„Lieber stationärer Buchhandel…“ – Ein Gastbeitrag von Stefan Möller aka @Hedoniker

Im Rahmen der losen Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” hatte ich vorgeschlagen, dass Ihr Gastbeiträge beisteuern könntet. Schilderungen aus dem Buchhändleralltag oder, was auch immer… Erfahrungsberichte zum Beispiel: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen? Den Anfang heute macht Stefan Möller mit einer Polemik, die Zündstoff birgt. Ich danke dem Verfasser und würde mich freuen, wenn sein Mittun hier Schule macht.

Stefan lebt und arbeitet als Texter in Hannover. Begegnet sind wir uns vor Jahren via Twitter, wo er die Timeline als @Hedoniker bereichert. Er bloggt über Bücher, die jeder nichtdoofe Mensch gelesen haben sollte, und schreibt für diverse Online-Magazine Rezensionen. Bei Facebook findet Ihr ihn selbstverständlich auch.

Lieber stationärer Buchhandel, wir müssen reden! Eine Polemik von Stefan Möller

Stefan Möller © BookFaces/Gute Aussichten

Stefan Möller © BookFaces/Gute Aussichten

Es war doch mal schön mit uns, viele, viele Jahre lang. Warum hast du aufgehört, dich für mich zu interessieren? Was habe ich falsch gemacht? Ich habe mir doch wirklich Mühe gegeben. Hab dich regelmäßig besucht und viele Stunden mit dir verbracht. Waren wir nicht ein perfektes Paar? Gut, das Vergnügen war natürlich erkauft, ganz billig war es nie, dich zu besuchen. Aber dafür hattest du auch viel zu bieten. Du hast mich immer wieder überrascht. Hast mir Dinge gezeigt, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt. Aber es waren immer Dinge, die mich erfreut haben. Ja natürlich, ich wusste, dass du mir nicht treu bist, dass du immer auch das Verlangen nach Gewöhnlichem befriedigt hast. Aber es war mir egal, solange ich das Gefühl hatte, dass du dir für mich immer etwas Besonderes überlegt hattest. Es war schön, damals, und deshalb bin ich auch immer wieder zu dir gegangen und habe dich nie betrogen. Weißt du noch, wie es war, als ich bei dir Warlam Schalamow kennengelernt habe? An genau der Stelle, wo jetzt die historischen Romane stehen? Wie ich aus den Auslagen deines Lyrikregals, das vor einiger Zeit der Romantic Fantasy weichen musste, den Band von Monika Rinck zog?? Es war okay, dass du immer schon andere mit Lind, Wanderhuren und Wanne-Eickel-Cottbus-Bottrop-Hintertupfing-Krimis zufriedengestellt hast, wirklich! Trotzdem blieb diese Spannung, das Knistern zwischen uns. Jetzt langweilst du mich nur noch. Und das verzeihe ich dir nicht. Ordinär bist du geworden, wo früher Schönheit zu finden war, ist jetzt nur noch billige Tünche, die alles, was an dir mal attraktiv war, verkleistert hat. Ab und zu schaue ich noch vorbei, in der Hoffnung, dass du dich wieder geändert hast. Aber meistens schickst du mich weg und sagst, ich solle am nächsten Tag wiederkommen. Ich will das nicht mehr. Ich habe auch keine Lust mehr, mir von dir immer wieder leere Versprechungen machen zu lassen. Du sagst, du weißt, was gut für mich ist und fragst dann doch nur noch „Wie schreibt man das?“

Lieber stationärer Buchhandel, du sagst mir, dass es dir nicht so gut geht, dass deine Geschäfte auch schon mal besser liefen. Dass deine Kunden immer öfter jemand anders attraktiv finden. Dass sie dir weglaufen, dass sie immer weniger gedruckte Bücher lesen. Das tut mir leid. Und auch wieder nicht. Denn du bist selbst schuld. Hast dich darauf verlassen, dass man dir treu bleibt und dir immer weniger Mühe gegeben.

Liebe Buchhandlung Storm in Bremen, liebe Connewitzer Verlagsbuchhandlung in Leipzig, liebe Litera in Hannover – ihr seid immer noch schön, habt nichts an Attraktivität eingebüßt, euch gelten diese Zeilen nicht. Wärt ihr bei mir in der Nähe, ich würde diese Zeilen nicht schreiben. Ihr aber, die ihr 150 Exemplare von „Fifty shades of grey“, aber nicht einen Titel von Matthes & Seitz vorrätig habt; ihr, die ihr es eine tolle Idee fandet, immer weniger verschiedene Titel auf Lager zu haben, weil der ganze Plunder, den ihr Non-Book nennt und dessen Produktionsbedingungen euch weit weniger interessieren als die Arbeitsbedingungen bei Amazon, Platz braucht, ihr, die ihr mir jetzt mit Sicherheit sagen werdet, dass ihr euch nach dem Bedarf richten müsst und deshalb auf leicht Verkäufliches setzt, weil sich Gedichte schließlich nicht verkaufen (auch wenn diese Entwicklung, nach allem, was man so hört, ja auch nur so mittel funktioniert) – denkt einfach mal drüber nach. Denn ein so außergewöhnlicher Kunde bin ich nicht, es gibt viele von meiner Sorte. Menschen, die unter Literatur nicht Dan Brown verstehen, die Coelho nicht philosophisch finden; Menschen, die in einer Buchhandlung keine Schokolade kaufen wollen.

Derweilen bestelle ich im Internet, bei den Verlagen selbst, weil mir kein vernünftiger Grund einfällt, zweimal in einen Laden zu gehen, um ein Buch zu kaufen. Mit dem Paketauslieferer bin ich übrigens schon seit Langem per du.

Vielleicht wird es ja eines Tages wieder Zuneigung. Man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben.

Dein

Stefan Möller

© Stefan Möller

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Wie nicht anders zu erwarten, regte Stefans Gastbeitrag vielfältige Diskussionen an. Nicht allein hier, sondern auf vielen anderen Kanälen im social Web. Eine Replik könnt Ihr auch auf Sophies Blog Literaturen lesen

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94 Kommentare zu “„Lieber stationärer Buchhandel…“ – Ein Gastbeitrag von Stefan Möller aka @Hedoniker

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  4. Was für ein schöner Beitrag! Ich habe übrigens einen Tag später einen ähnlichen verfasst (und nein, da hatte ich den noch nicht gelesen, das tat ich erst gerade eben).

    Aber ich kann auch noch eine weitere Buchhandlung nennen, die einfach anders ist: Die Buchhandlung Dombrowsky in Regensburg, zu erreichen unter http://www.dombrolit.de/

  5. Pingback: Bücher über alles » [Buchsplitter] KW 30/2013

  6. Lieber stationärer Buchhandel,
    bedenke doch bitte, dass sich mein Lohn in den letzten Jahren, ich behaupte mal Jahrzehnten, nicht erhöht hat – also de facto gesunken ist. Gern würde ich mehr kaufen und dich unterstützen, aber ich kann es einfach nicht mehr so wie früher. By the way, wohin bist du damals eigentlich so schnell verschwunden, als ich noch regelmäßig Bücher kaufte, kaufen wollte, konnte – an mir lag das bestimmt nicht. Ich bin ein bisschen sauer über deine Vorwürfe, so wie ich damals traurig war, als ich vor dem schicken großen Laden stand und wusste, es ist aus mit uns. Vielleicht könntest du dich mal schlau machen (!) über gesellschaftliche und ökonomische Entwicklungen in diesem Land. Vielen Dank.
    Dein Snoopy

  7. Lieber Stefan Möller.

    Ja, du hast Recht. Aus unserer Liebesbeziehung ist die Luft raus. Ich habe aufgehört die Lyrikunterwäsche zu tragen die du so toll fandest. Aber mit dem schmalen Haushaltsbudget, das du mir gegeben hast, kam ich einfach nicht mehr aus. Und als ich dann die billigeren „Shades“-Klamotten angezogen habe, warst du sauer und hast was von Gewöhnlich und Unattraktiv gemurmelt. Du wolltest es auch immer sofort. Nicht mal einen Tag konntest du warten. Dabei war ich so stolz es dir so schnell besorgen zu können. Aber du wolltest immer nur das Besondere. Klar warst du nicht der Einzige mit dem besonderen Geschmack.
    Aber ihr wart zu wenige und kamt zu selten. Und der Rest hörte auf Leute, die sie gar nicht kannten. Von wegen Liebesbeziehung und Loyalität. Kaum hatte eine wildfremde Frau im Fernsehen das Must–Have der Saison hochgehalten, schon waren meine Angebote unattraktiv. Als ich angefangen habe mich ein bisschen mit Schnick-Schnack aufzuhübschen, bist du noch wütender geworden und hast mir vorgeworfen, ich würde mich verkleistern. Dabei habe ich das doch alles auch für dich getan. Richtig, mit der Schlampe vom Amazonas hast du mich nicht betrogen, aber statt uns vielleicht digital eine Chance zu geben, bist du gleich mit den Verlagen ins Bett gegangen.

    Ich find´s toll, dass du dich gemeldet hast. Weil, ich bin noch da für dich. Vielleicht jetzt nicht um die Ecke neben dem Starbucks, aber wenn du nicht fahren möchtest, gib uns doch eine digitale Chance!

    Mit hoffnungsvollen Grüßen
    Dein stationärer Buchhandel

    • Liebe Frau Schüssler, danke für eine der wenigen charmanten Reaktionen auf der Buchhändlerseite. Eine Anmerkung dazu, die nicht polemisch gemeint ist, in der auch keine Schadenfreude mitschwingt, bei der ich mir aber ziemlich sicher bin, dass sie zutreffend sein wird: Das Internet wird den stationären Buchhandel nicht retten! Der Zug ist abgefahren, man hat damals nicht um einen Platz in der Lokführerkabine gekämpft, man hat sogar vergessen, aufzuspringen. Mehr als ein paar Brosamen fallen hier nicht ab.

  8. Da ich, anders als es mir (bzw. den Bloggern allgemein) in einem Kommentar auf Facebook unterstellt wurde, tatsächlich auch einem Broterwerb nachgehe, und es auch recht mühselig ist, die diversen Diskussionen zu meinem Text zu verfolgen, antworte ich hier erst jetzt. Zunächst freut es mich, dass viele, vor allem aufseiten der Buchkäufer (= Kunden), den Text verstanden haben, ihn auch als das, was er ist, nämlich eine provozierende Zuspitzung, die ein Denkanstoß sein soll, verstanden haben. Meine Absicht war nicht, hier Beifallsstürme von Buchhändlern einzuheimsen, zumindest das ist mir ja offenbar gelungen. Allerdings haben mich etliche Kommentare doch erstaunt. So wurde trotz des Satzes „Es war okay, dass du immer schon andere mit Lind, Wanderhuren und Wanne-Eickel-Cottbus-Bottrop-Hintertupfing-Krimis zufriedengestellt hast, wirklich!“ der Text von Vielen als Aufforderung interpretiert, ausschließlich auf Bücher von (stellvertretend für viele andere kleine und mittlere Verlage) Matthes & Seitz zu setzen. Da fehlt es mir an Fantasie, zu erkennen, wie man zu diesem Schluss kommt, ich habe durchaus erwartet, dass man als Buchhändler (nur zur Sicherheit, es scheint ja notwendig zu sein: Ich meine NICHT alle!) in der Lage sein sollte, Texte zu lesen und zu verstehen.

    Häufig wurde mir auch vorgeworfen, keine Ahnung von den Strukturen und Nöten des Einzelhandels zu haben, was dann in der Frage gipfelte, was mich dafür qualifiziere? Ich kann auch (schnell) einen Blog schreiben. Können Sie (überhaupt) einer einzelhändlerischen Tätigkeit nachgehen? Dann wären wir nämlich auf Augenhöhe.“ Da bleibt mir dann nur noch ein „Hä? Geht’s noch?“ Zur Erinnerung: Dieser Text ist aus meiner Sicht geschrieben, also aus der Sicht eines Kunden. So wenig, wie ich Ahnung vom Reparieren eines Autos haben muss, um beurteilen zu können, ob ich mit einer Werkstatt zufrieden bin, so wenig muss ich eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolvieren, um eine Buchhandlung, einen Blumenladen oder eine Drogerie beurteilen zu können.

    Und da der Text aus meiner Kundensicht geschrieben ist, halte ich es auch nur für wenig zielführend, mich darauf hinzuweisen, dass ja eine Buchhandlung ein Geschäft ist, das Gehälter, Fixkosten und, und, und zu verdienen hat. Ich bin schon groß und ich bin auch nicht dämlich: Das ist mir durchaus bekannt!
    Ich sag’s noch mal provozierend: Das interessiert mich als Kunde aber nicht! Mich interessiert, ob man mir etwas zu bieten hat, dann beteilige ich mich durch den Kauf auch daran, dass Fixkosten, Gehälter und, und, und bezahlt werden können. Mich interessieren in erster Linie Bücher, wo ich sie mir kaufe, interessiert mich erst an zweiter Stelle. Ich gehe nicht in einen Laden, um dessen Existenz zu sichern, wenn ich dort nichts finde, was ich haben möchte. Das kann übrigens auch etwas sein, ich schrieb es, was ich beim Betreten noch gar nicht gesucht habe. Es ist absolut legitim, zu sagen, dass man auf Kunden wie mich verzichten kann, ich wurde ja auch aufgefordert, dann halt bei Amazon zu kaufen. Wie all die anderen auch, mit denen Amazon im letzten Jahr einen Umsatz von 1,6 Mrd. Euro nur beim Verkauf von Büchern gemacht hat, bei 9,5 Mrd. Gesamtumsatz des Buchhandels.

    • Lieber Stefan Möller,
      ich würde mich an Ihrer Stelle einfach freuen, eine wirklich rege Diskussion angeschoben zu haben und mich in die Sommerfrische verabschieden. Der Bote ist nie der … Sie wissen schon.
      Grüße
      Ihr
      CS

    • Der Knackpunkt ist doch der: „Derweilen bestelle ich im Internet, bei den Verlagen selbst, weil mir kein vernünftiger Grund einfällt, zweimal in einen Laden zu gehen, um ein Buch zu kaufen.“ Diesen Service (nur einmal in den Laden kommen) kann ein Sortiment nur leisten, wenn der Kunde zuvor via Kommunikationsmittel seinen Bestellwunsch aufgegeben hat, dann braucht auch er nur einmal kommen. Und zum stöbern, ja da muss man das Haus verlassen oder eben alles via Internet recherchieren. Man benötigt keine Buchläden. Warum sollten wir also reden, lieber Stefan Möller, ich verstehe Sie nicht (Kunden und Leser verstehen Sie ja offenbar sehr gut, ich aber bin Buchhändler und verstehe Sie nicht, so what!). Deshalb schon mein Kommentar weiter unten: Im Ernst, Polemik beiseite, worum geht es Ihnen?

      • Herr Kowalke, mit Ihnen muss ich gar nicht reden. Ich wundere mich auch,warum Sie sich überhaupt angesprochen fühlen. Mich hat es in den 38 Jahren meines Lebens noch nie nach Chemnitz verschlagen, deshalb kenne ich Ihre Buchhandlung nicht. Was ich aber bei Facebook gesehen habe: Ihre Buchhandlung ist eine, wie ich sie mir wünsche. Deshalb müssen wir beide gar nicht reden. Sie werden mir doch aber sicher zustimmen, dass eine Überschrift „Lieber stationärer Buchhandel, also stationärer Buchhandel nicht im Sinne der tollen Buchläden, die ich beispielhaft weiter unten erwähne, sondern stationärer Buchhandel im Sinne von gesichtslosen Ketten und all den Kleinen, die versuchen, es den Ketten nachzumachen, wir müssen reden!“ als Überschrift eher so mittel super funktioniert und vermutlich auch nicht das Maß an Reaktionen hervorgerufen hätte, wie Gesine und ich es uns erhofft haben.

      • Lieber Stefan Möller,
        vielen Dank für das Kompliment. Doch, ich fühle mich eben auch angesprochen, weil ich Ihren Ansatz nicht verstehe. Die Konsequenz lautet doch: „Derweilen bestelle ich im Internet…“ Also bitte, das öffnet Tür und Tor unserem größten Konkurrenten „Amazon“ (sollten sich Kunden von Ihrem Blog bestätigt fühlen) und deshalb fühle ich mich angesprochen, als Branche quasi – wissend, dass meine Buchhandlung nicht Mainstream ist.

        Lieben Gruß
        Klaus Kowalke

      • Es ist wohl nicht möglich, auf Ihre Antwort auf meine Antwort zu antworten, deshalb hier: Mein Ansatz bzw. der Antrieb für den Text war der Wunsch, dass wieder mehr Läden zumindest ein wenig so werden wie Ihrer, weil ich nicht mehr in Buchläden kaufen will und werde, die nicht zumindest ein bisschen so sind wie Ihrer.

  9. Lieber »stationärer Stefan Möller«, der Du lieber vom Schreibtisch aus bestellst, wir müssen reden! irgendwie kann ich Deinen Frust ja verstehen.

    Buchhändler ist mein erlernter Beruf, Buchkäufer seit Jahren mein Status, da ich meinen Beruf nicht mehr ausübe.

    Als ich meine Ausbildung begonnen habe, gab es in der Mannheimer Innenstadt in den Planken vom Wasserturm bis zum Paradeplatz und den angrenzenden Seitenstraßen, auf der Wegstrecke von ca. 1km, 8 (in Worten ACHT) Buchhandlungen. Eine pflegte einen exquisiten Taschenbuchkeller, die nächste legte den Schwerpunkt auf Schulbuch, Altphilologie und klassisches Sortiment, die nächste auf Schulbuch und klassisches Sortiment, die nächste setzte auf das Theater begeisterte Bildungsbürgertum, es gab die Büchergilde Gutenberg mit einer excellenten Grafik-Abteilung, ein klassisches Sortiment kombiniert mit modernem Antiquariat. Eine Buchhandlung klassisches Sortiment mit Schwerpunkt Erotik (und Pornographie unter der Theke) und eine Buchhandlung ausschließlich mit Kinderbüchern. Im Kernbereich der Innenstadt gab es noch 8 weitere Buchhandlungen; jede pflegte ihren eigenen inhaltlichen Schwerpunkt.

    Auf der Strecke Wasserturm – Paradeplatz gibt es heute eine Thalia Filiale und die Buchhandlung mit dem Schwerpunkt Theater und Bildungsbürgertum; alle anderen sind weg.

    Mein heutiger Lieblingsbuchhändler arbeitete seinerzeit als Angestellter in einer der Innenstadt-Buchhandlungen und war mein Lehrer an der Berufsschule, der mir das Bibliographieren beibrachte. Er gründete in Marktplatz Nähe seine eigene Buchhandlung mit Antiquariat, betreibt einen Verlag und zwei Museums-Shops. – Von Einheitsbrei keine Spur. Trotzdem finde ich die Bücher, die ich gerne lese, nicht oder nur selten vorrätig. In dem winzigen Laden ist einfach kein Platz.

    Ich habe kein Problem damit; es gibt ja Internet. Newsletter der Verlage, die mich interessieren, halten mich auf dem Laufenden. Bestellt wird beim Buchhändler per E-Mail. Wenn ich das Buch abhole und Zeit habe, stöbere ich eine Runde durchs Antiquariat und finde meistens noch etwas, das ich vorher nicht im Blick hatte.

    Aus Gründen der Solidarität bestelle ich ab und an auch etwas in einer relativ neuen Vorort-Buchhandlung, die vorzugsweise Regionalkrimis, andere Regionalia und einen Mainstream Stapeltisch zu bieten hat. Ich tue das, weil mich die ebenfalls vorhandene blendend sortierte Kinderbuchecke begeistert und ich dort oft auch fündig werde. Für die Kleinen ist ein toller Spielbereich eingerichtet. Wenn der Laden um 18 Uhr schließt (weil ein Mann/Frau Betrieb) ist es schon öfter vorgekommen, dass Kinder, die einfach von der Straße zum Spielen rein gekommen sind, gebettelt haben: »Lässt Du bitte die Legos und Bauklötze so stehen? Wir kommen morgen früh gleich wieder und spielen weiter.«

    Also lieber Stefan Möller, ich finde, es lohnt sich immer noch, seinen Arsch vom Schreibtischsessel zu heben und in eine Buchhandlung zu gehen.

      • Inwiefern ist das bitte sicherer und schneller als bei Amazon? Ich will ja gar nicht sagen, dass man bei Amazon bestellen sollte, aber schneller oder sicherer ist es in der Buchhandlung garantiert nicht!

        Bei Amazon habe ich meine Bestellung in der Regel am nächsten Tag an der Haustür UND wenn was beschädigt ist, bekomme ich ohne Komplikationen sofort ein neues Exemplar. Der Buchhändler verlangt von mir die Abnahme des bestellten Buches, egal wie der Zustand auch ist oder will hundert Jahre mit mir diskutieren, dass das, was ich als Mängel betrachte, doch eigentlich gar keiner sei oder – noch dreister! – er nichts sehe.

        So viel dazu.

      • Liebe Stephie,

        ich diskutiere niemals mit einem Kunden, wenn das Buch beschädigt ist, im Gegenteil meistens wird es sofort zurückgeschickt und ungefragt ein neues bestellt. Sicherer und schneller vor Allem deshalb, weil wir bis 17:55 Uhr zum nächsten Tag bestellen können, die Bücher in der Regel vor Ladenöffnung in einwandfreiem Zustand eintreffen. Ergo kann man als Kunde bequem um 09:00 Uhr in die Buchhandlung gehen, ein Schwätzchen mit dem Personal halten, sich sein Buch geschenkmäßig verpacken lassen und frohen Mutes von dannen ziehen. 🙂

  10. Ich mag nicht mehr darüber diskutieren, welcher Titel eine Daseinsberechtigung hat und welcher nicht. Der Kunde (oder eher die Kundin), die Nicholas Sparks, Cecilia Ahern oder von mir aus auch E.L. James kauft, ist mir genau so lieb wie der Leser von Ljudmila Ulitzkaja,Martin Mosebach oder Nelly Sachs. Warum bin ich mit vermeintlich literarischen Titel ein besserer Buchhändler? Wir versuchen in unserer Buchhandlung ein gesundes Gleichgewicht zu erhalten, und auch den ein oder anderen Überraschungstitel zu haben.
    Die Bestsellerliste hängt bei uns nicht aus, und spielt Gott sei Dank eine untergeordnete Rolle. Wir dürfen viel beraten und empfehlen, was ja leider auch nicht mehr selbstverständlich ist. Dadurch können wir auch Bücher aus Kleinverlagen zu hausinternen Bestsellern machen. Das ändert aber nichts daran, dass es einen gewissen Anteil an Kunden gibt, die Dan Brown, Iny Lorentz und Dora Held lesen wollen. Dafür bin ich sehr dankbar, denn das erlaubt mir das ein oder andere Experiment. Und wer keine unnötige Autofahrt riskieren möchte, kann gerne bei uns anrufen oder uns eine Email schicken, um das gewünschte Buch zum nächsten Tag zu bestellen.

    • Wir sind nunmal Geschäftsleute, wir verkaufen was der Kunde verlangt ! Ich freue mich über jeden, der mein Buchhändlerhirn herausfordert, werde aber niemals versäumen den Bestsellerkäufer zufriedenzustellen, denn mit denen verdienen wir unser täglich Brot !

  11. Warum sind die meisten Kommentare zu Stefan Möller eigentlich Verteidigungsbeiträge ? Kaum jemand geht auf seine berechtigten Argumente ein. Der Mann ist ein verlorener Kunde der quasi darum bittet das man ihn zurückholt. Und als Antworten bekommt er mehr oder weniger nichtssagendes Defensivgeplapper. Schade, dass man die Chance nicht nutzt ihn wieder nachhaltig an eine Buchhandlung zu binden.

    • Weil, wie lautet der Spruch so schön: Wer sich verteidigt, klagt sich an!

      Ich denke, selbstverständlich wissen viele Buchhändler von den Missständen, wissen aber nicht, wie diese zu lösen sind. Ich wüsste es auch nicht und scheinbar die großen Sortimenter ebensowenig. Denn eigentlich sind diese Szenarien ja nichts Neues. Ich nenne nur mal als Beispiel die Platten/Cd-Läden. Dehnen ging es doch genau so. Erst kamen zwei große Ketten auf den Markt, welche Ihnen die Umsätze mit günstigeren Preisen streitig gemacht haben und dann das MP3-Format. Und nun gibt es kaum noch solche Läden. Der Buchhandel hat immerhion noch den Vorteil der Preisbindung. Ansonsten gäbe es heute schon viel weniger Sortimente. Aber wie bekommt man die Leute wieder in die Läden? Einfach hier und bei seinen Kunden mal zuhören und daraus die richtigen Konsequenzen ziehen und nicht soviel Jammern. Ich weiß leichter gesagt als getan.

      • Ich glaube es gäbe viel weniger Aufregung, wenn er gesagt hätte „Ich such mir ne andere, bessere Buchhandlung. “ Das Internet ist ein rotes Tuch für uns Buchhändler und wir alle wissen warum.

        Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ein Kunde sich seine Buchhandlung „erziehen“ kann. FRagt man öfter nacht Titeln, Verlagen oder Autoren wird sich der findige Kaufmann darum kümmern zukünftig etwas vorrätig zu haben. Ich bestelle stellenweise Novitäten, weil ic genau weiß, das dem Herrn XY das Buch gefallen wird.

  12. Hat dies auf Buchjunkie rebloggt und kommentierte:
    Stefan Möller begegnete mir heute auf Facebook mit einem Zwischenfazit zu dem Beitrag, den er als Gast auf Steglitzmind schrieb:

    Kleines Zwischenfazit zu den Reaktionen auf gestrigen Beitrag, nach dem Lesen von rund 200 Kommentaren auf dem Blog, bei Facebook und Twitter. Zwei Leute fanden den Text langweilig und überflüssig, einer davon fand immerhin den Stil ganz okay. Bei den Nicht-Buchhändlern überwog die Zustimmung, die Reaktionen reichten von „Mir aus der Seele gesprochen“ (oft) über „Es sind zum Glück nicht alle so“ (auch oft) bis hin zum Verständnis für die Lage des Buchhandels (gelegentlich). Etwas anders die Reaktionen der Buchhändler. Einige (nicht alle!) hatten offenbar Schwierigkeiten, die Aussage in ihrer Gänze zu erfassen. So steht mitnichten geschrieben, dass ich erwarte, dass sich der Buchhandel ausschließlich dem Verkauf von qualitativ Hochwertigem widmen soll, dies wurde mir aber oft vorgeworfen. Dass eine Polemik (ich hatte diesen Begriff der Einfachheit halber gleich unter die Überschrift gesetzt) natürlich mit Überspitzungen und auch Provokation arbeitet, war einigen so dann auch nicht bewusst.
    Häufig kam dann der Vorwurf der Arroganz (damit kann ich gut leben, Kuschelecke ist woanders), ich wurde aufgefordert, doch bei Amazon zu kaufen, manche versuchten, mir das Tagesgeschäft zu erklären, mitunter wurde aber auch bescheinigt, dass ich in dem einen oder anderen Punkt recht habe, ohne allerdings zu benennen, in welchen Punkten. Davon, dass von der Buchkäuferseite hauptsächlich Zustimmung kam, hat sich übrigens fast niemand beeindrucken lassen.

    Den letzten Satz sollten sich viele Buchhändler dreimal durchlesen.

  13. Lieber Stefan Möller,

    wenn Sie in unsere Buchhandlung kommen, finden Sie vermutlich genügend anspruchsvolle Titel. Ich betreibe eine reine literarische Buchhandlung. Doch, was ist wenn ein Kunde „Shades of Grey“ wünscht, ja, genau, ich habe diesen Titel nicht geführt, ich habe diesen Titel 3 x bestellt, für Kunden. Und was ist, wenn Sie nun einen literarischen Titel suchen, den ich auch nicht da habe und ihn bestellen muß? Dann sagen Sie: Selbstschuld, bestelle ich halt bei Amazon. Kein Sortimentsbuchhändler kann 1 Million lieferbarer Titel vorrätig haben und die Handschrift einer jeden Buchhandlung ist individuell. Wenn Ihre Nachbarschaft (sagen wir Hannover) keine Existenz einer Buchhandlung sichern kann, weil Ihre Nachbarn im Internet bestellen und sich somit keine tragfähige Existenz für ein anspruchsvolles Sortiment lohnt, ja, dann würde ich polemisch sagen, ziehen Sie doch weg. Es gibt genügend Gegenden in Deutschland mit wunderbaren Buchhandlungen (wie sonst nirgends auf der Welt (in der Dichte, in der Qualität und mit der Logistik im Hintergrund) und deshalb verstehe ich Ihren Einwurf überhaupt nicht). Im Ernst, worauf wollen Sie hinaus?

  14. Das mindeste was Kritiker allzu angepasster Buchhändler tun könnten, wäre die nicht angepassten Buchhändler durch Einkauf in deren Online-Shops zu unterstützen. Wieso direkt bei den Verlagen einkaufen? Das ist unlogisch und unglaubwürdig

  15. Das ist fein formuliert und genauso fein beobachtet, aber …
    Früher gab es Kunden, die man als Buchhändler überraschen konnten. Genau diese liebgewonnene Klientel mutierte aber zum „Ich bin besser informiert als Du – mir kannst Du gar nix mehr erzählen“ – Kunde. Genau diese Kunden haben die Informationsflut des Internets kreativ genutzt und kamen nicht mehr mit offenem Geist sondern mit fertig ausgedruckten Wunschlisten in den Laden. Wunschlisten, die so kreativ waren, das wir Buchhändler sie so nicht erfüllen konnten – nur bestellen.

    Eine Zeit lang berauschte sich diese Klientel an der Informationsvielfalt des Internets. Jetzt hätten sie es gerne wieder handverlesen? Dumm, das der Buch-Händler in der Zwischenzeit das getan hat, was ein Händler tun muss: er hat sich den Kundenwünschen angepasst.

    Jetzt stehen beide in einer verödeten Landschaft. Schön, das sie da wieder raus wollen!

    • Leider kommt es aber, zumindest meiner Erfahrung nach, nun mal auch oft vor, dass ich persönlich besser informiert bin als der Buchhändler. Wenn ich den Mitarbeiter der Jugendbuchinformation nach Buchtiteln frage, die KEINE Fortsetzung haben/bekommen frage, und dieser mir darauf hin drei Titel nennt, zu denen es im Original bereits eine Fortsetzung gibt, finde ich das traurig. Ein weiteres Mal frage ich bestimmt nicht, da informiere ich mich dann lieber vorher im Internet. Das lügt mich nicht an, sondern gibt wenigstens zu, wenn es keine Ahnung hat.

  16. ich bezweifle allerdings – auch ganz polemisch – daß Arroganz und Überheblichkeit gegenüber den Wünschen unserer Kunden ein tragfähigeres Zukunftsmodell ist.

    In allererster Linie ist der Buchhandel nicht anderes als stationärer Einzelhandel in dem Geld verdient werden muss um Gehälter, Strom und noch ein paar Kleinigkeiten zu bezahlen.

    Und man möchte es nicht glauben, aber es gibt sehr viele liebenswerte und tolle Menschen die Shades of Grey, Dan Brown oder Coelho lesen….

  17. Ja, das ist eine Polemik – aber was für eine! Bin ich wirklich die Einzige, die beim Lesen trotz der Schärfe einen Hauch von Melancholie gespürt hat? Von einer Liebe, die man nicht aufgeben mag, die aber am Zuviel des Alltags zu zerbrechen droht, der nichts mehr zu bieten hat als Langeweile? Schreibt da nicht jemand, der Buchhandlungen liebt, der die Erinnerung in sich trägt von der Magie dieser Orte, dem Duft der für ihn besonderen Bücher, deren Verschwinden er bedauert? Nein, nicht alle sind gemeint. Vielleicht gibt es sie noch, diese Buchhandlungen aus der Erinnerung (Ja, ganz sicher gibt es sie noch, wie die Beiträge hier zeigen!), aber hier schreibt jemand ganz bewusst aus der persönlichen Sicht; er bedauert, er trauert.

    Es geht nicht darum, dass Buchhandlungen auch die Titel der Bestsellerlisten bevorraten, nicht darum, dass „Kitsch“ neben „Kunst“ steht (was immer unter dem einen und anderen auch zu verstehen sein mag). Es geht darum, dass sich zunehmend gemein gemacht wird – und da KANN eine kleine Buchhandlung nur verlieren. Konkurrieren mit den Großen vermag sie nicht in der Titelanzahl, nur in der Titelauswahl. Sie kann sich einzig machen. In der Kompetenz. Im Herzblut, das die Inhaber investieren, mit der Freude, mit der sie ihre Arbeit tun – Bücher lesen, bewerten, empfehlen. Natürlich haben sich auch die Kunden verändert, viele wollen alles schnell und alles ist erst mal das, was alle kennen und alle wollen. Dieses Bedürfnis wird bedient, üppig, von Verlagen, dem Internetgroßbuchhändler, der Buchhandelskette, und, ja, zunehmend auch vom Buchladen um die Ecke. Wer ist die Henne und wer das Ei? Es lässt sich trefflich darüber streiten.

    Sicher nicht streiten lässt sich darüber, dass diese „alte Buchhändlerseele“ ein teuer erkauftes Produkt ist, Kunden, die so träumen und suchen wie der „Polemiker“, die finden sich nicht leicht, die treten nicht in Massen auf; sie zu gewinnen, kostet unendlich Zeit und Mühe. Geduld. Langmut. Die hat nicht jeder, die will auch nicht jeder aufbringen, und, so ehrlich muss man sein: Manchmal liegt auch die Buchhandlung im „falschen“ Eck, und es gibt dort zu wenige von diesen Kunden, um zu überleben. Und es trifft ja nicht nur die Buchhändler. Diese „Polemik“ ließe ich prima auch auf Verlage und Autoren umschreiben „Andere Bücher“ machen (schreiben, verlegen) – Bücher mit Herzblut und nicht nach Schema F: Es geht. Aber es kostet unendlich Zeit und Mühe. Geduld und Langmut. Die hat nicht jeder. Und manchem geht der Atem aus; er kann trotz bester Absichten nicht überleben mit seinen hehren Ideen. Er passt sich an, muss sich anpassen.

    Und doch: Man gibt die Hoffnung nicht auf, und deshalb – so kann ich mir lebhaft vorstellen – setzt sich jemand hin und lässt seine Gedanken in eine „Polemik“ fließen, die mich beim Lesen nicht zum Widerwort inspiriert, sondern zu der ermutigenden Feststellung: Wenn es mehr sind, die so denken, wenn es mehr sind, die diesen Verlust so schmerzlich spüren: der Zauber des Mediums Buch, die fantastische Welt des Erzählens, des Verlegens, des Verkaufens, des Lesens!, und wenn, auf der anderen Seite, die Bereitschaft vorhanden ist, hier und da eine kleine Nische einzurichten, ein Licht anzuzünden im Schaufenster der Beliebigkeiten – vielleicht lockt es. Die Massen werden nicht hereinregnen, aber jeder Gärtner weiß, dass eine Tröpfchenbewässerung nachhaltiger wirkt als ein kurzer Regenguss. In diesem Sinne: Herzlichen Dank für diesen Text!

    • „Ja, das ist eine Polemik – aber was für eine! Bin ich wirklich die Einzige, die beim Lesen trotz der Schärfe einen Hauch von Melancholie gespürt hat? Von einer Liebe, die man nicht aufgeben mag, die aber am Zuviel des Alltags zu zerbrechen droht, der nichts mehr zu bieten hat als Langeweile?“

      Nein, Du bist/Sie sind nicht die Einzige! Aber ich hätte das nie so schön in Worte kleiden können. Danke für den schönen Kommentar!

      • Na ja, ich geb`s zu: Mein Zweitberuf ist Schriftstellerin *lach*. Aber im Ernst: Ich habe tatsächlich die Hoffnung, dass bei so vielen Stimmen „pro“ was Gutes rauskommen wird … 😉

      • Für mich klingt das ein wenig nach „Tante Emma“ Melancholie. Hach, was war das damals schön, als wir noch da kaufen konnten.

        Jetzt gibt es den ja nicht mehr ! Bei Tante Emma war es der Supermarkt, bei den kleinen und feinen Buchhandlungen erst der Filialist und nun der Inetriese mir seiner Bequemlichkeitsschiene.
        Früher war halt alles besser. 😉

  18. Pingback: Der Kretin ist immer der Buchhändler | Literaturen

  19. Ich finde, hier werden viel zu oft Individualerfahrungen im Buchhandel zu einem Gesamtbild verwurstet, was den Nagel nicht unbedingt auf den Kopf trifft. Ich arbeite in einer Buchhandlung, bzw. einem Medienkaufhaus, das Hundertermengen von Shades of Grey eingekauft, dafür aber eben auch Matthes & Seitz Titel vorrätig hat. Das eine bedingt leider das andere. Und wenn jetzt immer mehr Kunden, die das Literarische schätzen, den Buchhandlungen fernbleiben, müssen die sich immer mehr dem Massengeschmack anpassen. Ganz logisch, oder? Die Masse liest die Bestsellerlisten auf – und abwärts, das ist auch okay so, denn mit den Einnahmen aus den Bestsellerlistenverkäufen finanzieren die Buchhandlungen Matthes & Seitz & Co! Das ist etwas, das mir am Anfang auch nicht klar war und das ich gleichermaßen betrüblich wie traurig finde. Dieses Fernbleiben aus kleinen Buchhandlungen, weil sie plötzlich nicht mehr so viele Nischentitel führen, ist in etwa, wie nicht zur Wahl zu gehen und dann über das Ergebnis zu meckern. Ich kann den Unmut voll verstehen, aber sich da einfach rauszunehmen und dann zu mosern, finde ich ungerecht und unproduktiv! Es gibt viele Buchhandlungen, die ein besonderes und spezielles Sortiment haben, die ihrem Laden eine persönliche Note zu geben versuchen. Da nun das eigene Pamphlet mit „Lieber stationärer Buchhandel …“ zu überschreiben und ausnahmslos alle abzuwatschen, erscheint mir ungerecht und kurzsichtig.

    Darüber hinaus glaube ich kaum, dass man nur einen dafür verantwortlich machen kann – in diesem Falle den Buchhändler. Das greift viel zu kurz. Es sind sicherlich die Sortimenter, es sind aber auch die Verlage, die immer mehr Schrott in Massen produzieren („Chantall tu ma die Omma winken“) und damit selbstverständlich auch das Angebot verändern. Wo es früher ein paar derb-humorige Titel im Randprogramm waren, verlegen sich manche ja mittlerweile fast nur noch auf diese halbseidenen Erzeugnisse. Es sind auch die Kunden, die immer mehr von dem Kram kaufen, weil ich manchmal das Gefühl habe, die Leute werden zusehends rammdösig, wenn sie nach einem Arbeitstag auch noch denken sollen. Das spiegelt sich ja nicht nur in der Literatur, sondern auch im Fernsehprogramm oder in der Musikindustrie. Einfach zu sagen: Ey, der Buchhändler is schuld, weil der meine schönen Bücher da nicht mehr im Regal hat, ignoriert ganz viele andere Faktoren. Und, wie gesagt, Verlage wie Matthes & Seitz sind hervorragend und großartig, funktionieren im Sortiment aber meistens nur, wenn man wie mit irgendwas querfinanziert. Und das ist eben meistens der Ramsch. Sie, Herr Möller, haben zwar einige Buchhandlungen aus ihrer Bewertung ausgenommen, aber mal ehrlich: wie viele Buchhandlungen gibt es in Deutschland? Sie müssen nicht so tun als würden diese drei Nenunngen Ihren Text nun merklich relativieren.

    • „Ich finde, hier werden viel zu oft Individualerfahrungen im Buchhandel zu einem Gesamtbild verwurstet, was den Nagel nicht unbedingt auf den Kopf trifft.“

      Gut möglich. Du als Buchhändlerin nimmst so einen Text natürlich ganz anders wahr, als ich, der wenig Hintergrundwissen über die Zusammenhänge hat. Der Titel passt m.E. zu einer Polemik und fordert z.B. jemanden wie Dich heraus, was ja ein Ziel einer Polemik ist. Dafür muss man eben auch mal Pauschalisieren. Wenn ich jede Aussage wieder in Watte packe, dann kuscheln am Ende wieder alle und haben sich ganz doll lieb. Das bringt einen aber auch nicht weiter, oder?

      Ich habe Möllers Text nicht so gelesen, dass er die Arbeit der Buchhändler nicht schätzen oder gar herabwürdigen würde, sondern eher, dass da anscheinend, zumindest teilweise, eine Entwicklung stattgefunden hat, mit der er wenig anfangen kann. Für mich war das kein fieser Tritt, sondern ein Aufrütteln.

      Dass man in den meisten Buchhandlungen nicht ausschließlich Nischenprodukte anbieten kann, erscheint mir einleuchtend. Über die speziellen Marktzwänge und Schwierigkeiten, mit denen sich der Buchhändler heute rumschlagen muss, lese ich hier in der Serie. Das scheint mir aber auch von Standort zu Standort verschieden.

      Vielleicht will Möller zu etwas mehr Mut herausfordern, sich auch mal (wieder) abseits der ausgetretenen Pfade zu bewegen. Ob sich das ein Buchhändler heute noch leisten kann und ob die Mehrheit wirklich nur noch Blödsinn liest, darüber weißt Du sicherlich mehr, als ich.

      Wenn sich jetzt noch mehr Buchhandlungen hier melden, die nicht dem obigen Schema des Artikels entsprechen, dann ist doch auch was gewonnen, oder nicht? Das würde beweisen, dass es eher ein Imageproblem gibt.

      • Auch hier nochmal Danke für diesen Kommentar und auch deinen eigenen Blogeintrag, den ich äußerst treffend finde !

        Als Außenstehender kann man vielleicht nicht nachvollziehen wie heftig es einen Buchhändler trifft, wenn jemand sagt : „Ich bestelle lieber im Inet!“

        Man gibt sich Mühe ein Sortiment aufzubauen, versucht den Laden und die Schaufenster attraktiv zu gestallten. Man spendet für Tombolas von jedem Verein, macht Werbeanzeigen für Vereinsfeiern und veranstaltet Lesungen oder sonstiges.

        Die Kunden werden zuvorkommend und höflich bedient, jedes Pixi Heft wird als Geschenk verpackt und dann hört man : „Im Inet ist es viel bequemer, da brauche ich ja nicht vor die Tür“

        Und nach ein paar Jahren wundern sich genau diese Leute, warum ihre Innenstadt ausgestorben ist.

  20. 1.
    In Bremen (noch aktuell, hoffe ich) lohnt zweifellos die Buchhandlung von Bettina Wassmann einen Besuch – (0421) 2581687 – und eine Fragebogen-Anfrage, in München die Buchhandlung von Regina Moths (info@li-mo.com), in Graz, leider auch keine E-Mail, die Bücherstube Angelika Schimunek ([Österreich] 0316 825026), in Amsterdam Die Weisse Rose (info@weisserose.nl).

    2.
    Möllers Polemik mag ich mich nicht anschließen, dafür kenne ich einfach zu viele Buchhandlungen, die ihre Sache sehr gut machen.
    Eine Buchhandlung hat beträchtliche Fixkosten (Ladenmiete, Zustellungsgebühr des Bücherwagendienstes, Onlinebibliographie des Zwischenhändlers, Gerät für Kartenzahlung, Krankenkassenbeitrag, Mitgliedsbeiträge für Börsenverein, IHK, Berufsgenossenschaft usw.) die abgedeckt sein wollen. Deswegen würde ich mit keiner Buchhandlung so streng ins Gericht gehen, die über Schnickschnack und Schokolade
    o. ä. versucht, der mageren Gewinnspanne bei Büchern (freundlich gerechnet ca. 30%)
    zu Hilfe zu eilen – allerdings halte ich das auch nur bedingt für einen gangbaren Weg.

    Die Beschleunigung im Buchhandel halte ich für ein Unglück und für einen fatalen Irrweg. Der Buchhandel muss meiner Meinung nach zu einer vernünftigen Langsamkeit zurückfinden. Alles, was mit Literatur zu tun hat, ist tendenziell langsam, verlangsamend. Der kindische Wunsch nach Sofortbespaßung ist ein Götze, und ich werde ihn niemals anbeten. Warum muss ein bestelltes Buch sofort da sein, oder gleich am nächsten Tag? Steht denn Freund Hein vor der Tür? Ich kann sehr gut warten – Warten heißt auch Sichvorfreuen. Das Plötzliche ist witzlos. Außerdem habe ich, wie jeder Buchbesteller, einen Haufen ungelesener Bücher in meiner Sammlung, und immer eines, das ich gerade im Moment lese. Wozu also der Stress?

    Buchhandlungen bekommen über die Verlage – abgesehen davon, dass es schön ist, direkt mit den Verlagen zu arbeiten – viel bessere Konditionen (Rabatt, Zahlungsziel, Remissionsrecht, Bereitstellung von Werbematerial etc.) als über den Zwischenbuchhandel, da wäre es wünschenswert, wenn ein Kunde seine Buchhandlung dazu ermuntern würde, das bestellte Buch gerne über den Verlag bzw. dessen Auslieferung zu ordern, auch wenn das dann etwas länger dauert. Es wird die ökonomische Basis einer Buchhandlung stärken.
    Der schnellere Weg ist für eine Buchhandlung der weniger rentable Weg.

    Polemiken sind ja schön, aber alles was ich zu DIESER Polemik sagen kann, ist nein, nein, nein.

    • Die Antwort hat mich auch wieder ein bisschen ins Grübeln gebracht! Der Abschnitt mit der Beschleunigung trifft für mich allerdings eher auf den Journalismus zu, als auf den Buchhandel (wobei ich mich zum Buchhandel gar nicht äußern dürfte, weil mir der Einblick fehlt). Entschleunigung klingt immer gut und ich habe auch überhaupt kein Problem, auf ein Buch zu warten. Wenn ich allerdings meine Bücher immer bestellen muss, dann komme ich irgendwann an den Punkt mich zu fragen, ob es noch einen Mehrwert gibt, abgesehen von dem kurzen Glücksgefühl, mit dem Kauf etwas Gutes getan zu haben?

      Es reicht mir oft schon, aus Prinzip mein Geld nicht den sog. Großen (Amazon & Co.) in den Rachen zu werfen und auch sonst vielleicht etwas bewusster einzukaufen. (Zum Beispiel halte ich den Verkauf von gewöhnlichen Lebensmitteln über das Internet für keine besonders gute Sache, schon alleine wegen der Verpackung, die natürlich auch bei jedem/diesem Wetter frischhalten muss -aber anderes Thema.)

      Möller mag keine Schokolade im Buchladen kaufen, ich auch nicht, das ist nur eine persönliche Bemerkung, die ich nicht unter „mit etwas streng ins Gericht gehen“ verbuchen würde. Der Fokus liegt m.E. eindeutig auf der getroffenen Auswahl an Büchern. Wenn die stimmt, dann bleibe ich vielleicht auch gerne auf eine Schokolade. Wenn aber die Schokolade das einzige ist, was mir in der Buchhandlung schmeckt, dann gehe ich doch liebe ins Café.

  21. Ich finde mich und meine Buchhandlung in diesem Beitrag nicht wieder: unser Beruf hieß mal Sortimentsbuchhändler, weil wir bei ca. 1 mio (= 1.000.000) deutschsprachiger Bücher sortierten, d.h. eine Auswahl trafen. Bei uns sind es etwa 30.000 vorrätige Titel, ja die Fachbücher RWS sind auch dabei. Aber wir haben Theiss, Wagenbach, Hirmer, die Dünndruckbände von Artemis & Winkler, die Insel-Bücherei, Büchergilde und und und vorrätig. Und viele nette, freundliche, interessierte Kundinnen und Kunden!

  22. Schämt Ihr Euch nicht, Buchhändler, dass Ihr ohne Parkplätze bereitzustellen, einfach nur Bücher verkauft, die anscheinend jemand haben will und dann habt Ihr nicht alles auf einmal und dazu auch noch alles, was andere Buchhandlungen auch haben, und schämt Euch, Ihr seid eine von nur zwei Buchhandlungen am Ort? So etwas! Und hr wohnt NICHT in Berlin und habt nicht meterweise Lyrik, sondern Schokolade. Habt IHR ETWA EINE Kaffeemaschine??? (Wie ocelot und Buchlokal in BERLIN???) Schämt Euch. Schließlich seid Ihr all die Jahre von unserem Geld stinkreich geworden und habt Euch nahe Aix mit Madame, de Ihr nicht buchstabieren könnt ein hübsches Leben gegönnt. Von unserem Gedichtegeld!. Schämt Euch. Euer Autor.

  23. Hervorragender Artikel, in dem ich mich an einigen Stellen wiedererkannt habe. Der im Text genannte Matthes & Seitz Verlag kann wahrscheinlich stellvertretend für sehr viele unabhängige, kleine und kleinere Verlage herhalten. Ich musste schmunzeln, denn wenn ich ein bisschen darüber nachdenke, habe ich wohl keinen einzigen Titel aus dem Matthes & Seitz Verlag in einer Buchhandlung gekauft. Und das sind schon ein paar. Genau aus dem genannten Grund, ich konnte keines finden. Es ist mittlerweile so, dass mich das Verlagszeichen regelrecht anspringt, wenn sich in den Regalen dann doch mal ein Exemplar eingeschmuggelt haben sollte. So überraschend ist das.

    Klar, das gilt nicht für jede Buchhandlung. Gerade in Großstädten gibt es noch individuelle Läden mit Profil. In der Breite ist eine gewisse Uniformität nicht zu übersehen. Leider!

    • Ehrlich gesagt machen uns Buchhändlern viele kleine Verlage das Leben echt schwer ! Ich kann ja verstehen, dass man nicht auf die „Knebelverträge“ der Barsortimente eingehen will, aber dann Portokosten verlangen die den Rechnungsbetrag über den Ladenpreis schieben ist nun auch nicht die feine englische Art. 😉

  24. Mein Local Book Dealer (Seitenweise in Hamburg-Hamm) hat nur solchen Kram, wie oben beschrieben! Bäh ;o)
    Aber ich kann mir meine ChickLits da ja auch bestellen (die gequälten Blicke der beiden Inhaberinnen ignoriere ich gekonnt!). Dann muss ich zwar nochmal hin radeln, aber das trainiert die Schoki ab, die ich allerdings blöderweise woanders kaufen muss, weil die so was auch nicht haben. Ich bin ne echte Märtyrerin oder??

  25. Auch ich gehe nur noch selten in Buchläden, sondern bestelle lieber im Internet, und erst kürzlich wurde ich wieder daran erinnert, warum das so ist:
    Hier in Oldenburg gibt es für Schüler, die im Jahreszeugnis eine 1 in Mathe oder Deutsch haben, einen 10-Euro-Gutschein für die Buchhandlung in der Innenstadt. Da meine Tochter eine 1 in Deutsch hatte, wollte sie diesen natürlich haben. Sie ist 10 und damit vermutlich in dem Alter, in dem fast alle Kinder sein dürften, die dieses Angebot wahrnehmen können – Einser in Mathe oder Deutsch dürften in der weiterführenden Schule selten sein und für die ersten und zweiten Klassen gibt es ja noch keine Noten.
    Also sind wir in die Stadt gefahren – mit dem Auto, gut, wir hätten das Fahrrad nehmen können, wenn meines nicht gerade kaputt gewesen wäre. 70 Cent fürs Parken fielen somit an. In der Buchhandlung mussten wir erst suchen, dann fragen – und das neue Ella-Buch von Timo Parvela war nicht vorrätig. Zur Erinnerung: Der Großteil der Kinder mit einer 1 in den genannten Hauptfächern dürfte um die 10 und vermutlich auch weiblich sein. Ella ist eine sehr begehrte Buchreihe in diesem Alter. Das neue Buch (für 9,95 Euro) war nur wenige Wochen vor der Zeugnisausgabe erschienen. UND NICHT VORRÄTIG. Also mussten wir es bestellen und am nächsten Tag wieder in die Stadt – wieder 70 Cent fürs Parken weg. Vom Zeitaufwand will ich gar nicht reden.
    Hätte ich im Internet bestellt, hätte ich somit 1,40 Euro und rund zwei Stunden Zeit gespart – und das Buch zum selben Zeitpunkt gehabt. Wozu die Buchhandlung dennoch unsere Adressdaten haben musste, ist mir nicht ganz klar.

    • Woraus schließen Sie denn, dass die Ella-Reihe sehr begehrt ist? Die Frage ist doch nunmal: Wurde in der Buchhandlung danach gefragt? Verkauft es sich dort? Mit jedem Buch, was monatelang im Regal verstaubt, verschenkt man Lagerplatz für etwas, das sich womöglich besser verkaufen könnte. Ich fürchte, manche denken da auch viel zu sehr in ihren individuellen Vorlieben. Ich kenne auch so einige Bücher, die ich gern bei uns im Laden gesehen hätte – de facto hat aber in all der Zeit, die ich dort arbeite, niemals jemand danach gefragt. Sollen wir es nun hinstellen, bloß, weil ICH es toll finde? Gibt auch andere Reihen für 10-jährige Mädchen. Lola. Die drei !!! und was weiß ich nicht .. man kann eben nunmal nicht alles für jeden da haben!

    • Mich würde ja viel mehr interessieren, woraus sie schließen, dass Einsen in einer weiterführenden Schule selten sein dürften? Ich hatte während meiner gesamten Schullaufbahn, also bis zum Abitur, fast jedes Halbjahr eine Eins in Mathe UND in Deutsch. (Nur leider gab es dafür keine Gutscheine.)

    • Oh mein Gott !

      Sie mussten tatsächlich 1,40€ fürs Parken zahlen. Das ist ja unverschämt von der Buchhandlung soviel dafür zu kassieren oder haben die das Geld etwa garnicht bekommen ??

      Man hätte ja auch einfach mal anrufen können, Titel nachfragen, bestellen und am nächsten Tag abholen und schon die Hälfte an Parkgebühren gespart ! 🙂

      Ich finde das übrigens reichlich unverschämt von der Buchhandlung sie mit diesem Gutschein zu belästigen, da müssen sie sich doch tatsächlich auf den Weg machen und ihre Stube verlassen, um ein Geschenk abzuholen. Nee, das geht nun wirklich zu weit. 🙂

  26. So allmählich rächt sich, dass der stationäre Buchhandel (und mit ihm der Börsenverein) nicht konsequenter in Richtung neuer und für die Kunden attraktiver Geschäftsmodelle gedacht hat.

  27. Trotz der Schokolade und des Schnickschnacks den ich ebenfalls führe, habe ich geschlagene 7 Meter Lyrik, die leider keiner kauft und unter denen sich auch echte Schätzchen befinden. Herzlich willkommen Herr Möller! 😉

  28. Ich habe gestern meine alte Heimatstadt Erfurt besucht, steuerte meine Lieblingsplätze an und beschloss, einen Buchladenbummel daraus zu machen. Der Bummel wurde kurz, denn einige Buchhandlungen gab es nicht mehr und außerdem hätte eine Buchhandlung gereicht – sie haben alle das gleiche Angebot. Ich habe kein Leseandenken mitgenommen.

  29. So richtig die Augen geöffnet hat mir ja der Indiebookday, als ich in den Karlsruher und in den Amberger Buchhandlungen nach Indie-Verlagen gesucht habe. Schlimm. Interessant finde ich auch die Bemerkung zu den Produktionsbedingungen der Nonbookschnickschnacks, darüber hab ich noch nie nachgedacht.

  30. Tja, wie wahr!

    Als ich z.B. vor einiger Zeit „Madame Bovary“ in der Neuübersetzung von Elisabeth Edl in einer Rats- und Universitätsbuchhandlung (!) bestellen wollte und mich der Buchhändler vorm Eintippen in seinen Bestellcomputer fragte, wie man den Titel schreibt.

    Oder als ich in einer anderen Buchhandlung die per KNV (buchkatalog.de) dorthin zur Abholung bestellten Bücher abholen wollte und eine Woche vergeblich auf die Emailbestätigung zwecks Abholung wartete und erst auf telefonische Nachfrage erfuhr, dass sie schon seit einigen Tagen da sein. Warum keine Benachrichtigung kam? Tja also…

    Ich bin mittlerweile auch dazu übergegangen, entweder direkt beim Verlag oder bei Amazon zu bestellen. Mir doch wurscht, so wie ich den meisten Buchhandlungen auch egal zu sein scheine.

    Vor zehn Jahren konnte ich noch zu meiner Stammbuchhändlerin in ihrem winzigen Laden gehen und ich fand -neben dem obligatorischen Schwatz- immer etwas, was ich mitnahm, was ich heute immer noch erstaunlich finde, wenn man bedenkt, wie wenig Regalmeter sie zur Verfügung hatte. Leider musste sie aber ihren Laden aufgeben und das was hier am Ort übrig geblieben ist, kann man im Prinzip vergessen, außer man interessiert sich für den neuesten Vampirknüller von Dingsbums.

    • Zitat: „Als ich z.B. vor einiger Zeit “Madame Bovary” in der Neuübersetzung von Elisabeth Edl in einer Rats- und Universitätsbuchhandlung (!) bestellen wollte und mich der Buchhändler vorm Eintippen in seinen Bestellcomputer fragte, wie man den Titel schreibt.“

      Aber das ist ja genau der Teufelskreis im Buchhandel.

      1. Die Sortimenter nehmen weniger ein.
      2. Es muss gespart werden.
      3. Fachkräfte werden entlassen.
      4. Personal fehlt.(Besonders für die ungeliebten Zeiten wie Samstags um 18:00 bis 20:00 Uhr)
      5. Aushilfen werden eingestellt (Keine Buchhändler) da viel billiger.
      6. Kunde fühlt sich falsch beraten (Ach ne) und kommt nicht mehr.
      7. Wieder Umsatz weggebrochen
      8. siehe 1.

      Mein Fazit: Leute stellt doch bitte wieder echte Buchhändler ein. Es gibt so viele auf dem Arbeitsmarkt davon!

  31. Sehr schöner Beitrag. Nun ist mein Buchgeschmack zwar wirklich nicht mit dem von Herrn Möller zu vergleichen, fündig werde ich in Buchhandlungen jedoch auch nicht mehr. Das war nicht immer so.

    Sehr oft habe ich damals spontan einen Abstecher in eine Buchhandlung gemacht, fast immer auch eines gekauft. Irgendwann legte man dann, nur organisatorisch versteht sich, die von mir so geliebte Sparte mit einer anderen zusammen. Mittlerweile ist sie nicht einmal mehr separat gekennzeichnet. Anstelle großer Buchstaben auf einem eigenen Regal tritt man ihr nun nur noch ein kleines weißes Schildchen kurz vor ende des untersten Regalbodens, gleich nach dem „Z“, ab. Dann kommen vier bis fünf Bücher, dann der Ausgang.

    Die Rede ist von Science-Fiction.

    Schade

    • Ehrlich gesagt ist bei mir der Themenbereich SF auch auf ein Minimum geschrumpft, ganz verzichten kann ich aus eigenem Interesse nicht. Leider fragt kaum einer mehr nach guter SF, deshalb verwaist die Sparte immer mehr. Ich wünsche mir mehr Kunden, die ich mit meinem Wissen in dieser Sparte beeindrucken kann, also kommen Sie doch einfach vorbei, dann wird meine SF Abteilung „explodieren“ . 🙂

  32. Ich wollte auch gerade eine Lobeshymne auf die neueren Berliner Buchhändlerinnen und -er loslassen: ocelot, Ebert und Weber, b books, Stadtlichter, Leseglück, das sind alles wunderschöne Buchhandlungen, vielleicht sollten wir die Guten hier sammeln? In Bremen gibt es noch Melchers in Schwachhausen und das unerschütterliche Ehepaar Leuwer am Osterdeich.

      • Von ocelot war ich persönlich eher enttäuscht, insbesondere von den Preisen der englischsprachigen Literatur. Warum sollte ich für ein Buch, das auf Deutsch schon 25 Euro kostet, auf Englisch fast 30 bezahlen, wenn ich es im Internet für die Hälfte bekomme, und zwar nicht nur bei Amazon.

  33. Die Zeit, wo, wenn ich ein Buch bestellte, ich beim übernächsten Besuch feststellen konnte, dass der Titel nun auch im Regal stand, weil ich offenbar als Mass-gebend empfunden wurde…

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