„Ich mache kein Buch, welches für mich kein Highlight ist.“ – SteglitzMind stellt Bertram Reinecke von Reinecke & Voß vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über Bertram Reinecke vom Leipziger Verlag Reinecke & Voß. Vorgeschlagen hatten das Dirk Uwe Hansen und Eckhard Brauer, Mitverleger und Lektor im Derk Janßen Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Der Leipziger Verlag Reinecke & Voß versteht sich seit 2010 als ein Kristallisationspunkt für Texte, die außergewöhnliche und weniger beachtete Möglichkeiten des Schreibens fruchtbar machen. Dies können althergebrachte Formen, deren Leistungsfähigkeit nicht in Vergessenheit geraten sollte, ebenso sein, wie in Deutschland weitgehend unbekannte Klassiker der Moderne oder neue Titel, die sich mit deren Innovationsfreude oder stilistischer Brillanz messen können. Die Bandbreite kann dabei von einem ernsten Utopismus im Anschluss an die Moderne bis zu erhellenden literarischen Späßen für den postmodernen Vielleser reichen.

Die Programmschwerpunkte?

Da die kleine konzentrierte Form zum Überschreiten hergebrachter Sageweisen besonders einlädt, bildet die Lyrik in unseren Programmen einen besonderen Schwerpunkt. Auf der anderen Seite werden auch jene unserer Titel, bei denen es sich nicht um Gedichtbände im engen Sinne handelt, von Lyrikern und Lyrikinteressierten als besonders relevant für ihre Interessen wahrgenommen. – Derzeit sind 22 Titel lieferbar.

Machen Sie alles alleine?

Ich bin Verleger und arbeite mit freien Grafikern und einem Webmaster zusammen.

Wohin geht die Reise: analog oder digital?

Ich mache keine E-books sondern ausschließlich Taschenbücher.

Ihre persönlichen Highlights?

reinecke_Cover von der unruh-300x475pxDie Bücher sind zu verschieden, als dass ich aus den diesjährigen Frühjahrstiteln Highlights herausgreifen könnte. Der Roman der Open-Mike Preisträgerin 2006 „Kaspers Freundin“, eine erzähltechnisch versierte und ausgelassen ironische Mischung aus psychologisch dichter Beziehungsprosa und Elementen des Vampirromans, lässt sich nicht vergleichen mit einem fiktiven Sachtext, einem erfundenen Traktat der Aufklärung „“Traugott Xaverius Unruh, Von der Sorberwenden Wesenheit und Herkommen““ von Eduard Werner. Ähnlich bei der Lyrik: Sollte ich „Vom Eischlupf“, einen Band mit synoptischen Übersetzungen von Miron Białoszewskis sprachexperimentellen Texten, gegenüber Titus Meyers „Von der Buchstabeneuter Milchwuchtordnung“, einen Band mit strengen Formen wie Palindrom und Anagramm, hervorheben, bloß weil der erstgenannte Band auf die Liste der Lyrikempfehlung des Jahres 2015 gekürt wurde? (Von der Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt und Lyrikkabinett München). Und soll der Band „Mara Genschel Material“ hier ausgelassen werden, auch wenn er als Essayband ein kleineres Publikum erreicht, auch wenn er in der Lyrikszene besondere Aufmerksamkeit findet und z.B. bereits auf Zeit Online rezensiert wurde? Ist es doch ungewöhnlich, dass über eine weitgehend unbekannte Künstlerin ein so intensives Gespräch geführt wird. Eigentlich mache ich kein Buch, welches für mich kein Highlight ist. Das geht, weil für einen kleinen Verlag eine regelmäßige Programmplanung aus Frühjahrs- und Herbstprogramm nicht so vordringlich ist.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Ich fühlte mich damals kompetent in vielen Bereichen der Literatur, hatte literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut studiert, war als Lektor für verschiedene Verlage tätig gewesen, hatte Literaturfestivals organisiert und an verschiedenen Zeitschriften mitgearbeitet. Aber es gab zu dem Zeitpunkt niemanden, der diese Kenntnisse abforderte. Da habe ich gedacht, ich muss mir selbst ein Umfeld bauen, wo ich sie einbringen kann. Warum nicht ein Verlag, da ich wusste, dass es sehr viel schätzenswerte Literatur gab, die nicht zu haben ist. Bei jedem Buch, das nicht lieferbar und auch antiquarisch nicht greifbar war, verstärkte sich dieser Eindruck. Ein Freund bestärkte mich, indem er große Versprechungen machte, Startkapital in Aussicht stellte usw.. Als sich all dies als haltlos erwies, war schon zu viel Arbeit in das Projekt geflossen, als dass ich noch zurück wollte. Alternativ habe ich über eine Zeitschrift nachgedacht. Drei Gedanken brachten mich davon ab. Bei Erscheinen einer neuen Nummer ist die vorige veraltet. Das ist nicht schön. Eine Zeitschrift baucht eine gewisse Regelmäßigkeit. Ich wollte aber nach Textlage entscheiden können und nur Dinge machen, die mich wirklich interessieren. Drittens war abzusehen, dass der Textträger Papier bei relativ geschlossenen Texten länger konkurrenzfähig bleiben würde, als bei heterogenen Sammlungen, wo man als Kunde die ganzen Herstellungskosten mittragen muss, auch wenn einen nur wenige Teile interessieren.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Ich mache etwas, was mich wirklich interessiert. Und wenn ich das Interesse von Mitmenschen, Mitstreitern und Leuten spüre, deren Leistungen ich achte, gibt das auch Kraft.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Zu Anfang habe ich mir mehr davon versprochen. So war ich überrascht, wie sehr Buchhandlungen noch auf gedruckte Programme oder Faxverkehr Wert legten. Ich arbeite heute viel mehr mit Blogs zusammen, auch wenn Literaturzeitschriften ihre Bedeutung nach wie vor nicht verloren haben.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Jedes Buch soll möglichst so sein, dass man etwas Ähnliches nicht leicht irgendwo anders bekommt. Das Alter der Texte spielt keine Rolle. Heraus kristallisiert hat sich ein gewisser Schwerpunkt auf Texten, die Gattungen der Sachliteratur fiktionalisieren. Dieser Schwerpunkt hat aber eher mich gewählt als ich ihn, weil ich überdurchschnittliche Arbeiten in dieser Richtung eben besonders häufig in meinem Verlag unterbringen konnte, angefangen bei Buchmanns Titeln wie „Grammatik der Sprachen von Babel“ über Stolterfohts „Das deutsche Dichterabzeichen“ bis zum oben genannten „Von der Sorberwenden Wesenheit und Herkommen“.

