es gefiel mir schon immer gut in der Buchhandlung meiner Mutter, und zum Künstler taugte ich nicht.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Mit Freuden; aber um ehrlich zu sein, geht das heute und hier nur mit der Familie Gnaden.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Gerade versuch ich, einen online-Laden aufzubauen.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Ich versuche, im Stil vom englischen dovegreyreader Blog Gespräche imKommentarteil zu Büchern in Gang zu bringen…

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Gedankenlosigkeit und Materialismus. Es ist immer besser für die Lebensqualität, den Einzelhandel dezentralisiert zu unterstützen und dabei nie die Verbindung mit dem Menschen zu vernachlässigen.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Bisher hat noch keiner danach gefragt. Vielleicht ermuntere ich in dem Fall doch den Kunden, wenn er dann mal kommt, es bei den Kollegen zu versuchen, bei der Grohnschen, oder in der Akazienbuchhandlung, oder vielleicht bei Herrn Mackensen. Aber ich habe nicht erforscht, ob sie E-Books anbieten.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Ich räume auf Nachfrage die Chance ein, die Bücher in Kommission zu verkaufen und stelle sie dann auch mindestens einen Monat aus. Verleger, Hersteller und Lektoren sind schon eine vernünftige Institution, derer Autoren sich auch zu ihrem Vorteil bedienen sollten. Alle Berufe, die im Laufe der Zeit im Zusammenhang mit der Verbreitung des Buches geschaffen wurden sind Ergebnisse kulturellen Fortschritts.

der Buchladen © Schröersche Buchhandlung

der Buchladen © Schröersche Buchhandlung

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Im Fall der Schröerschen: kaum, aber das mit Freuden.

Ich versuch es, den Menschen schön zu machen und liebe es, mit ihnen in ein Gespräch über Bücher zu kommen. Das Besondere – abgesehen vielleicht von selbstgeklebten Lesezeichen, über die sich die Käufer oft freuen, oder ausgesucht schönen Geschenkpapieren – sind die Bücher und was drin steht.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

– Verlegt so, dass auch in Zukunft gute Literatur zu den Lesern kommt, und zählt dabei auf Menschen und ihr Können und auf Nachhaltigkeit eher als auf Automaten und Elektronik.

– Übertreibt es nicht mit der Ausstattung, vertraut auf die Wirkung des Worts (und wenn es keine Wirkung hat, lasst es lieber ganz bleiben).

– Natürlich verlegt trotzdem noch da, wo es um Bücher für Generationen geht, Titel in bester handwerklicher Tradition und kunstvoller Ausstattung.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Sollten sie nochmal Werbung für das Buch machen, sollten sie dies bitte auf dem Niveau von Quentin Blake oder Tomi Ungerer tun, mit menschlichem Strich statt mit Photoshop-Glätte, mit Humor statt Funnyfunny.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Dass durch die Kriegslust Schriftsteller vermehrt bedroht, verfolgt und eingekerkert werden.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Damit es im buchverbreitendem Gewerbe menschlich bleibt.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich mag die Schroppsche Buchhandlung. Sie war lange Zeit hier in der Nähe an der Blücherbrücke und ist inzwischen am Steinplatz. Aber ich bin schon dort gewesen, und die Atmosphäre ist immer noch schön, alles voller Reiseträume, und gute Beratung. Ich schick meine Kunden auch gerne hin, wenn der Reiseführer am gleichen Tag da sein soll.

Wo findet man Ihre Buchhandlung im Netz?

Es gibt die Internetseite und darauf sind verknüpft der (embryonenhafte) online-Laden (augenzwinkernd) und drei Blogs: Schröerscher Merkur – Nachrichten rund um die Buchhandlung, Das Schröersche Buchprogramm – aus den Regalen der Buchhandlung und Vorlesen am Montag – von den Vorleserunden im Laden.

Danke sehr, Margarete Haimberger. Und ich möchte allen empfehlen, bei Ihnen zu stöbern. Wer Sie nicht in Berlin/Schöneberg besuchen kann, sollte sich auf Ihren Online-Präsenzen umtun. Da gibt es wahrlich sehr viel zu entdecken…

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Bislang vorgestellt haben sich: Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen, Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt und Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr!

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