Steglitz stellt Ruth Justen mit „Ruth liest“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute lernen wir Ruth Justen mit Ruth liest ein wenig näher kennen. Mit ihrem Porträt erfüllt sich – pünktlich so kurz vor Weihnachten – ein Wunsch der Bücherliebhaberin, die ihr glasperlenspiel13 pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – sagen Fotografen und Filmemacher. Mag sein. Dennoch liebe ich Worte, vor allem gedruckte Worte möglichst zwischen zwei Buchdeckeln. Von Kindheit an bin ich eine leidenschaftliche Leserin, die sich gerne im Freundeskreis über das Gelesene austauscht. Die Literatur gab mir auch in den anstrengenden Jahren als Vollzeit-PR-Managerin und Mutter den notwenigen Ausgleich für Hirn und Herz.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Im Frühjahr 2011 habe ich mich beruflich umorientiert. Nach 18 Jahren Festanstellung als Pressesprecherin wollte ich mich als freie Journalistin selbstständig machen. Zunächst nahm ich mir die Zeit, meiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Ich las ein Buch nach dem anderen. Irgendwann entstand dann die Idee, das Lesen mit meiner zweiten Leidenschaft, dem Schreiben, zu verbinden. Und so fing ich an zu recherchieren. Was gibt es an Literaturblogs? Welche Plattformen nutzen die Kollegen? Was würde ich anders machen, als mir bis dato bekannte Bücherblogs? Im April 2011 habe ich mich dann für WordPress entschieden. Es ist ein sehr einfach zu bedienendes System und daher weit verbreitet.

Deine Blogposts sind relativ kompakt …

Im Unterschied zu vielen anderen Blogs wollte ich unbedingt einen Blog mit kurzen Texten machen. Warum? Ich bin von Natur aus furchtbar ungeduldig, deshalb bevorzuge ich kurze Besprechungen und ausführliche Bücher. Außerdem veröffentliche ich nur Rezensionen zu Büchern, die mir zumindest gefallen. Ich kritisiere, verreiße aber nicht. Mein Blog soll ja anderen Lust auf das Lesen machen und sie nicht abschrecken. Zudem habe ich große Wertschätzung für Autoren und möchte niemanden verletzen. Bücher, die ich ganz und gar nicht empfehlen kann, verschweige ich einfach. Ich sehe mich auch nicht als Kritikerin. Diese Rolle füllt ein großartiger Denis Scheck aus.

Deine Themenschwerpunkte …

Ruth liest steckt voller Bücher über Tod und Terror. Romane, die Diktaturen oder Kriege und ihre Auswirkungen auf die Menschen schildern, interessieren mich vorrangig. Das können Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg sein, aber auch Erzählungen aus Ländern wie Argentinien oder China. Ein großer Schwerpunkt ist auch die jüdische Literatur, die oft mit den Themen Krieg und Diktatur verwoben ist. Bücher ohne historischen Bezug langweilen mich schnell, vermutlich habe ich deshalb vor Jahrzehnten Geschichte studiert.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ruth © Rainer Justen

Ruth © Rainer Justen

Derzeit denke ich ernsthaft über einen E-Reader nach. Bisher habe ich das vehement abgelehnt, um den stationären, kleinen Buchhandel nicht noch weiter zu schwächen. Aber die Verführung ist groß, immer einen Berg Literatur in der Tasche zu haben. Der Gedanke  innerhalb einer Minute ein neues Buch zu erwerben, ohne in die Stadt fahren oder gar langwierig ein Buch bestellen zu müssen, weil es mal wieder nicht im Ladenregal steht, ist sehr reizvoll. Zumal ich selten zu gängigen Titeln greife und so oft frustriert ein Geschäft verlasse. Gleichzeitig finde ich die Flut von E-Books bedenkenswert. Die Lektoren klassischer Verlage sorgen für eine hohe sprachliche Qualität.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Klassisch. Zunächst habe ich versucht, mich mit möglichst vielen anderen Bloggern zu verlinken. Dann streue ich Buchtipps bei Facebook, Google+ und Lovelybooks bzw. kommentiere dort die Buchtipps von Kollegen. Manchmal schreibe ich Buchbesprechungen auf den großen Portalen wie buecher.de oder amazon.de.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ein Blogger sollte immer Wertschätzung gegenüber Autoren, Lesern oder anderen Bloggern ausdrücken.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die größte Hürde ist die Unfreiheit des Geistes. So schön Rezensionsexemplare oder viele Freunde in den Netzwerken sind, so sehr können damit Erwartungshaltungen verbunden sein. Von solchen Erwartungshaltungen muss man sich frei machen und unabhängig schreiben, was man denkt.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Habe ich täglich mindestens ein Mal, wenn über das Bloggen ein Austausch mit anderen Lesern erfolgt. Manchmal bestätigen die anderen deine eigene Sichtweise, manchmal kritisieren sie dich. Immer empfinde ich die Anmerkungen als anregend und bin dankbar dafür.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Derartige Angebote nehme ich nur selten an. Eigentlich nur dann, wenn ich im Voraus weiß, dass das Buch für mich kein Flop sein wird. Außerdem lehne ich es ab, wenn Bedingungen daran geknüpft sind wie eine Zeilenanzahl und Termine, die mich in meiner Freiheit einschränken.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Self-Publisher unterscheiden sich für mich nicht von anderen Autoren. Ich entscheide nach Titel und Thema, ob ich das Werk lesen möchte.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Wie gesagt, ich bin gerade auf der Suche nach einem E-Reader, mit dem ich möglichst viele hochwertige Bücher lesen kann. Für Tipps und Erfahrungswerte bin ich sehr dankbar!

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Mara Giese und Petra Gust-Kazakos, die übrigens das gleiche WordPress-Theme hat wie ich, sind hier ja bereits zu Wort gekommen. Beiden Blogs konnte ich immer wieder wertvolle Lesetipps entnehmen. Ada mit Ada Mitsou liest … ist großartig, vielfältig und inspirierend. Sie betreibt ihr Blog bereits seit drei Jahren. Hut ab vor der Ausdauer. Anka Brüggemann macht unter dem Namen Blog für Anonyme Bookoholiker einen sehr schönen Blog mit Besprechungen zu meist außergewöhnlichen Titeln. Sehr praktisch: Es gibt immer eine inhaltliche Einführung, eine Leseprobe, eine Kritik und eine Empfehlung. Ich würde mich freuen, wenn du sie zu einem Interview überreden könntest.

Danke, Ruth, dann wollen wir mal schauen, ob meine Überredungskünste bei Anka fruchten …

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Zuletzt stellte sich Axel Hollmann mit seinem gleichnamigen Schreibblog vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Richard Norden, der Writers Workshop betreibt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Axel Hollmann vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir heute Axel Hollmann und dessen Schreibblog Axel Hollmann näher kennenlernen, hatte Marcus Johanus vorgeschlagen, der sein gleichnamiges Blog betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Mein Name ist Axel Hollmann. Ich bin 44 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder. In meiner Freizeit beschäftige ich mich mit dem Schreiben von Thrillern und Krimis – und natürlich mit dem Bloggen und rund um das Schreiben. Außerdem bin ich Mitherausgeber des Autorenpodcasts Die SchreibDilettanten.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Schon seit vielen Jahren verfolge ich die Blogs anderer Autoren, angefangen hat alles mit der Website von Andreas Eschbach. Ende 2011 habe ich dann beschlossen, mich selbst an dem Aufbau eines Blogs zu versuchen. Mein Ziel: So Kontakte zu anderen Autoren zu knüpfen. Von Anfang an stand für mich fest, dass ich einen WordPress Blog auf eigenem Webspace betreiben möchte, um maximale Kontrolle über die Gestaltung der Webpräsenz zu haben. Mein Schreibblog findet man hier.