reinecke_cover stolterIch möchte nicht das Sprachrohr einer Szene oder einer Generation oder einer Auffassungsweise von Literatur sein. Deswegen begegnen sich im Umkreis meines Verlages verschiedene Strömungen und Generationen. Der Kritiker Dirk Uwe Hansen hat dafür mal das Wort „Fachverlag für Horizonterweiterung“ geprägt. Auch wenn der Verlag so nur langsam die Kontur seines Markenkerns ausprägt, schätzen es doch die Autoren oft, keinen „Stallgeruch“ aufgeprägt zu bekommen. Außerdem ermöglicht das interessante Allianzen mit ungewöhnlichen und sehr vielfältigen Partnern.

Da Verlage unter heutigen Bedingungen nicht mehr mit ihren Autoren mitwachsen können, denke und plane ich eher nach Titeln als nach Gesamtwerken. Statt wie heute üblich Profil durch Reihengestaltung zu gewinnen, suche ich mit meinen Grafikern jedem Buch das angemessene Kleid zu geben. So wird in meinem Verlag öfters ein guter Text zum Buch, der in anderen Verlagen an den Äußerlichkeiten eines Reihenformats scheitern müsste. Diese Umstände ermöglichen es mir öfters, auch an Texte von Autoren zu kommen, für die sich auch größere Verlage interessieren.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich würde mir einen anderen Partner suchen. Hätte mir einen längeren Vorlauf gegönnt, Kontakte zu knüpfen etc.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Als Lyriker, Literaturdozent, Rezensent und Verleger habe ich ein großes Netzwerk, aus dem ich immer wieder Tipps bekomme und Angebote erhalte. Dennoch taucht manchmal auch etwas wie aus dem Nichts bei mir auf. Titus Meyer z.B. war auch unter meinen Bekannten bis vor einem Jahr weithin unbekannt und erst im Zuge seines Buchprojekts gab er sein Debut auch in Literaturzeitschriften.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Möglichst ohne Zwischeninstanzen, die mir ihre Regeln diktieren können. Auch wenn der Verlag dafür auch dann und wann auf einen Verkauf verzichten muss.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich bin wenig aktiv, um im Buchhandel Fuß zu fassen. Mit einem Spartenprogramm wie meinem habe ich da auch geringere Chancen, sodass sich meine Zusammenarbeit auf wenige Spezialbuchhandlungen beschränkt, zumal ich auch als „Einzelkämpfer“ meine Zeit sehr genau einteilen muss.

Wie halten Sie es mit Amazon?

reinecke_cover_titus meyerIch arbeite nicht mit Amazon zusammen. Ich halte es aus ethischen Gründen für nicht zumutbar, dass die Kunden, die bei mir direkt oder über den Buchhandel ein Buch bestellen, durch einen Buchpreis, wie ich ihn veranschlagen müsste, wollte ich deren Margen berücksichtigen, subventionieren. Die Ausrichtung meines Verlags, der sich an interessierte Vielleser wendet, erlaubt es mir eher auf diese Plattform zu verzichten. Die, die es sich irgend leisten können, sollten das auch tun, denn es ist ärgerlich, dass selbst manche Literaturprofis heute inzwischen oft Amazon als Verzeichnis lieferbarer Bücher missverstehen.

Es ist ein zusätzliches Argument für den guten Buchhandel, dass er Titel verfügbar haben oder machen kann, die sich der Kunde nicht über Amazon besorgen kann.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Ich schalte Anzeigen in Zeitschriften und Büchern (eigenen und solchen anderer Verlage) und arbeite mit Blogs und Internetplattformen zusammen. In begrenztem Ausmaß nehme ich an Verlagspräsentationen, (lokalen) Messen und Ähnlichem teil und organisiere Lesungen meiner Autoren. Außerdem bemühe ich mich natürlich um Rezensionen und andere Medienbeiträge zu meinen Inhalten.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Auch wenn es hier in Leipzig sehr freundliche und hilfsbereite Leute sind, kommt eine Mitgliedschaft für mich nicht in Frage. Abgesehen vom hohen Preis der Mitgliedschaft, profitiert man von Vereinsstrukturen meist nur dann wirklich, wenn man sich da auch für seine eigenen Ziele engagiert. Der Börsenverein muss sehr unterschiedliche Interessen koordinieren. Und ohnehin fehlt mir die Zeit.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Vielleser, die das nicht deswegen sind, weil sie sich mitfiebernd mit den Helden (ihrer Genreromane) die Zeit vertreiben oder ihr Weltbild stabilisieren wollen, sondern die Lesen neugierig als echte Weltentdeckungsstrategie betrachten.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Eine Offenheit, die auch immer in überraschenden Kooperationen münden kann. Außerdem das ehrliche Interesse an bestimmten Texten und neuen Stimmen, dass bei Literaturprofis oft in den Hintergrund gerät, weil sie dem Ideal hinterherlaufen, alles „Relevante“ zu kennen. Manchmal meint man, einige Profis empfänden Neues von unabweisbarer Qualität eher als Bedrohung für ihre epistemische Integrität denn als Bereicherung. Da ist die Off-Szene zugänglicher.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

reinicke_kasparSie sollten möglichst unromantisch sein. Sie sollten ein Anliegen haben, dass ihnen persönlich wichtig ist und nicht genug vertreten wird. Sie sollten also von Inhalten ausgehen, aber nicht denken, mit den ultimativen Texten würde sich alles andere schon finden. Sie sollten nicht deswegen einen Verlag gründen, weil sie einfach gerne lesen oder Bücher ihnen angenehm sind. (Auch wenn das hilfreich ist.) Sie sollten schon gar nicht denken, dass ein Verlag ein schönes Projekt, eine coole Möglichkeit der Selbstverwirklichung ist.

