„Wissen Sie was? Ihr Sortiment macht wirklich Sinn!“ – SteglitzMind stellt Thomas Bleitner von der „Buchhandlung Lüders“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir heute etwas mehr von Thomas Bleitner und der Hamburger Buchhandlung Lüders erfahren, haben wir John Cohen von cohen + dobernigg zu danken, einem Buchladen, der ebenfalls in Hamburg ansässig ist.

Eine Skizze vom Laden…

Die Buchhandlung Lüders befindet sich seit ihrer Gründung 1956 im Herzen von Hamburg-Eimsbüttel am Heußweg – westlich der Alster in einem lebendigen und schönen Stadtteil mit einem sehr angenehmen und aufgeschlossenen Publikum. Wir sind eine allgemeine Sortimentsbuchhandlung und Antiquariat, unsere Schwerpunkte sind Kinder-, Kunst- und Sachbuch und vor allem die Literatur.

Thomas Bleitner © Buchhandlung Lüders

Thomas Bleitner © Buchhandlung Lüders

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

Weil das Buch ein Medium ist, das Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen hat, und es ungeheure Freude bereitet, sich mit ihm zu beschäftigen!

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Na klar! Die heutigen Bedingungen bieten uns doch sehr viele Chancen.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Natürlich ist die Welt digitaler geworden und sie wird’s weiter. Sich einerseits darauf einzustellen und mitzuziehen, andererseits aber eben den Gegenpol zu bilden, den man zu Recht von uns erwartet, das ist eine so spannende wie knifflige Herausforderung.

Konkret und auf den beruflichen Alltag bezogen bedeutet dies, per Mail, Homepage, Newsletter, Internetverkaufsplattform und sozialen Netzwerken stets ebenso präsent zu sein, wie „vor Ort“ im Laden, leibhaftig, in Fleisch und Blut und Ruhe ausstrahlend. Da kommt es schon mal vor, dass man fünf Dinge gleichzeitig erledigen muss, das war vor ein paar Jahren noch nicht so extrem.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Das können Sie auf unserer Homepage finden. Bei Facebook sind wir ebenfalls präsent.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Die Formel ist, glauben wir, ebenso wahr wie sie abgedroschen klingt: Bleibt die Preisbindung, bleibt auch jener Buchhandel, der Besonderes, Ausgewähltes und Schönes anzubieten hat. Bleibt sie nicht, bleibt er wohl auch nicht. Nicht so verbreitet jedenfalls…

hereinspaziert... © Buchhandlung Lüders

hereinspaziert… © Buchhandlung Lüders

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Wir bieten E-Books über die Homepage und jetzt auch im Laden an, da gibt es keine Berührungsängste. Papier ist uns freilich weitaus lieber und welches digitale Buch kann in Sachen Attraktivität und Sinnlichkeit etwa mit einer leinengebundenen, fadengehefteten Dünndruckausgabe mithalten? Eben dies (und den daraus resultierenden höheren Preis) müssen wir allerdings vermitteln, ohne dabei das E-Book zu brandmarken.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Ja klar, das tun wir schon.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Viele unserer Kunden erwarten von uns, dass wir eine gewisse Vorauswahl für sie treffen, die ihnen im Endeffekt etwas bietet, was sie so weder im Netz noch in Buchkaufhäusern finden. Das Treffen dieser besonderen Auswahl ist eine Herausforderung, die unglaublichen Spaß bringt und auch Raum zum experimentieren lässt. Wenn sich dies für die Kunden erkennbar in unserem Sortiment widerspiegelt, haben wir viel erreicht. Neulich sagte uns ein Neukunde: „Wissen Sie was? Ihr Sortiment macht wirklich Sinn!“ Das haben wir als großes Kompliment empfunden.

lesen, lesen, lesen... © Buchhandlung Lüders

lesen, lesen, lesen… © Buchhandlung Lüders

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Ein Wunsch reicht: So schöne und schön gestaltete Bücher herstellen, wie es von vielen kleineren und einigen größeren Verlagen gerade schon gemacht wird – Stichwort „Naturkunden“.

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Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Eine noch viel eindeutigere Positionierung den Erhalt der Buchpreisbindung betreffend.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das Erstaunen darüber, was einige Verlage mit vergleichsweise geringen Mitteln in jüngster Zeit für tolle Programme auf die Beine gestellt haben.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Um Freude zu haben!

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Die Buchhandlung Mrs.Books in Lank.

Ich freue mich, dass Sie dabei sind. Herzlichen Dank für Ihr Mittun!

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Fünf Fragen vom Börsenblatt für den deutschen Buchhandel zur Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen beantworte ich hier

Zu Wort gekommen sind bislang:

Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Martina Bergmann mit der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Thomas Calliebe mit seiner Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Mila Becker mit Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

Petra Hartlieb von der Wiener Buchhandlung Hartliebs Bücher

Nicole Jünger aka Kata Butterblume vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung

Stefanie Diez und ihre Buchhandlung Die Insel im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg

Britta Beecken von der Berliner Buchkantine

Heike Wenige mit dem Taschenbuchladen, der im sächsischen Freiberg ansässig ist

Christian Röhrl von der Buchhandlung Bücherwurm in Regensburg

Susanne Dagen vom Buchhaus Loschwitz in Dresden

Jessica Ebert und Katja Weber von der Berliner Buchhandlung ebertundweber

Anna Jeller mit ihrer Buchhandlung Anna Jeller in Wien

Holger Brandstädt von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung, die in Ueckermünde ansässig ist

Bettina Haenitsch mit der Buchhandlung der buchladen in Seligenstadt

Gustav Förster mit der Wein-Lese-Handlung Förster, die in Ganderkesee zwischen Oldenburg und Bremen zu finden ist

John Cohen von der Hamburger Buchhandlung cohen + dobernigg

Beate und Mischa Klemm mit der Buchhandlung lesen und lesen lassen, die ihren Sitz in Berlin/Friedrichhain hat

Maria Glusgold-Drews mit ihrem Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner mit ihrer Buchhandlung Die Buchkönigin, die in Berlin-Neukölln zu finden ist

Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus ans Herz gelegt, die in sächsischen Tharandt ansässig ist

Gaby Kellner mit Barbaras Bücherstube in Moosburg

4 Kommentare zu “„Wissen Sie was? Ihr Sortiment macht wirklich Sinn!“ – SteglitzMind stellt Thomas Bleitner von der „Buchhandlung Lüders“ vor

  1. „Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?“ – „Um Freude zu haben!“
    Was für eine schöne Antwort! Überhaupt ein sehr sympatisches Interview. Danke.

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