Deine Themenschwerpunkte …

Mein Blog dreht sich im weitesten Sinne um das Schreiben und Lesen von Thrillern und Krimis.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

der Kopf dahinter © Axel Hollmann

der Kopf dahinter © Axel Hollmann

Wie viele anderen Autoren auch: E-Books und die Möglichkeiten des Self-Publishings. Die Möglichkeit, Geschichten nicht mehr in gedruckter Form, sondern elektronisch zu publizieren, fasziniert mich. Genauer gesagt, ich bin ein E-Book Junkie. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich ein „traditionelles“ Buch gekauft oder gelesen habe. Gleichzeitig hat sich mein Lesekonsum mit dem Aufkommen der E-Books vervielfacht.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Für mich ist da Twitter das Medium der Wahl. Vor ein paar Monaten habe ich Facebook entdeckt, bin da aber noch ein wenig am Probieren.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich denke, es ist eine Todsünde, die eigenen Befindlichkeiten zum Thema eines Blogs zu machen. Das ist nicht leicht und ich ringe da auch bei jedem Artikel mit mir, aber wenn man nicht gerade ein Popstar ist, interessiert sich kein Mensch dafür, wie es einem morgens beim Aufstehen gegangen ist. Die Leser erwarten einen Nutzen vom Lesen eines Blogs.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Zunächst einmal sollte man die technischen Hürden, wenn man sich nicht dafür entscheidet, einen „Fertigblog“ zu nehmen, nicht unterschätzen. Aber auch die Anforderungen an den Betrieb eines Blogs sind immens. Regelmäßig Artikel zu schreiben, ist anstrengender, als man denkt. Dann die Werbung … und wenn es dann läuft, die Kommunikation mit den Lesern.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Immer, wenn ich einen Kommentar zu einem Blog-Artikel bekomme.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Nun, bisher bin ich noch nicht in die Verlegenheit gekommen. Rezensionsexemplare würde ich sehr, sehr sorgfältig prüfen, bevor ich eine Zusage geben würde. Leider habe ich immer viel weniger Zeit, als mir lieb ist. Deshalb würde ich keine Erwartungen wecken, die ich dann nicht erfüllen kann.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich sehe keinen Unterschied zwischen einem Self-Publisher und einem „Verlags-Autoren“, d.h. siehe oben.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Wie schon gesagt: Von E-Books bin ich begeistert. Und nicht nur das: Vor kurzem habe ich E-Zeitschriften (Spiegel, Edge, Geek, Wired …) für mich entdeckt. Seitdem werden die Papierstapel in unserem Wohnzimmer deutlich kleiner.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Auf jeden Fall würde ich an erster Stelle den Blog meines Freundes Marcus Johanus empfehlen, der sich hier ja bereits vorgestellt hat. Mit ihm zusammen gebe ich den Autorenpodcast Die SchreibDilettanten heraus. Es liegt auf der Hand, dass das mein zweiter Tipp ist. Regelmäßige surfe ich über die Seiten Writers Workshop von Richard Norden, bei dem man immer tolle Schreibtipps bekommt, und von Kerstin Brömer, die auf ihrem Literaturjournal ebenfalls jede Menge rund ums Thema Schreiben zu sagen hat. – Als nächsten Interviewpartner schlage ich Richard vor, der Mann ist klasse!

Danke, Axel. Und Gratulation, dass ihr mit fünf Folgen eures Autorenpodcasts aktuell auf der Kreativ-DVD der Chip 01/13 vertreten seid.

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Zuletzt stellte sich vor Hartmut Abendschein, Betreiber des literarischen Weblogs taberna kritika und Mitbegründer von litblogs.net. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war litblogs.net-Co-Herausgeberin Christiane Zintzen, die auch in|ad|ae|qu|at pflegt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Hartmut Abendschein mit „taberna kritika“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Hartmut Abendschein vor: Betreiber des literarischen Weblogs taberna kritika, Mitbegründer von litblogs.net – literarische Weblogs in deutscher Sprache, und verantwortlich für den hybriden Verlag edition taberna kritika, der 2007 im Umfeld der Weblog- und Netzliteratur entstanden ist. – Der Vorschlag kam von Jutta S. Piveckova aka Melusine Barby, die Gleisbauarbeiten pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

1969 geboren. Aufgewachsen in der süddeutschen Peripherie. Stationen in Stuttgart, Konstanz, Glasgow und Köln. Dort: Buchhändler, Germanist, Anglist, wissenschaftlicher Dokumentar. Lebt, schreibt und arbeitet (Verlag, Bibliothek) jetzt in Bern.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Angefangen bzw. experimentiert habe ich zunächst ab 2002 mit einem Blog bei Antville. Ich habe aber bald gemerkt, dass ich eine eigene Server- und Software-Umgebung brauche, um das umzusetzen, was sich langsam als Idee konkretisierte: das literarische Weblog als multimediales Werk, das sich oder Teile davon auch in immer neuen Varianten präsentieren kann. Ab 2003 arbeitete ich dann auf eigenem Server unter eigener URL mit der Blogsoftware pMachine. Das Blog taberna kritika entstand. Später stieg ich dann auf ExpressionEngine um. Die Software ist mittlerweile sehr alt, ich arbeite aber immer noch damit. 2004 gründete ich mit Markus A. Hediger litblogs.net.

Ab 2008 wird die Seite herausgegeben von Christiane Zintzen und mir. Litblogs.net läuft – ebenfalls auf eigenem Server und vor allem wegen eines bestimmten Aggregatorplugins – mit der WordPress-Software.

Deine Themenschwerpunkte …

Kurzprosa. Längere Prosa mit manchmal hypertextuellen Experimenten, Ein- und Auskopplungen. Konstruktivistische Schreibverfahren und Schriftästhetiken. Ab und zu Gedichte. Essays. Serielle Notationsarbeiten und gewagte Theoriebildungssplitter. Jetzt vermehrt mit visuellen Beiträgen.

Wie kam es zu litblogs.net?

2004 hat mich Markus A. Hediger angeschrieben. Zu der Zeit war die Szene von deutschsprachigen Blogs mit literarischem Inhalt (und so etwas wie dezidierten Poetologien) noch sehr sehr übersichtlich. Wir haben uns ausgetauscht darüber, was man denn da machen könnte. Er kannte das brasilianische literarische Blogportal wunderblogs, schon länger (es ist inzwischen offline) und wir haben beraten, ob wir nicht so etwas ähnliches, allerdings plattformunabhängiges machen könnten. Das haben wir dann auch – mit sehr viel Codeimprovisationen – getan. Mittlerweile hat es sich aber auch stark verändert und entwickelt, wie man hier vergleichen kann. Heute werden die Schwerpunkte sehr viel weiter gefasst. Es werden also auch Fragen der Archivierung, Forschung, Verbreitung und Kontextualisierung etc. angegangen. Mit derzeit ca. 27 Werk-, aber auch kollaborativen Blogs hat sich litblogs.net fast zu so etwas wie einem Solitär in der deutschsprachigen Litblogs-Szene entwickelt und sieht sich in dieser Konstellation auch als quirliges literarisches Magazin.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Dranmor in Arbeit © H. Abendschein

Dranmor in Arbeit © H. Abendschein

Da ich seit 2007 auch einen kleinen Verlag mit Printeditionen betreibe, edition taberna kritika, stelle ich fest, dass – obwohl es schon Schnittmengen gibt – immer noch mehrere Literaturmärkte, Literaturszenen, Literaturbetriebe gibt. Was so schlimm nicht wäre. Doch hinsichtlich dieser digitalen Kluft wachen die Akteure der Printlandschaft mit Argusaugen darüber, nichts an Pfründen gegenüber jenem digitalen Literaturbetrieb zu verlieren. Förderungen oder Förderprojekte für literarische Weblogs, netzliterarische Arbeiten o.ä. muss man mit der Lupe suchen. Hier müsste noch viel getan werden, dass gegenüber solchen Arbeiten größere Offenheiten entstehen. Mit meiner kleinen Edition versuche ich da auch etwas mehr Wahrnehmung zu erzeugen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich betreibe Editionsaccounts bei Google Plus  und Twitter, über die Blogbeiträge, aber auch anderes verbreitet wird. Und taberna kritika ist auch via litblogs.net zu lesen. Mit dem Verlag kann ich durch Mailings, auf Messen oder Literaturveranstaltungen bzw. auf -festivals auf die Website oder aber generell auf die literarischen Weblogs von litblogs.net hinweisen und dabei auch ein etwas anderes Publikum erreichen.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich kenne da keine do’s oder don’ts. Das muss wohl jede/r für sich selbst ausmachen, da das ja auch – analog zum Printschreiben – sehr viel mit persönlichem Stil und Geschmack zu tun hat. Ich persönlich finde nur, dass man vielleicht seiner Idee treu bleiben sollte. Ich habe da immer wenig nach Moden, Topthemen, Leserschaften und Lesermengen geschielt. Vielleicht abonnieren und lesen im Laufe der Zeit weniger Leute dein Blog oder das Füllen von Kommentarthreads wird weniger wichtig, wie auch überhaupt Kommentierung mir immer unwichtiger wird. Viele Dinge sind im Laufe der Zeit auch einfach schon oft gesagt worden. Wenn ich aber auf eine bald 10jährige regelmäßige Publikation zurückblicke und sehe, welche Kurven so ein Blogwerk nimmt, welche Anschlüsse da gemacht werden oder auch nicht, welchen Grundsätzen und Theorien man treu geblieben ist und was verworfen wurde: diese Entwicklungsform und ihre Betrachtung finde ich literarisch und ästhetisch immer noch sehr reizvoll.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Außer ein paar unerquicklichen Techstories fällt mir dazu wenig ein. Jedenfalls sollte man einen langen Atem haben. Bloggen ist nichts für Sprinter.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Eine Anekdote: Während der (Recherche-)Arbeit im Blog an dem längeren Prosastück “Dranmor”, das übrigens vor kurzem als Buch erschienen ist, erhielt ich eine Mail von einem Herrn, der sich als Urgrossneffe Dranmors vorstellte, dem Berner Dichter also, der auch Gegenstand jenes gleichnamigen Buchs ist. Er war durch Zufall auf mein Blog gestoßen und fragte mich nun, was ich denn mit Dranmor zu schaffen hätte, dieser sei doch mittlerweile völlig vergessen. Außerdem habe er noch viele Gegenstände aus Dranmors Nachlass. Schriftstücke, Photographien, Säbel, Orden, persönliche Dinge etc. Wir haben uns getroffen und ich durfte diese Stücke sichten, dokumentieren und konnte das eine oder andere für meinen Text nutzen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Da mein Blog kein Buch- bzw. Rezensionsblog ist, bekomme ich wenig Rezensionsexemplare. Immer mal wieder passiert das aber doch. Wenn mich der Text reizt, weise ich auch in irgendeiner Form darauf hin. Aber meine Edition bekommt 2 bis 3 Manuskripteinsendungen pro Woche. Ich schaue meistens kurz in die Texte. Die allerwenigsten entsprechen aber dem Profil, das spüre ich schon nach wenigen Sätzen. In meinem Posteingang gibt’s dafür einen Ordner.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Das ist bis jetzt noch nicht passiert.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Finde ich gut.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Folgende, hier noch ungenannte und unverlinkte Blogs aus dem litblogs-Spektrum möchte ich empfehlen: rheinsein (Themenblog zum Rhein, enzyklopädisch, literarisch, kulturgeschichtlich), der goldene fisch (kollaboratives Blog, Prosa und Lyrik), logbuch isla volante (serielle Bild-Texte und Text-Bilder), Die Veranda (phantastisch-realistische Prosa) und andreas louis seyerlein: particles (Fundstücke, Schwebeteilchen, Beobachtungen).

