„Die Berliner hängen an ihren angestammten Kiezläden.“ SteglitzMind stellt Stefanie Diez von der Buchhandlung „Die Insel“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Heute lernen wir Stefanie Diez und ihre Buchhandlung Die Insel näher kennen, die in Berlin/Prenzlauer Berg ansässig ist. Vorgeschlagen hatte das die Brunnenwaechterin.

Eine Skizze vom Laden…

Stefanie Dietz © Anette Hempfling

Stefanie Dietz © Anette Hempfling

Die Buchhandlung Die Insel ist ein im und mit dem Bötzowkiez im Wandel der Zeiten gewachsener Ort für Literatur. Sie befindet sich in der Greifswalderstr. 41, existierte seit den 50er Jahren als Volksbuchhandlung und firmierte unter dem Namen ‚Thomas Münzer Buchhandlung‘. Hauptsächlich aus dieser Zeit stammt das charakteristische Mobiliar des Ladens. 1990 war die Buchhandlung eine der ersten Privatisierungen der Branche in Ostberlin. Von den damaligen Inhabern erhielt sie angesichts des ‚Meeres‘ neu entstehender Videotheken den Namen ‚Die Insel‘. Januar 2011 habe ich den Laden übernommen.

Schwerpunkte: U.a. inspirierende, anspruchsvolle Belletristik, Sachbuch, Bilder- , Kinder- und Jugendbücher (Augenmerk auf gute Sprache, hochwertige Illustrationen, originelle und einfallsreiche Inhalte), Graphic Novels, Berlin- und Prenzlauer Berg-Spezifisches, Reiseführer, bibliophile Leckerbissen. AUSSCHLAGGEBEND ist die Auswahl, die Matthias Holliger, Juliane Felsmann und ich aus diesen Warengruppen treffen. Wir bieten nur das an, was uns selbst von Herzen überzeugt, sowie die Titel, die unser Lesepublikum begeistern, von denen wir also wissen, dass sie hier im Kiez gefragt sind.

Warum sind Sie Buchhändlerin geworden?

Ich bin Theaterwissenschaftlerin mit Magisterabschluss und – motiviert durch die recht schnell erworbene Erkenntnis, dass ich am Theater nicht glücklich werde – folgerichtig in die Buchhändlerausbildung hineingestolpert.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Im Nachhinein stellt sich für mich vielmehr die generelle Frage, ob es nicht auch eine ökonomisch aussichtsreichere Alternative zu Geisteswissenschaft und Kulturbetrieb gegeben hätte. Andererseits ist man eben einfach durch seine Neigungen und Interessen bestimmt; wenn man ihnen grundlegend zuwiderhandelt, muss man sich dreißig und mehr Jahre in Zusammenhängen bewegen, die nicht die eigenen sind. Insofern: Ja, ich würde wahrscheinlich wieder einen ähnlichen Weg gehen. Wobei mich zum Beispiel Radiojournalismus auch sehr interessiert – oder noch besser: Ich würde wahnsinnig gerne mal einen Film synchronisieren.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Ich bin seit 2002 im Buchhandel. Seitdem hat sich die Branche hinsichtlich der Serviceleistung und der Vertriebskanäle breiter aufgestellt: Die Besorgung antiquarischer Titel ist mittlerweile weitgehend selbstverständlich; kostenfreier Buchversand innerhalb Deutschlands wird jedem Buchhändler durch das Bespiel der großen Internetversandhäuser nahegelegt. Eine Vielzahl der Kollegen verfügt über eine Internetpräsenz mit Webshop, über den auch E-Books heruntergeladen werden können. Buchhändler sind in den Social Media wie Facebook und Twitter aktiv. Lesungen dagegen wurden schon immer veranstaltet und auch die Besorgung von ausländischen Titeln gehört zum traditionellen Serviceangebot des deutschen Buchhandels.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Der Buchladen © privat

Der Buchladen © privat

Unser Internetauftritt wurde Anfang 2012 zu einem Webshop mit E-Book-Katalog (über 300.000 Titel) ausgeweitet. Vorher hatten wir bereits 450.000 Print-Titel im Angebot. Unsere Kunden können auf der Website nach Büchern stöbern, diese bestellen, hinterher im Laden abholen oder sich zuschicken lassen.

Der neue Webshop bietet darüber hinaus frisch gestaltet viele Literaturtipps, Buchtrailer, Wissenswertes zum E-Book, Schmökerempfehlungen unseres Leseclubs Die Leseexemplare (bestehend aus 7-17-Jährigen) und natürlich auf den großen Bannern Informationen über unsere Veranstaltungen und Aktivitäten. Reinschauen lohnt sich!!!

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Sich von der zum Teil leider in den großen deutschen Tages- und Wochenzeitungen verbreiteten Stimmung anstecken zu lassen. Im Moment sterben vor allem die Großflächen, weil sie für den Buchhandel nie geeignet waren. Jeder kleine Buchladen dagegen ist in seinen Chancen und Risiken individuell zu beurteilen. Solange man einen guten Standort hat und aufrichtig Lust, mit seinem Laden und seinen Kunden zu leben; solange man bereit ist, auch notwendige Veränderungen bewusst einzuleiten, sehe ich – zumindest in der näheren Zukunft – keine Gefahr. Die Berliner hängen an ihren angestammten Kiezläden und trauern, wenn diese aufgegeben werden. Aber wer Buchhandel macht, sollte Lebensfreude ausstrahlen! Das Buch ist ein Wunderding – etwas Schöneres kann man nicht verkaufen. Wer das nicht mehr sieht und nur noch Frust empfindet, für den ist es Zeit, die Bühne zu verlassen und sich eine neue Einnahmequelle zu suchen. Eine Kollegin hat mal gesagt, wer Buchhandel gemacht hat, der ist mit allen Wassern gewaschen, der kann sowieso alles. Eine ehemalige Kollegin etwa fährt Gabelstapler bei der Bundeswehr.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Über unseren Webshop vertreiben wir über 300.000 E-Book-Titel im epub- und pdf-Format. Die Bezahlung ist über paypal oder (nicht als Erstkunde) über offene Rechnung möglich. Darüber hinaus kann man in der Insel die E-Reader iriver HD WIFI, Sony PRS-T2 und das pocketbook 622 touch kaufen. Diese E-Reader haben wir immer vorrätig. Der iriver ist ein reines Lesegerät mit Internetzugang nur für den Buchkauf. Er weist einen hervorragenden Kontrast auf und ist sehr gut für ältere Menschen geeignet, die Texte besser in Großdruck lesen können. Sony Reader sowie pocketbook touch sind Reader mit vielfältigen Funktionen und Internetzugang. Sie wurden vor kurzem von der Stiftung Warentest mit „gut“ bewertet (und liegen damit gleichauf mit den Kindle-Modellen).

E-Book-Kunden sind allerdings meistens „glitschige“ Kunden: Sie besitzen eine geringe Komplikationstoleranz und entgleiten einem ganz schnell wieder – wenn sie an einer Anlaufstelle nicht genau das bekommen, was sie wollen, gehen sie woanders hin. Man kann sie leider meist nur halten, wenn man sie bereits persönlich kennt.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Schon immer bieten wir Self Publishern die Möglichkeit, ihre im Eigen- oder Kleinstverlag gedruckten Titel auf Kommissionsbasis bei uns im Laden auszulegen. Die Bandbreite reicht von einem Bildband über Sofia bis zu einer Veröffentlichung über den Umgang mit Demenzkranken.

In unseren Titelkatalogen der Großhändler Libri und KNV finden sich darüber hinaus sehr viele „book on demand“ bzw. „print on demand“-Titel von Self Publishern, die wir jederzeit gerne auf Wunsch unserer Kunden bestellen.

Self Publishing im E-Book-Bereich wird meines Wissens nach bislang nur von Amazon angeboten. Selbstverständlich könnten als Einzelunternehmen geführte Buchhandlungen niemals die elektronische Infrastruktur dafür bereitstellen. Finden diese Veröffentlichungen aber Eingang in die Titelkataloge jenseits von Amazon, etwa auch in denjenigen von KNV/Ciando, den wir nutzen, dann bieten wir diese E-Books natürlich an. Der eine oder andere Self Publisher macht ja durch seinen Erfolg auf sich aufmerksam und landet daraufhin bei einem der traditionellen Publikumsverlage. Grundsätzlich aber wird Amazon mit allen Mitteln versuchen, sein Self Publishing-Monopol im E-Book-Bereich aufrechtzuhalten, d.h. u.a. durch die Vorgabe des amazon-eigenen Mobipocket-Formates dem Leser ohne Kindle den Zugang verwehren.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

lesen, lesen, lesen... © privat

lesen, lesen, lesen… © privat

Heutzutage muss man sehr aufpassen, dass man angesichts des Wunsches, sich durch verschiedenste Aktivitäten gegenüber den Kollegen abzuheben sowie sich nah am Puls der Zeit zu bewegen, nicht die eigentliche, zentrale Aufgabe des Buchhändlers aus den Augen verliert: Sich ständige beste und umfassendste Kenntnis des geliebten Gegenstandes zu verschaffen. Also lesen, lesen, lesen und Literatur vergleichen, einordnen, beurteilen, das Feuilleton sichten. Die Flutwelle der Neuerscheinungen enthält viel Müll und tote Fische. Unsere Klientel ist gebildet und möchte in uns Gesprächspartner auf dem gleichen Niveau antreffen. Was den Kunden in den großen Ketten am meisten fehlt, sind nicht „besondere Aktionen“, sondern der klassische Buchhändler, der ihnen mit Rat und Tat, Ideen und Erfahrung beim Bucherwerb zur Seite steht.
Die soziale Grundlage dabei ist die Offenheit für das Gespräch mit den Kunden, die Neugier auf Menschen und ihre Interessen, gepaart mit einer guten Portion Witz und Einfühlungsvermögen!

Natürlich veranstalten wir besondere Lesungen und Verlagsabende, nehmen an Kiezfesten teil. So gab es bei uns schon u.a. eine Weinprobe und einen Schreibwettbewerb für Jugendliche gemeinsam mit der Büchergilde Gutenberg. Jeden Samstag lesen wir im „Lesezirkus“ in Folgen Klassiker der Kinderliteratur für 5-8-Jährige vor, mit einem Lesezirkusausweis können die Kinder Stempel sammeln und erhalten bei zehn gesammelten Stempeln eine Überraschung. Unser Leseclub „Die Leseexemplare“ für 7-17-Jährige spült uns immer neue Rezensionen von Neuerscheinungen im Bereich Kinder- und Jugendbuch an den Inselstrand, die auf unserer Website nachgelesen werden können. Monatlich wechselnde Themenschaufenster für Kinder und Erwachsene verleihen der Insel Anziehungskraft. All das muss in Leichtigkeit nebenbei geschehen, was nicht immer einfach ist!

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Sich endlich nicht länger auf Quantität, sondern auf Qualität zu konzentrieren. Ich bestelle Novitäten nach der Maßgabe, möglichst viel wegzulassen. Nur das, was ich auf keinen Fall weglassen kann, weil es WIRKLICH toll und wichtig ist, kommt in unser Sortiment.

Was mir am Programm der großen Publikumsverlage am meisten auf den Geist geht, ist das „Trittbrettfahrersyndrom“. Erfolgreiche Titel werden von anderen Verlagen kopiert, (indem etwa Themen geklaut werden, Cover ähnlich gestaltet), um den naiven Leser dazu zu bringen, Bücher zu kaufen, die den eigentlichen Erfolgstitel nur wiederkäuen. Durch dieses reine Interesse am schnellen Umsatz verlieren Verlage an Glaubwürdigkeit.

Sehr viele kleinere bis kleine, unabhängige Häuser wie z.B. der Secession Verlag, Binooki oder Kunstmann aber leisten wunderbare Arbeit und sind mit großer Hingabe bei der Sache, da gibt es rein gar nichts dazuzuwünschen!!!

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Vom Börsenverein erwarte ich vor allem, dass er sich in Politik und Öffentlichkeit in jedem Moment mit voller Kraft für den Schutz der Buchpreisbindung und des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Bücher einsetzt. Beide sind die Grundlage für die abwechslungsreiche Buchhandelslandschaft in Deutschland.

Schön sind auch größere Veranstaltungen wie etwa in Berlin „Stadt Land Buch“, bei denen die gezahlten Beiträge in Form von finanzieller Unterstützung für Lesungen an die Mitglieder zurückfließen.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Wenn Akteure des Qualiätsverlagswesens zu Amazon wechseln, um dort zu lektorieren. Ich hoffe, das wird kein Trend, denn die hochwertige, sorgfältige, literaturbezogene Arbeit ist alles, was der unabhängige Buchhandel dem sich beschleunigenden Konzentrationsprozess entgegensetzen kann.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil Buchhandlungen besondere Orte sind und es dort wie eh und je sehr viel zu entdecken gibt! Ein Buchladen ist ein lebendiger, kreativer Prozess, der sich zwischen den Repräsentanten des Geschäfts und seinem Publikum abspielt: Wir zünden den Funken in unseren Kunden und umgekehrt bekommen wir viele Anregungen zurück, die dann wieder in unser Sortiment einfließen. Als Gegenströmung der Wendung zum Digitalen gibt es eine große Anzahl hochwertiger, fantastisch gestalteter Veröffentlichungen mit wunderbarer Haptik, die berührt, aufgeschlagen und besessen werden wollen. Wer will diese Bücher schon auf Dauer immer nur durch einen nüchternen Klick kaufen, wenn er sie etwa abends in einem verheißungsvoll gestalteten Schaufenster entdecken und sich für den nächsten Tag als besonderes Zuckerl einen kleinen Ausflug in die Lieblings-Buchhandlung vornehmen kann?

Während einer persönlichen Krise – und bevor ich selbst im Buchhandel tätig war – bin ich in der Stadt, in der ich damals wohnte, täglich in eine der Buchhandlungen gegangen, habe dort gestöbert, gelesen und Bücher gekauft. Das strukturierte mein Leben und machte Sinn. In einer Buchhandlung verschwendet man nie Zeit.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Buchhandlung Anakoluth, Schönhauser Allee, Berlin: Sorgfältigste Auswahl. Die Internationale Kinderbuchhandlung Mundo Azul, Choriner Straße, Berlin: Feuerwerk der Bilderbücher. Und die Buchhandlung Vaternahm, An den Quellen, Wiesbaden: Koryphäe vor Ort.

Danke Stefanie. Und zu erwähnen wäre wohl noch, dass Sie auch Lesungen frei Haus liefern

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Fünf Fragen vom Börsenblatt für den deutschen Buchhandel zur Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen beantworte ich hier

Zu Wort gekommen sind bislang:

Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Martina Bergmann mit der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Thomas Calliebe mit seiner Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Mila Becker mit Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

Petra Hartlieb von der Wiener Buchhandlung Hartliebs Bücher

Nicole Jünger aka Kata Butterblume vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung

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11 Kommentare zu “„Die Berliner hängen an ihren angestammten Kiezläden.“ SteglitzMind stellt Stefanie Diez von der Buchhandlung „Die Insel“ vor

  1. Liebe Steffi,

    tolles Interview!!
    Ich wünsche Dir weiterhin so viel Spaß und Erfolg in einem der schönsten Berufe der Welt!
    Und das auch noch in einer der tollsten Städte der Welt, beneidenswert.

    Deine alte Ausbilderin Bettina

  2. Liest sich sehr sympathisch und offen – da bereue ich wirklich, dass Berlin so weit weg ist, in einen solchen Laden würde ich gerne hineinschauen und stöbern. Und – was so viele Großbuchhändler nicht mehr bieten – eine gute Beratung genießen, die mich auf spannende Sachen aufmerksam macht, die ich selbst nicht gefunden habe.

    Besonders gut gefällt mir der Wunsch an die Verlage, das Trittbrettfahren zu reduzieren – das ärgert mich auch als Leser seit Jahren. Ich mag zB Vampirbücher durchaus, aber wenn man dann schon bei ‚Aufs Klo gehen auf Vampir-Art‘ oder ähnlich sinnfreien Publikationen irgendwann ankommt, weil man das Thema noch nicht genug ausgeschlachtet hat, läuft etwas falsch …

  3. Ich habe fünf Jahre im Bötzowviertel gewohnt (bis Dezember 2011) und bin oft an dieser Buchhandlung vorbeigekommen. Jedes Mal, wenn ich die Auslagen im und vor dem Schaufenster betrachtete, traf mich ein böser Blick aus dem Ladeninneren. Ich hätte gerne auch ein wenig IM Laden gestöbert, mich beraten lassen und Bücher gekauft, bin dann aber doch auf die Ketten ausgewichen, ohne Beratung, dafür mit Standardangebot.
    Ich hoffe, daß die neue Inhaberin ihre Kunden nicht schon vergrault, bevor sie den Laden überhaupt betreten haben und wünsche ihr viel Erfolg.

  4. Gutes Interview. Vieles sehe ich als Buchhändler > http://www.sec52.ch > ebenso. Als Verleger, der ich auch bin > http://www.bilgerverlag.ch > mit Büchern, die es wert sind in gepflegte Sortimente aufgenommen zu werden, wünschte ich mir, dass gerade Buchhandlungen wie »Die Insel« eine kleine, feine Ecke für Independents aus der Schweiz hätten. Haben sie aber leider zumeist nicht. Ausnahme: ebertundweber in Berlin, Cohen+Dobernigg in Hamburg.

  5. Frau Dietz bringt mit dem „Trittbrettfahrersyndrom“ etwas auf den Punkt, was mich unterschwellig immer auch schon geärgert hat. Auch sonst: Ein sehr lesenswerter Beitrag. Wenn ich in Berlin wäre, wüsste ich, wo ich heute noch hinginge…

  6. Wer will diese Bücher schon auf Dauer immer nur durch einen nüchternen Klick kaufen, wenn er sie etwa abends in einem verheißungsvoll gestalteten Schaufenster entdecken und sich für den nächsten Tag als besonderes Zuckerl einen kleinen Ausflug in die Lieblings-Buchhandlung vornehmen kann?

    Ich zum Beispiel.

    Auch wenn das Interview sehr sympathisch ist, fiel mir auf, das Bücher, wie in bestimmten Kreisen üblich, zu sehr verklärt werden. Was ich für mich nicht nachvollziehen kann, weil ich Bücher für eine Handelsware wie jede andere auch halte.

    • Ich denke, für viele Leute gehört die soziale Komponente des Buchkaufs zum Literaturgenuss, und Frau Diez scheint diese Komponente für ihre Kunden erfolgreich angenehm zu gestalten.
      Anderen Leuten, zu denen ich mich zähle, ist der Kauf eine notwendige Hürde auf dem Weg zum Inhalt des Buches. Wenn diese Hürde auf einen „nüchternen Klick“ reduziert werden kann: Umso besser.
      Man kann spekulieren, wie viele Fans der sozialen Komponente noch übrig bleiben würden, fiele die Buchpreisbindung weg.

      Ein andere Punkt im Interview, der mich irritiert: Das „Trittbrettfahrersyndrom“. Siw verkaufen die Verlage an die Buchhändler, und ich kann mir nicht vorstellen, dass nur dass Angebot die Nachfrage bestimmt. Muss man die Schuld für dieses Syndrom also nicht AUCH bei den Buchhädlern suchen?

      • Gute Güte, den letzten Absatz habe ich ja wirklich hingeschludert. Sorry!

        Ich meinte, dass die Verlage ihre Produkte, die Bücher, nicht direkt an die Leser verkaufen, sondern an die Buchhändler. Letztere kaufen anscheinend die Trittbrettbücher in ausreichender Menge. Und da auf diesem Markt, wie woanders, auch die Nachfrage das Angebot bestimmt (und nicht nur umgekehrt), tragen die Buchhändler an diesem Syndrom einen Teil der Verantwortung.

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