„Ich muss das einfach tun.“ – SteglitzMind stellt Hartmut Abendschein von der edition taberna kritika vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht das 50. Gespräch an. Mit Hartmut Abendschein, der seine edition taberna kritika 2007 ins Leben gerufen hat. Den Vorschlag machte Günter Vallaster von der edition ch.

Eine Skizze vom Verlag …

Hartmut Abendschein © Sabine Jansen

Hartmut Abendschein © Sabine Jansen

Die edition taberna kritika (kurz: etkbooks) ist ein Literaturverlag mit Sitz in Bern. Ende 2007 habe ich den Verlag gegründet, um eine Plattform für anspruchsvolle formale, inhaltliche und sprachliche Experimente zu schaffen. Vorausgegangen ist eine längere Beschäftigung im und mit dem Umfeld der Netz- und Weblogliteratur – als Autor und Herausgeber, seit Anfang der 2000er. Mein literarisches Weblog hieß damals und heißt heute noch taberna kritika, mittlerweile ist es vor allem Werkstatt und literarischer, digitaler Vorlass.

Die Programmschwerpunkte?

Der Editionsname kommt also nicht von ungefähr. Mit der Edition versuche ich in kleinstmöglicher Struktur eine maximale literarische Bandbreite abzubilden, in der auch die Darstellung von offenen Textformen und Schreibprozessen sowie unterschiedlichste Medientypen Platz finden. Vor 2 bis 3 Jahren habe ich ihr eine noch stärkere konzeptuelle Ausrichtung verpasst. Sie ist jetzt eine differentielle Exempelsammlung in Progress. In den Medien Buch, Objekt und Digitales Objekt erschließt sie systematisch das Feld eines erweiterten Literatur- und Lesebegriffs und untersucht die vielfältigen Produktions- und Rezeptionsmöglichkeiten literarischer Ausdrucksformen. Im Lo-Fi-Modus soll einer durch Markt und Betrieb verengten Ästhetik ein breites Spektrum an Arbeiten entgegengehalten werden, die einschlägige Kategorisierungen um Autorschaft, Werk und Gattung problematisieren.

Machen Sie alles alleine?

Ich mache immer noch das Meiste alleine, habe aber Unterstützung in der Auslandsauslieferung durch eine Kölner Galerie und eine Handvoll Leute, mit denen immer wieder kleine Veranstaltungen durchgeführt werden. Wenn ich etwas nicht selbst machen kann, hole ich punktuell auch freie Mitarbeiter bzw. Dienstleister mit ins Boot.

Ihre persönlichen Highlights?

etbooks cover1Highlights? Da jeder Titel für eine eigene Koordinate steht und jetzt und künftig eine Bedeutung in der Gesamtstruktur hat, habe ich keinen speziellen Liebling. Auffälliger sind natürlich gewisse Titel, die medial stärker rezipiert wurden, oder einen Preis oder Förderungen erhielten etc. Wie Roland Reichens “Sundergrund”, Li Mollets “sondern”, Franz Dodels “Von Tieren” oder das “Schellendiskursli” von mir.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Nach Buchhandelsausbildung, Literaturstudium, Praktika und Volontariat im Bereich Literatur – Buch – Medien lag das für mich lange auf der Hand. Da ich noch einen anderen – allerdings literaturaffinen – Job habe, bin ich sozusagen teilselbständig. Damit hänge ich finanziell nicht vollständig vom Wohl und Wehe der Produktion ab und bin inhaltlich und programmgestalterisch sehr unabhängig. Das schätze ich sehr. (In gewissem Sinne ist es sicher aber auch eine Kompensationsstrategie, weil man in meinem Alter eher nicht mehr in einer Punkrockband spielt.)

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Als neugieriger und geselliger Mensch sehe ich da keine Schwierigkeiten. Außerdem, wenn man das als künstlerische Arbeit bezeichnen will: ich muss das einfach tun.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Da ich mich immer schon mit Digitalität beschäftigt habe, gab es keine großen Veränderungen. Gewisse Workflows waren von Anfang an auch schon so da. Im Laufe der Zeit konnte ich aber einige Prozesse verschlanken und optimieren.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

etbooks cover2Ich habe immer schon den Merve-Verlag bewundert mit seiner minimalistischen Serialität. Die aber immer absolut stimmig und zeitgemäß war. (Natürlich gibt es noch einige andere Verlage, die das so durchziehen.) etkbooks orientiert sich teilweise daran, hat programmatisch aber einen etwas anderen Ansatz. Tendenziell sind abseitigere Schreibansätze, Mischformen, Experimente, medial und inhaltlich gewagtere Konzepte gefragt. Auch: ein spielerischer Umgang mit der Materialität von Zeichen. Und dabei soll es nicht allzu verkrampft zugehen. Das Ignorieren betrieblicher Buchzyklen, beispielsweise, kann sehr befreiend sein.

Prinzipiell sehe ich die ganze Verlagsproduktion, also den Verlagstext, eher als akkumulatives Gesamtkunstwerk. Ein einzelner Titel steht dabei weniger im Vordergrund als der Dialog der Texte untereinander. Und dieser Dialog soll auch auf der Höhe der Zeit stattfinden. Hochgejazzte Autorschaftsinszenierungen gibt es bei etkbooks auch nicht.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich glaube, das war ganz OK so, wie es bislang lief …

Wie gewinnen Sie Autoren?

etbooks cover3Über Netzwerke (z.B. litblogs.net), Veranstaltungen, die ich besuche, oder auf kleineren Messen, auf denen ich ausstelle. Auch über persönliche Kontakte, schreibende Freunde. Wenige Male bin ich auch schon auf Autoren direkt zugegangen, wenn ein Textansatz besonders gut ins Programm gepasst hat. etkbooks bekommt allerdings auch regelmäßig unverlangte Manuskripteinreichungen. Meistens merke ich aber sofort, dass sich die Verfasser gar nicht mit dem Verlagskonzept beschäftigt haben und die Texte passen dann nicht mal ansatzweise. Jedenfalls ist die Textpipeline voll und ich muss gerade das Jahr 2017 ordnen. Da ich selbst auch schreibe, muss ich noch hinzufügen, dass immer mal wieder auch ein Bändchen von mir bei etkbooks erscheint. Ich war zwar früher auch schon bei einigen anderen kleinen Verlagen. Derzeit habe ich aber keine Lust mehr, mit – für Außenstehende – seltsamen, abseitigen, unverständlichen, aber mir wichtigen Textprojekten und Schreibansätzen auf langwierige Verlagssuche zu gehen. Wozu auch, wo ich mir doch nun so ein kleines Maschinchen gebaut habe.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wie gesagt: ich mache das Meiste selbst. (Bis auf die Auslandsversände etc.) Das ist in der Größenordnung gerade noch leistbar. Wie es in 5 Jahren aussehen wird, kann ich im Moment allerdings noch nicht sagen, weil ja doch auch ein gemächliches, aber kontinuierliches Wachstum zu verzeichnen ist.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich freue mich, wenn der Buchhandel bei mir bestellt. Das macht bei mir derzeit vielleicht knapp die Hälfte aller Bestellungen aus. Aber sicher kann man das noch verbessern. Ein paar gut sortierte, spezialisierte Buchhandlungen, auch solche mit Kunstkontexten, haben etkbooks-Novitäten immer an Lager. Ich forciere aber nicht eine breitere Streuung bzw. Präsenz in Buchläden mit allgemeinem Sortiment. Es sind ja in der Regel keine Bücher, die sich im Stapel von selbst verkaufen, weil da wie wahnsinnig in die Werbung gepumpt wird.

Wie halten Sie es mit Amazon?

etbooks cover4etkbooks liefert keine Bücher über Amazon aus und hat dort auch kein Lager – keine Margenkämpfe, keine Magenkrämpfe. Um Zweitverwertern und Ramschern das Feld aber nicht kampflos alleine zu überlassen, bietet es die Bücher über den Marketplace an. Zudem bleibt der Titel so als lieferbarer Titel präsent. Wo es sinnvoll ist, gibt es etkbooks als Kindle-Editions, ca. ½ Jahr nach Erscheinen der Printedition. Die Digitalen Ausgaben gibt es natürlich auch auf anderen Plattformen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Das übliche im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten: Mailings, Twitter, Blogposts, Messeauftritte, ab und zu mal eine Anzeige. Rezensionsexemplare, die auf Abruf, aber generell großzügig ausgegeben werden. Auch an interessierte BuchbloggerInnen. Die Kooperation mit SWIPS hilft bei der Vernetzung. Veranstaltungen, Lesungen etc. sind natürlich auch nicht schlecht … Ab und zu gibt es einen kleinen Preis oder Titelförderungen, die können etwas beflügeln.

Wie halten Sie es mit dem Schweizer Buchhändlerverband?

Der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV macht immer wieder gute Sachen und ist in der Schweizer Buchbranche eine wichtige Instanz, auch wenn ich nicht mit allen Überlegungen und Maßnahmen einverstanden bin. etkbooks ist allerdings (noch) zu klein dafür. Dafür ist etkbooks bei SWIPS dabei, die oft mit dem SBVV kooperieren.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Lesende mit Sinn für Bewusstseinserweiterungen, Theorie in der Praxis, Experimente, Freude am Erkenntnisgewinn, an Prozesshaftigkeiten, Fragmenten und komplettistischer Sammelwut.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen? Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

etbooks cover5Die Chancen und Risiken halten sich gegenseitig in Schach. Das hat ein gewisses Entspannungspotential.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Das sind oft ganz angenehme Leute. Meistens können sie gute Partys organisieren.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Es stellt sich die Frage: soll damit (hauptsächlich) Geld oder (hauptsächlich) Kunst gemacht werden? Für den ersten Fall habe ich keinen Tipp. Der interessiert mich eigentlich auch gar nicht. Für Fall 2: Ein stabiles Konzept und ein langer Atem schaden da nicht. Ein Nichtverstandenwerden bzw. Pathologisierungen muss man aushalten können. Am besten, man legt sich erst mal eine Lederjacke zu.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

In dieser Reihe wurden schon einige Verlage genannt, die ich gut finde und deren Produktion ich interessiert verfolge. Auf die SWIPS Independent Publishers habe ich auch schon aufmerksam gemacht. Namentlich will ich noch die kleinen Literaturverlage wie bspw. den verlag die brotsuppe, Der gesunde Menschenversand oder die edition pudelundpinscher erwähnen. Und: Ein Gruß nach Biel geht ans Haus am Gern bzw. die Edition Haus am Gern und einer nach Basel an das Büro für Problem.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo © etbooks

das Logo © etkbooks

Die edition taberna kritika im Netz:

Verlagswebsite: http://www.etkbooks.com

Twitteraccount mit Informationen aus Verlag und Werkstatt, obskuren Beobachtungen und streng subjektivistischen Notaten: http://twitter.com/etkbooks

„Wenn ich Kompromisse eingehen wollen würde, würde ich keinen eigenen Verlag brauchen.“ – SteglitzMind stellt Jano Rohleder von dani books vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Jano Rohleder von dani books Rede und Antwort. Der Vorschlag kommt von Mark Fischer vom Epsilon-Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

dani books ist ein deutscher Comicverlag, der seit Herbst 2012 All-Age- und Erwachsenentitel veröffentlicht. Alle Titel liegen sowohl in gedruckter Form als auch digital vor, außerdem kann man sich bei einem Großteil der Comics eine kostenlose Digital Copy herunterladen, wenn man die Druckausgabe gekauft hat.

Machen Sie alles alleine?

Comic-Salon Erlangen: v.l.n.r.: Standhelfer Sergio Presta, Zeichner Giovanni Rigano ("Monster Allergy"), Zeichnerin Paola Antista ("Katzen!"), Verlagsleiter Jano Rohleder, Autor und Zeichner Stephen Mooney ("Half Past Danger - Damen. Draufgänger. Dinosaurier.") sowie Stephens Frau Jacintha. © dani books

Comic-Salon Erlangen: v.l.n.r.: Standhelfer Sergio Presta, Zeichner Giovanni Rigano („Monster Allergy“), Zeichnerin Paola Antista („Katzen!“), Verlagsleiter Jano Rohleder, Autor und Zeichner Stephen Mooney („Half Past Danger – Damen. Draufgänger. Dinosaurier.“) sowie Stephens Frau Jacintha. © dani books

Ich bin mein einziger Mitarbeiter und mache aus Budgetgründen nahezu alle der anfallenden Tätigkeiten selbst (Layout, Lettering, Lektorat etc.). Das ist zwar ein Haufen Arbeit, kostet mich aber natürlich entsprechend weniger und sorgt zudem dafür, dass am Ende alles genauso aussieht, wie ich mir das vorgestellt habe. Bei Übersetzungen und Textüberarbeitungen lasse ich mir aber bei vielen Titeln etwas helfen, da ich zwar eigentlich Übersetzer bin, es aber aufwandstechnisch für mich gar nicht zu schaffen wäre, alles auch noch selbst zu übersetzen.

Ihre Highlights im Bücherjahr?

