„Wir waren doch keine Dealer!“ Gespräche mit ehemaligen DDR-Buchhändlern

Nach Sommerpause, Sommerflaute und Sommerhitze geht es hier mit dem Vorhaben weiter, auf den Buchhandel in der DDR zurückzuschauen. Im Unterschied zu den DDR-Verlagen fand er ja im Rahmen der zeithistorischen Forschung bislang wenig Beachtung. Dietrich Löffler, der sich mit dem Funktions- und Strukturwandel des Buchhandels der DDR beschäftigt hat, hält es aufgrund der Quellenlage sogar für möglich, dass sich die Vorgänge heute nur noch über Berichte von ehemaligen Mitarbeitern rekonstruieren lassen.

Meinen hier publizierten Versuch, die Bedingungen des sozialistischen Literaturvertriebs und den Strukturwandel des ostdeutschen Buchhandels infolge der Privatisierung zu skizzieren, habe ich mit der Bitte verknüpft, dass sich Zeitzeugen mit ihren Erfahrungen einbringen mögen. Die besagte Skizze – auf magerer Quellenlage entstanden – mag hierbei vielleicht einige Denkanstöße bieten.

… ich wollte einfach Erinnerungen provozieren. Die meisten unserer Erinnerungen liegen ja versteckt und sind nicht willentlich heraufzubeschwören; es bedarf eines Anstoßes von außen, einer bestimmten Geste, eines bestimmten Wortes, eines bestimmten Bildes, um sie ins Bewusstsein heraufzuholen. (Franz Fühmann, Böhmen am Meer)

Mein Dank gilt allen, mit denen ich mich bislang habe austauschen dürfen. Ab sofort werde ich die Gespräche in loser Folge dokumentieren. Den Anfang macht die ehemalige Volksbuchhändlerin Heike Wenige, die sich zum Vorhaben selbst bereits zu Wort gemeldet hat. Heute erinnert sie sich an ihre Lehrjahre im volkseigenen Buchhandel ab 1986. Teil 2 unseres Gesprächs dreht sich um ihre Erfahrungen nach der Wende.

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Heike, warum wolltest du Buchhändlerin werden?

Das ist nach 27 Berufsjahren mittlerweile eine schwer zu beantwortende Frage… Damals wollte ich das wirklich sehr gerne. Ich komme aus einer Buchhändler- und Antiquariatsfamilie, das prägte die Liebe zum geschriebenen Wort, zum Buch.

Den praktischen Teil deiner Ausbildung hast du in der „Akademischen Buchhandlung für Montanwissenschaften“ im sächsischen Freiberg absolviert. War das dein Wunschbetrieb?

Den Ausbildungsbetrieb legte der Volksbuchhandel fest, da gab es nicht viel zu wünschen. Als jugendlicher Leser war ich eher in der anderen Buchhandlung meiner Stadt Stammgast, das war aber auch örtlich bedingt. Ich habe mich damals sehr über die Zusage gefreut. Lehrstellen im Buchhandel waren damals rar. Meiner Erinnerung nach gab es im gesamten Bezirk Karl-Marx-Stadt im Jahr 1986 nur zehn davon.

Wo bist du während deiner Lehre zur Schule gegangen?

Die theoretische Ausbildung fand in Leipzig an der Buchhändlerschule statt. Sie unterstand damals dem Direktor Härtling. Unsere Klasse besuchten Lehrlinge aus den Bezirken Karl-Marx-Stadt, Dresden und Leipzig. Genauso wie heute wurde im Block unterrichtet. Zu meiner Zeit ging es dort schon ziemlich liberal zu.

Was war in Leipzig anders als in deinem Ausbildungsbetrieb?

Heike Wenige © Marco Borrmann

Heike Wenige © Marco Borrmann

Die Zeit in Leipzig unterschied sich wesentlich von der praktischen Ausbildung in Freiberg. Man hatte sehr viel mehr freie Zeit zur Verfügung, da die Schule jeden Tag um ein Uhr aus war. Untergebracht waren wir in einer schönen, aber sehr baufälligen Villa in Gohlis. Wir lebten das typische Mädcheninternatsleben, wie viele andere auch. Aber Leipzig bot uns eben eine ganze Menge – vor allem Theater (wir bekamen die Eintrittskarten vergünstigt), Kino, Oper, Museen… Unsere „Ausgangszeiten“ wurden bis zur letzten Minute ausgeschöpft. Eine wunderbare Zeit!

Gab es etwas, woran du als Lehrling besonders Anstoß genommen hast?

Eigentlich nicht. Außer den Schließzeiten des Internats vielleicht, fällt mir nichts Schwerwiegendes ein. Die Lehrzeit fiel mir sehr leicht. Neben den geforderten Buchbesprechungen, Hausarbeiten und dem Lernen der Fachtermini musste ich nicht allzu viel machen.

Auf was wurde während deiner Ausbildung besonders großen Wert gelegt?

Etwas, was ich heute sehr vermisse – umfassende Allgemeinbildung, die uns hauptsächlich in der theoretischen Ausbildung vermittelt wurde. In der Praxis war es unter anderem auch sehr wichtig, dass man Autorenkenntnisse und literarisches Wissen hatte und sich bei den Verlagsprofilen auskannte. Es gab auch einen sozialistischen Berufswettbewerb unter den Lehrlingen. Dieser Wettbewerb wurde nach den Benotungen und der Anzahl der angefertigten Buchbesprechungen entschieden. So kam man vierteljährlich zu einer Prämie ohne viel Aufheben dafür machen zu müssen.

Welchen Anteil hatte die Staatsbürgerkunde im Rahmen deiner Ausbildung?

In der Praxis gar nicht. Und in der Theorie wurde eigentlich nur Stoff vermittelt, der aus der allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule sowieso schon bekannt war. Wie ich hier schon einmal gesagt habe: 1986 waren in der DDR andere politische Zeiten angebrochen.

Was war während deiner Lehrzeit buchhändlerische Pflichtlektüre?

Ich habe nachschauen müssen: Pflichtlektüre im Sinne einer Literaturliste gab es nicht. Man musste Buchbesprechungen machen und die waren gemischt aus eigens gewählter Lektüre und solchen Büchern, die der Lehrausbilder aus dem aktuellen Sortiment für wichtig hielt. Diese Titel wurden unter anderem dann auch den Mitarbeitern im Ausbildungsbetrieb vorgestellt. Es gab einen Leseplan, der dem Lehrling, dem Ausbilder und der Schule eine gewisse Auswahl vorschrieb, das wurde aber eher großzügig gehandelt. Man musste beispielsweise sich je eine Neuerscheinung aus der Verlagen Neues Leben, Mitteldeutscher Verlag, Aufbau Verlag, Hinstorff und Verlag Volk und Welt auswählen und besprechen.

Welche Bedeutung hatten die „Ordnung für den Literaturbetrieb“ und das „Statut für den Volksbuchhändler“ in deinem buchhändlerischen Alltag?

Nominell waren die beiden Verordnungen während meiner Ausbildung und der sich daran anschließenden Tätigkeit in der „Akademischen Buchhhandlung“ bis zur Wende sicherlich von Bedeutung. Aber dass ich bewusst danach gehandelt hätte, daran kann ich mich nicht erinnern. Die „Ordnung für den Literaturbetrieb“ zumindest wurde in der theoretischen und praktischen Ausbildung ausführlich behandelt. An das „Statut für den Volksbuchhändler“ kann ich mich überhaupt nicht erinnern.

Kannst du bestätigen, dass der Volksbuchhandel eine erzieherische Funktion hatte und dementsprechend auch in der Pflicht stand, politisch genehme „Schwerpunkttitel“ an den Mann und die Frau zu bringen?

Zu meiner Zeit galt das wahrlich nicht mehr.

Nach der bestandenen Lehre hat dich dein Ausbildungsbetrieb übernommen. Warst du mit dieser Entscheidung glücklich?

Ja sehr! Die „Akademische Buchhandlung“ in Freiberg  war (und ist) eine sehr angesehene Buchhandlung und die Mitarbeiter sind zum Teil Freunde geworden, mit denen man auch die Freizeit verbrachte. Die Übernahme des Marxismus-Leninismus-Sortimentes war natürlich nicht mein Wunsch. Das war wohl eher dem Umstand geschuldet, dass die dafür Verantwortliche, die Mitglied der Partei war, entlassen wurde.

Waren zu deiner Zeit Schriften des Marxismus-Leninismus überhaupt noch gefragt?

Ich habe gerade unser riesiges Lager im Keller vor Augen, das mit all den roten Bänden gefüllt war. Nach meiner Lehre wurde es allerdings wieder spannend (zumindest für meinen damaligen studentischen Freundeskreis), sich diese Literatur zuzulegen…

Wichtig war die Planerfüllung. Aber auch der Umsatz von Parteiliteratur und Importbuch musste stimmen. Wie wurde in eurem Betrieb verfahren, wenn absehbar war, dass der Plan nicht erfüllt werden konnte?

Ganz einfach – die Parteigenossen wurden angeschrieben, dass die zugeteilte Literatur doch bitte abzuholen sei. Das kam offenbar einer Parteirüge nahe… Und der sonstige Plan wurde recht ähnlich erfüllt. Man schrieb Rechnungen, etwa an die Adresse der diversen Vertriebsmitarbeiter, die im Namen unserer Buchhandlung in Betrieben und anderen Einrichtungen Bücher verkauften.

Idealerweise waren leitende Stellen mit SED-Mitgliedern besetzt. Wie präsent war die Partei in deinem Betrieb?

In unserem Kollektiv gab es lediglich eine Mitarbeiterin, die der SED angehörte – und das war ziemlich unsichtbar. Meiner Erinnerung nach verließ sie die Frühstücksrunde immer dann, wenn die politische Diskussion zu heftig oder Unmut zu laut geäußert wurden.

Wie sah eure Zusammenarbeit mit der Bezirksdirektion des Volksbuchhandels aus? Und wie mit der Zentralen Leitung des Volksbuchhandels?

Dazu kann ich nichts sagen. Unsere Buchhandlungsleiterin informierte nur regelmäßig über Gespräche.

Habt ihr als Mitarbeiter diese Funktionäre überhaupt jemals zu Gesicht bekommen?

In der Buchhandlung nicht, aber zu offiziellen Terminen für die Lehrlinge schon.

Welche Titel waren während deiner Zeit besonders schwer zu beschaffen und welche lagerten wie Blei?

Ach, das kann man gar nicht so einfach beantworten, eigentlich gar nicht im Detail. Zum Beispiel waren Bücher von Christa Wolf und von Christoph Hein gefragt. Dafür lagen andere zeitgenössische Autoren im Laden, zu denen ich keine Namen mehr parat habe. Die „Edition Neue Texte“ aus dem Mitteldeutschen Verlag fällt mir in diesem Zusammenhang ein. Wobei es da auch manche Entdeckung gab.

Bückware. Gingen in eurem Betrieb auch Bücher unter der Ladentheke weg? Erinnerst du dich noch daran, was besonders begehrt war?

Begehrt war alles, was nicht im Laden stand! Unsere Chefin hatte einen Schrank in ihrem Büro, wo die begehrten Schätze lagerten. Angefangen vom Kinderbuch über das Kochbuch bis hin zu populären Autoren und bibliophilen Ausgaben. Nicht zu vergessen Importware, etwa vom Diogenes Verlag, die ebenfalls ausschließlich von der Chefin höchstpersönlich verteilt wurde.

Wie haben eure Kunden reagiert, wenn Wunschlektüre partout nicht lieferbar war?

Man lebte in einer Mangelwirtschaft und war es gewöhnt, nicht alles zu bekommen, was man wollte.

Wie lief das mit den Vorbestellungen?

Davon hatten wir dicke Stapel in der Buchhandlung. Unparteiisch ging es bei der Verteilung nicht immer zu. Da hieß es beispielsweise „Das ist mein Zahnarzt“ und „Das ist mein Fernsehmechaniker“. Oder „Da bekommen wir Eintrittskarten für…“, aber auch „Die hat jetzt das dritte Kind bekommen – die sollten wir bedenken“ oder „Der braucht das für sein Studium“. In unserem Wareneingangskeller gab es häufig viel zu Lachen. Und manches Mal war man einfach überglücklich, wenn das Zettelchen bedacht wurde, auf dem der eigene Namen stand, obwohl der Stapel der gelieferten Vorbestellungen arg klein war. Einmal habe ich vorsichtig nach einem Märchenbuch nachgefragt. Dafür bekam ich im Schuhladen dann die dringend benötigten Winterstiefel…

Das Buch war nicht nur eine begehrte Ware, sondern auch ein beliebtes Tauschobjekt. Hat das auch das Image des Buchhändlers beeinflusst?

Der Buchhändler galt zu DDR-Zeiten als Intellektueller, als ein politisch aufgeschlossenes Mitglied der Gesellschaft. – Nein, wir waren doch keine Dealer!!

Woran erinnerst du dich besonders gerne in dieser Phase zwischen 1986 – 1989?

An den fast täglichen Wandel, an offene Worte, an verbotene Meetings und Demonstrationen, an Plakate malen, an ein Miteinander.

Hat dich die Wende überrascht?

Nein.

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Heike Wenige (geb. 1969) wurde nach einer buchhändlerischen Lehre 1986 – 1988 von ihrem Ausbildungsbetrieb, der „Akademischen Buchhandlung für Montanwissenschaften“ in Freiberg, übernommen. Nach der Vereinigung führte Barbara Hackel, die den Buchladen seit 1972 leitete, den ehemals volkseigenen Betrieb in die Selbstständigkeit. 1992 wechselte Heike Wenige von dort nach Chemnitz in den Buchladen einer Freundin. 1994 kehrte sie nach Freiberg zurück, wo sie im November ihren Taschenbuchladen eröffnete.

Ich würde mich freuen, wenn sich weitere Zeitzeugen einfänden, um das eine und andere aus der eigenen Erfahrung zurechtzurücken und/oder Lücken zu schließen.

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„Wir verstehen uns als Verlag für bibliophile LeserInnen.“ SteglitzMind stellt Wolfgang Gosch und Virgil Guggenberger von der Edition Krill vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Wolfgang Gosch und Virgil Guggenberger, die die Wiener Edition Krill gegründet haben. Den Vorschlag machte Ralph Klever vom Klever Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Virgil Guggenberger und Wolfgang Gosch © Klaus Pichler

Virgil Guggenberger und Wolfgang Gosch © Klaus Pichler

Wir, Wolfgang Gosch und Virgil Guggenberger, gründeten die Edition Krill im Sommer 2007 in Wien per Handschlag, um in den Grauzonen der Buchgenres Entdeckungen zu machen.

In der Schnittmenge von Kunst, Literatur und grafischer Umsetzung unternehmen wir, bzw. die Edition Krill, seitdem immer wieder aufs Neue den Versuch, dem Medium Buch inhaltlich wie gestalterisch nahe- und beizukommen und daraus die schönen Eigenheiten des Objektes für den Leser zu entwickeln. Der zentrale Gedanke des Verlages ist sich durch kein Programm festschreiben oder einschränken zu wollen, sondern alle Gattungen und Gebiete der Handhabe Buch als Möglichkeiten offen zu lassen. Der besondere Reiz eines Themas bestimmt, was umgesetzt wird.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Die Idee zu einem Verlag entstand aus dem immer stärker werdenden Wunsch heraus, Bücher nicht mehr nur zu konsumieren, sondern sie selbst anzutreiben, zu initiieren, sie selbst zu produzieren. Von einem als Konsumenten eher passiven Zugang zum Buch hin zu einem aktiven Zugang als Editor, als Verleger, um sich quasi dem Thema von der anderen Seite her zu nähern.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Letztendlich treibt uns immer wieder die Neugierde an auf das, was sich aus einem konkreten Buchprojekt machen lässt, wie es anfangs gedacht war und wohin es sich im Laufe der Konzeption und Umsetzung dann entwickelt. Ein Bild für uns dazu ist in etwa so, die Kiesel am Ufer eines Bachbettes umzudrehen und nachzusehen, was darunter verborgen ist, und sich dann davon anregen zu lassen. Ähnlich auch die Idee, den Blick abseits des ausgetreten Wegesrandes zu halten und auf das Besondere zu achten, das sich gerne erst auf den zweiten Blick erschließt.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Digitalisierung ist für die Edition Krill in dem Sinn nie ein Thema gewesen – und wird es aller Voraussicht nach auch nicht werden –, da für uns die Haptik des Buches im Allgemeinen und in Form von Ausstattung und Papierwahl im Besonderen immer ein zentraler Teil bei der Gestaltung und Umsetzung der Buchprojekte ist.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir verstehen andere Verlage durchaus nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr unsere Edition Krill als eine spannende Bereicherung in der Sparte der Kleinverlage. Was uns von anderen Verlagen unterscheiden mag, ist, dass wir neben unserer Tätigkeit als Verleger, Herausgeber und Gestalter noch einige Seitenarme betreiben, etwa das Projekt »Immer Freitag«, das als wöchentliche Kolumne auf der Webseite der Edition Krill beispielgebend ist für unser Selbstverständnis als Verleger und Buchgestalter.

Ein anderes Beispiel ist die »Ehrenwerte Krill’sche Reisebuchflottille«, zwölf Bücher mit leeren Seiten, die an zwölf ausgesuchte und auf der ganzen Welt verstreute Personen versandt wurden. Mit dem Buch erhielten sie die Aufforderung, etwas in die leeren Seiten einzutragen und das Buch anschließend weiterzuschicken auf die Reise zu neuen Personen. Die anfangs leeren Alben kehren schließlich voller Geschichte und Geschichten zur Edition Krill zurück.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Da wir die Edition Krill nicht aus wirtschaftlichen Überlegungen gegründet haben und wir somit ganz nach dem Lustprinzip vorgehen konnten, hatten wir die Möglichkeit, recht ungezwungen und mit vielen persönlichen Freiheiten das Projekt zu entwickeln. Das scheint uns auch heute noch richtig so.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Zum Großteil entstehen unsere Projekte über persönliche Verbindungen. Seien das Empfehlungen oder Tipps unserer AutorInnen auf mögliche zukünftige AutorInnen oder auch durch den schönen „Möglichmacher Zufall“, woraus sich schon interessante Projekte ergeben haben.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Ganz klassisch via Auslieferung.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Grundsätzlich haben wir festgestellt, dass der persönliche Kontakt, gerade für einen kleinen, jedoch recht speziellen Verlag wie uns, enorm wichtig ist. Entsprechend haben wir Kontakt zu einigen ausgesuchten Buchhandlungen, die sich für unsere Bücher interessieren und unser Programm aktiv verfolgen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Unsere Bücher sind via Amazon erhältlich.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

das Logo © Edition Krill

das Logo © Edition Krill

Wir folgen dabei dem Prinzip „Qualität statt Quantität“, nehmen uns die notwendige Zeit und Aufmerksamkeit für Kontakte und Ankündigungen, halten deren Zahl aber klein.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Wir haben soweit eine gute Zusammenarbeit, allerdings nicht viele Übeschneidungspunkte.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Die Edition Krill ist für all jene interessant, die neben dem Buchinhalt auch der Buchgestaltung großen Wert beimessen. Wir verstehen uns als Verlag für bibliophile LeserInnen.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Für uns war es immer wichtig, unseren Buchprojekten die notwendige Zeit zu geben, sie in unserem Sinne und im Sinne der AutorInnen zu entwickeln. Wir haben das bis heute beibehalten. Die Möglichkeit, bei unseren Projekten auf das Detail Rücksicht nehmen zu können, sehen wir gerade mit Blick auf die Zukunft als besonders wichtig an.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Grundsätzlich ist dabei immer die wirtschaftliche Komponente mitzudenken. Es war uns allerdings von Anfang an bewusst, dass man einen Verlag unserer Ausrichtung kommerziell nur in kleinen Schritten wird denken können.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Vielfalt und Unabhängigkeit in den Programmen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sich sehr genau mit der persönlichen Motivation dazu auseinanderzusetzen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Empfehlen möchten wir den Artbook Verlag. Das ist quasi persönlicher Natur, da wir dem Verleger Dennis de Kort schon lange verbunden sind. Einerseits über die Zusammenarbeit bei der Bildreproduktion für eines unserer Buch-Projekte (wo wir seine sehr genaue und bedachte Arbeitsweise näher kennen lernen durften). Andererseits auch deshalb, weil die Edition Krill aus vielerlei Gründen ursprünglich einmal als Teil des Artbook Verlages gedacht war, als eine Art zweite, etwas „freiere“ Schiene zu den Kunstbüchern des Artbook Verlages. Letztlich haben wir uns gemeinsam entschieden, doch separate Projekte entstehen zu lassen. Aber die Diskussionen und Gespräche dabei haben unserer Wertschätzung für das Selbstverständnis von Dennis de Kort als Verleger von Kunstbüchern verfestigt.

Was uns diesbezüglich verbindet, ist der Wunsch nach einer sehr unmittelbaren und aktiven Zusammenarbeit mit allen Beteiligten eines Projektes. Seien das nun AutorInnen wie bei der Edition Krill oder hauptsächlich KünstlerInnen wie bei Artbook. Und abschließend gesagt: So wie wir bei der Edition Krill legt auch Dennis de Kort bei Artbook stets großen Wert auf eine hochwertige und grafisch stimmige Umsetzung seiner Buchprojekte. Dieses Gesamtpaket gefällt uns schlichtweg

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Die Edition Krill im Netz:

Edition Krill: http://www.editionkrill.at/

Immer Freitag: http://www.editionkrill.at/freitag.html

Die Ehrenwerte Krill’sche Buchflottille: http://log.editionkrill.at/de/