„Verlage sind Handelspartner und keine Weihnachtsmänner.“ SteglitzMind stellt Martina Bergmann von der Buchhandlung „Frau Bergmann“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten. – Etwas mehr zum Vorhaben hier.

Martina Bergmann © Hedwig Bergmann

Martina Bergmann © Hedwig Bergmann

Jost Renner – ein einstiger Buchhändler, der SteglitzMind unter anderem im Zusammenhang mit seinem literarischen Debüt, dem Gedichtband „LiebesEnden“ im März des Jahres 2013 Rede und Antwort stand – legte mir ans Herz, Martina Bergmann von der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen zu bitten, hier mitzutun. – Ich freue mich, dass die Sortimenterin prompt einwilligte, die verschiedentlich (u.a. im Buchreport-Blog) kritisch zu Fragen Stellung bezieht, die die Buchbranche umtreiben. – Ich sage Martina herzlich danke. – Auch für den netten Austausch, der sich über die gestellten Fragen hinaus via Facebook entwickelte.

Eine Skizze vom Laden …

Die Buchhandlung „Frau Bergmann“ gibt es seit drei Jahren. Ich habe sie am 16. Juli 2010 an meinem Geburtstag aufgemacht, damit ich mir das immer gut merken kann. Sie liegt in Borgholzhausen im Teutoburger Wald direkt am Hermannsweg. Schwerpunkte sind Belletristik und Kommunikation.

Warum bist du Buchhändlerin geworden?

Ich habe in der 9. Klasse ein Schülerbetriebspraktikum in einer Buchhandlung gemacht. Das hat mir gut gefallen, und deswegen bin ich Buchhändler geworden.

Würdest du dich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ja!

Was hat sich in den vergangenen Jahren in deinem beruflichen Alltag verändert?

Mein beruflicher Alltag ist interessanter geworden. Ich fand in früheren Berufsjahren vieles statisch. – Das war schon immer so, das bleibt auch so. Heute ist mehr Raum für Ideen.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternimmst du in dieser Richtung?

Ich bin eine große Freundin von Facebook. Es erleichtert die Kommunikation, man kommt schneller in Kontakt und kann Menschen und Bücher zusammenbringen, ohne dabei groß etwas zu riskieren.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verortest du für deine Buchhandlung die größten Gefahren?

Die größte Gefahr für meine Buchhandlung besteht darin, dass ich eines Tages vielleicht keine Lust mehr habe, ein Einzelhändler zu sein.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich finde E-Books sinnvoll und biete sie auch an. Ich verkaufe aber keine Hardware – E-Book-Reader ebenso wenig wie Regale für Papierbücher.

Und ich berate keine Kunden im Umgang mit digitalem Inhalt, den sie dann in der Bücherei ausleihen. Da werde ich rabiat.

Wäre das eine Option für dich, auch Titel von Self-Publishern anzubieten?

Ich verkaufe auch Bücher von Self Publishern – wenn sie mir gefallen und wenn die Einkaufsbedingungen marktfähig sind. Deshalb verkaufe ich meistens keine Bücher von Self Publishern.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

der Buchladen "Frau Bergmann"  © Hedwig Bergmann

der Buchladen „Frau Bergmann“ © Hedwig Bergmann

Ich habe eine Meinung. Ich rate von Büchern auch ab. Und das wissen meine Kunden zu schätzen.

Wenn du drei Wünsche frei hättest, die dir Verlage erfüllen… Welche wären das?

Verlage sind Handelspartner und keine Weihnachtsmänner. Wenn man realistische Vorschläge unterbreitet, erreicht man nach meiner Meinung fast immer sein Ziel. Ich habe Verlage in schwierigen Zeiten auch als sehr, sehr geduldige Partner kennen gelernt.

Und was würdest du dir vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Die an sich guten Verbandsstrukturen werden von Interessengruppen aktiv gegen andere benutzt. Das stört mich sehr, und ich wünsche mir, dass die Verbandsangestellten sich von ihren (großen) Beitragszahlern weniger manipulieren lassen.

Was treibt dich in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich freue mich über viel frische Belletristik, die abseits der Einheitsgärtnerei im Kettenbuchhandel aus den Mauern zu wuchern beginnt.

In dem Zusammenhang finde ich digitale Bücher sehr wichtig, denn sie sind viel schneller zu beschaffen und geben einen ersten Eindruck.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Kunden sollten in eine Buchhandlung gehen, um sich über Bücher zu beraten. Untereinander und mit kompetentem Verkaufspersonal.

Welche anderen Buchhandlungen empfiehlst du? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Alle anderen Provinzbuchhändler…

Vielleicht könntest du dich noch zu einer oder sogar mehreren konkreten Empfehlungen durchringen? Das würde dem Fortgang der Reihe sicher gut tun…

Bernhard Dust von der Buchhandlung Dust in Warstein, Katrin Schmidt von der Buchhandlung LeseZeichen in Germering, Bettina Haenitsch vom Buchladen in Seeligenstadt, Thomas Gralla von der Buchhandlung Gralla in Berlin und Nicole Anker von AnkerBuch in Anderbuch. – Findest du alle bei Facebook.

Und ich verkünde stolz: Habe alle gefunden und nun hoffe ich natürlich, dass sie mir ebenfalls Rede und Antwort stehen werden. – Danke, Martina, es war mir ein Vergnügen, und feiere schön am 16. Juli, deinen Geburtstag und den dritten von „Frau Bergmann“.

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Zu der Gesprächsreihe beigetragen haben bisher: Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen, Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt, Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm, Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg und Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr!

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