Ein Highlight dieses Jahr dürften sicherlich die zwei brandneuen „Isnogud“-Alben aus Frankreich sein, die bei mir als deutsche Erstveröffentlichung erscheinen … und da nun „Akte X“ als TV-Miniserie fortgesetzt wird, ist es natürlich nicht unangenehm, dass ich seit anderthalb Jahren die offiziellen Comics zur Serie im Programm habe. Derzeit erscheint noch „Staffel 10“ und nach deren fünftem Band wird dann zu „Staffel 11“ übergegangen.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Das hat sich mehr oder weniger zufällig ergeben. Ich bin schon seit der Oberstufe Übersetzer (und mittlerweile öfters auch Redakteur) für die Disney-Titel von Egmont Ehapa Media und der Ehapa Comic Collection. Im Zuge dessen habe ich seit Anfang 2011 auch die Don Rosa Collection übersetzt und bearbeitet, eine neunbändige Gesamtausgabe der Duck-Comics von Onkel-Dagobert-Starzeichner Don Rosa, den ich schon seit vielen Jahren gut kenne. Dabei entstand die Idee, doch auch mal Sammelbände von Dons Vor-Duck-Comics zu bringen. Die sind allerdings wirklich hauptsächlich was für Hardcore-Rosa-Fans und daher für einen großen Publikumsverlag kaum geeignet. Da weder Don noch ich eine Veröffentlichung von zwei dicken Hardcoverbänden, die um die 8.000 Euro an Druckkosten bedeutet hätte, aus eigener Tasche bezahlen konnten noch wollten, habe ich dann auf Indiegogo eine Crowdfundingkampagne zur Vorfinanzierung der Ausgabe eingerichtet. Dadurch war auch schnell klar, dass die Bände im englischen Original erscheinen würden, weil sie sonst für die Fans aus aller Welt natürlich wenig geeignet gewesen wären.

Da man in Deutschland nichts einfach mal so verkaufen darf, habe ich aufgrund der Kampagne ein Gewerbe als Verlag angemeldet und so kam eins zum anderen. Das Faninteresse war jedenfalls so groß, dass mehr als die doppelten angepeilten Einnahmen erreicht wurden und beide Bände gedruckt werden konnten.

Tja, und da es ziemlich interessant und spaßig war, diese Bücher anzufertigen und ich gleich mal lieber 100 ISBNs auf Vorrat gekauft hatte, weil das im Verhältnis deutlich günstiger war, als nur zehn zu nehmen, stand dann schnell die Frage auf dem Plan, mit was es denn weitergehen würde … 98 ISBNs dürfen schließlich nicht einfach so verfallen. 😉 So kam es zu den Plänen für das erste deutschsprachige Comicprogramm, das im Frühjahr 2013 (nachdem die Don Rosa Classics im Herbst 2012 erschienen waren) an den Start ging.

Was machte Sie bislang besonders glücklich?

dani books_cover monster aBesonders froh bin ich darüber, dass ich meine Lieblingsreihe Monster Allergy einkaufen und zurück nach Deutschland bringen konnte, die meiner Meinung nach eine der lustigsten und am besten geschriebenen Comicreihen der letzten Jahrzehnte ist. Insgesamt gibt es 29 Episoden, von denen drei 2003 schon mal als Kioskhefte bei Carlsen erschienen waren und von 2007 bis 2009 noch mal 16 Episoden in acht kleinen Doppelbänden bei Egmont. Beide Male wurde die Reihe dann wegen geringer Verkaufszahlen eingestellt. Bei mir erscheint Monster Allergy nun seit 2013 in Paperback-Gesamtausgaben mit je vier Episoden, sodass die Reihe am Ende in acht Bänden komplett vorliegen wird. Dabei freut mich zum einen, dass meine Ausgabe laut den Autoren die weltweit beste Fassung ist, und zum anderen natürlich auch, dass es meine bestlaufende Comicreihe ist und ich bei den Monster Allergy -Bänden (im Gegensatz zu einem Großteil meines restlichen Programms) tatsächlich ein bisschen Gewinn mache. Band eins ist mittlerweile bereits in Zweitauflage und Band zwei wird in Kürze ebenfalls nachgedruckt, sodass ich ab Band vier die Startauflage von bislang 1.200 Exemplaren entweder auf 1.500 oder sogar noch ein paar mehr Exemplare anheben werde.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Natürlich dämpft es die Motivation etwas, wenn mal wieder von einem Titel vielleicht nur 200 Exemplare ausgeliefert wurden … aber letztlich bleibt das Engagement doch immer erhalten, da ich der Überzeugung bin, dass der deutsche Comicmarkt dani-books-Titel braucht. 😉 Es gibt noch so viele tolle Comics, die es ohne mich potenziell nie nach Deutschland schaffen würden, dass es mir auch weiterhin lohnenswert erscheint, welche zu veröffentlichen. Verständlicherweise ist es für die Motivation auf Dauer aber schon ganz vorteilhaft, wenn die entsprechenden Titel dann letztlich auch zumindest kostendeckend sind.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Da ich schon von Beginn an mit digitalen Vorlagen gearbeitet habe, kenne ich es nicht anders. Daher war meine Arbeitsweise entsprechend auch immer schon so wie heute.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich orientiere mich prinzipiell nicht an anderen Verlagen oder irgendwelchen „Konventionen“. Würde ich das tun, wären die fertigen Bände nur Kompromisse. Ich mache Bücher so, wie ich es für richtig halte und wie ich sie selbst auch kaufen wollen würde. Das bedeutet für mich: kostenlose Digital Copys zu allen Titeln (sofern lizenzbedingt möglich) anbieten, Übersetzungen nach dem höchstmöglichen Qualitätsstandard abliefern sowie niemals stillstehen, was Optimierungen betrifft. Von daher käme es für mich nie infrage, mich bei anderen Verlagen umzusehen, wie dort etwas gemacht wird. Ich habe von all meinen Bänden eine ganz genaue Vorstellung und gebe mich erst dann zufrieden, wenn diese Vorstellung beim fertigen Produkt zu 100 % erreicht ist. Wenn ich Kompromisse eingehen wollen würde, würde ich keinen eigenen Verlag brauchen, das kann ich auch, wenn ich für andere Verlage arbeite. 😉

Wollen Sie das etwas ausführen?

dani books_cover katzenEin Beispiel: Aus irgendeiner Unsitte heraus gibt es in Deutschland bei vielen Comicverlagen die unsinnige Angewohnheit, Ellipsen – also diese drei Auslassungspunkte … – vor einem Satz mit Leerschritt zu setzen, aber am Satzende ohne:

… dies ist ein Beispieltext…

Das sieht nicht nur ziemlich doof aus, sondern folgt auch absolut keinen deutschen Formatierungs- oder Grammatikstandards. Ich vermute, man hat das einfach mal irgendwann aus den französischen Originalalben übernommen und dann hat sich das im Laufe vieler Jahre ärgerlicherweise so eingebürgert, dass es sogar einige Comicverlage gibt, die zwingend darauf bestehen, dass man die Auslassungszeichen so setzt. Natürlich kommt da nie mal jemand im Verlag auf die Idee, sich zu fragen, ob das überhaupt richtig ist oder Sinn ergibt. Im Deutschen müssen die Auslassungszeichen aber auf beiden Seiten mit Leerschritt gesetzt werden, also: … dies ist ein Beispieltext …

Die einzige Ausnahme ist lediglich, wenn ein Satz mitten im Wort abgebrochen wird: … dies ist ein Beispielte…

Von daher versuche ich gar nicht erst, mich bewusst von anderen Verlagen abzuheben, sondern das geschieht durch meine Vorgehensweise bereits automatisch. Nur weil alle (oder zumindest viele) beispielsweise ihre Zeichensetzung falsch machen, muss ich das ja nicht auch tun. Gleiches gilt entsprechend auch für andere Bereiche der Buchinhalte.

Ein feines Beispiel …

Anderes Beispiel: Deutschland ist hinsichtlich digitaler Comics immer noch nahezu ein Niemandsland, weil die Verlage oftmals immer noch tierisch Angst vor der bösen digitalen Technik haben. Die könnte ja zu Raubkopien führen, Umsatzeinbrüche bewirken etc. blabla. Ich hingegen will Comics digital lesen können, wenn ich will, und nicht, wenn’s dem Verlag zufällig mal gerade passt, eine Reihe anzubieten. Von daher ist es für mich selbstverständlich, dass ich nicht nur wann immer möglich kostenlose Digital Copys für Käufer der Druckausgaben anbiete, sondern auch alle großen digitalen Marktplätze bediene. So ist das komplette dani-books-Programm sowohl bei Kindle als auch bei beam ebooks erhältlich, außerdem direkt auf der Verlagswebsite und bei Comicanbietern wie Mad Dog Comics oder ComiXology. Darüber hinaus sind meine Titel auch in den Leseflatrates von Kindle Unlimited und demnächst Scribd erhältlich. Und nein, mir brechen dadurch keine Umsätze weg, sondern mir entstehen vielmehr wertvolle Zusatzeinnahmen. Den Promoeffekt weiter Verbreitung und einfacher Verfügbarkeit darf man ebenfalls nicht unterschätzen. Aus diesem Grund biete ich auch die jährlichen Gratis-Comic-Tag-Hefte immer digital an. Denn wer es am Gratis-Comic-Tag nicht in eine Comichandlung schafft, um sich ein gedrucktes Exemplar abzuholen, kann dann immer noch die digitale Fassung lesen und legt sich daraufhin vielleicht die gedruckte oder digitale Ausgabe des entsprechenden Gesamtbands zu.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Inzwischen musste ich leider lernen, nicht zuuuu überengagiert zu sein. Es gibt so viele noch auf Deutsch unveröffentlichte Comicreihen, die nicht nur großartig sind, sondern auch perfekt in mein Programm passen würden. In der Anfangsphase habe ich solche Titel immer gleich auf Vorrat eingekauft, was ich heute nicht mehr so machen würde, da einige davon bislang immer noch nicht erschienen sind. Das liegt einfach an den deutschen Marktgegebenheiten und meinen sehr eingeschränkten Vertriebsmöglichkeiten, die sich hauptsächlich auf den Comicfachhandel beschränken. Natürlich sind meine Titel auch alle über Buchhandlungen und Shops wie Amazon etc. erhältlich, aber wenn man dann etwas veröffentlicht, das man als Leser bei einem Onlineshop nie finden würde, wenn man nicht gezielt danach sucht, ist das halt problematisch.

dani books_cover halfBei einem Großteil meiner Titel bin ich darauf angewiesen, dass potenzielle Leser sie zufällig im Comicladen stehen sehen, um überhaupt mitzukriegen, dass es sie gibt. Ist aber natürlich schwer, wenn der Fokus in Deutschland primär auf frankobelgischen Albentiteln für Erwachsene liegt, dann die Händler schon von vornherein sagen: „Ist nichts für meine Kunden.“ und einen Titel entweder gar nicht erst bestellen oder bei Erscheinen vielleicht mal ein Exemplar nehmen, das vielleicht auch schnell verkauft ist, aber dann nicht nachbestellt wird. Im Prinzip also dieselbe Problematik, die Belletristik-Indieverlage mit dem „normalen“ Buchhandel haben.

Von daher konzentriere ich mich derzeit auf meine gut laufenden Sachen und probiere hin und wieder mal aus, ob der eine oder andere Albentitel funktionieren könnte. Querbeet alle guten Titel einkaufen, die ich selbst toll finde, habe ich aber mittlerweile aufgegeben oder zumindest stark eingeschränkt … solange ich keine Reihe in meinem Programm habe, die sich in solchen Stückzahlen verkauft, dass ich davon alles andere querfinanzieren kann. 😉

Wie gewinnen Sie Autoren?

Gar nicht, da ich ausschließlich Lizenzausgaben ausländischer Bände (vor allem aus den USA und Frankreich) veröffentliche. Eigenproduktionen wären für mich zu teuer. Der Kontakt zu Autoren und Zeichnern ist aber natürlich trotzdem wichtig, um z. B. Signierstunden oder Messe-/Festivalbesuche abzustimmen, die viel zu guten Verkaufszahlen vor Ort beitragen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Die Bücher gehen von der Druckerei direkt an PPM und von dort an die Comicläden sowie an die Barsortimente KNV, Libri und Umbreit. Über Letztere landen sie dann auch bei Amazon und anderen Onlinehändlern und sind natürlich für alle deutschen Buchhandlungen bequem bestellbar, auch wenn das von diesen ganz gern mal übersehen wird …

In letzter Zeit läuft erfreulicherweise auch der Direktvertrieb über meine Website immer besser, wo man alle Titel versandkostenfrei bestellen kann und ich dann doppelt so hohe Einnahmen wie bei Handelsverkäufen habe, weil Vertriebs- und Händlerrabatt wegfallen. Von daher bin ich über jeden Direktbesteller immer sehr froh.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Aufgrund meiner eingeschränkten Vertriebsmöglichkeiten und des geringen Budgets, über das ich verfüge, gibt es keinerlei gezielte Buchhandelsaktivitäten wie Handelsvertreter o. Ä. Erfahrungsgemäß sind viele Buchhandlungen sowieso – wenn überhaupt – aufgrund der meist kleinen Präsentationsfläche fast immer nur an bekannten Comics wie Asterix, Lucky Luke, den Ducks oder ggf. noch Tim und Struppi interessiert. Meine Bände sind daher auf Comicladen- und Internetvertrieb ausgerichtet, auch wenn es natürlich schön wäre, in ein paar mehr regulären Buchhandlungen präsent zu sein. Beispielsweise habe ich neulich während der Leipziger Buchmesse in der Buchhandlung Ludwig am Leipziger Hauptbahnhof ein paar Exemplare meines Comics „Kalimbo – Band 1: Mata-Mata“ (zwischen Ducks, Spirou und Mosaik stehen sehen. Das hat mich natürlich sehr gefreut.

