„Wir finden ja wirklich toll, was wir da machen.“ — SteglitzMind stellt Zoë Beck und Jan Karsten von CulturBooks vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich, dass heute Zoë Beck und Jan Karsten Rede und Antwort stehen, die CulturBooks verantworten. Den Vorschlag machte Jost Renner.

Eine Skizze vom Verlag …

Jan Karsten und Zoë Beck © CultureBooks

Jan Karsten und Zoë Beck © Peter Schmidt-Meil

Wir heißen CulturBooks – elektrische Bücher. Gegründet haben wir uns im März 2013, unser erstes Programm erschien im Oktober 2013, seitdem veröffentlichen wir jeden Monat im Schnitt fünf Titel. Wir unterscheiden die Formate Single (zB Kurzgeschichte), Maxi (zB längere Erzählungen), Longplayer (zB Roman) und Album (zB Erzählsammlung). Inhaltlich legen wir Wert darauf, dass es uns gefällt, und wir bilden uns ein, sehr anspruchsvoll zu sein. Wir suchen Texte abseits des Mainstreams und außerhalb der Genregrenzen. Insgesamt sind wir meist zu fünft.

Wo geht es lang?

Bei CulturBooks bekommt man ausschließlich digitale Texte. Der Verlag steht auf drei Säulen: Neuauflagen vergriffener Texte, Lizenzen von Printverlagspartnern und schließlich, ganz wichtig, Originalausgaben. Unsere Titel sind alle immer lieferbar.

Eure persönlichen Highlights …

Das ist schwer zu beantworten, weil wir auf jeden einzelnen Titel sehr stolz sind. Wo sollen wir denn da anfangen? Einen Überblick über unsere Neuerscheinungen im Frühjahr 2015 und unser Gesamtprogramm bietet unsere neue Vorschau.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

ein zartes Pflänzchen ... © Culturebooks

ein zartes Pflänzchen … © Culturbooks

Gerade in diesen Zeiten. Auf der einen Seite große Verlage, die nur noch „den Markt“ bedienen wollen und Auftragsarbeiten rausgeben, auf der anderen Seite eine Schwemme an Self-Publishern, die für noch mehr Titel bei ohnehin schon zu vielen Neuerscheinungen sorgen. Da dachten wir uns: Wer soll sich denn da um die tollen Texte kümmern, die etwas mehr Pflege und Aufzucht brauchen, weil sie sich nicht sofort in die vorgezimmerten Schubladen stopfen lassen? Wenn wir etwas großartig finden, wird es anderen sicherlich auch so gehen. Also etablieren wir eben eine Marke, die sagt: Hey, das ist toll. Schaut mal, ob ihr nicht einen ähnlichen Geschmack habt wie wir. Und wenn ja: Wir haben noch mehr davon!

Woher bezieht Ihr trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Euer Engagement?

Reine innere Überzeugung, gepaart mit gnadenlosem Optimismus. Wir finden ja wirklich toll, was wir da machen.

Hättet Ihr Euch auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Nein. Wir haben leider beide niemanden in der Verwandtschaft, den wir demnächst stattlich beerben.

Was macht Ihr anders als die anderen? – Wie positioniert Ihr Euch sich gegenüber der Konkurrenz?

Sturer Enthusiasmus, gepaart mit gnadenloser Geduld.

So Ihr CulturBooks neu aufstellen könntet, was würden Ihr heute anders angehen als in der Startphase?

Nichts.

Wie gewinnt Ihr Autoren?

zoe cover__maxi_scholz11Wir sprechen sie an. Wir hatten von Anfang an sehr viele Ideen, mit wem wir zusammen arbeiten wollten. Wir bekommen auch jeden Tag viele Zuschriften, das allermeiste muss leider abgesagt werden. Aber auch da konnten wir schon sehr beeindruckende Texte herausfischen.

Wie organisiert Ihr den Vertrieb?

Wir arbeiten mit Open Publishing in München zusammen. Und wir haben einen Direktvertrieb auf unserer Verlagsseite. Es wäre schön, wenn viel mehr direkt bei den Verlagen gekauft werden würde. Dort gibt es Ansprechpartner, die genau wissen, worum es geht – und die Lesenden unterstützen Verlage und Autor*innen, weil ein größerer Anteil des Verkaufspreises „in der Familie“ bleibt.

