“Wir liefern an alle Buchhändler.“ SteglitzMind stellt Peter Trier von Litradukt vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Peter Trier vom Litradukt-Verlag Rede und Antwort. Den Vorschlag haben Zoë Beck und Jan Karsten gemacht, die CulturBooks verantworten.

Eine Skizze vom Verlag …

Gegründet 2006 in Münster von mir, Peter Trier, erste Bücher 2007 erschienen. 2008 in Kehl von meiner Frau Manuela Zeilinger-Trier übernommen, seit 2012 in Trier ansässig (wir heißen zufällig nach der Stadt, in der wir jetzt wohnen). Veröffentlichung ursprünglich im On-Demand-Verfahren, jetzt im Auflagendruck. Keine angestellten Mitarbeiter, aber Zusammenarbeit mit freiberuflichen Übersetzerinnen (bisher waren es nur Frauen), einem freiberuflichen Grafiker sowie der PR-Agentur Schwindkommunikation, Berlin. Bisher nur ein Buch digital erhältlich (Vergabe einer Lizenz an Culturbooks).

litradukt_cover_novi 2015Ihre Programmschwerpunkte?

Wir sind ein Verlag für Literatur aus der Karibik, der Schwerpunkt liegt auf haitianischen Autorinnen und Autoren. Für 2015 geplant: Der Zwang des Unvollendeten (La contrainte de l’inachevé) von Anthony Phelps und Soro, nach Schweinezeiten der zweite Voodoo-Krimi von Gary Victor. Derzeit acht Titel lieferbar (Gary Victor: Schweinezeiten, Kettly Mars: Wilde Zeiten, Fado, Vor dem Verdursten, Emmelie Prophète: Das Testament der Einsamen, Lyonel Trouillot: Jahrestag, Maryse Condé: Victoire, Georges Anglade: Das Lachen Haitis). Wir sind also wirklich ein Klein- oder eher Kleinstverlag.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Ich habe keine andere Möglichkeit gesehen, die Bücher zu übersetzen und herauszubringen, die mir am Herzen lagen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Das Übersetzen von Literatur, der Kontakt mit Autoren und Lesern, das ist einfach interessant und erfüllend.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Nein.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir hatten einfach nur das Glück, auf hervorragende Autoren zu stoßen, die im deutschsprachigen Raum praktisch unbekannt waren und die uns ihr Vertrauen geschenkt haben.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Von Anfang an im Auflagendruck publizieren, den Programmbereich enger fassen. Ursprünglich sollte das Programm außer der Karibik auch Afrika umfassen, das war ein zu weites Feld für einen so kleinen Verlag.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Wir kontaktieren die Autoren der Bücher, die uns am besten gefallen (da wir nur übersetzte Bücher herausbringen, sind die Werke ja schon erschienen). Oft kommt der Kontakt auf Empfehlung anderer Autoren zustande.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Zusammenarbeit mit einer Auslieferung.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

litradukt_Cover_Schweinezeiten jpgUnser größtes Problem. Obwohl wir dank einer sehr fähigen PR-Agentur von Anfang an ein gutes Presseecho hatten, wurden die Bücher außer von einigen Buchhandlungen mit Schwerpunkt auf ‚exotischer‘ Literatur fast nur auf Kundenbestellung geordert. Leser berichteten oft, sie hätten in der Buchhandlung die Auskunft erhalten, das Buch sei nicht lieferbar, obwohl es im VLB gelistet war. (Hier ein Dank an alle Leser, die hartnäckig genug waren, uns daraufhin zu kontaktieren.) Das ist besser geworden, seit wir auch bei Barsortimenten gelistet sind. Wir hoffen, dass wir unsere Präsenz im Buchhandel weiter verbessern können, auch mit Hilfe des Verlagsvertreters, mit dem wir künftig zusammenarbeiten werden.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wir liefern an alle Buchhändler.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Hauptsächlich klassische Pressearbeit und Infomails an interessierte Leser. So oft wie möglich veranstalten wir Lesungen, die nächsten im Mai 2015 mit Anthony Phelps in Berlin, München, Bremen und Köln.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Bisher kein Mitglied.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Literaturliebhaber mit Interesse an fremden Kulturen. Menschen, die sich der Karibik, speziell Haiti, verbunden fühlen.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Gesteigertes Interesse an Haiti und seiner Kultur. Aus leider traurigem Anlass, dem Erdbeben von 2010, ist das schon einmal geschehen. Schönere Szenarien: Einer unserer Autoren erhält den Nobelpreis oder wird zum karibischen Vaclav Havel, Haiti ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse …

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

litradukt_cover_Wilde-ZeitenUnsere Autoren werden so populär, dass sie uns von den großen Verlagen ausgespannt werden (vermutlich ebenso realistisch wie die Szenarien der letzten Frage).

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Die Möglichkeit, Autoren und Werke nach eigenem Geschmack auszuwählen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Je amateurhafter und unerfahrener man selber ist, desto professionellere und erfahrenere Partner sollte man sich suchen. Vorsicht vor allem vor unseriösen Auslieferungen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Liebeskind, München hat ein interessantes Programm. Und Sie sollten auch einmal den Draupadi-Verlag, die Edition Fünf oder den Hanani-Verlag zu Wort kommen lassen.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Signet © litradukt

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6 Kommentare zu ““Wir liefern an alle Buchhändler.“ SteglitzMind stellt Peter Trier von Litradukt vor

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