Wie halten Sie es mit Amazon?

dani books_cover akte xAmazon ist sowohl bei E-Books als auch bei Comicreihen, die auf Medienfranchises basieren, ein wichtiger Vertriebsweg. Reihen wie meine zehnte Staffel von „Akte X“ funktionieren im stationären Comichandel so gut wie gar nicht, da die Zielgruppe nicht klassische Comicleser sind. Über Amazon setze ich davon hingegen Hunderte von Exemplaren ab, da man dort als Akte-X-Fan bei einer entsprechenden Suche nach DVDs oder anderem Akte-X-Merchandise ganz schnell zufällig über sie stolpert. Das ist unbezahlbar.

Im E-Book-Bereich ist Amazon auch insgesamt meine Haupteinnahmequelle, gerade auch jetzt mit den Kindle-Unlimited-Abos, vor denen viele Verlage ja noch so Angst haben. Es stimmt zwar, dass die regulären Kindle-Verkäufe etwas zurückgegangen sind, seit meine Titel für Kindle-Unlimited-Abonnenten kostenlos verfügbar sind … die monatlichen Einnahmen haben sich aber trotzdem mehr als verdreifacht.

Amazon ist zudem auch gut zur Direktkundengewinnung. Bei fast allen meiner Bücher kann man sich durch Zumailen eines Fotos oder Scans des Kaufbelegs eine kostenlose Digital Copy anfordern. Wenn dann jemand diese bei mir mit einer Amazon-Rechnung anfragt, schicke ich neben dem Downloadlink auch eine kurze nette Mail zurück, dass man künftige Bände auch gern versandkostenfrei direkt bei mir auf meiner Website bestellen kann, zumal ich dann doppelt so viel dran verdiene, was für mich als Ein-Mann-Verlag natürlich immer ganz angenehm ist. Es gibt zwar einige Leser, die dann trotzdem weiterhin bei Amazon kaufen, aber viele tätigen dann die nächste Bestellung direkt bei mir. Gerade bei Akte X hat sich so im Laufe der Zeit ein sehr treuer Käuferkreis gebildet, der neue Ausgaben immer direkt nach Einlistung auf meiner Verlagswebsite bei mir vorbestellt.

Damit niemand beleidigt ist, weise ich sicherheitshalber lieber noch darauf hin, dass ich diese Mails ausdrücklich nur dann schicke, wenn jemand eine Rechnung von Amazon oder einem anderen großen Onlinehändler einschickt. Fordert ein Leser seine Digital Copy mit der Quittung eines Comicladens oder einer kleinen lokalen Buchhandlung an, bekommt er nur den Downloadlink – ohne Hinweis auf die Direktbestellmöglichkeit. Denn wer eine Comichandlung in der Nähe hat und sowieso regelmäßig dort kauft, soll ruhig auch meine Titel dort beziehen. Dann werden sie etwas bekannter und beim nächsten Mal bestellt der Händler vielleicht sogar direkt ein, zwei zusätzliche Exemplare.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

dani books hat umfangreiche Präsenzen auf Twitter und Facebook, wo ich bei Neuerscheinungen auch gelegentlich Werbung schalte, weil das nicht allzu teuer ist. Zudem gibt es für neue Bände regelmäßig „Hands-on“-Videos auf YouTube und für den Direktkontakt mit den Lesern habe ich auch noch ein Verlagsforum im Comicforum. Allgemeine Werbeanzeigen z. B. in Comicfachzeitschriften habe ich mal probiert, aber inzwischen komplett eingestellt, weil diese Magazine in der Regel hauptsächlich von Lesern konsumiert werden, die meistens nicht so wirklich meiner Zielgruppe entsprechen und meine Titel daher sowieso nicht kaufen würden. Da investiere ich das Geld lieber in die Druckkosten meiner Bücher.

Sehr gute Werbung ist allerdings immer die Teilnahme am jährlich im Mai stattfindenden Gratis-Comic-Tag. (In diesem Jahr am 9. Mai.) Der Tag ist eine gemeinschaftliche Veranstaltung zahlreicher deutscher Comicverlage, bei der nach Vorbild des amerikanischen Free Comic Book Day in allen teilnehmenden Comic- und zum Teil auch Buchhandlungen speziell für diesen Tag produzierte Gratishefte für die Leser zur kostenlosen Mitnahme ausliegen. Das ist zum einen natürlich gute PR für die Händler, zum anderen aber auch eine gute Möglichkeit für die beteiligten Verlage, eine Auswahl aus ihrem Programm bekannter zu machen. Die Auflagen der Hefte orientieren sich dabei immer an den Händlerbestellmengen und sind mit üblicherweise zwischen 8.000 und 9.000 Exemplaren deutlich höher als meine regulären Auflagen zwischen 1.000 und 1.500 Exemplaren. Dadurch habe ich mit den Gratisheften naturgemäß eine sehr viel größere Reichweite als mit meinen eigentlichen Comics an sich … und wenn ein paar mehr Leute auf meine Titel aufmerksam werden, kann das natürlich nie schaden. 😉

dani books_gratiscomictag

Monster Allergy-Ausgabe für den Gratis Comic Tag 2013

2013 hat das beispielsweise schon mit meinem allerersten Gratisheft sehr gut funktioniert, in dem ich die komplette erste Episode der Reihe Monster Allergy, die bei mir als Gesamtausgabe erscheint, veröffentlicht habe. Bis heute bekomme ich auf das Gratisheft dazu immer noch sehr positive Rückmeldungen von Kunden, die laut eigener Aussage ohne das Heft nie auf die Reihe aufmerksam geworden wären. Von daher hat die Aktion auf jeden Fall dazu beigetragen, dass Monster Allergy heute meine bestlaufende Serie ist. Aufgrund des großen Erfolgs habe ich letztes Jahr dann auch noch mal eine 1.000er-Auflage des Gratishefts im etwas kleineren A5-Format nachdrucken lassen, weil man das dann immer ganz gut auf Messen und sonstigen Veranstaltungen verteilen oder auch einfach mal bei Bestellungen anderer Titel als Teaser mit reinlegen kann.

Von daher sind solche Gratishefte immer sehr beliebt. Sie müssen aber natürlich einen gewissen Mehrwert für den Leser bieten, also auch wirklich eine gute Grundlage für den weiteren Kauf der jeweiligen Reihen sein. Wenn das Gratisheft nur eine etwas längere Leseprobe ist, die mitten im Geschehen aufhört, also noch nicht mal zumindest ein vollständiges erstes Kapitel eines Buches präsentiert, ist das für den Leser eher ärgerlich als kaufanregend.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Ich bin kein Mitglied und interessiere mich auch nicht großartig für dessen Tätigkeiten, da ich im regulären Buchhandel ja sowieso so gut wie nicht vertreten bin. Ich nutze aber natürlich die Services der Börsenvereinstochter MVB, also das Verzeichnis lieferbarer Bücher und den Bezug von ISBNs.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Das dani-books-Programm gliedert sich in zwei größere Bereiche. Das sind zum einen die All-Ages-Titel, die Erwachsenen Spaß machen, aber vor allem auch für Kinder gut geeignet sind. Das Angebot in dieser Richtung wird zwar mittlerweile auch bei anderen Verlagen ein bisschen größer, aber im Vergleich zu beispielsweise Frankreich oder den USA ist das All-Ages-Angebot in Deutschland nach wie vor etwas mau, wenn man mal an Comics außer den üblichen Verdächtigen wie Disney, Simpsons, Asterix, Lucky Luke und eventuell noch Star Wars denkt. Aus dem All-Ages-Programm habe ich noch diverse Titel in Planung, muss aber erst den richtigen Zeitpunkt zum Veröffentlichen abwarten, weil sich dieser Bereich leider in Deutschland etwas schwertut, wenn man nur so eingeschränkte Vertriebsmöglichkeiten wie ich als Kleinstverlag hat. Mein Programm liegt eben vorwiegend in Comicläden aus, welche aber in Deutschland hauptsächlich von eher deutlich älteren Kunden besucht werden, die meistens primär an frankobelgischen Albentiteln interessiert sind und nicht so wirklich an All-Ages-Paperbacks. Von daher muss ich da bei jeder Veröffentlichung gut abwägen, zu welchem Zeitpunkt ich die meisten Leser erreiche. Ein Titel, der an Weihnachten spielt, verkauft sich z. B. naturgemäß besser, wenn er auch Richtung November/Dezember erscheint und nicht mitten im Hochsommer.

dani books_cover kalimboDer zweite Programmbereich von dani books sind die Erwachsenentitel, die vornehmlich aus sich an ältere Leser richtenden US-Comicreihen bestehen. Hierunter fallen z. B. die Danger-Girl-Comics (eine Reihe im Stil von Charlie’s Angels treffen auf James Bond und Indiana Jones), die schon erwähnte exklusive Comicfortsetzung zur Kultserie Akte X („Akte X – Staffel 10“) und auch die eine oder andere Fortsetzung von Reihen, die bislang bei Panini erschienen, dort aber nicht weiter veröffentlicht wurden. So erscheinen bei mir beispielsweise die letzten beiden Bände der Reihe „Fatale“ von Ed Brubaker und Sean Phillips, deren erste drei Bände von Panini verlegt wurden.

Natürlich gibt es auch Titel, die sich in beide Bereiche einordnen lassen. So kommen bei mir dieses Jahr unter anderem die ersten beiden Alben der neuen Abenteuer von „Isnogud“, die sich zwar auch gut als All-Ages-Bände lesen lassen, sich aber vermutlich letztlich doch primär an ältere Leser richten, die bereits die bei Egmont erschienene ursprüngliche Reihe von Goscinny und Tabary gemocht haben.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Die größten Chancen habe ich sicherlich dann, wenn ich weiterhin regelmäßig Bände von höchster Qualität veröffentliche und dann im Laufe der Zeit – je mehr Comics erscheinen – hoffentlich auch immer mehr Leser auf zumindest eine der Reihen aufmerksam werden. Hat man erst mal einen meiner Titel entdeckt, ist die Wahrscheinlichkeit gleich schon deutlich höher, künftig dann auch weitere Comics von mir zu kaufen. Außerdem ist es sicherlich ganz gut, dass ich in Deutschland so ziemlich der einzige Comicverlag bin, dessen Programm bereits komplett auch digital vorliegt und in diversen Leseflatrates enthalten ist.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das größte Risiko am Comicverlegen in Deutschland ist immer die schwere Einschätzbarkeit der Verkaufschancen von Titeln. So muss ein Band, der sich beispielsweise in Frankreich oder den USA zigtausendfach verkauft hat, nicht auch automatisch in Deutschland gut laufen. Dafür sind die Comickulturen der jeweiligen Länder einfach zu unterschiedlich. Daher muss ich mein Programm primär auf die Leser ausrichten, die ich mit meinen eingeschränkten Vertriebs- und Werbemöglichkeiten erreichen kann … auch wenn das leider bedeutet, dass der eine oder andere tolle Titel eventuell längere Zeit auf Eis liegt oder vielleicht sogar gar nicht erscheinen kann.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

dani books_cover_taleIch hab eigentlich keinen wirklichen Kontakt zur „Szene“, höchstens mal zu dem einen oder anderen Comicverlag (dort allerdings meistens auch eher zu den größeren, weil ich hauptsächlich für die als Übersetzer tätig bin), von daher kann ich dazu nicht viel sagen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Ich kann nicht davon abraten – dafür mache ich es nach wie vor zu gerne, auch wenn ich bislang nichts dran verdiene –, muss aber darauf hinweisen, dass man sich, wenn man denn unbedingt einen Verlag gründen möchte, auf jeden Fall darüber im Klaren sein sollte, dass man lange Zeit erst mal nichts verdienen wird … sofern man ein komplettes Programm aufstellen und nicht nur jedes Quartal mal einen oder zwei Bände neben seinem eigentlichen Job rausbringen möchte. Durchhaltevermögen ist jedenfalls das Wichtigste, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch dann, wenn ein Titel, der einem selbst extrem Spaß gemacht hat, und von dem man auch weiß, dass er objektiv betrachtet wirklich gut ist, mal wieder nur unter 200 Exemplare abgesetzt hat, weil der Handel meint: „Ist nix für meine Kunden.“ Wer auch beim zehnten Mal, wenn so was vorkommt, noch nicht seinen Computer gefrustet in die Ecke schmeißt, sondern sich stattdessen denkt: „Jetzt erst recht! Denen hau ich Titel um die Ohren, bis irgendwas gut läuft!“, der könnte mit einem eigenen Verlag vielleicht richtig liegen. 😉

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich mag das Programm von Schwarzkopf & Schwarzkopf sehr gern und im Comicbereich ist sicherlich der fleißige Herr Schott von Salleck Publications erwähnenswert (sofern es primär um Verlage geht, die noch nicht interviewt wurden).

Vielen Dank für diesen Einblick. BTW: Der ‚fleißige‘ Eckart Schott hat seine Hausaufgaben dankenswerterweise hier bereits gemacht.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

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dani books im Netz:

www.danibooks.de – die offizielle Verlagsseite, auf der es Titeldaten, Leseproben etc. zu allen Bänden gibt. Außerdem können dort natürlich alle Titel versandkostenfrei bestellt werden.

www.facebook.com/danibooks.de – die Facebookseite für News, Gewinnspiele etc.

www.twitter.com/danibooks_de – Twitter-Newsfeed

www.youtube.com/danibooksde – YouTube-Channel mit Hands-on-Videos zu allen Veröffentlichungen

www.instagram.com/danibooks_de – Instagram-Fotochannel

www.patreon.com/danibooks – Wer mein Verlagskonzept gut findet, sich aber nicht für alle Titel interessiert, kann mich gern über Patreon unterstützen und pro Neuerscheinung einen beliebigen Betrag ab $1 beisteuern. Ab $10 bekommt man auch unregelmäßig physische Goodies wie signierte Drucke und andere Specials.

„Ich mache kein Buch, welches für mich kein Highlight ist.“ – SteglitzMind stellt Bertram Reinecke von Reinecke & Voß vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über Bertram Reinecke vom Leipziger Verlag Reinecke & Voß. Vorgeschlagen hatten das Dirk Uwe Hansen und Eckhard Brauer, Mitverleger und Lektor im Derk Janßen Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Der Leipziger Verlag Reinecke & Voß versteht sich seit 2010 als ein Kristallisationspunkt für Texte, die außergewöhnliche und weniger beachtete Möglichkeiten des Schreibens fruchtbar machen. Dies können althergebrachte Formen, deren Leistungsfähigkeit nicht in Vergessenheit geraten sollte, ebenso sein, wie in Deutschland weitgehend unbekannte Klassiker der Moderne oder neue Titel, die sich mit deren Innovationsfreude oder stilistischer Brillanz messen können. Die Bandbreite kann dabei von einem ernsten Utopismus im Anschluss an die Moderne bis zu erhellenden literarischen Späßen für den postmodernen Vielleser reichen.

Die Programmschwerpunkte?

Da die kleine konzentrierte Form zum Überschreiten hergebrachter Sageweisen besonders einlädt, bildet die Lyrik in unseren Programmen einen besonderen Schwerpunkt. Auf der anderen Seite werden auch jene unserer Titel, bei denen es sich nicht um Gedichtbände im engen Sinne handelt, von Lyrikern und Lyrikinteressierten als besonders relevant für ihre Interessen wahrgenommen. – Derzeit sind 22 Titel lieferbar.

Machen Sie alles alleine?

Ich bin Verleger und arbeite mit freien Grafikern und einem Webmaster zusammen.

Wohin geht die Reise: analog oder digital?

Ich mache keine E-books sondern ausschließlich Taschenbücher.

Ihre persönlichen Highlights?

reinecke_Cover von der unruh-300x475pxDie Bücher sind zu verschieden, als dass ich aus den diesjährigen Frühjahrstiteln Highlights herausgreifen könnte. Der Roman der Open-Mike Preisträgerin 2006 „Kaspers Freundin“, eine erzähltechnisch versierte und ausgelassen ironische Mischung aus psychologisch dichter Beziehungsprosa und Elementen des Vampirromans, lässt sich nicht vergleichen mit einem fiktiven Sachtext, einem erfundenen Traktat der Aufklärung „“Traugott Xaverius Unruh, Von der Sorberwenden Wesenheit und Herkommen““ von Eduard Werner. Ähnlich bei der Lyrik: Sollte ich „Vom Eischlupf“, einen Band mit synoptischen Übersetzungen von Miron Białoszewskis sprachexperimentellen Texten, gegenüber Titus Meyers „Von der Buchstabeneuter Milchwuchtordnung“, einen Band mit strengen Formen wie Palindrom und Anagramm, hervorheben, bloß weil der erstgenannte Band auf die Liste der Lyrikempfehlung des Jahres 2015 gekürt wurde? (Von der Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt und Lyrikkabinett München). Und soll der Band „Mara Genschel Material“ hier ausgelassen werden, auch wenn er als Essayband ein kleineres Publikum erreicht, auch wenn er in der Lyrikszene besondere Aufmerksamkeit findet und z.B. bereits auf Zeit Online rezensiert wurde? Ist es doch ungewöhnlich, dass über eine weitgehend unbekannte Künstlerin ein so intensives Gespräch geführt wird. Eigentlich mache ich kein Buch, welches für mich kein Highlight ist. Das geht, weil für einen kleinen Verlag eine regelmäßige Programmplanung aus Frühjahrs- und Herbstprogramm nicht so vordringlich ist.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Ich fühlte mich damals kompetent in vielen Bereichen der Literatur, hatte literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut studiert, war als Lektor für verschiedene Verlage tätig gewesen, hatte Literaturfestivals organisiert und an verschiedenen Zeitschriften mitgearbeitet. Aber es gab zu dem Zeitpunkt niemanden, der diese Kenntnisse abforderte. Da habe ich gedacht, ich muss mir selbst ein Umfeld bauen, wo ich sie einbringen kann. Warum nicht ein Verlag, da ich wusste, dass es sehr viel schätzenswerte Literatur gab, die nicht zu haben ist. Bei jedem Buch, das nicht lieferbar und auch antiquarisch nicht greifbar war, verstärkte sich dieser Eindruck. Ein Freund bestärkte mich, indem er große Versprechungen machte, Startkapital in Aussicht stellte usw.. Als sich all dies als haltlos erwies, war schon zu viel Arbeit in das Projekt geflossen, als dass ich noch zurück wollte. Alternativ habe ich über eine Zeitschrift nachgedacht. Drei Gedanken brachten mich davon ab. Bei Erscheinen einer neuen Nummer ist die vorige veraltet. Das ist nicht schön. Eine Zeitschrift baucht eine gewisse Regelmäßigkeit. Ich wollte aber nach Textlage entscheiden können und nur Dinge machen, die mich wirklich interessieren. Drittens war abzusehen, dass der Textträger Papier bei relativ geschlossenen Texten länger konkurrenzfähig bleiben würde, als bei heterogenen Sammlungen, wo man als Kunde die ganzen Herstellungskosten mittragen muss, auch wenn einen nur wenige Teile interessieren.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Ich mache etwas, was mich wirklich interessiert. Und wenn ich das Interesse von Mitmenschen, Mitstreitern und Leuten spüre, deren Leistungen ich achte, gibt das auch Kraft.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Zu Anfang habe ich mir mehr davon versprochen. So war ich überrascht, wie sehr Buchhandlungen noch auf gedruckte Programme oder Faxverkehr Wert legten. Ich arbeite heute viel mehr mit Blogs zusammen, auch wenn Literaturzeitschriften ihre Bedeutung nach wie vor nicht verloren haben.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Jedes Buch soll möglichst so sein, dass man etwas Ähnliches nicht leicht irgendwo anders bekommt. Das Alter der Texte spielt keine Rolle. Heraus kristallisiert hat sich ein gewisser Schwerpunkt auf Texten, die Gattungen der Sachliteratur fiktionalisieren. Dieser Schwerpunkt hat aber eher mich gewählt als ich ihn, weil ich überdurchschnittliche Arbeiten in dieser Richtung eben besonders häufig in meinem Verlag unterbringen konnte, angefangen bei Buchmanns Titeln wie „Grammatik der Sprachen von Babel“ über Stolterfohts „Das deutsche Dichterabzeichen“ bis zum oben genannten „Von der Sorberwenden Wesenheit und Herkommen“.

reinecke_cover stolterIch möchte nicht das Sprachrohr einer Szene oder einer Generation oder einer Auffassungsweise von Literatur sein. Deswegen begegnen sich im Umkreis meines Verlages verschiedene Strömungen und Generationen. Der Kritiker Dirk Uwe Hansen hat dafür mal das Wort „Fachverlag für Horizonterweiterung“ geprägt. Auch wenn der Verlag so nur langsam die Kontur seines Markenkerns ausprägt, schätzen es doch die Autoren oft, keinen „Stallgeruch“ aufgeprägt zu bekommen. Außerdem ermöglicht das interessante Allianzen mit ungewöhnlichen und sehr vielfältigen Partnern.

Da Verlage unter heutigen Bedingungen nicht mehr mit ihren Autoren mitwachsen können, denke und plane ich eher nach Titeln als nach Gesamtwerken. Statt wie heute üblich Profil durch Reihengestaltung zu gewinnen, suche ich mit meinen Grafikern jedem Buch das angemessene Kleid zu geben. So wird in meinem Verlag öfters ein guter Text zum Buch, der in anderen Verlagen an den Äußerlichkeiten eines Reihenformats scheitern müsste. Diese Umstände ermöglichen es mir öfters, auch an Texte von Autoren zu kommen, für die sich auch größere Verlage interessieren.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich würde mir einen anderen Partner suchen. Hätte mir einen längeren Vorlauf gegönnt, Kontakte zu knüpfen etc.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Als Lyriker, Literaturdozent, Rezensent und Verleger habe ich ein großes Netzwerk, aus dem ich immer wieder Tipps bekomme und Angebote erhalte. Dennoch taucht manchmal auch etwas wie aus dem Nichts bei mir auf. Titus Meyer z.B. war auch unter meinen Bekannten bis vor einem Jahr weithin unbekannt und erst im Zuge seines Buchprojekts gab er sein Debut auch in Literaturzeitschriften.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Möglichst ohne Zwischeninstanzen, die mir ihre Regeln diktieren können. Auch wenn der Verlag dafür auch dann und wann auf einen Verkauf verzichten muss.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich bin wenig aktiv, um im Buchhandel Fuß zu fassen. Mit einem Spartenprogramm wie meinem habe ich da auch geringere Chancen, sodass sich meine Zusammenarbeit auf wenige Spezialbuchhandlungen beschränkt, zumal ich auch als „Einzelkämpfer“ meine Zeit sehr genau einteilen muss.

Wie halten Sie es mit Amazon?

reinecke_cover_titus meyerIch arbeite nicht mit Amazon zusammen. Ich halte es aus ethischen Gründen für nicht zumutbar, dass die Kunden, die bei mir direkt oder über den Buchhandel ein Buch bestellen, durch einen Buchpreis, wie ich ihn veranschlagen müsste, wollte ich deren Margen berücksichtigen, subventionieren. Die Ausrichtung meines Verlags, der sich an interessierte Vielleser wendet, erlaubt es mir eher auf diese Plattform zu verzichten. Die, die es sich irgend leisten können, sollten das auch tun, denn es ist ärgerlich, dass selbst manche Literaturprofis heute inzwischen oft Amazon als Verzeichnis lieferbarer Bücher missverstehen.

Es ist ein zusätzliches Argument für den guten Buchhandel, dass er Titel verfügbar haben oder machen kann, die sich der Kunde nicht über Amazon besorgen kann.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Ich schalte Anzeigen in Zeitschriften und Büchern (eigenen und solchen anderer Verlage) und arbeite mit Blogs und Internetplattformen zusammen. In begrenztem Ausmaß nehme ich an Verlagspräsentationen, (lokalen) Messen und Ähnlichem teil und organisiere Lesungen meiner Autoren. Außerdem bemühe ich mich natürlich um Rezensionen und andere Medienbeiträge zu meinen Inhalten.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Auch wenn es hier in Leipzig sehr freundliche und hilfsbereite Leute sind, kommt eine Mitgliedschaft für mich nicht in Frage. Abgesehen vom hohen Preis der Mitgliedschaft, profitiert man von Vereinsstrukturen meist nur dann wirklich, wenn man sich da auch für seine eigenen Ziele engagiert. Der Börsenverein muss sehr unterschiedliche Interessen koordinieren. Und ohnehin fehlt mir die Zeit.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Vielleser, die das nicht deswegen sind, weil sie sich mitfiebernd mit den Helden (ihrer Genreromane) die Zeit vertreiben oder ihr Weltbild stabilisieren wollen, sondern die Lesen neugierig als echte Weltentdeckungsstrategie betrachten.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Eine Offenheit, die auch immer in überraschenden Kooperationen münden kann. Außerdem das ehrliche Interesse an bestimmten Texten und neuen Stimmen, dass bei Literaturprofis oft in den Hintergrund gerät, weil sie dem Ideal hinterherlaufen, alles „Relevante“ zu kennen. Manchmal meint man, einige Profis empfänden Neues von unabweisbarer Qualität eher als Bedrohung für ihre epistemische Integrität denn als Bereicherung. Da ist die Off-Szene zugänglicher.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

reinicke_kasparSie sollten möglichst unromantisch sein. Sie sollten ein Anliegen haben, dass ihnen persönlich wichtig ist und nicht genug vertreten wird. Sie sollten also von Inhalten ausgehen, aber nicht denken, mit den ultimativen Texten würde sich alles andere schon finden. Sie sollten nicht deswegen einen Verlag gründen, weil sie einfach gerne lesen oder Bücher ihnen angenehm sind. (Auch wenn das hilfreich ist.) Sie sollten schon gar nicht denken, dass ein Verlag ein schönes Projekt, eine coole Möglichkeit der Selbstverwirklichung ist.

Die Herausforderungen an einen Verleger sind zu vielschichtig, als dass Sie jemals mit Ihrer Arbeit in jeder Hinsicht zufrieden sein könnten. Darüber hinaus finden sich immer Leute, die sich die Erfolge des Verlags an die eigene Brust heften und solche die die Misserfolge bei Ihnen suchen. Einen Erfolg wird ein Autor eher auf die Qualität seines Textes zurückführen, während Misserfolge fraglos darin liegen, dass es Ihnen nicht gelingt, ihn genug zu fördern. Zum Beispiel in den Buchhandel zu bringen, seinem Titel ein verkaufsförderndes Design zu geben oder weil Sie Ihre Seite nicht genug googleoptimiert haben etc. Es besteht nie Grund zur Überheblichkeit: Einem Buch, dass so großartig ist, dass ich es mache, wünschte ich regelmäßig einen schlagkräftigeren Verlag als meinen. Einen, der mehr für dessen Durchsetzung tun könnte.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Oh, da gibt es viele. Um nicht den einen zu übergehen, indem ich den anderen herausgreife, nenne ich hier nur Distillery und Urs Engelers roughbooks. Zwei Verlage, für die ich insofern meine Hand ins Feuer legen kann, als ich auch als Autor sehr gute Erfahrungen mit ihnen gemacht habe. Zum Beispiel waren die Absprachen immer so reibungslos und verlässlich, dass man nie auf schriftliche Abmachungen zurückgreifen musste. Zusätzlich sei noch, weil sie ganz frisch und verheißungsvoll gestartet ist, die Brueterich Press genannt.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo © Reinecke & Voß

das Logo © Reinecke & Voß

Reinecke & Voß im Netz:

Am regelmäßigsten berichten www.lyrikzeitung.com/, http://www.fixpoetry.com/ die Leipziger Internetzeitung www.l-iz.de und http://www.poetenladen.de/ über unseren Verlag.

Auf unserer eigenen Seite versuche ich möglichst alle erreichbaren Rezensionen zu verlinken: www.reinecke-voss.de

Ein ¾-stündiges Interview zu mir und meiner Arbeit finden man hier: http://mephisto976.de/news/mein-schreiben-hat-sich-radikalisiert-46719

„In den Niederlagen des Alltagsgeschäftes erinnere ich mich an die Erfolge.“ – SteglitzMind stellt Eckhard Brauer vom Derk Janßen Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über Eckhard Brauer, Mitverleger und Lektor im Derk Janßen Verlag.

Vorgeschlagen hatte das Jörg Braunsdorf von der Tucholsky-Buchhandlung. Jörg ist übrigens Mitveranstalter von READ!BERLIN, einem Literaturfestival, das der Digitalisierung der Gesellschaft, des Literaturgeschäfts und neuen Erzählformen Rechnung tragen will. Es findet vom 24. bis 30. April 2015 vornehmlich rund um die Berliner Torstraße statt.

Eine Skizze vom Verlag …

Der Verlag wurde 2005 in Freiburg im Breisgau von Derk Janßen mit Buchideen zum amerikanischen Transzendentalismus gegründet. 2011 trat Eckhard Brauer als Partner in den Verlag ein und der Verlag erweiterte sein Programm um die Herausgabe von zeitgenössischer Lyrik, 2013 kam zeitgenössische Prosa hinzu. 2014 erhielt der Verlag für sein literarisches Gesamtprogramm den Landespreis für literarisch ambitionierte kleinere Verlage des Landes Baden-Württemberg.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

janßen_S.F.A._WiGDas habe ich meinen Cousin vor zehn Jahren auch gefragt und er hat gemeint, es müsse sein. Im Ernst: Der Verlagsgründer Derk Janßen hat sich innerhalb seiner juristischen Doktorarbeit von der Juristerei immer weiter entfernt und der Literatur genähert, wobei er in seiner Arbeit ausgegangen ist von Herrmann Broch, der wohl auch eher als Literat bekannt ist als Jurist. So gelang er irgendwann in die Tiefen der Amerikanischen Transzendentalisten des 19. Jahrhunderts, stieß auf Walt Whitman und Ralph Waldo Emerson und hatte die Idee, diese großen amerikanischen Denker des 19. Jahrhunderts auch den deutschen Lesern (wieder) nahe zu bringen und gründete mit dem Verlag irgendwie auch wieder einen Club der toten Dichter, der zunehmend auch prominente Anhänger fand und findet.

Nach einer Zäsur kam 2010 der Lyriker S.F. Ahrens auf uns zu, mit der Idee, Gedichte als „Flugblätter“ in einer Reihe Flugblätter Lyrik zu verlegen, eine Loseblattsammlung, gedruckt auf edlem Papier, eingelegt in kleinen Umschlagkartons im Jackettaschenformat. Und korrespondierend zu diesem Format stellte uns Ahrens die Idee seiner geplanten Trilogie „Worte im Gehen“ vor. Unter diesem Titel stellten wir auch seinen ersten Band 2011 vor. Seitdem bin auch ich aktiv im Verlag, habe das Lektorat übernommen, organisiere und betreue Lesereisen der Autoren im Norden der Republik. Der Verlagssitz ist in Freiburg im Breisgau, ich selbst lebe in Kiel.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

In erster Linie aus den persönlichen Begegnungen mit den Autoren und in der Auseinandersetzung mit ihrer Sprache. In den Niederlagen des Alltagsgeschäftes erinnere ich mich an die Erfolge. Zuletzt an den Förderpreis für literarisch ambitionierte Kleinverlage des Landes Baden Württemberg, der uns angesichts unseres sehr überschaubaren Sortiments eher unverhofft erreichte.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Wir machen (noch) keine elektronischen Bücher. Die Kommunikationsmöglichkeiten sind gerade für mich, 860 Kilometer vom Verlagsstandort entfernt, unverzichtbar.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Das kann ich so nicht sagen. Gestalterisch und inhaltlich mögen sich Dritte (gern positiv) dazu äußern. Andere unabhängige Verlage nehmen wir sehr viel eher als Kollegen denn als Konkurrenten wahr.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich würde gern auf die teuersten Fehler verzichten.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Bislang auf persönliche Empfehlungen hin.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

(Noch) direkt selbst.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

janßen_H.H._SchutzgebietGrundsätzlich immer zu wenig. Wir suchen nach Buchhandlungen, zu deren Sortiment unsere Formate passen könnten. Zuletzt in der Tucholsky-Buchhandlung in Berlin, dessen Inhaber unsern Verlag für Ihren Blog vorgeschlagen hat. Auf einen Barsortimenter haben wir zeitweise ganz verzichtet.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Persönlich beiße ich mir jetzt auf die Zunge. Als Mitverleger kann ich sagen, sind unsere Berührungspunkte bislang eher klein. Ansonsten gilt -wie bei den Anderen auch – zu besorgen, dass unsere Rezensionsexemplare, die wir an die „Großkopferten“ schicken, von denen direkt auf die Rampe gen Amazonschlund landen. Dann ist es irgendwie bedrückend und gleichermaßen drollig, wenn Kulturredakteure in ihren Medien den Verlust der Art(en)vielfalt durch Amazon und Co beweinen, während in den Katakomben der Sendeanstalten und Redaktionen unsere Bücher über die Rampen rauschen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Grundsätzlich zu wenig; Lesungen, Flyer, Klinkenputzen, all das, was die Anderen auch mit wenig Geld machen können. Aber an dieser Stelle nenne ich mal mein Highlight der Bücherjahre 2013 bis 2015: Die Erzählung, „Im Schutzgebiet“ von Hans Hoischen und konterkariere damit den Aktualitätswahn gleichermaßen wie den Jugendwahn in der Branche.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind kein Mitglied. Der mögliche Nutzen rechtfertigt zu diesem Zeitpunkt nicht die aufzuwendenden Kosten.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Zielgruppe sind bestenfalls bibliophile Leser mit großer Freude an unserer anspruchsvollen Muttersprache. Das ist zumindest unser Anspruch. Was die Marktnische angeht, klingt es vielleicht ketzerisch, wenn ich sage, eine solche Melange an Formaten ist so marktfremd, dass sie hoffentlich schon wieder auffällt. Jedenfalls ist das Programm in seiner Abfolge schon etwas außergewöhnlich: Da wird als erstes mit Walt Whitman der vielleicht größte amerikanische Lyriker nicht als solcher (neu) verlegt, sondern wird für viele doch überraschend als politischer Essayist vorgestellt. Wenn man aber in seinem Werk „Demokratische Ausblicke“ liest und er über die Spekulanten als „Vulgärlinge“ herzieht, dann hat man den Eindruck, den Börsenboom unserer Tage vor Augen, das Buch sei gestern geschrieben worden. Dann folgt zeitgenössische Lyrik, die jedenfalls monetären Segen so gut wie nie verspricht und erst dann zuletzt öffnet sich der Verlag mit der ersten Erzählung der zeitgenössischen Prosa.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

janßen_W.W._AusblickeDurch die marktfremde Melange aufzufallen. So könnte ich die nächste Frage gleich mit beantworten mit dem Risiko, nicht aufzufallen. Aber ohne Lakonie, besteht die Chance darin, Bücher ganz grundsätzlich so zu gestalten, dass sie sich von der Masse abheben und nicht nur uns gefallen. Der Buchhändler sollte bestenfalls das Buch in den Händen halten und sagen: Na, das ist doch mal was anderes, das verkaufe ich gern und diese Freude am Buch an den Leser weiterreichen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Die Schwierigkeit liegt darin, dass schon der Herstellungsprozess zeitaufwändig ist und dann oft die Mittel fehlen, die nötige Aufmerksamkeit zu erreichen. Vermarktung und Vertrieb sind besonders für uns Kleinverleger die Achillesferse. Das Buch muss erst mal in die Hände des Buchhändlers gelangen, oder für uns natürlich noch besser gleich in die Hände des Lesers.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Ihre wortwörtliche Unabhängigkeit und Freiheit und die dort dementsprechend sich engagierenden Menschen mit ihrem Idealismus.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Ich halte mich hier nicht für einen geeigneten Ratgeber, habe aber den Eindruck, jetzt gerade auch auf der Leipziger Messe, gewonnen, dass bei den technischen Möglichkeiten heute das finanzielle Risiko sich doch auch sehr in Grenzen halten kann. Vermutlich war es noch nie so günstig, einen Verlagsballon mal steigen zu lassen. Für einen nachhaltig wirtschaftlich funktionierenden Verlag, sollten an dieser Stelle Verleger zu Wort kommen, die aus ihrer Passion auch einen Brotberuf machen konnten.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Eine Reihe von Verlagen, die ich empfehlen könnte, sind bei Ihnen schon zu Wort gekommen. Reinicke & Voss – der Verlag ist noch nicht dabei, den ich hier gern vorschlagen möchte. Das Lyrikprogramm dieses Leipziger Verlags ist sehr beachtlich. Auch den Achter Verlag von Wolfgang Orians, den wir in Leipzig auf der Messe kennengelernt haben, möchte ich empfehlen. Die Art der Buchgestaltung wie auch besonders die Präsentation hat uns sehr beeindruckt. Unsere Gespräche drehten sich – nicht wirklich überraschend – um die Fragen, die hier im Blog gestellt werden.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo © Derk Janßen Verlag

das Logo © Derk Janßen Verlag

Der Derk Janßen Verlag im Netz:

Die Homepage: www.derk-janssen-verlag.de

 

„Unabhängigkeit spricht eigentlich für sich selbst.“ SteglitzMind stellt Mark Fischer vom Epsilon-Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Mark Fischer vom Epsilon-Verlag Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Eckart Schott, der Salleck Publications verantwortet.

Eine Skizze vom Verlag …

Mark O. Fischer © Epsilon-Verlag

Mark O. Fischer © Epsilon-Verlag

Gegründet 1997, sesshaft in Schleswig-Holstein, Ein-Mann-Betrieb, spezialisiert auf gezeichnete Geschichten, bis jetzt 166 lieferbare Titel, davon 19 auch digital.

Ihre persönlichen Highlights?

Ein Highlight ist eigentlich jeder Titel und aktuell immer das, woran man gerade arbeitet. Spannend sind nicht nur die Comics selbst, sondern auch die Entstehung derselben, wie sie in Gesamtausgaben dokumentiert werden wie aktuell in der von Rubine.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Seit dem Sammeln des alten ZACK war das immer mein Ziel, ich habe dann Verlagsherstellung studiert und danach den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Es gibt eigentlich nichts Besseres als sein Hobby zum Beruf zu machen, auch wenn einem dafür nicht gerade der rote Teppich ausgelegt wird. Zudem ist jede Veröffentlichung einer neuen Geschichte auch ein kreativer schöpferischer Akt, auch wenn ich nicht selbst der Autor bin.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Nicht mehr mit Filmen, sondern mit Daten zu arbeiten, erleichtert vieles, nicht nur beim Herstellen, sondern auch beim Korrigieren. Auch die digitale Übertragung der Daten erspart viel Zeit und Kurierkosten.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

In der Ruhe liegt die Kraft. Ich lasse mich nicht mehr hetzen, um alles gestern zu produzieren, was erst übermorgen gekauft wird, sondern mache heute das, was geht, damit es mich übermorgen auch noch gibt. Und ich bewerbe lieber Titel, die man kaufen kann, als solche, die man erst dann kaufen kann, wenn die Werbung schon Schnee von gestern ist. Zudem bilde ich mir ein, die übersichtlichste und interessanteste Homepage von allen zu haben.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Reich sein. Denn es bewahrheitet sich leider immer wieder, dass man nur dann ein kleines Vermögen machen kann, wenn man ein großes investiert.

Wie gewinnen Sie Autoren?

epsilon_coverLizenzen suche ich mir aus und die deutschen Künstler kommen von selbst.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

PPM für den Fachhandel, Barsortimente und Privatkunden beliefere ich selber.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich habe es mal mit einem Vertreter versucht, mit der Erkenntnis, dass die Buchhändler das Angebot gerne auf Nachfrage bestellen. Insofern führt kein Weg an der Nachfrage vorbei. Je größer die Nachfrage, desto mehr wird bestellt und desto eher landet auch was im Sortiment.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Theoretisch bräuchte ich das nicht. Die Kunden könnten ja auch direkt auf meiner Homepage bestellen. Aber die Erfahrung zeigt, dass Kunden lieber da kaufen, wo sie alles kriegen, was aber ein Trugschluss ist. Denn letztlich ist Amazon nur eine moderne Form von Kaufhaus, die von allem etwas haben. Es sind dort längst nicht mehr alle Titel direkt lieferbar. Amazon ist aber auch offen für Fremdanbieter. So kann man auch als Verlag seine Titel dort direkt anbieten, allerdings nur mit einem Aufschlag 3 € Porto pro Titel. Dann werden sie von mir direkt beliefert und wenn sie dann feststellen, dass sie die von mir direkt portofrei bekommen hätten, landen sie beim nächsten Mal doch lieber auf meiner Homepage.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Von Facebook bis Messe handhabe ich das flexibel, je nachdem was das Werbebudget gerade hergibt.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Nun, ISBN und VLB sind doch ganz sinnvoll.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Mein Programm ist eigentlich für alle offen, die keine Scheu davor haben, dass eine interessante Geschichte gezeichnet ist. Das kann spannend, lustig oder auch tiefsinnig sein. Bei mir kann jeder etwas Interessantes finden. Ich arbeite dabei nicht mit Genre-Schubladen, sondern lasse die Leser die Vielfalt selbst entdecken.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Ich sähe die größten Chancen eigentlich im Zeitschriftenhandel, weil der Nachfrage-Markt im Buch- und Fachhandel doch sehr zäh ist. Ich sehe aber bislang keinen bezahlbaren Weg dorthin. Solange das so ist, bleiben auf dem Weg der kleinen Schritte immer Möglichkeiten Qualität, Quantität und Marketing zu verbessern.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das größte Risiko ist immer auch mit hervorragenden Titeln in der Masse der Konkurrenz unterzugehen, zumal gezeichnete Geschichten im Vergleich zu anderen Medien immer noch ein Schattendasein führen und Investitionen in eine nachwachsende Leserschaft über Jahrzehnte vernachlässigt wurden.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

das Logo © Epsilon-Verlag

das Logo © Epsilon-Verlag

Unabhängigkeit spricht eigentlich für sich selbst. Man kann machen, was man will, ohne sich vor anderen rechtfertigen zu müssen. Wenn das, was man macht, gut ankommt, hat man Glück, wenn nicht so, hat man trotzdem etwas Schönes geschaffen, zu dem man stehen kann.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Je größer das Startkapital, desto größer sind die Chancen, im Markt Fuß zu fassen. Als Hobby geht natürlich alles, aber wenn man davon leben will, sollte man das vorher gut und realistisch durchkalkulieren.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da gibt es schon noch ein paar mehr gute kleine Comic-Verlage. Für seine offenen Antworten schätze ich sehr den noch sehr jungen Verlag dani books.

Danke sehr für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Epsilon-Verlag im Netz:

Die Homepage: www.epsilongrafix.de

„Ohne die Digitalisierung wäre unser Arbeiten undenkbar!“ – SteglitzMind stellt das Team vom Verlagshaus J. Frank vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über  Johannes CS Frank, Andrea Schmidt und Dominik Ziller vom Berliner Verlagshaus J. Frank. Vorgeschlagen hatten das Helge Pfannenschmidt von der edition azur sowie Daniel Ketteler und Christoph Wenzel vom [SIC]-Literaturverlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Wir sind ein Berliner Independent-Verlag und haben uns der Lyrik verschrieben.

Die Programmschwerpunkte?

Wir veröffentlichen ausnahmslos Texte, die eine eigene Relevanz und Dringlichkeit beanspruchen. Jenseits von Klischees wollen unsere Texte verändern und Bleibendes schaffen. Leser_innen und Autor_innen werden zu Verbündeten. In unseren Publikationen treten Illustrationen und Typografie als eigenständige Ausdrucksformen in einen Dialog mit dem Text. So entstehen einzigartige Gesamtkompositionen, Kostbarkeiten, die unsere Leidenschaft für Bücher widerspiegeln.

Unsere Bücher erscheinen in fünf Reihen:

  • »Edition Belletristik« – das Herz des Verlages schlägt für Lyrik der Gegenwart
  • »Edition ReVers « – verlorene, vergessene, verborgene Gedichte neu erkundet.
  • »Edition Polyphon« – die internationale Reihe für das globale Gedicht.
  • »Edition Poeticon« – die Essay-Reihe zur Theorie hinter der Lyrik.
  • »Edition Panopticon« – Graphic Novels und Illustrierte Bücher stehen hier im Vordergrund.

Bisher sind über 80 Bücher im Verlagshaus erschienen

Machen Sie alles alleine?

das Team  © Verlagshaus Frank

das Team © Verlagshaus Frank

Seit 2005 wird das Verlagshaus von Johannes CS Frank, Andrea Schmidt und Dominik Ziller geführt: Überzeugungstätern, Literatur- und Illustrationsverrückten.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Die Entwicklung des Verlages war gar nicht unbedingt abzusehen, daher muss die Frage vermutlich so beantwortet werden: Zunächst war das Verlagshaus ein Zeitschriftenverlag, der ausschließlich die „Belletristik. Magazin für Literatur und Illustration“ veröffentlichte. Das Magazin blieb auch in den ersten Jahren des Verlages sein Rückgrat. Wir hatten gerade gelernt, wie ein Zeitschriftenverlag funktionieren kann, da haben wir Anfang 2010 den Verlag neu erfunden und zu einem Buchverlag weiterentwickelt. Das als Antwort auf struktureller Ebene. Aber der Reiz daran, einen Verlag zu führen, ist nicht in der Struktur zu finden. Ideen Öffentlichkeit zu geben, Poetiken, politische Ansätze und Gedanken, Diskurse mitzuprägen, Autor_innen über Jahre zu begleiten und gemeinsam an der Lyrik in all ihrer Vielfalt zu arbeiten – das ist der Reiz des Verlegens. Aber natürlich auch, für Leser_innen Zugänge zu Lyrik zu schaffen und diese Form der Literatur einem noch größeren Publikum zu öffnen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Das Engagement, oder vielmehr die Kraft, ziehen wir in allererster Linie aus der Literatur, die wir veröffentlichen – aus der Begeisterung für diese Universen auf kleinstem Raum, die Gedichte sind.

Die Zusammenarbeit mit unseren Autor_innen ist dazu immer wieder eine Quelle, aus der wir Kraft schöpfen können: Wir begreifen unseren Autor_innenstamm nicht nur als eine Versammlung von Solitären, sondern auch als eine Gruppe, die gemeinsam für etwas eintritt, für bestimmte Vorstellungen von Lyrik und bestimmten Zielen, die aus diesen Konzeptionen erwachsen. Glücklicherweise können wir auch sagen, dass das Engagement auf immer mehr Resonanz trifft – innerhalb der Literaturlandschaft, aber auch in Form von Buchverkäufen, hohen Zuhörer_innenzahlen bei unseren Veranstaltungen oder eine stetig wachsende Präsenz im Feuilleton.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Ohne die Digitalisierung wäre unser Arbeiten undenkbar! Hier geht es einerseits um die Kommunikation innerhalb des Teams – in den ersten Jahren unserer Arbeit haben wir von unterschiedlichen Standorten aus zusammengearbeitet, von Besprechungen bis hin zum Setzen unserer Publikationen, da war der ganze Verlag auf digitale Strukturen angewiesen, um arbeitsfähig zu sein. Das hat sich in den letzten Jahren nur insofern geändert, als dass 90% unserer Kommunikation mit unseren Partner_innen und besonders unseren internationalen Autor_innen digital verläuft.

Eine ganz andere Ebene ist die der Digitalisierung unserer Inhalte. Und hier sehen wir die Digitalisierung als Chance! Allerdings sind die Formate gerade für einen Lyrikverlag bisher limitiert in ihren Möglichkeiten: Ein E-Book ist allein schon technisch gesehen nicht das richtige Format für die Lyrik, wenn man E-Books als digitale Abbilder von Büchern versteht. Dies führte bei uns zu einer einfachen Frage: Wenn wir uns bei der Buchproduktion hoher Qualität, distinguierbarem Design und künstlerischem Anspruch verschreiben – wie können wir die limitierten gestalterischen Möglichkeiten bei E-Books uns und unseren Leser_innen gegenüber rechtfertigen? Wir glauben, eine Lösung gefunden zu haben, aber hierzu verraten wir noch nichts!

Es ist zumindest nach unserer Überzeugung wichtig, den digitalen Raum auch für das Lesen von Lyrik zu öffnen – wir können den E-Book-Markt nicht der Genre-Literatur überlassen!

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Konkurrenz ist in unserem Bereich ein Begriff, mit dem wir relativ wenig anfangen können: Es gibt vielleicht drei oder vier andere Verlage, die vergleichsweise viel Lyrik verlegen, die begreifen wir aber nicht als Konkurrenten.

Das, was uns sicher gegenüber den anderen Verlagen auszeichnet, ist die Konzentration auf das Verlegen von Lyrik. Und diese Konzentration, diese Fokussierung, werden wir in Zukunft noch stärker in den Vordergrund rücken. Schon unser Slogan, poetisiert euch! ist auch als Positionierung zu verstehen – diesen konsequent in unserer Arbeit zu vertreten und durch unsere Publikationen zu verkörpern, das ist das, was uns auszeichnet.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Natürlich haben wir in der Anfangsphase Fehler gemacht, aber wir haben beständig dazu gelernt. Was wir rückblickend anders machen würden, wäre von Anfang an die Zusammenarbeit mit starken Partner_innen zu suchen – sowohl in der Presse-Arbeit, also auch im Vertrieb, in der Verlagsvertretung oder auch der Zusammenarbeit mit der richtigen Druckerei.

In diesem Jahr, in dem wir unser zehnjähriges Bestehen feiern, werden wir tatsächlich den Verlag noch einmal anders aufstellen. Solche Jubiläen bieten u. a. die Chance einer stärkeren Fokussierung auf Programmgestaltung und Verlagskommunikation.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Unsere Autorinnen und Autoren kommen über unterschiedliche Wege zu uns. Wenn wir jemanden wahrnehmen, der mit seiner oder ihrer Literatur gut in das Verlagshaus passen würde, sprechen wir ihn oder sie gezielt an. Für unsere internationale Reihe, die Edition Polyphon, besonders aber unsere Reihe, in der wir vergessene Dichter_innen oder bisher nicht ins Deutsche übertragene Texte von bekannteren Autor_innen veröffentlichen, in der Edition ReVers lassen wir uns auch Autor_innen empfehlen Die Internationalität wird für unseren Verlag immer wichtiger, und wir sehen in der internationalen Lyrikvermittlung – besonders von internationaler Lyrik in Deutschland – einen wichtigen Weg für unsere zukünftige Arbeit.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Unser Vertrieb ruht auf zwei Säulen: Eine wichtige Rolle spielt unser Direktvertrieb, also der Verkauf von Büchern über unsere Internetseite und bei unseren Lesungen bzw. denen unserer Autor_innen. Gerade unsere Internetseite ist besonders wichtig für uns, diese wird in diesem Jahr einem Relaunch unterzogen! Die zweite Säule ist die des „klassischen“ Buchvertriebs: Wir arbeiten mit Grossisten und der Gemeinsamen Verlagsauslieferung Göttingen zusammen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

das Logo  © Verlagshaus Frank

das Logo © Verlagshaus Frank

Wir arbeiten mit den Vertreterinnen von Indiebook zusammen, die uns im wahrsten Sinne des Wortes gegenüber dem Buchhandel vertreten. Mit ihrem Engagement für unsere Bücher sind sie ein ganz wichtiger Baustein für unsere gegenwärtige Position und auch für die Zukunft des Verlages. Für uns wird der Buchhandel immer wichtiger, im Buchhandel sehen wir auch weiterhin die Zukunft für den Verkauf von Lyrik. Es ist für uns schon ein großer Erfolg, dass unsere Bücher in über 120 Buchhandlungen zu finden sind. Wir haben dazu enge Verbindungen zu individuellen Buchhändler_innen, bei denen wir das Gefühl haben, dass sie in der Auffassung ihrer Arbeit unserer Arbeit entsprechen – das sind ganz wunderbare Beziehungen, die so entstehen. Wir lernen auch viel von diesen Buchhändler_innen, die tatsächlich auch Spezialist_innen mit einem unheimlich reichem Erfahrungs- und vor allem Leseschatz sind.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wir arbeiten nicht mehr direkt mit Amazon zusammen. Das hat einerseits ganz einfache wirtschaftliche Gründe: Beim so genannten „Partnerprogramm“ von Amazon mussten wir nicht nur 55% des Coverpreises eines jeden Buches Amazon lassen, sondern zusätzlich Versandkosten bezahlen, und am Schluss noch dafür, dass wir ihnen eine Rechnung stellten. So haben wir mit jedem Buch, das über Amazon verkauft wurde, einen Verlust gemacht. Das und dazu auch die Frage, mit welcher Art von Partner_innen wir unseren verlegerischen Weg beschreiten möchten, hat zu der Entscheidung geführt, nicht mehr mit Amazon zusammenzuarbeiten. Amazon ist jetzt für uns wie jede andere Buchhandlung: Sie beziehen unsere Bücher über die Grossisten. Auf Amazon ganz zu verzichten, wäre nicht im Sinne unserer Autor_innen, und das ist ein großes Problem dieser Quasi-Monopolstellung im digitalen Buchhandel: Gibt es das Buch nicht bei Amazon, gibt es das Buch nicht.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Ganz wichtig für uns sind die Möglichkeiten sozialer Netzwerke – aber wir sehen Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram nicht in erster Linie als Marketing-Tools, sondern als Möglichkeiten, über unsere Arbeit zu berichten und mit unseren Leser_innen in Kontakt zu treten sowie uns auch selbst zu informieren. Die konstante Markenführung mit hohem Wiedererkennungseffekt spielt hier auch eine große Rolle – von der Gestaltung unserer Präsenzen im Internet über unsere Werbemittel bis hin zu Messe-Auftritten oder unseren Büchern selbst. Wir stellen fest, dass unser Slogan, poetisiert euch, ein Leben jenseits des Verlages führt: Unsere poetisiert euch-Aufkleber werden mittlerweile überall auf der Welt geklebt. Unter dem Hashtag #poetisierteuch kann man das mitverfolgen. Natürlich ist auch die Zusammenarbeit mit unserer Presse-Agentur PR Kirchner sehr wichtig für unser Marketing. All diese Bausteine tragen dazu bei, die nötige Aufmerksamkeit auf den Verlag zu lenken. Presseartikel führen ja leider nicht direkt zu Buchverkäufen, aber sie informieren, sie sind wichtig für die Darstellung und Dokumentation unserer Arbeit. Lesungen könnte man ähnlich betrachten, obwohl sie in allererster Linie eine andere Funktion erfüllen – die der Verbreitung der Literatur, die in unserem Verlag erscheint.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind zahlende Mitglieder. Für den Buchhandel ist die Funktion sicher eine andere als für uns. Für Verlage ist die Notwendigkeit einer Mitgliedschaft nicht unbedingt nachzuvollziehen. Allerdings ist der Berliner Zweig für uns im Veranstaltungsbereich interessant: Sowohl beim Format „24 Stunden Buch“ und auch „Stadt, Land, Buch“ gab es bisher gute Zusammenarbeiten.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Wir machen unsere Bücher für alle, die sich von Lyrik begeistern lassen können. Eine Zielgruppenanalyse lässt immer nur eine Betrachtung der Gegenwart zu – aber die Potentialanalyse ist für uns spannend: Es können neue Räume für die Lyrik eröffnet werden. Und daran arbeiten wir!

Lyrik erlebt gerade einen regelrechten Boom. Das ist das Ergebnis der Arbeit vieler unabhängiger Verlage, von Veranstaltungsreihen, Festivals, Netzwerken, Autor_innen – der Leser_innenkreis wächst, und wir mit ihm!

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Die Chancen für einen Verlag entstehen zwangsläufig aus der Programmgestaltung. An dieser arbeiten wir täglich und freuen uns schon riesig auf die nächsten Jahre Literatur aus dem Verlagshaus!

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das Risiko für einen Lyrikverlag ist immer dasselbe: dass niemand unsere Bücher liest.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Wir schätzen die Möglichkeit der Selbstbestimmung und Unabhängigkeit in der Programmgestaltung.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Es einfach zu tun – zu wissen, welche Art von Literatur man verlegen möchte und im besten Fall, warum. Keine Angst zu haben, das Scheitern in Kauf zu nehmen und mutige Entscheidungen zu treffen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Mit hochroth verbindet uns eine besondere Verlagsfreundschaft und wir schätzen den Einsatz, verlegerisches Handeln neu zu denken.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Das Verlagshaus J. Frank im Netz:

poetisiert-euch.de Website (Neue Website + Neue URL im Laufe des Jahres)

www.facebook.com/verlagshaus

https://twitter.com/_Verlagshaus

instagram.com/verlagshaus (Hashtag #poetisierteuch)

http://issuu.com/verlagshaus (Leseproben unserer Publikationen)

 

„Wir setzen eher auf Konstanz als auf kostspielige Knalleffekte.“ – SteglitzMind stellt Daniel Ketteler und Christoph Wenzel vom [SIC]-Literaturverlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute stehen Daniel Ketteler und Christoph Wenzel vom [SIC]-Literaturverlag Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Adrian Kassnitz von der parasitenpresse.

Eine Skizze vom Verlag …

Den [SIC] – Literaturverlag gibt es seit 2010; er ist hervorgegangen aus der Literaturzeitschrift [SIC], die 2005 das erste Mal erschien und die bislang in fünf Ausgaben vorliegt. Gegründet haben Zeitschrift und Verlag die beiden Autoren Daniel Ketteler und Christoph Wenzel. Der Verlagssitz ist in Aachen, eine kleine Zweigstelle gibt es in Berlin.

Die Programmschwerpunkte?

Daniel Ketteler © Hans Präfke

Daniel Ketteler © Hans Präfke

Unser Motto: Wir legen Risikokapital langfristig in gute Literatur an. Der [SIC] – Literaturverlag präsentiert sich in zwei Reihen mit jeweils einheitlichem, anspruchsvollem Buchdesign: Die Reihe „Fettecke“ bietet Raum für einen erweiterten Literaturbegriff, für auch experimentell-provokative Arbeiten. Die „Edition [SIC]“ als zweiter Reihenarm ist der Ort leiserer Literaturen: Schnell Übersehenes erhält hier eine verdiente Bühne – sozusagen die Singer-Songwriter-Ecke von [SIC]. Ergänzt wird das Programm durch das Magazin [SIC] – Zeitschrift für Literatur, ein Medium mit Mut zu qualitativer Vielfalt, ein Forum und Spielraum für insbesondere auch jüngere Autorinnen und Autoren.

Machen Sie beide alles alleine?

Unser Team besteht aus den beiden Verlegern Ketteler und Wenzel, unserem Buchgestalter Felix Beckheuer, der Zeitschriftengestalterin Viola Binacchi sowie einem Netzwerk aus z.T. auch wechselnden Redakteur_innen, Gastmitherausgeber_innen und aus Begeisterung im Hintergrund mithelfenden Überzeugungstäter_innen.

Wohin geht die Reise?

Wir arbeiten im Vergleich wohl recht langsam, d.h. ein Buch ist fertig, wenn alle Beteiligten soweit sind und auch die Finanzierung abgesichert ist. Zuletzt erschien bei uns in Kooperation mit der parasitenpresse die Lyrikanthologie Westfalen, sonst nichts? Derzeit arbeiten wir u.a. an einer zweisprachigen Anthologie, die die junge niederländischsprachige (d.h. flämische und niederländische) Lyrik vorstellt.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Christoph Wenzel © Sonja Wenzel

Christoph Wenzel © Sonja Wenzel

Wie sonst kann man Literatur, die man selbst veröffentlicht sehen will, die aber woanders keine oder kaum eine Chance hat, ans Licht der Welt hieven?

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Wir sind ja mit Zeitschrift und Verlag nicht im analogen Zeitalter gestartet, so dass wir schon von Beginn an von den Vorzügen der Digitalisierung profitieren – das sind vor allem die neuen, schnellen Möglichkeiten zur Vernetzung und Sichtbarmachung, sowie auch die digitalen Druckverfahren. Manches drucken wir zum Teil und bewusst aber auch ganz klassisch Offset.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir sehen insbesondere bei den Independents keine Konkurrenz, sondern vielmehr Gleichgesinnte. Mit den großen und mittleren Verlagshäusern konkurrieren wir ohnehin nicht, darum geht es uns nicht.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

sic_zeitschrift fuer literaturWeniger zaudern, mehr machen!

Wie gewinnen Sie Autoren?

Es gibt ohnehin derzeit mehr gute Autorinnen und Autoren als es ihnen angemessene Möglichkeiten zur Publikation gibt.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Unser Vertrieb ist in der Hauptsache Selbstvertrieb. Wir kooperieren mit den Barsortimentern libri und KNV; so sind unsere Titel über jede Buchhandlung kurzfristig lieferbar. Den größten Teil wickeln wir aber über Bestellungen via unsere Homepage ab und versenden selbst.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wir haben aus guten Gründen keinen direkten Vertrag mit Amazon geschlossen, aber über die genannten Barsortimenter sind unsere Bücher auch dort bestellbar. Kostengünstiger, da portfrei, ist für den Leser aber die Direktbestellung über unsere Verlagshomepage.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wir machen alles selbst, verschicken Rezensionsexemplare und machen bei Veröffentlichungen und Veranstaltungen vor allem durch das Internet, Facebook und Blogs auf uns aufmerksam. Wir setzen hier eher auf Konstanz als auf kostspielige Knalleffekte.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

sic_cover_unterwegs seinEine gute Sache. Aber wir fühlen uns noch zu klein für die Börse 😉

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Wir verfolgen keinen Masterplan. Ziel ist, das zu machen, was uns interessiert. Der Verlag ist eine Spielwiese und soll uns selbst Spaß machen. Ergibt sich ein Bestseller, sagen wir sicher nicht nein.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Eine Chance besteht darin, dass wir finanziell kein wesentliches Risiko eingehen, allein das macht unabhängig.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Keine Risiken. Solange die Demokratie hält.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

sic_cover_flugschauEine möglichst breite und vielfältige Szene von Literaturzeitschriften und anspruchsvollen Independents ist die Voraussetzung dafür, dass auch vordergründig nicht marktgängige Titel, insbesondere zeitgenössische Lyrik, weiterhin publiziert und in der gegenwärtigen Literaturlandschaft sichtbar werden und bleiben. Genau dafür sind längst die Independents ein Garant.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Ob wir die richtigen sind, Ratschläge zu geben? Was man bei einer Verlagsgründung raten kann, hängt ja vor allem auch davon ab, mit welcher Motivation und welchen Zielen jemand einen Verlag gründen will. Der Ratschlag könnte also lauten, sich bei einer Verlagsgründung genau darüber sehr bewusst zu sein. Man sollte aber auch nicht alles zergrübeln. Zudem sollte man wohl acht geben, dass man sich nicht vollkommen ruiniert – finanziell sowie kräftemäßig.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Verlagshaus J. Frank, Lilienfeld VerlagEdition Korrespondenzen, Kleinheinrich und Lyrikedition 2000.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

sic_logo

das Logo © [SIC]-Literaturverlag

Der [SIC]-Literaturverlag im Netz:

Die Homepage: http://www.siconline.de

Bei Facebook: https://www.facebook.com/siconline.de

 

„Auf ein neues Buch fällt man immer wieder neu rein.“ – SteglitzMind stellt Roman Pliske vom Mitteldeutscher Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über Roman Pliske, der den Mitteldeutscher Verlag verantwortet. Vorgeschlagen hatte das Ingo Držečnik vom Elfenbein Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

das Team © Mitteldeutscher Verlag

das Team © Mitteldeutscher Verlag

Geboren 1946 in Halle (Saale), Wiedergeburt 1997. Heute stemmen 12 feste und 4 freie Mitarbeiter die Programmsäulen Kunst, Reise, Literatur und Sachbuch. In der Backlist 500 Titel, jährlich 80 Neuerscheinungen, analog und Textausgaben auch stets digital.

Die Highlights im Bücherjahr?

2015 feiern wir mit dem Fotografen Sven Marquardt die Nacht, unsere Reihe LOST PLACES spürt vergangener Architekturpracht nach und eine Biografie von Wolfgang Schnur zeigt ein zerrissenes Leben in der DDR-Diktatur.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Weil man selten im Arbeitsleben ein Projekt von der Zeugung (im Gespräch), der Geburt mit allen Wehen (Manuskriptabgabe), ersten Laufversuchen bis Rauswachsen begleiten kann. Die komplette Betreuung einer Idee bis zum Buch ist ein unglaublicher Spaß.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Auf ein neues Buch fällt man immer wieder neu rein. Alle Enttäuschung ist vergessen, alle Zweifel weggeräumt, man sieht nur Chancen und dass man weitermachen muss!

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

mitteldeutscher_cover_wild verschossenDigitale Versionen erstellen wir parallel, kein Problem. Zusatzerlöse stehen kleinere Auflagen gegenüber. Analoge Bücher werden noch schöner, die Typografie noch ausgefeilter, die kleinen Schmankerl der Buchgestaltung wichtiger.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir sind stark in unserer Region, auch mit Themen von hier. Wir sind meistens vorsichtig, dann und wann aber wieder mutig. Wir arbeiten mit festen Mitarbeitern, das spart Zeit und festigt Qualität. Wir sind zuverlässig und unser Wort gilt. Gute Arbeit spricht sich herum, da unterscheidet sich unsre Branche nicht von anderen. Konkurrenz? Wir haben großartige Kollegen, mit denen wir in Stiftungen und Arbeitsgruppen für gute Bücher und Verlage arbeiten. Da hat jeder seinen Platz.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich würde auf keinen Fehler verzichten wollen.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Meistens durch Empfehlung und Ansprache. Selten über den Briefkasten.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Klassisch: Zwei Powerfrauen im Verlag, vier Vertreter im Land, viel Telefon, Lächeln und gezielte Ansprache, die keine Zeitverschwendung für beide Seiten ist.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

????????????????????????Man muss halt Bücher anbieten, die sie verkaufen können. Ein Perspektivwechsel ist manchmal ganz hilfreich 😉

Wie halten Sie es mit Amazon?

Für die Backlist unverzichtbar.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Noch zu wenig, kann aber auch überschätzt werden.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Dabei.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Die Zielgruppen sind völlig unterschiedlich, wir überlegen abteilungsübergreifend oft, wen wir wie ansprechen wollen. Insgesamt machen wir Bücher, die nicht unnötig sein sollten.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In der Zuverlässigkeit, in der Liebe zum Buch und in der Professionalität.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

?????????????????Dass gute Ideen schnell kopiert werden …

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Das ehrliche Wort, die brennende Leidenschaft.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sei nicht zu optimistisch.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Alle Kollegen aus der Kurt-Wolff-Stiftung und der Regionalbuch AG. Peter Gerlach und Moritz Götze vom Hasen-Verlag würde ich hier gerne lesen.

Danke vielmals für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Mitteldeutsche Verlag im Netz:

Die Homepage: www.mitteldeutscherverlag.de

Morio-Verlag, ein Imprint: www.morio-verlag.de

 

„Comics von einem Fan für die Fans.“ SteglitzMind stellt Eckart Schott von Salleck Publications vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Die Antworten kommen heute von Eckart Schott, der Salleck Publications verantwortet. Vorgeschlagen hatte das Andreas Mergenthaler von Cross Cult.

Eine Skizze vom Verlag …

Eckart Schott © privat

Eckart Schott © privat

Im Jahr 1990 habe ich meinen Verlag als Comic-Fan gegründet. Das erste Projekt ging mächtig in die Hose, das zweite war Der alte Blaue von Francois Walthéry und Raoul Cauvin, ein lustiger Comic über Brieftaubenzüchter. Der erste größere Erfolg war Das Blaue Tagebuch von André Juillard.

