Steglitz stellt DocTotte mit „Tottes kleines Literaturlexikon“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der Vorschlag, dass wir DocTotte, in dessen Händen u.a. Tottes kleines Literaturlexikon liegt, näher kennenlernen sollten, stammt von Friederike Kenneweg, die frintze pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

berühmt und berüchtigt - so kennen wir den Betreiber im Netz © DocTotte

berühmt und berüchtigt – so kennen wir den Betreiber im Netz © DocTotte

Seit 1972 Kind des Ruhrgebiets, wenn auch mit einer 10-jährigen Unterbrechung im hohen Norden. Ich habe Archäologie (lief damals noch unter Ur- und Frühgeschichte an den meisten Unis), Skandinavistik und Mittelaltergeschichte studiert und bin schließlich über die römische Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit in Holstein promoviert worden.

Während der Promotion litt ich dermaßen unter der meist miserabel geschriebenen wissenschaftlichen Lektüre, dass ich Belletristik nur so verschlang. Als dann im noch jungen Jahrtausend die Stellen in der Archäologie so weit gestrichen wurden, dass es mir einfach nicht gelang, dauerhaft Fuß zu fassen, erinnerte ich mich an andere Leidenschaften: Wörter und Texte. Ich nahm meine Erfahrung als Vielleser und Ein-bisschen-selbst-Herumschreiber, gewürzt mit ein paar kleinen Veröffentlichungen in der Frankfurter Rundschau sowie im Internet und geriet über ein Hamburger Werbelektorat schließlich als Texter in die Werbebranche. Heute dient mir die Literatur dazu, die Ballaststoffe der Werbewelt geistig zu verarbeiten, ohne irrsinnig zu werden.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich hab Mitte 2007 mit Bloggen angefangen. Mein erster Blog startete bei Blog.de, hauptsächlich weil das für meine damalige Vorstellung das ideale Feld war. Trotzdem habe ich mich schon früh auch auf anderen Plattformen umgeschaut. Selbst die Gründung des hiesigen WordPress-Blogs liegt schon lange zurück, er lag aber über Jahre brach. Mit der Zeit haben mich technische Unzulänglichkeiten und auch das Verschwinden einiger guter Autoren mehr und mehr von Blog.de entfremdet. Da ist irgendwann die Idee herangereift, die Blogs verstärkt thematisch zu trennen und bei WordPress die von mir gelesenen Bücher vorzustellen. Inzwischen überlege ich ernsthaft, die Filmreihe aus meinem anderen Blog zu WordPress zu portieren – sozusagen Tottes kleines Filmlexikon.

Deine Themenschwerpunkte …

… sind im WordPress-Blog eindeutig Bücher. Ganz anders als bei meinem ersten Blog, der von Literatur über Philosophie, Politik, Film und Musik bis hin zu lautem Klamauk und handfestem Nonsens alles umspannte, was mir so in den Sinn kam. Bei dem Literaturblog auf WordPress ist die Nähe des Namens zu Kindlers Literaturlexikon ist übrigens durchaus beabsichtigt. Mich amüsierten im Kindler ganz besonders die Kurzkritiken, die oft genug Zitate von Arno Schmidt enthielten und das Werk eines Autors in einem Satz beschrieben. Besonders gut erinnre ich mich in diesem Zusammenhang daran, wie Schmidt in einem Satz William Blakes Arbeiten als „zeitlose Gesänge eines Irren in erdachten Landschaften“ abkanzelt.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Lange war ich sehr in ältere Literatur vertieft, darunter auch, aber nicht nur Klassiker. Ich wollte einfach die Basis wenigstens ab dem 17. Jahrhundert kennen. Viele moderne Autoren fand ich schrecklich langweilig und wollte nicht lesen, was sie zu sagen haben. Es gab da wenige Ausnahmen wie Kertesz oder Eco. Parallel dazu las ich viel Arno Schmidt und auch manches seiner Empfehlungen, sofern es greifbar war. Heute hopst nur noch ab und an ältere Literatur dazwischen, mehrheitlich schaue ich mich bei aktuellen Schriftstellern um. Es sei mir allerdings die Bemerkung erlaubt, dass ich viele deutsche Autoren, insbesondere die Leipziger Schule eher für unfertige Adepten als für ausgewachsene Schriftsteller halte. Hier sehe ich noch viel Entwicklungsbedarf. Und dass Bücher heutzutage vielfach darüber verkauft werden, ob die Autoren durch Sender wie RTL oder Sat.1 bekannt geworden sind – ich denke, dazu braucht man nicht viel zu sagen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

In der Hauptsache auf zwei Wegen: Meine weiteren Blogs verlinken mehrheitlich auf diesen Literaturblog und jedes neue Posting dieses Blogs lasse ich automatisch per Twitter verbreiten. Manchmal weise ich auch Freunde und Bekannte, die bei mir nicht regelmäßig lesen, mündlich oder per E-Mail auf bestimmte Postings hin, von denen ich denke, dass sie interessant für sie seien.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das hängt vom Anspruch ab, den man hat. Wer seinen Blog nur für sich führt, kann praktisch machen, was er möchte – mal abgesehen von strafbewehrten Vergehen. Wer aber eine Gruppe von Lesern erreichen möchte, und sei sie noch so klein, für den gibt es eigentlich nur ein Vergehen: die Leser zu langweilen. Ich räume ein, dass es nicht immer zu vermeiden ist. Sicher langweile ich auch mit dem einen oder anderen Eintrag, aber ich hoffe, dass ich zumindest die Mehrheit der Leser unterhalte. Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum ich in nahezu allen meinen Blogs eher kurze Einträge verfasse. Es gibt selbstverständlich Themen, die nur in einem längeren Postings angemessen behandelt werden können. Was aber kurz gesagt werden kann, dass sollte auch kurz gesagt werden. Deshalb weigere ich mich zudem, meine Rezensionen mit seitenlangen Inhaltsbeschreibungen aufzublähen. Es gibt wohl kaum ein publiziertes Buch auf der Welt, von dem nicht längst zig Nacherzählungen im Netz kursieren. Nein, ich möchte mit meiner eigenen Meinung als Wegweiser dienen. Ich möchte Lesern Empfehlungen geben oder sie warnen, wenn die Lektüre eines Buchs aus meiner Sicht verschenkte Lebenszeit darstellen sollte.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Da sehe ich mehrere. Zuerst die Themenfindung: Als ich meinen ersten Blog aufgemacht habe, lag er da. Und ich überlegte, was ich damit machen soll. Tagebuch? Publizierung von eigenen Texten? Letztlich bin ich dann bei einem Themen-Misch-Masch gelandet, der meinen ersten Blog lange Jahre auszeichnete und meine facettenreiche Person gut widerspiegelt. Das half dann vor der Aufsplittung der Themen bei der Überwindung der nächsten Hürde: dem Finden von Lesern. Gerade in meinem ersten Blog war das die ersten Monate ein echtes Rätsel für mich. Meinen Durchbruch verdanke ich dann schließlich der Tatsache, dass mich ein Darmstädter Poetry-Slammer namens Nesh Vonk „entdeckte“. Er selbst war mit seinem Blog damals sehr erfolgreich, und dadurch, dass er ab und an auf mein Wirken hinwies, kamen die Leser irgendwann wie von selbst. Manche verschwanden schnell wieder, andere sind mir dagegen seit Jahren treu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Es gibt mehrere Dinge rund um das Bloggen, die ich weniger als Erlebnis bezeichnen würde, die aber nachhaltigen Einfluss auf mein Leben hatten. Dazu gehört, dass ich durch meine Blogs in der ganzen Welt eine Reihe sehr toller Menschen kennenlernen durfte. Zu manchen ist der Kontakt eher locker, gerade wenn sie in Kalifornien oder Kanada leben. Zu anderen habe ich einen so engen Kontakt, dass ich sie ab und zu auch im wirklichen Leben treffe. Darunter sind Menschen, die mir so wichtig geworden sind, dass ich sie in meinem Leben nicht mehr missen möchte. Sehr schön finde ich ferner die Tatsache, dass mir meine Blogs praktisch zu meinem aktuellen Job verholfen haben. Ich verdiene zwar mit ihnen selbst nichts – schon wegen der geringen Leserzahl –, aber sie haben mich dabei unterstützt, dass ich Arbeitgebern meinen Umgang mit Sprache präsentieren und sie von mir überzeugen konnte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist mir in der Form bisher noch nicht widerfahren. Lediglich den Wiener Autor Albert Knorr unterstütze ich in der Funktion als Lektor seit mehreren Jahren bei der Arbeit an seiner Sacer-Sanguis-Reihe. Das führte so weit, dass ich in dieser Reihe selbst als Co-Autor mitwirken durfte. Und auch wenn es noch nicht ganz in trockenen Tüchern ist, darf ich hier ankündigen, dass es ganz danach aussieht, dass das Team aus Albert Knorr, Marlen Raab und mir nächstes Jahr erneut zusammen arbeiten wird.

Ansonsten freue ich mich sehr, wenn mich Autoren oder solche, die es werden wollen, um Rat fragen. Gerade in den letzten Jahren habe ich einige Gespräche über Ideen zu Plots und Geschichten geführt. Hier hilft mir das Hintergrundrauschen der gelesenen Bücher, um einer Idee den notwendigen Drall zu geben oder den Autor darauf hinzuweisen, wenn einer Geschichte elementare Grundlagen fehlen wie beispielsweise die Intention der Protagonisten.

Eine richtiggehende Rezension hinge allerdings stärker davon ab, um was für einen Verlag und Autor es sich handelt. Ich würde meine geringe Freizeit beispielsweise nicht mit der Lektüre von Esoterikbüchern oder allzu fantasievollen Arbeiten über historische Ereignisse verbrauchen. Dazu gibt es noch viel zu viele gute Bücher, die ich unbedingt lesen möchte.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Hier gilt genauso, dass das Thema mich wenigstens im Ansatz interessieren sollte. Grundsätzlich behandle ich Self-Publisher aber nicht anders als Verlage. Ein gutes Buch ist ein gutes Buch, egal wer es verlegt.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich bin noch so altmodisch, dass ich lieber ein richtiges Buch in den Händen halte. Dabei habe ich mich immerhin schon mit Taschenbüchern arrangiert. Früher habe ich sogar großen Wert auf gebundene Bücher gelegt. Ich gebe aber zu, dass ich mein Tablet inzwischen nicht nur nutze, um Zeitungen und Nachrichten zu lesen, sondern auch um Textproben von Büchern zu lesen. Ich finde es wirklich toll, wenn Verlage ein paar Dutzend Seiten eines Buchs zur Verfügung stellen, damit man sich mal ein Bild von der Schreibe und vom Text machen kann. Ich weiß zum Beispiel nicht, ob ich jemals das „House of Leaves“ von Mark Z. Danielewski gelesen hätte, wenn Klett-Cotta damals nicht die ersten 96 Seiten als PDF zum Download angeboten hätte.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5)?

Bei Jargs Blog, dessen Betreiber sich hier ja bereits vorgestellt hat, gefällt mir der Mix aus Themen und Medien, die ich sonst wohl nicht serviert bekäme. Nicht immer ist etwas für mich dabei, aber es ist doch ein angenehmer Blick über den Tellerrand. Die nächsten beiden Blogs, in denen ich gern stöbere, ähneln meinem eigenen Blog: Read the World – das Hundert Bücher Projekt und 1001 Bücher – das Experiment. Im Prinzip unterlag mein Durchmarsch durch die Klassiker einem ähnlichen Ansatz, wenn auch weniger streng, weil ich über keine feste Liste verfügte. Zuletzt möchte ich den hier schon mehrfach genannten Blog Literaturen – Ein Streifzug durch die Welt der Literatur und Kultur empfehlen, für mich eine neuere Entdeckung. – Sophie ist mit ihren Literaturen hier ja ebenfalls bereits zu Wort gekommen.

Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Meines Erachtens hat es juneautumn von 1001 Bücher verdient, an dieser Stelle endlich zu Wort zu kommen.

Danke sehr, DocTotte. Und was Miriam aka juneautumn anbetrifft, stimme ich dir zu. Ihr Blog gehört nämlich auch zu jenen, die in den vergangenen Monaten zwar mehrfach Lob auf sich vereinen konnten, aber noch keine Gelegenheit erhalten haben, sich vorzustellen. Dass ich sie anlässlich der 50. Folge dieser Gesprächsreihe nicht gebeten habe, hier mitzutun, lag daran, dass mir damals bereits bekannt war, dass du die Staffel an sie weitergibst.

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Zuletzt stellte sich Ingrid mit DruckSchrift vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war Peter Hetzler mit seiner Comickunst. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Ingrid mit „DruckSchrift“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

DruckSchrift ist ein Blog unter jenen Zehn, die im bisherigen Verlauf der Gesprächsreihe zwar mehrfach Lob auf sich vereinen konnten, aber noch keine Gelegenheit erhalten haben, sich vorzustellen. Anlässlich der 50. Folge von „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“ habe ich diese Bloggerinnen und Blogger eingeladen, hier mitzutun. – Ich freue mich sehr, dass Ingrid die Gelegenheit heute wahrnimmt und gratuliere zum einjährigen Jubiläum ihres Blogs, das gestern begangen wurde.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Von Kindesbeinen an mit Büchern aufgewachsen. Bücher waren immer mein Hobby Nr. 1, meine ständigen Begleiter. Obwohl ich zeitweise mit dem Gedanken gespielt hatte, Buchhändlerin zu werden, verlief mein beruflicher Weg ganz anders. Ich war fast immer indirekt (politische Stiftung) oder direkt (Geschäftsführerin einer politischen Partei) hauptberuflich politisch tätig. Klar, dass man in diesem stressigen Job einen Ausgleich braucht: Bücher, Lektüre natürlich. Seit einigen Monaten Vorlesepatin bei der Kinderbücherei der Stadtbibliothek Solingen. Bretagne-Fan.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

der Kopf hinter DruckSchrift © IngridW

der Kopf hinter DruckSchrift © IngridW

DruckSchrift gibt es seit einem Jahr; der erste Beitrag erschien am 14. 4. 2012. Bloggen bietet mir die Möglichkeit, über Dinge zu schreiben, die für mich von besonderem Interesse sind und dabei mit Gleich- oder Ähnlich-Gesinnten in Kontakt und – wenn es gut läuft – zum Gedankenaustausch zu kommen.

Ich nutze WordPress, das leicht zu handhaben ist, interessante Features bietet und eine große Auswahl an kostenlosen Themes bereithält. Nicht dass ich wechseln wollte, aber ich stelle in letzter Zeit bei WordPress fest, dass es zunehmend „verkommerzialisiert“ wird.

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Deine Themenschwerpunkte …

Der Untertitel von DruckSchrift lautet nicht umsonst „Buch – Papier – Schreiben – Lesen“. Schwerpunktmäßig ist DruckSchrift aber eindeutig ein Bücherblog. Vor allem Bücher über Bücher, Buchgeschichte, Buchkunst haben es mir angetan und werden vorgestellt – neue wie alte. Ich habe aber auch ein Faible für Papier, Papierantiquitäten, die sogenannten Luxuspapiere, also zumeist Gebrauchspapiere aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts, wie Reklamemarken, Ausschneidebögen, Verwandlungsbilder etc.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

DruckSchrift ist in erster Linie ein Bücherblog, kein Literaturblog. Dafür gibt es eine Vielzahl anderer Blogs, von denen viele hier schon vorgestellt wurden. Deshalb richtet sich meine Aufmerksamkeit auch nicht so sehr auf die aktuelle Literaturszene .. Ich könnte im Moment nicht sagen, dass mich im Literaturbetrieb etwas besonders umtreibt, obwohl ich natürlich sehe, dass durch E-Book und die Möglichkeiten, die Internet und auch Handy schaffen, eine Menge im Fluss ist.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich nutze die bei WordPress eingebaute Funktion, Beiträge automatisch bei Twitter hochzuladen. Ansonsten setze ich darauf, dass DruckSchrift dadurch bekannt wird, dass ich bei anderen Blogs kommentiere.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Bloggen, ohne wenigstens eine gewisse Vorstellung davon zu haben, wohin die Reise gehen soll: Auch wenn Bloggen ein dynamischer Prozess ist, sollte man für sich so etwas wie eine Linie definieren, versuchen, etwas Eigenständiges zu schaffen.

Ansonsten gibt es eigentlich keine Regeln – außer dass man sich, wie im „normalen Leben“ auch, anständig und fair benehmen sollte. Das gilt für das Schreiben wie für das Kommentieren.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

WordPress macht einem das Bloggen leicht. Hürden hatte ich nicht zu bewältigen. Man sollte allerdings schon Ausdauer mitbringen und sich von anfänglichen mageren Besucherzahlen oder zunächst gar ausbleibenden Kommentaren nicht frustrieren lassen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Es ist einfach schön, wenn sich mit der Zeit Freundschaften zu Menschen entwickeln, die man nie gesehen hat und die man wahrscheinlich auch nie persönlich kennen lernen wird.

Das schönste Erlebnis war, dass nach einem Hinweis von DruckSchrift auf die Münchener Ausstellung „Schätze der Buchmalerei“ eine dort ansässige und von der Ausstellung begeisterte Bloggerin angeboten hat, mir Material über die Ausstellung zuzuschicken. Ein Angebot, das ich natürlich sehr gern angenommen habe. Aus dieser Aktion haben sich weitere sehr nette Kontakte ergeben.

Ach ja, erwähnen möchte ich noch, dass ich ganz in der Anfangsphase von DruckSchrift die Möglichkeit hatte, einige Exemplare aus meiner Reklamemarken-Sammlung in der Reihe „Sammelstückchen“ auf Philea’s Blog vorzustellen. Das war eine tolle Starthilfe.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Die Situation hatte ich bis jetzt nicht. Wahrscheinlich wäre ich etwas hin- und hergerissen: einerseits würde ich mich über die Aufmerksamkeit vermutlich freuen, andererseits ist es mir aber ganz wichtig, meine Unabhängigkeit zu wahren. Bekommt man Rezensionsexemplare angeboten, fühlt man sich möglicherweise doch etwas unter Druck gesetzt …?

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Siehe meine vorhergehende Antwort.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe bisher keine Erfahrung mit dem E-Book. Generell denke ich, dass es für Menschen, die viel unterwegs sind, eine nützliche Einrichtung ist. Ich könnte mir durchaus auch vorstellen, einen Roman, einen Krimi, ein Sachbuch auf dem E-Book zu lesen. Aber ein elektronischer Reader wird wohl nie meine geliebten gedruckten „Bücher-Bücher“ ersetzen.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Es wird allmählich eng – in dieser Reihe sind schon fast alle Blogs vorgestellt oder genannt worden, die ich besonders schätze. Ich möchte die Aufmerksamkeit auf das Blog Buchpost lenken. Sehr schön, wenn das Blog auch leider recht selten mit neuen Beiträgen „bestückt“ wird, finde ich Wortumdrehungen. Viele Besucher wünsche ich auch dem Blog 1001 Bücher – das Experiment und dem Literaturblog von Nomadenseele. Und last but not least: es gibt ein bemerkens- und besuchenswertes Blog namens Comickunst über Graphic Novels, das ich nachdrücklich empfehlen möchte.

Sehr leicht fällt mir mein Vorschlag für eine Blog-Präsentation in dieser Reihe: ich warte schon die ganze Zeit auf die Die Seitenspinnerinnen. Vielleicht sind sie ja jetzt bald dabei? Ich würde mich freuen.

Die Seitenspinnerinnen gehören auch zu jenen, die ich anlässlich der 50. Folge eingeladen habe, hier mitzutun …

Dann würde ich gerne das Comic-Blog Comickunst nehmen, das aus dem üblichen Rahmen herausfällt und wirklich gut ist.

Dann machen wir das so. Vielen Dank, Ingrid – und auf viele weitere Jahre mit deiner DruckSchrift, die gestern erstmals Geburstag hatte

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Zuletzt stellte sich Guido Rohm mit Guido Rohms gestammelte Notizen vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Jannis Plastargias mit seinem Blog Schmerzwach. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

50. Ausgaben Blogger-Gespräche. Wie begeht man das?

Anfang des Jahres schwante mir, dass der Gesprächsreihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“ im Frühjahr ein Jubiläum bevorstehen könnte. Und dann stand es tatsächlich in dieser Woche an: Der 50. Beitrag, dem Guido Rohm dank einer reichlich unorthodoxen Vorgehensweise eine so hübsche Krone aufgesetzt hat.

Ich bin zwar keine, die überschwängliche Gefühle zeigt, kann aber meine Freude darüber nicht verhehlen. Das allemal, weil ich mir beim Start der Reihe im September vergangenen Jahres nicht habe träumen lassen, dass der Atem für eine längere Strecke, oder gar ein rundes Jubiläum, reichen sollte.

Überrascht hat mich auch, dass der runde Geburtstag gleich in dreierlei Hinsicht rund ausgefallen ist:

  • 50 Bloggerinnen und Blogger haben sich im vergangenen ½ Jahr vorgestellt
  • Dabei sind 125 persönliche Blog-Preziosen zusammengekommen
  • Mit 25 : 25 liegt das Genderverhältnis zum Geburtstag im Lot

Und nun frage ich mich, wie begehen wir all das? Mit einem rauschenden Fest im Beisein aller Beteiligten? Mit einer Denkschrift? Angemessener ist wohl zuerst ein großes Danke an alle, die ihren Teil zum 50. beigetragen haben.

Darüber hinaus habe ich mir überlegt, dass auch jenen eine Möglichkeit gegeben werden sollte, sich zu präsentieren, die zwar mehrfach Lob auf sich vereinen konnten, aber keine Gelegenheit bekamen, sich und ihr Blog hier vorzustellen. Gemeint sind diejenigen unter den 125 persönlichen Blog-Preziosen, die mehrfach genannt wurden. Diese sind:

© Clipart / MvS

© Clipart / MvS

  1. andreas louis seyerlein: particles
  2. BlauRaum
  3. Die Dschungel. Anderswelt
  4. Die Seitenspinnerinnen
  5. DruckSchrift
  6. Horst, Hund und Brodt
  7. Japanliteratur
  8. Literaturjournal
  9. Papillionis liest
  10. Tainted Talents

Diese Zehn lade ich anlässlich der 50. Ausgabe der Blogger-Gespräche herzlich ein, mitzutun. Sie können die vorgegebenen Fragen beantworten oder es Guido gleichtun, der sich eben nicht an den Fragekatalog gehalten hat, sondern für sein Porträt eine eigenwillige Darstellung bevorzugte. – Leider liegen mir nicht von allen der oben Aufgeführten Kontaktdaten vor. Deshalb bitte ich jene, die keine persönliche Einladung von mir erhalten, mich zu kontaktieren.

