„An der Zerstörung der Wertschöpfungskette Buch arbeiten viele.“ – SteglitzMind stellt Jörg Braunsdorf von der Tucholsky-Buchhandlung vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Barbara Miklaw, die 2012 ihren Mirabilis Verlag gegründet hat, hatte mir Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung ans Herz gelegt. Ich sage Barbara danke für die Empfehlung, und freue mich sehr, dass Jörg Braunsdorf meiner Einladung gefolgt ist.

Eine Skizze vom Laden …

Die Buchhandlung besteht seit drei Jahren, in Berlin-Mitte. Vorher führte ich acht Jahre eine Buchhandlung im Lichthof des Auswärtigen Amts. Die Schwerpunkte sind Belletristik, Kinder- und Jugendbuch, Berlin und die Durchführung von Veranstaltungen.

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

für die Großen © Tucholsky-Buchhandlung

für die Großen © Tucholsky-Buchhandlung

Das war Zufall. In meiner Heimatstadt Wetzlar habe ich in einem Buchladenkollektiv mitgearbeitet und bin dabei geblieben.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Vor allem die Politik motivierte mich, Buchhändler zu werden. Jetzt nach über 30 Jahren buchhändlerischer Praxis finde ich den Beruf immer noch spannend. Wie ich mich als junger Mensch entscheiden würde …?

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Die Konkurrenz der Freizeitindustrie ist in den letzten Jahrzehnten um ein vielfaches gestiegen. Dabei ist das Buch das „langsamste Medium“, von der schriftstellerischen Arbeit, über die Herstellung bis hin zum Lesen (was die Faszination und den Sinn ausmacht). Die technischen Entwicklungen verändern die Branche enorm. Die Kunden nutzen die Breite der Wissensmedien, sind gut informiert.

Die Anforderungen sind auch in unserem Beruf gestiegen, was ihn interessant hält.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir nutzen unsere Internetseite zur Information, zur Bewerbung von Veranstaltungen und bieten einen Web-Shop zum Einkaufen an. Wir sind bei Facebook zu finden, bisher halbherzig. Über Online-Medienportale bewerben wir Veranstaltungstermine, Buchbesprechungen gelangen u.a. über Medienpartner ins Netz.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Der unabhängige Einzelhandel ist kreativ, die Konkurrenzsituation unterschiedlicher Plattformen setzte ich jetzt mal als bekannt voraus. Es gibt allerdings Faktoren, die wir kaum steuern können. Zum Beispiel die Mietkosten (hier ist der Gesetzgeber gefordert), die Prozesskosten, schärfere bis umverschämte Einkaufs- und Distributionskonditionen.

Weitere Punkte: Dienstleistungskosten, Finanzsektor als Partner (?), kulturelle Verarmung, Bildungsniveau, politische Regulierungswut, Einkaufsverhalten öffentlicher Dienstleister. Die Freizeitindustrie wächst, die (freie) Zeit der Menschen wird immer knapper. Hier stehen wir in einer Konkurrenzsituation, die sich weiterhin zuspitzen wird. – An der Zerstörung der Wertschöpfungskette Buch arbeiten viele…

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Ist bisher kaum ein Thema in der Buchhandlung. Über den Grossisten werden wir den Kauf von E-Books ermöglichen. Reader verkaufen wir keine. – Persönlich lese ich nur das echte Buch.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Regional- und im Kommissionsbezug ja. Allerdings müssen Qualität und die Konditionen stimmen. Darüber hinaus ist der Filter Verlag begrüßenswert, wir müssen und werden uns, über die Zahl der Neuerscheinungen hinaus nicht mit jedem x-beliebigen Buch beschäftigen.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Die Buchhandlung soll einladen, gemütlich sein, ein überschaubares, interessantes Programm anbieten, das Buchangebot und die Buchhändler müssen glaubwürdig sein. Beratungskompetenz ist klar. Die Veranstaltungen müssen den Ort repräsentieren. Service und Freundlichkeit sind unverzichtbar.

Der Buchhändler ist auch Kommunikator, da ich mich als politischen Buchhändler verstehe, gehört die kreative Kontroverse dazu.

Wir haben nichts gegen Bestellungen übers Netz. Soviel fürs erste.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

für die Kleinen © Tucholsky-Buchhandlung

für die Kleinen © Tucholsky-Buchhandlung

Viele, viele Verlage sind klasse Partner und ich hoffe, die Branche hat die Vision und die Kraft diesen Stil zu bewahren. Nicht Klasse ist, wenn wir von Verlagen jeder Größenordnung mit Konditionen beliefert werden, die keine Rendite mehr ermöglichen!

Ich erwarte, dass die Verlage Konditionenforderungen von Amazon und Konsorten, die keine Wettbewerbsgerechtigkeit mehr ermöglichen, an unsere Realitäten angleichen. Die Preisbindung würde es ermöglichen und mit welchem Recht fordert die Krake 20 – 25% mehr Rabatt zzgl. Distributionskosten. Schließlich wickelt der traditionelle Buchhandel erheblich mehr Buchumsatz ab als Amazon.

Buchhandlungen, Verlage, Grossisten und Auslieferungen sollten alles dafür tun, den flächendeckenden Standard der Buchbranche, der einmalig in der Welt ist und damit auch eine Vision für andere Länder sein kann, zu erhalten.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Rahmenbedingungen erhalten. Kompetenter Partner für die Mitglieder, die Politik und die Endkunden sein. Der Börsenverein muss sich entscheiden, für wen er da sein will – da kann man es nicht jedem recht machen.

Ich weiß, das ist sehr allgemein gehalten, damit biete ich immerhin Interpretationsspielraum, den wir vielleicht in einer anderen Runde einmal ausfüllen könnten.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich habe im letzten Jahr Buy local e.V. mitgegründet und wünsche mir ein stetes Wachstum des Vereins und seiner Anliegen. Es gibt im Rahmen der wirtschaftlichen, kulturellen und literarischen Debatte konkrete Punkte, die dem stationären Buchhandel kurzfristig helfen könnten. Zum Beispiel: Rabatte für Bibliotheken und öffentliche Schulbuchaufträge abschaffen.

Rabatte der Schulbuchverlage erhöhen.

Eine Gebührentabelle für Bestellungen verankern.

Programmbuchhandlungen fördern.

Kulturanbieter verpflichten, bei öffentlicher Mittelverwendung im Veranstaltungsbereich mit Buchhandlungen vor Ort zu kooperieren.

Buchhändler in literarische Jurys einbinden.

Soweit ein paar Punkte, auch hier gibt es sicher noch mehr.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Zuallererst sollen Sie ihr Buch bekommen, direkt aus dem Lager, oder als Bestellung, portofrei und meist am nächsten Tag. Dann wünsche ich mir, dass die Kunden die geschäftliche, soziale und kulturelle Dynamik einer Buchhandlung schätzen und diese, wie bisher, in Anspruch nehmen und honorieren.

Die Welt ist viel mehr als ein Klick, oder um Ilma Rakusas Argumentation im Essay „Langsamer“ weiterzutragen, für die, „…das Lesen als eine der Hauptfiguren des Widerstandes gilt gegen das Diktat des ökonomisch argumentierenden Zeitgeistes; das Lesen, das als einzige Kunstform auf der Verweigerung von Tempo, Eile, Geschwindigkeit beharrt. „… „Es geht um ein Gegenprogramm zu Zeitmanagement, Zapping, Eventrausch und Trendhektik. Um ein Innehalten hier und jetzt.“ (in: Langsamer, 6. Auflage. 2012, Droschl Verlag)

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ulrike Waha-Helduser vom Buchladen Alte Lahnbrücke in Wetzlar und den Hamburger Buchladen Osterstraße, namentlich Torsten Meinicke.

Danke sehr, ich freue mich, dass auch Sie dabei sind.

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Fünf Fragen vom Börsenblatt für den deutschen Buchhandel zur Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen beantworte ich hier

Zu Wort gekommen sind bislang:

Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Martina Bergmann mit der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Thomas Calliebe mit seiner Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Mila Becker mit Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

Petra Hartlieb von der Wiener Buchhandlung Hartliebs Bücher

Nicole Jünger aka Kata Butterblume vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

40 thoughts on “„An der Zerstörung der Wertschöpfungskette Buch arbeiten viele.“ – SteglitzMind stellt Jörg Braunsdorf von der Tucholsky-Buchhandlung vor

  1. Antwort auf nomadenseeles Beiträge vom 9. August 2013 um 22:43 bis 9. August 2013 um 23:21.

    Hallo nomadenseele,

    derzeit findet ja eine Veränderung der Wahrnehmung statt, an die sich alle erstmal gewöhnen müssen. Ganz allgemein gesagt, früher gab es eine Einheit zwischen Datenträger und dem darauf befindlichen Werk, egal ob Musikstück, Buch, eigen erstellte Stücke. Durch die Möglichkeit diese Einheit zu trennen, ist die Verteilung vereinfacht und beschleunigt.

    Früher war es bequemer einen bespielten Datenträger in Händen zu halten, inzwischen ist es wesentlich bequemer sich diesen selbst zu bespielen. Bei Musikstücken war der Übergang fließend. Auf die Langspielplatte folgte die CD und nun die Musikdatei, die ganz individuell entweder gleich auf Datenträger (beispielsweise CD) oder per Download auf ein eigenes selbstgewähltes Trägermedium (beispielsweise ein MP3-Player) übertragen wird.

    Technisch machbar wäre es jederzeit, die MP3-Daten beispielsweise im MediaMarkt zu überspielen, doch da ist es einfacher diese gleich auf CD zu kaufen, da diese schon vorbereitet vorhanden sind.

    Früher war es üblich in einen Laden zu gehen und dort einzukaufen um Musik oder etwas zu lesen einzukaufen. Durch das Internet verschiebt sich diese Einkaufshandlung, denn nun besteht die Wahl, ob man in einen Laden geht zum Einkauf, oder Onllne wo immer man gerade Verbindung mit dem Internet hat. Dies wird dadurch möglich, dass wir unabhängiger von den Trägermedien werden, durch die wir an die gewünschten Inhalte heran kommen. Selbst das Internet verändert sich langsam von einem Medium, das nur an bestimmten festgelegten Orten zugänglich war zu einem überall jederzeit nutzbaren Medium.

    An diese Trennung von Datenträger und Inhalten muss man sich erstmal gewöhnen und für sich entscheiden, wie man damit umgehen möchte. Ich persönlich möchte die digitale und analoge Welt für mich in einer Weise kombinieren, die mir sinnvoll erscheint.

    Auch bei Filmen war der Übergang fließend. Erst analoge Trägermedien, die mit Abspielgeräten nutzbar waren, später digitale Trägermedien, die mit den entsprechend modernen Abspielgeräten nutzbar wurden.