Die Herausforderungen an einen Verleger sind zu vielschichtig, als dass Sie jemals mit Ihrer Arbeit in jeder Hinsicht zufrieden sein könnten. Darüber hinaus finden sich immer Leute, die sich die Erfolge des Verlags an die eigene Brust heften und solche die die Misserfolge bei Ihnen suchen. Einen Erfolg wird ein Autor eher auf die Qualität seines Textes zurückführen, während Misserfolge fraglos darin liegen, dass es Ihnen nicht gelingt, ihn genug zu fördern. Zum Beispiel in den Buchhandel zu bringen, seinem Titel ein verkaufsförderndes Design zu geben oder weil Sie Ihre Seite nicht genug googleoptimiert haben etc. Es besteht nie Grund zur Überheblichkeit: Einem Buch, dass so großartig ist, dass ich es mache, wünschte ich regelmäßig einen schlagkräftigeren Verlag als meinen. Einen, der mehr für dessen Durchsetzung tun könnte.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Oh, da gibt es viele. Um nicht den einen zu übergehen, indem ich den anderen herausgreife, nenne ich hier nur Distillery und Urs Engelers roughbooks. Zwei Verlage, für die ich insofern meine Hand ins Feuer legen kann, als ich auch als Autor sehr gute Erfahrungen mit ihnen gemacht habe. Zum Beispiel waren die Absprachen immer so reibungslos und verlässlich, dass man nie auf schriftliche Abmachungen zurückgreifen musste. Zusätzlich sei noch, weil sie ganz frisch und verheißungsvoll gestartet ist, die Brueterich Press genannt.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo © Reinecke & Voß

das Logo © Reinecke & Voß

Reinecke & Voß im Netz:

Am regelmäßigsten berichten www.lyrikzeitung.com/, http://www.fixpoetry.com/ die Leipziger Internetzeitung www.l-iz.de und http://www.poetenladen.de/ über unseren Verlag.

Auf unserer eigenen Seite versuche ich möglichst alle erreichbaren Rezensionen zu verlinken: www.reinecke-voss.de

Ein ¾-stündiges Interview zu mir und meiner Arbeit finden man hier: http://mephisto976.de/news/mein-schreiben-hat-sich-radikalisiert-46719

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Buchhändler gefragt! Wie haben Sie Bücher zu DDR-Zeiten verkauft?

Seitdem Matthias Mehner, der ehemals im volkseigenen Buchhandel der DDR tätig gewesen ist, hier Rede und Antwort stand, trage ich mich mit dem Gedanken, auf SteglitzMind eine weitere Gesprächsreihe an den Start zu bringen, in der Buchhändler/innen aus der ehemaligen DDR zu Wort kommen: Wie sah der berufliche Alltag für sie in der DDR eigentlich aus? Wie haben sie die Wende und die Wiedervereinigung erlebt? Vor welchen Herausforderungen stehen sie heute?  Je intensiver ich mich mit diesen und anderen Fragen beschäftigte, desto stärker trieb mich das Anliegen um, Buchhändlerinnen und Buchhändler einzuladen, über ihre diesbezüglichen Erfahrungen und Erlebnissen zu berichten. – Und nun hoffe ich sehr, dass ich mich nicht nur in eine „fixe Idee“ verrannt habe …

Die lose Gesprächsreihe beginnt mit Ines Günther und Heike Wenige. Beide waren ab den 1980er im volkseigenen Buchhandel tätig. Ines Günther ist heute noch in jenem Betrieb in Leipzig beschäftigt ist, der sie 1982 nach ihrem Abschluss an der Fachschule für Buchhändler übernommen hatte. Für Heike ging es 1990 zunächst ebenfalls im alten Geschäft weiter. Dann wechselte sie in einen Buchladen nach Chemnitz, um schließlich 1994 im sächsischen Freiberg ihren eigenen Taschenbuchladen zu eröffnen.

Autokennzeichen der DDR © GvP

Autokennzeichen der DDR © GvP

Doch bevor sie ihre Erfahrungen mit uns teilen, werde ich hier vorab in fünf Beiträgen skizzieren, wie die Bedingungen des sozialistischen Literaturvertriebs ausgesehen haben und welche Auswirkungen der Strukturwandel infolge der Privatisierung für die ostdeutsche Branche hatte. Das ist vermutlich ein waghalsiges Vorhaben, da die Entwicklungen des Buchhandels im Unterschied zum „Schicksal der DDR-Verlage“ (z.B. Christoph Links 2009) im Rahmen der zeithistorischen Forschungen noch kaum betrachtet wurden. Dietrich Löffler, der sich mit dem Funktions- und Strukturwandel des Buchhandels in der DDR beschäftigt hat, meint aufgrund der Quellenlage sogar, dass sich die Vorgänge heute nur noch über Berichte von ehemaligen Mitarbeitern rekonstruieren lassen.

Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn sich Zeitzeugen bereit erklären würden, das Vorhaben zu unterstützen. Vielleicht können wir ja gemeinsam einige Lücken füllen?

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Quellennachweise:

  • Simone Barck/Martina Langermann/Siegfried Lokatis: „Jedes Buch ein Abenteuer.“ Zensur-System und literarische Öffentlichkeit in der DDR bis Ende der sechziger Jahre, Berlin 1997
  • Irene Böhme, Die Buchhändlerin. Roman, Berlin 1999
  • Heinz Börner/Bernd Härtner: Im Leseland. Die Geschichte des Volksbuchhandels, Berlin 2012
  • Wolfgang Emmerich, Kleine Literaturgeschichte der DDR, Leipzig 1996
  • Nils Kahlefendt, Abschied vom Leseland? Die ostdeutsche Buchhandels- und Verlagslandschaft zwischen Ab- und Aufbruch, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 13/2000
  • Christoph Links: Das Schicksal der DDR-Verlage. Die Privatisierung und ihre Konsequenzen, Berlin 2009
  • Christoph Links: Was blieb vom Leseland?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 11/2009.
  • Dietrich Löffler, Buch und Lesen in der DDR. Ein literatursoziologischer Rückblick, Berlin 2011
  • Dietrich Löffler: Zwischen Literaturvertrieb und Buchmarkt. Der Buchmarkt der DDR seit den siebziger Jahren. Typoskript, Halle o.J.
  • Jürgen Petry: Das Monopol. Die Geschichte des Leipziger Kommissions- und Großbuchhandels LKG, Leipzig 2001
  • Joachim Walther/Gesine von Prittwitz: Sicherungsbereich Literatur. Schriftsteller und Staatssicherheit in der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1996
  • Reinhard Wittmann, Geschichte des deutschen Buchhandels, München 1999