Ich freue mich auf die Beiträge, die noch kommen werden, und ziehe meinen Hut vor diesen 50 Bloggerinnen und Blogger, die das runde Jubiläum möglich gemacht haben:

Guido Rohm mit Guido Rohms gestammelte Notizen

Friederike Kenneweg mit frintze

Dieter Paul Rudolph mit Krimikultur: Archiv und anderem

Ludgar Menke, der u.a. das Krimiblog pflegt

Ilja Regier mit Muromez

Bettina Schnerr-Laube mit Bleisatz

Anne-Kathrin und Jessica mit lesErLeben

Kid37 mit Das hermetische Café

Die Herren sandhofer und scheichsbeutel mit litteratur.ch

Sophie mit Literaturen

Stephan Waldscheidt mit Schriftzeit

Katarina Liest mit Die Bücherphilosophin

Christiane Nowak mit vorgelesen

Richard Norden mit Writers Workshop

Ada Mitsou mit Ada Mitsou liest…

Dorota Federer mit Bibliophilin

Ruth Justen mit Ruth liest

Axel Hollmann mit seinem gleichnamigen Schreibblog

Hartmut Abendschein, Betreiber des literarischen Weblogs taberna kritika und Mitbegründer von litblogs.net

Oliver Gassner mit seiner Literaturwelt

Simone Finkenwirth mit ihrem Blog Klappentexterin

Marcus Johanus mit seinem gleichnamigen Blog

Svenja, die Syn-ästhetisch pflegt

Die Bücherliebhaberin mit ihrem glasperlenspiel13

Anousch mit Anousch

Jutta S. Piveckova aka Melusine Barby mit Gleisbauarbeiten

Mareike Fallwickl aka Bücherwurm Mariki mit Bücherwurmloch

Stefanie und Yvonne mit Leselink

Dietmar Hillebrandt mit seinem Buecherblogger

Caterina mit SchöneSeiten

Buechermaniac mit lesewelle

Harald Sack mit Biblionomicon

Giesbert Damaschke mit den Echtzeit-Blogs zum Schiller-Goethe-Briefwechsel und zu Eckermanns Gesprächen mit Goethe

Ada Textkrieg mit text krieg

Gregor Keuschnig mit Begleitschreiben

Manuela Hofstätter mit lesefieber.ch

Die Durchleserin mit Durchleser’s Blog

Kerstin Pistorius mit Atalantes Historien

Dieter Wunderlich mit seiner Webseite Dieter Wunderlich: Buchtipps und Filmtipps

Jarg mit Jargs Blog

Benjamin Stein mit seinem Turmsegler

Herr Flatter Satz mit aus.gelesen

Selçuk Caydi mit Konstantiniye notlari (Notizen aus Konstantinopel)

Der Betreiber von Zeitspiegel

Klausbernd Vollmar mit kbvollmarblog

Marius Fränzel mit Bonaventura

Christian Köllerer mit Dr. Christian Köllerers Notizen.

Mara Giese mit Buzzaldrins Bücher

Sandra Matteotti mit ihren Blogs Denkzeiten und Bücherwelten

Petra Gust-Kazakos mit Philea’s Blog, mit der die Gesprächsreihe am 5. September 2012 an den Start ging

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Eine Übersicht zu den Blog-Preziosen, die die Gesprächspartner einbrachten, findet sich hier

Steglitz stellt Guido Rohm mit „Guido Rohms gestammelte Notizen“ vor – und feiert den 50. Beitrag

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Als ich die Gespräche im September vergangenen Jahres an den Start brachte, war ich skeptisch, ob unser Atem für eine Reihe überhaupt reichen würde. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass wir es gemeinsam sogar zum einem runden Geburtstag bringen würden. Nun steht er an: Der 50. Beitrag, den Guido Rohm heute unorthodox krönt. Dass wir Guido näher kennenlernen sollten, der sonst anderenorts gestammelte Notizen bloggt, hatte Dieter Paul Rudolph vorgeschlagen, der das Krimikultur: Archiv pflegt.

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Also ganz am Anfang, damit wir uns da recht verstehen, muss ich erst einmal eine Kleinigkeit loswerden. Ich bin und war zu keiner Zeit ein Bibliophiler, so eine Sauerei, die lasse ich mir nicht unterstellen. Am Ende liest das einer aus meiner Nachbarschaft, und dann heißt es: Da schau her, da kommt die bibliophile Drecksau! Daher muss ich mich gegen den Vorwurf, was mit Büchern zu haben, verwehren. Man wirft vielleicht mal sein Auge auf das eine oder andere Buch, aber immer mit ehrenwerten Absichten. So ein Bibliophiler, das ist ja kein Mensch mehr, der hat sein Lebensrecht verwirkt. Die Bücher, die können sich nicht wehren, drum muss man sie vor den Bibliophilen schützen, die sich auch im Netz rumtreiben, um sich dort illegal Books runterzuladen. Ein Ring von Bücherschändern ist das, mit denen kurzer Prozess gemacht werden sollte, wenn man mich fragt.

Dies nur zu Beginn, damit man mich hier nicht in einen Sack mit den ganzen anderen Bloggern steckt, die sich zur Bibliophilie ja vielleicht offen bekennen.

 © Guido Rohm

© Guido Rohm

Zunächst einmal ein paar Stichworte zu meiner Person: Geboren ca. 1970, Schriftsteller, Autor, Textproduzent, Stimmenimitator, GROSSBUCHSTABENJÄGER, Playmobil-Bauernhof-Besitzer, Hans-Dampf-in-allen-Gassen, Hans-guck-in-die-Luft, Hans I. Glock, Wedekind-Verächter. Ich wuchs in ärmlichen  Verhältnissen auf, besuchte mehrere Schulen, konnte mich aber nie zur direkten Unterrichtsteilnahme entschließen. Diverse Jobs in Afrika, Argentinien schlug ich aus. 2010 erschien mein erster Roman „Blut ist ein Fluss“ und katapultierte mich mit einem Schlag in die Bestsellerlisten von Andorra. Nach diesem überraschenden Megaerfolg zog ich mich in meine Fuldaer Villa zurück, aus der ich seitdem blogge und Bären schieße. Ich habe 17 Kinder und war zehnmal verheiratet. (Alles in meinem Blogtagebuch nachzulesen.)

Zum Bloggen: Ich blogge seit meiner Kindheit. Es fing mit kleinen gemeinen Notizen an, die ich meinen Schulkameraden in die Ranzen schmuggelte.

Später rutschte ich gehörig ab, wie das bei einer ordentlichen Drogenkarriere so sein muss.

Erst SMS, dann Mails, irgendwann bloggt man. Sagt sich: Ich komm da schon wieder von los!

Aber ehe man sich versieht, hat der soziale Abstieg begonnen. Man wäscht sich nicht mehr, sieht statt echter Menschen nur noch Avatars. Plötzlich hängt man bis zum Hals im Blogsumpf.

Ist der Computer kaputt, spricht man wildfremde Menschen am Bahnhof an, ob sie einen mal eben kurz an ihren Laptop … Sie wissen schon! Man ist nicht mehr man selbst. Man ist ein Wrack. Man ist geil nach der synthetischen Droge von WORDPRESS, nach Statistiken, nach Gefällt-mir-Daumen bei Facebook.

Man ist zu einem Junkie geworden!

Erwache ich am Morgen, überfällt mich das große Zittern. Ich schleife mich aus meinem Bett, dabei könnte ich als Bestsellerautor (Blut ist ein Fluss, Blutschneise, Die Sorgen der Killer) eigentlich beruhigt liegenbleiben. Mich drängt ja nichts. Aber trotzdem zwingt mich die Sucht vor den Bildschirm, um eine dieser wundervollen Szenen aus meinem Leben zu beschreiben, so als würde ich nur wirklich existieren, wenn ich es auch gepostet habe, wenn es in den weitläufigen Straßen des Netzes unterwegs ist.

Ist einer dieser wahnsinnig unterhaltsamen und genialen Artikel veröffentlicht, gebe ich es sofort bei Facebook und Twitter bekannt. Es ist, als würde ich einen Postreiter losschicken, der die Nachricht in die Welt tragen muss.

Ist das erledigt, ziehe ich mich mit einem E-Book zurück, hat das E-Book doch den Vorteil, dass man eine ganze Bibliothek in der Hand durch die Gegend tragen kann. Das lenkt mein Lesen ungemein, weil ich über die ersten drei Sätze erst gar nicht mehr herauskomme. Schon tippe ich zum nächsten Werk und denke mir: Nein, so ein dämlicher Satz aber auch, jetzt lieber mit einem anderen Roman weitermachen.

Auf diese Art habe ich im letzten Jahr 55.789 Sätze gelesen, aber keinen Roman mehr.

Das E-Book ist Klasse, gibt es solchen Hungerleidern wie meinem Kollegen Hans I. Glock doch die Möglichkeit, trotz dauernder Absagen der Verlage, etwas zu veröffentlichen. Und Glock und Konsorten wollen die Menschheit ja auch mal nerven dürfen.

Überhaupt – jetzt sind wir doch mal ehrlich, sind wir hier doch unter uns – wenn man in einen Self-Publisher-Roman hineinliest, kann einem schon schnell mal schlecht werden. Irgendwie müssen die meisten dieser Autoren im Deutschunterricht gepennt haben. Vielleicht waren sie aber auch zu wach. Die nehmen so eine Spannungskurve nicht nur ernst, weit gefehlt, die leben so eine Kurve regelrecht. Und dann diese Sucht nach Adverbien.

Hin und wieder, nehmen wir O.M. Gott oder meinen Freund Glock, findet sich auch eine Perle. Man muss man lange suchen, und Lebenszeit ist es ja auch, die man da vergeudet.

Jetzt habe ich eben noch mal nach dem Fragenkatalog geschaut. Zu Rezensionsexemplaren kann ich nicht viel sagen. Die bekomme ich schon, wenn ich eins anfordere, und ich würde auch das E-Book eines Self-Publishers besprechen, aber leider bzw. O.M. Gott sei Dank, rezensiere ich kaum noch. Dafür habe ich auch gar keine Zeit, weil ich ständig eine Neuigkeit aus meinem aufregenden Leben als Junkie und Bestsellerautor veröffentlichen muss. (Momentan arbeite ich deshalb auch an meiner Autobiografie mit dem Titel „Grünkohlextrakt – Leiden und Nöte eines Bestsellerautos“. Außerdem schreibe ich noch an einem Roman über einen realen deutschen Krimikritiker. Aber dazu will ich mich jetzt nicht äußern. Das würde dem Werk die Spannung rauben.)

Blogs, die ich empfehle: Ludgar Menke und Dieter Paul Rudolph, die hier schon vorgestellt wurden. Derjenige, der die Fragen, die ich mit meinem Text so großzügig überschrieb, als nächstes beantworten sollte, ist Jannis Plastargias mit seinem Blog SCHMERZWACH.

In diesem Sinne möchte ich mich für das Gespräch bedanken, das nun aber leider gar keins war.

Das letzte Wort, allerdings, überlasse ich dir wohl nicht auch noch. Danke sehr für diesen Beitrag, der passend zum heutigen runden Geburstag so ganz anders daherkommt als gewohnt.

