SteglitzMind stellt Vero Nefas mit „Drei Groschen Poesie“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Melanie Döring von bookrecession hatte vorgeschlagen, dass wir Vero Nefas etwas näher kennenlernen sollten, die das Blog Drei Groschen Poesie pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten…

Vero Nefas, 29 Jahre alt, alleinerziehende Mama einer ganz bezaubernden, literaturbegeisterten Tochter, berufstätig, buchverrückt, Single.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Vero Nefas mit... @ privat

Vero Nefas mit… @ privat

Ich blogge seit Anfang 2012, genauer gesagt seit dem 22.2.12 (Die eine freche 1 hat sich einfach in das schöne Datum geschlichen 😉 ) Aber eigentlich war das alles gar nicht geplant. Ich habe über Facebook damals recht zeitgleich zwei Testlese-Bücher gewonnen und dann stand ich da, mit meinen ersten beiden Rezensionen und wusste nicht wohin damit. Für Amazon waren sie mir zu schade, auf Lovelybooks war ich damals noch nicht aktiv und so habe ich kurzerhand einen Blog gegründet (zuerst noch bei Blogspot getestet. Mich dort nicht wirklich wohl gefühlt, daher dann am besagten 22.2. zu WordPress gewechselt), einen irgendwie griffigen Namen gesucht und dann war ich geboren: Vero Nefas und die Drei Groschen Poesie waren zum Leben erweckt und sind seither ein nicht unbedeutender Teil von mir.

Deine Themenschwerpunkte …

Mein Themenschwerpunkt: Alles Rund ums Buch. Nein, im Ernst. Ich lese alles was mir gefällt, bespreche Bücher wie mir der Sinn danach steht und blogge vor allem gerne über Lesungen, Messen und andere Literatur-Veranstaltungen. Gerade meine Event-Berichte erfreuen sich großer Beliebtheit. Manchmal spreche ich auch einfach Themen an, die mich interessieren, aber im Großen und Ganzen geht es immer irgendwie um meine Leidenschaft: Bücher.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Eine schwierige Frage, weil ich gar nicht genau weiß wie ich sie zu verstehen habe. Aber es gibt durchaus ein paar Dinge, die mich eher wenig begeistern können. z.B. der aktuelle Trend, dass man ein Buch, das sich gut verkauft, von allen Seiten versucht zu kopieren und im Endeffekt dann ein und die selbe Geschichte hundertmal erzählt wird. Als Beispiel dient mir dazu das, was aktuell so unter „Fantasy“ läuft: Junges Mädchen findet durch Zufall heraus, dass sie Fee/Elfe/anderes magisches Wesen ist und ihr Reich vor dem Untergang retten muss. Dabei verliebt sie sich in den Prinzen und nach diversen (und unbedingt notwendigen) Irrungen und Wirrungen finden sie am Ende zusammen. Ja, die Story hatte durchaus mal ihren Reiz – aber halt nicht, wenn sie zum 150 mal mit wechselnden Protagonisten erzählt wird. Von Glitzervampiren oder Pseudo-erotischen Romanen will ich jetzt gar nicht erst reden.

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Ein anderes Problem sehe ich darin, dass man versucht Bücher – vor allem bei Thrillern fällt mir das vermehrt auf – als etwas auszugeben, was sie nicht sind. Man verspricht rasante Unterhaltung, promotet ein Buch mit riesigen Mitteln und am Ende liest der Käufer zwar ein im Prinzip sehr, sehr gutes Buch, an das er aber völlig andere Erwartungen hatte und weswegen der geneigte Einheitsbreileser natürlich enttäuscht ist und das Buch verreißt. So geschehen z.B. bei Gone Girl von Gillian Flynn. Ein wunderbarer, hochintelligenter Roman und eine wirklich gigantische Kampagne, die aber halt leider absolut nichts mit dem Buch zu tun hatte. Die Werbestrategie für das Buch versprach Serienmörder, viel Gewalt und Blut. Nichts davon findet man im Buch. Es wurde so promotet, dass sich der geneigte Fitze Leser (Ich führe ihn hier einfach mal als erfolgreichsten Deutschen Thriller Autoren ins Feld) angesprochen fühlt. Aber dieser Roman hat mit einem typischen Psychothriller null Komma nix zu tun, obwohl es einer der besten und raffiniertesten Romane ist, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Und das passiert einfach immer häufiger – eine gute Geschichte wird der Stempel „Thriller“ geklebt, nur damit es sich besser verkauft und am Ende sind alle enttäuscht, weil viele nur ihre Erwartungen erfüllt sehen wollen, statt offen zu sein für neue Entdeckungen.