Zur ersten Folge „Das ungelöste Verhältnis von Politik und Ökonomie“ geht es hier

„In den Niederlagen des Alltagsgeschäftes erinnere ich mich an die Erfolge.“ – SteglitzMind stellt Eckhard Brauer vom Derk Janßen Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über Eckhard Brauer, Mitverleger und Lektor im Derk Janßen Verlag.

Vorgeschlagen hatte das Jörg Braunsdorf von der Tucholsky-Buchhandlung. Jörg ist übrigens Mitveranstalter von READ!BERLIN, einem Literaturfestival, das der Digitalisierung der Gesellschaft, des Literaturgeschäfts und neuen Erzählformen Rechnung tragen will. Es findet vom 24. bis 30. April 2015 vornehmlich rund um die Berliner Torstraße statt.

Eine Skizze vom Verlag …

Der Verlag wurde 2005 in Freiburg im Breisgau von Derk Janßen mit Buchideen zum amerikanischen Transzendentalismus gegründet. 2011 trat Eckhard Brauer als Partner in den Verlag ein und der Verlag erweiterte sein Programm um die Herausgabe von zeitgenössischer Lyrik, 2013 kam zeitgenössische Prosa hinzu. 2014 erhielt der Verlag für sein literarisches Gesamtprogramm den Landespreis für literarisch ambitionierte kleinere Verlage des Landes Baden-Württemberg.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

janßen_S.F.A._WiGDas habe ich meinen Cousin vor zehn Jahren auch gefragt und er hat gemeint, es müsse sein. Im Ernst: Der Verlagsgründer Derk Janßen hat sich innerhalb seiner juristischen Doktorarbeit von der Juristerei immer weiter entfernt und der Literatur genähert, wobei er in seiner Arbeit ausgegangen ist von Herrmann Broch, der wohl auch eher als Literat bekannt ist als Jurist. So gelang er irgendwann in die Tiefen der Amerikanischen Transzendentalisten des 19. Jahrhunderts, stieß auf Walt Whitman und Ralph Waldo Emerson und hatte die Idee, diese großen amerikanischen Denker des 19. Jahrhunderts auch den deutschen Lesern (wieder) nahe zu bringen und gründete mit dem Verlag irgendwie auch wieder einen Club der toten Dichter, der zunehmend auch prominente Anhänger fand und findet.

Nach einer Zäsur kam 2010 der Lyriker S.F. Ahrens auf uns zu, mit der Idee, Gedichte als „Flugblätter“ in einer Reihe Flugblätter Lyrik zu verlegen, eine Loseblattsammlung, gedruckt auf edlem Papier, eingelegt in kleinen Umschlagkartons im Jackettaschenformat. Und korrespondierend zu diesem Format stellte uns Ahrens die Idee seiner geplanten Trilogie „Worte im Gehen“ vor. Unter diesem Titel stellten wir auch seinen ersten Band 2011 vor. Seitdem bin auch ich aktiv im Verlag, habe das Lektorat übernommen, organisiere und betreue Lesereisen der Autoren im Norden der Republik. Der Verlagssitz ist in Freiburg im Breisgau, ich selbst lebe in Kiel.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

In erster Linie aus den persönlichen Begegnungen mit den Autoren und in der Auseinandersetzung mit ihrer Sprache. In den Niederlagen des Alltagsgeschäftes erinnere ich mich an die Erfolge. Zuletzt an den Förderpreis für literarisch ambitionierte Kleinverlage des Landes Baden Württemberg, der uns angesichts unseres sehr überschaubaren Sortiments eher unverhofft erreichte.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Wir machen (noch) keine elektronischen Bücher. Die Kommunikationsmöglichkeiten sind gerade für mich, 860 Kilometer vom Verlagsstandort entfernt, unverzichtbar.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Das kann ich so nicht sagen. Gestalterisch und inhaltlich mögen sich Dritte (gern positiv) dazu äußern. Andere unabhängige Verlage nehmen wir sehr viel eher als Kollegen denn als Konkurrenten wahr.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich würde gern auf die teuersten Fehler verzichten.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Bislang auf persönliche Empfehlungen hin.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

