„Was für uns von Interesse ist, bieten wir auch an.“ SteglitzMind stellt Britta Beecken von der Berliner „Buchkantine“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir heute Britta Beecken von der Berliner Buchkantine etwas näher kennenlernen, die man in der Dortmunder Straße in Moabit findet, hatte der Herr @BerlinBEWOHNer vorgeschlagen.

Eine Skizze vom Laden …

Die Buchkantine besteht seit 2005 in Moabit. Zuerst auf cirka.160 m² und seit September 2011 auf cirka 320 m². Gastronomie und Buchhandel teilen sich die Räumlichkeiten und gehen ineinander über. Vor Ort haben wir etwa 8.000 Titel aus dem Bereich Belletristik, Kinderbuch und einige Sachbuchtitel.

Warum sind Sie Buchhändlerin geworden?

Diese Entscheidung ist bei der  Befragung zum Berufswunsch in der ersten Schulklasse gefallen. Danach kam ein anderer Beruf nicht mehr in Frage. Natürlich lese ich gerne aber ich verkaufe auch sehr gerne. Beides zu kombinieren ist mein Traumberuf. Bei uns im Laden bin ich auch für die Schaufensterdekoration verantwortlich und kann so eine weitere Leidenschaft ausleben.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ich hatte entgegen aller Trends sehr viel Glück. Eine Bewerbung für die Ausbildung, eine Bewerbung für den Job. Diesen habe ich seit 8 Jahren. Natürlich ist im Fall der Buchkantine, das heißt durch die Kombination aus Gastronomie und Buchhandel, das Aufgabenfeld weiter und nicht nur klassisch buchhändlerisch. Aber spannend und vielseitig. Von daher würde ich mich auch heute noch für den Beruf entscheiden.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Britta Beecken im Buchladen  © Buchkantine

Britta Beecken im Buchladen © Buchkantine

Die Kunden sind sehr gut informiert. Durch selbständige Recherche sind sie oft einen Schritt voraus. Die parallele Suche mit Internet und Warenwirtschaftssystem ist unumgänglich. In meinem Ausbildungsbetrieb hatten die Computer keinen Internetzugang. Völlig undenkbar heute ohne auskommen zu müssen. Viele Kunden kommen mit den ausgedruckten Suchergebnissen zu uns, um bei uns zu bestellen. Natürlich kommt es auch oft zu Missverständnissen, wenn z. B. der Großhändler einen Titel kurzfristig nicht am Lager hat und die Kunden sich dann wundern, warum wir nicht beim vermeintlich schnelleren Amazon bestellen, dessen Angaben zu Lieferzeit und Verfügbarkeit manchmal missverständlich sind. Aber mit einem bisschen Aufklärungsarbeit zeigen die Kunden dann meist Verständnis.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmt Ihr in dieser Richtung?

Wir haben einen zeitgemäßen Internetauftritt. Auf unserer Homepage können Kunden den Onlineshop von Libri nutzen und sich die gewünschten Bücher in unseren Laden senden lassen. Die eigenständige Recherche ist also gegeben, der Weg in unsere Räume aber nicht verloren gegangen. Auch über Facebook kommunizieren wir regelmäßig und veröffentlichen z.B. Buchempfehlungen. Und bei Twitter sind wir neuerdings ebenfalls.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Trotz eigenem Onlineshop natürlich im Internetversand.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Wir bieten das Bestellen von E-Books an. Unsere Ladenfläche ist aber nicht groß genug, um auch eine Auswahl an Lesegeräten bereit zu stellen. Dafür klaffen Beratungsintensität und Gewinn auch zu weit auseinander. Das Bestellen von E-Books wird allerdings kaum genutzt. Diese Abnehmer suchen nicht erst den Umweg über die Buchhandlung.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Wir haben einige Titel von Self Publishern als Printversion im Laden. Was für uns von Interesse ist, bieten wir auch an.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Da Bücher selbst im Supermarkt zu bekommen sind, muss der Verkaufsraum ansprechend sein. Nicht überladen, da durch sofortige Abrufbarkeit fast jeder Titel kurzfristig zu haben ist. Eher Klasse statt Masse. Wir bieten durch die Gastronomie auch noch die Möglichkeit zum Verweilen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

1. Ebenfalls eher Klasse statt Masse.

2. Da bei Hörbüchern sehr schnell der Ladenpreis aufgehoben wird, ist es schwer Kunden zum Kauf beim Ursprünglichen Preis zu bewegen.

3. Das Angebot beim Erwerb der Printversion gleich die E-Book Variante mit zu erwerben sollte ausgebaut werden

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Im Großen und Ganzen sind wir mit der Arbeit des Börsenvereins ganz zufrieden.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Dass bei Gesprächen mit Kollegen aus Buchhandel oder Verlagen immer mehr die Angst um Jobverluste im Vordergrund steht.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil man die Vielseitigkeit und Schönheit von Büchern nur so erleben kann. Die Entdeckung von Büchern, auf die man sonst niemals gekommen wäre. Besonders im persönlichen Gespräch mit uns.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Lesen und lesen lassen in Berlin/ Friedrichshain und ebenfalls in diesem Berliner Bezirk ansässig der Kinderbuch- und Spielzeugladen Libelle.

Herzlichen Dank. BTW: Lesen und lesen lassen hatte Samy Wiltschek von der Ulmer Kulturbuchhandlung Jastram ja auch schon ins Spiel gebracht…

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Fünf Fragen vom Börsenblatt für den deutschen Buchhandel zur Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen beantworte ich hier

Zu Wort gekommen sind bislang:

Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Martina Bergmann mit der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Thomas Calliebe mit seiner Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Mila Becker mit Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

Petra Hartlieb von der Wiener Buchhandlung Hartliebs Bücher

Nicole Jünger aka Kata Butterblume vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung

Stefanie Diez und ihre Buchhandlung Die Insel im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg

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Ein Kommentar zu “„Was für uns von Interesse ist, bieten wir auch an.“ SteglitzMind stellt Britta Beecken von der Berliner „Buchkantine“ vor

  1. >> Wir bieten das Bestellen von E-Books an. Unsere Ladenfläche ist aber nicht groß genug, um auch eine Auswahl an Lesegeräten bereit zu stellen. Dafür klaffen Beratungsintensität und Gewinn auch zu weit auseinander. Das Bestellen von E-Books wird allerdings kaum genutzt. Diese Abnehmer suchen nicht erst den Umweg über die Buchhandlung.

    Hallo,

    finde den Ansatz eine Buchhandlung und eine Begegnungsstätte mit Speis und Trank zu verknüpfen ziemlich gut. Das ist etwas, das nicht alle bieten.

    Zu den eBooks, dieses Argument habe ich mir inzwischen von einigen Buchhandlungen anhören dürfen. So richtig verstehen tue ich es allerdings nicht. Was spricht dagegen, in einem Regal Platz für zwei bis drei eReadern zu schaffen mit dem Hinweis, dass eBooks auch direkt vor Ort gekauft werden können?
    Teilweise gibt es auch Buchhandlungen, die etwa auf 1 m² Raum in einer Vitrine eReader ausgestellt haben. In einer Buchhandlung sah ich sogar mal nur Werbung für eBook-Cards, während der eReader in Händen des Buchhändlers blieb.

    Und wenn offen gesagt wird, dass die Konzentration auf den eBooks liegt, werden gute Kunden auch Verständnis haben, wenn es nur zu inhaltlichen Themen Beratung gibt und die technische Seite unerklärt bleibt.

    Die kleinste Buchhandlung in der ich mal einen eReader zu Gesicht bekam war ungefähr 40 m² groß. Da ich mich zu der Zeit noch nicht so richtig für eBooks interessierte fragte ich auch nicht weiter nach. Zudem hatte ich den Eindruck, die Buchhändlerin wollte den eReader für sich haben und nicht viel dazu erzählen.

    Also ich könnte es mir gut vorstellen, mir einen eReader für die Zeit in der ich etwas esse, auszuleihen und bisschen in einem darauf aufgespielten eBook zu lesen.

    Falls ich mal in Berlin sein sollte und bisschen Zeit habe, kann ich es mir gut vorstellen in der Buchhandlung einzukaufen und etwas Zeit im angeschlossenen Lokal zu verbringen.

    Schönes Wochenende
    Digitalleser

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