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Also eigentlich ärgere ich mich diesbezüglich gleichermaßen über Leser und Verlage: über die Verlage, weil sie die immer gleiche Massen-Einheits-Ware produzieren und über den Leser, weil er so langweilig und fad ist, und genau das auch noch haben will.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Eigentlich gar nicht – ich teile jeden Beitrag auf meiner Facebookseite und dem zugehörigen Twitter-Account und das war’s eigentlich. Manchmal sind dann eben Autoren, Verlage oder andere Blogger so nett und teilen mich weiter, wenn ihnen gefällt, was ich mache, und darüber kommen neue Leser hinzu. Aber um ehrlich zu sein blogge ich nicht, um bekannt zu werden – auch wenn das ein wirklich netter Nebeneffekt ist. Ich mache das, weil es mir Spaß macht zu schreiben, zu erzählen und meine Meinung zu Büchern zu „Papier“ zu bringen. Und es freut mich natürlich, wenn ich damit den ein oder anderen begeistern kann.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Oh weh, da gibt es so vieles. Angefangen mit der Bettelei um Rezensionsexemplare bis hin zu Neidattacken und Intrigen gegen andere Blogger oder sogar Autoren. Aber vor allem sollte er sich selbst nicht so wichtig nehmen. Mein Rat an andere Blogger: Macht euer Ding, schaut nicht immer wie andere es machen oder wie ihr besser sein könntet als andere, sondern bloggt wie es euch Spaß macht. In erster Linie geht es doch um Bücher und nicht darum, sich selbst zu präsentieren. Oder?

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Schwierigkeiten? Mal abgesehen vom anfänglichen Reinfinden in die Technik, eigentlich keine, außer, dass es manchmal nicht ganz nette Gerüchte über einen gibt, nur weil man ein bisschen Erfolg hat. Das ist schade, denn eigentlich sollte Bloggen ein Hobby sein, das allen Spaß macht und kein Konkurrenzkampf. Aber es wird immer Leute geben, die anderen nichts gönnen können und, ich gebe zu, manchmal ärgere ich mich auch, wenn besonders unsympathische Blogger Erfolg haben, weil ich es natürlich einfach den richtig lieben und netten Menschen viel eher wünschen würde. Aber hey, man kann sich über sowas auch einfach im stillen Kämmerchen ärgern, ohne über andere öffentlich herzuziehen. Und ein bisschen „Neid“ ist, glaube ich, sehr menschlich. Daher stehe ich auch voll dazu: Wenn jemand unverdient etwas bekommt bin ich durchaus missgünstig, oder wenn sich jemand durch Lügen und Intrigen Erfolge erschleicht. Wenn sich jemand Erfolg erarbeitet oder einfach Glück gehabt hat, dann gönne ich das von Herzen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

Buchmessen, wenn einen einfach jeder erkennt. Das ist klasse, surreal und wahnsinnig witzig. Manchmal fühlt man sich schon ein bisschen wie ein kleiner Star, wenn man angesprochen wird und die Leute Fotos mit einem machen wollen. *Lach* Aber es ist vor allem schön, weil man so viele gleichgesinnte, wunderbare Menschen kennen lernen kann, die die gleiche Leidenschaft haben wie man selbst.
Im Moment z.B. steht es noch in den Sternen, ob ich nach Frankfurt fahren kann und es ist einfach schön, wenn viele Menschen darauf mit einem „Oh nein, Vero! Frankfurt ohne dich, das geht gar nicht!“ reagieren. Ich hatte keine unbedingt schöne Schulzeit, will heißen: Ich war nie sehr beliebt. Und es tut so unglaublich gut, wenn einen Menschen gern haben 🙂

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das passiert tatsächlich sehr häufig, meistens jedoch lehne ich ab, bzw. lasse – aufgrund der Menge an Mails – die Anfragen unbeantwortet. Das erscheint zwar unhöflich, aber mir fehlt einfach die Zeit auf jede Mail zu antworten und 20 Bücher in der Woche könnte ich sowieso nicht lesen. Außerdem soll Lesen Spaß machen – ich möchte lesen können was ich will und wann ich es will. Außer natürlich ich bekomme ein Buch angeboten, das sowieso ganz weit oben auf meiner Wunschliste steht. Dann freue ich mich darüber, dass ich mir gelegentlich ein paar Euro spare. Schließlich kaufe ich mindestens fünf bis sechs Bücher im Monat.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Diese Anfragen lehne ich mittlerweile, aufgrund einiger negativer Erfahrungen, generell ab. WENN ich wirklich Interesse an einem SP-Buch habe, dann kaufe ich es mir gerne, um den Autor zu unterstützen. Aber ich muss zugeben, dass tatsächlich wenig veröffentlich wird, was mich wirklich interessiert. Oder sagen wir: Es passiert selten, dass ich auf ein Buch stoße das mich anspricht, aber ich suche auch nicht gezielt danach.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Lese ich eigentlich gerne, aber leider vergesse ich meistens, dass ich auch noch eine ganze Menge ungelesener E-Books habe, weil man die einfach nicht so schön auf dem Nachttisch bzw. in meinem Fall ein Bücher-Nähmaschinen-Tisch (so ein antikes Teil, ohne Nähmaschine natürlich) präsentieren kann. Ich bin ein sehr visuell veranlagter Mensch. Alles, was ich nicht sehe, das vergesse ich einfach. Manchmal ist das wirklich lästig.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich empfehle als Blogs: Literatwo – Binea & Mr. Rail, das Bücherkaffee, …a literary passion und Buchgefieder und finde, dass die liebe Bella – von …a literary passion als noch recht junge Bloggerin hier auch zur Wort kommen sollte!

Danke sehr, Vero, ich freue mich, dass du dabei bist.

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Zuletzt stellte sich Melanie Döring mit bookrecession vor. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

 

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Ein Kommentar zu “SteglitzMind stellt Vero Nefas mit „Drei Groschen Poesie“ vor

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