(Noch) direkt selbst.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

janßen_H.H._SchutzgebietGrundsätzlich immer zu wenig. Wir suchen nach Buchhandlungen, zu deren Sortiment unsere Formate passen könnten. Zuletzt in der Tucholsky-Buchhandlung in Berlin, dessen Inhaber unsern Verlag für Ihren Blog vorgeschlagen hat. Auf einen Barsortimenter haben wir zeitweise ganz verzichtet.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Persönlich beiße ich mir jetzt auf die Zunge. Als Mitverleger kann ich sagen, sind unsere Berührungspunkte bislang eher klein. Ansonsten gilt -wie bei den Anderen auch – zu besorgen, dass unsere Rezensionsexemplare, die wir an die „Großkopferten“ schicken, von denen direkt auf die Rampe gen Amazonschlund landen. Dann ist es irgendwie bedrückend und gleichermaßen drollig, wenn Kulturredakteure in ihren Medien den Verlust der Art(en)vielfalt durch Amazon und Co beweinen, während in den Katakomben der Sendeanstalten und Redaktionen unsere Bücher über die Rampen rauschen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Grundsätzlich zu wenig; Lesungen, Flyer, Klinkenputzen, all das, was die Anderen auch mit wenig Geld machen können. Aber an dieser Stelle nenne ich mal mein Highlight der Bücherjahre 2013 bis 2015: Die Erzählung, „Im Schutzgebiet“ von Hans Hoischen und konterkariere damit den Aktualitätswahn gleichermaßen wie den Jugendwahn in der Branche.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind kein Mitglied. Der mögliche Nutzen rechtfertigt zu diesem Zeitpunkt nicht die aufzuwendenden Kosten.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Zielgruppe sind bestenfalls bibliophile Leser mit großer Freude an unserer anspruchsvollen Muttersprache. Das ist zumindest unser Anspruch. Was die Marktnische angeht, klingt es vielleicht ketzerisch, wenn ich sage, eine solche Melange an Formaten ist so marktfremd, dass sie hoffentlich schon wieder auffällt. Jedenfalls ist das Programm in seiner Abfolge schon etwas außergewöhnlich: Da wird als erstes mit Walt Whitman der vielleicht größte amerikanische Lyriker nicht als solcher (neu) verlegt, sondern wird für viele doch überraschend als politischer Essayist vorgestellt. Wenn man aber in seinem Werk „Demokratische Ausblicke“ liest und er über die Spekulanten als „Vulgärlinge“ herzieht, dann hat man den Eindruck, den Börsenboom unserer Tage vor Augen, das Buch sei gestern geschrieben worden. Dann folgt zeitgenössische Lyrik, die jedenfalls monetären Segen so gut wie nie verspricht und erst dann zuletzt öffnet sich der Verlag mit der ersten Erzählung der zeitgenössischen Prosa.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

janßen_W.W._AusblickeDurch die marktfremde Melange aufzufallen. So könnte ich die nächste Frage gleich mit beantworten mit dem Risiko, nicht aufzufallen. Aber ohne Lakonie, besteht die Chance darin, Bücher ganz grundsätzlich so zu gestalten, dass sie sich von der Masse abheben und nicht nur uns gefallen. Der Buchhändler sollte bestenfalls das Buch in den Händen halten und sagen: Na, das ist doch mal was anderes, das verkaufe ich gern und diese Freude am Buch an den Leser weiterreichen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Die Schwierigkeit liegt darin, dass schon der Herstellungsprozess zeitaufwändig ist und dann oft die Mittel fehlen, die nötige Aufmerksamkeit zu erreichen. Vermarktung und Vertrieb sind besonders für uns Kleinverleger die Achillesferse. Das Buch muss erst mal in die Hände des Buchhändlers gelangen, oder für uns natürlich noch besser gleich in die Hände des Lesers.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Ihre wortwörtliche Unabhängigkeit und Freiheit und die dort dementsprechend sich engagierenden Menschen mit ihrem Idealismus.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Ich halte mich hier nicht für einen geeigneten Ratgeber, habe aber den Eindruck, jetzt gerade auch auf der Leipziger Messe, gewonnen, dass bei den technischen Möglichkeiten heute das finanzielle Risiko sich doch auch sehr in Grenzen halten kann. Vermutlich war es noch nie so günstig, einen Verlagsballon mal steigen zu lassen. Für einen nachhaltig wirtschaftlich funktionierenden Verlag, sollten an dieser Stelle Verleger zu Wort kommen, die aus ihrer Passion auch einen Brotberuf machen konnten.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Eine Reihe von Verlagen, die ich empfehlen könnte, sind bei Ihnen schon zu Wort gekommen. Reinicke & Voss – der Verlag ist noch nicht dabei, den ich hier gern vorschlagen möchte. Das Lyrikprogramm dieses Leipziger Verlags ist sehr beachtlich. Auch den Achter Verlag von Wolfgang Orians, den wir in Leipzig auf der Messe kennengelernt haben, möchte ich empfehlen. Die Art der Buchgestaltung wie auch besonders die Präsentation hat uns sehr beeindruckt. Unsere Gespräche drehten sich – nicht wirklich überraschend – um die Fragen, die hier im Blog gestellt werden.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo © Derk Janßen Verlag

das Logo © Derk Janßen Verlag

Der Derk Janßen Verlag im Netz:

Die Homepage: www.derk-janssen-verlag.de

 

„Unabhängigkeit spricht eigentlich für sich selbst.“ SteglitzMind stellt Mark Fischer vom Epsilon-Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Mark Fischer vom Epsilon-Verlag Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Eckart Schott, der Salleck Publications verantwortet.

Eine Skizze vom Verlag …

Mark O. Fischer © Epsilon-Verlag

Mark O. Fischer © Epsilon-Verlag

Gegründet 1997, sesshaft in Schleswig-Holstein, Ein-Mann-Betrieb, spezialisiert auf gezeichnete Geschichten, bis jetzt 166 lieferbare Titel, davon 19 auch digital.

Ihre persönlichen Highlights?

Ein Highlight ist eigentlich jeder Titel und aktuell immer das, woran man gerade arbeitet. Spannend sind nicht nur die Comics selbst, sondern auch die Entstehung derselben, wie sie in Gesamtausgaben dokumentiert werden wie aktuell in der von Rubine.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Seit dem Sammeln des alten ZACK war das immer mein Ziel, ich habe dann Verlagsherstellung studiert und danach den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Es gibt eigentlich nichts Besseres als sein Hobby zum Beruf zu machen, auch wenn einem dafür nicht gerade der rote Teppich ausgelegt wird. Zudem ist jede Veröffentlichung einer neuen Geschichte auch ein kreativer schöpferischer Akt, auch wenn ich nicht selbst der Autor bin.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Nicht mehr mit Filmen, sondern mit Daten zu arbeiten, erleichtert vieles, nicht nur beim Herstellen, sondern auch beim Korrigieren. Auch die digitale Übertragung der Daten erspart viel Zeit und Kurierkosten.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

In der Ruhe liegt die Kraft. Ich lasse mich nicht mehr hetzen, um alles gestern zu produzieren, was erst übermorgen gekauft wird, sondern mache heute das, was geht, damit es mich übermorgen auch noch gibt. Und ich bewerbe lieber Titel, die man kaufen kann, als solche, die man erst dann kaufen kann, wenn die Werbung schon Schnee von gestern ist. Zudem bilde ich mir ein, die übersichtlichste und interessanteste Homepage von allen zu haben.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Reich sein. Denn es bewahrheitet sich leider immer wieder, dass man nur dann ein kleines Vermögen machen kann, wenn man ein großes investiert.

Wie gewinnen Sie Autoren?

epsilon_coverLizenzen suche ich mir aus und die deutschen Künstler kommen von selbst.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

PPM für den Fachhandel, Barsortimente und Privatkunden beliefere ich selber.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich habe es mal mit einem Vertreter versucht, mit der Erkenntnis, dass die Buchhändler das Angebot gerne auf Nachfrage bestellen. Insofern führt kein Weg an der Nachfrage vorbei. Je größer die Nachfrage, desto mehr wird bestellt und desto eher landet auch was im Sortiment.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Theoretisch bräuchte ich das nicht. Die Kunden könnten ja auch direkt auf meiner Homepage bestellen. Aber die Erfahrung zeigt, dass Kunden lieber da kaufen, wo sie alles kriegen, was aber ein Trugschluss ist. Denn letztlich ist Amazon nur eine moderne Form von Kaufhaus, die von allem etwas haben. Es sind dort längst nicht mehr alle Titel direkt lieferbar. Amazon ist aber auch offen für Fremdanbieter. So kann man auch als Verlag seine Titel dort direkt anbieten, allerdings nur mit einem Aufschlag 3 € Porto pro Titel. Dann werden sie von mir direkt beliefert und wenn sie dann feststellen, dass sie die von mir direkt portofrei bekommen hätten, landen sie beim nächsten Mal doch lieber auf meiner Homepage.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Von Facebook bis Messe handhabe ich das flexibel, je nachdem was das Werbebudget gerade hergibt.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Nun, ISBN und VLB sind doch ganz sinnvoll.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Mein Programm ist eigentlich für alle offen, die keine Scheu davor haben, dass eine interessante Geschichte gezeichnet ist. Das kann spannend, lustig oder auch tiefsinnig sein. Bei mir kann jeder etwas Interessantes finden. Ich arbeite dabei nicht mit Genre-Schubladen, sondern lasse die Leser die Vielfalt selbst entdecken.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Ich sähe die größten Chancen eigentlich im Zeitschriftenhandel, weil der Nachfrage-Markt im Buch- und Fachhandel doch sehr zäh ist. Ich sehe aber bislang keinen bezahlbaren Weg dorthin. Solange das so ist, bleiben auf dem Weg der kleinen Schritte immer Möglichkeiten Qualität, Quantität und Marketing zu verbessern.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das größte Risiko ist immer auch mit hervorragenden Titeln in der Masse der Konkurrenz unterzugehen, zumal gezeichnete Geschichten im Vergleich zu anderen Medien immer noch ein Schattendasein führen und Investitionen in eine nachwachsende Leserschaft über Jahrzehnte vernachlässigt wurden.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

das Logo © Epsilon-Verlag

das Logo © Epsilon-Verlag

Unabhängigkeit spricht eigentlich für sich selbst. Man kann machen, was man will, ohne sich vor anderen rechtfertigen zu müssen. Wenn das, was man macht, gut ankommt, hat man Glück, wenn nicht so, hat man trotzdem etwas Schönes geschaffen, zu dem man stehen kann.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Je größer das Startkapital, desto größer sind die Chancen, im Markt Fuß zu fassen. Als Hobby geht natürlich alles, aber wenn man davon leben will, sollte man das vorher gut und realistisch durchkalkulieren.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da gibt es schon noch ein paar mehr gute kleine Comic-Verlage. Für seine offenen Antworten schätze ich sehr den noch sehr jungen Verlag dani books.

Danke sehr für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Epsilon-Verlag im Netz:

Die Homepage: www.epsilongrafix.de

„Ohne die Digitalisierung wäre unser Arbeiten undenkbar!“ – SteglitzMind stellt das Team vom Verlagshaus J. Frank vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über  Johannes CS Frank, Andrea Schmidt und Dominik Ziller vom Berliner Verlagshaus J. Frank. Vorgeschlagen hatten das Helge Pfannenschmidt von der edition azur sowie Daniel Ketteler und Christoph Wenzel vom [SIC]-Literaturverlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Wir sind ein Berliner Independent-Verlag und haben uns der Lyrik verschrieben.

Die Programmschwerpunkte?

Wir veröffentlichen ausnahmslos Texte, die eine eigene Relevanz und Dringlichkeit beanspruchen. Jenseits von Klischees wollen unsere Texte verändern und Bleibendes schaffen. Leser_innen und Autor_innen werden zu Verbündeten. In unseren Publikationen treten Illustrationen und Typografie als eigenständige Ausdrucksformen in einen Dialog mit dem Text. So entstehen einzigartige Gesamtkompositionen, Kostbarkeiten, die unsere Leidenschaft für Bücher widerspiegeln.

Unsere Bücher erscheinen in fünf Reihen:

  • »Edition Belletristik« – das Herz des Verlages schlägt für Lyrik der Gegenwart
  • »Edition ReVers « – verlorene, vergessene, verborgene Gedichte neu erkundet.
  • »Edition Polyphon« – die internationale Reihe für das globale Gedicht.
  • »Edition Poeticon« – die Essay-Reihe zur Theorie hinter der Lyrik.
  • »Edition Panopticon« – Graphic Novels und Illustrierte Bücher stehen hier im Vordergrund.