Zu Wort kommen sollte hier unbedingt meine Kollegin, Korrespondentin und litblogs.net-Co-Herausgeberin Christiane Zintzen mit sicher noch etwas anderen Perspektiven auf dieses Thema. Sie verantwortet u.a. in|ad|ae|qu|at.

Danke sehr, Hartmut – auch für diesen Rückblick auf deutsche Literaturbloggeschichte.

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Zuletzt stellte sich Oliver Gassner mit seiner Literaturwelt vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Markus Kolbeck mit Bücherlei. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Oliver Gassner mit „Literaturwelt“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass sich heute Oliver Gassner mit seiner Literaturwelt vorstellt, hatte Marius Fränzel vorgeschlagen, der Bonaventura betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Germanist, Anglist, 2 Staatsexamina, 8 Jahre Gymnasiallehrer, jetzt Journalist, Publizist, Kommunikationsberatung. Lebe wieder nahe des Bodensees in Hegau, da wo ich herkomme.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Angefangen hab ich bei Blogger.com und auf Greymatter, weil es damals kaum anderes gab. Dann twoday.net, Textpattern, Typepad, WordPress, Expression Engine, eigentlich fast alles, schließlich Serendipity. Und an sich steht jetzt der Umzug zu Bloggfer.com an. Warum jeweils, das wäre ein Buch 😉 Kurz gesagt: Ich benutze immer, was am besten funktioniert. Das Literaturweltblog läuft auf WordPress.

Deine Themenschwerpunkte …

Uff, auf dem persönlichen Blog: Social Web. Literaturbloggen tu ich selbst nicht mehr so viel, ich verstehe mich da eher als Koordinator.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Dass ich lokal hier wieder in der Autorenszene verwurzelt bin, dass ich vorhabe, eine Lesereihe zu starten, und dass ich selbst wieder schreibe – Gedichte. Und vielleicht auch wieder Experimentelles mache, mal sehen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

XING, Facebook, Twitter, Google+; insgesamt sind es fast 17.000 Kontaktschnittstellen.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Langweilig werden, das Experimentieren aufhören.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Hm, irgendwann lernt man, Abmahnungen zu vermeiden oder abzuschlagen. Sonst eigentlich keine. Problem ist eher, Bloggerteams zu motivieren. Außer Geld hab ich hier noch keine funktionierende Methode.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Oliver Gassner ©  Oliver Gassner

Oliver Gassner © Oliver Gassner

Puh, schwer, aber: immer wieder andere Blogger zu treffen, bei Bloggertreffen, Webmontagen, Plogbars, Barcamps.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Aktuell leite ich die Anfrage an das Team weiter, wer eins will, meldet sich dann direkt beim Verlag, oder ich melde mich. Aber ich schaffe es nicht immer, auch zu lesen und zu rezensieren. Ich halte das für normal, das tun Verlage bei Journalisten ja auch. Was mich ärgert sind unaufgefordert zugesandte Bücher. Was soll ich mit denen anfangen?

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Genau gleich wie bei den anderen Büchern: Ich reiche sie an das Team durch. Entscheidend ist, ob sich ein Rezensent dafür interessiert. Aber: es passiert in der Regel nicht….

Generell sollte man halt beachten: „Shades of Grey“ war auch self-published 😉

Du hast …

Nein, ich habe es nicht gelesen und habe es auch nicht in Planung. Habe noch genug Ungelesenes 😉

Wie hältst du es mit dem eBook?

Ich lese seit ewiger Zeit auf dem PDA oder dem Handy. Ebook-Reader habe ich keinen. Ich besitze ein kleines 5 Zoll Tab, darauf lesen sich manche Texte besser (Faksimiles). Ich lese vor allem Klassiker. U.a. zuletzt Frankenstein von Mary Shelly. Oder letztes Jahr zu Weihnachten endlich mal das „Christmas Carol“ von Dickens.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Zu Wort kommen sollte Markus Kolbeck mit Bücherlei. Da ich aktuell keine anderen Literaturblogs lese, tu ich mich mit Empfehlungen schwer. – Noch eine Anmerkung zu deiner Gesprächsreihe. Eine gute Frage fände ich: Was liest du gerade?

Danke Oliver. Auch für den Tipp zu fragen: Was liest du gerade?

„Pattern Recognition“ von William Gibson und den Kindern lese ich von William Goldman die „Brautprinzessin“ vor.

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Zuletzt stellte sich Simone Finkenwirth mit ihrem Blog Klappentexterin vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin von Ada Mitsou liest… Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Simone Finkenwirth mit „Klappentexterin“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der heutige Nikolaus hat einen Beitrag von Simone bzw. der Klappentexterin im Gepäck, womit 30 Interviews innerhalb dieser Gesprächsreihe beisammen sind! Und noch eine Bemerkung mag ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen: Das Genderverhältnis, das lange zuungunsten der Bloggerinnen ausgefallen war, verkehrt sich mit Simones Porträt: Mit 16:14 liegen die Frauen hier ab sofort vorne. – Ob es dabei bleibt?

Dass wir Simone und ihr Blog Klappentexterin etwas näher kennenlernen sollten, hatte Mareike Fallwickl aka Bücherwurm Mariki angeregt, die Bücherwurmloch betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich liebe das gedruckte Wort, ob selbst geschrieben oder mit den Augen aufgelesen. Mein Herz ist groß, mein Verstand hellwach und meine Beine sehr flink.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

mit Lesebrille © Klappentexterin

mit Lesebrille © Klappentexterin

Ich blogge schon längere Zeit. Durch jetzt.de fing ich seinerzeit an, eigene Gedanken niederzuschreiben, manchmal kletterten auch Geschichten aus meinem Kopf, für die ich bei jetzt.de keinen Platz fand. Also füllte ich einen gemischten Blog mit Bildern und Texten, doch irgendwann wollte ich eine gerade Linie, einen starken Baum, an dem ich hochklettern kann. Im April 2010 küsste mich die Muse und legte mir die Klappentexterin auf die Tasten. Dieses Geschenk nahm ich lächelnd an. Lange schon wollte ich einen Ort, an dem ich besondere Bücher vorstellen konnte. Besondere Bücher, an die sich die Menschen seltener heranwagen, weil über sie weniger gesprochen wird und sie nicht unbedingt dem Massengeschmack treffen. Besondere Bücher, die kaum oder nie etwas vom großen Marketingbudget abbekommen. Besondere Bücher, die zu leise für die Bestsellerliste sind und deren kleine Stapel mein Herz schneller schlagen lassen. Ich arbeite mit WordPress, weil mich das Design am meisten überzeugte und das Arbeiten damit sehr einfach ist.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich lese am liebsten zeitgenössische Literatur, druckfrische Bücher genauso gern wie ältere Werke. Anfangs griff ich auch öfter zum Klassiker, doch das hat zuletzt leider etwas nachgelassen, weil die Neuheiten einfach immer mehr werden, so dass mir für die Klassiker oft die Zeit fehlt. Obendrein interessiere ich mich sehr für jüngere Literatur. Dazu habe ich vor eineinhalb Jahr die Rubrik Junge Literatur ins Leben gerufen und mit eigenem Logo versehen. Ich schreibe aber nicht nur über Bücher, sondern auch über andere Themen, die sich mit der Welt der Literatur beschäftigen. Besonders gern entdecke ich Berliner Buchhandlungen, besuche Veranstaltungen oder lasse meiner Kreativität freien Lauf. Bücher setzen in mir viel in Bewegung, ja, sie inspirieren mich im hohen Maße. Warum soll ich all das für mich behalten, wenn ich andere Menschen dort draußen damit glücklich machen kann?

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Dunkle Wolken ziehen auf – momentan ist vieles unsicher und im Wandel. Keiner weiß so genau, wohin die Reise gehen wird. Diese Unsicherheit beschäftigt mich, obwohl ich daran glaube, dass es den Buchhandel weiterhin geben wird, nur anders. Betrübt bin ich darüber, dass immer mehr Menschen aus dem öffentlichen Leben Bücher schreiben und dadurch unbekannten Autoren und Autorinnen den Platz wegnehmen. Außerdem vermisse ich eine Beständigkeit auf dem Literaturmarkt. Wie schnell ist ein Buch heute gefragt und morgen längst vergessen! Das war früher anders. Gut, die Zeiten ändern sich, nur heutzutage ist einfach zu vieles medienausgerichtet. Da braucht nur ein Autor oder Moderator ein Buch in der Talkshow hochzuhalten, und schon wollen alle nur das eine. Und zwar sofort! In zwei Wochen ist dann wieder Sense, es sei denn, der Autor wiederholt das Spiel. Meist handelt es sich um bekannte Menschen, die so etwas veranstalten. Da wird die potentielle Kaufkraft von möglichen anderen Titeln weggezogen. Das macht mich ein bisschen traurig, denn es gibt so viele wunderbare Bücher, die in dem Marketinglärm oft untergehen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Auf meiner Facebook-Fanpage lade ich jeden Beitrag hoch, ebenso bei Twitter. Darüber hinaus bewege ich mich in der vernetzten Blogsphäre. Anfangs war das ein Instrument, um auf mich aufmerksam zu machen. Denn ein Blog ist wie eine Pflanze, die man pflegen muss. Dazu gehört auch Networking, ohne das bleibt man ein unbekanntes Licht im großen Internetuniversum. Jetzt gehören meine Blogspaziergänge einfach dazu. Sie sind das Gewürz in meiner Blogsuppe, ohne die ich mir mein Blogleben nicht mehr vorstellen kann. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen es gibt, die mit mir die Liebe für die Literatur teilen und die so unwahrscheinlich herzlich sind. Wir kennen uns in der Regel nicht persönlich, nur durch unsere Texte, und sind uns doch sehr vertraut. Das sind die Wunder der heutigen Zeit, die mich immer wieder staunen lassen und glücklich machen.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Nicht authentisch zu sein. Der eigene Blog ist das Herzstück der Persönlichkeit sowie die Spielwiese für eigene Ideen und Reflexionen. Kürzlich las ich davon, dass es dort draußen Menschen geben soll, die Rezensionen abschreiben und bei sich veröffentlichen. So etwas macht mich wütend und fassungslos.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Zeit ist eine der größten Hürden. Zeit, Texte zu schreiben. Zeit, sich im Internet zu bewegen und Zeit, seine Kontakte zu pflegen. Das fällt mir gerade jetzt auf, in der eine ereignisreiche Phase in die nächste fällt. Ich möchte so sehr und kann oft nicht. Die Zeit legt mir ihre Ketten an. Ich habe nicht nur meinen Blog, ich habe auch einen Vollzeitjob, Freunde und einen Partner. Bei 24 Stunden am Tag kann das schon sehr eng werden, ein straffes Korsett, das sich um das Leben spannt. Dennoch habe ich es aufgegeben, schon allein durch Selbstschutz, immer und jeden Tag online aktiv zu sein. Da passiert am Ende nämlich genau das Gegenteil – statt Lust kommt der Frust in großen Schuhen angeschlürft. Abschalten gehört zum Bloggen genauso dazu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Oh! Da gibt es viele, so viele, dass ich fliegen könnte. Stell dir einen großen Garten mit leuchtend farbigen Blumen und leckeren Früchten vor. Wie soll ich da nur ein Erlebnis herauspflücken? Großartig und an dieser Stelle unbedingt erwähnenswert sind die Kontakte zu Autoren und Autorinnen. Die sind wertvoll und bereichernd, sie sind meist zufällig durch eine Begegnung im wirklichen Leben entstanden. Genauso schätze ich den Austausch mit meinen Lesern und meinen lieben Freunden aus der Bloggerszene. Ohne meine KollegInnen wäre das Bloggerleben nur halb so schön. – Halt. Doch eine Sache hat mir fast den Atem geraubt. Als ich im vergangenen Jahr nach einem warmen Sommertag abends erfuhr, dass ich zur Online Autorin des Jahres 2011 gekürt worden war!

der Pokal © Klappentexterin

der Pokal © Klappentexterin

Oh, gratuliere! Wie kam es dazu?

Das Autorennetzwerk Suite 101 hat 2011 den 29. Juni als „Tag des Schreibens“ initiiert. Zu diesem Anlass wurde der Online Autor des Jahres 2011 gesucht, für den man vorgeschlagen werden konnte. Plötzlich fand ich mich auf der Liste wieder. Danach folgte eine Abstimmungsphase, in der für die Nominierten gestimmt werden konnte. Ich habe dazu auf meinem Blog sowie auf der Fanpage aufgerufen. Die Kandidaten mit den meisten Stimmen kamen in die Endrunde, in der die Jury selbst entscheiden wollte, wer den Preis verdient hat. Meine Fans und Leser haben mir so viel Unterstützung gegeben, dass ich es ins Finale geschafft habe und die Jury überzeugen konnte. Sie schrieb über mich folgende wertschätzenden Worte: “Klappentexterin Simone Finkenwirth vereint gekonntes, elegantes, schönes Schreiben mit Herzblut für ihre Themen, mit kritisch-liebevoller Distanz, Meinungsstärke und Sachkenntnis – sie hat sich unserer Meinung nach diese erstmals vergebene Auszeichnung redlich erschrieben.” Als Preis gab es einen hübschen Blumenstrauß und einen schönen Pokal.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich habe meinen Blog gegründet, um unabhängig über die Bücher zu schreiben, die mir am Herzen liegen und die ich mir aussuche. Selbstbestimmtheit ist mir wichtig und so wähle ich meine Lektüre aus. Mein Zeitplan ist straff, weshalb ich Anfragen genau unter die Lupe nehme und nur solche Bücher auswähle, die mich wirklich interessieren. Mein Blog soll mir Spaß bereiten, doch wenn ich mich selbst durch zu viele Bücher in die Enge treiben würde, würde aus der bunten Spielwiese sprödes Heu werden.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Wie bereits erwähnt, wähle ich mir meine Bücher selbst aus. Das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun, sondern mit Freiheit. Das zu lesen, was ich möchte – und die Zeit, in der ich das machen kann, ist eng begrenzt. So habe ich nur maximal zwei Stunden dafür am Tag Zeit dafür – außer an den Wochenenden oder im Urlaub. Ich möchte mich nur ungern von meiner Lesefreiheit trennen. Auf der anderen Seite sehe ich, wie schwieriger es für Schreibende wird, ihre Werke bei Verlagen unterzubringen.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Für mich ist ein eBook der Kühlschrank unter den Büchern. Die elektronischen Bücher sind praktisch, aber kalt, kein sinnliches Erlebnis. Wenn ich lese, brauche ich den Papiergeruch (jedes Buch riecht anders) und das wunderschöne, knisternde Rascheln der Seiten. Ich möchte sehen, wie viele Seiten ich noch vor mir habe. Ein Buch in der Hand zu halten, hat auch etwas Heimisches und Vertrautes für mich. Es ist ein Schwert, das stressige Zeiten abwehrt und mir das Gefühl von Geborgenheit schenkt. An einem Buch kann ich mich festhalten, mit einem eBook wäre das ein Ding der Unmöglichkeit. Nein, vorerst bleibe ich lieber beim klassischen Buch. Wenngleich mir klar ist, dass eBooks ein Thema für die Zukunft sein werden.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hier sind schon einige mir wohl vertraute und hochgeschätzte Blogs zu Wort gekommen oder wurden bereits erwähnt wie die liebe Mareike, die mir den Staffelstab in die Hand gedrückt hat. Außerdem Bibliophilin, buzzaldrins Bücher, SchöneSeiten, Syn-ästhetisch, die Seitenspinnerinnen sowie Herr Flatter Satz, deshalb seien auch folgende genannt: writeaboutsomething, Japanliteratur.net, Literaturen, das Experiment 1001 Bücher, Ein Buch muss die Axt sein und … ach, ich darf ja nur fünf nennen. Schade!

Aber ein Blog liegt mir persönlich sehr am Herzen. So wünsche ich mir Ada Mitsou liest… als nächste Stimme in dieser Runde, eine sehr geschätzte Bloggerkollegin von mir, die ein besonderes Gespür für feine Kinderbücher und für das kleine großartige PapierBücherGlück hat.

Danke sehr Simone für deine Auskünfte und besondere Nikolauspräsente in Form von Blogpreziosen.

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Zuletzt stellte sich Marcus Johanus mit seinem gleichnamigen Blog vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Axel Hollmann. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Marcus Johanus vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Stefanie und Yvonne, die gemeinsam Leselink betreiben, haben Marcus Johanus vorgeschlagen, der sich und sein Blog heute vorstellt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

  • Berliner
  • zwei Examen in den Fächern Germanistik und Politologie
  • bisher veröffentlicht: Kurzgeschichten, Rezensionen und Texte für die Spielmagazine WunderWelten, Ringbote und Cthulhoide Welten und für das Rollenspiel H.P. Lovecrafts Cthulhu
  • schreibt Thriller für Erwachsene und Jugendliche
  • Blogger
  • Podcaster seit Frühjahr 2012 gemeinsam mit dem Krimi- und Thriller-Autoren Axel Hollmann: Die SchreibDilettanten. Der Podcast für Romanautoren.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit 2011 auf WordPress. Ich habe mich kurz mit anderen Plattformen und auch mit der Möglichkeit beschäftigt, meinen Blog selbst zu hosten. Entweder fand ich das zu aufwändig oder zu einschränkend. WordPress stellt einen guten Kompromiss dar.

Deine Themenschwerpunkte …

Kreatives und dramatisches Schreiben und alles, was zum Thema gehört, wie z.B. Motivation, Umgang mit dem inneren Kritiker und Rezensionen zu Büchern, Filmen, TV-Serien …

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Marcus Johanus © Marcus Johanus

Marcus Johanus © Marcus Johanus

Das kann ich so nicht sagen. Ich bemühe mich darum, beim Lesen in die Breite und nicht in die Tiefe zu gehen. Ich lese deswegen aus möglichst vielen Genres verschiedene Autoren, entdecke hier und da Klassiker, versuche aber auch neue Autoren und vor allem Bestseller zu lesen. Dabei bin ich immer auf der Suche nach dem guten Buch. Soll heißen: Ein Roman muss für mich mitreißend sein. Sobald ich an den Seiten kleben bleibe, ist er gut. Dabei ist mir gleich, ob es sich um einen Krimi, historischen oder einen SF-Roman, Fantasy, Jugendbuch oder um ein Sachbuch handelt.

In diesem Zusammenhang finde ich spannend, dass sich der deutsche Markt seit einigen Jahren immer mehr auch für deutsche Autoren öffnet, die eben diese Qualität auch besitzen. Das war vor zwanzig, dreißig Jahren noch nicht so. Ich hoffe, dass diese Entwicklung anhält.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich mag Twitter sehr gerne. Mit Facebook fremdele ich noch ein wenig, obwohl ich die Notwendigkeit, dort präsent zu sein, einsehe. Im Prinzip müsste man für seinen Blog auch und gerade offline werben, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Dafür fehlen mir jedoch noch zündende Ideen.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Mich persönlich interessieren Blogs, die schnell auf den Punkt kommen, ohne oberflächlich zu sein. Die an vielen Stellen empfohlenen 500-Wörter-Artikel langweilen mich deswegen meistens. Allerdings mache ich auch einen Bogen um 2000-Wörter-Buchstabenwüsten. Einerseits finde ich die Nabelschau ebenfalls furchtbar uninteressant. Ein Blogger, der sich nur um sich selbst dreht, ohne einen Nutzen für den Leser zu bieten, langweilt mich. Andererseits muss ein Blog auch eine persönliche Note, einen unverwechselbaren Charakter haben.

Ich finde also, ein Blogger sollte die Extreme vermeiden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Regelmäßig zu posten. Ein Blog steht und fällt damit, häufig aktualisiert zu werden. Das kann in Stress ausarten. Hier muss man einen Weg finden, wie man das durchhält, ohne sich selbst auszubeuten. Hinzu kommt der lange Atem, denn in den ersten Monaten interessiert sich so gut wie niemand für deinen Blog.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Wenn Kommentatoren meiner Artikel auf meinem Blog anfangen miteinander zu diskutieren. Ich freue mich riesig darüber, Gedanken anstoßen zu können und dabei zuzusehen, wie sie sich entwickeln.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich nehme sie an, wenn sie zu meinem Blog passen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ebenso.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Ich lese inzwischen privat fast nur noch eBooks. Die Vorteile zum gedruckten Buch überwiegen für mich.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Natürlich: Axel Hollmann und Die SchreibDilettanten; außerdem das Literaturjournal von Kerstin Brömer, Richard Norden, hier dreht sich alles rund ums Schreiben, und schriftzeit, das ‚Blog für Autorinnen und Autoren, die bessere Romane schreiben wollen‘. –  Den Stab weiterreichen möchte ich an Axel!

Dann schaun wir mal, ob Axel deinen Ball auch fängt. Danke, Marcus!

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Zuletzt stellte sich Svenja mit Syn-ästhetisch vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Bibliophilin. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Svenja mit „Syn-ästhetisch“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute steht Svenja Rede und Antwort, die Syn-ästhetisch pflegt. Gewünscht hatte sich das Caterina von SchöneSeiten.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Geboren 1985 in Berlin, dort aufgewachsen, zur Schule gegangen, studiert (Germanistik und Anglistik), inzwischen freiberuflich als Korrektorin/Lektorin unterwegs und gerade in der Babypause.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Seit Juni 2010 bei WordPress. Warum? Gefiel mir einfach am besten.

Deine Themenschwerpunkte …

Svenja © Syn-ästhetisch

Literatur und Fotografie (daher der Blog-Name Syn-ästhetisch). Hauptsächlich finden sich bei mir Rezensionen zur Gegenwartsliteratur Europas und des Nahen Ostens, ich lese rasend gerne israelische Autoren und „Problembücher“ – egal wo sie spielen. Also nichts mit lachenden, über Blumenwiesen springenden Menschen, sondern eher (zwischen-) menschliche Abgründe, das Wechselspiel von Geschichte und individuellen Schicksalen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Derzeit lebe ich babybedingt in einer Fläschchen- und Windelblase und bekomme weniger mit als sonst. Generell bin ich ein Mensch, der sich weniger von Trends mitreißen lässt und auf das Stöbern im Buchladen und die Empfehlungen anderer Lesebegeisterter vertraut. Natürlich frage auch ich mich, ob uns irgendwann der Abschied vom gedruckten Buch, von Bibliotheken und Lesezimmern, vom Seitenrascheln und Zuklappen droht und nur noch digital gelesen wird und ob mein Sohn als alter Mann noch jemals etwas von Hand schreiben wird.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich bin auf Facebook, anderen Blogs und auf Twitter unterwegs. Allerdings treibt mich der Austausch mit Gleichgesinnten an und weniger der Ansporn, besonders bekannt zu werden. Auf meiner Facebook-Seite poste ich, was ich gerade lese oder eben ausgelesen habe; sammle Fundstücke aus dem Netz oder weise auf andere interessante Rezensionen/Interviews und Co. hin. Im Grunde ist die Seite eine Art virtuelle Pinnwand dessen, was mich selbst interessiert und von dem ich glaube, dass andere auch Gefallen daran finden könnten.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Die Grundregel lautet, fair und sachlich bleiben, auch wenn eine Diskussion mal hitziger wird. In meinen Augen ist es am Wichtigsten, authentisch und man selbst zu bleiben; also eine eigene, unverwechselbare Stimme zu behalten, an der man erkannt wird und sich nicht anderen Bloggern anzupassen, nur weil sie vielleicht erfolgreicher sind als man selbst. Wenn ich literaturtheoretische Analysen lesen will, gehe ich in ein Germanistik-Seminar. Im Internet interessieren mich ungestelzte Leseeindrücke, frei vom Herzen weg und ohne sprachliche Zensur – schreiberisches Talent sollte aber ebenso nicht fehlen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ich habe mit dem Bloggen nie ein konkretes Ziel verknüpft oder Erwartungen verbunden, ehrlich gesagt war meine Motivation sogar ziemlich egoistisch: Ich wollte meine Gedanken und Gefühle über das, was ich gelesen habe, irgendwie loswerden und gleichzeitig die Möglichkeit haben, meine Eindrücke zu Büchern unkompliziert sortieren und schnell abrufen zu können. Das geht mit einem Blog deutlich besser als anhand einer Zettelwirtschaft. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb haben sich mit der Zeit und durch Kommentare auf anderen Blogs die ersten Besucher zu mir verlaufen. Viele von ihnen sind geblieben und ein richtiges Netzwerk aus Buchliebhabern ist entstanden. Ich freue mich sehr, ein kleiner Teil davon sein zu dürfen.

Bloggen bedeutet natürlich auch, Freizeit aufzuwenden und Durststrecken (keine oder kaum Leser/Kommentare) überwinden zu müssen. Man lernt, sich und seine Ressourcen gut einzuschätzen und regelmäßig neue Beiträge online zu stellen, ist eigentlich ein guter Weg zur Selbstdisziplin.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Die Vernetzung mit anderen Buchliebhabern. In meinem Umfeld gibt es eher wenig Leser und durchaus einige Leute, die bei meinem Buchkonsum eher sorgenvoll den Kopf schütteln. Ich empfinde den virtuellen und inzwischen auch persönlichen Kontakt zu Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen, als großes Geschenk und als Bereicherung in meinem Leben.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das kommt nicht häufig vor, so bekannt ist mein Blog dann auch wieder nicht. Meist sind es Verlage, deren Bücher ich schon einmal besprochen habe oder ich bekomme das aktuelle Verlagsprogramm zugesendet. Ich wähle sehr bedacht aus und greife meist nur bei mir bekannten Autoren zu oder auch bei einem Verlag, deren Programm sehr viele Übereinstimmungen mit meinem Lesegeschmack hat. Rezensionsexemplare bedeuten immer die Verpflichtung, zeitnah eine entsprechend ausführliche Rezension zum Gelesenen online zu stellen – die möchte ich gerne erfüllen und mich zugleich nicht beim Lesen und Schreiben hetzen, weil sich Rezensionsexemplare bereits bei mir stapeln. Aus diesem Grund, und auch weil mir manche Titel nicht zugesagt haben, habe ich Rezensionsexemplare durchaus schon dankend abgelehnt. Zudem kommentiere ich im Gegensatz zu vielen anderen Bloggern auch nicht vorwiegend Neuerscheinungen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Vermutlich ebenso wie ich es im Fall von Verlagen und Autoren tun würde.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Ich besitze einen Kindle-Reader, den ich selten benutze. Generell geht es mir wohl wie den meisten bibliophilen Menschen: Ich möchte das Papier spüren, die Seiten riechen und das Gewicht des Buches in der Hand spüren. Ein E-Reader ist praktisch, ein „echtes“ Buch einfach nur schön.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5).Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hier kann ich wahrscheinlich nicht mehr viel Neues beitragen, ich lese am liebsten die Klappentexterin, Ada Mitsou liest … vom Mareike vom Bücherwurmloch und Caterina von SchöneSeiten (und nicht nur, weil ich mit ihr gemeinsam das Blog-Projekt „Jüdische Lebenswelten“ betreue) – Mareike und Caterina haben sich hier je bereits vorgestellt – sowie die Bibliophilin, die ich mir als nächste Interviewpartnerin wünsche.

Danke sehr! Auch dafür, dass du dir zwischen Wickeln, Windeln und Fläschchengeben Zeit für deinen Beitrag genommen hast.

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Zuletzt stellte sich die Bücherliebhaberin mit glasperlenspiel13 vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war Ruth mit Ruth liest. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt die Bücherliebhaberin mit „Glasperlenspiel13“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Die Empfehlung, dass wir die Bücherliebhaberin und ihr glasperlenspiel13 näher kennen lernen sollten, stammt von Buechermaniac, die lesewelle pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich nenne mich auf meinem Blog Bücherliebhaberin, bin 80er Jahrgang und komme gebürtig aus Leipzig. Momentan wohne ich in der Nähe – ich zitiere Caterina, die in ihrem Porträt hier gesagt hat: „vom mäßig attraktiven Frankfurt“. Habe ein geisteswissenschaftliches Studium hinter mir und bin beruflich in der PR Branche unterwegs. Einige Familienmitglieder verweigern sich mittlerweile mir Bücher zum Geburtstag zu schenken, da seit Jahren nichts anderes auf meinem Wunschzettel steht.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit März 2011 auf blogger.com Würde sehr gern wechseln, scheue mich aber vor dem Zeit- und Arbeitsaufwand, der damit verbunden ist. Zum Bloggen hat mich meine Schwangerschaft gebracht. Ich wusste, dass ich das erste Jahr mit Kind zu Hause bleiben werde und hatte ein wenig Horror davor überhaupt nicht mehr geistig gefordert zu sein. Ein Blog schien mir genau das Richtige, um meine Leseleidenschaft weiterzuführen, dem Windelwechsel-Alltag ein wenig zu entfliehen und meiner Liebe zu Strukturen, Listen und Tabellen gerecht zu werden. Viele befreundete Mütter meinten, dass ich die Zeit zum Lesen UND für den Blog nicht haben würde. Bis jetzt klappt es aber eigentlich ganz gut. Mein Sohn ist immerhin schon anderthalb.

Deine Themenschwerpunkte …

Bücherliebhaberin mit Lieblingsfigur aus der Literatur © glasperlenspiel13

Auf meinem Blog findet man zeitgenössische Literatur aber auch ältere Werke; viel aus spanischsprachigen Ländern und Osteuropa. Bei mir eher unterbesetzt: Literatur aus dem englischsprachigen Sprachraum und Krimis. Ich besuche relativ viele Lesungen und berichte natürlich auch über meine Eindrücke.

Vor einiger Zeit habe ich meine Freude an Specials entdeckt. Das bedeutet, dass ich eine Woche lang jeden Tag einen Beitrag zu einem ganz bestimmten Thema veröffentliche. Anfang des Jahres war es die Leipziger Buchmesse, kurz darauf eröffnete ich die Jüdische Woche und erst vor wenigen Wochen endete die Lateinamerikanische Woche. Das nächste Special steht bereits in den Startlöchern – zumindest gedanklich.

Ja und dann gibt es noch „en español“ und „en français“. Das bedeutet in regelmäßig unregelmäßigen Abständen erscheinen auf glasperlenspiel13 spanische und französische Artikel. So bleiben meine Fremdsprachenkenntnisse ein wenig in Schuss.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die Verdrängung der Inhabergeführten Buchläden. Und zum anderen: Das permanente Geschrei um das eBook. Das ist nun mal die Entwicklung. Wer nutzt denn heute noch Schallplatten für die Musikrezeption? Das bedeute aber nicht, dass ich selbst auch eBooks konsumiere – im Gegenteil.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Da triffst du einen wunden Punkt. Kurz nach dem Start meines Blogs habe ich eine Seite beim „blauen Netzwerk“ eingerichtet, um dann doch die Finger davon zu lassen. Monate später habe ich erneut einige Posts eingestellt. Langfristig werde ich wohl eher darauf verzichten. ABER: Sag niemals nie.

Viele Blogger beklagen, dass bei Ihnen zu wenig kommentiert wird und gehen dann den Weg über Twitter und andere. Auch bei mir kommen keine 20 Kommentare bei jedem Beitrag zustande. Natürlich freue ich mich über jeden Austausch aber ich habe in den letzten Monaten auch viele Rückmeldungen aus meinem persönlichen Umfeld erhalten. Sei es per Telefon, per Mail oder über direkten Kontakt. Das motiviert und spornt ebenso an.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Persönliche Angriffe auf andere Blogger. Werbung für amerikanische Versandhäuser mag ich persönlich überhaupt nicht. Aber letztendlich ist jeder Blog der individuelle Ausdruck einer einzelnen Person und da kann man schlecht was vorschreiben.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Am Anfang muss man sich einige Zeit nehmen, um sich mit der Nutzeroberfläche anzufreunden und danach benötigt man noch mehr Zeit, um seinen Blog zu pflegen. Nebenbei lese ich auch sehr gern andere Blogs, möchte auch da einen Kommentar hinterlassen, wenn angebracht. Das ist auf jeden Fall ein enormer Zeitaufwand, auf den ja in dieser Reihe auch schon andere Blogger hingewiesen haben.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

1) Als ich Javier Marías den Link zu meinem Beitrag über seine Lesung schickte, stelle er diesen kurzerhand auf seinen Blog. Eine Stunde später hatte ich halb Lateinamerika und Spanien bei mir zu Gast … 2) Die Einladung, hier Antworten geben zu können. 3) Andere Blogger persönlich kennenzulernen: Wie in dem Fall von Caterina.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich schau mir immer genau den Inhalt an, ob es mich interessieren könnte. Wenn nicht antworte ich höflich, dass es einfach nicht meinen Geschmack trifft. Hin und wieder frage ich auch mal einen Verlag nach einem Rezensionsexemplar. Meist aber nur kleinere Verlage, da die großen eh mit Anfragen überschwemmt werden.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ähnlich. Entweder es passt oder eben nicht.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Dazu kann ich nur sagen: Ich nenne mich Bücherliebhaberin und werde mich niemals in eBook-Liebhaberin umbenennen. Auf diesem Gebiet bleibe ich sicher altmodisch. Selbst das Argument ein E-Reader sei praktisch für Reisen überzeugt mich einfach nicht, da ich meine Wälzer auch in der Ferne in den Händen halten will. Dann pack ich lieber eine Hose wieder aus. – Selbst Hörbüchern stand ich jahrelang sehr skeptisch gegenüber. Und Taschenbücher kommen mir grundsätzlich nicht ins Haus. Du siehst altmodischer geht es wirklich nicht.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hier sind schon viele gute Empfehlungen zusammengekommen, die auch meinen Geschmack treffen. Zwei Blogs wurden noch nicht genannt, deshalb möchte ich an dieser Stelle auf diese hinweisen. Besonders beeindruckend finde ich die Impressionen auf Where books live…. Wo Bücher wohnen. Und wer sich besonders für Kinderbücher interessiert, sollte bei Papillionis liest vorbeischauen, auch wenn es da momentan etwas ruhiger zugeht. – Als nächste Gesprächspartnerin wünsche ich mir Ruth von Ruth liest. Mit ihr verbindet mich die gemeinsame Leidenschaft für die Leipziger Buchmesse.

