„Unser Verlagsprogramm hat eine sehr klare Ausrichtung, unsere Leser wissen das zu schätzen.“ SteglitzMind stellt Sandra Thoms vom Dryas Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich sehr, dass Sandra Thoms vom Dryas Verlag heute dabei ist. Vorgeschlagen hatte das Bloggerin Nomadenseele.

Seit wann gibt es den Dyras Verlag?

Sandra Thoms © privat

Sandra Thoms © privat

Den Dryas Verlag gibt es seit 2007, er wurde in Mannheim gegründet. Nach einer Zwischenstation in Oldenburg, ist der Verlag jetzt in Frankfurt heimisch. Der Schwerpunkt des Verlags liegt auf historischen Romanen aus dem 19. Jahrhundert, besonders auf Krimis aus der Zeit von Sherlock Holmes, und auf aktueller Unterhaltung.

2010 kam der Goldfinch Verlag hinzu, der vor allem aktuelle Krimis aus Großbritannien im Stil von Agatha Christie veröffentlicht. Außerdem gibt es einige Reiseführer zu Großbritannien im Programm.

Seit 2012 gehört darüber hinaus die Edition Reiseratte zum Verlag. Bisher waren die Reisetitel Teil des Dryas Verlags, aber weil es thematisch nicht gepasst hat, habe ich mich dazu entschlossen, ein eigenes Label dafür zu gründen. In der Edition Reiseratte finden Reisefans Bücher zu speziellen Themen wie dem Reisen mit Kindern.

Wohin geht die Reise: Digital oder analog?

Bis auf die speziellen E-Book-Reihen, die wir im Programm haben, erscheinen alle Bücher aller drei Labels gedruckt und bereits seit 2007 auch als E-Book.

Machen Sie und Ihr Partner Jannis Radeleff alles alleine?

Dryas ist ein kleiner Verlag, daher arbeiten wir nur mit wenigen Mitarbeitern. Im Wesentlichen bedeutet das: eine Person pro Aufgabenbereich. Und wir arbeiten ohne festes Büro. Zwar gibt es einen Firmensitz in Frankfurt/M., aber die Mitarbeiter arbeiten dort, wo sie zu Hause sind – an der Schweizer Grenze, bei Hannover, in Berlin oder in Schleswig-Holstein.

Ihre persönlichen Highlights?

Da der Verlag wie gesagt klein ist, ist jedes Buch, das erscheint, ein Highlight. Interessant sind zwei neue Reihen, die wir in diesem Jahr gestartet haben, einmal die Baker Street Bibliothek mit dem Titel „Inspector Swanson und der Fluch des Hope Diamanten“ von Robert C. Marley. In dieser Reihe werden demnächst weitere Krimis aus dem 19. Jahrhundert im Stil von Sherlock Holmes erscheinen. Die zweite Reihe heißt „Love and Dogs“ und ist in diesem Herbst mit dem Titel „Ex & Mops“ von Tina Voß gestartet. Unter dem Namen „Love and Dogs“ erscheinen witzige Unterhaltungsromane mit Hund.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Weil ich der festen Überzeugung bin, dass Menschen Geschichten brauchen, zur Unterhaltung, zur Wissensvermittlung und zur Sozialisation. Diesen Geschichten den Weg zu ihren Lesern zu ebnen, sehe ich als die Aufgabe des Verlags – eine Tätigkeit, die vielleicht ihre Form ändern wird, aber aktuell bleiben wird.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Vor allem aus der überaus positiven Zusammenarbeit mit kreativen und engagierten Autoren.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Dryas hat von Anfang an beide Bereiche bedient, die digitale Schiene und den klassischen Print-Bereich.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Marley_Inspector_Swanson_HopeUnser Verlagsprogramm hat eine sehr klare Ausrichtung, unsere Leser wissen das zu schätzen. Außerdem setzen wir auf inhaltliche und optische Qualität. Unsere Bücher bekommen ein Lektorat und ein Korrektorat, was in großen Verlagen nicht mehr immer üblich ist und jeder Titel hat seine eigene, zum Inhalt passende Innen- und Außengestaltung, die von professionellen Grafikdesignern erstellt wird.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich würde gleich von Beginn an die unterschiedlichen Genres stärker in Vermarktung und Vertrieb trennen, so wie ich es inzwischen tue.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Derzeit sind wir nicht auf der Suche nach neuen Autoren. Bei Dryas erscheinen viele Reihen und wir arbeiten mit ausgezeichneten Autoren zusammen, das Verlagsprogramm ist somit gesichert 😉 Außerdem ist der Verlag Mitglied in unterschiedlichen Autorenverbänden, über die ich Autoren anspreche, wenn wir neue Themen besetzen wollen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wir stellen unser Programm regelmäßig Buchhandlungen vor, bei denen die Titel in das Sortiment passen. Wir arbeiten aber ebenso mit anderen Verkaufsstellen zusammen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Hier setzten wir auf eine enge und individuelle Betreuung unserer Stammkunden. Das funktioniert sehr gut und wir konnten so schon eine Reihe engagierte Buchhandlungen und Buchhandelsketten für unser Programm gewinnen. Schwierig ist die Zusammenarbeit nur bei Buchhandlungen, die ihr Sortiment auf wenige große Verlage beschränkt haben und ausschließlich deren Programm anbieten. Es ist immer schade, wenn man weder mit inhaltlichen noch mit wirtschaftlichen Argumenten Zugang findet.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wir haben keinen Direktvertrag mit Amazon, da deren Konditionen nicht tragbar waren. Wir beliefern Amazon aber über den Zwischenbuchhandel, und das funktioniert sehr gut.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Jedes unserer Bücher bekommt eine eigenen Marketingstrategie, bestehend aus Vertriebsarbeit, PR, Anzeigenschaltungen und vor allem Social Media Aktionen. Es gibt bei uns keine A, B oder C Titel, wie in den großen Verlagen, wir machen nur Bücher, von denen wir hundertprozentig überzeugt sind.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Ich bin Mitglied im Sprecherkreis kleiner und unabhängiger Verlage. Austausch und Kooperationen sind mir sehr wichtig und der Börsenverein bietet dafür eine Plattform. Allerdings steht der Börsenverein nun vor der schwierigen Aufgabe, sich zu modernisieren und den neuen Gegebenheiten der Branche anzupassen – das wird ein großes Stück Arbeit und ich hoffe, dass hierfür der richtige Weg gefunden wird.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

????????????????????Wir haben unterschiedliche Verlagsbereiche mit unterschiedlichen Zielgruppen. In der Edition Reiseratte sprechen wir Reisefans an, die sich mit speziellen Themen im Reisebereich auseinandersetzen und bieten praktische Ratgeber an. Bei Dryas liegt der Schwerpunkt auf Romantik und dem 19. Jahrhundert. So sprechen wir zum einem die Sherlock Holmes- sowie die Jane Austen-Fans an, zum anderen aber auch Leser, die nach einem langen Arbeitstag nach Guter-Laune-Unterhaltung suchen. Hier sind wir der Verlag mit Happy End. Bei Goldfinch sprechen wir Großbritannien-Fans an: alle die dem Flair der Insel, Rosamunde Pilcher und Agatha Christie erlegen sind. Für sie bieten wir spannend konstruierte Krimis, deren Schwerpunkt auf der ermittelnden Person und dem Fall liegt und nicht auf möglichst brutalen Mordmethoden und depressiven Kommissaren.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In dem eindeutigen Programmangebot.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

In der geringen Zahlungsbereitschaft vieler Leser für Buchinhalte. Während die Menschen ohne zu Zögern elf, zwölf Euro für zwei Stunden Kinoerlebnis bezahlen, halten sie den gleichen Preis für ein Buch, das ihnen im Normalfall viele Tage oder gar Wochen spannende Unterhaltung bietet, für zu hoch. Das ist ein Problem, mit dem wir zu kämpfen haben.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Die Offenheit im Umgang miteinander und den freundschaftlichen Umgangston – das ist nicht in jeder Branche so.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Informiere dich vorher gut über die Branche und deren Gepflogenheiten.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hier möchte ich zwei engagierte Kolleginnen empfehlen, Kristina Jelinski vom Ahead and Amazing Verlag aus Husum und Sonia Lauinger von Der kleine Buchverlag in Karlsruhe.

Herzlichen Dank, Sandra Thoms, für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Dryas Verlag im Netz:

Hauptseiten der Verlagsteile: www.dryas.de, www.goldfinchverlag.de, www.edition-reiseratte.de

Webseiten für Buchprojekte des Verlags: http://wildroses.dryas.de/ www.exundmops.de

Webseiten von Autoren: http://klaus.dryas.de/ http://www.huebner.dryas.de/

Und natürlich findet man den Verlag auf Facebook, Twitter, Pinterest, Lovelybooks und Youtube.

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4 Kommentare zu “„Unser Verlagsprogramm hat eine sehr klare Ausrichtung, unsere Leser wissen das zu schätzen.“ SteglitzMind stellt Sandra Thoms vom Dryas Verlag vor

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