„Das Internet nimmt uns schon gehörig Umsatz weg.“ SteglitzMind stellt Rosemarie Reif-Ruppert von der Gostenhofer Buchhandlung vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir die Gostenhofer Buchhandlung, die in Nürnberg ansässig ist, kennenlernen sollten, das hatte sich MacG gewünscht.

Eine Skizze vom Laden…

Rosi Reif-Ruppert © Rainer Kradisch

Rosi Reif-Ruppert © Rainer Kradisch

Die Gostenhofer Buchhandlung gibt es seit 1985 in einem Nürnberger Stadtteil unweit des Altstadtrings. Als wir sie gründeten war der Stadtteil verrufen als ehemaliges „Glasscherben-Viertel“. Inzwischen hat sich viel geändert, aus dem Arbeiter und Handwerker-Viertel wurde ein Stadtteil, in dem viele Künstler ihre Ateliers haben – in den aufgelassenen Handwerks- und Industriebetrieben gibt es viel Raum für wenig Geld. Seit den ersten „Gastarbeitern“ in den 60iger Jahren leben hier auch viele Migranten, die den Stadtteil bunt und vielseitig machen, für die Buchhandlung allerdings nur bedingt Kunden bringen.

Auf ca. 60 qm bieten wir vor allem Belletristik (Krimis!) und Kinderbücher. Seit zwei Jahren sind wir auch Partnerbuchhandlung der Büchergilde Gutenberg. Wir legen großen Wert darauf, Bücher abseits des Mainstreams anzubieten.

Außer mir arbeiten noch eine Vollzeit-Buchhändlerin und drei Minijob-Buchhändlerinnen.

Warum sind Sie Buchhändlerin geworden?

Ich bin der typische Quereinsteiger: Nach zwei anderen Berufen habe ich meinen Traum verwirklichen können und – damals zusammen mit einem Freund – die Buchhandlung eröffnet, was angesichts unserer eher versteckten Lage und dem geringen finanziellen Spielraum ziemlich abenteuerlich war.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ja, sofort und unbedingt würde ich wieder eine Buchhandlung aufmachen! Gibt es denn etwas Abwechslungsreicheres als Bücher? Als Buchhändlerin in einem abhängigen Arbeitsverhältnis würde ich wohl nicht so gerne arbeiten.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Einiges: Es gibt immer mehr Verwaltungsarbeiten, Verordnungen und Gesetze, die zu beachten sind. Man denke nur an all die gesetzlichen Regelungen in Zusammenhang mit der Website. Dafür ist es viel einfacher geworden, Titel zu bibliografieren, selbst solche, die nicht im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) und in Barsortimentskatalogen auftauchen.

Wir besorgen sehr viel mehr antiquarische Titel als früher, insgesamt bieten wir viel mehr Service, um die Kunden bei Laune zu halten (das geht so weit, dass wir für Stammkunden deren Lieblings-Karamellen bereithalten)

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir haben seit Jahren eine individuelle Website mit Buchtipps, Veranstaltungsinformationen u.a., in die wir den Shop von KNV eingebunden haben. Der wird vor allem von unseren Stammkunden benutzt, die abends noch schnell etwas bestellen wollen. – Facebook ist momentan kein Thema.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

hereinspaziert... © Rainer Kradisch

hereinspaziert… © Rainer Kradisch

Leider muss auch ich sagen, das Internet nimmt uns schon gehörig Umsatz weg. Wir steuern mit all unseren stationären Aktivitäten dagegen. Nischen zwischen Buchkaufhaus und Internetanbieter gibt es auch heute noch genug.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Reader verkaufen wir nicht. Der E-Book-Verkauf im Laden ist im letzten Jahr ziemlich gewachsen, vor allem bei Viellesern, die gerne zusätzlich noch „richtige“ Bücher kaufen, aber z.B. für lange Zugreisen lieber das leichte Lesegerät mitnehmen.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Unbeliebtes Thema Self-Publisher. Grundsätzlich habe ich keine Einwände – vorausgesetzt die (Text-)Qualität stimmt. Ja, liebe Self-Publisher, auch Druck, Schriftbild, Papierqualität, Covergestaltung… beeinflussen die Kaufentscheidung! In der Praxis gibt’s jedoch jede Menge Ärger: fehlende Einträge im VLB und oft auch via Internet schlecht oder gar nicht zu bibliografieren. Fehlerhafte Rechnungsstellung, unorthodoxe Liefermethoden, fehlendes Wissen der Usancen im Buchhandel, nicht zu reden von Rechtschreibfehlern im oft genug miserablen Text.

Und ja, es ist ja schön, wenn der Autor von seinem Werk begeistert ist, aber wir wollen auch unsere Kunden im Laden bedienen und nicht so gerne umständlichen Inhaltsangaben am Telefon lauschen.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Unserer eher ungünstigen Geschäftslage geschuldet, bieten wir unseren Kunden eine ganze Palette von Leistungen und Veranstaltungen an: In unserem Literarischen Wohnzimmer stellt eine Kollegin Bücher im Wohnzimmer einer Kundin vor, die dann bestellt werden können. Kunden können sich nach Geschäftsschluss bei uns einschließen lassen und ganz in Ruhe stöbern. In der „Perlen“-Reihe gibt es jeweils in Frühjahr und Herbst Buchvorstellungen für Kinderbücher bzw. Belletristik. Die Bücher-Lounge ist als Gesprächskreis mit Kunden gedacht. Bei einem Glas Wein dürfen auch unsere Kunden Bücher vorstellen und sich darüber austauschen. Unsere Themen-Abende bieten neben Lesungen ausgewählter Literatur passend dazu auch ein vier-gängiges Menue.

Unser Jugendclub für 8- bis 15-Jährige trifft sich einmal im Monat. Im Moment dümpelt er etwas vor sich hin – da brauchen wir eine neue Idee. Zum Welttag des Buches haben wir Schulklassen zu Gast, denen wir ein einstündiges Programm bieten. Kürzlich haben wir für den Stadtteil in Vernetzung mit Kindergärten und Horten eine ganze Woche mit Veranstaltungen rund ums Buch organisiert. Und Büchertische zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen sind ja eh’ klar.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Sind leider mehr als drei.

Na, denn los…

Türchen auf... © Rainer Kradisch

Türchen auf… © Rainer Kradisch

Liebe Verlage, bitte macht Bücher nicht so billig! Wenn die Qualität stimmt, darf ein Taschenbuch auch 14,99 kosten und nicht nur 8.99. Achtet doch bitte wieder mehr auf das Preis-Leistungsverhältnis: für 800 Seiten mit schmucken Cover sind 10 € zu wenig, für 80 Seiten, auf schlechtes Papier gedruckt, sind € 12,90 zu viel.

Übernehmt die Versandkosten, denn dann bekomme ich keine Rechnungen mehr, auf denen statt der billigeren Büchersendung exorbitante Versandkosten im zweistelligen Bereich ausgewiesen werden.

Reduziert die vielen austauschbaren Titel und blast Bücher nicht künstlich auf: in unsere Regale passt halt nur eine begrenzte Zahl von Titeln. Ein Buch mit den Ausmaßen eines Backsteins nimmt uns einfach zu viel Platz weg wenn man den Text auch – ohne Einbußen an guter Lesbarkeit – auf ein Drittel der Seiten unterbringen könnte.

Das gleiche gilt für die Vorschauen: Es bringt mir nichts, einen umworbenen Bestseller einmal von hinten, von vorne, auf einem Stapel, in einen kunstvollen Aufbau oder sonstwie auf jeweils einer ganzen Seite abgebildet bestaunen zu können. Dagegen hätte ich gerne Vorschauen oder Leseproben, die Informationen über Text und Autor bieten. Ja, auch wie die Geschichte ausgeht und wer der Täter ist, darf gerne verraten werden…

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Weiterhin für den Erhalt des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes und natürlich die Preisbindung zu kämpfen (Gefahrenquelle Freihandelsabkommen mit den USA)

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Aktuell gerade nichts. Nach der Buchmesse hat sich bei uns hier eine gewisse Frustration breit gemacht, was den Messebesuch betraf. Irgendwie hatten wir uns in den letzten Jahren an den Ständen der Verlage zunehmend als Störfaktor gefühlt, nicht als interessierten und möglicherweise sogar interessanten Partner der Verlage. Klar gilt das nicht für alle, wir hatten auch sehr nette Messegespräche, aber wenn mir gesagt wird, ich solle doch von zu Hause aus bestellen, man habe gerade keine Zeit zum Aufnehmen einer Bestellung, dann komme ich schon ins Grübeln…

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Nun, den Kontakt zu richtigen Menschen, die zuhören und Empfehlungen punktgenau auf den Kunden abgestimmt geben können, kann keine noch so gute Maschine ersetzen. Eine Buchhandlung ist immer auch ein Treffpunkt, ein Ort, an dem ich (nicht nur literarische) Anregungen bekomme und der einfach alle Sinne anspricht.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Doris Müller-Höreth von der Buchhandlung Pelzner in Nürnberg-Eibach ist eine enorm engagierte und ideenreiche Buchhändlerin. Und die sehr schöne Regensburger Buchhandlung Dombrowsky, die viele tolle Veranstaltungen organisiert.

Danke sehr, ich freue mich, dass Sie dabei sind.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

21 thoughts on “„Das Internet nimmt uns schon gehörig Umsatz weg.“ SteglitzMind stellt Rosemarie Reif-Ruppert von der Gostenhofer Buchhandlung vor

  1. 100 Euro für alle Bücher die auf der Bestsellerliste stehen…und die Taschenbücher müssen noch teuerer sein..
    Vielleicht schnallen die Leute dann, das ein Satz von Marcel Proust mehr wert als so ein Blödsinn

  2. Liebe „Nomadenseele“, was jemand bereit ist für ein Produkt zu bezahlen ist eine individuelle Entscheidung. Dem Einen ist es was wert, dem Anderen eben nicht. Das gilt für Bücher genauso wie für Lebensmittel, Autos usw. usw. Ein Golf erfüllt genauso den Anspruch als Transportmittel wie ein Mercedes. Vom billigen Brot wird man genauso satt wie von teurerer Bäckerware, Einer zahlt viel Geld fürs Popkonzert, der Andere für das philharmonische. Nur sollte niemand seine persönliche Einschätzung als allgemeingültig ansehen. Die Preise von Büchern sind in den zurückligenden Jahren wesentlich geringer gestiegen als die allgemeinen Lebenshaltungskosten, bei Euroumstellung kostete ein neu erscheinener gebundener Roman 39,80 € ,jetzt in der Mehrzahl 19,90 / 19,99 €. Autorenhonorare, Übersetzerentgelte gelten im allgemeinen als ziemlich niedrig, genauso wie das Einkommen von Buchhändlern / Buchhändlerinnen, egal ob angestellt oder selbstständig. Aber, wie gesagt, ob es dem Einzelnen das wert ist, das entscheidet jeder für sich alleine, und es gibt Menschen, die bereit sind für ein Buch Preise zu bezahlen, die anderen als hoch, zu hoch erscheinen, weil sie es wertschätzen und es neben dem Mainstream sehr, sehr viele Bücher gibt, die ihren Preis den Lesern offensichtlich doch wert sind. Aber auch das schätzt jeder für sich persönlich ein!

    • Die Preise von Büchern sind in den zurückligenden Jahren wesentlich geringer gestiegen als die allgemeinen Lebenshaltungskosten, bei Euroumstellung kostete ein neu erscheinener gebundener Roman 39,80 € ,jetzt in der Mehrzahl 19,90 / 19,99 €.

      Weil Bücher immer schon viel zu teuer waren, ganz einfach.

      Autorenhonorare, Übersetzerentgelte gelten im allgemeinen als ziemlich niedrig, genauso wie das Einkommen von Buchhändlern / Buchhändlerinnen, egal ob angestellt oder selbstständig

      Man spricht nicht umsonst von *brotlosen Künsten* und Buchhändler scheinen immer noch über dem Verdienst der breiten Masse zu liegen. Sonst kann ich mir die Milchmädchenrechnung *Teurere Bücher = Mehr Gewinn* nicht erklären.

      Das weitere, was Sie erläutern, habe ich bereits angeführt. Ich gehe davon aus, dass Sie meine Ausführungen vor dem Lesen komplett gelesen haben.

      Es überings kein Zeichen von Kultiviertheit, auch wenn dies bei einigen Usern gerne so gesehen wird, einem Fremden mit *Liebe* oder gar *Meine Liebe* eine Privatsphäre aufzudrücken, die nicht existiert. Das ist nicht höflich, sondern sehr aufdringlich.

    • Ich sehe gerade, Sie haben auch eine Buchhandlung. Ökonomischer Sachverstand scheint in der Branche nicht sehr weit verbreitet zu sein, anderes kann ich mir das Verfechten der Milchmädchenrechnung nicht erklären.

    • Um einmal in der Branche zu bleiben:

      Warum haben großartige Verlage wie Taschen, Prestel, National Geographic, Frederking & Thaler wahrscheinlich sehr geringe Auflagen? Nein, nicht weil die meisten Leser für die Bücher zu doof sind, sondern weil die Bücher zu hochpreisig sind.

      Selbst Grundschulkinder kaufen Dinge nur, wenn sie sich die a.) leisten können und b.) einen Gegenwert dafür sehen.

      Und da die breite Masse nun einmal zusehens verarmt, sei es durch Lohnduming, Steuern oder Inflation, würde der Buchmarkt bei höheren Preisen kollabieren. An Luxusgütern wird nämlich zuerst gespart.

      • Sie kennen sich ja prima aus! Der Taschen-Verlag hat wahrscheinlich die höchsten Auflagen im Bereich der Bildbände überhaupt, um Prestel und National Geographic muss man sich auch keine Sorgen machen…

        Um auf Ihre Kritik der Buchpreise einzugehen: natürlich sind 20 oder 25 Euro kein Pappenstiel, aber ich habe die Möglichkeit, ein Buch vorher in der Buchhandlung anzulesen oder mir im Netz eine Leseprobe anzuschauen. Wenn ich dann nicht zu einer Kaufentscheidung komme, kann ich das Buch evtl. in der Bibliothek ausleihen und noch ausführlicher reinlesen (oder es gleich komplett lesen – meist kostenlos). Es sollte eine wohlüberlegte Entscheidung sein, denn mit diesem Buch werde ich viele Stunden meines Lebens verbringen. Übrigens soll es auch Menschen geben, die Bücher, die sie schätzen, mehrfach lesen oder an andere verleihen. Diese freuen sich, wenn das Buch gut verarbeitet ist und nach der ersten Lektüre nicht schon krumm und verbogen im Regal steht.

        Auf Ihrem Blog habe ich bemerkt, dass sie die Lektüre von Büchern manchmal schon nach 10 Minuten abbrechen. Warum haben Sie sich das Buch dann überhaupt gekauft? Bücher sind kein Gegenstand, den man schnell mal konsumiert, sie laden zur längerfristigen Beschäftigung ein.

        Natürlich ist es erfreulich, wenn Verlage z. B. Bücher in besonders günstigen Auflagen anbieten (wie z. B. Rowohlt noch vor wenigen Jahren mit günstigen TB-Erfolgsausgaben). Das geht aber nur, wenn es eine entsprechend hohe Abnehmerzahl für diese Bücher gibt. Kleine Verlage konnten das noch nie anbieten, sind sie also die schlimmsten Abzocker? Bei sinkenden Leserzahlen wird’s insgesamt schwierig, und jetzt erzählen Sie mir bitte nicht, dass die Buchpreise daran Schuld sind! Das Buch spielt halt neben Fernsehen, Games (übrigens nicht gerade billig), TV-Serien (als DVD-Boxen auch nicht billig) und Internet die Rolle eines Mediums von vielen. Ein Luxusgut ist es damit noch lange nicht.

      • Sie kennen sich ja prima aus! Der Taschen-Verlag hat wahrscheinlich die höchsten Auflagen im Bereich der Bildbände überhaupt, um Prestel und National Geographic muss man sich auch keine Sorgen machen…

        Genau…im Bereich Bildbände…

        Übrigens soll es auch Menschen geben, die Bücher, die sie schätzen, mehrfach lesen oder an andere verleihen. Diese freuen sich, wenn das Buch gut verarbeitet ist und nach der ersten Lektüre nicht schon krumm und verbogen im Regal steht.

        Ich gehe davon aus, dass sie meine Ausführungen zur zur ökonomischen Situation in Deutschland gelesen haben. Wenn nicht, hilf das Lesen von Zeitungen wie Die Zeit weiter. Leider gehen Sie auf den Punkt nicht ein?

        Auf Ihrem Blog habe ich bemerkt, dass sie die Lektüre von Büchern manchmal schon nach 10 Minuten abbrechen. Warum haben Sie sich das Buch dann überhaupt gekauft?

        Gegenfragen:
        Was geht Sie mein Privatleben an? Bin ich Ihnen gegenüber in irgendeinem Rechtfertigungsdruck? Haben Sie sich die Zeit genommen, zu lesen, warum ich die Bücher abgebrochen? Oder wollen Sie einfach nur Stimmung machen.
        Und vor allem: Was soll dieser aggressive Unterton, der Ihren ganzen Kommentar durchzieht? Mäßigung wäre angebracht.

        Ein Luxusgut ist es damit noch lange nicht.

        Natürlich ist es das. Oder seit wann sind Bücher lebensnotwenig?
        Ein Geiger wird auch nicht behaupten, dass eine Geige ein Luxusartikel ist, dabei ist jedes Musikinstrument eines.

        Bei sinkenden Leserzahlen wird’s insgesamt schwierig, und jetzt erzählen Sie mir bitte nicht, dass die Buchpreise daran Schuld sind!

        Ich verweise auf die nach wie vor sehr schwierige finanzielle Lage der meisten Deutschen. Natürlich kommen auch andere Faktoren hinzu – wie z.B. die Kundentäuschung durch die Verlage und dass andere Medien inzwischen bessere Geschichten erzählen. Selbst Die Zeit schrieb vor ca. 2 Jahren, dass die besten *Romane* inzwischen durch Serien erzählt werden.

      • Nebentätigkeiten sind bei den Serien unserer Zeit nicht mehr drin, denn wir haben es hier mit dem erzählerischen Erbe von Dickens und Balzac zu tun, wenn nicht gar mit dem Äquivalent zur griechischen Tragödie, jedenfalls aber mit den Visionen von auteurs, die entweder vom Kino kommen oder mit ihm in Konkurrenz treten.
        http://www.zeit.de/2012/27/Fernsehen-Amerikanische-Serien

        Nur einmal so als Beispiel, wie die erzählerische Konkurrenz zu Büchern inzwischen eingeordnet wird. Spiele inzwischen ebenfalls.

        Bücher sind zu 90% ohne Anspruch, den findet man nun in Serien und Spielen. Pech für die Buchbranche.

      • Hier ein Auszug zu den Finanzen aus der FAZ heute:
        *Es gibt in Deutschland viele Menschen, die sich jeden Monat mühselig und beladen über die Runden hangeln, und die Zahl dieser Menschen steigt von Jahr zu Jahr. Mal fehlt die Arbeit, mal ist der Lohn karg, mal sorgt die Scheidung für Verwerfungen, und in solchen Lebenslagen wird die Altersvorsorge zu einer Fiktion, von der viele Menschen träumen, die aber in weiter Ferne rückt. *
        http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/vermoegensfragen/die-vermoegensfrage-unterstuetzung-der-kinder-macht-das-vererben-schwer-12710206.html

        Und so geht es den meisten Menschen in Deutschland, wenn ich nach den Selbstauskünften der Mieter gehe – sie kommen gerade über die Runden.
        Und diese kaufen keine Bücher und bei noch teueren Büchern werden noch weniger kaufen – ganz einfach, weil sie es nicht können. Unsere Politiker setzen voll auf den Export und vernachlässigen die Binnennachfrage. Autos kaufen keine Autos 😉 .

  3. Dagegen hätte ich gerne Vorschauen oder Leseproben, die Informationen über Text und Autor bieten. Ja, auch wie die Geschichte ausgeht und wer der Täter ist, darf gerne verraten werden…

    Ich stimme ja zu, dass ich in Vorschauen nicht das Buch in allen Varianten abgebildet haben muss. Aber wie das Buch ausgeht möchte ich nicht schon vor dem Erscheinungstermin wissen!

    Genug genörgelt: Die Fotos der Buchhandlung sind wirklich schön.

  4. Nachtrag

    Es stellt sich also die Frage, wer die überteuerten Bücher kaufen soll. Die Habenichtse haben das Geld nicht, die Wohlhabenden wissen es zu schätzen und halten es entsprechend zusammen.

    Sehr selten, dass ich mal ein Buch für 20 Euro oder mehr kaufe, und noch seltener, dass es ein Belletsristik-Titel ist. Es fehlt der Gegenwert.

    Bei noch höheren Preisen wird der Markt wohl kollabieren.

    • Ich glaube ihr ging es eher, um die Tatsache, eine Unterscheidung zu machen zwischen hochwertiger Arbeit und „Ramschware“ die nicht selten zum selben Preis verkauft werden. Ich verstehe deine Argumente, dass Bücher teilweise echt zu teuer sind (ich glaub den Boden aus dem Fass geschlagen hat bei mir der Preis für die gebundene Ausgabe von „Unendlicher Spaß“, für das man fast 40,-€ hätte hinlegen müssen, was ich bei Gestaltung und Qualität der Bindung vollkommen übertrieben fand), aber ich teile auch den Standpunkt von Frau Ruppert, dass es gerade aktuell zu viele billig aussehende Titel (ob Taschenbuch oder gebunden ist egal) gibt, die ihren Preis nicht wert sind und dem gegenüber steht zum selben Preis etwas höherwertiges, was dadurch in seinem ideellen Wert abgemildert wird. Ich kann für mich keine konkreten Beispiele nennen, ist mehr ein allgemeines Gefühl, welches auch täuschen kann.

      • dass es gerade aktuell zu viele billig aussehende Titel (ob Taschenbuch oder gebunden ist egal) gibt, die ihren Preis nicht wert sind

        Die meisten Bücher sind ihren Preis nicht wert, ich bin nur noch dabei, unzufrieden abzufrieden abzubrechen. Unterhaltung mit einem gewissen Anspruch verbindet kaum noch ein Autor.

        Ok, es kann für mich auch mal ein Thriller sein. Nur wird das inzwischen fast jedem Buch angehängt und hat auch keinen Wert. Die Buchbranche ist sich am abschaffen durch falsche Cover, falsche Klappentexte und falsche Ettiketten. Ich komme mir als Kunde nur noch veräppelt vor, gestern war ich wieder stinkesauer.

        Das Buch hat – um zum Thema zurückzukommen – 9 Euro gekostet, aber das waren mindestens 5 zuviel. Wenn das Buch teurer gewesen wäre, hätte ich das Haus zusammengeschrien; es ist unverschämt, was einem als Leser zugemutet wird.

        Und die Rechnung *teure Bücher = mehr Gewinn* geht nicht auf, weil dann dann Buchmarkt kollabieren wird. Wenn ich nach den Selbstauskünften der Mieter gehe, dann kann sich eine sehr breite Masse nicht einmal ein TB leisten. Und die Mieterin meiner Wohnung hat auch auf die Garage verzichtet, weil die 80.- Euro kostet. Und 80 Euro für Bücher ist nicht viel. Was die Buchhändlern da ist weltfremd und kurzsichtig, da, wenn die Bücher teurer werden, noch weniger Bücher kaufen. Das Geld sitzt in der breiten Massen nicht so locker, wie einige sich das vorstellen.

      • Ich glaube, auf diesem Thema kann man unendlich in jede Richtung und sich zu Tode debattieren. Ich kann mit einem Standpunkt und auch mit dem Frau Ruppert etwas anfangen. Der erste Satz, dass Bücher zu billig sind, ist vielleicht unglücklich gewählt und zu pauschal formuliert, wie man aus deinen Erklärungen heraus lesen kann, denn eigentlich sind 90% der Bücher noch zu teuer, gerade die aus der Krimiecke, wo einem jeder Mist untergejubelt wird. Mir geht es ähnlich wie dir und ich schrecke ständig davor zurück mir neue Bücher zu kaufen, wenn ich auf den Preis auf dem Buchrücken schaue- egal in welches Genre ein Buch einzuordnen ist.

      • Das Hauptproblem ist grundsätzlich, das jedem ein anderes Buch persönlich etwas bringt / voranbringt. 1% aller von mir gelesenen Bücher würde ich das Etikett *ist seinen Preis wert* verpassen.

        Und das sind nicht nur günstige Bücher, wenn ich an Hares *Gewissenlos* und Strouts *Der Soziopath von nebenan* denke, beide jeweils 40 Euro. (Hallo Verlage, warum gibt es von so alten Büchern keine TB-Ausgabe?) Oder der Bildband *Wüsten von oben* oder ein Bildband über das Zarenreich, beide jeweils über 60 Euro. Das sind Bücher, die sind mir jeden Cent wert.
        Aber ein Krimi, der nach ein paar Stunden ausgelesen ist , für über 20 Euro? Ein umspannender Thriller, der zudem einen falschen Klappentext hat, für 10? Nein, tut mir leid, da fehlt der Gegenwert. Es ist unglaublich, was für ein Müll veröffentlicht wird.

        Und ich bin durchaus der Ansicht, dass der breiten Masse für Luxusgegenstände das Geld fehlt. Zu sagen, dass Bücher noch teurer sein müssten und die breite Masse sich eben mit veralteten und ekligen Bibilotheksbüchern zufrieden geben muss, ist unverschämt.

  5. Liebe Verlage, bitte macht Bücher nicht so billig! Wenn die Qualität stimmt, darf ein Taschenbuch auch 14,99 kosten und nicht nur 8.99. Achtet doch bitte wieder mehr auf das Preis-Leistungsverhältnis: für 800 Seiten mit schmucken Cover sind 10 € zu wenig, für 80 Seiten, auf schlechtes Papier gedruckt, sind € 12,90 zu viel.
    ________

    Und wer soll die Bücher dann kaufen? So wie ich das mitbekomme, sollte man vor Steuern schon seine 5000 Euro verdienen, wenn man z.B. noch eine Wohnung abbezahlt und halbwegs anständig leben möchte.
    Der Durchschnittsverdiener wie Pfleger, einfache Arbeiter krebsen eher am Existenzminimum herum, so wie ich das von Mietern mitbekomme. Ich frage mich immer, in welchen Sphären die Leute schweben, die teuere Bücher fordern.

    Bücher sind (zusammen mit Musikinstrumenten) reine Luxusartikel, was von Autoren, Buchhändlern, Übersetzern & Co. gerne vergessen wird. Ganz davon abgesehen, dass bei 90% aller Bücher geschenkt noch zu teuer ist, weil die Bücher einfach den Gegenwert nicht haben, den sie kosten.

  6. Schön, hier eine Buchhandlung aus meinem Stadtteil zu finden! Die Damen von der GoHo-Buchhandlung sind wirklich sehr engagiert und für Krimi-Fans ist die Auswahl riesig. Der Besuch lohnt sich!

  7. Wunderschöne Gedanken und tolle Bilder! Es macht Freude, das zu schauen und zu lesen! Was die Zusammenarbeit mit kleinen Verlagen angeht, gibt es leider aber auch den umgekehrten Fall: Da werden Rechnungen nicht bezahlt, man bekommt von Lesern zu hören, die Bücher seien nicht lieferbar, obwohl sie via Barsortiment bezogen werden können (übrigens auch KNV – und selbstverständlich im VLB nicht nur eingetragen, sondern auch aktuell gehalten werden). Für einen kleinen Verlag, der aufs Endkundengeschäft bewusst verzichtet, ist das schon nachdenkenswert …

    Die Überlegungen, die Sie zu (Groß-)Verlagen und den (zum Teil) austauschbaren Titeln anstellen, teile ich – das war für mich der Grund, den Schritt von der Publikumsverlags-Autorin zur (selbstbestimmten) Verlegerin zu wagen und Bücher zu machen, die zwar den Anspruch haben zu unterhalten, aber eben nicht „um jeden Preis“ und auf Kosten unseres wertvollsten und schönsten Werkzeugs: der Sprache. So wie es aussieht, scheinen meine Leser das zu mögen 😉

    Insgesamt glaube ich aber, dass es hier wie dort immer die Persönlichkeiten sind, die „dahinter stecken“, Menschen mit Neugier, Begeisterung, Kreativität. In diesem Sinne: Ihnen viele nette Kunden und weiterhin viele tolle Ideen (- Bücher ins Wohnzimmer zu bringen, ist ja tatsächlich klasse! – )

    Nikola Hahn

  8. Vielen lieben Dank, dass das so schnell ging. Sehr schöne Einblicke in die GoHo- Buchhandlung und ich bin immer mehr angetan von dem sich in den Buchladen einschließen lassen und 2h zu stöbern. Ich muss da unbedingt mal ein paar Freunde überreden, da mitzumachen.
    Mal schauen, ob ich es bei meinem nächsten Nürnbergaufenthalt in die Buchhandlung schaffe.

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