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Zuletzt stellte sich Friederike Kenneweg mit Frintze vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war der Betreiber von DocTotte, der u.a. Tottes kleines Literaturlexikon pflegt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Friederike Kenneweg mit „frintze“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Von Ilja Regier, der Muromez ins Leben rief, kam der Vorschlag, dass sich Friederike mit frintze vorstellen möge.

Dein Steckbrief in Stichworten …

  • Vielseitig, spielerisch, neugierig, nachdenklich, kritisch
  • Freundin der Kurzprosa, Schnell-Leserin, gerne in Zwischenräumen unterwegs – am liebsten in denen zwischen Klang, Musik, Gesang, Wort und Bedeutung.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit Januar 2012 auf wordpress.com. Mit dem Bloggen angefangen habe ich auf der Seite des Prager Literaturhauses, als ich da ein Stipendium hatte. Bei dieser Gelegenheit habe ich gemerkt, dass mir das liegt – alltägliche Beobachtungen und Begegnungen direkt aus der Realität ausschneiden und Kurztexte daraus machen. Dass ich mit einem Blog diese Texte sofort einem Publikum zugänglich machen konnte, war für mich Ansporn und Motivation, meinen eigenen Blog frintze zu entwickeln. Bei wordpress bin ich deswegen gelandet, weil der Blog des Literaturhauses ebenfalls damit funktioniert hat und mir das, ohne mich näher damit zu beschäftigen, am sympathischsten war.

Deine Themenschwerpunkte …

so macht frintze auf © F. Kenneweg

so macht frintze auf © F. Kenneweg

Neben den mehr oder weniger regelmäßig erscheinenden Buchrezensionen über alles mögliche, was mir so an Lesestoff in die Finger kommt. Ich schreibe über Lesungen und (experimentelle) Konzerte, über alltägliche Begegnungen und Beobachtungen und seit nunmehr einem Jahr auch über meine persönlichenSounds der Woche“ – das sind kleine Kurztexte über Geräusche – und darüber hinaus.

Durch meinen Prag-Aufenthalt habe ich einige Bücher von tschechischen Autoren rezensiert, ich interessiere mich, ebenfalls durch Reisen inspiriert, für polnische, russische und rumänische Autoren, für Science Fiction, für allerhand Zeitgenössisches.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich beobachte gespannt die Entwicklungen, die aus der allgemeinen Digitalisierung resultieren. Einerseits ist da eine Befreiung dessen, was öffentlich zugänglich und für jeden im Internet lesbar ist, und damit einhergehend ja eine Demokratisierung, andererseits nimmt aber auch die Kommerzialisierung zu – es erscheint schwieriger, frei und nach Möglichkeit marktunabhängig zu schreiben und trotzdem davon zu leben.

Und das gilt sowohl fürs journalistische wie auch fürs literarische Schreiben. (Und in der Musik sieht das ähnlich aus.) Ich finde es ziemlich schade, dass Micropayment-Dienste wie flattr und so weiter es bislang nicht geschafft haben, da ein Gegengewicht zu schaffen. Und ich bin gespannt, wie sich die Buchbranche und das Verlagswesen in diesem Zusammenhang weiter entwickeln und welche Auswirkungen die Probleme und Chancen der Digitalisierung auf die Qualität und Form der Texte haben werden.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Bislang teile ich das außer eben im Blog nur auf Facebook, hab irgendwann mal in XING-Gruppen und hie und da auch auf anderen Blogs kommentiert – und bin ansonsten immer wieder erstaunt, welche Selbstläufer und Ausreißer es dabei manchmal gibt. Gerade erst habe ich einen Roman rezensiert – „Deadline“ von Bov Bjerg – der Autor hat das mitbekommen und getwittert – und auf einmal hatte ich einen unglaublichen Besucheranstieg auf meinem Blog. Vielleicht sollte ich es also auch mal mit Twitter versuchen – wobei ja sowieso schon die Gefahr besteht, dass man sich in der Social Media Maschinerie zu sehr verstrickt. Manchmal ist mir das so schon alles zu viel.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich mag es nicht, wenn Blogger Texte veröffentlichen, die allein von privatem Interesse sind. Natürlich ist das eine feine Linie und Geschmacksache– aber das Gesagte sollte nach Möglichkeit über die Privatangelegenheit hinausweisen. Und das Kleistsche „Allmähliche Verfertigen der Gedanken beim Reden“, das kann ja amüsant sein – manchmal ist das aber sehr mühsam, wenn die Texte noch nicht auf den Punkt sind und man beim Lesen an zu vielen irrelevanten Nebenwegen vorbei muss.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die erste Hürde ist ja schon mal das Einrichten eines Blogs inklusive der technischen Schwierigkeiten, die das zuweilen mit sich bringt. Da muss man aber all den Entwicklern von wordpress etc. ein großes Dankeschön aussprechen – das ist unterdessen derartig unkompliziert geworden, dass einem unterdessen nur noch die eigene Scheu im Wege steht. Sonst – am Ball bleiben, die Zeit finden, die Dinge nicht nur im Kopf formulieren und es dabei bewenden lassen, sondern wirklich am Rechner eintippen, was man da grade sagen will.

Das übrigens, hatte ich das Gefühl, übt man sehr beim Bloggen – den Moment festzuhalten und über diesen Moment auch entschieden und klar etwas zu sagen. Und Texte rauszuhauen und nicht ewig und drei Tage an einer Formulierung herumzubasteln. Da muss man natürlich auch rüber – über seinen eigenen Perfektionsanspruch, der so oft dem tatsächlichen MACHEN im Weg steht.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Im Moment besonders schön, das ist die Arbeit an dem LeseKonzert „Sounds“, das sich aus meinen „Sounds der Woche“ entwickelt hat und das im April jetzt tatsächlich erstmalig aufgeführt wird.

Es ist etwas sehr Spezielles, die Texte, die eigentlich für den Blog entstanden sind, in diesem Zusammenhang neu zu bearbeiten. Dass da etwas, was auf dem Blog seinen Ausgang nahm, jetzt in die wirkliche, analoge Welt eintritt, das ist ganz wunderbar. Und auch das ist ein ganz besonderes Gefühl: dass ich das jetzt seit genau einem Jahr mache und dass im Rahmen dessen schon etwas über hundert Kurztexte entstanden sind – angesichts dessen stehe ich mit offenem Mund da und staune.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist noch gar nicht vorgekommen. Je nachdem, worum es sich handelt, ob es mich interessiert und ob ich Zeit dafür habe, würde ich auswählen, ob ich dazu was mache oder nicht.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Genauso – wenn ich Zeit dafür habe und mich das interessiert, würde ich dazu was schreiben und hätte keine Berührungsängste.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Noch beäuge ich das argwöhnisch – wahrscheinlich ist das sehr praktisch, aber bislang habe ich noch keinen Anlass gehabt, mir einen Reader zuzulegen, und so hänge ich noch am Geruch von Papier, dem Staub auf den Seiten, den ich manchmal wegpusten muss, am Umblättern – und ich verfluche die Rückenschmerzen, über die ich wegen meiner stets zu schweren Taschen und Koffer voller Bücher zu klagen habe.

Welche anderen Blogs empfiehlst du?

Empfehlen möchte ich den Blog landläufig | Als Stadtschreiber in Ranis des momentan amtierenden Raniser Stadtschreibers Christian Wöllecke – da kann man stimmungsvolle Einblicke in die thüringische Literaturprovinz entdecken. Im Bereich Zeitgenössische Musik und digitale Entwicklungen finde ich den Blog Kulturtechno des Komponisten Johannes Kreidler sehr interessant. Und in eine ähnliche Ecke führt der Blog Weltsicht aus der Nische von Stefan Hetzel, dessen Antworten auf die „PUQ“ (permanently unasked questions) ich besonders lesenswert fand. Außerdem möchte ich die Leseköniginnen empfehlen – das ist ein Projekt, an dem ich selbst mit beteiligt bin: vier Frauen, die beruflich auf unterschiedliche Weise mit Büchern zu tun haben, rezensieren, empfehlen, kritisieren, diskutieren. Wir stehen da allerdings noch ganz am Anfang und sind selbst sehr gespannt, wie sich das weiter entwickelt!

Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Zu Wort kommen sollte Doctotte, dessen bibliophiler Blog „Tottes kleines Literaturlexikon“ mir sehr gut gefällt.

Danke sehr, auch für deine interessanten Empfehlungen. –  Und lass‘ bitte wissen, wenn Sounds. Ein Lesekonzert in Berlin ansteht.

Auch danke sehr!

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Eine kleine Anmerkung mag ich mir heute hier nicht verkneifen: In der kommenden Woche feiert „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“ mit dem 50. Beitrag ein rundes Jubiläum.

Zuletzt stellte sich Dieter Paul Rudolph mit Krimikultur: Archiv und anderem vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war der Kopf, der hinter Guido Rohms gestammelte Notizen steht. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Dieter Paul Rudolph mit „Krimikultur: Archiv“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir heute Dieter Paul Rudolph etwas näher kennenlernen, der das Krimikultur: Archiv pflegt, hatte Ludger Menke vorgeschlagen, der u.a. das Krimiblog verantwortet.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Dieter Paul Rudolph, 1955 geboren, Alter bitte selbst ausrechnen; im Wahn der Jugend Germanistik studiert, später – siehe unten – die IT-Branche gerockt. Immer schon geschrieben, Prosa und Literaturwissenschaftliches; seit 2005 Blogger und Krimikritiker, seit 2008 zudem gedruckter Krimiautor, eine teuflische Kombination.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

© Dieter Paul Rudolph

© Dieter Paul Rudolph

Ende des vorigen Jahrtausends – wir erinnern uns: Internetblase – habe ich meinen Horizont durch eine Ausbildung zum Multimedia-Entwickler erweitert, mit dem Schwerpunkt auf multimediale Lernanwendungen. Zur gleichen Zeit kam ich in Kontakt zu hinternet.de, einer der ersten und alterwürdigsten Internetillustrierten („Pop, Kultur und Pommes…“). Mein erstes Projekt war ein Fortsetzungskrimi mit dem Titel „Die Pfauenfeder“, daneben immer wieder Rezensionen von Rockmusikbüchern, vorzugsweise aus dem englischsprachigen Raum. Tja – und irgendwann trug man mir einen Blog an, das war im Februar 2005, um genau zu sein. Einen Krimiblog, den ich nach einem schönen Song von Elvis Costello „Watching the Detectives“ nannte und von dem ich damals nicht wusste, wie er sich entwickeln würde.

Nun, er hat sich prächtig entwickelt. Bis Ende 2012 habe ich fast täglich etwas gebloggt, Rezensionen, Satiren, Informationen, längliche Aufsätze… Parallel dazu entstand das „Krimikulturarchiv“, quasi als Sammelbecken wichtiger Arbeiten befreundeter Autoren. Anfang 2013 dachte ich mir, es sei nun an der Zeit, „Watching the Detectives“ Adieu zu sagen und meine Aktivitäten auf das „Krimikulturarchiv“ zu konzentrieren. Daneben gab und gibt es immer wieder andere, zumeist zeitlich begrenzte Blogprojekte, zuletzt der Endloskrimi „Das Edwin-Drood-Projekt“, immerhin 600 Folgen (ca. 1000 Normseiten) stark. Jeden Tag eine.