Ich arbeite nur mit freien Mitarbeitern. Programmschwerpunkte sind klassische Comics, aber auch Kindercomics wie Yakari und Technik-Comics wie Margots Reportagen (Oldtimer) oder Buck Danny und Der Große Uhu (Fliegerei). Also ein vielseitiges Programm, zu dem ich stehen kann.

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Mein Highlight für 2015 wird der zweite Band von Waldi Wichtig und die Naseweise: Die Schmetterlingsjagd und der Abschlussband des ersten Zyklus von Esteban.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Vom Comic-Leser zum Comic-Sammler zum Comic-Verleger war es eigentlich ein konsequenter Weg. Der Comic-Leser bekam als Kind keine Serie voll, der Comic-Sammler hätte gern einige französische Comics auf Deutsch gehabt und hat diese dann verlegt.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Das Motto „Comics von einem Fan für die Fans“ gilt eigentlich immer noch nach 25 Jahren. Großen Wert habe ich auch immer auf die persönlichen Kontakte zu „meinen“ Zeichnern gelegt, und viele von ihnen auch nach Deutschland geholt.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Die Arbeit wurde einfacher, was Übersetzen, Korrigieren und Drucken angeht.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich bin im Jahr auf ca. 15 Messen, Comic-Börsen und Oldtimer-Messen präsent und freue mich über den direkten Kundenkontakt. Und habe oft auch Comic-Zeichner dabei.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich habe mich holterdiepolter ziemlich blauäugig und naiv in das Abenteuer gestürzt. Aber damals war ich eben auch noch 25 Jahre jünger …

Wie gewinnen Sie Autoren?

Am Anfang bin ich auf Comic-Festivals in Frankreich und Belgien gefahren, habe die Künstler angesprochen. Diese zum Teil Freundschaften bestehen seit 25 Jahren. Einige Zeichner sind inzwischen leider auch verstorben. Ich bin auch in der Szene, auch im Ausland bekannt, auch dafür, dass wir – ich und mein Team – uns große Mühe geben, mit allem, was wir tun. Übersetzung, Extras, Einladungen auf Veranstaltungen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Privatkunden beliefere ich selbst, alles andere läuft über meine Auslieferung PPM Peter Poluda Medienvertrieb.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich selbst wenig. Das ist Aufgabe meines Vertriebs. Dazu fehlt mir die Zeit.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Amazon ist sicher eine Chance für Verlage, solange die Buchpreisbindung in Deutschland Bestand hat. Wenn diese fällt, wäre Amazon als Marktführer eine Gefahr für viele Buchhändler.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Ich schalte relativ viel Werbung in Comic-Magazinen und bin auch viel unterwegs auf Messen usw.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Er ist wichtig. Wichtig, dass die Buchpreisbindung nicht fällt.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Für Comic-Sammler, für Kinder, für Oldtimer- und Flugzeugfans, für anspruchsvolle Leser. Also sehr vielseitig.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In meiner Vielseitigkeit und in meinem Engagement.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Dass ich zu viele Titel aus dem Bauch heraus mache, die dann eventuell nicht gut genug laufen.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Ich kenne sie nicht gut genug. Aber ich denke, sie ist die Chance für junge Talente, einen Verlag zu finden, sozusagen einen Einstieg ins Leben eines Comic-Schaffenden.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sich das gut zu überlegen. Und vielleicht auf regionale Themen zu setzen. Siehe Karl, der Spätlesereiter, oder aktueller die Comic-Serie um Karl den Großen, die in Aachen verlegt wird.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich kenne die kleinen Verlage zu wenig. Aber als nächsten Interview-Partner empfehle ich Mark O. Fischer von Epsilon.

Danke sehr für diesen Einblick!

BTW: Am Sonntag, den 26. April findet in Berlin im Ellington Hotel (Nürnberger Straße 50-55, Ecke Augsburger) zwischen 10 und 16 Uhr die Berliner Comicmesse statt. Neben vielen anderen ist Eckart Schott von Salleck Publications dabei.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Salleck Publications im Netz:

Die Homepage: www.salleckpublications.de

„Die edition ch gibt es, damit es Bestimmtes eben auch gibt.“ SteglitzMind stellt Günter Vallaster von der edition ch vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Günter Vallaster von der edition ch Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Adrian Kasnitz von der parasitenpresse.

Eine Skizze vom Verlag …

Günter Vallaster © edition ch

Günter Vallaster © edition ch

Die edition ch wurde 1990 in Wien von der Autorin Christine Huber als AutorInnenedition für visuelle Poesie und Lyrik gegründet. Der Verlagsname leitet sich somit von den Initialen ihres Namens ab. Christine Huber gab die Edition an Franz Obel weiter, dieser an Lisa Spalt, schließlich landete sie 2004 bei mir. Die edition ch wurde somit zu einer Wanderedition, die es auf diese Weise auf ein mittlerweile 25-jähriges Bestehen gebracht hat, und nach wie vor besteht sie nur aus der Herausgeberin oder dem Herausgeber, weitere MitarbeiterInnen gibt es nicht. Bei Einzeltiteln können sich die jeweiligen AutorInnen in unterschiedlichem Umfang auch als MitarbeiterInnen einbringen, indem sie Satz, Layout und Cover ihres Buches auch selbst gestalten. Bei den Anthologien der Reihe „Raum für Notizen“ layoute ich.

Die Programmschwerpunkte?

Und nach wie vor widmet sich die Edition der sprachreflexiven Literatur im transmedialen Spannungsfeld von Text, Bild und Klang, dann und wann kann auch mal Prosa erscheinen. Jedes ch-Buch ist ein Highlight, zuletzt erschienen die Anthologie „Räume für Notizen“ mit visuell-poetischen und essayistischen Beiträgen aus aller Welt, „Herzbau“ von Andrea Zámbori mit wunderbaren, hochpräzisen Zeichnungen, soeben aus der Druckerei gekommen ist „Und wieder vergisst der Tag dann die Nacht“, der neunte Band des autobiografischen und biografiereflektierenden Verwicklungsromans von Ilse Kilic und Fritz Widhalm aka „Das fröhliche Wohnzimmer“, in den Startlöchern steht gerade „für die fisch“ von jopa jotakin, „frische fischlyrik ohne hand und fuß, aber mit schuppen und flossen“, wie er selbst zu seinem Band meint, mit Zeichnungen von Andrea Knabl und Kala Haisee.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Musste es gar nicht. Wenn mich Lisa Spalt damals nicht gefragt hätte, wäre ich möglicherweise nie editionärisch tätig geworden – wenn mich dieser Bereich grundsätzlich immer auch interessiert hat, zum Beispiel hatte ich vor längerer Zeit mal ein Praktikum in einem Verlag gemacht.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

© Andrea Zámbori

© Andrea Zámbori

Ich verstehe mich vor allem selbst als Autor und habe auch ein wissenschaftliches Interesse an Sprache und Literatur. Dies prägt auch meine herausgeberische Tätigkeit, bei der sich drei Linien festmachen lassen: Zunächst einmal die Anthologien der Reihe „Raum für Notizen„, die keine bloßen Text-Bild-Sammlungen darstellen, sondern immer von konzeptuellen Überlegungen getragen sind. So habe ich beispielsweise mal Autorinnen und Autoren dazu eingeladen, einen Buchstaben nach Wahl visuell-poetisch umzusetzen („Ein Alphabet der visuellen Poesie“, 2010) oder die Form des Paragramms auszuloten („Paragramme – Ein Sammelband“, 2011) oder gemeinsam mit Jörg Piringer eine Zusammenstellung visueller und digitaler Poesie aus mehreren Ländern rund um den Globus herausgegeben („A Global Visuage“, 2012). Eine weitere Linie repräsentiert der biennal erscheinende Verwicklungsroman von Ilse Kilic und Fritz Widhalm, von dem bei meiner Vorgängerin Lisa Spalt schon die ersten drei Bände erschienen waren.

Schließlich gibt es auch die Einzelpublikationen, die in der edition ch auch möglich sind, wobei Einzeltitel an und für sich in größeren Verlagen besser aufgehoben sind. Als Autor kann ich nicht in dem erforderlichen Umfang andere Autorinnen und Autoren betreuen, aber zumindest mal eine erste Publikation mit Präsentationen ermöglichen. Der Grund, weshalb ich die edition ch übernommen hatte, war also die Möglichkeit, Projekte zu realisieren und ihnen eine Öffentlichkeit zu geben. Ich verstehe die Edition vor allem als Plattform für Texte und Bilder, die neue Wege wagen und daher auf dem konventionellen Markt oft schwerer auf Akzeptanz stoßen. Auch der interkulturelle Austausch war stets eine große Motivation: Die Reihe „Raum für Notizen“ startete 2006 mit „Grenzüberschneidungen. Peresečenija granic. Poesie Visuell Interkulturell“, worin herausgegeben von Juliana V. Kaminskaja und mir russische und deutschsprachige visuelle Poesie u.a. von Dmitrij Avaliani, Alexandr Gornon, Boris Konstriktor, Lenore Llinza, Brigitta Falkner, elffriede.aufzeichnensysteme, Heinz Gappmayr, Werner Herbst, Christine Huber, Erika Kronabitter, Gerhard Rühm und Liesl Ujvary versammelt wurde.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

© jopa jatakin

© jopa jotakin

Ich sitze inzwischen tatsächlich öfter am Computer als über Büchern und nutze das Internet, um die edition ch zu präsentieren, indem ich das Blog mit möglichst vielen Informationen ausstatte. Dazu gehören auch einige pdf-Files mit Leseproben, also Ansätze zum E-Book sind schon vorhanden.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich kenne keine Konkurrenz, ich bin für Vielfalt. Meinetwegen soll es in der Literatur alles Mögliche geben und die edition ch gibt es, damit es Bestimmtes eben auch gibt.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Als ich anfing, hatte ich keine Wohnungseinrichtung, aber eine Edition und fünf Projekte. Um editionärisch tätig zu sein, müssen bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Indem ich sie zu meinen Anthologieprojekten einlade. Bei Einzeltiteln muss eine ästhetische Wellenlänge mit mir als Autor gegeben sein.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Eigenauslieferung.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Für ein Fußfassen im Buchhandel sind die Mittel und Auflagenhöhen zu gering. Es gibt aber schon Nischenbuchhandlungen, die immer wieder mal an Publikationen der Edition interessiert sind und bestellbar sind die Bücher grundsätzlich ja immer und von jeder Buchhandlung.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Auf der Amazon-Homepage war ich schon lange nicht mehr. Ich empfehle, die Bücher im Buchhandel oder direkt bei der Edition zu bestellen. Das geht auch viel schneller als über Amazon.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

© Ilse Kilic / Fritz Widhalm

© Ilse Kilic / Fritz Widhalm

Veranstaltungen (Lesungen, Ausstellungen, Performances), Rezensionen, Workshops und so weiter – also verschiedene Formen der öffentlichen Präsentation, selbst organisiert, mitorganisiert oder indem ich anbiete. Sehr schön war zuletzt beispielweise die mit der Reihe „Raum für Notizen“ zusammenhängende Ausstellung „räume für notizen | rooms for notes“ in der Wiener Galerie wechselstrom von Renate Pittroff und Christoph Theiler, bei der 77 AutorInnen und bildende KünstlerInnen ausgestellt haben, über 90 Exponate waren es, und einige internationale Gäste zusammen mit VertreterInnen aus Österreich mit Lesung, Vortrag und Performance in der Alten Schmiede und in der Galerie aufgetreten sind. Das ist Vernetzung, wie ich sie mir vorstelle.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Die edition ch ist zu klein für den Hauptverband.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Mir geht es eigentlich nicht um Marktnischen, sondern mehr um so etwas wie Kulturauftrag.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Für diese Gesprächsreihe vorschlagen möchte ich „Das fröhliche Wohnzimmer“ von Ilse Kilic und Fritz Widhalm, das schon seit 30 Jahren editionärisch und als Rundum-Kunst-Projekt in Wien sehr aktiv ist. Beide sind auch seit langem schriftstellerisch und eigentlich in allen Kunstformen tätig, Ilse Kilic ist derzeit auch Generalsekretärin der Grazer Autorinnen Autorenversammlung, des größten AutorInnenverbandes in Österreich. Und aus dem digitalen und Hybrid-Buchbereich TRAUMAWIEN und die edition taberna kritika. – Eine der Verantwortlichen der edition, nämlich Hartmut Abendschein, Betreiber des literarischen Weblogs taberna kritika und Mitbegründer von litblogs.net, kam hier meines Wissens bereits in einem anderen Zusammenhang zu Wort. Und nicht vergessen, die edition keiper, u.a. mit einem feinen, von Helwig Brunner betreuten Lyrikprogramm und den Klever Verlag von Ralph Klever, der sich sehr um die avancierte Literatur kümmert. U.a. erlesene visuelle Poesie und Anthologien zu Fragestellungen der Zeit in bibliophilen Ausgaben verlegt Batya Horn in ihrer Edition Splitter, Kerstin Lichtblau startete mit dem lichtblau verlag ein spannendes Label für Bild, Sound und Poesie. In der edition art science, u.a. mit der engagierten, von Erika Kronabitter herausgegebenen Reihe „Lyrik der Gegenwart“, ist zuletzt mit „hab den der die das“ eine umfangreiche Würdigung von Friederike Mayröcker erschienen, mit Beiträgen von 165 DichterInnen

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo © edition ch

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