„Es ist ein hartes Brot, im Sortiment Fuß zu fassen.“ – SteglitzMind stellt Volker Surmann vom Satyr Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich, dass wir heute etwas mehr über Volker Surmann vom Berliner Satyr Verlag erfahren. Vorgeschlagen hatte das Karsten Strack vom Poetry-Slam-Verlag Lektora.

Eine Skizze vom Verlag …

Volker Surmann © privat

Volker Surmann © privat

Satyr ist ein Independent-Verlag für Humor und Satire mit einem Schwerpunkt auf Lesebühne und Poetry Slam. Aus diesem Bereich rekrutieren wir unsere Autorinnen und Autoren. Den Verlag wird im Sommer 2015 zehn Jahre alt, seit 2011 führe ich ihn und bin zugleich einziger Mitarbeiter. Ich publiziere pro Jahr etwa 8 bis 10 Titel. Das 2014er Highlight war sicher „Holger, die Waldfee“ von Lars Ruppel. Kurz nachdem das Buch gedruckt war, wurde Lars deutscher Poetry-Slam-Meister. Inzwischen ist das Buch mit über 3500 verkauften Exemplaren in nur zwei Monaten das wahrscheinlich bestverkaufte Lyrikbuch Deutschlands.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Na ja, den Verlag gibt es seit zehn Jahren. Wieso es ein Verlag sein musste, kann nur der Gründer beantworten. Ich kann nur sagen, wieso ich ihn 2011 übernommen habe. Zu dem Zeitpunkt war ich als Lektor für Satyr tätig und ich war überzeugt, die richtigen Weichenstellungen vorgenommen zu haben, Satyr in schwarze Zahlen zu führen. Deshalb war ich so mutig (oder verrückt), den Verlag zu übernehmen, als die vorigen Eigentümer ihn nicht weiterführen wollten. Und Tatsache: Ich hab auf die richtigen Schwerpunkte und Autoren gesetzt. Satyr geht es gut und ich kann vom Verlegen, zumindest zum Teil, auch leben.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Aus der Begeisterung für gute Stoffe und tolle Autorinnen und Autoren.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Na ja, ich sehe die anderen Kleinverlage ja gar nicht als Konkurrenz an, der Umgang ist eher familiär, wir arbeiten an vielen Stellen zusammen, z.B. bei Vorschau-Aussendungen usw. Was Kleinverlage immer besser machen als Major-Verlage ist, dass sie viel näher am Autor sind und dieser viel mehr Einfluss auf das Produkt hat als in einem Majorverlag, wo es in zig Abteilungen zig Bedenkenträger gibt. Das ist das größte Pfund, mit dem wir wuchern können: die Autorenbetreuung.

Wie gewinnen Sie Autoren?

satyr_Ruppel_ 72In der Regel kommen alle Satyr-Autorinnen und -autoren aus dem Umfeld der Lesebühnen- und Poetry-Slam-Szene. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Ich habe einen kleinen, externen Vertrieb dazwischengeschaltet, der sich um alle Vertriebsaufgaben kümmert, und dafür sorgt, dass Vertreter, Barsortimente, Verlagsauslieferung, E-Book-Distribution usw. mit allem versorgt sind, was sie brauchen. Diese Lösung erspart mir, dafür noch jemanden einzustellen. Ich selbst würde das nicht noch zusätzlich schaffen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Es ist ein hartes Brot, im Sortiment Fuß zu fassen. Leider. Ab 2015 habe ich erstmals das ganze Bundesgebiet durch Vertreter abgedeckt. Mal sehen, was das bringt. Im Sortiment wünsche ich mir manchmal mehr Offenheit gegenüber den unabhängigen Verlagen. Aber am Ende landen doch nur wieder die Major-Verlage auf dem Neuerscheinungsstapel … Und die Filialisten zu knacken wird für unabhängige Verlage immer schwieriger. Zentraleinkäufer sind oftmals Leute, die nicht ein Fünkchen Interesse an Literatur haben, das sind oft BWL-Fachidioten, für die Bücher nur eine Ware sind.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Amazon ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen ist es, vorsichtig gesagt, etwas „demokratischer“, da fast alle Bücher – egal ob aus großem oder kleinem Verlag – erst einmal gleichberechtigt an den Start gehen und kein Buchhändler, kein Zentraleinkäufer darüber entscheidet, welches Buch er einkauft, auf Stapel legt oder nicht. Das ist für uns Kleinverlage gut. Die Händlerkonditionen sind allerdings ziemlich beschissen, die von Amazon angestrebte Zentralisierung des E-Book-Marktes ist sehr kritisch zu sehen. Mir ist also jeder Sortimenter, der Satyr-Bücher verkauft, lieber als Amazon!

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Klassische Pressearbeit plus Social-Media-Präsenz, hier und da in Fanzines und Slam-Zeitschriften kleinere Anzeigen. Aber das Budget für solche Dinge ist klein, leider.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind Mitglied.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Ich mache Bücher für alle Menschen, die Humor, Satire, Poetry Slam und Lesebühne lieben. Das ist meine Zielgruppe.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In eben dieser Zielgruppe.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

das Logo © Satyr Verlag

das Logo © Satyr Verlag

Dass der Buchhandel weiter einbricht und sich noch stärker zentralisiert.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Die Unabhängigkeit, die Nähe zu den Autorinnen und Autoren und der Zusammenhalt unter den Indie-Verlagen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Es nicht zu tun. Man braucht unheimlich langen Atem und ein großes Maß an Frustrationstoleranz.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Alle Kolleginnen und Kollegen, die sich in der Kurt-Wolff-Stiftung für unabhängige Verlage zusammengeschlossen haben, sowie Unsichtbar-Verlag, Blaulicht-Verlag, gONZo-Verlag usw.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Satyr Verlag im Netz:

Homepage: www.satyr-verlag.de

Onlineshop: http://www.vertriebscentrum.de/shop/

Vorschau: http://issuu.com/satyrverlag/docs/vp2015_fr__hjahr_web/1?e=10089203/10448203

 

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3 Kommentare zu “„Es ist ein hartes Brot, im Sortiment Fuß zu fassen.“ – SteglitzMind stellt Volker Surmann vom Satyr Verlag vor

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