Und, warum …

Hm, warum ich blogge? Ich hab nix anderes gelernt… Nein, im Ernst: Weil es mir Spaß macht und einigen LeserInnen offensichtlich auch. Weil ich das Genre „Krimi“ nicht den „Krimimimis“ oder den professoral steifen Krimiverstehern überlassen möchte. Weil ich mit fortschreitendem Alter die Welt immer mehr als „schlechten Krimi“ wahrnehme…

Mir ist es von Anfang an auch darum gegangen, so etwas wie „Krimikultur“  zu unterstützen. Zum Beispiel durch das „Krimijahrbuch“, das zwischen 2006 und 2009 immerhin viermal erschienen ist, oder die Seite alte-krimis.de mit Faksimiles von Krimis aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Hier war Bloggen als PR-Motor äußerst hilfreich. – Und, ich gestehe es: Weil ich etwas zu verkaufen habe, nämlich meine eigenen Krimis. Wer ne Bude auf’m Markt hat, muss auch mal schreien (frei nach Arno Schmidt).

Als Medium bevorzuge ich WordPress. Kostet nix, geht einfach, nette Statistiken.

Deine Themenschwerpunkte …

Hm, Krimis? Gar nicht so leicht zu beantworten. Ich habe mir wie schon erwähnt angewöhnt, die Merkwürdigkeiten der Welt grundsätzlich jeweils als „Krimi“ zu lesen. Die Barmherzigkeitskultur, die man uns übergestülpt hat und für die alle gefälligst dankbar sein sollen, die unverfrorene Umverteilung von unten nach oben (von „Bankenkrise“ über „Tafeln“ bis „Aufstocker“), die kleinen Lügen des Alltags… alle Dinge eben, die ich „schlechte Krimis“ oder „true crime“ nenne und die ich neben den literarischen Erzeugnissen ebenfalls thematisiere.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Zwei Dinge, die ich mit Interesse verfolge und die eigentlich zusammenhängen: die Entwicklung des E-Books und die sogenannten „Indies“ oder Selbstverleger. Da ich ebenfalls dazugehöre (was nicht heißt, dass ich nicht auch bei Verlagen veröffentliche), betrifft es mich auch direkt. Vor allem die allmähliche Konturierung des „Marktes“, das Trennen von Spreu und Weizen, der Aufbau von Strukturen, Autorenkooperativen und so weiter. Auch hier habe ich mir erlaubt, mich einzumischen und mit KollegInnen die Reihe „Schundheft!“ gestartet. Kleine, schmierige Genreheftchen als Print- und E-Book, in denen man mal so richtig die Unterhaltungssau rauslassen kann, ohne vorher sein Gehirn entkernt haben zu müssen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ach, eigentlich nur über Facebook. Ansonsten bin ich so arrogant zu behaupten, dass mich die Leute, für die ich schreibe, seit 2005 eigentlich kennen sollten. Twitter ist nichts für mich, das lasse ich lieber.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Mach was du willst, aber bitte schön auf eigenes Risiko. Provoziere ruhig gewisse Leute (eine Spezialität von mir anscheinend…), aber brich nicht in Tränen aus, wenn du selbst angegangen wirst. Nicke nicht alles ab, nur weil es alle abnicken. Tue niemandem vorsätzlich weh, aber rechne damit, dass du jemandem wehtun musst. Ich verstehe es, wenn mich AutorInnen, deren Bücher ich negativ bespreche, „hassen“. Aber meistens lobe ich und versuche, für gute Bücher möglichst viele gute Leser zu begeistern. Ach ja, ganz wichtig: Nimm die Sache ernst, aber nicht unbedingt dich selbst.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Konkrete Schwierigkeiten gibt es natürlich immer. Als ich mit dem Bloggen anfing, galt diese Zunft als ein Sammelbecken für Leute, die „zu schlecht für die Zeitung“ waren (ein ähnliches Phänomen erleben wir gerade auch mit den Selbstverlegern), Dilettanten eben. Dieses Misstrauen zwischen den „Profis“ in den Zeitungsredaktionen und den Bloggern gibt es wohl noch immer, der Konflikt hat sich aber abgekühlt – nicht zuletzt, weil die Blogverächter von gestern längst die Blogger von heute geworden sind. Oder es wenigstens versuchen.

Man kann das als Blogger stoisch hinnehmen, was allerdings nicht meine Art ist. Allgemein hat die „Streitkultur“ nachgelassen, die Diskussionen werden weniger, oft äußert man sich nur noch via Facebook, indem man einen Artikel „liked“. Finde ich schade. Im nichtdigitalen Leben bin ich durchaus harmoniesüchtig; die Wohlfühlatmosphäre in gewissen Blogs und das bisweilen Belanglos-Private („Bin gerade aufgestanden und muss gleich aufs Klo“) bei Facebook ist aber nicht mein Ding.

Ansonsten? Ich musste einmal schleunigst ein paar Kommentare rausnehmen, die über Nacht gekommen waren und in denen konkrete Personen übelst beleidigt wurden. Außerdem durfte ich feststellen, dass man sich durchaus „Feinde“ machen kann, ohne es wirklich zu wollen und ohne jemals mit diesen Leuten in Kontakt gekommen zu sein. Die verfolgen einen dann getreulich und hinterlassen ihre Häufchen überall im Netz.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Allgemein: Ich habe über das Bloggen einige sehr nette und liebe Leute kennengelernt. „Normale“ LeserInnen, KritikerInnen und AutorInnen. Schöne und spannende E-Mail-Korrespondenzen haben sich entwickelt, man hat sich in Frankfurt auf der Buchmesse getroffen, sich gegenseitig geholfen und getröstet, konnte Tipps geben oder etwas vermitteln … so soll es sein.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Es gibt eine Handvoll Verlage, die mich seit Jahren automatisch mit ihren Neuerscheinungen bestücken. Gottlob sind es Verlage, deren Bücher ich meistens gerne bespreche, kleinere Häuser wie Ariadne, Pendragon oder Pulp Master. Generell gilt aber: Selbst wenn ich ein Buch anfordere, bedeutet das nicht, dass ich es auch besprechen werde – und schon gar nicht garantiert positiv. Wenn mir ein Buch nichts zu sagen hat, habe ich auch nichts darüber zu sagen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Selfpublisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich habe schon explizit darum gebeten, dass mir Selfpublisher ihre Titel zuschicken. Sie werden genauso behandelt wie Verlagsbücher.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Feine Sache. Als Leser mag ich die rasche Verfügbarkeit. Früher habe ich auf längeren Zugfahrten ein Buch mitgenommen und dann festgestellt, dass ich es eigentlich gar nicht lesen will. Heute habe ich meinen Reader dabei und suche mir etwas Passendes aus. Da ich keineswegs „bibliophil“ bin (ich schreibe auch schon mal mit Kugelschreiber Anmerkungen in teure Bücher – und ich meine jetzt nicht Bücher für 20 Euro!), interessiert mich das vielbeschworene „Haptische“ überhaupt nicht. Inhalt, that’s it!

Aber mit dem E-Book ist natürlich noch etwas anderes, vielleicht sogar Revolutionäres verbunden: Jeder kann heutzutage seine eigenen E-Books produzieren und auf Plattformen anbieten. Der Teufel in mir raunt gerade: Ja, genau das tut offensichtlich auch jeder! Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir am Anfang einer Umwälzung dieses ganzen pervertieren „Buch- und Literaturmarktes“ stehen. Die einzigen, die bisher in der Regel nicht von Büchern leben können, sind die Autoren. Was weniger an den Verlagen liegt, die den Autoren nicht mehr zahlen können, weil der größte Teil des Umsatzes von Groß- und Kleinhändlern abgeklemmt wird. Mag sein, dass die auch nicht anders können, aber „gesund“ finde ich das nicht. Durch Selbstvermarktung werden sich die Kräfteverhältnisse allmählich verschieben. Wer als Verlag nicht rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkennt, wird scheitern. Es werden sich neue Formen von Kooperativen (ich darf noch einmal auf die „Schundhefte“ verweisen…) bilden, viele Buchhandlungen werden dichtmachen müssen (vor allem solche, die sowieso längst zu Gemischtwarenläden und Bestseller-Verkaufsstationen verkommen sind). Natürlich wird es nach wie vor eine Zweiteilung des Marktes geben: Hier die Bücherunmengen des Mainstream, dort die kleinen Auflagen der Widerspenstigen. Aber die neuen Formen bedeuten auch neue Chancen. Man muss sie nur nutzen – sonst bleibt alles wie es ist.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Oh je! Ich bin eigentlich ein Kreuz- und Querleser ohne wirkliche Stammblogs… Natürlich muss ich Ludger Menkes Krimiblog zu allererst nennen, weil er mich seit 2005 treu und brav begleitet. Und die fundierten Meinungen von Martin Compart zum Genre und überhaupt zum Verbrechen. Sehr informativ auch Die Webagentin. Als erfreuliches Beispiel dafür, dass selbst Printjournalisten prima bloggen können, seien die Blogs der „Stuttgarter Zeitung“ genannt.

Aber das Stöckchen fliegt natürlich zum unglaublichen Guido Rohm, Deutschlands begabtestem Schund-, Blut- und Schmierautor seit O.M. Gott und Hans I. Glock, und seinen gestammelte Notizen!

Danke sehr! Und da ich bei den „Schundheften“- gefällt mir übrigens sehr – auf einen speziellen „Kampf der Geschlechter“ gestoßen bin, eine Anmerkung zum derzeitigen Genderverhältnis innerhalb dieser Gesprächsreihe: Mit deinem Beitrag zogen die Männer mit den Bloggerinnen wieder gleich auf. Aktuell steht es 24:24.

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Zuletzt stellte sich Ludger Menke mit Krimiblog u.a. vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war: dpr = siehe oben. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Ludger Menke mit „krimiblog“ u.a. vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute kommt Ludger zu Wort, der u.a. das Krimiblog pflegt. Vorgeschlagen hatte ihn Bettina Schnerr-Laube, die hinter Bleisatz steht.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Vielen Dank an Dich, liebe Bettina vom Blog Bleisatz für das Weiterreichen der Staffel und Dir, liebe Gesine, dass ich hier zu Gast sein darf. – Die Stichworte: Mensch seit 1966 | Bibliothekar seit 1992 | DJ seit 1994 | Netzarbeiter seit 1999 | Blogger seit 2005 | Fortsetzung folgt (hoffentlich)

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Eine Warnung: Sie hören jetzt eine „Opa erzählt vom Kaiser“-Geschichte.
Erste Gehversuche in Internet unternahm ich 1999 bei GeoCities und sammelte erste Foren-Erfahrungen bei Parsimony.net (beide Plattformen gibt es nicht mehr). Dort konnte ich 2002 auch erste  „Blog“-Erfahrungen sammeln, nur hieß das damals noch nicht „Blog“. Das „Nachtbuch“ war ein Experiment, persönlich angehauchte Texte online zustellen und zugleich einen Krimi-Nachrichten-Dienst anzubieten. Seit 2005 blogge ich mit WordPress-Installationen auf einem eigenem (gemieteten) Serverplatz. Und habe so die Freuden und Tiefen erlebt, die man als technischer Laie erleben kann. Datenbank-Crash, Datenverlust und – besonders beliebt – Hacker-Angriffe. Dennoch: WordPress ist klasse, ich habe beruflich auch mal Serendipity ausprobiert, hat mir aber nicht so zugesagt.

