„Der Schmäh muss laufen.“ SteglitzMind stellt Petra Hartlieb von der Buchhandlung „Hartliebs Bücher“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Das wir heute etwas mehr von Petra Hartlieb und der Wiener Buchhandlung Hartliebs Bücher erfahren, hatte die rührige Frauke Ehlers vorgeschlagen, die – wo immer es geht– die Trommeln für die BücherFrauen schlägt.

Eine Skizze vom Laden…

© Hartliebs Bücher

© Hartliebs Bücher

Hartliebs Bücher befindet sich im 18. Wiener Gemeindebezirk, das ist ein Stadtteil etwas außerhalb. Also fernab der innerstädtischen Konkurrenz. Aber es gibt auch kein Einkaufszentrum in der Nähe. Die Buchhandlung hat ca. 60 m², wobei es bei der Übernahme lediglich 40 m² waren, durch einen An- und Umbau haben wir 20 m² dazu gewonnen. Übernahme der Buchhandlung 2004, inzwischen insgesamt 7 Angestellte, immer einen Auszubildenden. Schwerpunkt: Literatur und Kinderbuch, wobei es bei uns eigentlich keine Schwellenangst gibt. Nichts Elitäres. Wir sind eine echte Stadtteilbuchhandlung und werden auch so genützt.

Im September eröffnen wir eine zweite Filiale im Nachbarbezirk. Sie wird 120 m² haben, eine Hälfte mit allgemeinem Sortiment, andere Hälfte fremdsprachig, Schwerpunkt Französisch und Italienisch.

Warum bist du Buchhändlerin geworden?

Ich bin seit 25 Jahren in allen Seiten der Branche tätig (Verlagspressefrau, Literaturkritikerin), mein Mann ist gelernter Buchhändler, der lange im Verlag gearbeitet hat. Wir haben uns einen – etwas romantischen – Lebenstraum verwirklicht.

Würdest du dich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ich glaube schon. Ja, sicher. Schließlich habe ich gerade eine Filiale gekauft.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in deinem beruflichen Alltag verändert?

Es reicht nicht mehr, einfach nur gute Buchhändlerin zu sein. Man muss viel mehr sein. Medientauglich, gut vernetzt, am besten ein bisschen prominent. Das Feeling muss gut sein in der Buchhandlung, auf wienerisch heißt das, der Schmäh muss laufen. Die gute Beratung setzen die KundInnen inzwischen voraus im stationären Buchhandel, deswegen kommen sie überhaupt zu uns. Gut ist, wenn es dazu noch einen Mehrwert gibt.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmt Ihr in dieser Richtung?

Unsere sehr individuelle, sehr verspielte Internetseite wurde um einen Webshop erweitert, der rasches Bestellen ermöglicht. Und: Wir diskutieren mit allen, die es hören wollen oder auch nicht, dass wir es okay finden, im Netz zu bestellen, aber dann bitte im stationären Buchhandel. Und ich bin sehr aktiv auf Facebook. Sowohl mit einem eigenen Profil wie mit Hartliebs Bücher.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Ihr für Eure Buchhandlung die größten Gefahren?

Fallen des Ladenpreises. Noch größere Zuwächse für das E-Book.

Wie haltet es Ihr mit dem E-Book?

Bieten wir ab Sommer auf unsere Homepage an.

Wäre das eine Option für Euch, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Ich glaube nicht.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Siehe Frage 4. Und natürlich lesen, lesen, lesen und authentisch sein.

Wenn du drei Wünsche frei hättest, die Verlage erfüllen sollten… Welche wären das?

Mehr Unterstützung für Veranstaltungen.

Weniger Bücher produzieren.

Weniger ungefragt Deko schicken, dafür hin- und wieder gezielte Aktionen, die vielleicht auch mal Geld kosten.

Ansonsten empfinde ich den Großteil der Verlage als sehr faire Partner.

Und was würdest du dir vom Hauptverband des österreichischen Buchhandels wünschen?

Weniger Vereinsmeierer, weniger Männerbünde, schnelleres Reagieren auf aktuelle Themen (Amazon)

Was treibt dich in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Es ist schön, immer noch neues zu entdecken. Sei es ungewöhnliche Bücher in den großen Verlagen oder aber auch neue kleine Verlage, die es oft sehr schwer haben, ihren Weg nach Österreich zu finden – ohne Auslieferung, ohne Vertreter. Da freu ich mich dann, wenn ich was Tolles entdecke.

Und die große Sympathie, die mir von den vielen KollegInnen im Sortiment als Autorin entgegenschlägt. Viele verkaufen meine Bücher, legen sie prominent auf, laden mich und meinen Co-Autor zu Lesungen ein.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil eine Buchhandlung für Leute, die Bücher lieben, ein wunderbarer Ort ist. Aber das wissen sie eh. Und weil Buchhandlungen wie unsere zur Infrastruktur eines Viertels einen wichtigen Beitrag leisten. Bei uns werden Schlüssel hinterlegt, die besten Hortplätze erfragt, Kinder, die sich verlaufen haben, kommen zum Telefonieren usw.

Welche anderen Buchhandlungen empfiehlst du? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Anna Jeller von der Wiener Anna Jeller Buchhandlung und ebenfalls in Wien die Buchhandlung a.punkt von Brigitte Salander

Danke sehr, Petra. Und ein Hinweis auf deine eigenen Bücher sollte hier wohl auch nicht fehlen.

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Fünf Fragen vom Börsenblatt für den deutschen Buchhandel zur Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen beantworte ich hier

Zu Wort gekommen sind bislang:

Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Martina Bergmann mit der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Thomas Calliebe mit seiner Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Mila Becker mit Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

6 Kommentare zu “„Der Schmäh muss laufen.“ SteglitzMind stellt Petra Hartlieb von der Buchhandlung „Hartliebs Bücher“ vor

  1. Da Hartliebs Bücher nicht allzuweit von meinem Wohnort entfernt ist, statteten wir dieser Buchhandlung heute einen Besuch ab. Und waren mehr als positiv überrascht über das anspruchsvolle und umfassende literarische Angebot, das manche große Innenstadtbuchhandlung in den Schatten stellt. Meine Frau: „Das ist kein Bestellladen, das ist eine Buchhandlung.“ Richtig. Einzige Gefahr: Dass man nicht rausgehen kann, ohne eine Stange Geld zu Lesestoff gemacht zu haben…

  2. Die Homepage ist wirklich herausragend und unterscheidet sich wohltuend von der Masse der Buchhandlesseiten im Netz. Besonders sind die wunderbar gestalteten und sehr individuellen Tipps.

    • vielen dank, ich freu mich, dass die homepage so gut ankommt. und ein ebenso grosses dankeschön an die hartliebs, die die inhalte der homepage so interessant gestalten und immer neues und aktuelles bereitstellen!

  3. Hartliebs Bücher hat sicherlich eine der schönsten und aussergewöhnlichsten Internetseiten, die Buchhandlungen in der Regel vorzuweisen haben. Ein Fest für die Augen und für jeden Buchliebhaber! Chapeau und herzliche Grüsse, Durchleserin

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