Was tut Ihr, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Eure Erfahrungen mit dem Sortiment?

Schwierig. Es gibt ein paar Buchhandlungen, die für eBooks offen sind und diese in ihren Shops entsprechend gut positioniert präsentieren. Aber wir wünschen uns natürlich, dort sehr viel mehr zu erreichen. Veranstaltungen zum Beispiel wären wunderbar.

Wie haltet Ihr es mit Amazon?

Dort findet man uns genauso wie sonst auch überall. Bei „Kindle Unlimited“ machen wir allerdings ganz bewusst nicht mit, weil wir es aus mehreren Gründen für ungut halten. Und wir werden nicht müde zu erklären, dass man unsere DRM-freien eBooks im mobi-Format für den Kindle auch zum Beispiel bei minimore.de kaufen kann.

Was tut Ihr fürs Marketing?

Newsletter, Social Media, Kooperationen mit Online-Shops zur besseren Platzierung, kostenlose Leseproben, Verlagsvorschau, Leserunden, Veranstaltungen, Pressearbeit … Aber wir sind, wie alle, noch auf der Suche nach DEM DING zur besseren Sichtbarkeit von eBooks.

Für wen macht Ihr Bücher: Wie definiert Ihr Eure Zielgruppe, wo steht Ihr Eure spezielle Marktnische?

Wer gern etwas Neues, Überraschendes, Anderes liest, ist bei uns richtig. Das Ewiggleiche gibt es hier nicht. Dafür tolle Entdeckungen und Wiederentdeckungen.

Wo seht Ihr für CulturBooks die größten Chancen?

zoe_cover_Goldschmidt_Weltraum_240Wir verlegen gute Texte. Das halten wir für eine große Chance.

Welche besonderen Risiken verortet Ihr für Euren Verlag?

Dass wir ein unwiderstehliches Übernahmeangebot von einem großen Verlag bekommen und wir unsere Unabhängigkeit aufgeben.

Was schätzt Ihr an der Independent-Szene besonders?

Wie der Name sagt, die Unabhängigkeit. Durch sie ist erst die Individualität, die es für besondere Texte braucht, möglich.

Was würdet Ihr jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Viel Geduld mitbringen. Und keine Reichtümer erwarten.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlt Ihr? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da gibt es schönerweise einige! Unsere Partner Ariadne, Weidle, der hier bereits zu Wort kam, oder Litradukt. Aber auch die Kolleg*innen von den Verlagen Nautilus, Mairisch, Binooki und Verbrecher, den Jörg Sundermeier schon vorgestellt hat, und viele andere machen tolle Bücher. Und ein Gespräch mit Else Laudan von Ariadne lohnt sich auf jeden Fall immer.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

CulturBooks im Netz:

das Logo © Culturebooks

das Logo © Culturbooks

Die Homepage, über die alle eBooks direkt bestellt werden können.

Der Newsletter, der über Neuerscheinungen, Lesungen und Veranstaltungen informiert.

Und natürlich in den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter.

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13 Kommentare zu “„Wir finden ja wirklich toll, was wir da machen.“ — SteglitzMind stellt Zoë Beck und Jan Karsten von CulturBooks vor

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  5. Kurz und knackiges Interview, dass zeigt, was für eine doch recht andere ‚Denke‘ digitale Verleger brauchen. Sehr sehr interessant und ich wünsche CulturBooks viel Erfolg. Mein Problem ist einfach, dass ich es immer noch nicht gerne tue, das digitale Lesen. Ich habe es versucht (HanserBox z.B., auch ein schönes Beispiel, wenn auch nicht von einem kleinen Verlag), aber ich möchte einfach ein Buch in der Hand halten, das riechen usw. Blöd, weiss ich, aber ich glaube und hoffe, das die nachwachsenden Leserinnen und Leser da quasi nativ schon ganz anders rangehen. Und deshalb glaube ich auch, dass die guten digitalen Verlage Erfolg haben können. Drücke jedenfalls dieDaumen.
    Liebe Grüsse
    Kai

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  8. Ich finde es auch toll, was die beiden machen! Sie haben ein geschicktes Händchen, auf ihre drei Säulen zu bauen. Ich wünsche ihen viel Erfolg!

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