Ludger Menke ©  RTL Nord

Ludger Menke © RTL Nord

Stichwort Technik: Seit etwa zwei Jahren bin ich großer Tumblr-Fan, weil ich es sinnvoll finde, für jede mediale Form, die im Internet möglich ist (Texte, Fotos, Videos, Podcasts, Links, Zitate) eine eigene, mediale Aufbereitung im Blog zu haben. Der große Nachteil bei Tumblr: Es ist ein externer Anbieter in den USA, zwar kostenlos, aber man hat eben keinen Einfluss darauf, ob die Seite läuft oder die Server ausfallen. Zum Glück sind einige Webdesigner und Programmierer, die mit und für WordPress arbeiten, auf die Idee gekommen, solche unterschiedlichen Formatvorlagen auch für WordPress möglich zu machen. In einem meiner Blogs – den Krimi-Depeschen – kann man das erkennen.

Seit dem es für WordPress die Multsite-Funktion gibt, nutze ich die ausgiebig. Zur Erklärung: Bei einer Multisite-Installation muss man WordPress nur einmal aufsetzen, kann aber durch Subdomänen ganz viele, verschiedene Blogs anbieten. Man kann das bei meinem Krimiblog erkennen: Es gibt das Hauptblog krimiblog.de und dann eben die Krimi-Depeschen und die Attraktionen. Außerdem pflege ich als Tumblr-Fan das Blog tage-des-lesens.de, in dem ich in der Regel den ersten Eintrag des Tages blogge, als Aufwärm- und Schreibübung.

Deine Themenschwerpunkte …

Mein Aliasname Krimiblogger verrät es: Ich mag Krimis, Thriller, Spannungsromane und auch Schund. Was genau Krimi ist, kann ich nicht sagen, meine Blogs spiegeln auch meine Suche nach Definitionen und Begriffserklärungen wider. Im Laufe der Zeit bin ich vorsichtiger geworden, ein Buch als „Krimi“ zu bezeichnen. Daneben versuche ich aber auch über den literarischen Tellerrand zu schauen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Durch die Krimi-Depeschen, die ich jetzt seit eineinhalb Jahren pflege, beschäftige ich mich viel mit den Unterschieden im deutschsprachigen und englischsprachigen Feuilleton. Für Krimileser ist der Blick nach England und in die USA wichtig und tatsächlich finde ich das Feuilleton im anglo-amerikanischen Raum vielseitiger, abwechslungsreicher, verspielter. Dort ist nicht alles toll, aber es gibt interessante Versuche, Literatur aufzubereiten und nachvollziehbar zu vermittelten. Deutsches Feuilleton besteht in Bezug auf Literatur vor allem aus Rezensionen und gelegentliche Autorenportraits, alles oft mit einem hohen Bildungsanspruch. Umfassendere, verständliche Texte, historische Abrisse, gute Grafiken, oder gar Texte von Lesern finden sich so gut wie gar nicht. Noch trostloser wird es, wenn ich in die Online-Ausgaben schaue. Was etwa die Süddeutsche Zeitung, die im Print ja durchaus eine gute Zeitung ist, im Online-Feuilleton bietet, ist in meinen Augen enttäuschend – um es freundlich auszudrücken. Schaut man hingegen auf die Feuilletons des Guardian, der New York Times oder auf so ein hervorragendes Online-Feuilleton wie Los Angeles Review of Books, findet man Leserrezensionen, anspruchsvolle Bilderstrecken, spannende Grafiken, umfassende Autorendossiers oder einfach auch mal die Einbindung von Tweets.

Das Netz bietet so viele neue Formen  und Möglichkeiten des Erzählens  – auch und gerade für Literaturkritik und die Auseinandersetzung mit Literatur. Dazu kommt oft eine visuell enttäuschende Umsetzung der Texte. Deutsches Feuilleton ist immer noch Bleiwüste, auch online. Dabei möchte ich ansprechende, lustvolle, geistreiche Texte in einem schönen Layout sehen. Gerade bei längeren Texten braucht man das doch: Gliederung, Zwischenüberschriften, eingerückte Zitate, eine gut lesbare Schriftart.

Fast schon peinlich finde ich manche Versuche von Zeitungsredaktionen, auf Krampf Videos abzuliefern. Als jemand, der hauptberuflich seit fast 20 Jahren beim Fernsehen arbeitet, muss ich einfach sagen, dass vieles davon scheußlich aussieht, matschig gedreht wurde, einen furchtbaren Ton hat und lieblos zusammengeschnitten wurde, wenn überhaupt jemand sich die Mühe des Schnitts gemacht hat. Wenn Blogger Videos mit ihrer persönlichen, authentischen Art drehen ist das etwas völlig anderes – eben authentisch und glaubwürdig – als wenn ein hauptberuflicher Rezensent seinen Monolog vor einer Bücherwand abfilmen lässt.

Dich treibt so einiges um …

Oh, es gibt noch so viel, – die Nicht-Kommunikation, die Ignoranz gegenüber Genre-Literatur, die Rückkehr der Buchillustrationen und schöne Bücher, die inszenierten Skandälchen, aber Deine Leser wissen sicher, worüber ich schreibe. Und ich möchte nicht langweilen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Die üblichen Verdächtigen: Facebook, Google+, seit kurzem auch bei Pinterest, und vor allem Twitter. Ich mag Twitter sehr, es ist auf den ersten Blick oberflächlich, quatschig, schnell. Mit entsprechenden Helfern und der Bereitschaft zur Kommunikation kann man aber viel mit Twitter gewinnen. Ich habe zum Beispiel einige interessante Kontakte zu Autoren, gerade auch aus dem anglo-amerikanischen Raum, durch Twitter knüpfen können.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Kokett könnte ich sagen, es steht mir nicht zu, dass zu sagen. Aus eigener Erfahrung: Lasst  das Pöbeln. Ich habe früher gerne mal einen „Rant“, wie man das heute in der Onlinewelt nennt, losgetreten. In der Regel verlierst Du damit nur. Du magst vielleicht für einen Moment Aufmerksamkeit bekommen, aber randalierst Du öfter, wirst Du schnell in die Motz-Ecke gestellt und längerfristig verlierst Du Leser. Persönlicher Streit hat nichts in Blogs zu suchen. Was nicht heißt, dass ich jetzt nie wieder einen Rant lostreten werde. Wenn es etwas gibt, worüber ich mich richtig aufrege…

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Von Rechtsstreitigkeiten oder Urheberrechtsklagen bin ich bislang zum Glück verschont geblieben. Aber Du musst damit rechnen, selbst wenn Du alles nach besten Wissen und Gewissen machst, das ein Abmahn-Anwalt auf der Matte steht. Bloggen kann – und das sollte man sich klar machen – nicht nur Zeit kosten, es kann auch Deinen Bankkonto belasten.

Immer wieder wird ja auch Ausdauer angemahnt – blogge regelmäßig! Ich sehe Blogs eher als zeitlich begrenzte Publikationsformen. Das machst Du halt mal für ein, zwei Jahre, manche auch länger und dann lässt Du es ruhen, weil Deine Interessen sich verändert haben, Du Vater oder Mutter geworden bist, eine Wohnung renovieren musst – was auch immer. Blogs sind nicht starr, sie leben, verändern sich, sterben. Das gehört dazu und solange man das als Blogger halbwegs offen und transparent macht, finde ich das sehr in Ordnung. Man nennt es, glaube ich, Leben.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Darf ich auch zwei?

Du darfst auch zwei …

Mein E-Mail-Wechsel mit dem wunderbaren Joseph Hansen, einem US-amerikansichen Krimiautor, der mit seinen Dave-Brandstetter-Krimis einen authentischen, schwulen Serienhelden erschaffen hat. Und eine faszinierende Begegnung mit Magdalen Nabb, einer sympathischen, intelligenten englischen Autorin, die in Florenz lebte, kluge Krimis schrieb und einen Briefwechsel mit George Simenon führte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Wenn ich vorher kontaktiert werde, wäge ich ab, ob ich es schaffe, das Buch zu besprechen. Oft lehne ich freundlich ab, immer mit dem Hinweis, dass ich als Einzelkämpfer eben nicht alles lesen kann. Habe ich ein Rezensionsexemplar bestellt und bespreche das Buch dann nicht, dann plagt mich mein schlechtes Gewissen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Genauso wie mit traditionellen Verlagen. Da mache ich keinen Unterschied.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Mittlerweile habe ich meinen zweiten Kindle, ich habe ein iPad geschenkt bekommen und auf allen Rechnern, die sich in meinem Haushalt befinden, sind Lese-Apps installiert. E-Books sind eine gute Ergänzung, gerade auf Reisen. Und ja: Wenn ich ein Buch auf dem Kindle habe und es mir gefällt, dann kaufe ich durchaus auch noch die Print-Ausgabe, oder umgekehrt. Da wäre es schön, wenn sich Verlage ein Beispiel an Haffmans & Tolkemitt nehmen würden. Deren Hardcoverplus (du kaufst das gedruckte Buch und bekommst das E-Book kostenlos dazu) finde ich einen guten Ansatz.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Die schwierigste Frage, denn es gibt so viele, tolle Blogs! Ich mag das Zeilenkino, das recht junge Blog crimenoir und Pflichtlektüre für Krimileser ist The Rap Sheet. Neu und leider nicht immer zu erreichen ist 54books.de. Da geht es nicht um Krimis, sondern um die vielen, ungelesenen Bücher, die man im Regal hat. Eine schöne Idee!
Mehr erfahren sollten Deine Leser über den Macher von Krimikultur:Archiv, weil der noch viel, viel mehr über Krimis weiß als ich.

Danke vielmals, Ludger! Hat gar nicht weh getan, die Geschichte „Opa erzählt vom Kaiser“ …

Vielen Dank, dass ich hier sein durfte.

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Zuletzt stellte sich Ilja Regier mit Muromez vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war Frintze. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Ilja Regier mit „Muromez“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Mit Ilja, der Muromez ins Leben rief, kommt heute der Wunsch-Interviewpartner von Sophie zu Wort, die Literaturen pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Empathisch. Genießerisch, Kritisch. Kulturinteressiert (Literatur, Kinematographie, etc.).

Master-Student (irgendwas mit Medien). Kind der 80er.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Muromez ©  Ilja Regier

Muromez © Ilja Regier

Der Stein wurde im Sommer 2010 zum Rollen gebracht. Damals, anders als heute, widmete ich mich dem Thema Fußball und seiner Kultur. Hatte allerdings Perioden, in denen ich gar nichts aufs (digitale) Papier bringen wollte oder konnte. Füllte einen gewissen Druck, jede Woche etwas kommentieren zu müssen, Spiele zu sehen und nicht „up to date“ zu sein. Es gab Phasen von Monaten, als mir gar nichts gelang, ich zu viel verpasste, andersherum, die ich voller Elan anging. Da die gewünschte Resonanz ausblieb, ein Teufelskreis sich entwickelte, entschloss ich mich das Blog irgendwann einzustellen. Merkte auch, dass ich mit Medien, die sich professioneller damit beschäftigen, aus Zeit- und Kostengründen nicht mithalten konnte. Mir vielleicht die Kontakte fehlten. Nur über das „Runde ins Eckige“ zu schreiben, limitierte ebenso.

Von Fußball zur Literatur?

Da mich stets Literatur beschäftigte – meine Eltern besitzen eine kleine, private Bibliothek – versuchte ich mich etwas anderem zu widmen. Bisher bereue ich nichts. Im September 2012 wurde mein Literatur-Blog gegründet – bin quasi noch ein Frischling unter den Literatur-Bloggern. Neben dem Lesen ist das Schreiben ebenfalls eine große Passion, die sich eher in den Printmedien im Journalismus bestätigt füllt.

Plattform ist WordPress. Versuchte zwar schon alles auf eigenen Server zu legen, aber das Ganze war dann eher dank meiner Programmier-Fähigkeiten zum Mäuse melken. Ein von WordPress gehostetes Blog reicht derweil vollkommen für meine Aktivitäten aus.

Deine Themenschwerpunkte …

Rezensionen/Buchbesprechungen. Lese querbeet eigentlich alles, insofern es mich anspricht. Finde den Kontrast wichtig, nach schwerer Literatur, die man tapfer gemeistert hat, auch mal etwas Leichteres in die Hand zu nehmen. Bisweilen experimentiere ich ebenso rum. Schreibe „Gedankenströme“ auf, die mir irgendwann nach Geisterstunde plötzlich beim Rauchen auf dem Balkon kommen oder verarbeitete zum Beispiel eine Metamorphose Das Nichtbegreifen begreifen können, die ich beim Besuch der Gedenkstätte Auschwitz fühlte, als ich die Ehre hatte, mit Zeitzeugen zu sprechen, die die Völkermorde überlebten.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Naja, bemerke stetig, dass die Liebe zu Büchern im Literaturbetrieb abnimmt. Zahlen sind das Wichtigste, einerseits verständlich. Aber ehrliche Meinungen in einer Buchhandlung? Die bekommt man fast nie. Alles wird in den Himmel gelobt. Bestseller taugen, weil sie eben Bestseller sind. Manchmal aus Jux und Dollerei, ich weiß, ein wenig gemein, schnappe ich mir eine Händlerin („ich habe es bereits ANgelesen!“) und lasse sie mir irgendein Bestseller-Werk erklären, meist geschieht das in höchsten Tönen. Das Material konsumierte ich allerdings bereits, lache mir ins Fäustchen, was da gerade für ein Quatsch mit Soße erzählt wird, wie Tatsachen verdreht werden. Sicherlich, sind das subjektive Empfindungen, aber dennoch…

Ob Bücher in den Läden ausgestellt sind, die weniger sinnvoll oder gar kokolores sind? Das wird man von keinem Verkäufer, zu hören bekommen. Niemand bietet dir auch offensichtlich ein Auto an, das nach einem Monat mit einem Motorschaden zur Reparatur müsste. Die Realität sieht dennoch anders aus. Mit Griffen ins Klo verbunden. „Alles ganz toll und wunderbar!“ Dieses Heuchlerische nervt, Ideen wie man etwas ändern könnte? Schwierig! Mittlerweile habe ich allerdings ein kleines Lädchen gefunden, dem ich (meist) Vertrauen schenke. Ansonsten schaue ich mich bei unabhängigeren Betrachtern wie eben Bloggern nach Material um – was ja das Wunderbare daran ist –, die Mehrheit macht das allerdings sicherlich nicht.

Überhaupt finde ich es wichtig, dass solche kleinen Geschäfte in der komplizierten Zeit der Digitalisierung und Globalisierung überleben. Heißt für mich, dass ich meine Faulheit ständig besiegen muss. Statt auf die Amazon-Bestellung, die schon am nächsten Morgen da ist, zu warten, lieber eben bei kleinen Offline-Stores bestellen. Unvorstellbar, wenn diese irgendwann mal aussterben sollten!

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Facebook und Twitter. Ansonsten versuche ich auch, Bekannte davon zu erzählen, wenn sie mich fragen, was ich gerade gelesen habe und empfehlen kann.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ständig zu nehmen, statt zu geben. Vernetzungen treiben jeden Blogger voran. Sich nicht zu schade zu sein, mal bei anderen zu schauen, zu kommentieren. Weniger gut kommen ebenso längere Auszeiten an, die man manchmal leider nicht ändern kann, wenn die Hände gebunden sind. Ansonsten sicherlich der Blogger-Ehrenkodex (falls es so etwas tatsächlich gibt): C+P tunlichst vermeiden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Sah bei anderen Blogs, dass sie keine Verrisse mehr anfertigen, nur noch die Perlen präsentieren wollen. Kann ich einerseits verstehen. Ich meine, wer sind wir schon, innerhalb von vielleicht zwei Stunden, die Arbeit mehrerer Monate/Jahre infrage zu stellen, sie für Müll zu erklären? Der Regisseur Detlev Buck, kurz vor der Premiere seines Films „Die Vermessung der Welt“, meinte dazu, dass er sich wünsche, dass die Feuilletonschreiberlinge doch etwas rücksichtsvoller allgemein mit ihren Kritiken umgehen sollten. Zwischen den Zeilen lesend, fragte ich mich, ob sein Werk tatsächlich eklatante Schwächen aufweisen würde, wenn er schon so einen Aufruf startet.

Die Schwierigkeit bei solchen Verrissen ist, dass man schnell despektierlich werden kann. Wiederum denke ich mir, dass ich, sollte ich alles positiv bewerten, genau wie die beschriebenen Händler wäre. Alles voller Blumen und Sonnenschein wäre. Ist es allerdings bekanntlich nicht…

Ferner, so denke ich, behalte ich weiter meine Meinungsfreiheit bei. Manchmal kann es auch Spaß machen, irgendwas in Schnipsel auseinanderzunehmen und es für Dleck (wie die Asiaten sagen würden) zu erklären. Das klingt hart. Aber warum sollte ich etwas nicht kritisieren dürfen, wenn es mir ebenso mehrere Stunden oder Tage Zeit gekostet hat, ich dafür 20 Euronen auf den Tisch gelegt habe? Alles in allem ist das ein schmaler Grat. Eine gesunde Mischung ist die Lösung.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Mehrere kleine, die das Bloggen an sich zu einem großen Erlebnis machen. Am Ende auf „veröffentlichen“ drücken. Zu sehen, dass die Mühe nicht umsonst war. Dass irgendwer damit etwas anfangen kann. Dass irgendwer einen Kommentar abgibt. Das sind die schönen Momente und sicherlich auch die Ehre haben zu dürfen, hier mal neben renommierteren Kollegen als Grünschnabel zu Wort zu kommen.

Wie gesagt, ich bin ja noch relativ neu in diesem „Geschäft“, aber umgeben von wahnsinnig gemeinschaftlichen Bloggern. Bisher durfte ich noch nie so einem Kreis im Web 2.0 begegnen, weil viele eben mit einem Tunnelblick durchs Netz gehen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Passiert jetzt nicht so regelmäßig. Aber es muss schon das Gesamtpaket stimmen, damit ich es annehme.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Noch nicht vorgefallen, bezweifle allerdings, dass ich mich damit beschäftigen würde. Jeder intensive Leser kennt sie, die unendliche Liste der noch zu lesenden Bücher – diese hat Vorrang!

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Niente. Verteufle mp3s, wähle stattdessen lieber die alte Schallplatte oder CD. Verteufle E-Zeitungen und damit sich der Kreis schließt, verteufle ebenso E-Books. Oldschool!

Die Digitalisierung macht vieles einfacher, aber nicht unbedingt besser. Ich hasse es, abends auf einen lieblosen Bildschirm blicken zu müssen, nachdem ich schon vorher die ganze Zeit auf einen Rechner, mein Smartphone oder sonst was geblickt habe.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Regelmäßig unter anderem als Besucher unterwegs bei Literaturen, Buzzaldrins, aus.gelesen, Ada Mitsou und Philea’s Blog, die sich hier allesamt bereits vorgestellt haben. Und zu Wort kommen sollte hier mal: Frintze.

Danke sehr Ilja. Nicht allein dein realtiv junges Blog, auch deinen Bericht über deinen Aufenthalt in Auschwitz-Birkenau und die Begegnung mit Zeitzeugen möchte ich den Lesern unseres Gespräches ans Herz legen …

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Zuletzt stellte sich Bettina Schnerr-Laube mit Bleisatz. Ihr Wunsch-Interviewpartner war Ludger Menke, der u.a. den  Krimiblog betreibt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Bettina Schnerr-Laube mit „Bleisatz“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir etwas mehr über Bettina und ihr Blog Bleisatz erfahren sollte, hatten die Herren sandhofer und scheichsbeutel vorgeschlagen, die gemeinsam litteratur.ch betreiben.

Dein Steckbrief in Stichworten …

# Mutter, Fachjournalistin, Leseratte (in unterschiedlicher Reihenfolge)

# Badenerin, die seit Jahren in der Schweiz lebt und arbeitet

# Vielleserin, aber keine Allesleserin

Seit wann, warum und wo  bloggst du?

Seit 1999 treibe ich mich mit einer Website im Netz herum, aus der sich im Januar 2008 die auf Bücher fokussierte Website Bleisatz entwickelte. Bleisatz ist eine komplette Eigenentwicklung: Ich kümmere mich um die Inhalte, html und css, mein Mann erledigt die php-Programmierung, von der ich schlicht keinen Schimmer habe.

Deine Themenschwerpunkte …

© Bettina Schnerr-Laube

© Bettina Schnerr-Laube

Wie sandhofer schon anmerkte, kümmere ich mich besonders um Krimis. Sicher 60% meiner Lektüre fallen in dieses Genre. Seit einiger Zeit bin ich zusätzlich auf literarischer Weltreise und versuche, jedes Land dieser Welt mit je einem Buch zu besuchen. Ursprünglich sollten es „nur“ 25 Bücher werden, aber mich faszinieren die Neuentdeckungen inzwischen so sehr, dass sich die Idee verselbständigt hat. Irgendwo zwischen Land 70 und Land 80 stecke ich gerade.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Wirklich umtreiben tut mich wenig, da ich nicht im eigentlichen Literaturbetrieb drinstecke. Eher amüsiert beobachte ich allerdings Autoren, die über Leser und deren Meinungen herziehen (und davon kommt ja hin und wieder was hoch), weil die Autoren in der Regel sehr viel mehr über sich dabei verraten als – wie gemutmaßt – über die geschmähten Rezensenten.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Damit habe ich erst im Sommer 2010 angefangen. Ich wurde bei Facebook aktiv, später auch bei G+ und Twitter. Wie stark die Aktivität dort etwas für die Bekanntheit leistet, vermag ich allerdings nicht zu beurteilen. Auf allen drei Kanälen bin ich mittlerweile auch deshalb gerne unterwegs, weil ich viel für mich selbst dort entdecke.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Nichts. Ich verstehe Blogs als Spiegel persönlicher Meinungen und Interessen, den jeder Blogger in einer frei wählbaren Form umsetzt. Per Bild, Video, mit Link, ohne Link, langem oder kurzem Text. Ein Leser wird grundsätzlich nach seinen eigenen Vorstellungen den einen oder anderen Blog lieber besuchen als einen anderen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die größte Aktivierungsenergie benötigt man vermutlich für den Blogstart. Technische Probleme sind dank vieler kostenfreier Angebote in der Regel aus dem Weg geräumt. Also bleibt nur eines: Anfangen (… und ein bisschen dranbleiben).

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Das war der Moment, als ich bei meinen ersten zaghaften Anfragen nach Rezensionsexemplaren ohne Zögern die Zusage von allen damals angeschriebenen Verlagen gleichzeitig erhielt. Es ging um ein kleines Argentinien-Special zur Buchmesse und ich hatte einen ganz erheblichen Anteil von Absagen eingerechnet.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Zwei oder drei Verlage wissen gut um meine Schwerpunkte und fragen sehr gezielt an. Interessieren mich die Titel, sage ich abhängig von meinen Terminmöglichkeiten zu. Mit meinem Beruf und einer lebhaften Familie an der Seite sind zeitnahe Lektüren eine waghalsige Angelegenheit, sodass auch bei interessanten Krimis schon das ein oder andere Nein sein musste.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Selfpublisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Anfragen von Selfpublishern erhalte ich fast nie. Zugesagt habe ich in diesen Fällen auch noch nicht. Ein wenig Skepsis ist vorhanden, da meine bisherigen Versuche mit BoD und Eigenverlagen nicht alle begeisternd waren. Daher belasse ich es bei Selbstversuchen, die ich nach gusto einstreuen kann.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ganz positiv, seit ich einen Reader habe und den erfolgreich ausprobiert habe. Ich werde jubeln, sobald eine einheitliche Regelung für Dateiformate gefunden ist, sodass ich alle Bücher bei allen Anbietern kaufen kann – wie bei mp3-files für Musik auch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da sandhofer schon so offen den Ball einer Krimibegeisterten zugeworfen hat, bleibe ich in diesem Genre. Erst vor kurzem habe ich Janet Rudolph mit ihrer Mystery Fanfare entdeckt, die offensichtlich gute Krimilisten zu bestimmten Themen zusammenstellt. Auch die Kriminalakte ist eine Anlaufstelle, zumal sich der Macher auch um Film und Verfilmungen kümmert.

Die zwei nächsten Blogs haben abgesehen vom Krimi noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie haben – jeder für sich – eigene grafische Stile entwickelt und dafür habe ich eine kleine Schwäche. Die Krimikiste bietet jede Rezension als Podcast an. Und den Krimiblog(ger)  möchte ich gerne als neuen Interviewpartner vorschlagen. Was mich an diesem Blog fasziniert ist, dass der Krimiblogger und ich meist recht wenig Überschnitt in der Lektüre haben: Genau das ist der Grund, warum ich dort immer neue Anregungen und Perspektiven entdecke.

Danke sehr, Bettina. Eine feine Idee zudem, dass wir etwas mehr über den Krimiblogger erfahren sollten.

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Zuletzt stellten sich Anne-Kathrin und Jessica mit lesErLeben vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerinnen waren die Betreiberin von jungesbuch. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Anne-Kathrin Weber und Jessica Wilzek mit „lesErLeben“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der Vorschlag, mehr über Anne-Kathrin und Jessica und deren Literaturclub /-blog lesErLeben zu erfahren, kommt von Christiane Nowak, die vorgelesen pflegt.

Euer Steckbrief in Stichworten …

lesErLeben ist ein Literaturclub mitsamt Blog. Unsere Themen sind Literatur und Engagement sowie die Verknüpfung dieser beiden Themen. Wir sind zurzeit acht Mädels, die sich regelmäßig treffen und über Bücher diskutieren – und einige von uns bloggen auch aktiv auf lesErLeben.

Seit wann, warum und wo  bloggt ihr?

Wir bloggen seit Mai 2011 mit blogspot. Das schien uns damals am einfachsten und machbarsten. Der Blog sollte zunächst eine Ergänzung zu unseren Literaturclub-Treffen sein. Wer nicht teilnehmen kann oder weit weg wohnt, sollte so über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden bleiben und die Möglichkeit zum Mitdiskutieren bekommen. Mittlerweile hat sich der Blog aber auch weiterentwickelt. Wir veröffentlichen beispielsweise auch Rezensionen zu Werken, die wir nicht im LitClub gemeinsam lesen, interviewen unsere Blog-LeserInnen – und vor allem teilen wir unsere Gedanken zu Engagement und Literatur.

Eure Themenschwerpunkte …

Wir verbinden mit lesErLeben Engagement und Literatur. Das geschieht auf ganz unterschiedliche Weise, z.B. lesen wir im Literaturclub engagierte Literatur – zurzeit mit dem Schwerpunkt Europa, aber das kann sich noch ausweiten. Außerdem engagieren wir uns mit und für Literatur: Wir haben in einem Seniorenheim vorgelesen und mehrere Diskussionen zu unterschiedlichen Büchern oder literarischen Themen in Gießen veranstaltet. Diese Aktionen reflektieren wir dann wieder auf dem Blog.

Was treibt euch in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Da wir im lesErLeben-Literaturclub europäische engagierte Literatur lesen, beschäftigt uns das Problem, an gute Übersetzungen zu kommen. Bei vielen kleineren Nationalliteraturen ist es generell schwierig, Übersetzungen ins Deutsche zu finden. Bei der größeren mangelt es manchmal an der Qualität. In der Auswahl der Bücher, die übersetzt werden, steckt letztendlich auch ein ökonomisches Kalkül: Übersetzungen werden finanziert, wenn die Bücher den vermeintlichen Erwartungen der LeserInnen entsprechen. Das schränkt die Auswahl an Büchern – gerade auch für Literaturen außerhalb Europas, z.B. arabischsprachigen Ländern – extrem ein. Und es vermittelt den LeserInnen ein verzerrtes Bild der jeweiligen Literaturen, die in den übersetzten Büchern nur ihre eigenen Erwartungen an das jeweilige Land bestätigt finden. Wir wünschen uns eine sehr viel breitere Förderung von Übersetzungen!

© LeserLeben

© LeserLeben

Ganz gespannt verfolgen wir außerdem zurzeit die Entwicklungen zum Einfluss der LeserInnen bei der Entstehung eines Buches! Projekte, bei denen AutorInnen ihren Schreibprozess offenlegen und die LeserInnen daran beteiligen, z.B. bei der Figurenauswahl, eröffnen eine ganz neue Perspektive auf den Schreib- und Leseprozess.

Ein aktuelles Thema, mit dem wir uns erst kürzlich auseinandergesetzt haben, ist die Debatte um Rassismen in Kinder- und Jugendbüchern. Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie man damit umgehen kann, ohne die Texte zu zensieren, aber sie gleichzeitig auch den veränderten gesellschaftlichen Realitäten anzupassen.

Wie machst ihr euer Blog und eure Beiträge bekannt?

Durch unsere Veranstaltungen kommen wir mit vielen Leuten in Kontakt und so wird natürlich auch der Blog bekannter. Wir haben außerdem Postkarten mit unserem Logo und dem Link in unserer Stadt verteilt.

Eine Zeit lang hatten wir auch die für viele Blogs übliche Facebook-Seite, mit der wir regelmäßig auf die Beiträge aufmerksam gemacht haben. Allerdings konnten wir beobachten, dass wir über Facebook nicht viel Zulauf zum Blog hatten; im Gegensatz zu vielen anderen Blogs hatten wir auf lesErLeben sehr viel mehr Klicks am Tag als „Likes“ auf unserer Facebook-Seite. Das war der eine Grund, die Seite wieder zu schließen. Der andere Grund war der, dass wir einfach Prioritäten setzen mussten – da wir nur in unserer spärlichen Freizeit bloggen. Ohne großen Mehrwert der Facebook-Seite haben wir die freigewonnene Energie dann lieber wieder in den Blog reinvestiert.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das ist eine schwierige Frage, weil der eigene Blog es einem ja erlauben soll, sich kreativ sehr frei zu entfalten. Ansonsten gilt für uns: Wer Angst vor „Shitstorms“ hat, der sollte polarisierende Meinungen unterlassen; wer keine Lust auf rechtliche Konsequenzen hat, sollte sich auch als juristischer Laie gut mit dem Urheberrechtsschutz auskennen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Für uns war es eine große Hürde, tatsächlich online zu gehen und sichtbar zu werden. Wir hatten schon einige Zeit vor unserem ersten Post mit dem Gedanken gespielt, unsere Ideen auch zu veröffentlichen. Allerdings kannten wir uns überhaupt nicht mit dem Bloggen aus – und so war es für uns wirklich ein großes Abenteuer, uns eines Abends gemeinsam hinzusetzen und den Blog zu designen. Und dann tatsächlich auf „Veröffentlichen“ zu klicken! Heute ist das fast gar nicht mehr nachvollziehbar, weil das Bloggen sehr einfach zu machen ist. Um anderen die Angst vorm Bloggen zu nehmen, bieten wir im Frühjahr an der Volkshochschule Gießen übrigens einen Kurs an, mit dem Titel „Der erste eigene Blog!“ …

Euer schönstes Erlebnis beim Bloggen…

Auf jeden Fall das positive Feedback der LeserInnen und die stetig wachsende Zahl an LeserInnen. Was uns auch immer sehr freut, sind Klicks aus anderen Ländern. Wir haben viele LeserInnen in Frankreich, den USA und Georgien, obwohl wir ja nur auf Deutsch posten.

Wie gehst ihr damit um, wenn euch Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

In der Regel fragen wir bei Verlagen nach Rezensionsexemplaren von Büchern, die wir auch wirklich gern rezensieren wollen. Unser Blog ist kein rein literaturkritisches Forum. Rezensionen sind nur ein Teil dessen, was wir veröffentlichen. Daher werden wir immer eine Auswahl treffen und nicht alles Angebotene rezensieren können.

Und wie würdest ihr damit umgehen, wenn euch Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Das ist bislang noch nicht vorgekommen. Wenn wir denken, dass der Self-Publisher-Titel zu unserem Profil passt, hätten wir nichts dagegen einen zur Rezension anzunehmen. Allerdings bilden Rezensionen nur einen Teil unserer Posts und wir müssen daher immer eine Auswahl treffen.

Wie haltet ihr es mit dem E-Book?

Wenn wir ehrlich sind, hat bisher kein lesErLeben-Mitglied einen E-Book-Reader… Aber das soll nun nicht heißen, dass wir diese Geräte generell ablehnen. Die Vorteile – insbesondere für VielleserInnen – sind bekannt: Man kann unglaubliche viele Bücher auf einmal mitnehmen, wenn man viel unterwegs ist und auch in sekundenschnelle ein neues Buch kaufen. Angebote wie Online-Bibliotheken oder der kostenlose Download von Klassikern sind auch ein dickes Plus. Der E-Book-Reader sollte allerdings nicht an einzelne Online-Buchläden gebunden sein. Und die E-Books sollten legal „ausgeliehen“ werden können. Großer Nachteil des E-Books: Es fehlt das Knistern der Seiten beim Umblättern…

Welche anderen Blogs empfehlt ihr(max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Als Literaturblogs lesen wir gern mit vorgelesen von Christiane Nowak, die sich hier ja bereits vorgestellt und uns netterweise auch für dieses Interview vorgeschlagen hat! Eine weitere sehr gute Seite für Kinder- und Jugendbücher ist jungesbuch. Außerdem empfehlen wir noch lesewelle von Buechermaniac , die hier bereits auch schon zu Wort gekommen ist, und die Seite der Initiative Gefangenes Wort, die auf die Situation von SchriftstellerInnen weltweit aufmerksam machen will. Weitere Lieblingsblogs, die nicht primär mit Literatur zu tun haben, sind Mädchenmannschaft und Denkschablone, die einen Austausch über aktuelle Themen der Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften anregen .

Da dir unsere LieblingsbloggerInnen bereits Rede und Antwort gestanden haben, würden wir dir für ein Interview gern die Aktiven von jungesbuch.de vorschlagen.

Danke euch beiden, auch für die interessanten Blogpreziosen, da ist ja manche Perle dabei, die in der Gesprächsreihe bisher keine Erwähnung fand.

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Zuletzt stellte sich Kid37 mit Das hermetische Café vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war der Betreiber von coderwelsh/sychron. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier