„Wir haben uns ja zunächst nur sehr allmählich vom Lesungsveranstalter zum Verlag entwickelt.“ – SteglitzMind stellt Daniel Beskos vom mairisch Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Daniel Beskos vom mairisch Verlag Rede und Antwort. Vorgeschlagen haben das Zoë Beck und Jan Karsten, die CulturBooks verantworten, und Katharina Picandet von der Edition Nautilus. – Der Indiebookday, der seit 2013 alljährlich im März stattfindet, ist übrigens eine Erfindung von mairisch.

Eine Skizze vom Verlag…

Daniel Beskos und Peter Reichenbach © Andreas Hornoff

Daniel Beskos und Peter Reichenbach © Andreas Hornoff

mairisch ist ein Independent-Verlag mit Sitz in Hamburg. 1999 gegründet, ist der Verlag seit 2005 im Buchhandel vertreten. Ob Roman, Erzählband, Hörspiel oder Musik: Wir veröffentlichen nur, was uns am Herzen liegt – und legen dabei Wert auf hochwertige Gestaltung, gründliches Lektorat und eine langfristige, freundschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Autoren und Musikern. Dabei wird der „kleinen Form“ der Erzählung ebenso viel Aufmerksamkeit geschenkt wie dem Roman. Autoren wie Finn-Ole Heinrich, Michael Weins, Benjamin Maack, Donata Rigg, Dorian Steinhoff und Lisa Kreißler zählen zu den aufregenden Stimmen der jungen Gegenwartsliteratur. Weitere Schwerpunkte liegen in der freien Hörspielszene, aber wir veröffentlichen auch Musik (u.a. die Alben von Spaceman Spiff) und Sachbücher (z.B. „Die Philosophie des Radfahrens“). Wir veröffentlichen bewusst nur sehr wenige Titel pro Jahr, um diesen mehr Aufmerksamkeit und Energie widmen zu können. Unser Team besteht derzeit aus 6 Mitarbeitern, 2 davon Vollzeit, dazu kommen freie Gestalter, Fotografen, Musiker, Korrektoren und Vertreter.

Wo geht die Reise hin: analog oder digital?

Bei den meisten unserer Print-Ausgaben liegt inzwischen ein kostenloser Download-Code für die E-Book-Version bei.

Ihre Highlights im Bücherjahr?

Unsere Highlights aus den aktuellen Jahr sind sicher Florian Wacker „Albuquerque“, „Die Philosophie des Kletterns“ sowie das kommende großartige Buch von Michael Weins, „Sie träumt von Pferden“ – 12 Geschichten mit Tieren, illustriert von Katharina Gschwendtner.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

mairisch_cover Florian WackerDen Verlag haben wir damals schon als Schüler gegründet – ohne konkreten Plan, ohne Berufsplanungen, aber mit dem festen Glauben, dass es angemessenere Formen der Literaturvermittlung gibt als diejenigen, die wir damals vorgefunden haben. Grundlagen hatten wir keine, wir haben alles auf dem Weg hierher gelernt – also ganz klassisch Do it yourself.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Ich glaube, zu sehen, wie man selbstbestimmt mit der eigenen Kreativität großartige Dinge ins Leben rufen kann, und dann auch noch mit tollen Leuten daran zu arbeiten, motiviert uns am meisten. Und natürlich der Abwechslungsreichtum der Arbeit – wir versuchen auch, jedes Jahr etwas zu machen, was wir noch nie gemacht haben.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Die Kommunikation, intern wie nach außen, ist viel einfacher geworden. Und die Produkte selbst, also die Bücher, sind bei uns im Laufe der Zeit aber vor allem schöner geworden, was sicher auch mit der wachsenden Konkurrenz durch die digitalen Angebote zusammenhängt. Denn wenn schon gedruckte Bücher, dann ausgewählte und schöne. Und durch die E-Books hat sich uns ein weiterer Kanal eröffnet. Wobei wir da den Schwerpunkt weiterhin eher aufs Buch legen – reine E-Book-Veröffentlichungen gibt es bei uns bislang noch nicht.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich glaube, die Arbeit der meisten Printverlage ähnelt sich. Die Indies haben da vielleicht eher die Möglichkeit, hin und wieder etwas freier zu denken. Und etwas wilder zu sein.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Die Startphase überspringen, haha. Wir haben uns ja zunächst nur sehr allmählich vom Lesungsveranstalter zum Verlag entwickelt. Wobei ich die vielen netten Bekannschaften und die Nächte im Schlafsack auf diversen Wohnzimmerböden des Landes auch nicht missen möchte. Wir haben viel gelernt auf diesem Weg.

Wie gewinnen Sie Autoren?

mairisch cover_Philosophie des KletternsMit Qualität, Sorgfalt und Rundumbetreuung. Und oft auch mit Freundschaft.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Bücher verkaufen wir – nicht zuletzt durch die Hilfe unserer Vertreterinnen und der Presse – über den Buchhandel, außerdem über unsere Webseite und auf Veranstaltungen. Also ganz klassisch. Und unsere E-Books liefern die wirklich sehr empfehlenswerten Bookwire aus.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Es wird von Jahr zu Jahr besser UND schlechter. Besser, weil wir es doch schaffen, von mehr und mehr Buchhändlern wahrgenommen zu werden. Schlechter, weil deren wirtschaftliche Bedingungen oftmals schwieriger werden und sie viel weniger Bücher einkaufen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wie unsere Kollegen von CulturBooks schon sagten: Dort findet man uns genauso wie sonst auch überall. Ansonsten überlassen wir es jedem selbst, wo er seine Bücher kauft. Zum Glück gibt es ja einige sehr schöne Möglichkeiten.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wir kommen aus dem Punk, Marketing ist kein Wort, das wir benutzen. Wir pflegen Buchhandels- und Pressekontakte, schreiben Newsletter, haben Accounts bei Facebook und Twitter. Und ein paar gute Ideen, wie z.B. den Indiebookday.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

mairisch_coverSie träumt v PferdenIch denke, die meisten unserer Käufer sind Literaturinteressierte zwischen 18 und 50, die auch gerne mal über den Tellerrand schauen von dem, was Literatur alles sein kann. Denn manchmal kann sie ja auch ein Hörspiel oder ein Songtext sein.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Was ich an der unabhängigen Kulturszene allgemein schätze: Die Wandelbarkeit, den Optimismus, das Tempo und die Inhalte.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Es gibt mehr als genug Bücher. Es wäre also schön, wenn neue Verlage auch wirklich neue Inhalte bringen würden, anstatt den Berg der überflüssigen immer gleichen Titel nur zu vergrößern. Und z.B. als E-Book-Verlag kann man ja erstmal ausprobieren, wie sich das Ganze anfühlt und ob wirklich alles gedruckt werden muss.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Na, allen voran unsere Freunde von Binooki und Voland & Quist. Die sind einfach rundum toll. Die Hörcompany in Hamburg macht tolle Hörbücher. Reprodukt die besten Graphic Novels, und in der Boutique minimore.de gibt’s feine E-Books.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der mairisch Verlag im Netz:

Unsere Webseite: http://www.mairisch.de/ – dort kann man in das meiste auch reinlesen und reinhören.

Viele längere Beiträge gibt es in unserem Blog, u.a. Serien über Verlagsneugründungen, Lieblingsbuchhandlungen und darüber, was ein Verlag eigentlich macht: http://blog.mairisch.de/

Facebook: https://www.facebook.com/mairischVerlag

Twitter: https://twitter.com/mairischverlag

Unsere Vorschauen gebündelt: http://issuu.com/mairisch

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„Ich bezweifle, dass ein Verlag wie die Nautilus heute so entstehen könnte.“ – SteglitzMind stellt Katharina Picandet von der Edition Nautilus vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Katharina Picandet von der Edition Nautilus Rede und Antwort. Vorgeschlagen haben das Zoë Beck und Jan Karsten (CulturBooks), Claudia Gehrke (konkursbuch Verlag) und Ingo Držečnik (Elfenbein Verlag).

 Eine Skizze vom Verlag …

Das Team v.l.n.r.: Katharina Florian, Hanna Mittelstädt, Klaus Voß, Katharina Picandet, Franziska Otto © Marie Tabuena

Das Team v.l.n.r.: Katharina Florian, Hanna Mittelstädt, Klaus Voß, Katharina Picandet, Franziska Otto © Marie Tabuena

Die Edition Nautilus hat 2014 ihr 40-jähriges Jubiläum gefeiert – am 1. April 1974 wurde sie ins Handelsregister eingetragen. Verlagssitz war immer Hamburg, 35 Jahre lang im Vorort Hamburg-Bergedorf, seit Ende 2008 in Bahrenfeld im Hamburger Westen.

Über ihr politisches Engagement sind Hanna Mittelstädt, Lutz Schulenburg und Pierre Gallissaires vor gut 40 Jahren mehr zufällig als absichtsvoll in die Verlegerei hineingerutscht: zunächst durch die Herausgabe einer Zeitschrift und diverser Flugschriften unter dem Label MAD-Verlag, der sich nach einer Klage des gleichnamigen Satireblatts in Edition Nautilus umbenannte. Seit dem unerwarteten Tod von Lutz Schulenburg im Mai 2013 führt der fünfköpfige Rest der Crew unter der ersten Steuerfrau Hanna Mittelstädt die Nautilus weiter durchs Büchermeer. Zum 1. April 2015, nach 41 Jahren, wandeln wir den Verlag in eine Mitarbeiter-GmbH um, mit dem Hersteller Klaus Voß, der Pressefrau Katharina Florian, der Vertriebsfrau Franziska Otto und Katharina Picandet, also mir, im Lektorat – und mit Hanna Mittelstädt als Elder Stateswoman und Ratgeberin.

Die Programmschwerpunkte?

»Ein Gedicht kann genauso revolutionär sein wie ein theoretischer Text.« Diese Devise hat das Programm der Edition Nautilus von Anfang an geprägt. Wir verlegen Schriften von Anarchisten und Situationisten, diese Themen sind bis heute profilgebend fürs Programm. Außerdem veröffentlichen wir Biografien und Autobiografien »gegen die Zeit«, von libertären, widerständigen Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Wir haben eine internationale Belletristiksparte, ein renommiertes Krimiprogramm, politische Sachbücher, die Flugschriftenreihe mit Beiträgen und Manifesten zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten sowie die Kleine Bücherei für Hand und Kopf mit Texten von Künstlern und über sie. Wir decken also gewissermaßen als Riesenzwerge die Bandbreite eines großen Publikumsverlags ab, aber mit fünf Leuten und knapp 20 Titeln im Jahr. Für unser Programm wurden wir 2004 mit dem Kurt-Wolff-Preis ausgezeichnet, außerdem bekamen wir bereits zweimal den Verlagspreis der Freien und Hansestadt Hamburg.

Wohin geht die Reise: analog oder digital?

Wir haben im Laufe der Zeit fast 900 Titel publiziert, davon sind immerhin gut 350 noch lieferbar. Seit etwa fünf Jahren publizieren wir fast jede Neuerscheinung sowohl als Printbuch als auch als ebook und geben sukzessive auch ausgewählte Belletristik-Titel unserer Backlist als ebooks heraus.

Ihr Highlight im Bücherjahr?

Mein persönliches Highlight im Bücherjahr – das ist eine schwere Wahl, aber im Frühjahr macht für mich wohl Alle Pferde des Königs von Michèle Bernstein das Rennen: ein Skandalroman, Persiflage und Liebesroman zugleich, 1960 von Bernstein, der ersten Frau von Guy Debord, geschrieben und ein großer Erfolg, und nun zum ersten Mal auf Deutsch zu haben!

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Musste es ja gar nicht! In einem Rückblick von 1975 auf die allerersten Verlagsanfänge schrieb Lutz Schulenburg: »Als wir 1971 mit der Produktion des ersten Heftes der Zeitschrift MaD begannen, dachten wir nicht im Entferntesten daran, dass sich hieraus ein Verlag entwickeln sollte. Die Zeitschrift MaD [Materialien, Analysen, Dokumente] sollte den Antiautoritären Material in der Auseinandersetzung mit den diversen Strömungen des autoritären Sozialismus liefern und andererseits zu deren Programmfindung beitragen.« Im Laufe der Zeit kam die Professionalisierung eher von selbst – bei den jüngeren Mitarbeiterinnen allerdings war die Arbeit in einem Verlag schon Berufswunsch.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Das ist eine einfache Frage: Aus der Freude, die die Arbeit mit interessanten und interessierten Autoren immer wieder bringt, aus dem Austausch von Ideen, aus der Möglichkeit, wichtige Ideen und Texte öffentlich zu machen und so zu gesellschaftlichen Debatten beizutragen, aus der ständigen Erweiterung des Horizonts durch jedes neue Buch! In der modernen Arbeitswelt kann man unser Verlagskollektiv auch gar nicht hoch genug schätzen – ein Raum, wo sehr verschiedene Charaktere, die freundschaftlich verbunden sind, auf Tätigkeitsfeldern arbeiten, die ineinandergreifen, die kreativ etwas schaffen, mit genügend Freiraum für die eigene Persönlichkeit. Und nicht zuletzt auch die Befriedigung, die einen doch jedes Mal wieder ergreift, wenn ein neuer Titel endlich aus der Druckerei kommt, eine so schöne Frucht der Arbeit der letzten Monate.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Was die Produktion betrifft: Wir machen ebooks zusätzlich zu unseren Printausgaben, zuweilen drucken wir auch vergriffene Titel nicht nach, behalten sie aber als ebook – dadurch hat sich unsere Arbeitsweise oder Ausrichtung aber nicht verändert. Was die PR betrifft: Wir nutzen Facebook und Social Media, aber bisher nicht in einem Ausmaß, dass sich unsere Arbeitsweise dadurch wirklich verändert hätte.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wie alle Independent-Verlage kochen wir auch nur mit Wasser, angesichts eines quasi nichtexistenten Werbebudgets können wir nur mit Bordmitteln arbeiten. Wir legen Wert auf inhaltliche Qualität und lassen unsere Bücher für sich sprechen; ansonsten machen wir engagierte und kleinteilige persönliche Presse- und Vertriebsarbeit. Gegenüber der Konkurrenz positionieren wir uns durch die Besetzung der Nische: libertäre, anarchistische, widerständige Sachbücher und welthaltige, innovative Belletristik. Allerdings greifen die großen Verlage inzwischen oft auch nach dieser Nische, wenn z.B. David Graeber für die großen Häuser plötzlich interessant wird.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Nichts! Allerdings bezweifle ich, dass ein Verlag wie die Nautilus heute so entstehen könnte. Ich denke, dass das politisch-intellektuelle Umfeld der Siebziger Jahre doch sehr begünstigend war.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Deutschsprachige Autoren finden wir durch Empfehlungen anderer Autoren oder von Freunden des Verlags, auch durch Agenturen, und ab und zu auch mal in einer unverlangten Manuskripteinsendung. Besonders im Sachbuch gehen wir auch auf Autoren zu, die interessante Beiträge oder Features in Zeitungen, Zeitschriften und Radio geschrieben haben. Wir haben auch Literaturzeitschriften und Veranstaltungsreihen mit Lesungen aus Manuskripten im Auge. Für Lizenzen aus anderen Ländern arbeiten wir mit Agenturen und befreundeten Verlagen mit ähnlichen Programmen im Ausland zusammen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wir haben mit fünf anderen Verlagen mit ähnlichen Programmsegmenten die Buchkooperative Konterbande gegründet, mit einem Exklusiv-Vertreter, Christian Geschke aus Leipzig, der für uns den Buchhandel in fast ganz Deutschland bereist, nur in Baden-Württemberg reist noch der „klassische“ Buchhandelsvertreter Tilmann Eberhardt für uns. Christian Geschke war lange Banker und ist ein Quereinsteiger im Buchgeschäft, er kommt bei den Buchhändlern gut an. Trotzdem ist natürlich die Anzahl der Besuchskunden in diesem Gebiet nicht zu vergleichen mit der bei einem alten Vertretermodell, sodass wir auch vom Verlag aus viel persönliche Kontaktpflege zum Buchhandel betreiben.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Wir legen viel Wert auf persönlichen Kontakt und regelmäßigen Austausch mit den Kollegen im Buchhandel. Über Gespräche, Besuche und gemeinsame Veranstaltungen wie Verlagsabende und Lesungen bekommen wir ein Gefühl dafür, was im Handel gewünscht wird und was auch bei den Kunden gut ankommt, sodass wir dann zum Beispiel gezielt Leseexemplare verschicken können. Eine recht kleinteilige Arbeit, aber wir machen die Erfahrung, dass dieser persönliche Kontakt auch Buchhändler, die sonst nicht als erstes die Nautilus-Vorschau in die Hand nehmen, auf unser Programm und einzelne Titel aufmerksam werden lässt. Wir bemühen uns zudem, auch die Kollegen in den Filialen der „Großen“ persönlich anzusprechen, die ja nicht von den Vertretern betreut werden.

Außerdem schnüren wir mit der „Konterbande“ regelmäßig Aktionspakete unserer Spitzentitel mit Sonderkonditionen, die dem Handel die Auswahl erleichtern. In diesem Frühjahr haben wir zudem ein Schaufenster-Paket zu unserer Flugschriften-Reihe zusammengestellt, um – angezogen von zwei starken Neuerscheinungen – auch die Backlist noch einmal sichtbar zu machen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wir waren einige Jahre lang Amazon-Advantage-Kunde, d.h. wir hatten einen direkten Vertrag mit Amazon und haben zu den bekannten ungünstigen Konditionen über Amazon Bücher verkauft. Wir haben damit aber auch fast ein Drittel unseres damaligen Umsatzes gemacht. Aus ideologischen und moralischen Gründen haben wir diesen Vertrag letztes Jahr wieder gekündigt, bisher wurde der Umsatz aber noch nicht über das Barsortiment wieder eingefahren. Allerdings hat Amazon auch nach der Kündigung weiterhin alle unsere Titel als lieferbar geführt, entsprechende Gerüchte, dass man für die Kündigung abgestraft würde, können wir nicht bestätigen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wir haben nur ein sehr begrenztes Budget für echte Anzeigen, die wir nur ganz gezielt für einzelne Titel in ausgesuchten Medien platzieren. Wir versuchen, die Öffentlichkeit über eine intensive Pressearbeit zu erreichen und organisieren außerdem verhältnismäßig aufwändige Lesereisen unserer Autoren, auch der ausländischen. Zwar schlägt sich das nicht immer unmittelbar in den Verkäufen nieder, eher gibt es eine erschütternd hohe Remissionsquote, aber es gibt oft doch wieder Presseaufmerksamkeit und eben gute Kontakte zum Buchhandel. Und wir geben uns viel Mühe mit Werbemitteln und kleineren PR-Aktionen. Außerdem unterstützen wir den Indiebook-Day im März.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind Mitglied im Börsenverein und schätzen seine Arbeit; das Börsenblatt ist wichtige Informationsquelle. Wir nutzen auch immer wieder die Rechtsberatung und gelegentlich die angebotenen Seminare.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Ja, wie schon gesagt: Unsere »Marke« sind libertäre, anarchistische, widerständige Sachbücher und welthaltige, innovative Belletristik. »Zielgruppen, die es wirklich gibt«, dieses Ratespiel ist auch bei den Programmkonferenzen immer sehr beliebt. Wir machen da keine Erhebungen, aus dem Bauch heraus geschätzt und wie auf Messen und Verlagspräsentationen erlebt, würde ich sagen, im Sachbuch ist unser Publikum eher jung, 20-45, engagiert bis aktivistisch, ziemlich belesen bis akademisch gebildet, umfassend interessiert an gesellschaftlichen Alternativen, eher an einer Änderung der Verhältnisse interessiert als an einem bloßen Zetern darüber oder gar an einem möglichst geschmeidigen Einrichten in den Verhältnissen. Und so kann man wohl auch das Programm charakterisieren!

In der Belletristik habe ich mehr Schwierigkeiten, die Leser einheitlich zu fassen, sicherlich ist die Zielgruppe für Abbas Khider eine andere als die für Gail Jones, auch wenn es zweifellos Überschneidungen gibt. Wir machen eben das Ungewöhnliche für Leute mit Entdeckerlust!

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In unserer Mischung aus Sturheit und Anpassungsfähigkeit! Wir haben eine lange, solide und anerkannte Tradition, für die wir bekannt sind und die man an uns schätzt, das ist unser Profil. Der Verlag hat sich aber nie eine Zensur aufgelegt, ist immer offen und neugierig geblieben für gesellschaftliche Veränderungen und neue Ideen, das ist ja gerade bei politischen Verlagen nicht immer der Fall. Um unseren frühen Autor Thorwald Proll zu zitieren: »Jetzt [und immer schon] kommt es darauf an, in der geballten Faust nicht das Fingerspitzengefühl zu verlieren«!

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Vor allem die dünne Kapitaldecke, die mehr als eine Fehleinschätzung pro Programm nicht erlaubt, und eigentlich auch nicht einmal das… Wir sind für Gönner und Förderer immer offen!

