„Nehmt auch uns ‚kleine Buchhandlungen‘ ernst.“ SteglitzMind stellt Beate Laufer-Johannes von der „BücherInsel“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen? Vielleicht mag ja wer zur Polemik „Lieber stationärer Buchhandel, wir müssen reden!“ von Stefan Möller aka @Hedoniker Stellung beziehen?

Beate Laufer-Johannes von der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen konnte bereits mehrere Empfehlungen von Kolleginnen auf sich vereinen. Dass sie hier zu Wort kommen sollte, hatten sich Edda Braun, Trix Niederhauser und Simone Dalbert gewünscht. Ich freue mich, dass sie der Einladung gefolgt ist.

Eine Skizze vom Laden …

Die BücherInsel ist eine Stadtteilbuchhandlung im Westen von Erlangen im Vorort Frauenaurach. Vor fünfzehn Jahren habe ich die Buchhandlung eröffnet, ich fand es immer schon schade, dass in Erlangen alle Buchhandlungen in der Innenstadt liegen. Wir bieten ein umfassendes Sortiment auf einer Fläche von 80 m², unsere Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Kinder-Jugendbuch und Belletristik. Unser Team besteht aus mir und drei Teilzeitkräften, alle mit einem unterschiedlichen Lesegeschmack.

Warum bist du Buchhändlerin geworden?

Beate Laufer-Johannes  © privat

Beate Laufer-Johannes © privat

Eigentlich habe ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht, ich war schon immer absolut fasziniert von Büchern und den Welten, die sich durch sie eröffnen. Ich habe in Erlangen Theaterwissenschaften studiert und mich nach dem Magister um meine beiden Kinder gekümmert. Die Idee einer Buchhandlung spukte immer wieder in meinem Kopf herum und irgendwann hat es dann einfach gepasst: Die Zeit war reif, die Bedingungen gut, im Zentrum von Frauenaurach wurde neu gebaut und wir mieteten das komplette Haus. Im Erdgeschoss befindet sich die Buchhandlung, die beiden Etagen darüber sind unser Familienreich.

Würdest du dich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Eine schwierige Frage. Auf der einen Seite bin ich immer noch mit Leib und Seele Buchhändlerin, lese unentwegt und berate meine Kunden gerne. Auf der anderen Seite steht das veränderte Einkaufsverhalten, es gibt immer mehr Kunden, die ins Internet abwandern. Angst macht mir das keine, aber ich muss doch meine finanziellen Rahmenbedingungen sehr genau im Auge behalten.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in deinem beruflichen Alltag verändert?

Die Möglichkeiten zur Recherche und die Bestellwege sind einfacher und schneller geworden. Im Gegensatz zu den Anfangsjahren besorgen wir jetzt auch immer öfter antiquarische Bücher.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternimmst du in dieser Richtung?

Wir haben seit einigen Jahren eine Website, allerdings noch keinen Onlineshop. Das liegt zum einen daran, dass ich noch keine optimale Lösung gefunden habe, wird aber zum anderen auch von internetaffinen Kunden gar nicht unbedingt gewünscht. Sie bestellen lieber per Mail und erhalten dann auch ihre Benachrichtigungen über die Lieferbarkeit eines Titels auf diesem Weg. Darüber hinaus bin ich auf Twitter und Facebook unterwegs und pflege damit den virtuellen Smalltalk mit Freunden, Kollegen, Verlagen und Kunden.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verortest du für deine Buchhandlung die größten Gefahren?

Die größte Gefahr würde von einem völligen Rückzug des Einkaufens vor Ort ausgehen. Aber da bin ich ganz optimistisch: So wie unsere Kunden den örtlichen Bauernladen und seine regionalen Produkte schätzen, so schätzen sie auch unsere persönliche Vorauswahl im Laden und unsere Empfehlungen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich meine Einschätzung bestätigt – es bleibt spannend.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Kinderbuch-Ecke  © BücherInsel Frauenaurach

Kinderbuch-Ecke © BücherInsel Frauenaurach

Wir sind libreka angeschlossen, dort bestellen bereits einige Kunden ihre E-Books. Außerdem bieten wir die E-Book-Cards an, die nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten so langsam an Fahrt gewinnen. Noch sind die Umsätze marginal, aber in diesem Bereich zählt für mich im Moment mehr der Servicegedanke.

Wäre das eine Option für dich, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Einige Titel haben wir im Laden, diese sind allerdings sorgfältig ausgesucht. Ich muss von dem Buch wirklich überzeugt sein und die Chemie zum Autor muss stimmen. Es ist sehr unterschiedlich, wie diese Titel ankommen. Bücher mit einem regionalen Bezug verkaufen sich da noch am besten.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Unser Erfolgsrezept: Wir lesen viel, schreiben unsere ganz persönlichen Empfehlungen und erzählen auch gerne darüber. Darüber hinaus stellen wir zweimal im Jahr Buchempfehlungshefte zusammen, die wir bei Abendveranstaltungen präsentieren: Im Sommer bei einem Glas Wein und Knabbereien im Garten hinter der BücherInsel, im Winter machen wir es uns im Laden gemütlich mit selbstgebackenen Plätzchen. Damit sind wir so erfolgreich, dass wir auch auswärts gastieren, zum Beispiel im Gemeindetreff in einem benachbarten Stadtteil. Außerdem betreue ich die Büchertische bei Lesungen im E-Werk, einem Kulturzentrum in Erlangen, lade Autoren ein und kooperiere schon mal mit einer benachbarten Weinstube.

Wenn du drei Wünsche frei hättest, die dir Verlage erfüllen… Welche wären das?

Ein höherer Rabatt ohne Riesenabnahmemengen würde uns das Leben sehr erleichtern. Nehmt auch uns „kleine Buchhandlungen“ ernst und unterstützt uns bei Aktionen. Vor allem: Seid großzügig mit Leseexemplaren, denn unsere Kunden fordern unsere persönlichen Buchempfehlungen ein und dafür müssen wir lesen, lesen, lesen.

Und was würdest du dir vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Ich wünsche mir, dass der Börsenverein in Zukunft gut gemeinte Werbeaktionen ein bisschen kostengünstiger und näher an der Realität in den Buchhandlungen konzipiert.

Was treibt dich in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich freue mich momentan sehr auf das Poetenfest in Erlangen, das Ende August stattfindet! Die vier Tage sind immer voll gefüllt mit Lesungen und Interviews, dazu das schöne Ambiente des Erlanger Schloßgartens, das ist jedes Jahr ein Ereignis.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Buchhandlungen sind so vieles: wichtige Tankstellen für Lesefutter und unvermutete Entdeckungen, Rettungsanker für Geburtstagseinladungen und Stöberplätze für Kinder, Jugendliche und Junggebliebene. Nicht zuletzt sind sie unglaublich wichtig für das soziale Miteinander im Ort. Oft kommt es vor, dass sich bei uns Leute zufällig treffen und ausgiebig miteinander reden.

Welche anderen Buchhandlungen empfiehlst du? Und wer sollte in dieser Gesprächsreihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da habe ich einige Empfehlungen, doch die betreffenden Personen sind ja hier bereits zu Wort gekommen, wie beispielsweise Susanne Martin, Edda Braun und Sonja Lehmann. Ich würde mich sehr über ein Gespräch mit Bettina Haenitsch aus Seligenstadt (Der Buchladen) freuen: Sie hat letztes Jahr neu eröffnet, ein ausgesprochen schöner Laden mit einem tollen Sortiment.

Danke, Beate. Fein, dass du dabei bist. Mit dir haben wir jetzt ein bereits ein Dutzend publizierter Beiträge beisammen.

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Fünf Fragen vom Börsenblatt für den deutschen Buchhandel zur Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen beantworte ich hier

Zu Wort gekommen sind bislang:

Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Martina Bergmann mit der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Thomas Calliebe mit seiner Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Mila Becker mit Milas Buchladen in Voerde

Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

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3 Kommentare zu “„Nehmt auch uns ‚kleine Buchhandlungen‘ ernst.“ SteglitzMind stellt Beate Laufer-Johannes von der „BücherInsel“ vor

  1. Durch diesen Beitrag hier bin ich vor einigen Wochen auf diesen Buchladen gekommen, der, wenn ich es günstig fahre, sozusagen auf dem Weg liegt. Ansprechender Laden und bei meinen bisherigen Besuchen immer anregende Gespräche und Informationen rund um das Buch, so dass man jedesmal aufpassen muss, dass der Geldbeutel nicht allzustark belastet wird 😉 So stelle ich mir eine kleine Buchhandlung heutzutage vor. Kein großer Schnickschnack im Geschäft, dafür die Konzentration auf das wesentliche Gut – Das Buch.

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