Danke sehr. Auch dafür, dass du Ruth zum Gespräch bittest, ihr Blog wurde hier ja bereits verschiedentlich als Perle gehandelt.

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Zuletzt stellte sich @Anousch mit Anousch vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war der Betreiber von Kid37. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt @Anousch mit „Anousch“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Mit @Anousch, die sich und ihr gleichnamiges Blog heute auf Wunsch von Ada Textkrieg vorstellt, holen die Frauen auf. Das heißt, dass das Missverhältnis innerhalb dieser Gesprächsreihe, das ich am 30. September noch konstatierte, nun ausgeglichen ist. Abzuwarten bleibt natürlich, ob es hier gendermäßig weiterhin ausgewogen zugeht, ob sich die Bloggerinnen gar an die Spitze setzen oder ob die Blogger wieder geballt nachlegen …

Dein Steckbrief in Stichworten …

1979 Geburt in Erfurt/seit 2001 in Berlin/Boxen, Segeln, Reisen/2008 Magister in Literaturwissenschaft (Adalbert Stifter)/danach Jahre in Therapie und Internet/schließlich Heilpraktiker-Ausbildung (Esoterik nein, Suggestion ja)/ Zen/2012 Mann, Kind, Roman.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Anousch © Anousch Otto

Seit 2007, ursprünglich auf Twoday, zuerst hier, später dort, bis ich mit Anousch endgültig bei WordPress gelandet bin. Die Zeit auf Twoday war sehr aufregend, inspirierend, mitunter beglückend. Das Bloggen hat mir über eine lange Zeit der Isolation und Depression hinweg geholfen. Bei Twoday befand ich mich in einer kleinen, warmherzigen, gebildeten und gewitzten Community. In den Kommentaren fand das eigentliche, oftmals nächtelange Spektakel aus Wortspielereien, Reflexionen, Melancholie und Klamauk statt. Ich habe viele Menschen ins Herz geschlossen, von denen mir einige fehlen, weil sie verschwunden sind. Twitter hat dann für mich alles verändert und das Bloggen entbehrlicher gemacht. Aber die Sehnsucht danach ist geblieben. Es ist ja wie eine Flaschenpost, die immer jemanden erreicht.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich hatte immer etwas mit Land und Lyrik im Sinn. Ich liebe Brandenburg und das ziellose Herumcruisen. Aber bei Twoday ist schnell etwas anderes entstanden. Irgendwas mit Aeorophilie, Fährtenlesen, Biofiktion. Assoziationscluster und Bekenntnisse, Wort-Bild-Spiele, vieles, das sich erst mit dem Link auflöste bzw. mehr zur Verrätselung beitrug.

Inzwischen schreibe ich in größeren Abständen Rückblicke auf die vergangenen Monate. Ich habe mich zerstreut durch Twitter, Facebook, Instagram. Vielleicht es mal wieder Zeit, konzentriert Texte zu Bildern zu fügen und zu bloggen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Naja, mein eigener Roman, der hoffentlich momentan wie ein schönes Turnierpferd gehandelt wird. Ansonsten interessiert mich der Literaturbetrieb nicht sonderlich. Aber dieser Text „Das Nächste, bitte!“ von Stephan Porombka hat mich begeistert. Außerdem finde ich die Umtriebe von Christiane Frohmann spannend. Das einzige, das ich jemals als Szene leibhaftig wahrgenommen habe, sind die Lesereihen, die Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer veranstaltet. – Soweit ich weiß, stand dir Herr Fitz  hier ja bereits Rede und Antwort.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ganz klassisch via Facebook und Twitter.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Nichts. Ich schätze die ganze Bandbreite menschlichen Irrsinns.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Gelesen zu werden. Je mehr Blogs es gibt, umso schwieriger wird es, überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Ein gutes Mittel, Aufmerksamkeit zu erzielen ist es, auf den Punkt zu kommen. Redundanz ist ein schlimmes Übel. Ausschweifung eine Kunst. Der letzte, der das meiner Meinung nach beherrscht hat, war Thomas Mann. Und der war ja kein Blogger. Zum Glück, sonst hätte er uns jeden Morgen mit einem Verdauungspost genervt.

Ich möchte mir nicht den Finger wund scrollen, wenn ich einen Blogtext lese. Es sei denn, ich bin gefesselt, was in der Tat einige Blogger vermögen. Ansonsten kann man auch mit der kleinen Form immer wieder große Wirkung erzielen. Ganz wunderbar macht das Horst, Hund und Brodt. Außerdem liebe ich die Gedichte von Jost Renner.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Eine Nacht auf dem Zauberberg.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Soweit habe ich es noch nicht gebracht.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Es kommt ganz darauf an, ob mich das Werk interessiert. Aber grundsätzlich sehe ich mich derzeit nicht als Rezensentin. Nur wenn mich etwas so begeistert oder empört, dass ich andere daran teilhaben lassen möchte, dann mache ich darauf aufmerksam.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Hätte ich eines, hielte ich es sicher gut mit ihm. Ich vermisse es aber auch nicht. Mein iPhone ist mein eBook und das ist inzwischen wie ein zusätzliches Organ.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Platz nehmen auf dem West-Fernöstlichen Divan. Einander verstehen, hey!: Amorphismen.

Ein Maniac, Autor einer schrägen Never-Ending-Story, der „Balzac des Internets“ (Jan-Uwe Fitz): Erdge Schoss.

Kirschkern, Kunst und alles kursiv: Schneck.

Bloggt aus der Auguststraße und aus ihrer Seele heraus: Gaga Nielsen.

Ich reiche das Wort weiter an den unvergleichlichen Kid37. Eine Eminenz im lateinischen Wortsinn.

Vielen Dank, Anousch, auch für deine großartigen Blog-Preziosen. Und: Glück auf mit deinem TWEETeBOOk „Bescheiden, aber auch ein bisschen göttlich„, das der Frohmann Verlag aufbereitet hat.

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Zuletzt stellte sich Jutta S. Piveckova aka Melusine Barby mit Gleisbauarbeiten vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war Hartmut Abendschein, der u.a. taberna kritika verantwortet und gemeinsam mit Christiane Zintzen litblogs.net herausgibt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Jutta Piveckova aka Melusine Barby mit „Gleisbauarbeiten“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir Jutta S. Piveckova aka Melusine Barby mit Gleisbauarbeiten näher kennen sollten, hatte Dietmar Hillebrandt vom Buecherblogger vorgeschlagen. Jetzt geht nicht nur sein Wunsch in Erfüllung. Nein, mit Juttas Auskünften haben wir hier 25 Interviews mit literaturaffinen Bloggerinnen und Bloggern beisammen, womit die Gesprächsreihe, die im September 2012 an den Start ging, heute ein erstes, kleines Jubiläum feiern darf.

Dein Steckbrief in Stichworten …

1965 geboren, mittelalt, mittelschlau, mittelreich, liiert, studiert (Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft), verheiratet, Mutter zweier fast erwachsener Söhne, netzaffin und bücherstauballergisch, Anti-Kulturpessimistin

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Melusine Barby © Jutta S. Piveckova

Ich blogge seit dem 9.2.2010. Zunächst auf dem Blog. Ganz heimlich. Mein Versuch, das Schreiben wieder aufzunehmen nach beinahe 20 Jahren Schweigen. Die Struktur eines Blogs nutzen, um einen Roman in umgekehrter Chronologie zu erzählen, so dass der jüngste Post jeweils immer weiter zurückreicht in die Vergangenheit. Am Ende sollte dann eine klassische Romanerzählung stehen, die beim Lesen entsteht, wenn man die Posts von vorne nach hinten liest: Der letzte Eintrag als Anfang des Romans. (Ich arbeite weiter dran.)

Die Gleisbauarbeiten entstanden als Ableger dazu, weil das Bedürfnis wuchs, nachdem mein Blog von Alban Nikolai Herbst „entdeckt“ worden war, auch über andere Themen zu schreiben und mit Blogger_innen in Austausch zu treten. Auf die Plattform Blogger bin ich ganz zufällig geraten. Ich weiß gar nicht mehr wie.

Deine Themenschwerpunkte …

Eigene Prosatexte. Es entstehen vor allem Serien (z.B. über Unperfekte Paare; 4 Frauen, Sex und der Tod, die fast-autobiographischen Texte unter dem Label Auto. Logik.Lüge. Libido, Fabelwesen, Wildermuths Elbin, Als wir Pop-Poetinnen waren u.v.m). Die seriellen Texte und hybriden Formen experimentieren mit der Form des Blogs als einer literarisch neuen Gattung (Vernetzung statt Linearität). Ich nenne das „kryptofantastischen Realismus“. Dennoch ist mir beim Bloggen unter der Hand ein Roman entstanden, der es vielleicht auch zur „Druckreife“ schafft: PUNK PYGMALION.

Außerdem schreibe ich regelmäßig Buchempfehlungen (niemals Verrisse), Tagebucheinträge, kunsthistorische Beiträge, sowie Film- und Fernsehkritiken. Alles aus einer feministischen Perspektive, womit gemeint ist, dass ich mein Geschlecht beim Lesen, Schauen, Hören nicht verleugne, also die Normsetzung einer (weißen) männlichen Sicht auf die Welt als allgemein „menschliche“ nicht akzeptiere. Zunehmend versuche ich auch andere Normen zu hinterfragen: Heterosexualität, Weißsein, Mittelklasse-Werte. Dadurch ändert sich meine Lektüreauswahl erheblich. Denn die ungebrochene Dominanz von weißen männlichen Autoren auf meiner bisherigen Leseliste hat mich schockiert.

Jeden Dienstag veröffentliche ich außerdem einen Beitrag (eine Collage, das Foto einer Skulptur…) des Frankfurter Künstlers BenHuRum aka Thomas Hartmann. Gelegentlich schreibt auch Morel, mein Lebensgefährte, Beiträge, meist Buchempfehlungen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich lese wenig in den Feuilletons der „Qualitäts“-Tageszeitungen. Daher treibt mich wenig um, was „der Betrieb“ gerade so diskutiert. Ich bespreche auch selten Neuerscheinungen, die gerade gehypt werden. Da lasse ich mir lieber Zeit und warte ein Jahr. Ich bin optimistisch, dass sich durch die „Neuen Medien“ ganz neue Literaturformen entwickeln werden, ebenso wie neue Vertriebsformen und unmittelbarere Verbindungen von Autor_inn_en zu Leser_inne_n. Die bürgerliche Öffentlichkeit (mitsamt ihrer Trennung vom sogenannten „Privaten“) zerfällt. Ich sehe das ohne Sentimentalität, sondern mit großer Erwartungsfreude. Es wird spannend. Ich selbst lese jetzt schon lieber auf einem E-Reader als in einem gedruckten Buch. Dabei kaufe ich mehr literarische Werke als je zuvor, vor allem von kleineren Verlagen und unbekannteren Autor_inn_en. Die Empfehlungen befreundeter Blogger_innen spielen bei der Auswahl eine wesentliche Rolle. Auf das ganze kulturpessimistische Gejammer (oh, die endlose Wiederholungsschleife) über den Untergang der abendländischen Kultur durch elektronische Medien reagiere ich dagegen allergisch. Brr….

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Zunächst über Kommentare in anderen Blogs. Später wurde mein Blog bei litblogs.net aufgenommen. Außerdem verlinke ich meine Beiträge bei Twitter und bei Facebook.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Verrisse schreiben. Die meisten Blogger schreiben in der Freizeit. Da sollte man sich auf das konzentrieren, was sich lohnt. Wichtig finde ich auch, dass man „erkennbar“ ist, was nicht unbedingt heißen muss, den Klarnamen und die Adresse anzugeben. Aber da zum Bloggen der Kontakt mit anderen Menschen gehört, finde ich bewusste Täuschungen abstoßend und gemein. Sich eine „interessante“ Fake-Identität zuzulegen, bedeutet ja auch immer, den Menschen, die tatsächlich unter den hier bloß vorgetäuschten Bedingungen leben, das Wort zu entziehen. (Ein Beispiel hierfür ist der britische Blogger, der sich als lesbische Syrerin ausgab.) Ich selbst habe auch unangenehme Erfahrungen mit einem männlichen Blogger gemacht, der sich als junge Frau ausgibt und mir in dieser Rolle Mails über männliche Anmache geschrieben hat. Das habe ich als verletzend und übergriffig empfunden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ich veröffentliche vieles zu schnell. Dann möchte ich manche Formulierung später wieder zurücknehmen oder ändern (Was ich auch ungeniert und ungekennzeichnet tue. Ich habe da keine Hemmungen). Die Schnelligkeit ist aber für mich auch wichtig. Wenn ich etwas zu lange „zurückhalte“, lasse ich es fallen: Ich vernachlässige es, ich vergesse es, ich beginne, es vor mir selbst niederzumachen. Mich schützt die tägliche Veröffentlichung somit vor der permanenten Vernichtung der eigenen Schreibprodukte, wie ich es früher dauernd getan habe: Alles in die Tonne geschmissen. Jetzt steht´s im Netz und verpflichtet mich, daran weiter zu arbeiten. Wenigsten manchmal.

Schwierig finde ich vor allem Beleidigungen unter Kommentatoren. Ich musste da einiges an Lehrgeld zahlen. Zum Beispiel lernen, dass es unsinnig ist, weiter mit Menschen zu kommunizieren, die nur kränken wollen. Ich glaube, dass ein Blogger genauso wie jemand im richtigen Leben auf Dauer seine Persönlichkeit nicht verstecken kann. Es kommt heraus, „wo jemand steht“ und welchen Habitus jemand hat. Ich kann besser mit inhaltlichen Differenzen umgehen als mit einem überheblichen, beleidigenden oder belehrenden Ton. Obwohl auch dabei natürlich irrationale Elemente hineinspielen: Jemandem, den man sympathisch findet, verzeiht man eher, als jemandem, der ohnehin nicht sehr anziehend wirkt. Das traurigste Erlebnis war die Kränkung einer Freundin durch einen befreundeten Blogger in einem Kommentarstrang. Sie fühlte sich von mir nicht hinreichend unterstützt und es kam zum Bruch. Das tut mir immer noch leid.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Menschen im „Real Life“ kennenzulernen, mit denen ich übers Bloggen bekannt wurde: z.B. Alban Nikolai HerbstPhyllis KiehlGuido Rohm, Iris, Antje Schrupp, Claudia Kilian, Hartmut Abendschein, Helmut Schulz, den Kommentator Dr. NO, der sich auf den litblogs.-net-Blogs häufig zu literarischen Themen äußert, und die Korrespondenz mit Bloggern wie Dietmar Hillebrandt, dem Bücherblogger, oder Markus Hediger in Brasilien, die ich beide auch sehr gerne einmal persönlich kennenlernen möchte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich nehme das in der Regel nicht an, weil ich mich dann doch verpflichtet fühle, über das Buch zu schreiben. Da ich nur Empfehlungen schreiben möchte, könnte das ein Problem werden. Wenn ein Buch mich nicht überzeugt, will ich auch darüber schweigen können. Daher verzichte ich in der Regel auf Rezensionsexemplare.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich habe da keine Vorbehalte. Das ist auch schon vorgekommen. Es ist ähnlich wie oben. Ich kaufe lieber, weil ich mich dann in meiner Entscheidung freier fühle, ob ich darüber schreiben will.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Siehe oben. Ich habe einen Kindle. Und ich bin begeistert. Kein Staub und keine Schlepperei.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Alban Nikolai Herbst Die Dschungel. Anderswelt, Phyllis Kiehls Tainted Talents, Iris Blütenblätter, Andreas Louis Seyerlein und Hartmut Abendscheins taberna kritika. Der Hartmut Abendschein sollte in dieser Gesprächs-Reihe auf jeden Fall zu Wort kommen. Denn er ist der Herausgeber (zusammen mit Christiane Zintzen) von litblogs.net und steht damit im Zentrum des literarischen Bloggens in deutscher Sprache  🙂

Danke sehr, Melusine. Auch für deine wunderbaren Empfehlungen und den tollen Vorschlag, Hartmut Abendschein hier zum Gespräch zu bitten.

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Zuletzt stellte sich Mareike Fallwickl aka Bücherwurm Mariki mit  Bücherwurmloch vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Klappentexterin. Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier