„Ich denke, soziale Netzwerke sind für uns wichtig.“ SteglitzMind stellt Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Barbara Miklaw, die 2012 ihren Mirabilis Verlag gegründet hat, hatte mir Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus ans Herz gelegt, die in sächsischen Tharandt ansässig ist. Ich sage Barbara danke für die Empfehlung, und freue mich sehr, dass Frau Erler meiner Einladung gefolgt ist.

Eine Skizze vom Laden…

Die Buchhandlung Findus besteht seit 1993 in dem kleinen Städtchen Tharandt. Der Größe des Ortes (1.500 Einwohner) angepasst hatte ich mich zunächst auf 35 Quadratmetern eingerichtet. Heute befindet sich meine Buchhandlung in eigenen Räumen in einer Gründerzeitvilla am Markt auf 150 Quadratmetern. Ich führe ein allgemeines Sortiment, ein großes Angebot an Naturfachbüchern und Jagdliteratur und edle Weine aus Österreich.

Annaluise Erler © Julius Erler

Annaluise Erler © Julius Erler

Von Anfang an versuche ich, mit Lesungen eine Lanze für die Kultur in der Region zu brechen. Das wird toll angenommen, heute biete ich im Jahr über zehn Veranstaltungen für Kinder und rund 20 Lesungen für Erwachsene. Und monatlich trifft sich der Leseclub des örtlichen Gymnasiums in meinen Geschäftsräumen.

Warum sind Sie Buchhändlerin geworden?

Weil ich schon als Schülerin mit Begeisterung in Büchern versunken bin. Das ist bis heute so geblieben.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Was gibt es schöneres, als täglich neue Perlen auf dem Büchermarkt entdecken zu können und anderen davon erzählen zu dürfen?!

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Eigentlich gar nicht so viel. Vielleicht muss man heute schneller reagieren, sich vielseitiger informieren. Der Kunde erwartet, dass er just in time bedient wird und der Händler auf unterschiedlichsten Kanälen unterwegs ist. Aber im Grunde möchte der Kunde, dass ich mir Zeit für ihn nehme und kompetent bin. Das war schon immer so.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Meine Buchhandlung bietet schon seit rund 10 Jahren einen Online-Shop an. Es gibt einige Kunden, die dieses Angebot sehr regelmäßig nutzen und dann das bestellte Buch bei mir persönlich abholen. Das finde ich sehr schön. Anfangs bin ich auch auf Betrüger reingefallen, da musste ich das Medium erst einmal kennenlernen. Insgesamt aber ist der Online-Shop nicht sonderlich wichtig für mich.

Daneben nutze ich das Netz für regelmäßige Mailings, mit denen ich zu Lesungen einlade oder andere Informationen verteile. Mein Verteiler umfasst mehrere hundert Adressen und erreicht den Großteil meiner Stammkunden.

so schauts drinnen aus © Julius Erler

so schauts drinnen aus © Julius Erler

Seit rund zwei Jahren habe ich auch noch einen Facebook-Account, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Zwar habe ich noch kein Buch über Facebook verkauft, wie auch?, aber hier bildet sich eine ganz andere, frische Kundschaft heraus. Für mich ist es immer wieder überraschend, wer da so „vorbeischaut“ und Kommentare abgibt. Ich denke, diese Art der Kommunikation ist wichtig für uns Einzelhändler, aber wir müssen auch etwas bieten.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Verzeihen Sie: Die größte Gefahr sehe ich in der Ignoranz mancher Kunden. Es gibt doch tatsächlich immer wieder Kunden, die mir standhaft erklären, dass sie Bücher im Internet billiger und schneller bekommen. Das Geschäft mit Kunden, die von vornherein wissen, was sie haben wollen, wird nachlassen – dafür habe ich sogar volles Verständnis. Aber die Chance des örtlichen Buchhändlers liegt in der Beratung und darin, dem Kunden ein Kauferlebnis zu schenken. Er muss sich so wohl fühlen, dass er den Buchkauf im Geschäft mindestens so angenehm empfindet wie das Klicken auf dem heimischen Sofa.

Damit werden auch die Innenstädte attraktiv gemacht. Der Ansatz „buy local“ ist eine wichtige Initiative.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

hereinspaziert! © Julius Erler

hereinspaziert! © Julius Erler

Da sind wir dabei, aber bei meinen Kunden spielt das Thema E-Book keine große Rolle. Viele bestätigen auch mein eigenes Gefühl: Ein Buch will ich in der Hand haben. Ich will es weglegen können und mich einfach an der Möglichkeit, es jederzeit wieder aufschlagen zu können, freuen. Spätestens wenn man ein E-Book gelesen hat, ist es vollkommen wertlos. Ein gern gelesenes Buch im Bücherschrank behält seinen Wert.

Und Bücher sind immer ein gutes Geschenk. Haben Sie schon einmal versucht, einen USB-Stick hübsch einzupacken?

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Hm, ja, habe ich schon ab und zu gemacht. Es handelte sich dann um Autoren aus dem Ort. Da war es durchaus auch für andere interessant zu erfahren, was ihr Freund oder Nachbar zu sagen hatte. Auch wenn nicht immer die Qualität dem entsprach, was ich normalerweise empfehle. Es gibt aber immer wieder Überraschungen, eines dieser Bücher war sogar ein richtiger Renner.

Wie verkauft man heutzutage Bücher? Was bieten Sie Besonderes?

Ich biete persönliche Ansprache, Beratung und Atmosphäre. Ich lese sehr viel und kann damit aktuell auf Wünsche des Kunden eingehen. Und ich kenne einen Großteil meiner Kunden so gut, dass ich beim Einkauf gezielt für den einen oder anderen etwas besorge. Ich glaube, dass das genau die Nische ist, die nicht von den Großen besetzt werden kann und in der unsere Leistung von Kunden auch wahrgenommen und geschätzt wird. Meine kleine Buchhandlung hat mit diesem Konzept 2007 und 2012 bundesweite Preise bekommen – das bestätigt mir, dass andere Buchhändler ähnlich denken wie ich.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Ich möchte auch weiterhin vom Vertreter besucht werden.

Wir Buchhändler sind das Schaufenster für die Verlage. Falls wir die Produkte dann trotz Bemühungen doch mal nicht verkaufen können, möchten wir nicht auch noch mit Remi-Kosten bestraft werden.

Und ich fände es fair, wenn sich die Verlage bei Lesungen und anderen Veranstaltungen, bei denen ihr Verlag in vorderster Front präsentiert wird, auch an den Kosten beteiligen würden.

bei Findus fündig werden © Julius Erler

bei Findus fündig werden © Julius Erler

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den Deutschen Buchhandel wünschen?

Dass er sich weiterhin für die Preisbindung einsetzt. Die Preisbindung hält uns den Rücken frei, uns mit Qualität neben den großen Anbietern zu behaupten.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das unwürdige Gezerre um einen so wichtigen Verlag wie Suhrkamp. Ein gewisses Unverständnis für die Entscheidungen der Jurys bei der Verleihung von Literaturpreisen.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Eine Buchhandlung sollte kein Warenhaus sein. Der Kunde, der in eine Buchhandlung geht, will in die Welt der Bücher eintauchen. Er will neugierig gemacht werden, sich beim Stöbern wohlfühlen und gute Gespräche führen.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächsreihe möglichst auch zu Wort kommen?

Die Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg, die in Brake ebenfalls einen Buchladen unterhält.

Danke sehr. Und Glückwünsche zum 20-jährigen Jubiläum, das Sie erst jüngst gefeiert haben.

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Fünf Fragen vom Börsenblatt für den deutschen Buchhandel zur Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen beantworte ich hier

Zu Wort gekommen sind bislang:

Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Martina Bergmann mit der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Thomas Calliebe mit seiner Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Mila Becker mit Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

Petra Hartlieb von der Wiener Buchhandlung Hartliebs Bücher

Nicole Jünger aka Kata Butterblume vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung

Stefanie Diez und ihre Buchhandlung Die Insel im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg

Britta Beecken von der Berliner Buchkantine

Heike Wenige mit dem Taschenbuchladen, der im sächsischen Freiberg ansässig ist

Christian Röhrl von der Buchhandlung Bücherwurm in Regensburg

Susanne Dagen vom Buchhaus Loschwitz in Dresden

Jessica Ebert und Katja Weber von der Berliner Buchhandlung ebertundweber

Anna Jeller mit ihrer Buchhandlung Anna Jeller in Wien

Holger Brandstädt von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung, die in Ueckermünde ansässig ist

Bettina Haenitsch mit der Buchhandlung der buchladen in Seligenstadt

Gustav Förster mit der Wein-Lese-Handlung Förster, die in Ganderkesee zwischen Oldenburg und Bremen zu finden ist

John Cohen von der Hamburger Buchhandlung cohen + dobernigg

Beate und Mischa Klemm mit der Buchhandlung lesen und lesen lassen, die ihren Sitz in Berlin/Friedrichhain hat

Maria Glusgold-Drews mit ihrem Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner mit ihrer Buchhandlung Die Buchkönigin, die in Berlin-Neukölln zu finden ist

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