Bisher sind über 80 Bücher im Verlagshaus erschienen

Machen Sie alles alleine?

das Team  © Verlagshaus Frank

das Team © Verlagshaus Frank

Seit 2005 wird das Verlagshaus von Johannes CS Frank, Andrea Schmidt und Dominik Ziller geführt: Überzeugungstätern, Literatur- und Illustrationsverrückten.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Die Entwicklung des Verlages war gar nicht unbedingt abzusehen, daher muss die Frage vermutlich so beantwortet werden: Zunächst war das Verlagshaus ein Zeitschriftenverlag, der ausschließlich die „Belletristik. Magazin für Literatur und Illustration“ veröffentlichte. Das Magazin blieb auch in den ersten Jahren des Verlages sein Rückgrat. Wir hatten gerade gelernt, wie ein Zeitschriftenverlag funktionieren kann, da haben wir Anfang 2010 den Verlag neu erfunden und zu einem Buchverlag weiterentwickelt. Das als Antwort auf struktureller Ebene. Aber der Reiz daran, einen Verlag zu führen, ist nicht in der Struktur zu finden. Ideen Öffentlichkeit zu geben, Poetiken, politische Ansätze und Gedanken, Diskurse mitzuprägen, Autor_innen über Jahre zu begleiten und gemeinsam an der Lyrik in all ihrer Vielfalt zu arbeiten – das ist der Reiz des Verlegens. Aber natürlich auch, für Leser_innen Zugänge zu Lyrik zu schaffen und diese Form der Literatur einem noch größeren Publikum zu öffnen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Das Engagement, oder vielmehr die Kraft, ziehen wir in allererster Linie aus der Literatur, die wir veröffentlichen – aus der Begeisterung für diese Universen auf kleinstem Raum, die Gedichte sind.

Die Zusammenarbeit mit unseren Autor_innen ist dazu immer wieder eine Quelle, aus der wir Kraft schöpfen können: Wir begreifen unseren Autor_innenstamm nicht nur als eine Versammlung von Solitären, sondern auch als eine Gruppe, die gemeinsam für etwas eintritt, für bestimmte Vorstellungen von Lyrik und bestimmten Zielen, die aus diesen Konzeptionen erwachsen. Glücklicherweise können wir auch sagen, dass das Engagement auf immer mehr Resonanz trifft – innerhalb der Literaturlandschaft, aber auch in Form von Buchverkäufen, hohen Zuhörer_innenzahlen bei unseren Veranstaltungen oder eine stetig wachsende Präsenz im Feuilleton.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Ohne die Digitalisierung wäre unser Arbeiten undenkbar! Hier geht es einerseits um die Kommunikation innerhalb des Teams – in den ersten Jahren unserer Arbeit haben wir von unterschiedlichen Standorten aus zusammengearbeitet, von Besprechungen bis hin zum Setzen unserer Publikationen, da war der ganze Verlag auf digitale Strukturen angewiesen, um arbeitsfähig zu sein. Das hat sich in den letzten Jahren nur insofern geändert, als dass 90% unserer Kommunikation mit unseren Partner_innen und besonders unseren internationalen Autor_innen digital verläuft.

Eine ganz andere Ebene ist die der Digitalisierung unserer Inhalte. Und hier sehen wir die Digitalisierung als Chance! Allerdings sind die Formate gerade für einen Lyrikverlag bisher limitiert in ihren Möglichkeiten: Ein E-Book ist allein schon technisch gesehen nicht das richtige Format für die Lyrik, wenn man E-Books als digitale Abbilder von Büchern versteht. Dies führte bei uns zu einer einfachen Frage: Wenn wir uns bei der Buchproduktion hoher Qualität, distinguierbarem Design und künstlerischem Anspruch verschreiben – wie können wir die limitierten gestalterischen Möglichkeiten bei E-Books uns und unseren Leser_innen gegenüber rechtfertigen? Wir glauben, eine Lösung gefunden zu haben, aber hierzu verraten wir noch nichts!

Es ist zumindest nach unserer Überzeugung wichtig, den digitalen Raum auch für das Lesen von Lyrik zu öffnen – wir können den E-Book-Markt nicht der Genre-Literatur überlassen!

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Konkurrenz ist in unserem Bereich ein Begriff, mit dem wir relativ wenig anfangen können: Es gibt vielleicht drei oder vier andere Verlage, die vergleichsweise viel Lyrik verlegen, die begreifen wir aber nicht als Konkurrenten.

Das, was uns sicher gegenüber den anderen Verlagen auszeichnet, ist die Konzentration auf das Verlegen von Lyrik. Und diese Konzentration, diese Fokussierung, werden wir in Zukunft noch stärker in den Vordergrund rücken. Schon unser Slogan, poetisiert euch! ist auch als Positionierung zu verstehen – diesen konsequent in unserer Arbeit zu vertreten und durch unsere Publikationen zu verkörpern, das ist das, was uns auszeichnet.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Natürlich haben wir in der Anfangsphase Fehler gemacht, aber wir haben beständig dazu gelernt. Was wir rückblickend anders machen würden, wäre von Anfang an die Zusammenarbeit mit starken Partner_innen zu suchen – sowohl in der Presse-Arbeit, also auch im Vertrieb, in der Verlagsvertretung oder auch der Zusammenarbeit mit der richtigen Druckerei.

In diesem Jahr, in dem wir unser zehnjähriges Bestehen feiern, werden wir tatsächlich den Verlag noch einmal anders aufstellen. Solche Jubiläen bieten u. a. die Chance einer stärkeren Fokussierung auf Programmgestaltung und Verlagskommunikation.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Unsere Autorinnen und Autoren kommen über unterschiedliche Wege zu uns. Wenn wir jemanden wahrnehmen, der mit seiner oder ihrer Literatur gut in das Verlagshaus passen würde, sprechen wir ihn oder sie gezielt an. Für unsere internationale Reihe, die Edition Polyphon, besonders aber unsere Reihe, in der wir vergessene Dichter_innen oder bisher nicht ins Deutsche übertragene Texte von bekannteren Autor_innen veröffentlichen, in der Edition ReVers lassen wir uns auch Autor_innen empfehlen Die Internationalität wird für unseren Verlag immer wichtiger, und wir sehen in der internationalen Lyrikvermittlung – besonders von internationaler Lyrik in Deutschland – einen wichtigen Weg für unsere zukünftige Arbeit.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Unser Vertrieb ruht auf zwei Säulen: Eine wichtige Rolle spielt unser Direktvertrieb, also der Verkauf von Büchern über unsere Internetseite und bei unseren Lesungen bzw. denen unserer Autor_innen. Gerade unsere Internetseite ist besonders wichtig für uns, diese wird in diesem Jahr einem Relaunch unterzogen! Die zweite Säule ist die des „klassischen“ Buchvertriebs: Wir arbeiten mit Grossisten und der Gemeinsamen Verlagsauslieferung Göttingen zusammen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

das Logo  © Verlagshaus Frank

das Logo © Verlagshaus Frank

Wir arbeiten mit den Vertreterinnen von Indiebook zusammen, die uns im wahrsten Sinne des Wortes gegenüber dem Buchhandel vertreten. Mit ihrem Engagement für unsere Bücher sind sie ein ganz wichtiger Baustein für unsere gegenwärtige Position und auch für die Zukunft des Verlages. Für uns wird der Buchhandel immer wichtiger, im Buchhandel sehen wir auch weiterhin die Zukunft für den Verkauf von Lyrik. Es ist für uns schon ein großer Erfolg, dass unsere Bücher in über 120 Buchhandlungen zu finden sind. Wir haben dazu enge Verbindungen zu individuellen Buchhändler_innen, bei denen wir das Gefühl haben, dass sie in der Auffassung ihrer Arbeit unserer Arbeit entsprechen – das sind ganz wunderbare Beziehungen, die so entstehen. Wir lernen auch viel von diesen Buchhändler_innen, die tatsächlich auch Spezialist_innen mit einem unheimlich reichem Erfahrungs- und vor allem Leseschatz sind.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wir arbeiten nicht mehr direkt mit Amazon zusammen. Das hat einerseits ganz einfache wirtschaftliche Gründe: Beim so genannten „Partnerprogramm“ von Amazon mussten wir nicht nur 55% des Coverpreises eines jeden Buches Amazon lassen, sondern zusätzlich Versandkosten bezahlen, und am Schluss noch dafür, dass wir ihnen eine Rechnung stellten. So haben wir mit jedem Buch, das über Amazon verkauft wurde, einen Verlust gemacht. Das und dazu auch die Frage, mit welcher Art von Partner_innen wir unseren verlegerischen Weg beschreiten möchten, hat zu der Entscheidung geführt, nicht mehr mit Amazon zusammenzuarbeiten. Amazon ist jetzt für uns wie jede andere Buchhandlung: Sie beziehen unsere Bücher über die Grossisten. Auf Amazon ganz zu verzichten, wäre nicht im Sinne unserer Autor_innen, und das ist ein großes Problem dieser Quasi-Monopolstellung im digitalen Buchhandel: Gibt es das Buch nicht bei Amazon, gibt es das Buch nicht.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Ganz wichtig für uns sind die Möglichkeiten sozialer Netzwerke – aber wir sehen Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram nicht in erster Linie als Marketing-Tools, sondern als Möglichkeiten, über unsere Arbeit zu berichten und mit unseren Leser_innen in Kontakt zu treten sowie uns auch selbst zu informieren. Die konstante Markenführung mit hohem Wiedererkennungseffekt spielt hier auch eine große Rolle – von der Gestaltung unserer Präsenzen im Internet über unsere Werbemittel bis hin zu Messe-Auftritten oder unseren Büchern selbst. Wir stellen fest, dass unser Slogan, poetisiert euch, ein Leben jenseits des Verlages führt: Unsere poetisiert euch-Aufkleber werden mittlerweile überall auf der Welt geklebt. Unter dem Hashtag #poetisierteuch kann man das mitverfolgen. Natürlich ist auch die Zusammenarbeit mit unserer Presse-Agentur PR Kirchner sehr wichtig für unser Marketing. All diese Bausteine tragen dazu bei, die nötige Aufmerksamkeit auf den Verlag zu lenken. Presseartikel führen ja leider nicht direkt zu Buchverkäufen, aber sie informieren, sie sind wichtig für die Darstellung und Dokumentation unserer Arbeit. Lesungen könnte man ähnlich betrachten, obwohl sie in allererster Linie eine andere Funktion erfüllen – die der Verbreitung der Literatur, die in unserem Verlag erscheint.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind zahlende Mitglieder. Für den Buchhandel ist die Funktion sicher eine andere als für uns. Für Verlage ist die Notwendigkeit einer Mitgliedschaft nicht unbedingt nachzuvollziehen. Allerdings ist der Berliner Zweig für uns im Veranstaltungsbereich interessant: Sowohl beim Format „24 Stunden Buch“ und auch „Stadt, Land, Buch“ gab es bisher gute Zusammenarbeiten.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Wir machen unsere Bücher für alle, die sich von Lyrik begeistern lassen können. Eine Zielgruppenanalyse lässt immer nur eine Betrachtung der Gegenwart zu – aber die Potentialanalyse ist für uns spannend: Es können neue Räume für die Lyrik eröffnet werden. Und daran arbeiten wir!

Lyrik erlebt gerade einen regelrechten Boom. Das ist das Ergebnis der Arbeit vieler unabhängiger Verlage, von Veranstaltungsreihen, Festivals, Netzwerken, Autor_innen – der Leser_innenkreis wächst, und wir mit ihm!

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Die Chancen für einen Verlag entstehen zwangsläufig aus der Programmgestaltung. An dieser arbeiten wir täglich und freuen uns schon riesig auf die nächsten Jahre Literatur aus dem Verlagshaus!

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das Risiko für einen Lyrikverlag ist immer dasselbe: dass niemand unsere Bücher liest.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Wir schätzen die Möglichkeit der Selbstbestimmung und Unabhängigkeit in der Programmgestaltung.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Es einfach zu tun – zu wissen, welche Art von Literatur man verlegen möchte und im besten Fall, warum. Keine Angst zu haben, das Scheitern in Kauf zu nehmen und mutige Entscheidungen zu treffen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Mit hochroth verbindet uns eine besondere Verlagsfreundschaft und wir schätzen den Einsatz, verlegerisches Handeln neu zu denken.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Das Verlagshaus J. Frank im Netz:

poetisiert-euch.de Website (Neue Website + Neue URL im Laufe des Jahres)

www.facebook.com/verlagshaus

https://twitter.com/_Verlagshaus

instagram.com/verlagshaus (Hashtag #poetisierteuch)

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