„Wer sich erst fragen muss, ob er einen Verlag gründen sollte, ist schon am falschen Platz.“ – SteglitzMind stellt Olaf Spittel vom Verlag 28 Eichen vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Olaf Spittel, der den Verlag 28 Eichen verantwortet. Vorgeschlagen hatte das Nadine Erler.

Eine Skizze vom Verlag …

Olaf Spittel © Studio Montevideo

Olaf Spittel © Studio Montevideo

Der Verlag 28 Eichen ist kein kleiner, sondern ein sehr kleiner Verlag – mit den unbescheidensten Ansprüchen (an sich und andere), die Sie sich vorstellen können. Gründung im Dezember 2003 – nach einigen Jahren der Vorbereitung. Verlagsort ist Barnstorf (und spezieller noch der Ortsteil Dreeke), sehr ländlich in Niedersachsen gelegen und mit einem herrlichen Blick in jede Richtung. Die 28 Eichen stehen tatsächlich vor dem Haus. Mitarbeiter: 1 (und eine Reihe von Herausgebern, Übersetzern und nicht zuletzt Autoren, ohne die gar nichts ginge).

Die Programmschwerpunkte?

Alles, was gut ist und Spaß macht. Sonst: zu viele, um sie sinnvoll aufzuzählen. Erwähnenswert ist bestimmt eine 44bändige Reihe mit Werken von Conan Doyle. Insgesamt rund 100 Titel, die ich nicht „backlist“ nenne, und von denen so gut wie alle auch lieferbar sind, allesamt als Buch. Einige Erfahrungen mit eBooks waren bislang nicht ermutigend; allerdings soll sich das in Kürze ändern. (Dennoch bleibe ich in diesem Punkt skeptisch. Keinesfalls sehe ich einen Niedergang des gedruckten Buches.)

Ihre persönlichen Highlights?

Ich mache kein Buch, das für mich kein Highlight wäre. Mit der Pistole auf der Brust: eine vierbändige Dramenausgabe von Klauspeter Bungert (der Mann wird ein Klassiker), ein abenteuerlicher Auswandererroman von Heinz Meistermann („Whitecap“), der Roman über die Zeit des englischen Regency von Doyle („Rodney Stone“ – als Ergebnis einer sehr spannenden Zusammenarbeit mit einer ganzen Gruppe von Übersetzern von der Uni Düsseldorf) und schließlich „Jane auf Lantern Hill“ von Lucy Montgomery – ein bezauberndes Kinderbuch der kanadischen Autorin, die jeder kennt, wetten?

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Es musste „nicht unbedingt“ ein Verlag sein, war es zunächst auch nicht. Irgendwann aber kam verschiedenes zusammen, nicht zuletzt auch die Freiheit, es tun zu können.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Engagement ist keine Frage der Schwierigkeiten, die ihm entgegenstehen. Der Rest kommt von selbst, wenn Sie einen guten Text in der Hand haben.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Ich schreibe nicht mehr auf einer Schreibmaschine. (Aber das meinte die Frage wohl nicht). Im Produktionsprozess ist Digitalisierung eine große Erleichterung, die kleine Verlage erst ermöglicht – und es ist gleichzeitig gefährlich, da es den Einzelnen zwingt/verführt, alles selbst zu tun, statt Arbeiten auf Spezialisten auszulagern.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Nichts. Ich mache es, so gut ich kann – wie alle anderen auch. (Oder ist das nicht schon eine ganze Menge?)

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Wenig. Das meiste muss man auch erst erlernen. Ich würde die Frage anders beantworten, wenn Sie hinzufügten „mit sehr viel Geld“.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Die gewinnen mich (oder auch nicht).

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Mit bestem Bemühen, aber höchst unzureichend. Ich könnte fünf Vertreter beschäftigen – aber nicht bezahlen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Tägliches Bemühen. Der Sortimentsbuchhandel ignoriert kleine Verlage weitgehend – was anders aber schlecht möglich wäre. Leider habe ich immer wieder erlebt, dass Angestellte in Buchläden (Buchhändler sind das nicht) ihr Handwerk nicht beherrschen und bei der Recherche nach Titeln versagen. Dagegen ist man machtlos. Und leider befindet sich der gesamte Buchhandel in einer Kette wirtschaftlicher Zwänge, die es ihm eigentlich nicht ermöglicht, mit kleinen Verlagen zusammenzuarbeiten.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Als Partner ist Amazon mir zu teuer.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Alles, was ich vermag – also zu wenig. (Falls das zu mager klingt: Ich habe sehr viel versucht und habe sehr wenig erreicht.)

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Gar nicht. Ich sehe keine Leistungen für mich.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Ich arbeite nicht für Nischen, sondern für die ganze breite Leserschaft. Es ist mein Angebot – ob die Leserschaft es annimmt, ist eine andere Frage.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

das Logo © Verlag 28 Eichen

das Logo © Verlag 28 Eichen

In einer lebendigen deutschen Literaturlandschaft, die sich von Literaturkonzernen und Medienpäpsten etabliert hat.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Keine besonderen: ich kann Pleite gehen, wie jeder Unternehmer auch.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Ich kann mit dem Begriff wenig anfangen. In der Musikbranche ist sie notweniger Lieferant neuer Impulse. Dort fängt alles an – bevor es im Mainstream landet. Vielleicht ist es in der Literatur ähnlich.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Hände weg! Das ist kein Spiel. Wer sich erst fragen muss, ob er einen Verlag gründen sollte, ist schon am falschen Platz. Für alle anderen gilt: Tut, was ihr nicht lassen könnt – und vergeßt nicht den Spaß dabei.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Jetzt fragen Sie den Bäcker, wo man sonst noch gutes Brot kaufen kann?

Warum eigentlich nicht? Herzlichen Dank für Ihr Mittun in dieser Interviewreihe.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Verlag 28 Eichen im Netz:

www.verlag28eichen.de

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