Steglitz stellt Hilke-Gesa Bußmann mit ihrem gleichnamigen Blog vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir Hilke-Gesa Bußmann mit ihrem gleichnamigen Blog näher kennenlernen sollten, hatte Jannis Plastargias vorgeschlagen, der schmerzwach pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich liebe ja diese kleinen „Freundschaftsbücher“, die es früher immer gab, in denen man sich ein analoges Profil angelegt hat und alle immer die beliebtesten Schüler auf die erste Seite haben wollten. Ich imitiere das mal:

Name: Hilke-Gesa Bußmann

Geboren: 26.Januar 1990 – während Sturm Daria über Norddeutschland wütete und teilweise sogar für Stromausfälle verantwortlich war – aber zum Glück kennen wir in Norddeutschland auch Notstromgeneratoren.

Heimatort: Aurich – oder besser gesagt Moordorf, ein kleines Dorf im tiefsten Ostfriesland, ungefähr dreißig Kilometer von der Nordsee entfernt. Also quasi mit Blick auf Norderney und den anderen Inseln.

Wohnort: Im Moment Offenbach am Main, weil ich mein Studium in Frankfurt beende, aber möglicherweise ändert sich das zukünftig.

Ausbildung: Gymnasium Ulricianum Aurich, Abitur. Danach Studium an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main im Fachbereich Germanistik und Medienwissenschaft.

Traumjob: Was mit Digitalisierung. Was mit E-Books. Was mit innovativen Verlagen, die in die Zukunft denken und nicht nur trauern, sondern sich trauen nach vorne zu gehen. Und an dieser Stelle liegen die Worte trauern und trauen wirklich sehr nah beieinander.

Hilke-Gesa Bußmann © Hilke-Gesa Bußmann

Hilke-Gesa Bußmann © Hilke-Gesa Bußmann

Diesen ganzen Kram von wegen Lieblingsband (Flogging Molly – immer nur Flogging Molly (okay – und Nathen Maxwell, aber der ist Teil von Flogging Molly)), mein erster Moment mit Büchern (Struwwelpeter! Eindeutig der. Mit 4 Jahren konnte ich den auswendig rezitieren und meine unwissenden Großeltern hielten mich für ein Genie (aber meine Mutter hat es mir auch jeden Abend mindestens dreimal vorgelesen)), Lieblingssänger (habe ich doch schon gesagt, Nathen Maxwell! Na gut, Dave King und Bridget Regan sind auch lieblich), Lieblingsfächer (kurioser Weise tatsächlich nicht Deutsch sondern Latein und Geschichte – obwohl Latein in der Oberstufe und in meinem Leistungskurs dann irgendwann nicht mehr), Lieblingslehrer (Professor Dumbledore und natürlich Gandalf), Lieblingseis (Zitrone und Schokolade, bitte in diese Kombo) und Kaffee oder Tee (KAFFEE!) übergehe ich jetzt einfach. Es ist doch nicht wirklich von Interesse, oder? Vielleicht noch folgende Stichpunkte und dann sind auch schon die Seiten im Freundschaftsbuch voll:

Lieblingsbuch: Régis de Sá Moreira – Das geheime Leben der Bücher

Lieblingsautor: Ich kann nicht nur einen Autor mögen – ich bin Literaturwissenschaftlerin (zumindest meine eine Hälfte) – aber Tolkien, Ende, Zweig und Uwe Tellkamp stehen sehr nah beieinander.

Lieblingszitat: „Es gibt sehr viel Interessantes über die Eisberge zu erfahren“ Régis de Sá Moreira – Das geheime Leben der Bücher.

Motto: Literatur ist meine Leidenschaft

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit ungefähr 2011 auf verschiedenen Plattformen, aus verschiedenen Gründen und zu unterschiedlichen Themen. Begonnen habe ich mit einem Autorenblog auf einer kostenlosen WordPress-Seite, nachdem ich meinen Debüt-Roman „Lieb mich!“ im Herbst 2011 veröffentlicht hatte. Da ich es gerne seriös mag und unbedingt eine eigene Homepage haben wollte, stellte ich diesen kostenlosen Blog allerdings sehr schnell auf eine WordPressinstallation auf einem eigenen Server um. Seitdem blogge ich unter Hilke-Gesa Bußmann über meine Autorentätigkeiten, gebe Einblick in mein Schreiben, führe unterschiedliche Aktionen durch und versuche mich dort meinen Lesern vorzustellen. Dort kann man beispielsweise auch meinen momentanen Selbstversuch „Ein Jahr ohne Printbücher“ lesen und quasi hautnah mitbekommen wie leicht und gleichzeitig schwer es mir fällt, größtenteils auf das gedruckte Buch zu verzichten.

Für mein Haupt-Buchprojekt blogge ich auf Die Legenden der Weltentaucher. Obwohl ich zugeben muss, dass die Blogtätigkeit dort manchmal einschläft und oft nur mit den „neuesten“ Updates zum Buch bestückt sind. Ich versuche das zu ändern, aber leider fehlt oft die Zeit. – Ach und Zeit: Weil ich ja zu viel davon habe (nicht!), ich aber eigentlich schon immer einen Traum von einem informativen Blog hatte, bereite ich gerade den Blog Zukunft-Literatur vor, auf dem Neuigkeiten und Diskussionen rund um das Thema Zukunft der Literatur präsentiert werden sollen. Diesen Blog möchte ich nicht alleine führen – auf lange Sicht gesehen – sondern mit visionären Co-Autoren betreiben, die ebenfalls Spaß an einem Blick in die Zukunft haben.

Und irgendwann … Ja, irgendwann werde ich mich auch noch um einen Reiseblog kümmern. Zum Beispiel dann, wenn das Studium vorbei ist.

Deine Themenschwerpunkte …

Bücher. Literatur. Digitalisierung. E-Books. Geschichten. Storytelling. Buchbranche. Weltentaucher. Fantasy. Zukunft. Innovationen. Self-Publishing.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das Self-Publishing. Ich mag das verlagsunabhängige Publizieren. Nicht, dass ich was gegen Verlage hätte oder ihnen den Tod prophezeie, ich empfinde es  – als junger und dynamischer Typ, der ich bin – nur als sehr angenehm, wenn sich in einem Betrieb, der quasi hunderte Jahre lang Tradition und Bestand hat, etwas verändert. Das klingt jetzt ziemlich kurios, aber: Ja – der Literaturbetrieb hat sich seit vielen Jahrzehnten nicht wirklich verändert. Vielleicht im Detail, vielleicht in einigen Abschnitten, aber immer war der Verlag die oberste Instanz. Die Möglichkeiten, die uns Unternehmen wie Amazon und Apple beispielsweise liefern (auch wenn sie natürlich in einigen Bereichen nicht moralisch handeln und den Literaturbetrieb ziemlich umkrempeln), sind grandios. Sie haben Vorteile, die wir nur akzeptieren müssen. Die wir nutzen müssen. Ich glaube in diesem Zusammenhang fest an ein Nebeneinander und nicht an ein Entweder-Oder.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Soziale Netzwerke. Facebook, Twitter, ganz selten Xing, noch seltener Google+. Ich glaube, meine Leser sitzen auf Facebook, weil ich dort auch am aktivsten bin. Obwohl sich das möglicherweise auch mit der Zeit ändern könnte.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich mag es nicht, wenn Blogger immer nörgeln. Egal, ob es Autoren, Buchblogger oder sonst wer ist, der meint, sich in einem Blog verewigen zu müssen, was ich nicht mehr lesen kann sind Aussagen wie: „Ich bin nur auf dem Amazon-Rang 1234, ich möchte aber sooooo gerne unter die Top100, könnt ihr bitte mein Buch kaufen? *heul * * schluchz * + Link zu Amazon.“ Ich finde es gut, wenn man mit seinen Lesern kommuniziert, ich kann es aber nicht ausstehen, wenn man sie „bevormundet“. Für mein Verständnis ist das keine Autorenarbeit mehr, sondern Betteln um Anerkennung. Aber das machen nicht nur Autoren, sondern auch normale Blogger, normale Menschen, einfach alle, die irgendwie nicht weiterkommen. Ich würde da eher raten: Schaut euch an, wie ihr eure Blogs verändern und optimieren könnt, um mehr Leser zu erlangen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Für mich die allergrößte Hürde: Das regelmäßige Bloggen. Ich zähle mich selbst nicht zu den Bloggern, die „über alles“ bloggen. Mein(e) Blog(s) sind themenbezogen, d.h. es kann durchaus sein, dass ich mal eine Woche keine Themen finde, über die ich bloggen soll. Das soll nicht heißen, dass ich keine Lust habe, dass ich nichts zu sagen hätte … Ich möchte nur nicht „spamen“ und unnötige Dinge schreiben. Ich lege sehr viel Wert darauf, dass meine Beiträge (oder die meisten zumindest) einen Mehrwert liefern und ein „Aha-Erlebnis“ hinterlassen. Dieses zu erzeugen ist wahrlich schwierig, aber irgendwie ist es das Resultat meines wissenschaftlichen Anspruchs.

Das soll nicht heißen, dass ich Blogger, die „über alles“ bloggen verachte. Ganz im Gegenteil, ich finde es sehr bemerkenswert, wenn man so etwas kann. Es hat etwas mit Authentizität zu tun: Ich möchte mich als die Person zeigen, die ich bin. Wenn jemand so persönlich offen ist, soll er das bitte zeigen. Ich charakterisiere mich eher als anders offen und liebe meine kritische Weise zu sehr, um sie gegen etwas „Aufgesetztes“ zu tauschen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

Reaktionen auf meine Blogposts. Auf der Buchmesse Menschen zu begegnen, die mich wiedererkannt haben und sich an meine Beiträge erinnert haben. Das hat mich unglaublich glücklich gemacht – vor allem habe ich es nicht erwartet.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich rezensiere nicht. Das mache ich jedem Autor, mit dem ich Umgang habe und jedem Verlag deutlich. Ich bin selbst Autor und somit kann ich nicht garantieren, dass ich neutral über andere Titel urteilen kann. Ich meine das nicht böse, nur empfinde ich meine Arbeit als Autorin wesentlich grundlegender als meine Arbeit als Rezensentin es jemals sein könnte und ich möchte vermeiden, dass Aussagen wie „Die schreibt ja nur Freundschaftsrezensionen“ oder im Gegenzug „Die macht ja nur alle nieder“ kommen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Da ich ja selbst Self-Publisherin bin und ich mir vorstellen kann, was ich machen würde, wenn ich rezensieren würde: Ich würde sie annehmen. Warum? Weil ich das Self-Publishing als sehr guten Parallelweg empfinde und ich die Autoren unterstützen würde. (Ich mache es ja jetzt auch, nur eben nicht auf Ebene von Rezensionen, sondern durch Vorstellungen, durch Beratungen usw.) Self-Publisher haben es im Vergleich zu Verlagen immer noch sehr viel schwerer, es ist aber keine schlechtere Literatur. Von daher möchte ich jeden bitten: Unterstützt die Self-Publisher, aber seit ehrlich und behandelt die Titel wie Verlagstitel!

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich liebe E-Books. Für dieses Jahr habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, nur E-Books zu lesen. Okay: Nicht nur, um für meinen Studienabschluss zu lernen, habe ich mir erlaubt, auch Printbücher und Kopien zu benutzen, da es sehr viele Bücher einfach nicht digital gibt, aber privat und Belletristik lese ich ausschließlich E-Books. Ich habe mir hierfür zu meinem Apple iPad einen Kindle E-Reader zugelegt, der mich davon abhalten soll, nebenbei auf Facebook und so herumzugammeln. Das ist bei eInk-Readern halt einfach wesentlich weniger der Fall (oder eher gar nicht) als bei Tablet-PCs. Ich habe mich zudem wissenschaftlich sehr ausführlich mit dem Thema E-Books beschäftigt und denke, dass gerade die Verbindung aus Multimedialität und Literatur die Zukunft sein könnte. Natürlich wird es die – ich nenne sie „klassischen E-Books“ – Adaptionen eines analogen Textes ins Digitale noch geben, aber die multimediale Varianten, die werden überzeugen und haben mich schon überzeugt.

Und, um auf meinen Selbstversuch zurückzukommen: Bisher vermisse ich Printbücher nicht. Ich lese sogar mehr im Vergleich zum Vorjahr. Warum: Weil ich anfange, nicht mehr mit dem Smartphone auf sozialen Netzwerken zu chatten, sondern in der Zeit, z.B. beim Warten auf der Bahn, lese.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich empfehle insbesondere Blogger wie Jannis Plastargias (schmerzwach) und beispielsweise Steffen Meier (Meier-meint). Blogs wie ihre sind einfach unterhaltsam und gleichzeitig informativ. Aber ich denke, beide haben hier schon einmal vorsprechen dürfen? Ich möchte Euch auch noch Buchblogger Christina Mettge mit Pudelmützen Bücherwelten und Melanie Döring mit bookrecession ans Herz legen – beide sind in meinen Augen sehr wichtig in der Bloggerwelt!

Danke vielmals, Hilke. Ich freue mich sehr, dass du der Gesprächsreihe zu einem Revival verhilfst…

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Zuletzt stellte sich die Mützenfalterin mit muetzenfalterin vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war Réka Kinces mit ihrem Blog Hausdrachen. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

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5 Kommentare zu “Steglitz stellt Hilke-Gesa Bußmann mit ihrem gleichnamigen Blog vor

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