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Die inhaltliche Qualität, wie sie sich sehr gut in den Katalogen der Kurt-Wolff-Stiftung zeigt. Und den freundschaftlichen Austausch über die ökonomische Konkurrenz hinweg, die es erlaubt, auch zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Nur Mut, aber Frustrationstoleranz und Idealismus sind unabdingbar.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da gibt es viele! Der A1 Verlag und die edition fünf, Assoziation A und Transit etwa sind mit uns in der Buchkooperation Konterbande; tolle Verlage sind aber auch mairisch, Verbrecherverlag, den Jörg Sundermeier hier bereits vorstellte, Orange Press, Supposé, Argument Verlag… und noch mehr, die Liste ließe sich fortsetzen, schauen Sie mal in die Mitgliederliste der Kurt-Wolff-Stiftung!

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Die Edition Nautilus im Netz:

Die Homepage findet man unter www.edition-nautilus.de

Die Buchkooperative Konterbande präsentiert sich unter www.buchkoop.de

“Wir liefern an alle Buchhändler.“ SteglitzMind stellt Peter Trier von Litradukt vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Peter Trier vom Litradukt-Verlag Rede und Antwort. Den Vorschlag haben Zoë Beck und Jan Karsten gemacht, die CulturBooks verantworten.

Eine Skizze vom Verlag …

Gegründet 2006 in Münster von mir, Peter Trier, erste Bücher 2007 erschienen. 2008 in Kehl von meiner Frau Manuela Zeilinger-Trier übernommen, seit 2012 in Trier ansässig (wir heißen zufällig nach der Stadt, in der wir jetzt wohnen). Veröffentlichung ursprünglich im On-Demand-Verfahren, jetzt im Auflagendruck. Keine angestellten Mitarbeiter, aber Zusammenarbeit mit freiberuflichen Übersetzerinnen (bisher waren es nur Frauen), einem freiberuflichen Grafiker sowie der PR-Agentur Schwindkommunikation, Berlin. Bisher nur ein Buch digital erhältlich (Vergabe einer Lizenz an Culturbooks).

litradukt_cover_novi 2015Ihre Programmschwerpunkte?

Wir sind ein Verlag für Literatur aus der Karibik, der Schwerpunkt liegt auf haitianischen Autorinnen und Autoren. Für 2015 geplant: Der Zwang des Unvollendeten (La contrainte de l’inachevé) von Anthony Phelps und Soro, nach Schweinezeiten der zweite Voodoo-Krimi von Gary Victor. Derzeit acht Titel lieferbar (Gary Victor: Schweinezeiten, Kettly Mars: Wilde Zeiten, Fado, Vor dem Verdursten, Emmelie Prophète: Das Testament der Einsamen, Lyonel Trouillot: Jahrestag, Maryse Condé: Victoire, Georges Anglade: Das Lachen Haitis). Wir sind also wirklich ein Klein- oder eher Kleinstverlag.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Ich habe keine andere Möglichkeit gesehen, die Bücher zu übersetzen und herauszubringen, die mir am Herzen lagen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Das Übersetzen von Literatur, der Kontakt mit Autoren und Lesern, das ist einfach interessant und erfüllend.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Nein.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir hatten einfach nur das Glück, auf hervorragende Autoren zu stoßen, die im deutschsprachigen Raum praktisch unbekannt waren und die uns ihr Vertrauen geschenkt haben.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Von Anfang an im Auflagendruck publizieren, den Programmbereich enger fassen. Ursprünglich sollte das Programm außer der Karibik auch Afrika umfassen, das war ein zu weites Feld für einen so kleinen Verlag.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Wir kontaktieren die Autoren der Bücher, die uns am besten gefallen (da wir nur übersetzte Bücher herausbringen, sind die Werke ja schon erschienen). Oft kommt der Kontakt auf Empfehlung anderer Autoren zustande.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Zusammenarbeit mit einer Auslieferung.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

litradukt_Cover_Schweinezeiten jpgUnser größtes Problem. Obwohl wir dank einer sehr fähigen PR-Agentur von Anfang an ein gutes Presseecho hatten, wurden die Bücher außer von einigen Buchhandlungen mit Schwerpunkt auf ‚exotischer‘ Literatur fast nur auf Kundenbestellung geordert. Leser berichteten oft, sie hätten in der Buchhandlung die Auskunft erhalten, das Buch sei nicht lieferbar, obwohl es im VLB gelistet war. (Hier ein Dank an alle Leser, die hartnäckig genug waren, uns daraufhin zu kontaktieren.) Das ist besser geworden, seit wir auch bei Barsortimenten gelistet sind. Wir hoffen, dass wir unsere Präsenz im Buchhandel weiter verbessern können, auch mit Hilfe des Verlagsvertreters, mit dem wir künftig zusammenarbeiten werden.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wir liefern an alle Buchhändler.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Hauptsächlich klassische Pressearbeit und Infomails an interessierte Leser. So oft wie möglich veranstalten wir Lesungen, die nächsten im Mai 2015 mit Anthony Phelps in Berlin, München, Bremen und Köln.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Bisher kein Mitglied.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Literaturliebhaber mit Interesse an fremden Kulturen. Menschen, die sich der Karibik, speziell Haiti, verbunden fühlen.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Gesteigertes Interesse an Haiti und seiner Kultur. Aus leider traurigem Anlass, dem Erdbeben von 2010, ist das schon einmal geschehen. Schönere Szenarien: Einer unserer Autoren erhält den Nobelpreis oder wird zum karibischen Vaclav Havel, Haiti ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse …

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

litradukt_cover_Wilde-ZeitenUnsere Autoren werden so populär, dass sie uns von den großen Verlagen ausgespannt werden (vermutlich ebenso realistisch wie die Szenarien der letzten Frage).

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Die Möglichkeit, Autoren und Werke nach eigenem Geschmack auszuwählen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Je amateurhafter und unerfahrener man selber ist, desto professionellere und erfahrenere Partner sollte man sich suchen. Vorsicht vor allem vor unseriösen Auslieferungen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Liebeskind, München hat ein interessantes Programm. Und Sie sollten auch einmal den Draupadi-Verlag, die Edition Fünf oder den Hanani-Verlag zu Wort kommen lassen.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Signet © litradukt

Signet © litradukt

Litradukt im Netz:

Die Homepage

Eine Auswahl kurzer Pressestimmen zu den Büchern

„.Ich habe oft den Eindruck, dass dem deutschen Buchhandel nichts ferner liegt, als Bücher zu verkaufen.“ – SteglitzMind stellt Joachim Körber von der Edition Phantasia vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über Joachim Körber und die Edition Phantasia, dem dienstältesten Kleinverlag im Lande. Vorgeschlagen hatte das Steffen Janssen vom Luzifer Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Joachim Körber © Hannelore Körber

Joachim Körber © Hannelore Körber

Die Edition Phantasia wurde 1984 auf Betreiben des Phantastik-Enthusiasten Joachim Körber gegründet, der sich, um das finanzielle Risiko etwas abzufedern, zwei Freunde – Thomas Bürk und Uli Kohnle – als Mitstreiter mit ins Boot holte. Bürk schied 1993 aus dem Verlag aus, Kohnle 2009, seither betreibt Körber den Verlag als alleiniger Inhaber. Die Edition Phantasia wurde ursprünglich mit dem Ziel gegründet, phantastische Literatur, die in den 1980er Jahren noch weitgehend ein Schattendasein im Taschenbuch fristete, in gediegenen, gebundenen, limitierten, oft illustrierten und handsignierten Ausgaben auf den Markt zu bringen. Vorbild waren dabei amerikanische Kleinverlage wie Underwood-Miller.

Die Programmschwerpunkte?

2004 wurde das Verlagsprogramm um eine Paperback-Sektion erweitert, 2008 um ein neues Hardcover-Imprint namens „kuk“, in dem auch Bücher außerhalb der Phantastik erscheinen. Aktuell sind rund 110 Titel lieferbar – rein analog, E-Books erscheinen in der Edition Phantasia selbst nicht, allerdings werden von ausgewählten Titeln E-Book-Lizenzen vergeben.

Die Highlights im letzten Jahr?

Die Highlights des vergangenen Jahres waren die Veröffentlichung des Romans „Amerika-Plakate“ des jungen Autors Richard Lorenz (sein Erstling), eine wunderbar melancholische Geschichte, und die Entdeckung von Harry Stephen Keeler für das deutsche Publikum, ein lange vergessener, höchst ungewöhnlicher Autor.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Die einfachste Antwort darauf ist: Weil ich Bücher liebe. Ich war seit frühester Kindheit, seit ich lesen gelernt habe, eine Leseratte. Ich denke, man kennt den Lebenslauf: Nie ein nennenswert guter Sportler, immer ein wenig ein Außenseiter, in jeder freien Minute die Nase in einem Buch. Ich habe früh eine Liebe zur phantastischen Literatur entwickelt, Science Fiction, Fantasy, Horror und irgendwann, als ich dann alt genug war, feststellen müssen, dass sie meist in eher lieblos gemachten Taschenbuchausgaben erschien. Das war die Zeit, als auch in den USA die ersten Kleinverlage mit limitierten, edel ausgestatteten Vorzugsausgaben an den Start gingen, und das schien mir ein gangbarer Weg zu sein, und so habe ich die Edition Phantasia gegründet, die heute, einunddreißig Jahre später, der dienstälteste Kleinverlag des Landes ist.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Aus den oben bereits genannten Gründen: In erster Linie ist es die Liebe zur Literatur, die mich weitermachen lässt. Es gibt nach wie vor wunderbare Bücher, die kein großer Verlag anpackt, weil man ihnen kein kommerzielles Potenzial beimisst. Das finde ich schade, denn so entgehen dem deutschen Publikum doch immer wieder Juwelen, die eine gewisse Aufmerksamkeit verdient hätten. Ich denke, die Edition Phantasia hat sich im Lauf der Jahre ein zwar kleines, aber sehr feines und treues Publikum von Phantastik- und Literatur-Enthusiasten generell erobert, und der Zuspruch, den ich von diesem Publikum bekomme, ist mir bei jedem neuen Buch ein erneuter Ansporn. Und solange ich genügend Leser finde, die meine Begeisterung für bestimmte Autoren oder Werke teilen, solange mache ich Bücher.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Das kommt ganz darauf an, was man unter „Digitalisierung“ versteht. Falls E-Books gemeint sind, muss ich sagen, dass sie für mich gar nichts verändert haben. Ich halte sie auf vielen Gründen, die zu erläutern hier zu weit führen würde, für einen Irrweg und mache selbst keine, weil ich auch glaube, dass sie nicht ins Profil des Verlages passen würden, allerdings vergebe ich zugegebenermaßen hin und wieder E-Book-Lizenzen an andere Kleinverlage, die sich teils auch ausschließlich auf E-Books spezialisiert haben.

edition phantasia_amerikaplakateWas Digitalisierung in buchherstellerischen Bereichen angeht, wie zum Beispiel Fotosatz, Layout, Covergestaltung usw. … da hat die Digitalisierung in der Tat die Welt verändert. Heute hat man als kleiner Verlag die Möglichkeit, bis zur Druckstufe praktisch alles hausintern zu machen, und das tue ich … ich mache den Satz meiner Titel selbst, gestalte die Umschläge weitgehend allein, usw. Früher musste man damit außer Haus gehen, in Setzereien, zu Grafikern und was nicht allem. Das hat ein Heidengeld gekostet und war umständlich: Man hat die Übersetzung des Buches mit der Maschine getippt, auf Papier zum Lektorat geschickt, das handschriftlich Korrekturen vorgenommen hat, das korrigierte Manuskript wurde zum Setzer geschickt, der es noch mal abgetippt und dabei nicht selten interessante neue Fehler reingemacht hat, dann wurde das alles auf Papier mehrfach zur Korrektur herumgeschickt, usw. Ich weiß nicht, wie oft ich früher mit dem Auto zu Setzereien, Druckereien, Buchbindereien gefahren bin – heute passiert alles am Bildschirm und ich muss das Haus gar nicht mehr verlassen. In dieser Hinsicht hat die Digitalisierung natürlich auch vielen gerade kleinen Verlagen ungeahnte neue Möglichkeiten eröffnet, weil sehr viele damals teuere Herstellungsposten heute wegfallen.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich glaube, einer der Hauptgründe dafür, dass die Edition Phantasia so lange durchgehalten hat, ist die, dass ich das Verlagsprogramm nicht in erster Linie nach kommerziellen Gesichtspunkten ausrichte. Natürlich muss ich, wie jedes Unternehmen, am Ende Gewinn erwirtschaften, da ich ja davon leben will, aber ich glaube, rein nach Verkäuflichkeit zu schielen, ist ein Irrtum. Ein großer Kollege (ich meine, es war Neven-Dumont) hat einmal gesagt, wenn man mit Büchern Geld verdienen will, darf man gar nicht versuchen, Geld damit zu verdienen. Und so mache ich eben auch ausschließlich Bücher, die mir gefallen und die ich selbst gern lese. Und mit der Zeit gewinnt man damit ein verlässliches Stammpublikum, das dann auch einmal bereit ist, neue Wege zusammen mit einem zu beschreiten. Ich bekomme heute hin und wieder Zuschriften von Lesern, die sinngemäß sagen: „Ich kannte den Autor/die Autorin gar nicht, aber der Edition Phantasia kann man blind vertrauen.“ Das freut mich immer besonders und zeigt mir, dass der Weg, den ich da eingeschlagen habe, wenn schon nicht der Königsweg, so doch zumindest nicht der falscheste gewesen ist.

Und natürlich versuche ich, mich auch gestalterisch von anderen Verlagen abzusetzen, die Phantastik produzieren, etwa indem ich mit anerkannten Comic-Zeichnern und Künstlern zusammenarbeite, wie Reinhard Kleist, Lillian Mousli, Thomas Franke usw., die den Büchern ein unverwechselbares Äußeres und damit einen Wiedererkennungswert geben … Ein schönes Beispiel dafür sind die Bücher von Ray Bradbury in meinem Programm, deren Cover Lillian Mousli gestaltet hat. Wenn ich neue Titel konzipiere, setze ich manchmal hin und denke: Wie würde garantiert kein anderer Verlag so ein Buch aufmachen? Und so mache ich es dann.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Oh je, vermutlich eine ganze Menge. Wir haben ja am Anfang, das gebe ich gern zu, unbeleckt wie wir waren so gut wie jeden Anfängerfehler gemacht, den man machen kann und uns von zu vielen Leuten über den Tisch ziehen lassen. Wenn ich noch mal anfangen könnte, würde ich die ersten Bücher der Edition Phantasia ganz anders gestalten, besonders die Paul-Scheerbart-Gesamtausgabe. Vor allem aber würde ich kein Heidengeld für Versuche verschwenden, mit dem Verlagsprogramm in den Buchhandel zu kommen, denn das schafft man nicht.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Indem ich den Überblick über literarische Entwicklungen und Neuerscheinungen behalte und eben viel lese. Ich bin immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Autoren, die nach meinem Dafürhalten gute Bücher schreiben, aber in kommerziell ausgerichteten Verlagen wenig Chancen haben. Wenn mir ein Buch auffällt, das mir zusagt, versuche ich, mit dem Autor oder seinem literarischen Agenten in Kontakt zu treten. Ein Beispiel aus dem Verlagsprogramm ist etwa Nick Mamatas, der literarisch sehr versiert ist und originelle neue Ansätze in die Genre-Literatur einbringt, wenn er zum Beispiel mit seinem Roman „Move Under Ground“ Horror- und Beat-Literatur kreuzt und Leute wie Jack Kerouac und William S. Burroughs gegen ein Monster aus den Werken von H. P. Lovecraft antreten lässt. Das ist einzigartig und originell, und solche Bücher möchte ich gern verlegen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Ich mache, wie schon erwähnt, so viel ich kann selbst, auch den Vertrieb. Was das Paperback-Programm und die „kuk“-Reihe angeht, sind meine wichtigsten Vertriebspartner die Barsortimente, über die ich gut 95% der Titel absetze. Bei den limitierten Vorzugsausgaben versuche ich dagegen, den Buchhandel so weit es geht auszuklammern und setze auf Direktvertrieb. Ich habe, sagte ich ja schon, im Lauf der Jahre zum Glück einen kleinen, aber feinen Kreis von Literaturinteressierten um mich und den Verlag geschart, die inzwischen auch bereit sind, mir auch einmal in abseitige literarische Regionen zu folgen. [Lacht.]

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich habe ja schon erwähnt, dass ich nicht mehr, wie in der Anfangsphase des Verlags, viel Geld für Versuche auszugeben würde, im Buchhandel Fuß zu fassen. Ein namhafter und bekannter Cheflektor eines großen Verlages (ich nenne seinen Namen bewusst nicht) hat einmal zu mir gesagt: „Der Buchhändler ist der natürliche Feind des Verlegers.“ Recht hat er. Wir haben anfangs eine Menge Geld ausgegeben und Adressen von Buchhändlern beim Börsenverein gekauft, haben Werbeaktionen und Mailings gemacht, und die Resonanz war gleich null. Ich habe oft den Eindruck, dass dem deutschen Buchhandel nichts ferner liegt, als Bücher zu verkaufen.

Vor Jahren habe ich mich einmal sehr in die Nesseln gesetzt, als ich in einem Interview mit einer Regionalzeitschrift aus Neustadt an der Weinstraße auf eine ähnliche Frage wie diese geantwortet habe, dass mir der Buchhandel den Buckel runterrutschen kann und in meinem Erwägungen und Planungen keine Rolle mehr spielt. Daraufhin hat mich eine empörte Buchhändlerin aus Neustadt angerufen und mir sehr giftig erklärt, dass ich offenbar auch zu den Verlegern gehöre, die versuchen, sie um ihre Existenz zu bringen, indem sie versuchen, den Buchhandel als Zwischenhändler auszuschalten. Ich habe ihr daraufhin erklärt, dass sich mir nicht erschließt, wie ich sie um ihre Existenz bringe, wo sie doch in 25 Jahren nicht ein einziges Buch bei mir gekauft hat; wenn, würde ja wohl sie versuchen, mich um meine Existenz zu bringen, indem sie mein Programm ignoriert. Hat sie natürlich nicht so gesehen. Ähnlich erging es den Kollegen von Rogner & Bernhard, als die vor Jahren dem Buchhandel den Rücken gekehrt und ihre Bücher nur noch über Zweitausendeins vertrieben haben: Auch hier erklärte ein Verleger, sie hätten Hassbriefe von Buchhändlern bekommen, die nie auch nur ein Buch bei ihnen bestellt hatten.

edition phantasia_mamatasDa ist auch sehr viel Scheinheiligkeit und Verlogenheit im Spiel. Ein anderes Beispiel: Zusammen mit Uli Kohnle habe ich, auch vor Jahren, ein Seminar des Börsenvereins in Wiesbaden besucht. Thema: „Wir bringe ich als Verlag meine Bücher in den Buchhandel?“ Die Referentin war selbst Inhaberin einer großen Buchhandlung und hat sich bitterlich über die Informationspolitik der Verlage beschwert: „Wie sollen wir als Buchhändler denn Bücher verkaufen, wenn uns die Verlage nicht darüber informieren, dass es sie gibt?“ In unserer Blauäugigkeit haben wir sie in den E-Mail-Verteiler aufgenommen und ihr Infos über die aktuellen Neuerscheinungen geschickt … und erhielten als Antwort postwendend eine wütende Mail, dass wir gefälligst aufhören sollten, sie ungefragt mit Informationen über Bücher zu belästigen. So viel zur Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Mich rufen auch mit schöner Regelmäßigkeit Leute an und sagen etwas wie: „Wie bekommt man den Ihre Bücher? Ich war gerade bei meinem Buchhändler, und der hat gesagt, er kann das nicht besorgen.“ Das ist glatt gelogen, denn natürlich könnte der Buchhändler meine Bücher besorgen – sie haben eine ISBN, sie stehen im VLB. Der Buchhändler könnte sie bestellen, er will es nur einfach nicht. Aber das soll mir recht sein, wie gesagt, ich verkaufe eh lieber direkt.

Und darum kann ich, nach diesen langen Abschweifungen, zur nochmals wiederholen, dass meine Erfahrungen mit dem Sortiment miserabel sind und ich heute rein gar nicht mehr auf den Buchhandel setze, sondern wenn, auf den Zwischenbuchhandel oder den Direktvertrieb. Die Frage, die man sich als Verleger meines Erachtens stellen muss, ist nicht „Würde dieses Buch dem Buchhändler gefallen?“ sondern „Würde dieses Buch dem Leser gefallen?“ Und der interessierte Leser findet Möglichkeiten, dieses Buch dann auch zu bekommen … wenn er das nicht über den Buchhandel tut, ist das nicht mein Problem.

Allerdings möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass es auch sehr positive Gegenbeispiele gibt – wenige zwar, aber es gibt sie. Spezialbuchhandlungen wie Otherland in Berlin oder den Bonner Comicladen: Dort sitzen Enthusiasten wie ich, die regelmäßig bei mir bestellen und meine Bücher (die dem normalen Buchhändler gern als „unverkäuflich“ gelten) in ordentlichen Stückzahlen absetzen, weil sie ihren Kunden auch mal was empfehlen und sagen, „Das kennst du vielleicht nicht, solltest du aber lesen, gefällt dir bestimmt.“ Ich bin sehr dankbar darum, dass es diese Enthusiasten noch gibt, aber sie sind, wie gesagt, leider die Ausnahme.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Über Amazon wird ja gern, oft und viel geschimpft, und für mich ist da auch ein gewisses Maß an Verlogenheit im Spiel, denn am Ende ist dann doch jeder froh, dass es Amazon gibt. Bei mir speziell gilt, wie beim Vertrieb generell: Bei meinen limitierten Ausgaben spielt Amazon so wenig eine Rolle wie der Buchhandel generell. Was die Paperbacks angeht … ich sagte ja, ich verkaufe davon 95% über die Barsortimente, und auch wenn mir genaue Zahlen fehlen, gehe ich davon aus, dass die Barsortimente davon wiederum 90% an Amazon absetzen dürften. Wenn sich Verlage öffentlich von Amazon distanzieren, ist für mich immer ein hohes Maß an Scheinheiligkeit im Spiel, denn wenn sie ihre Bücher nicht direkt an Amazon verkaufen, dann eben über den Umweg der Barsortimente. Auch wenn mir Vieles an Amazon missfällt, das Monopolstreben, die schlechte Behandlung und Bezahlung von Mitarbeitern usw., muss ich doch sagen, dass an Amazon momentan kein Weg vorbei führt, wenn man Bücher für ein etwas breiteres Publikum macht. Die ersten, die in der öffentlichen Debatte gegen Amazon offen und ehrlich zugegeben haben, dass sie auf Amazon als Vertriebspartner nicht verzichten können, weil sie den Laden sonst zumachen müssten, waren die Kollegen vom Conte Verlag, denen für diese Ehrlichkeit meine Hochachtung galt und gilt.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

edition phantasia_bradburyIn erster Linie natürlich meine Website unterhalten und dort Informationen über meine Autoren und Bücher präsentieren, nebst Leseproben. Anzeigen schalte ich gar keine mehr, weil die Kosten zu hoch und die Resonanz zu gering ist. Auch hier noch ein schönes Negativbeispiel aus dem Buchhandel: Als wir 2004 unser erstes Paperback-Programm gestartet haben, haben wir im „Börsenblatt“ eine Anzeige für „Vom Staub kehrst du zurück“ von Ray Bradbury geschaltet – mit Bestell-Fax. Ich weiß gar nicht genau, wie hoch die Auflage des „Börsenblatts“ ist, Tatsache ist aber, dass ein Buchhändler tatsächlich eine Antwort gefaxt hat. Er bestellte – Achtung! – ein einziges Exemplar des Buches, das 12,90 Euro kostet, und wollte 45% Rabatt, portofreie Lieferung, volles Remissionsrecht und sechs Monate (!!!) Zahlungsziel. Ich habe das Fax zusammengeknüllt und in den Papierkorb geworfen.

Wichtig für das Marketing sind für mich in jedem Fall auch Rezensionen. Besprechungen in großen Printmedien oder in Literatursendungen wie der von Denis Scheck schlagen sich bei mir immer sofort in einem spürbaren Anstieg der Verkaufszahlen nieder. Und ich denke, dass gerade bei den kleinen, limitierten Auflagen Mundpropaganda ein nicht unerheblicher Faktor ist.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Den Börsenverein bin ich erst 2004 beigetreten, als wir mit dem Paperback-Programm angefangen haben; vorher schien mir das einfach nicht wichtig. Natürlich ist die Mitgliedschaft für einen kleinen Verlag wie meinen auch ein Kostenfaktor, aber wenn schon nichts anderes, bekomme ich doch immerhin das „Börsenblatt“, in dem ich dann doch hin und wieder interessante Bücher finde (natürlich in erster Linie aus Kleinverlagen), von denen ich sonst vielleicht nichts erfahren hätte.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Bücher mache ich für Leute, die Spaß an phantastischer Literatur und an Literatur generell haben, damit sind meine Zielgruppe und meine Marktnische auch schon treffend zusammengefasst. Ich hoffe, es hört sich nicht irgendwie arrogant an, aber wenn ich Bücher mache, dann mache ich sie in erster Linie einmal für mich. In den vergangenen Monaten habe ich mich auch intensiv mit Klassikern des Phantastischen beschäftigt und festgestellt, dass es unglaublich viele tolle Bücher nie in deutscher Übersetzung gab, Dann denke ich mir: Das würde ich gern auf Deutsch lesen, und dann mache ich es. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich in 30 Jahren immer wieder genügend aufgeschlossene Leser und Literaturenthusiasten gefunden habe, die das genau so sehen.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Ich denke, der größte Vorteil der Edition Phantasia ist, dass ich mich eben in einer kleinen und vergleichsweise krisenfesten Nische eingeigelt habe.

Ich habe in den letzten Jahren zwei Seminare besucht, in denen es um die Zukunft des Buchhandels und der Verlage ging, eines beim Grossisten KNV in Stuttgart, wo Schwarz noch die freundlichste Farbe war, in der gemalt wurde: Das Fazit der Veranstaltung lautete: „Wir sind alle schon tot, wir wissen es nur noch nicht.“ Alles sei rückläufig. Von derzeit rund 11.000 Druckereien dürften wohl auf absehbare Zeit 8.000 schließen müssen, der stationäre Buchhandel würde reihenweise verschwinden, nur die beiden größten Barsortimente würden auf lange Frist überleben, usw. Das zweite Seminar war bei meinem Hersteller CPI, wo es in erster Linie darum ging, wie man durch neue Druckverfahren immer kleinere Auflagen immer rentabler machen kann.

Beide gingen davon aus, dass die Absatzzahlen von Büchern sinken und weiter sinken werden, ein Problem, mit dem auch und vermutlich gerade große Verlage kämpfen. Ich glaube, das Buch ist auf dem Weg, wieder zu einem Luxusgut für wenige, „gebildete Stände“ zu werden, wie man das früher genannt hat, und insofern dürfte ich mit meinen kleinen, liebevoll gemachten Auflagen ganz richtig liegen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Besondere Risiken sehe ich im Moment eigentlich keine, eher die allgemeinen Risiken, mit denen die ganze Branche kämpft. Aber ich bin da ein durchaus ewig unerschütterlicher Optimist und hoffe, dass es mir in den Jahren, die mir noch bleiben, gelingen wird, meine kleine, feine Zielgruppe zu erhalten und Bücher zu verlegen, die es wert sind und die – hoffentlich! – ein gewisses Publikum finden. Mein Kollege Hannes Riffel hat einmal gesagt, dass am Ende das Publikum das Verlagsprogramm macht, eine Einschätzung, bei der ich ihm in aller Hochachtung widersprechen muss. Bei mir macht von Anfang an der Verleger das Programm. Wer sein Programm zu sehr nach dem Publikumsgeschmack ausrichtet, der läuft Gefahr, dass sein Verlag (da der Publikumsgeschmack ja stets enormen Schwankungen unterworfen ist) irgendwann einmal durch die ständigen Versuche, dem Massengeschmack hinterherzuhecheln, völlig das Profil verliert. Das ist ein Risiko, das man vermeiden kann.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

An der Independet-Szene schätze ich – in der Welt der Literatur wie der Musik! – in erster Linie den Mut zum Risiko, die Bereitschaft, neue Wege zu beschreiten, Ungewöhnliches zu präsentieren, eingefahrene Gleise zu verlassen. Ich glaube, ein enormes Problem der großen Verlage heute ist die graue Beliebigkeit ihrer Verlagsprogramme, weil jeder sich bemüht, kommerziellen Erfolg zu haben, und damit produziert man am Ende auch nur Kommerz. Und sobald einer ein kleines Erfölgchen vorweisen kann, kupfern alle anderen es ab, bis der Markt so sehr mit Einheitskost überschwemmt ist, dass keiner sie mehr sehen kann. In dieser Situation sorgen kleine Verlage immer wieder für interessante Farbtupfer. Allerdings möchte ich fairerweise dann doch betonen, dass es auch große Verlage gibt, die sich um Originalität bemühen, und das auch mit nicht unerheblichem Erfolg. Ich für mich persönlich kann nur sagen, es freut mich, dass Autoren wie Sam Millar, Matthew Stokoe, Patrick Rothfuss, Jan Kjaerstad oder Klassiker wie Clark Ashton Smith und … und … und … dann doch immer wieder irgendwo eine Heimat (und ein Publikum) finden. Den hundersten schalen Aufguss von „Shades of Grey“ brauche ich aber wirklich nicht.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Oh Gott! Es gibt die berühmte Scherzfrage: „Wie macht man ein kleines Vermögen?“ Antwort: „Man nimmt ein großes und gründet einen Verlag.“ Mich rufen hin und wieder Leute an und sagen, sie würden selbst gern Verleger werden, wie ich das gemacht hätte und ob ich irgendwelche Tipps hätte. Dazu kann ich nur sagen: Man braucht eine Menge Luft und Durchhaltevermögen. Die Edition Phantasia war in den ersten acht Jahren ihrer Existenz ein reines Verlustgeschäft, das ich mir leisten konnte, weil ich als Übersetzer genügend verdient habe, um durchzuhalten. Leben von dem Verlag allein kann ich bis heute nicht, aber heute erwirtschaftet er immerhin soviel Gewinn, dass ich mit einigen wenigen Übersetzungen für andere Verlage ganz gut über die Runden komme.

Wer einen Verlag gründen möchte, sollte sich viel Gedanken darüber machen, wen er als Publikum ansprechen möchte, wie er seine Bücher vom Lager zum Kunden bringt – gute Bücher machen, ist nicht schwer, sie auch bekannt zu machen und zu verkaufen ist das Problem. Man muss sich mit seinem Programm klar profilieren; einfach das machen, was alle anderen machen, reicht nicht.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Die Frage bringt mich ein wenig in Verlegenheit, weil ich natürlich eine Menge Kollegen kenne und jetzt keinen irgendwie verärgern möchte, indem ich ihn nicht nenne. Ich schätze viele Kollegen und ihre Verlagsprogramme. Zu Wort kommen lassen würde ich auf jeden Fall Hannes Riffel von Golkonda, schon aus Gründen der Meinungsvielfalt, denn er dürfte in vielen Punkten vermutlich das Gegenteil von dem sagen, was ich sage.

Für Golkonda sprach hier bereits Karlheinz Schlögl

Frank Festa vielleicht, obwohl er im Vergleich zu einem Verlag wie meinem wohl schon ein „Konzern“ ist, was die Größe anbelangt. Den Septime Verlag, der sich um das Werk der von mir sehr geschätzten Alice Sheldon alias James Tiptree Jr. verdient gemacht hat. Den Luzifer Verlag, den Steffen Janssen bereits vorgestellt hat, Fabylon, Shayol, Feder & Schwert, Voodoo Press … und … und … Ich entschuldige mich hier gleich bei allen, die ich nicht genannt habe … eine Liste, der Kollegen und Kleinverlage, die ich mag und schätze, wäre SEHR lang, ZU lang für diesen Rahmen.

Als kleinen Nachgedanken zu meinen Empfehlungen: Michael Giersche und sein Begedia Verlag und besonders Sabine Dörlemann von Dörlemann, die ja nun kein auf Phantastik spezialisiertes Sparten-, sondern ein allgemeinliterarisches Belletristik- und Sachbuchprogramm hat. Mich würde interessieren, welche Erfahrungen jemand mit dem Buchhandel hat, der kein “kleiner Nischenverlag” ist.

Herzlichen Dank für diesen Einblick – und dasTacheles …

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Die Edition Phantasia im Netz:

Infos über alle Autoren und lieferbaren Titel findet man unter http://www.edition-phantasia.de/

„Die extreme Zentralisierung bei den Großen bietet ungeahnte Chancen und Möglichkeiten.“ – SteglitzMind stellt Dominik Bartels vom Blaulicht Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über Dominik Bartels und den Blaulicht Verlag. Vorgeschlagen hatte das Volker Surmann vom Satyr Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Dominik Bartels © privat

Dominik Bartels © privat

Der Blaulicht Verlag mit Sitz im niedersächsischen Helmstedt wurde im Jahre 2008 von einigen Enthusiasten gegründet, die es leid waren, den nächsten Schwedenkrimi oder den übernächsten historischen Roman in der Buchhandlung unter die Nase gehalten zu bekommen. Deshalb haben wir uns auf den Bereich Lesebühnen, Poetry Slam und politische Literatur konzentriert. Im Laufe der Zeit sind aus beruflichen und familiären Gründen einige Mitarbeiter ausgeschieden. Momentan verantworten nur noch zwei Leute das Verlagsprogramm. Allerdings arbeiten wir mit einem festen Stamm von Illustratoren und Lektoren zusammen.

Die Highlights im vergangenen Bücherjahr?

Im Jahr veröffentlichen wir zwischen 6 und 8 neue Titel. Im letzten Jahr war das Debüt von Ninia LaGrande „…und ganz, ganz viele Doofe!“ unser Highlight. Ninia ist eine der erfolgreichsten Bloggerinnen Deutschlands und setzt sich in vielfältigster Weise für Gleichberechtigung, Toleranz und Minderheitenrechte ein. Das Buch ist ein Querschnitt ihrer literarischen Arbeit der letzten Jahre und sehr, sehr unterhaltsam. Daneben hat es unser Autor Tobi Katze nach seinem Debüt „rocknrollmitbuchstaben“ geschafft, sein nächstes Buch beim Rowohlt Verlag veröffentlichen zu dürfen.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Wir wollten zeigen, dass man in einem wirtschaftlichen Umfeld dennoch seinen Schwerpunkt auf Kultur- und Talentförderung legen kann. Uns geht es nicht darum, ständig zu wachsen und jedes Jahr einen neuen Rekordgewinn einzufahren. Ein Verlag sollte auch eine gewisse Verantwortung für die literarische Vielfalt in diesem Land übernehmen. Natürlich ist das finanziell gesehen immer ein Spagat, aber es hat auch niemand gesagt, dass es einfach ist.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Aus dem Glauben daran, dass es immer genügend Menschen geben wird, die daran interessiert sind, neue und unbekannte Autoren zu entdecken. Und wir sind uns sicher, dass gerade die extreme Zentralisierung bei den Großen der Buchbranche ungeahnte Chancen und Möglichkeiten bietet. Außerdem sehen wir uns in der Verantwortung, dem von uns kritisierten Einheitsbrei der großen Verlagshäuser ein adäquates Angebot entgegen zu stellen.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Wir begrüßen die Digitalisierung ausdrücklich. Letztlich ermöglicht sie es uns, auch kleine Auflagen zu realisieren, ohne das die Kosten explodieren. Darüber hinaus vereinfacht sie die Kommunikation mit unseren freien Mitarbeitern. Es ist sehr bequem, den Lektoren oder Illustratoren die entsprechenden Dateien zu schicken, so dass diese die Korrekturen und Änderungen unmittelbar und ohne großen Aufwand vornehmen können. Fast alle unserer Arbeitsabläufe sind digitalisiert.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

blaulicht_Cover ninia la grandeWir empfinden andere Verlage nicht als Konkurrenz. Wir sehen uns als Ergänzung auf dem Markt. Des Weiteren versuchen wir gemeinsam mit den Autoren Bücher zu verlegen, die eine sehr individuelle Handschrift tragen. Unsere Autoren haben nicht nur ein Mitspracherecht, sie verantworten wichtige Teile der Gestaltung ihres Werkes. Wir streben immer an, dass sich Autor und Verlag zu 100% mit dem Buch identifizieren können. Deshalb weichen wir auch schon mal von den üblichen Vorgaben und Parametern ab, wenn der Autor dafür nachvollziehbare Gründe hat. Als Beispiel sei hier das Drehbuch genannt, dessen Cover weder eine Vor- noch Rückseite hat. Das kann man drehen und wenden, wie man möchte.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Jeder macht in der Startphase die eine oder andere Erfahrung, die er sich gern erspart hätte, aber letztlich gehört das zu einem wichtigen Lernprozess dazu. Nach mehr als 5 Jahren achten wir sehr darauf, dass unsere Autoren auch bereit sind, beim Absatz ihres Buches aktiv mitzuhelfen.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Wir sichten keinerlei Manuskripte. Das mag man für falsch halten, aber das ist unsere Philosophie. Unsere Autoren sprechen wir auf Veranstaltungen wie Lesebühnen, Poetry Slams oder anderen Literaturevents an. Die Persönlichkeit eines Autors ist für uns ein ganz entscheidender Faktor. Hinzu kommen Empfehlungen von Kollegen, Veranstaltern oder auch unseren Verlagsautoren. Aufgrund der eher geringen Zahl von Neuerscheinungen in unserem Programm haben wir auch keine Schwierigkeiten, genügend interessante und neue Autoren zu finden.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wir vertreiben unsere Bücher selbst. Das klappt ganz hervorragend. Der Kontakt mit dem örtlichen Buchhandel ist immer sehr, sehr nett und beide Seiten profitieren von diesem Weg. In der Regel sind wir genauso schnell wie der Großhandel, d.h. die bestellten Titel sind am nächsten Tag im Geschäft. Versandkostenfreiheit ist bei uns ebenfalls eine Selbstverständlichkeit. Der Vertrieb über einen Großhändler würde uns des Kontakts zu den kleinen Buchhandlungen berauben. Gerade diese persönlichen Gespräche und Bindungen sind uns aber wichtig.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Wir setzen auf persönliche Kontakte und unsere familiäre Ausrichtung. Großhandelsketten wie Hugendubel oder Thalia interessieren uns wenig. Unser Ziel ist es, mit den kleineren, inhabergeführten Buchhandlungen in Kontakt zu treten bzw. zu bleiben. Mit diesen begegnet man sich auf Augenhöhe. Dort werden die Kunden noch individuell beraten und man nimmt sich Zeit, um auch mal ausgefallene Wünsche zu erfüllen. Das entspricht unserer Philosophie. Dennoch haben wir dasselbe Problem wie alle anderen Independent-Verlage: Im Sortiment des stationären Buchhandels sind wir praktisch nur rudimentär vertreten.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wir leben damit, dass es viele Kunden gibt, die dort unsere Bücher bestellen. Können wir ihnen das vorwerfen? Nein, denn unsere Präsenz im stationären Buchhandel ist viel zu dürftig. Wir arbeiten jedoch daran, dass unsere Leser die Bücher online lieber in unserem eigenen Shop kaufen. Das klappt zunehmend besser.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Mit einem minimalen Budget ist das nicht sehr einfach. Wir versuchen kreative und ungewöhnliche Lösungen zu erarbeiten. Bislang mit überschaubarem Erfolg. Ab und zu schalten wir Anzeigen in einschlägigen Magazinen und Programmheften, wobei auch dies keine nachhaltigen Wirkungen entfaltet. Vor diesem Hintergrund sind wir stolz darauf, dass unsere Autoren sehr viel Eigeninitiative zeigen. Ohne deren Mithilfe würde es nicht funktionieren.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind kein Mitglied.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

blaulicht verlag_ Cover Tobi Katze_Wir machen Bücher für Menschen, die sich nicht für große Autorennamen oder bekannte Verlagshäuser interessieren, sondern für gute Geschichten und markante Typen. Ebenso bunt wie unser Programm ist auch unsere Leserschaft.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Die größte Chance für alle kleinen Verlage besteht darin, dass die großen Verlagshäuser auch weiterhin zu betriebswirtschaftlichen Konzernen mutieren und die Rendite über Kunst und kulturelle Vielfalt stellen. Solange diese Entwicklung anhält, haben alle kleinen Verlage gute Chancen, sich am Markt zu etablieren.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Als kleiner Verlag besteht das größte Risiko darin, dass man mehrere Titel hintereinander am Markt platziert, die sich überhaupt nicht verkaufen lassen. Momentan klappt die Mischkalkulation ganz gut, was aber auch bedeutet, dass wir jedes Jahr wenigstens ein bis zwei überdurchschnittlich erfolgreiche Titel benötigen, um alle Projekte realisieren zu können. Der finanzielle Puffer ist eben doch ziemlich überschaubar.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Das sind alles rührige, tolle, engagierte Leute. Bei Problemen, egal welcher Art, kann man sich jederzeit Rat bei den Kollegen einholen. Und, es wurde hier auch schon mehrfach gesagt, man verspürt keine Konkurrenzsituation. Über den Erfolg des Satyr Verlags mit dem Buch von Lars Ruppel habe ich mich beispielsweise sehr gefreut. Das gönnt man dem Kollegen einfach von Herzen, weil man genau weiß, dass dies erst einmal wieder etwas Luft im täglichen Überlebenskampf verschafft.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sie sollten für sich klar definieren, warum sie ein solches Unternehmen gründen wollen. Und man sollte sich darüber klar sein, dass man damit zu 99,99% nicht reich werden wird.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich empfehle den Andreas Reiffer Verlag aus Meine. Ein sehr netter und kompetenter Kollege, der seit vielen Jahren bestimmte Nischen füllt.

Vielen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo ©  Blaulicht Verlag

das Logo © Blaulicht Verlag

Der Blaulicht Verlag im Netz:

Die Homepage: www.blaulicht-verlag.de

Bei Facebook unter: https://www.facebook.com/pages/Blaulicht-Verlag

 

„Am wichtigsten ist aber ja: Leser zu gewinnen!“ – SteglitzMind stellt Ingo Držečnik vom Elfenbein Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Ingo Držečnik vom Elfenbein Verlag Rede und Antwort. Der Vorschlag kommt von Stefan Weidle, der den Weidle Verlag verantwortet.

Eine Skizze vom Verlag …

Ingo Držečnik © privat

Ingo Držečnik © privat

Ich habe den Elfenbein Verlag 1996 zusammen mit Roman Pliske in Heidelberg gegründet, seit 2001 ist er in Berlin-Prenzlauer Berg ansässig, hat bisher etwa 130 Titel publiziert – und ernährt trotzdem weder seine Gründer noch die zahlreichen von Projekt zu Projekt unterschiedlichen Mitarbeiter. Festangestellte gibt’s also nicht, aber „feste Freie“ schon. So begleiten mich z. B. seit Anbeginn die Buchgestalterin Oda Ruthe und der Romanist Rafael Arnold, ohne die zahlreiche Bücher überhaupt nicht möglich geworden wären. Seitdem Roman Pliske den Mitteldeutschen Verlag in Halle leitet, führe ich die verlegerischen Geschäfte im engeren Sinne allerdings alleine.

Die Programmschwerpunkte?

Erster Schwerpunkt war 1997 schon die portugiesische Literatur, vor allem ihr größter Klassiker: Luís de Camões, dessen Werkausgabe im Frühjahr 2015 mit dem Band „Dramen und Briefe“ (nach den „Lusiaden“ und „Sämtlichen Gedichten“) abgeschlossen sein wird. Weitere ‚kleine Sprachen‘ mit ihren großen Literaturen haben’s uns seither angetan, so dass im Elfenbein-Regal nun auch einige Griechen, Italiener, Franzosen, Katalanen, Tschechen, Ungarn usw. neben allerhand Deutschen stehen, von der Renaissance bis zur Gegenwart, Romancier neben Lyriker. Noch sind alle Titel altmodisch gedruckt und gebunden, fast ausschließlich in Leinen mit Schutzumschlag; bald folgen einige Romane, die sich zum Unterwegslesen eignen, auch als E-Books.

Was ist geplant?

In diesem Frühjahr wird neben erwähntem Camões noch ein Gedichtband von Odysseas Elytis: „Die Sonne die Sonnenherrscherin“, und ein Roman von Ferdinand Peroutka: „Wolke und „Walzer“ erscheinen. Insbesondere von letzterem erhoffe ich mir zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus ein größeres Medienecho: Das Buch, 1947 zunächst als Theaterstück erschienen und später im US-amerikanischen Exil zum Roman umgearbeitet, ist eine der ersten panoramaartig angelegten literarischen Auseinandersetzungen mit der NS-Terrorherrschaft in der Tschechoslowakei und war bisher in deutscher Sprache nicht verfügbar. Peroutka war im KZ Buchenwald inhaftiert, nach dem kommunistischen Putsch in Prag musste er – überzeugter Demokrat – sein Heimatland verlassen. Ich denke, jetzt ist es an der Zeit, diesem von zwei totalitären Regimen verfolgten Autor auch in Deutschland wenigstens postume Anerkennung zuteilwerden zu lassen.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Wir wollten damals unserm Freund und Lyriker Andreas Holschuh, der bereits zahlreiche Gedichte in Zeitschriften veröffentlichen konnte, ein Buch schenken, nur für dieses eine Projekt haben wir den Elfenbein Verlag gegründet. Entsprungen ist der Plan unserer Arbeit an der studentischen Literaturzeitschrift metamorphosen, bei der wir – sozusagen „by doing“ – typische Verlags- und Redaktionsarbeit spielerisch und ohne besonderen finanziellen Druck erlernen konnten: Wir wählten uns geeignet erscheinende Texte zur Veröffentlichung aus, redigierten sie, schrieben selbst Artikel, kümmerten uns um Anzeigenakquise, um die Druckkosten schon im Vorfeld ein wenig aufzufangen, und verkauften die Hefte direkt und über den Buchhandel. Bei dieser Arbeit kamen uns auch Holschuhs Gedichte unter. Und kaum war der Elfenbein Verlag gegründet und das erste Buch erschienen, flatterten schon die Manuskripte herein …

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Ich ignoriere beharrlich sämtliche Hiobsbotschaften über die vermeintliche Zukunft des gedruckten Buches.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Grundsätzlich hat sich für Elfenbein nichts geändert. Ich halte am gedruckten Buch fest und bin gleichsam überzeugt, dass es weiterhin Leser des gedruckten Buches geben wird. Und für die mache ich weiter diese altmodischen Schinken. (Was nicht heißen soll, dass ich gegen E-Books wäre, die wird’s dann eben zusätzlich geben …)

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich glaube nicht, dass Elfenbein prinzipiell anders verfährt als die anderen literarischen Verlage – kleine wie große, die zudem auch gar keine Konkurrenz darstellen. Denn Gabriele d’Annunzios „Alcyone“, Rainer Klouberts „Yuanmingyuan“ oder Klabunds „Literaturgeschichte“ bekommen Sie deutsch ja nur als Elfenbein-Bücher, wer will mit ihnen konkurrieren? Das sind ja keine Reiseführer, Kochbücher, Ratgeber.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Das ist schwer zu sagen, weil es so theoretisch ist und selbst jeder Fehler, den man begangen hat, einen ja auch weitergebracht hat, also ganz und gar nicht umsonst war. Allerdings tat es mir schon sehr weh zu lernen, dass ein erhöhter ‚Titelausstoß‘ nicht unbedingt zu einer größeren Wahrnehmung in Buchhandel und Feuilleton führt: 2001 hatte Elfenbein – ein bisschen größenwahnsinnig für einen 5-Jährigen, ich gebe es zu – 16 Novitäten. Die konnten natürlich nicht alle in der F.A.Z. besprochen werden … Aber auch diese Erfahrung haben wir wahrscheinlich machen müssen, um daraus zu lernen, dass eine solide Begrenzung auf 6 bis 8 Titel pro Jahr bei der Größe des Verlags angemessener ist – und finanziell nicht ganz so ruinös.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Verleger müssen Autoren eigentlich selten für sich gewinnen – es sei denn, sie suchten Autoren (diese Verleger gibt’s natürlich auch, aber die haben, glaube ich, anderes im Sinne als ich). Es ist doch eher umgekehrt: Die Autoren müssen ihre Verleger gewinnen. Ich habe zumindest oft diesen Eindruck, wenn ich unverlangte Einsendungen bekomme, die nicht einmal ein persönliches Anschreiben enthalten. Im Falle Elfenbeins waren es zudem auch oft bereits tote Autoren, die keinen Verlag (mehr) hatten: Für Klabund z. B. hat sich doch Jahrzehnte kaum jemand verlegerisch interessiert. Man konnte ihn aber antiquarisch beschaffen und lesen. Und so hat dieser großartige, fast vergessene Autor dann seine Verleger gewonnen: Zwischen 1998 und 2003 haben wir eine achtbändige Klabund-Werkausgabe publiziert. Auch viele Übersetzungen aus Sprachen, die man ja nicht gerade ständig spricht, flattern ins Verlagsbüro, werden gelesen – und gewinnen im günstigsten Falle einen Verleger. – Am wichtigsten ist aber ja: Leser zu gewinnen!

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Elfenbein ist da ganz klassisch organisiert: Vier wunderbare Handlungsreisende (vulgo: „Vertreter“) besuchen zweimal jährlich die engagiertesten literarischen Buchhändler in Deutschland und Österreich. Diese bestellen dann im Voraus. So kann ich die Auflage ein wenig besser vorab planen. Die GVA, eine Auslieferungsgesellschaft, liefert nach Erscheinen für uns (wie auch für unzählige weitere Verlage) an den stationären Buchhandel aus. Und was im guten Buchhandel irgendwann nicht (mehr) im Regal steht, kann ja von diesem in der Regel über Nacht beim sogenannten Barsortiment (dem Großhändler) bezogen werden.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Elfenbein hat praktisch nur gute Erfahrungen mit dem stationären Buchhandel gemacht, die wenigen Ausnahmen bestätigen nur die Regel, dass der gute Buchhandel nach wie vor existiert und seine Arbeit von den Buchkäufern auch geschätzt wird: Er verfügt über belesenes Personal, das Auskunft geben kann und auch ältere, nicht mehr über Nacht schnell und einfach per Knopfdruck beim Großhändler bestellbare Titel dann eben beim Verlag bzw. seiner Auslieferung direkt bezieht.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Das ist nicht einfach zu beantworten: Ich habe über sieben Jahre eine stationäre Buchhandlung – die „Elfenbein Literaturhandlung“ – geführt, in der ich für gerade nicht anwesende Nachbarn gerne auch mal Pakete angenommen habe. Als sich aber vermehrt darunter Sendungen befanden, auf denen Amazons Schriftzug prangte, bekam ich schon ein paar Zweifel … Es ist ja ganz klar, dass sich das Kaufverhalten durch das Internet geändert hat und auch weiter ändern wird, das müssen wir wohl so hinnehmen. Wenn es die Möglichkeit gibt, sogar nachts in eine (virtuelle) Buchhandlung zu „gehen“, dann wird da eben auch gekauft. Der stationäre Buchhandel muss also mehr bieten als ein Internethändler. Die Buchpreisbindung allein scheint hier nicht mehr zu helfen, also sollte es das besondere Sortiment, die Auswahl, die persönliche Empfehlung, vielleicht auch ein Leseprogramm sein, das der Händler anbietet.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wie eigentlich alle Verlage versenden wir zweimal jährlich einen Vorschauprospekt an den Buchhandel sowie an die Presse, wir beschicken natürlich ausgewählte Rezensenten mit Presseexemplaren, und ein- bis zweimal im Quartal schreibe ich einen E-Mail-Newsletter mit Hinweisen auf neue Bücher, veröffentlichte Besprechungen, Lesetermine. Wir besuchen mit einem Ausstellungsstand die Frankfurter Buchmesse, nehmen an den verschiedenen Aktionen der Kurt Wolff Stiftung (Katalog „Es geht um das Buch“, Empfang „Wir tanzen aus der Reihe“ usw.) teil und beteiligen uns z. B. an Veranstaltungsreihen wie „Stadt, Land, Buch“, dem alljährlich im Herbst stattfindenden Berliner Lesemarathon des Börsenvereins, oder mit einem Verlagsstand beim Poesie-Festival in der Akademie der Künste u. ä.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Elfenbein ist selbstverständlich Mitglied des Börsenvereins, der als das wohl stärkste Sprachrohr unserer Branche sich u. a. für den Erhalt der Buchpreisbindung einsetzt, die für die im Ausland immer wieder bewunderte deutsche und österreichische Verlags- und Buchhandelsvielfalt wesentlich verantwortlich ist.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Bisher sind im Elfenbein Verlag nur Bücher erschienen, die ich selbst unbedingt lesen wollte und von denen ich annahm – und annehme -, dass sie auch andere Menschen interessieren. Das ist natürlich keine marketingmäßig auslotbare Zielgruppe. Aber das Gefühl, dass es noch andere geben könnte, die das, was unter dem Namen Elfenbein erscheint, auch gut und richtig und wichtig finden, hat mich – glaube ich – noch nicht getrogen. Und vor Nischen habe ich, offen gesagt, ein wenig Angst, die können ja schnell auch mal von anderen besetzt werden. Ich bleibe lieber im größeren Raum, da gibt’s ja potenziell auch mehr Leser.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Elfenbein hat mit zeitgenössischer Lyrik begonnen, mit deutschsprachigen und internationalen Romanciers weitergemacht und sich auch bald Klassikern und nahezu Vergessenen zugewandt, um sie wiederzuentdecken – diese Mischung weiter beibehalten zu können und sich nicht mit einer kleinen literarischen Sparte spezialisieren zu müssen, für die eine besondere Zielgruppe vielleicht theoretisch definiert werden könnte, sehe ich als größte Chance. Ich selbst lese schließlich auch nicht nur Lyrik oder nur zeitgenössische Romane oder nur Übersetzungen aus der Renaissance-Zeit.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Ich denke nicht, dass in der Programmgestaltung des Elfenbein Verlags besondere Risiken liegen, gute Literatur wird doch immer ihre Leser finden. Schwierig ist nur immer wieder einzuschätzen, wie viele das sein könnten … Ein Risiko liegt meist nur in der Auflagenhöhe. Wenn ich diese moderat halte, kann ich es aber minimieren. Das klingt vielleicht etwas konservativ im Sinne von „keine Experimente“, aber ich drucke lieber nach, als dass ich auf falsch kalkulierten Beständen sitzenzubleiben muss.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Ich kann das schlecht einschätzen, weil ich die gesamte „Szene“ nicht überschauen kann, zudem auch glaube, dass sie in diesem Sinne, als inhaltlich zu markierende „Szene“ nämlich, gar nicht existiert. Es gibt im deutschsprachigen Raum sehr viele konzern-unabhängige Verlage, deren Programme nicht direkt etwas miteinander zu tun haben, die sich aber sehr gut ergänzen und dadurch eben die erwähnte Vielfalt ausmachen. „Independent“ klingt mir zudem zu modisch, zu sehr nach „jung“, „klein“, „anders“, ein bisschen auch nach „rebellisch“ und nach „nicht in bekannte Muster einzuordnen“. All das passt doch zu Elfenbein nicht oder zumindest nicht mehr. Das Attribut „unabhängig“, wie es auch die Kurt Wolff Stiftung benutzt, so nüchtern es ist, gefällt mir da sehr viel besser. Es schließt auch „Vielfalt“ mit ein.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Wenn sie Autoren und Bücher entdeckt haben, die die anderen bisher nicht bemerkten, möchte ich sie beglückwünschen. Wenn sie allerdings meinen, mit Literatur ihren Lebensunterhalt verdienen zu können, möchte ich sie warnen. Das kann vielleicht funktionieren, ist aber sicher nicht ausgemacht. Warnen würde ich sie in jedem Falle immer vor zu hohen Startauflagen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Empfehlen möchte ich insbesondere Arco, Arco und nochmals Arco, denn dieser macht Bücher, die ich (fast) alle auch gerne gemacht hätte. Der sollte bei Ihnen bald zu Wort kommen! Daneben natürlich Aviva, Berenberg (den diesjährigen Kurt-Wolff-Preisträger), dann die altehrwürdige Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung; sowie mindestens noch die Friedenauer Presse, Kookbooks, Lilienfeld, den Mitteldeutschen Verlag, die Edition Nautilus, Stroemfeld, Transit, Verbrecher, den Jörg Sundermeier hier bereits vorgestellt hat, Wagenbach, Weidle, über den wir hier ebenfalls bereits gelesen haben, Wunderhorn und und und … es gibt so viele, die schöne Bücher machen!

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Elfenbein Verlag im Netz:

www.elfenbein-verlag.de

 

„Wir finden ja wirklich toll, was wir da machen.“ — SteglitzMind stellt Zoë Beck und Jan Karsten von CulturBooks vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich, dass heute Zoë Beck und Jan Karsten Rede und Antwort stehen, die CulturBooks verantworten. Den Vorschlag machte Jost Renner.

Eine Skizze vom Verlag …

Jan Karsten und Zoë Beck © CultureBooks

Jan Karsten und Zoë Beck © Peter Schmidt-Meil

Wir heißen CulturBooks – elektrische Bücher. Gegründet haben wir uns im März 2013, unser erstes Programm erschien im Oktober 2013, seitdem veröffentlichen wir jeden Monat im Schnitt fünf Titel. Wir unterscheiden die Formate Single (zB Kurzgeschichte), Maxi (zB längere Erzählungen), Longplayer (zB Roman) und Album (zB Erzählsammlung). Inhaltlich legen wir Wert darauf, dass es uns gefällt, und wir bilden uns ein, sehr anspruchsvoll zu sein. Wir suchen Texte abseits des Mainstreams und außerhalb der Genregrenzen. Insgesamt sind wir meist zu fünft.

Wo geht es lang?

Bei CulturBooks bekommt man ausschließlich digitale Texte. Der Verlag steht auf drei Säulen: Neuauflagen vergriffener Texte, Lizenzen von Printverlagspartnern und schließlich, ganz wichtig, Originalausgaben. Unsere Titel sind alle immer lieferbar.

Eure persönlichen Highlights …

Das ist schwer zu beantworten, weil wir auf jeden einzelnen Titel sehr stolz sind. Wo sollen wir denn da anfangen? Einen Überblick über unsere Neuerscheinungen im Frühjahr 2015 und unser Gesamtprogramm bietet unsere neue Vorschau.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

ein zartes Pflänzchen ... © Culturebooks

ein zartes Pflänzchen … © Culturbooks

Gerade in diesen Zeiten. Auf der einen Seite große Verlage, die nur noch „den Markt“ bedienen wollen und Auftragsarbeiten rausgeben, auf der anderen Seite eine Schwemme an Self-Publishern, die für noch mehr Titel bei ohnehin schon zu vielen Neuerscheinungen sorgen. Da dachten wir uns: Wer soll sich denn da um die tollen Texte kümmern, die etwas mehr Pflege und Aufzucht brauchen, weil sie sich nicht sofort in die vorgezimmerten Schubladen stopfen lassen? Wenn wir etwas großartig finden, wird es anderen sicherlich auch so gehen. Also etablieren wir eben eine Marke, die sagt: Hey, das ist toll. Schaut mal, ob ihr nicht einen ähnlichen Geschmack habt wie wir. Und wenn ja: Wir haben noch mehr davon!

Woher bezieht Ihr trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Euer Engagement?

Reine innere Überzeugung, gepaart mit gnadenlosem Optimismus. Wir finden ja wirklich toll, was wir da machen.

Hättet Ihr Euch auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Nein. Wir haben leider beide niemanden in der Verwandtschaft, den wir demnächst stattlich beerben.

Was macht Ihr anders als die anderen? – Wie positioniert Ihr Euch sich gegenüber der Konkurrenz?

Sturer Enthusiasmus, gepaart mit gnadenloser Geduld.

So Ihr CulturBooks neu aufstellen könntet, was würden Ihr heute anders angehen als in der Startphase?

Nichts.

Wie gewinnt Ihr Autoren?

zoe cover__maxi_scholz11Wir sprechen sie an. Wir hatten von Anfang an sehr viele Ideen, mit wem wir zusammen arbeiten wollten. Wir bekommen auch jeden Tag viele Zuschriften, das allermeiste muss leider abgesagt werden. Aber auch da konnten wir schon sehr beeindruckende Texte herausfischen.

Wie organisiert Ihr den Vertrieb?

Wir arbeiten mit Open Publishing in München zusammen. Und wir haben einen Direktvertrieb auf unserer Verlagsseite. Es wäre schön, wenn viel mehr direkt bei den Verlagen gekauft werden würde. Dort gibt es Ansprechpartner, die genau wissen, worum es geht – und die Lesenden unterstützen Verlage und Autor*innen, weil ein größerer Anteil des Verkaufspreises „in der Familie“ bleibt.

Was tut Ihr, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Eure Erfahrungen mit dem Sortiment?

Schwierig. Es gibt ein paar Buchhandlungen, die für eBooks offen sind und diese in ihren Shops entsprechend gut positioniert präsentieren. Aber wir wünschen uns natürlich, dort sehr viel mehr zu erreichen. Veranstaltungen zum Beispiel wären wunderbar.

Wie haltet Ihr es mit Amazon?

Dort findet man uns genauso wie sonst auch überall. Bei „Kindle Unlimited“ machen wir allerdings ganz bewusst nicht mit, weil wir es aus mehreren Gründen für ungut halten. Und wir werden nicht müde zu erklären, dass man unsere DRM-freien eBooks im mobi-Format für den Kindle auch zum Beispiel bei minimore.de kaufen kann.

Was tut Ihr fürs Marketing?

Newsletter, Social Media, Kooperationen mit Online-Shops zur besseren Platzierung, kostenlose Leseproben, Verlagsvorschau, Leserunden, Veranstaltungen, Pressearbeit … Aber wir sind, wie alle, noch auf der Suche nach DEM DING zur besseren Sichtbarkeit von eBooks.

Für wen macht Ihr Bücher: Wie definiert Ihr Eure Zielgruppe, wo steht Ihr Eure spezielle Marktnische?

Wer gern etwas Neues, Überraschendes, Anderes liest, ist bei uns richtig. Das Ewiggleiche gibt es hier nicht. Dafür tolle Entdeckungen und Wiederentdeckungen.

Wo seht Ihr für CulturBooks die größten Chancen?

zoe_cover_Goldschmidt_Weltraum_240Wir verlegen gute Texte. Das halten wir für eine große Chance.

Welche besonderen Risiken verortet Ihr für Euren Verlag?

Dass wir ein unwiderstehliches Übernahmeangebot von einem großen Verlag bekommen und wir unsere Unabhängigkeit aufgeben.

Was schätzt Ihr an der Independent-Szene besonders?

Wie der Name sagt, die Unabhängigkeit. Durch sie ist erst die Individualität, die es für besondere Texte braucht, möglich.

Was würdet Ihr jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Viel Geduld mitbringen. Und keine Reichtümer erwarten.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlt Ihr? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da gibt es schönerweise einige! Unsere Partner Ariadne, Weidle, der hier bereits zu Wort kam, oder Litradukt. Aber auch die Kolleg*innen von den Verlagen Nautilus, Mairisch, Binooki und Verbrecher, den Jörg Sundermeier schon vorgestellt hat, und viele andere machen tolle Bücher. Und ein Gespräch mit Else Laudan von Ariadne lohnt sich auf jeden Fall immer.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

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