    Bei Büchern ist der Übergang viel krasser. Das liegt daran, dass der oder die Zwischenschritte von Analog auf Digital fehlen. Das analoge Trägermedium Buch bekommt gleich Konkurrenz durch ein Online-Trägermedium. Anders als bei Musik hat es bisher kein erfolgreiches digitales Trägermedium für Bücher gegeben. Wäre das anders, wären die Kunden schon seit Jahren daran gewöhnt, sich Bücher entweder als gedrucktes Papierbuch, oder eben als Digitalbuch zu kaufen.

    Kann man vielleicht damit vergleichen, von der Lochkarte gleich zum Internet-Downloadlink zu wechseln. Denn die Lochkartenstapel schon vergangener Zeiten waren das letzte Trägermedium das sowohl von Computer als auch Menschen nutzbar war.
    Durch die schiere notwendige Datenmenge wurde bei Musik und Film die technische Entwicklung voran getrieben, während das beim Buch nicht notwendig war.
    Das wird erst heute teilweise notwendig, weil dies einer der letzten Schritte ist, den früher komplett analogen Vorgang Buchgestaltung zu digitalisieren.
    Aus „von der Schreibmaschine über die Setzerei, die Druckerei zur analogen Verteilung von Büchern“ wird nun „von dem Computer über Digitallayout zur analogen und digitalen Verteilung von Büchern und eBooks“.
    Früher waren Bücher das Endprodukt eines komplett analogen Vorgangs.
    Heute sind sie längst ein ins analoge rückübersetztes digitales Produkt.
    Es gibt nur noch sehr wenige Autoren, die ihr Manuskript mit der Schreibmaschine tippen.

    Das Trägermedium verliert durch die Trennung von Buch-Hardware und Buch-Software an Bedeutung. Das ist so, weil der Leseinhalt, also das Werk oder die Buch-Software, nun auf jedem Display das halbwegs dafür geeignet ist, darstellbar ist. So gesehen ist auch nachvollziehbar, daß ein eBook als rein virtuelles Produkt wahrgenommen wird, während derselbe Buchinhalt in Printlayout als Buch in einer Buchhandlung steht.
    Dabei bauen sowohl der Papierbuchinhalt als auch der eBookinhalt auf derselben vom Autor stammenden Digitaldatei auf.

    Der Eindruck von Weltfremdheit, wenn über das eBook als Verkaufsvariante im Buchhandel nachgedacht wird, entsteht nur, weil heute eine Buchhandlung noch als rein analoge Verkaufsstelle von analogen Büchern wahrgenommen wird.
    Wenn Buchhandlungen es schaffen, sich der Digitalisierung anzupassen, also einen Weg zu finden, Käufern ein sinnvolles digitales Angebot zu präsentieren, besteht die Chance, dass die Leute weiterhin gerne in Buchhandlungen einkaufen, egal welche Form von Buch gesucht wird. Davon kann die weitere Existenz von Buchhandlungen abhängen.

    Was dem Buchhandel fehlt ist diese Verbindung zwischen alter Bücherwelt auf Papier und der neuen Bücherwelt (derzeit überwiegend nur) Online.
    Im Moment lesen die meisten Leute noch auf Papier. Die heutigen Kinder lernen als erste Generation gleich die elektronische Variante kennen. Es kann also davon ausgegangen werden, dass digitale Lesemedien an Bedeutung gewinnen werden, weil es einfach der gewohnte Umgang mit Lesestücken sein wird.

    > Güter, die man in der Hand halten kann,
    > können in Offline-Läden verkauft werden,
    > virtuelle Güter nur über das Internet

    Wie oben schon erwähnt, bei Musik gibt es zwischen der Entwicklung von der Langspielplatte hin zu MP3 noch die CD. Insofern ist das geäußerte Argument auch richtig.
    Es spricht aber nichts dagegen, jemand mit dem Download zu beauftragen, sich anzuhören, welche Downloadempfehlungen diese Person gibt, sich bei Problemen an diese Person zu wenden usw.
    Es gibt also durchaus Raum für Aufgaben, die eine auf digitale Bücher spezialisierte Buchhandlung für die Kunden ausführen kann und so die Existenz sichert.
    Wenn sich aber das hier zitierte Argument erstmal richtig durchgesetzt hat, wird es dafür zu spät sein und dann sind Buchhandlungen vielleicht wirklich irgendwann überflüssig.

    > Ich sehe das Problem nicht, welches Sie künstlich eröffnen.

    Veränderte Kaufgewohnheiten sind kein künstliches Problem, sondern eines, über das sich brancheninterne und brancheninteressierte Leute Gedanken machen können.
    Ein halbwegs aktuelles Beispiel ist die Entwicklung von Nokia. Vor einigen Jahren noch uneingeschränkter Weltmarktführer bei Handys. Ungefähr jedes zweite Handy kam von diesem Hersteller. Alle Mitbewerber wollten mithalten können und produzierten vergleichbares um auf dem Handymarkt bestehen zu können.
    Dann kam Apple, veränderte die Kaufgewohnheiten der Kunden und aus dem kaum wahrnehmbaren Nischenprodukt Smartphone wurde ein Produkt, das jeder haben wollte.
    Das hat den Weltmarktführer beinahe aus dem Rennen geworfen, weil am Bedarf vorbei produziert wurde. Nokia setzte auf kleine Displays, während die Kunden längst lieber größere Displays wollten.

    Was Apple für die Handyhersteller war, könnte Amazon für die Buchbranche werden. Ein Marktteilnehmer dem es gelingt durch veränderte Kundenwünsche einen kompletten Markt neu zu gestalten. Das ist ja auch der Grund, weshalb alle so aufgeregt reagieren, wenn es um Amazon geht.

    > Wenn Sie die Interview-Reihe gelesen hätten, würde Sie wissen, dass
    > die Buchläden EBooks maximal über ihre Internetseite
    > (also wieder übers Internet) vertreiben.

    Ich habe bisher nur wenige der Interviews gelesen, aber es wurden schon die eBook-Cards und die Möglichkeit von Downloadlinks an der Kasse kaufen erwähnt. Was sie für unmöglich halten, ist längst möglich. Nur noch zu gut versteckt, um wirklich allen Buchhandelskunden bewußt zu werden.
    Im Buchhandel kann also nicht nur über deren Onlineshop ein eBook-Downloadlink erworben werden. Noch toller wäre es natürlich, wenn der Download direkt auf den eBook-Reader erfolgen könnte, damit mit dem im Buchhandel erworbenen eBook auch gleich zu lesen angefangen werden kann.

    > Vielleicht wird es mal irgendwann das Jukebox-Prinzip geben
    > und man kann sich dann die Titel dann dort kaufen.
    > Allerdings wird dann wohl der Buchhandel endgültig den Bach runtergehen,
    > wenn die Leser sich alle verfügbaren Bücher bequem an der Tankstelle laden können

    Wenn der Buchhandel es zulässt, dass sich bei der Lesekundschaft festsetzt, dass es einfacher ist ein eBook in der Tankstelle zu bekommen als im Buchhandel, dann könnte das durchaus passieren.
    Benzin gab es ja ursprünglich mal in der Apotheke, bevor das von den Tankstellen übernommen wurde.

    Was das Jukebox-Prinzip sein soll ist mir noch nicht klar. Würde mich aber mal interessieren, da es sich wissenswert anhört.

    > Glauben Sie ernsthaft, eine Offline-Videothek stellt ihnen Streams zur Verfügung

    Wie die aktuellen Geschäftsmodelle von Videotheken aussieht ist mir unbekannt.
    Was ich mal mitbekommen habe ist der Versand von Trägermedien, in dem Fall also Videocassetten und DVDs. Eine Videothek die eine Art Video-„Bank“Automat betrieb, wo man sich aktuelle Videos auswählen und direkt im 24 Stunden Service ausleihen konnte, hat hier gerade Räumungsverkauf.
    Was die Streams betrifft, das könnte ich mir durchaus vorstellen, weil es die kostengünstigste Variante ist. Wie das praktisch umzusetzen wäre ist mir nicht bekannt.

    > Und warum soll jede Buchhandlung EBooks ohne Umwege verkaufen?
    > Einge machen es eben, die meisten wohl nicht.

    Weil das meiner Meinung nach irgendwann vergleichbar ist mit der Äußerung: „Manche verkaufen neben den gebundenen Ausgaben auch Taschenbücher, manche eben nicht.“
    Mir persönlich ist keine Buchhandlung bekannt, die auf das Geschäft mit den Taschenbüchern verzichtet. Und so wird es irgendwann auch mit den eBooks sein.
    Ob das dann rein über einen Onlineshop läuft, irgendwie in den Buchladen integriert ist oder vielleicht doch das bisher fehlende Äquivalent zur CD kommen wird, ist mir allerdings auch noch unklar.

    > Das ist ja dramatischer als bei Shakesphere, einen Gang runterschalten bitte.

    Ok, die Leute werden sich mit eBooks nicht anfreunden, es werden viele weiterhin Papierbücher kaufen und der Buchhandel kann weiterhin von guten Zeiten träumen.
    So dachte man bei Nokia auch, das Ergebnis ist bekannt. Daher ist es meiner Meinung nach schon wichtig, sich vorab bisschen Gedanken zu machen, wie sich die Entwicklung des Buchmarktes fortsetzen wird.

    > Der Durchschnittsbürger kauft alle paar Monate mal ein Buch,
    > für den loht sich kein Reader. Und selbst bei regelmäßigen Buchkäufer
    > hat sich das Ebook alles andere als durchgesetzt.

    Das ist Wissensstand Sommer 2013. Klar man kann prognostizieren, dass alles so bleibt. Ob es tatsächlich so kommt ist die andere Frage.
    Die 2012er eReader sind inzwischen langsam unter 100 Euro, teils fast bei 50 Euro gelandet.
    Sich solch ein Gerät anzuschaffen lohnt sich für immer mehr Leute.
    In meinem Bekanntenkreis gibt es Leute, die sich kaum mal ein Buch kauften, weil sie damit einfach nicht allzu viel anfangen konnten. Seit dem Kauf eines eReaders lesen die ganz gerne.

    Schöne Grüße
    Digitalleser

    PS: Wenn es gelingt die Leute für den Buchhandel zu begeistern, kompetente Beratung zur Verfügung steht, eine anschauenswerte Mischung aus analogen und digitalen Medien präsentiert wird und es egal ist, ob ein Papierbuch oder ein eBook gekauft wird, dann wird solch eine Buchhandlung einem einfachen eBook-Automaten der überall stehen kann jederzeit überlegen sein.

    • Technisch machbar wäre es jederzeit, die MP3-Daten beispielsweise im MediaMarkt zu überspielen, doch da ist es einfacher diese gleich auf CD zu kaufen, da diese schon vorbereitet vorhanden sind.

      Der Witz an virtellen Besitz ist zumindest für mich, dass ich keine Trägermedium mehr brauche. Hardware, egal ob Bücher, CDs, DvDs oder ein Teller ist nur Ballast. Das ist sogar der einzige Sinn, den ich für mich an eBooks sehen kann, wobei sich dabei wieder das Problem ergibt, dass man sie nicht tauschen oder verkaufen kann. (Wesewegen die Industrie Downloadartikel auch so forciert). Ich habe bestimmt irgendetwas zwischen 2000-3000 Bücher im meinem Leben gelesen und würde nur irgendwas zwischen 10-20 als behaltenswert einstufen. Der Rest- weg damit.

      Also würde mir eine CD, die ich beim MediaMarkt mitnehme, nichts nützen, da es wieder Hardware ist, die ich durch virtuellen Kauf umgehen möchte. Da bleibt nur das Internet oder das direkte Zusenden von Daten entweder per Internet oder per Gerät im Geschäft. Und dadurch entsteht bei mir der Eindruck einer gewissen Weltfremdheit, denn die Offline-Welt mit ihren Offline-Produkten und das Internet mit virtuellen Produkten sind zwei verschiedene paar Schuhe.

      Die heutigen Kinder lernen als erste Generation gleich die elektronische Variante kennen.

      Da sind meine Beobachtungen andere. Mütter lesen immer noch aus Kinderbüchern vor; eine Nachhilfeschülerin von mir leiht ganz gewöhnliche Bücher aus und in der Schule gibt es auch Papierbücher. Ich hatte in den letzten 3 Jahren vielleicht 15 Nachhilfeschüler und kein einziger hatte einen Reader. In meiner Umgebung besitzt als einziger mein Bruder einen. For die anderen lohnt es sich nicht, da sie, genau wie ich, aktiv sind, sobald sie außer Haus sind. Im Freibad sehe ich nur Taschenbücher, wobei die Leute dort sicherlich auch die Reader nicht unbeaufsichtigt liegen lassen wollen.

      Wenn sich aber das hier zitierte Argument erstmal richtig durchgesetzt hat, wird es dafür zu spät sein und dann sind Buchhandlungen vielleicht wirklich irgendwann überflüssig.

      Für mich ist es außerhalb jeder Diskussion, dass Buchhandlungen in 20 Jahren aus dem Stadtbild verschwunden sein werden. Früher hatte jeder Ort hier einen CD-Laden, dann kam MP3 und sie verschwanden. Die klassische Klientel der Buchhandlungen stirbt weg, der Rest bestellt im Internet und / oder liest auf dem Reader.


      Wenn der Buchhandel es zulässt, dass sich bei der Lesekundschaft festsetzt, dass es einfacher ist ein eBook in der Tankstelle zu bekommen als im Buchhandel, dann könnte das durchaus passieren.
      Benzin gab es ja ursprünglich mal in der Apotheke, bevor das von den Tankstellen übernommen wurde.

      Was das Jukebox-Prinzip sein soll ist mir noch nicht klar. Würde mich aber mal interessieren, da es sich wissenswert anhört.

      Mir ist in Übermüdung kein besserer Begriff eingefallen. Aber warum soll es kein Gerät geben, welches ungefähr so fuktioniert: Titel auswählen, Geld einwerden und per Bluetooth oder USB an den Reader übertragen. Technisch müsste das längst machbar sein. Der Vorteil für den Leser: Er kann sich die Bücher an verschiedenen Orten laden, wenn man auf Urlaubsfahrt an einer Raststelle vorbeikommt, kann man sich eben noch ein Buch holen.

      Was ich mal mitbekommen habe ist der Versand von Trägermedien, in dem Fall also Videocassetten und DVDs.

      Das sind aber Internet-Videotheken, ich spreche von der der Offline-Videothek an der nächsten Ecke (die überings auch gerade alle pleite gehen). Streams bieten nur Dienste wie Lovefilm oder Maxdome an. Internet = virtuelles Produkt, wie gehabt.


      Das ist Wissensstand Sommer 2013. Klar man kann prognostizieren, dass alles so bleibt. Ob es tatsächlich so kommt ist die andere Frage.

      Sich solch ein Gerät anzuschaffen lohnt sich für immer mehr Leute.

      Mir wäre ein Reader genau 0 Euro wert. Ich will auch ganz bewußt nicht noch mehr Kram haben. Ich brauche ihn nicht, wenn ich mich außerhalb der Wohnung befinde, kaufe ich ein, fahre Auto, mache Sport oder reite. Wenn ich mit verreise, tut es auch ein TB. Und so geht das vielen. Interessant ist der Reader nur für Pendler oder oder alte Leute wegen der Verstellbarkeit der Schriftgröße.

      Buchhandel zu begeistern, kompetente Beratung zur Verfügung steht

      *Buchhandel* und *kompetente Beratung* sind Worte, die sich nicht sonderlich wohl in einem Satz fühlen. Siehe alleine der Artikel von heute, in welchem der Kunde den Warenbestand besser kannte als der Händler.

      • Beides: Buch und reader, werden m.E. zu sehr als Gegensätze begriffen: Ich verwende meinen überwiegend um Texte zu lesen, von Blogs oder Zeitungsartikel und um meine eigenen zu korrigieren: Manchmal lese ich auch E-books, aber bislang habe ich kein einziges gekauft (überhaupt hoffe ich, dass es eine Stunde der alten, älteren und vergriffenen oder unbekannten Literatur wird [gerne auch der neuen, aber da werden der DRM-Schutz und unterschiedliche Formate einen Strich durch die Rechnung machen]). Und: ich brauche kein weiteres Gerät um podcasts und Musik zu hören.

      • Buch und reader, werden m.E. zu sehr als Gegensätze begriffen

        Das könnte daran liegen, dass es (zumindest für mich) ein kompletter Gegensatz ist. Begründung siehe oben. Und: Geld auszugeben, um in die Lage versetzt zu werden Geld ausgeben zu können, macht für mich keinen Sinn.

      • Was ich schrieb spricht ja gerade nicht für das Ausgeben von Geld. Im oberen Kommentar finde ich eine Ablehnung aus persönlichen Gründen, aus Gründen von Notwendigkeit. Dies meine ich:

        Mir wäre ein Reader genau 0 Euro wert. Ich will auch ganz bewußt nicht noch mehr Kram haben. Ich brauche ihn nicht, wenn ich mich außerhalb der Wohnung befinde, kaufe ich ein, fahre Auto, mache Sport oder reite. Wenn ich mit verreise, tut es auch ein TB. Und so geht das vielen. Interessant ist der Reader nur für Pendler oder oder alte Leute wegen der Verstellbarkeit der Schriftgröße.

      • Vor mich ist zudem entscheidend, dass man die Bücher nicht verkaufen und tauschen kann. Es spricht sicherlich nicht gerade für die Bücher, die ich lese, aber mehr als einmal muss ich sie nicht unbedingt lesen. Bei mehr als 90% ist einmal schon zuviel.

        Und bei Downloadartikel hat man das Geld ausgegeben und auf dem Reader ein Buch, welches man nicht mehr möchte. Deswegen kaufe ich sie nicht, obwohl ich sie besser finde, als reele Güter. Ich habe mir ohnehin vorgenommen, für Unterhaltungsmedien deutlich weniger bis kein Geld auszugeben und dies in wertigere Güter zu stecken,

      • Was ich persönlich sehr gut finde, ist virtuelles Ausleihen, seien es Spiele, Bücher oder Filme. Dann ist man das Ganze nach der Nutzung automatisch los. Unsere örtliche Bibilothek macht zaghafte Gehversuche in die Richtung, wenn es virtuelle Bibilotheken gäbe, würde ich mir auch einen Reader zulegen. Obwohl ich es mir nicht richtig vollstellen kann, am Reader gemütlich zu lesen.

      • Wie gesagt, das ist eine Frage der Nutzung, die natürlich jeder für sich beantworten muss. In meinem Fall ist der reader in erster Linie ein Lesegerät, mit dem ich digitale Texte angenehm und entspannt lesen kann (ich habe das am Bildschirm immer ungern getan; sie alle ausdrucken wäre Ressourcenverschwendung). Insofern sehe ich den reader als nicht notwendiger Weise mit dem E-Buch verknüpft an.

        PDF-Dateien, die über wenige Abbildungen hinausgehen, ließt man aber besser mit einem tablet (der Nachteil ist hier wieder der Leuchtbildschirm).

  2. Lieber Herr Brosche,
    bitte machen sie mich doch mit diesen Kleinverlegern bekannt, ich kenne jetzt als Kleinverlegerin wieder nur solche die 50% Rabatt geben plus 5 % Lagergebühr, plus Transportkosten plus eine jährliche Verwaltungsentschädigung.
    Gerne würde ich diese zufriedenen Kleinverleger kennenlernen. Es gibt einige wenige, die ältere Verträge haben und etwas bessere Konditionen, aber sie wissen ja sicher, das Amazon gerade dort massiv Druck macht mit Nachverhandlungen. Bei Rückfragen kann ich Ihnen gerne die Verlagsnamen nennen, falls die Ihnen unbekannt sein sollten.

    • Liebe Frau Mandalka,

      nur rein informativ eine Frage: Hatten Sie schon mal einen Titel beim BS gelistet?

      Warum frage ich? Neben dem Rabatt (der dort idR genauso hoch ist, wie bei amazon, nur grosse Verlage kommen u.U. etwas besser weg, weil sie höhere Umschlagszahlen produzieren) kommen nämlich auch noch die Auslieferungskosten der VA des Verlegers dazu. VA-Preise werden mit ca.6-8% des Umsatzes ‚gehandelt‘, dabei ist natürlich der rabattierte Netto-Umsatz gemeint. In Fällen von Pallettenware gilt ein niedrigerer Satz aber egal. Auch die Transportkosten zahlt häufig oder meistens der Verlag. Die Alt-Profis jedenfalls aus dem AKV wollten sich der allgemeinen Kritik nicht anschliessen. Aber ich vermittle gerne ein Gespräch zwischen Ihnen und einem der von mir Gemeinten. Ich suche mal auf Ihrer Website nach Ihrer mail-adresse und melde mich dann.

      Beste Grüße, LB

      • Sehr geehrter Herr Borsche, Frau Mandalkas Verlag existiert seit 1974, liefert über die Prolit-Verlagsauslieferung aus, und produziert munter gute Bücher, die in allen Dateien gelistet sind. Da ist die rhetorische („nur rein informativ…“) Frage Ihres Beitrages für einen „Alt-Profi“ nicht sehr glaubwürdig.
        Wer sich mit den Prozeßkosten von Internetlogistikern befasst, weiß, daß Frau Mandalka und viele andere Buchleute mit offenen Augen durch die Welt gehen.

      • Lieber Herr Brosche,
        ich warte auf ihre angekündigte Email, meine email Adresse finden sie ganz locker im Internet, da meine Bücher auch bei Ihnen gelistet sind, sind auch dort meine Kontaktdaten gelistet, falls Sie Schwierigkeiten haben es im Internet zu finden.
        Stimmt die Rabatte werden teilweise an die Barsortimenter angeglichen, aber zahlen wir auch an die Barsortimenter 5% Lagergebühren zusätzlich und noch Verwaltungsgebühren, seltsam ist mir wohl in meiner Unerfahrenheit bisher in den letzten 20 Jahren entgangen.
        Es freut mich dass sie so gute Großkonzernkleinverlagsfreunde in der Verlagswelt haben, also von den knapp 300 Verlagen, die wir hier in Berlin haben, sind dann fast alle sehr über die Bedingungen am stöhnen, aber die kennen sie dann wohl alle nicht. Seltsamerweise habe ich auch die Servicequalität von den Barsortimentern besser in Erinnerung, oder hatten wir auch dort schon keine Ansprechpartner? Wissen sie wir Kleinverlage waren dann doch ganz zufrieden mit den lokalen Buchhändlern, die dann doch auch schon mal wussten, wovon sie reden.
        herzlichst, a.m.

  3. „An der Zerstörung der Wertschöpfungskette Buch arbeiten viele“

    Dazu würde ich auch gerne mal eine offizielle Meinung von Verbänden lesen. Herr Borsche von eBuch hat da ja sicher auch eine interessante Meinung dazu.
    Meinem Eindruck nach, schreckt der Buchhandel derzeit viele Kunden die gerne zum einkaufen kommen wollen dadurch ab, dass es kein digitales Angebot in der Buchhandlung selbst gibt.
    Zum alten Beitrag würde mir auch noch einiges einfallen, aber ich warte lieber mal einen neuen Artikel von ihm ab, da ich mir dann sicher bin, dass er das liest und bei Gelegenheit antwortet.
    Mich verunsichert in erster die von mehr und mehr Leuten verbreitete Äußerung „warum noch in die Buchhandlung gehen, da bekommt man ja sowieso kein eBook“.
    Da stellt sich dann schon die Frage, weshalb sich die Mühe machen, von zuhause in die Buchhandlung zu gehen, wenn es dann sowieso nur heißt, „gehen sie bitte nach Hause und laden sich das eBook direkt über den Onlineshop“.
    Da könnten die Buchhändler auch gleich sagen, kaufen sie sich ihre eBooks doch gleich bei Amazon.

    Als Verlierer der Digitalisierung sehe ich den Buchhandel nicht, sondern nur als ziemlich uninteressiert veränderten Lesegewohnheiten ein einladendes Angebot zu machen das besagt „ein Besuch in der Buchhandlung lohnt sich“.

    „Konkurrenz der Freizeitindustrie“

    Warum gibt man den Digitallesern in der Buchhandlung keine Chance? Da kommen leseinteressierte Menschen gezielt in den Laden und werden weggeschickt, weil sie nicht an gebundenen Ausgaben oder Taschenbüchern interessiert sind, sondern an eine digitale Version desselben Inhaltes.

    „Online-Medienportale“

    Die Zeit die ich Online verbringe, fehlt mir Offline zum Lesen. Warum interessiert sich der Buchhandel nicht für Digitalleser, die es bevorzugen in den realen Laden zu kommen und dort direkt einzukaufen? Stichwort „Direktdownload eines eBook“, damit gleich gelesen werden kann.

    „Persönlich lese ich nur das echte Buch“

    Interessante Aussage! Hört man auch immer wieder. Nur was das konkret bedeuten soll, verstehe ich nicht. Was macht ein echtes Buch zu einem echten Buch? Und warum?

    „Wir haben nichts gegen Bestellungen übers Netz“

    Und welchen Vorteil soll das gegenüber einem Besuch in der Buchhandlung haben? Wo bleibt da das Einkaufserlebnis? Der Gedankenaustausch mit einem Buchhändler? Die Freude durch Zufall auf Bücher zu stoßen, die man im Internet vielleicht nie gefunden hätte, auch wenn sie nur einen Klick entfernt sind und bleiben?

    „Zuallererst sollen Sie ihr Buch bekommen“

    Und genau das ist für Digitalleser nicht gegeben. Die werden ohne Einkaufsmöglichkeit heim geschickt. Motto „gehen sie doch zur Konkurrenz, oder ändern sie ihren Kaufwunsch und passen ihn den Wünschen des Buchhandels an“.

    Falls ich teils etwas gefrustet klingen sollte. War gerade in einer Buchhandlung, hätte mir gerne ein eBook gekauft und habe wieder keines bekommen, da bisher nicht vorgesehen ist, dass Digitalleser lieber in der Buchhandlung einkaufen als in einem Onlineshop.
    Eine Seite entfernt von diesem Blog wartet unter anderem Amazon darauf, genau diesen gefrusteten abgewisenen Kunden eBooks zu verkaufen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ein Digitalleser

    • Warum gibt man den Digitallesern in der Buchhandlung keine Chance? Da kommen leseinteressierte Menschen gezielt in den Laden und werden weggeschickt, weil sie nicht an gebundenen Ausgaben oder Taschenbüchern interessiert sind, sondern an eine digitale Version desselben Inhaltes.

      Das ist die gleiche Logik, als wenn ich die Downloadversion eines Spieles haben möchte und zu Saturn oder MediaMarkt gehe – haben sie nicht. Online- / Digitalvarianten kauft man nun einmal im Internet, sei es Gamesload, Steam, oder GoG für Spiele und Amazon für Ebooks.

      • Also tatsächlich: „Du willst was zu lesen kaufen, dann geh doch nicht in die nächste Buchhandlung, da bekommst du das ja sowieso nicht?“
        Warum soll das, was bei Langspielplatten, Musiccassetten, CDs, DVDs usw. geklappt hat nun plötzlich so abwegig sein und nicht mehr klappen?
        Da werden die kommenden Generationen ja gleich dazu erzogen, Buchhandlungen als überflüssig zu meiden. Und das ist eben etwas, das sich mir nicht erschließt.

      • Also tatsächlich: “Du willst was zu lesen kaufen, dann geh doch nicht in die nächste Buchhandlung, da bekommst du das ja sowieso nicht?”
        Warum soll das, was bei Langspielplatten, Musiccassetten, CDs, DVDs usw. geklappt hat nun plötzlich so abwegig sein und nicht mehr klappen?

        Nachtrag:

        Ich bin für diese Argumentation offensichtlich zu dumm, ich kann sie nicht nachvollziehen. Güter, die man in der Hand halten kann, können in Offline-Läden verkauft werden, virtuelle Güter nur über das Internet. Ich kann beim MediaMarkt schließlich auch nicht die Downloadversion eines Spieles kaufen. Ich sehe das Problem nicht, welches Sie künstlich eröffnen.

        Wenn Sie die Interview-Reihe gelesen hätten, würde Sie wissen, dass die Buchläden EBooks maximal über ihre Internetseite (also wieder übers Internet) vertreiben.

        Vielleicht wird es mal irgendwann das Jukebox-Prinzip geben und man kann sich dann die Titel dann dort kaufen. Allerdings wird dann wohl der Buchhandel endgültig den Bach runtergehen, wenn die Leser sich alle verfügbaren Bücher bequem an der Tankstelle laden können 😉 .

      • Noch eine Frage: Wann hat das denn bei DvDs, LPs ect. funtioniert?

        Glauben Sie ernsthaft, eine Offline-Videothek stellt ihnen Streams zur Verfügung, der MediaMarkt Downloadversionen von Spielen und der VirginMegastore die neusten MP3s? Und warum soll jede Buchhandlung EBooks ohne Umwege verkaufen? Einge machen es eben, die meisten wohl nicht.

    • Wenn ich bei RandomHouse das Sagen hätte, würde ich für Leute wie Sie folgendes machen:

      Ein Gerät entwickeln lassen, an dem man sich Ebooks laden kann. Ich stelle mir das so vor: Reader per Bluetooth / USB an das Gerät koppeln, Buch auswählen, Kreditkarte oder Bargeld reinstecken und das Buch laden. Technisch kann das nicht anspruchsvoller sein als ein Fahrkartenautomat.

      Und diese Geräte würde ich an Tankstellen, Raststellen (Urlaubsreise) und U- / S- Bahn-Stationen aufstellen. Dann würden die Leser dort abgeholt, wo sie das Buch brauchen; man kann sogar noch die Zeitschriftenverlage abkassieren, indem man digitale Ausgaben von denen gegen Gebühr anbietet.

      Das ganze vielleicht für ein paar Euro Leihgebühr und das Buch wird nach 2,3 Wochen automatisch gelöscht, wer es behalten will, soll mehr zahlen.
      _____

      Was mich erstaunt ist übrigs, um ein anderes Thema zu den EBooks aufzugreifen, dass noch keiner erwähnt hat, dass die Verlage in die gleiche Falle wie die Musik-/Filmindustrie tappen.

      Als CDs als leicht in ein anderes Format übertragbares Medium entwickelt wurden, war vom Internet noch keine Rede. Aber das die Verlage ebenfalls mit den EBooks den gleichen Weg gehen, erstaunt mich schon. Ich habe fast täglich im Blog Suchanfragen *Buch xyz Download*. Ein Buch ist im Gegensatz zu einem Film in ein paar Sekunden runtergeladen und wahrscheinlich wird in den BitTorrent-Netzwerken heftig getauscht.

      Die Verlage bauen da meiner Ansicht nach eine Zeitbombe auf, die irgendwann ihre Existenz gefährden könnte.

      • >> Ein Gerät entwickeln lassen, an dem man sich Ebooks laden kann. Ich stelle mir das so vor: Reader per Bluetooth / USB an das Gerät koppeln, Buch auswählen, Kreditkarte oder Bargeld reinstecken und das Buch laden. Technisch kann das nicht anspruchsvoller sein als ein Fahrkartenautomat.

        Und diese Geräte würde ich an Tankstellen, Raststellen (Urlaubsreise) und U- / S- Bahn-Stationen aufstellen. Dann würden die Leser dort abgeholt, wo sie das Buch brauchen; man kann sogar noch die Zeitschriftenverlage abkassieren, indem man digitale Ausgaben von denen gegen Gebühr anbietet. <> Das ganze vielleicht für ein paar Euro Leihgebühr und das Buch wird nach 2,3 Wochen automatisch gelöscht, wer es behalten will, soll mehr zahlen. <> Die Verlage bauen da meiner Ansicht nach eine Zeitbombe auf, die irgendwann ihre Existenz gefährden könnte. <> Ein Problem für den Handel besteht darin, dass das Lesen in ständiger Konkurrenz zu anderen Aktivitäten steht. Ich merke es bei mir, wenn mich die Geschichte eines Spiels mehr interessiert, dann spiele ich. Das ist ein ständiger Wettkampf, was gerade interessanter ist. <> Ohne mich täglich beim Sport auszupowern kann ich weder lesen noch spielen, auch dies zieht Zeit ab. <<
        Vielleicht wird ja sportliche Aktivität irgendwann mit Lesen kombiniert. Mir würden da durchaus Ideen einfallen. Mal sehen ob andere auch drauf kommen und das dann in ungefähr zwei bis drei Jahren im Alltag ankommt.

        Viele Grüße
        Digitalleser

      • Sorry funktionierte irgendwie nicht richtig, daher nochmals meine Textteile:

        Das ist eine Entwicklung die ich mir auch vorstellen kann. Nur zum Unterschied zu ihnen, würde ich diese Geräte auch in Buchhandlungen und im Zeitschriftenhandel aufstellen.

        Unterschiedliche Modelle wie das machbar ist, sind ja in der Entwicklung.
        Ob Kauf, Leihe, Streaming .. vieles ist denkbar.

        Das Digitalgeschäft wurde ja so lange wie möglich rausgezögert. Nun hat es sich in den USA durchgesetzt und mit Amazon kam einer der Hauptanbieter nach Deutschland. Da konnten die deutschen Anbieter nicht zurückstehen und mussten mitziehen.

        Deshalb verstehe ich es ja auch nicht, weshalb die Buchhandlungen bisher das eBook nicht aus der Multikonkurrenzumgebung Internet in den Buchladen vor Ort holen, wo die Ablenkung viel geringer ist.
        Online konkurriert jede Onlineshopseite erstmal mit allen anderen Seiten. Egal ob anderer Onlineshop, Nachrichtenseite, Newsseite, Blogs, Foren, Chatseiten, youtube, facebook und was einem sonst noch so einfällt.
        In der Buchhandlung ist die Konkurrenz auf das Buchangebot eingeschränkt. Man kann sich ganz anders darauf konzentrieren. Das ist ein enormer Vorteil, der noch viel zu wenig genutzt wird.
        Buchhandlung – Wohlfühloase für konzentrierten Lesegenuss
        Würde mir mal so als Werbeslogan einfallen.

        Vielleicht wird ja sportliche Aktivität irgendwann mit Lesen kombiniert. Mir würden da durchaus Ideen einfallen. Mal sehen ob andere auch drauf kommen und das dann in ungefähr zwei bis drei Jahren im Alltag ankommt.

        Viele Grüße
        Digitalleser

    • Lieber Digitalleser,

      ich war heute dermaßen mit gürtellinienmäßig unappetittlichen postings im BBL beschäftigt, daß mich GvP per mail auf Ihre Bitte hinweisen musste, der ich jetzt (2:45H) trotzdem gerne noch nachkomme:

      >Meinem Eindruck nach, schreckt der Buchhandel
      >derzeit viele Kunden die gerne zum einkaufen
      >kommen wollen dadurch ab, dass es kein digitales
      >Angebot in der Buchhandlung selbst gibt.

      Uneingeschränkt: Ja, das ist leider so.

      >Mich verunsichert in erster die von mehr und
      >mehr Leuten verbreitete Äußerung „warum noch
      >in die Buchhandlung gehen, da bekommt man ja
      >sowieso kein eBook“.

      Leider in *mindestens* 50-60 von 100 Fällen korrekt.

      >Da stellt sich dann schon die Frage,
      >weshalb sich die Mühe machen, von
      >zuhause in die Buchhandlung zu gehen,
      >wenn es dann sowieso nur heißt,
      >“gehen sie bitte nach Hause und laden
      >sich das eBook direkt über den
      >Onlineshop“.

      Das ist eine systemimmante Sollbruchstelle – ganz ehrlich. Da kommen wir später noch dazu.

      Kennen Sie *den* schon? Kommt ein Kunde in die Buchhandlung: „Ich hätte gerne einen 50 Euro Amazon Gutschein“. Das ist wirklich war, ist so passiert.

      >Da könnten die Buchhändler auch gleich sagen, kaufen
      >sie sich ihre eBooks doch gleich bei Amazon.

      Die ganze Wahrheit ist: es ist derzeit nirgends bequemer und besser gelöst.

      >Als Verlierer der Digitalisierung sehe
      >ich den Buchhandel nicht, sondern nur
      >als ziemlich uninteressiert veränderten
      >Lesegewohnheiten ein einladendes Angebot
      >zu machen das besagt „ein Besuch in der
      >Buchhandlung lohnt sich“.

      Ja, es gibt Buchhändler, die veränderungsunwillig sind, die auch heute noch kein Warenwirtschaftssystem nutzen, kein Internetangebot haben etc.pp. Lassen Sie uns von den anderen reden, die gerne würden. Die sind, und das weiß ich sehr genau, wirklich die ‚Verlierer‘. Das hat mehrere Gründe, ich will versuchen, Ihnen ein paar davon nahezubringen.

      Die Musikindustrie hat vor 10 Jahren einen Riesenaufstand wg MP3 gemacht, daran erinnert sich doch jeder, oder? Und dann jede Menge ‚geschützter‘ Formate erfunden. Das war Quark, denn es gab nur Ärger mit kopiergeschützen CDs etc.pp. – heute bekommt man ‚offene‘ MP3s im Apple-store ganz selbstverständlich, amazon liefert sie sogar gleich zur (jemals bei amazon) gekauften CD dazu, sogar zum Vinyl!

      Die Buch“industrie“ hat daraus gelernt? Nichts! Vor allem die große Verlagsgruppe, die von ihrer prominenten ZEITungstochter (siehe http://www.boersenblatt.net/632126/) als „bekannt für ihren Kampf für faire Bedingungen im Buchhandel“ gelobt wird, und die überdies mit der Beteiligung an „buch.de“ ja auch gegen amazon halte, hat sich dem kompliziertesten aller DRM-Schutzsysteme verschrieben.

      Neulich hat sich einer unserer nicht ganz inkompetenten IT-Leute einen ‚freien‘ Reader zugelegt. Er hat Stunden mit der Initialisierung des Adobe-DRM verbracht. Am PC! Am Reader wollen Sie das gar nicht erst probieren. Das ist keinem Kunden zuzumuten – und dem Buchhändler, der das ’supporten‘ soll, auch nicht.

      Letztes Jahr haben wir die Möglcihkeit ausgelotet mit österreichischen Buchhändlern zu kooperieren, die schon einen veritablen ebook-Stamm anbieten konnten. Aber leider, das Kleingedruckte genau dieser Verlagsgruppe hätte verhindert, daß wir die Titel-Server ’sharen‘ können: für das DRM dieser Verlagsgruppe muss der Server in dem Land stehen, in dem sich der Verkäufer befindet. Für unsere Buchhändler darf er also nicht in Austria stehen. So mein normalerweise sehr zuverlässiger austriakischer Gewährsmann. Arrrrgh.

      Sie wollen ein ebook in der Buchhandlung kaufen und an der Kasse bar bezahlen? Ojeh. Das ist (war bislang) echt kompliziert! Um nicht zu sagen: fast unmöglich. Sie wollen einen Gutschein für ein *beliebiges* ebook… Vergessen Sie’s einfach. Sowas geht aber gaaaar nicht 😉

      Bei amazon hingegen ist das alles kundenfreundlich simpel geregelt. Die Verlage verzichten auf das DRM, weil amazon mit dem hauseigenen AZW-Format ein ‚Quasi‘-DRM zusichert (der mit ‚Calibre‘ genauso geknackt werden kann, wie das Adobe-DRM, klauen wird so nicht verhindert).

      Der Kindle logged sich in die bei amazon liegende cloud der bei amazon gekauften Titel ein – und fertig ist die Laube. Mit einem Knopfdruck ein ebook kaufen? Ist doch kein Problem, wird doch nur vom amazon-Titel-Server die cloud geschoben, ratzfatz (da wird nicht das ebook verschoben, allenfalls eine Referenz :-). Alles einfach, so wünscht sich der Kunde das.

      Was dem Buchhändler an Systemen angeboten wird, ist dagegen bestenfalls Stückwerk. Am besten gelöst hat das wohl derzeit Osiander, dort kann man tatsächlich auch auf Rechnung und mit Gutschein kaufen. Irgendetwas ähnlich durchgängiges ist mir ansonsten nicht bekannt. Ok, der Shop von LIBRI, auch der funktioniert, aber nicht anders oder besser als der von der MVB (den auch wir einsetzen), also nur mit Kreditkarte.

      Bei den Readern sieht es gar nicht so schlecht aus, der freie ‚Pocketbook Touch Lux‘ ist nach Meinung der Buchhändler besser als der Kindle paperwhite, besser als der Sony TSR2 und auch als der Tolino shine. Das Grauen beginnt mit dem Adobe DRM und das ist ein sinnloses Verbrechen am Kunden und am Buchhändler.

      >Warum gibt man den Digitallesern in der
      >Buchhandlung keine Chance? Da kommen
      >leseinteressierte Menschen gezielt in
      >den Laden und werden weggeschickt, weil
      >sie nicht an gebundenen Ausgaben oder
      >Taschenbüchern interessiert sind, sondern
      >an eine digitale Version desselben Inhaltes.

      Weil Sie. lieber Digitalleser, eigentlich alles mitbringen, was man zum Lesen eines ’normalen‘ Buches braucht, also die Hardware (die Augen und Ihr Gehirn), die Software (das Lesen können), und weil man Ihnen also nichts dazu erklären muss 🙂

      OK, Sie sind schon ein versierter ebook-User und ängstigen den Buchhändler nicht mit Fragen zur Bedienung des Readers? Dann scheitert es an allen möglichen technischen Hürden, s.o. Glauben sie mir, es ist das pure Grauen, und selbst das ist noch untertrieben.

      >“Persönlich lese ich nur das echte Buch“
      >
      >Interessante Aussage! Hört man auch immer
      >wieder. Nur was das konkret bedeuten soll,
      >verstehe ich nicht. Was macht ein echtes
      >Buch zu einem echten Buch? Und warum?

      Ich kann Ihnen dazu nur meine höchst persönliche Meinung sagen: Ich schaffe keine 3 Seiten auf einem Reader, mir geht sofort der Zusammenhang verloren. Mit fehlt die 3-dimensionale Verortung des Textes (Anordnung der Absätze auf der Seite, korrekter Umbruch, Menge der Seiten, die ich schon / noch nicht gelesen habe).

      Manchmal suche ich was und greife ins Regal. Nicht nur weiß ich, wo das Buch steht (dessen Titel ich ev. nicht mehr weiß), sondern ich finde auch die gesuchte Textstelle (für die ich keine präzisen Suchworte hätte), weil ich sie mir 3-D und bildlich gemerkt habe.

      Das mag sehr speziell sein, aber mein Kopf funktioniert genau so. Und ich weiß, daß es manchen anderen auch so geht.

      >Falls ich teils etwas gefrustet klingen sollte.

      Sie klingen vor allem sehr freundlich, das ist selten geworden bei dem Frust, den Sie haben müssen. Glauben Sie mir: die Buchhändler sind auch gefrustet. Wir hoffen sehr, daß wir da in naher Zukunft Abhilfe schaffen können – Sie wissen ja: die Hoffnung stirbt zuletzt.

      Beste Grüße, LB

      • „Das mag sehr speziell sein, aber mein Kopf funktioniert genau so. Und ich weiß, daß es manchen anderen auch so geht.“
        Ohja, das geht mir auch so – man liest auf dem Reader einen langen Text und verliert sich. Für mich kann der Reader vor allem eins sein – Lesemaschine für eigenerstellte Lyrik-Anthologien. Weil ich kurze Gedichte liebe. Und die für sich stehen können. Hier erschließt sich mir auch nicht das vollkommen unzulängliche Angebot an guter Lyrik als ebook. Verlagshaus J Frank aus Berlin machen es vor – wer im Webshop bestellt, bekommt bei einigen Büchern die ebook-Version dazu, umsonst. Solange es so etwas gibt, geben muss mangels anderer Angebote, wird der Buchhandel zu knabbern haben. Vielleicht wäre eine Lösung, dass der Buchhandel ähnliche Deals mit den Verlagen abschließt. (M)Ein Traum: Wenn ich im Laden ein Buch kaufen könnte und dann sozusagen als buy-local-Bonus den Schlüssel zum ebook dazu bekäme.
        Off Topic, vielleicht. Musste ich aber mal los werden.

      • Sehr geehrter Herr Borsche,

        > ich war heute dermaßen mit gürtellinienmäßig unappetittlichen postings
        > im BBL beschäftigt, daß mich GvP per mail auf Ihre Bitte hinweisen musste,
        > der ich jetzt (2:45H) trotzdem gerne noch nachkomme:

        für ihre Mühe danke ich ihnen. Meine Antwort hat sich leider verzögert, da ich sie noch etwas ändern musste. Gab mir dann gleich noch Gelegenheit mir den von ihnen verlinkten Artikel und die Kommentare dazu durchzulesen.

        Ihre Ausführungen sehe ich als Einladung bald mal wieder in eine Buchhandlung zu gehen.
        Wäre auf eBuch.net vermerkt, welche Buchhandlungen zu eBuch gehören, wäre es mir auch möglich, dort mal einzukaufen. Leider fand ich auf der Seite dazu keinen Hinweis.

        > Uneingeschränkt: Ja, das ist leider so.
        > Leider in *mindestens* 50-60 von 100 Fällen korrekt.

        Aus Kundensicht stellt sich da die Frage: Wieso?

        Was mich auch interessieren würde: Was ist ihrer Meinung nach derzeit schon möglich?
        Die eBook-Card und der Libri-Downloadlink ist mir schon bekannt, aber das geht bestimmt noch besser. Über Geschenkkarten soll es teils auch schon ein wenig möglich sein, aber so richtig mitbekommen habe ich das noch nicht.

        > Kennen Sie *den* schon? Kommt ein Kunde in die Buchhandlung:
        > “Ich hätte gerne einen 50 Euro Amazon Gutschein”. Das ist wirklich war, ist so passiert.

        Nein kannte ich noch nicht. Mir ist nur die Variante bekannt „kommt ein Kunde mit seinem Kindle in der Hand in die Buchhandlung und möchte sich eBooks kaufen“.
        Am tollsten fände ich aber, wenn dann statt der aktuellen Antwort „geht leider nicht“ die Antwort „was suchen sie, wir haben eine gute Auswahl für sie vorbereitet“ kommen würde.
        Beispielsweise über beam-ebook.de sind sowohl epub als auch mobi Versionen erhältlich.
        Theoretisch wäre das also durchaus machbar.
        Muss der Kunde eben weiterhin nebenan im Lebensmittelladen seinen Bücher-Geschenkgutschein kaufen. Erinnert bisschen an „Benzin gibt es in der Apotheke“.

        Eine Buchhändlerin erzählte mir mal, dass eine Kundin in die Buchhandlung kam, viele Bücher dabei hatte und darum bat, diese doch bitte auf den eBook-Reader zu transferieren.

        > Die ganze Wahrheit ist: es ist derzeit nirgends bequemer und besser gelöst.

        Dann wird es Zeit, dass sich der Buchhandel überlegt, wie es direkt vor Ort ebenfalls so bequem möglich wird. Ideen hätte ich einige, nur fehlt mir das Insiderwissen, was sich davon verwirklichen lassen könnte und was an Befindlichkeiten scheitern würde, die durch unterschiedliche Interessen entstehen.

        Meinem Eindruck nach verschenkt die Buchbranche den Standortvorteil Buchhandlung, der im Moment noch gegeben ist. Wäre es so einfach ein eBook zu kaufen, wie das bei einer gebundenen Ausgabe und einem Taschenbuch möglich ist, bräuchte sich die Branche lange nicht so vor Amazon zu fürchten wie es im Moment der Fall ist.

        Beim eBook kommt es nicht auf die Verkaufsfläche an, sondern auf die Kompetenz des Buchhändlers. Ist zumindest meine Meinung. Und da kann Amazon derzeit noch nichts entgegensetzen. Ich befürchte aber, dass das erst zum Thema wird, wenn Amazon einen Weg gefunden hat eBooks vor Ort im Handel anzubieten. Denn meiner Meinung nach ist das ein logischer Schritt um an Kundschaft heran zu kommen, die derzeit noch unerreichbar sind.

        > Ja, es gibt Buchhändler, die veränderungsunwillig sind, die auch heute noch kein
        > Warenwirtschaftssystem nutzen, kein Internetangebot haben etc.pp.
        > Lassen Sie uns von den anderen reden, die gerne würden.
        > Die sind, und das weiß ich sehr genau, wirklich die ‘Verlierer’.
        > Das hat mehrere Gründe, ich will versuchen, Ihnen ein paar davon nahezubringen.

        Momentan klappt ja das derzeitige Geschäftsmodell noch ganz gut, geschickt mit moderneren Geschäftsmodellen kombiniert kann das durchaus auch weiterhin gut klappen. Würde mithelfen so einige Arbeitsplätze zu erhalten.
        Ich persönlich hätte nichts dagegen in zwanzig Jahren nebeneinander zwei Buchhandlungen zu sehen. Eine ganz altmodisch im Stil des 20. Jahrhunderts mit einem für moderne Leser ziemlich antiquiert anmutenden Sortiment, und eine ganz modern mit den aktuellsten digitalen Errungenschaften, die zum Lesegenuss der kommenden Jahrzehnte gehört.

        > Die Musikindustrie

        Ich habe das nur am Rande mitverfolgt, weil ich bezogen auf CDs enttäuscht war, dass es nie ein richtiges Angebot an Video-Singles gab. Das hätte mich fasziniert, aber das kam nie so richtig auf den Markt. Mit DVDs habe ich mich auch nur ein wenig beschäftigt. Da störten mich auch die Kopierschutzmechanismen und Regionalcodes. Mein Sony Discman konnte mit kopiergeschützten Medien nichts anfangen, daher nahm ich ihn immer mit in den Laden und probierte aus, ob ich mir eine gewünschte CD überhaupt kaufen und anhören darf.
        Mit MP3 habe ich mich gar nicht mehr befasst, weil ich mich damals zwischen mehr Musik hören oder mehr lesen entscheiden musste und mich für Bücher entschieden habe.

        > Die Buch”industrie” hat daraus gelernt? Nichts!

        Dafür habe ich als Kunde gelernt: DRM = Kaufverbot!
        Ein eBook das ich nicht gleich nach dem Kauf ohne Probleme nutzen kann, kommt für mich nicht in Frage. Derzeit sehe ich es so, wenn ein eBook mit DRM „geschützt“ ist, ist es davor geschützt von mir gelesen und entsprechend zuvor gekauft zu werden.

        > Neulich hat sich einer unserer nicht ganz inkompetenten IT-Leute
        > einen ‘freien’ Reader zugelegt. Er hat Stunden mit der Initialisierung
        > des Adobe-DRM verbracht. Am PC!
        > Am Reader wollen Sie das gar nicht erst probieren.
        > Das ist keinem Kunden zuzumuten – und dem Buchhändler,
        > der das ‘supporten’ soll, auch nicht.

        Also bei lesen.net habe ich gelesen, es soll ganz einfach sein mit ADE. Aber dazu sage ich persönlich tatsächlich ade! Mit Adobe Digital Edition beschäftige ich mich erst, wenn es gar nicht mehr anders geht. Aber solange werde ich solche Bücher eben nicht kaufen.
        Und mit Onleihe beschäftige ich mich auch erst irgendwann in Zukunft.
        Entweder der Kauf geht so einfach wie bei einem Taschenbuch, oder ich verzichte eben auf den Kauf. Schont schon ein wenig den persönlichen Etat.

        > Letztes Jahr haben wir die Möglcihkeit ausgelotet mit österreichischen Buchhändlern
        > zu kooperieren, die schon einen veritablen ebook-Stamm anbieten konnten.

        Das würde mich näher interessieren, da ich als rein buchinteressierter Leser solche Dinge kaum mitbekomme. Mit fehlendem Insiderwissen ist es einfach zu schreiben -> da stellt man einfach einen Computer auf, über eine interne Seite sind eBooks zugänglich, die mit dem genutzten Warenwirtschaftssystem gekoppelt sind und die nur noch runtergeladen und auf den Kunden-eReader transferiert werden müssen. Technisch kaum ein Problem. Nur rechtlich und verkaufstechnisch sicher komplizierter und das noch ohne an DRM überhaupt nur zu denken.

        > Sie wollen ein ebook in der Buchhandlung kaufen und an der Kasse bar bezahlen?
        > Ojeh. Das ist (war bislang) echt kompliziert! Um nicht zu sagen: fast unmöglich.
        > Sie wollen einen Gutschein für ein *beliebiges* ebook… Vergessen Sie’s einfach.
        > Sowas geht aber gaaaar nicht 😉

        Als bevorzugt im Buchhandel einkaufender Leser habe ich den Wunsch, genau.
        Und das was mir an Möglichkeiten geboten wird, möchte ich nach und nach ausprobieren.
        Die dritte Kaufvariante ist die Geschenkkarte. Bisher habe ich noch keine, aber sobald ein passender Anlass da ist, ändert sich das.
        Im Lebensmittelladen laufe ich inzwischen immer öfter an dem Regal vorbei, wo all diese Karten ausgestellt sind. iTunes, Google Play, Amazon, Thalia und so einige andere mehr warten da nur darauf gekauft zu werden.

        > Bei amazon hingegen ist das alles kundenfreundlich simpel geregelt.
        > Die Verlage verzichten auf das DRM, weil amazon mit dem hauseigenen
        > AZW-Format ein ‘Quasi’-DRM zusichert (der mit ‘Calibre’ genauso geknackt
        > werden kann, wie das Adobe-DRM, klauen wird so nicht verhindert). < Der Kindle logged sich in die bei amazon liegende cloud der bei amazon
        > gekauften Titel ein – und fertig ist die Laube.
        > Mit einem Knopfdruck ein ebook kaufen? Ist doch kein Problem,
        > wird doch nur vom amazon-Titel-Server die cloud geschoben,
        > ratzfatz (da wird nicht das ebook verschoben, allenfalls eine Referenz 🙂 .
        > Alles einfach, so wünscht sich der Kunde das.

        Tolino bemüht sich derzeit da was vergleichbar kundenfreundliches hinzubekommen.
        Ist aber noch bisschen in den Kinderschuhen.
        Für Anbieter ist so eine Cloud natürlich ideal. Da lässt sich noch einiges machen.
        Ich warte ja noch auf ein eBook-Antiquariat, denn der Bereich ist derzeit noch völlig utopisch.
        Verwaltungstechnisch machbar könnte ich mir das allerdings vorstellen.
        Technisch dürfte da eh kein Problem sein.

        > Was dem Buchhändler an Systemen angeboten wird, ist dagegen bestenfalls Stückwerk.
        > Am besten gelöst hat das wohl derzeit Osiander, dort kann man tatsächlich auch auf
        > Rechnung und mit Gutschein kaufen. Irgendetwas ähnlich durchgängiges ist mir ansonsten
        > nicht bekannt. Ok, der Shop von LIBRI, auch der funktioniert, aber nicht anders oder besser
        > als der von der MVB (den auch wir einsetzen), also nur mit Kreditkarte.

        Danke für den Tipp mit Osiander. Werde ich mir bei Gelegenheit mal genauer anschauen.
        Bei ihnen in der Buchhandlung ist es also derzeit nicht möglich ein eBook bar zu zahlen und zumindest den Downloadlink zu bekommen um beispielsweise in einem nahe gelegenen Internetcafe das eBook downzuloaden und gleich zu lesen?
        Denn wenn ich schon in einer anderen Stadt unterwegs bin, möchte ich auch gerne was zu lesen kaufen und in einer Pause gemütlich beim Essen oder Kaffee trinken lesen können.

        > Bei den Readern sieht es gar nicht so schlecht aus, der freie ‘Pocketbook Touch Lux’
        > ist nach Meinung der Buchhändler besser als der Kindle paperwhite,
        > besser als der Sony TSR2 und auch als der Tolino shine.
        > Das Grauen beginnt mit dem Adobe DRM und das ist ein sinnloses Verbrechen
        > am Kunden und am Buchhändler.

        DRM = Kaufverbot!
        Ansonsten lasse ich mich mal überraschen was im Weihnachtsgeschäft aktuell sein wird.
        Denn bis auf den Pocketbook werden ja alle durch neue Geräte abgelöst.

        > Weil Sie. lieber Digitalleser, eigentlich alles mitbringen, was man zum Lesen eines
        > ‘normalen’ Buches braucht, also die Hardware (die Augen und Ihr Gehirn),
        > die Software (das Lesen können), und weil man Ihnen also nichts dazu erklären muss 🙂

        Wären wir in der Zeit von Captain Picard, der die Möglichkeit hat ein Holodeck zu nutzen, hätte ich gar nichts gegen Papierbücher einzuwenden. Aber das wird wohl noch längere Zeit dauern, bis das erfunden wird. Solange braucht es eben Zwischenschritte dorthin.
        Denn mit der Möglichkeit virtuelle Bücher in die Realität zu holen und virtuell aufzubewahren wäre der ideale Kompromiss gefunden. Die Enterprise hat sicher eine gutsortierte Bibliothek.

        > OK, Sie sind schon ein versierter ebook-User und ängstigen den Buchhändler nicht
        > mit Fragen zur Bedienung des Readers? Dann scheitert es an allen möglichen technischen
        > Hürden, s.o. Glauben sie mir, es ist das pure Grauen, und selbst das ist noch untertrieben.

        Das was mich interessiert bekomme ich mit, alles andere kann ich von mir fernhalten.
        Wie eBooks abgerechnet werden würde mich mal interessieren. Bei einem Buch kann ich mir das vorstellen. Ware wird geliefert, Rechnung wird bezahlt. Um es mal ganz einfach auszudrücken.

        > Ich kann Ihnen dazu nur meine höchst persönliche Meinung sagen:
        > Ich schaffe keine 3 Seiten auf einem Reader, mir geht sofort der Zusammenhang verloren.
        > Mit fehlt die 3-dimensionale Verortung des Textes (Anordnung der Absätze auf der Seite,
        > korrekter Umbruch, Menge der Seiten, die ich schon / noch nicht gelesen habe).

        Danke für diese Meinung. Kann es insofern nachempfinden, dass erstmal eine persönliche Orientierung gefunden werden muss, damit man ein eBook genießen kann.
        Ganz zu Beginn ging es mir ähnlich. Digital Lesen langweilte mich nur, es war zu ungewohnt.
        Da ich aber eh viel am Computer lese, probierte ich das auch mal mit einem eBook aus und inzwischen klappt das ganz gut.
        Vielleicht hilft es ihnen ja, erstmal Kurzgeschichten digital zu lesen? Denn genau wie bei einem Papierbuch braucht es erstmal ein persönliches Lesegefühl, sonst bekommt man durch die Ablenkung keinen Bezug zum Text und kann sich auch nicht auf den Inhalt einlassen.
        Ablenkend kann sein: der ungewohnte Umblättervorgang, der einen anfangs aus der Konzentration reißt. Die wesentlich kleinere Lesefläche, die einen mehr auf die aktuellen Zeile fokussiert und es verhindert den Blick etwas schweifen zu lassen. Auch die vertraute Dicke des Buches kann zu Beginn fehlen und mit der ungenauen Seitenangabe kann man anfangs auch nur sehr wenig anfangen.
        Da braucht es erst einige Vergleichsgrößen um sich damit vertraut zu machen.

        > Manchmal suche ich was und greife ins Regal. Nicht nur weiß ich, wo das Buch steht
        > (dessen Titel ich ev. nicht mehr weiß), sondern ich finde auch die gesuchte Textstelle
        > (für die ich keine präzisen Suchworte hätte), weil ich sie mir 3-D und bildlich gemerkt habe.

        Da können ihnen sicher die Forenteilnehmer bei lesen.net bessere Tipps geben als ich. So eine umfangreiche Digitalsammlung habe ich noch nicht um den von ihnen beschriebenen Effekt simulieren zu können.

        Wie ihre Büchersammlung sortiert ist, würde mich auch mal interessieren, denn wenn ich in eine Buchhandlung komme lasse ich mich recht schnell von der beeindruckenden Vielzahl an Büchern einfangen und denke da ziemlich wenig über die Struktur nach.
        Ich nehm es mir zwar immer wieder vor, aber mich fasziniert das Angebot einfach zu sehr.
        Einfach die Regale entlang gehen und sich von einem Buch angezogen fühlen, das hat was.
        Darin zu blättern und wenn möglich auch bisschen zu lesen. Ich genieße das.
        Bin also für beide Bücherwelten offen, solange ich die freie Wahl habe. Denn es gibt Bücher, die sind mir digital lieber und welche die möchte ich unbedingt in der repräsentativen Papierform haben.

        > Das mag sehr speziell sein, aber mein Kopf funktioniert genau so.
        > Und ich weiß, daß es manchen anderen auch so geht.

        Ich kann das gut nachfühlen.

        > Sie klingen vor allem sehr freundlich, das ist selten geworden bei dem Frust,
        > den Sie haben müssen. Glauben Sie mir: die Buchhändler sind auch gefrustet.
        > Wir hoffen sehr, daß wir da in naher Zukunft Abhilfe schaffen können – Sie wissen ja:
        > die Hoffnung stirbt zuletzt.

        Beste Grüße, LB

        Danke. Da ich gerne lese, möchte ich mir auch gerne die vielseitigen Lesemöglichkeiten erhalten und begreifen was sich rund ums Buch so tut.
        Ich mag es einfach einen Buchhandlungsbummel zu machen. Wenn ich irgendwo in eine mir fremde Stadt komme, orientiere ich mich erstmal, ob ich einen Laden finde, wo es etwas zu lesen gibt. Das gibt mir ein klein wenig Sicherheit, da ich mich dann schon ein Stück weit zuhause fühle.
        Entsprechend geht es dann oft an den Bahnhof, oder in eine Fußgängerzone, denn da ist die Chance recht hoch, eine einladende Buchhandlung vorzufinden, oder zumindest einen Zeitschriftenladen, oder manchmal auch einen Schreibwarenladen mit Zeitschriften und vielleicht auch Büchern.
        Mittlerweile suche ich mir auch ab und zu ein Internetcafe, weil ich mich auch gerne Online aufhalte. Das kann mir ein Smartphone nicht geben. Und ein direkte Download ebenfalls nicht.
        Da fehlt mir dann der Bezug zur Umgebung, den ich ja gerade gewinnen möchte.
        Der Vorteil „ich kann jederzeit überall das eBook downloaden“ wird dann zum Nachteil, es eben nicht direkt vor Ort eingekauft zu haben.
        Egal ob Papierbuch oder eBook, im Buchhandel eingekauft hat es gleich eine ganz andere Geschichte, es hat einen zusätzlichen persönlichen Wert gewonnen und genau genommen kaufe ich vor Ort diesen emotionalen Bezug zu der Umgebung in der ich es mir einkaufe.
        Das ist ein mir wichtiger Grund, weshalb ich so interessiert daran bin, im Buchhandel einzukaufen.

        Viele Grüße
        Digitalleser

      • Wir würden ja soooo gerne!
        Und auch im Hinblick auf künftige Generationen, bei denen nochmal alles ganz anders sein wird – es gibt tatsächlich immer noch jede Menge Buch-Leser, die ans Digitale möchten, auch wenn sie (noch) keine Ahnung haben, wie es geht („Ich wollte mich mal nach diesen neuen Hörbüchern erkundigen..“) und die nicht hip und cool sind und den ganzen Tag im Netz rumhängen, evtl. noch nicht mal einen PC haben. Die aber trotzdem sehr an Literatur in jeder Form interessiert sind. Und trotzdem gerne eBooks hätten, die sie sich gerne bei uns im Laden auf ihr Gerät packen lassen würden und eben den Service eines Fachhandels mit richtigen Menschen (inclusive Kaffee und Schwätzchen) nutzen würden.
        Nochmal: ich würde soooo gern! Aber ich kanns als winziger Laden einfach nicht ohne die Unterstützung eines großen Partners.
        Ich bin sehr interessiert an allen neuen Entwicklungen auf diesem Gebiet, aber bisher gibts bei uns auch nur den umständlichen Weg über den heimischen PC. Immerhin kann der Kunde bei uns eBooks zumindest im Geschäft bezahlen, also auch bar oder mit einem Gutschein.
        Aber sonst? eBook-Karten von Umbreit? Ganz tolle Idee, ganz mickrige Auswahl.
        Zur Zeit bleibt mir nichts, als meine KNV-Betreuerin in regelmäßigen Abständen zu nerven, ob sie denn immer noch nicht an bahnbrechenden Innovationen arbeiten..
        Aber möchten tun wir es schon. Und ich wette, nicht nur wir.

      • Zur Zeit bleibt mir nichts, als meine KNV-Betreuerin in regelmäßigen Abständen zu nerven, ob sie denn immer noch nicht an bahnbrechenden Innovationen arbeiten..

        Seien Sie froh, dass es die bahnbrechende Innovation noch nicht gibt. Dann wird nämlich Folgendes passieren: Supermärkte / Tankstellen stellen das Gerät auf –> mehr Leute kaufen sich einen Reader –> Ihr Geschäft wird unrentabel –> Buchhandlungen sind dann so anachronistisch wie Schallplattläden, bei denen vor 20 Jahren die kleineren Läden schließen mussten. Daas Einzige, was dem Vertrieb von Büchern in Supermärkten und anderen Orten entgegensteht, ist der große Platzbedarf, der durch die bahnbrechende Innovation nicht mehr benötigt wird.

        Passen Sie auf, was Sie sich wünschen, Sie könnten es bekommen 😉 .

      • Hallo afwilder,

        > Digitalleser? Nein Danke

        *grins* Bisher versucht die Buchbranche ja die Leser davon abzuhalten, doch das wird immer seltener gelingen.

        Gute Zeit
        Digitalleser

        Hallo Kata,

        > Wir würden ja soooo gerne!

        Da stellt sich natürlich die Frage, weshalb es nicht getan wird. Was hindert Buchhandlungen daran an diesem Geschäft aktiv teilzunehmen?

        > Die aber trotzdem sehr an Literatur in jeder Form interessiert sind.
        > Und trotzdem gerne eBooks hätten, die sie sich gerne bei uns im Laden
        > auf ihr Gerät packen lassen würden und eben den Service eines Fachhandels
        > mit richtigen Menschen (inclusive Kaffee und Schwätzchen) nutzen würden.
        > Nochmal: ich würde soooo gern! Aber ich kanns als winziger Laden einfach
        > nicht ohne die Unterstützung eines großen Partners.

        Da stelle ich mir die Frage, weshalb das was jetzt schon ohne Probleme möglich ist nicht einfach genutzt wird um genau diese gut funktionierende auf Vertrauen aufbauende Kundenbeziehung zu intensivieren und weiter auszubauen?

        > Ich bin sehr interessiert an allen neuen Entwicklungen auf diesem Gebiet,
        > aber bisher gibts bei uns auch nur den umständlichen Weg über den heimischen PC.
        > Immerhin kann der Kunde bei uns eBooks zumindest im Geschäft bezahlen,
        > also auch bar oder mit einem Gutschein.
        > Aber sonst? eBook-Karten von Umbreit? Ganz tolle Idee, ganz mickrige Auswahl.

        Über die Jokerkarte ist die Auswahl derzeit bei ungefähr 250.000 eBooks, nur dann fällt eben der tolle Vorteil Coverkarte weg, der mich persönlich ebenfalls fasziniert.
        Mal ganz konkret auf eines dieser eBooks bezogen: Warum soll es nicht möglich sein „Der Junge der Träume schenkte“ in der Buchhandlung downzuloaden und einfach auf einen mitgebrachten USB-Stick zu ziehen? Technisch ist das kein Problem. Der USB-Stick kann beispielsweise auch als Werbegeschenk der Buchhandlung angeboten werden, oder gegen eine kleine Gebühr.
        Günstige USB-Sticks kosten ungefähr 5 Euro. Für Händler in größeren Mengen abgenommen, sind die bestimmt um einiges günstiger.

        > Zur Zeit bleibt mir nichts, als meine KNV-Betreuerin in regelmäßigen Abständen
        > zu nerven, ob sie denn immer noch nicht an bahnbrechenden Innovationen arbeiten..
        > Aber möchten tun wir es schon. Und ich wette, nicht nur wir.

        Über Libri funktioniert es derzeit so, dass die E-Mail-Adresse angegeben werden muss, an die der Downloadlink geschickt wird. An der Kasse wird dann einfach bezahlt und man hat eine Rechnung in Händen, falls eventuell irgendwas schief geht.

        Was ich mir auch vorstellen könnte, einfach ein Downloadcode kaufen, den man bequem eingibt und den Download starten kann. Technisch wie gesagt kein Problem.
        Könnte auch vergleichbar der Gutscheinkarte sein, die es inzwischen überall im Lebensmittelhandel zu kaufen gibt.
        Womit schon beinahe die kuriose Situation gegeben ist, „sie wollen ein eBook kaufen, dann gehen sie bitte in den nächsten Lebensmittelladen, da finden sie die Gutscheinkarten mit dem Downloadcode“.
        Mangels Thalia in der Nähe, konnte ich das noch nicht ausprobieren, sonst könnte ich dazu auch was schreiben. Aber ich stolpere immer öfter über solche Geschenkkarten, so dass ich das sicher auch mal demnächst ausprobieren werde.

        Alles Gute und viel Erfolg
        Digitalleser

  4. Freut mich sehr, dass Herr Braunsdorf in dieser sehr guten Gesprächsreihe vertreten ist. Das Engagement und die Freude an seiner Arbeit merkt man ihm an – und seiner Buchhandlung! (Was ich immer noch nicht weiß: In der Tucholsky-Buchhandlung gibt es eine Schatzkiste für Kinder. Was ist darin verborgen??)
    Interessant ist aber auch der Appell an Verlage, die Konditionen für Buchhandlungen an die für amazon oder libri z. B. anzugleichen. Die Berechtigung der Forderung sehe ich natürlich. Letztlich würde das aber eben auch bedeuten, dass Verlage die Verkaufspreise so gestalten müssen, dass sie auch mit grundsätzlich hohen Rabatten leben können. Für kleine Verlage mit kleinen Auflagen ist das ohnehin nicht leicht – die Preise sollen ja auch halbwegs erschwinglich sein. Schwierig …

    • Liebe Frau Miklaw, eine kleine Korrektur meinerseits. Ich erwarte nicht höhere Konditionen der Publikumsverlage. Ich habe aber Probleme damit, daß z. Bsp. die Krake weit höhere Rabatte als die Barsortimentsrabatte erhält. Das zu korrigieren hätten die Verlage in der Hand.

      Das wir für Schulbuchverlage Dienstleister sind, deren Bücher aber mit Minderrabatten geliefert werden, ist aus Sortimentersicht ein Unding.

      Ärgerlich auch, wenn wir Einzelbestellungen mit Niedrigrabatt, dafür aber auch noch mit Porto geliefert bekommen. Eine Realität, bei der der Rechnungspreis oft höher als der Verkaufspreis ist.

      Verkehrte Welt?

      • >Ich habe aber Probleme damit,
        >daß z. Bsp. die Krake weit
        >höhere Rabatte als die
        >Barsortimentsrabatte erhält.

        Das stand zwar mal publikumswirksam im BBL, aber die Wirklichkeit ist eine andere. Wer mir das verraten hat? Diejenigen, die es nun wirklich wissen sollten, die keinen Grund haben mir ein X für ein U vorzumachen und die keine Angst haben müssen, etwas zu ‚verraten‘: mehrere kleine Verleger. Ich hatte denen vorgeschlagen, ein mittelständisches Anbieterkartell zu organisieren (ja, sowas ist erlaubt, wenn der Käufer übermächtig ist) – sie haben dankend abgelehnt, weil sie es nicht benötigen.

        Betse Grüße, LB

      • „Verkehrte Welt?“ – Ja, sieht so aus, wenn eine größere Dienstleistung schlechter bezahlt wird. Das Geschäft mit Schulbüchern hätte ich übrigens als durchaus lukrativ für die Buchhandlungen vermutet – zu hören/lesen, wie es sich wirklich verhält, ist schon (ungut) erhellend. — Die einzige realistische Möglichkeit für kleine Verlage, die unterschiedlichen Konditionen zu korrigieren, wäre wohl wirklich, dem Buchhandel ebenfalls hohe Rabatte zu gewähren. Das ist aber schon deswegen schwierig, weil für den Weg des Buches vom Verlag zum Buchhandel auch noch zusätzliche Kosten anfallen (VA, Verlagsvertretung usw. – ich reise ja auch noch selbst herum). — Einen sinnvollen/realistischen Weg, wie eine Anpassung durch Reduzierung der amadings-Rabatte erfolgen könnte, wüsste ich momentan nicht. (Und die Idee eines Boykotts halte ich auch nicht für zweckmäßig, da es genug Kunden gibt, die gern da einkaufen. Und diesem Wunsch möchte ich auch folgen, wenn mir selbst auch der Verkauf durch eine Buchhandlung lieber wäre.).
        Wofür ich aber unbedingt plädieren möchte: Anständigkeit und Fairness der Verlage den Buchhandlungen gegenüber. So was wie das angeführte Beispiel, dass Einzelbestellungen versandt werden mit zusätzlicher Porto-Berechnung, ist eine Unverschämtheit. Also Rabatte im beiderseits erträglichen Bereich, das sollte schon zu machen sein.

    • Naja, Frau Rakusa ist natürlich parteiisch 🙂 Schließlich ist sie nicht Komponistin oder Bildhauerin, jedenfalls nicht dass ich wüsste, sondern Schriftstellerin.

      • Wenn es in dem Essay um Entschleunigung und Verlangsamung geht, dann ist das doch etwas, das Handlungen prinzipiell betreffen kann (und offensichtlich tut, denn man möchte ja Abhilfe schaffen). Die Art ihrer Ausführung liegt also nicht intrinsisch in ihnen: Lesen kann man auch im Eiltempo. — In der zitierten Bemerkung konterkariert Frau Rakusa ihr eigenes Unterfangen, denn unser Malheur ist ja gerade, dass wir uns das überhöhte Tempo aufzwingen lassen.

        Parteilichkeit: Kein Wort darüber!

  5. Ich kann die Aussagen nur so bestätigen:
    Ein Problem für den Handel besteht darin, dass das Lesen in ständiger Konkurrenz zu anderen Aktivitäten steht. Ich merke es bei mir, wenn mich die Geschichte eines Spiels mehr interessiert, dann spiele ich. Das ist ein ständiger Wettkampf, was gerade interessanter ist.

    Ohne mich täglich beim Sport auszupowern kann ich weder lesen noch spielen, auch dies zieht Zeit ab.

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