„Die Rabattierung ist allerdings zum Wimmern!“ – SteglitzMind stellt Sabine und Ute Gartmann mit „die schatulle“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Heute lernen wir Sabine und Ute Gartmann ein wenig näher kennen, die in Osterholz-Scharmbek die schatulle betreiben. Vorgeschlagen hatte das Torsten Meinicke vom Hamburger Buchladen Osterstraße und ich freue mich sehr, dass die Geschwister die Einladung angenommen haben.

Eine Skizze vom Laden…

Ursprüngliche Gründung war September 1979, wir beide sind seit 1987/1990 dabei. Wir sind immer in dergleichen Straße geblieben (hoch und runtergezogen) – jetzt haben wir seit zehn Jahren 100qm, Schwerpunkt ist Kinder- und Jugendbuch und Belletristik.

Warum sind Sie Buchhändlerinnen geworden?

Geschwister Gartmann  © Jürgen Heuser

Geschwister Gartmann © Jürgen Heuser

Eine von uns ist in den Stellenstopp für LehrerInnen gerasselt, die andere hat gleich eine brotlose Kunst studiert (Sozialwissenschaften) – und da gab’s die Chance, in den Buchladen unserer dritten Schwester einzusteigen: ein horizontaler Familienbetrieb und das mit Lesen verbunden klang perfekt!

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Jein – den Beruf selber finden wir immer noch klasse, zumindest in einem kleinen Laden mit selbstständiger Form der Arbeit (alle können alles machen), die Rahmenbedingungen gerade auch in Kleinstädten werden allerdings immer schwieriger – Stichwort verkaufsoffene Sonntage, Moonlightshopping – neue Ideen, die sich schnell erschöpfen.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Zum Glück mehr Urlaub, veränderte Erwartungen von Kunden, die „schon mal im Internet geguckt“ haben – nur leider auf den unmöglichsten Seiten … Um zu bestehen sind immer mehr und neue Ideen notwendig – das ist zum Teil anstrengend, macht den Job aber auch interessanter.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir haben seit geraumer Zeit eine Homepage mit Online Shop, die wir im Laden auf’s unterschiedlichste bewerben … speziell bei miesem Wetter und in Stresszeiten (Weihnachten) gibt’s viele Bestellungen. Unsere Kunden finden’s gut, online zu bestellen und dann die Möglichkeit der Abholung zu haben. – Präsent sind wir zudem bei Facebook.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Eine Katastrophe wäre ein Aufheben der Ladenpreisbindung! Zur Zeit profitieren wir – sind seit drei Monaten Monopolisten, nachdem sich ursprünglich zu Höchstzeiten fünf Buchhandlungen in der Stadt tummelten.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Bei Fahrrad- und Wanderurlauben finden wir’s auch selbst praktisch – unseren Kunden gefällt, dass man bei uns bar bezahlt, der Link nach Hause geschickt wird und ökonomische Daten nicht im Internet herumgeistern. Die Rabattierung ist allerdings zum Wimmern!

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Aus der Region tun wir das bereits – alles andere wäre für uns zu unübersichtlich – außerdem halten wir die Arbeit von Verlagen für sinnvoll!

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

die schatulle  © privat

die schatulle © privat

Neben Lesungen, Büchertischen, Buchvorstellungen.. machen wir eine Veranstaltungsreihe schatulle 31 – am jeweils 31. des Monats machen wir etwas, was uns Spaß macht, das kann mal ein Waldspaziergang sein, mal eine Exkursion zu den Kranichen, aber auch mit Kollegen aus anderen Branchen ein Rosenfest, eine Schnapslesung zum 33.Geburtstag. Die Resonanz bei unseren Kunden ist gut.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

  • Einkaufswege mit uns als Kunden abzusprechen: wir arbeiten gern mit fitten Vertretern, haben keine Lust auf „Telefonbetreuung“
  • „Zwangspraktika“ – Lektoren arbeiten einen Tag in einer Kleinstadt/Vorstadtbuchhandlung; Buchhändler in einer Verlagsabteilung
  • eine längere Frist zwischen Hardcover- und Taschenbuch-Ausgaben – minimum eineinhalb Jahre, um gutgehende Titel auch besser und länger verkaufen zu können vs. Schnelllebigkeit

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

  • Kampf um den gebundenen Ladenpreis
  • Umbau der MVB (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels)

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Der Spagat zwischen Anspruch und Verkäuflichkeit…

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Es riecht gut, es sind nette Menschen vor und hinter dem Tresen, mit Chance entstehen interessante Gespräche und last but not least – jede Menge schöner Bücher zum Anschauen/Lesen/Grabbeln

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Claudia und/oder Erich Kleene aus der Bücherinsel Dieburg

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Eine Übersicht, wer bislang Rede und Antwort stand, findet sich hier und zu allen empfohlenen Buchhandlungen geht es hier. Zum “Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen” gelangt Ihr hier. Und falls sich wer die Frage stellen sollte, einmal Buchhändler, immer Buchhändler?, wird hier fündig

Einmal Buchhändler. Immer Buchhändler!?

Buchhändler sind Idealisten. Unverbesserliche Idealisten sogar und Züge vom Romantiker haben sie auch. Sie lieben ihren Beruf nahezu bedingungslos und hängen ihn auch dann nicht an den Nagel, wenn das Einkommen gering ist, Stress und Überstunden überhand nehmen und die Zukunftsaussichten düster sind. Buchhändler bleiben bei der Stange, weil sie Bücher lieben!

Buchhandlung Moby Dick  © Ingo Herrmann

Buchhandlung Moby Dick © Ingo Herrmann

Nahezu unisono haben diejenigen, die mir bislang dankenswerterweise im Rahmen der Reihe “SteglitzMind stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” Rede und Antwort standen, ihr Hobby zum Beruf gemacht. Fast alle antworteten auf die Frage, warum sie Buchhändler/in geworden sind, dass sie von Kindesbeinen an Buchliebhaber und begeisterte Leser gewesen sind und sich deshalb für eine Laufbahn als Buchhändler entschieden haben. Bei einigen fiel bei der Berufswahl neben der Leidenschaft für das Buch auch die Freude am Umgang mit Menschen ins Gewicht. – Zwei Gesprächspartner entschieden sich politisch motiviert für den Beruf, für andere war die Karriere anfangs lediglich ein Notnagel, weil der ursprüngliche Traumberuf nicht verwirklicht werden konnte. Anderen wurde die Karriere nebst Laden in die Wiege gelegt, da sie aus Buchhändlerfamilien stammen.

„Ich habe tatsächlich mit Anfang 20 gedacht, mach mal dein Hobby zum Beruf. So richtig Ahnung hatte ich nicht.“- Maria Glusgold-Drews vom Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

„Eigentlich habe ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht, ich war schon immer absolut fasziniert von Büchern und den Welten, die sich durch sie eröffnen.“ – Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach

„Diese Entscheidung ist bei der  Befragung zum Berufswunsch in der ersten Schulklasse gefallen. Danach kam ein anderer Beruf nicht mehr in Frage. Natürlich lese ich gerne aber ich verkaufe auch sehr gerne. Beides zu kombinieren ist mein Traumberuf.“ – Britta Beecken von der Berliner Buchkantine

„Weil ich mich schon immer in Geschichten verlieren konnte, weil ich gerne über das, was ich gelesen habe, rede und gerne Umgang mit anderen Menschen habe. Wahrscheinlich habe ich dadurch in Sachen Literatur ein gewisses Sendungsbewusstsein entwickelt. Auf den Punkt gebracht: weil ich mir ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen kann. – Brigitte Gode von der Gollenstein Buchhandlung in Blieskastel

Ich liebe Bücher, ich bin Übersetzer, Schriftsteller und betreibe einen kleinen Verlag in meine Heimatstadt Barcelona. Der nächste logische Schritt war Buchhändler zu werden in der Stadt, in der ich seit 15 Jahren lebe. – David Armengou von Echo Bücher im Berliner Wedding

„Eher durch Zufall und als Quereinsteigerin. Mein Wunschstudium hätte mich arbeitslos gemacht und der Raum, in dem sich die Buchhandlung befindet, hat mich schon als Kundin fasziniert.“ – Anna Jeller von der Wiener Buchhandlung Anna Jeller

„Aus Liebe zu den Büchern – ist wohl die Standartantwort, aber stimmt natürlich. Mit zehn Jahren war mir klar, dass es für mich nur einen Beruf gibt: Buchhändlerin. Zum Glück hat es geklappt und ich bin nach wie vor mit Leib und Seele dabei.“ – Trix Niederhauser von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental (Schweiz)

Buchhandlung cohen + dobernigg © cohen + dobernigg

Buchhandlung cohen + dobernigg © cohen + dobernigg

Wie gesagt: Buchhändler sind Idealisten; auch unter schwierigen Bedingungen halten sie an ihrer Leidenschaft fest. Bedingungslos! Jeder Zweite der 43 Gesprächspartner beantwortete die Frage, ob ihm heute abermals eine Laufbahn als Buchhändler in den Sinn käme, mit einem klaren Bekenntnis zu seinem Traumberuf.

„Ja, sofort und unbedingt würde ich wieder eine Buchhandlung aufmachen! Gibt es denn etwas Abwechslungsreicheres als Bücher? Als Buchhändlerin in einem abhängigen Arbeitsverhältnis würde ich wohl nicht so gerne arbeiten.“ – Rosemarie Reif-Ruppert von der Gostenhofer Buchhandlung in Nürnberg

„Jetzt erst recht!“ – Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

„Na klar! Die heutigen Bedingungen bieten uns doch sehr viele Chancen.“ – Thomas Bleitner von der Hamburger Buchhandlung Lüders

„Ja. Ich glaube das Jammertal ist langsam durchschritten. Die ehemaligen Marktriesen bluten, das Internet ist etabliert und die unabhängigen Buchhandlungen, die bis jetzt durchgehalten haben, haben in meinen Augen auch eine reelle Chance ihren Platz zu behaupten.“ – Mila Becker von Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

„Was gibt es schöneres, als täglich neue Perlen auf dem Büchermarkt entdecken zu können und anderen davon erzählen zu dürfen?!“ – Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus im sächsischen Tharandt

„Wenn der Freiraum zum selbst bestimmten Arbeiten vorhanden ist wie bei uns, jederzeit wieder, denn der tägliche Kampf gegen Verblödung und Konzentration im Buchhandel kann auch sehr unterhaltsam sein.“ – Torsten Meinicke vom Hamburger Buchladen Osterstraße

„Ja natürlich würde ich heute wieder Buchhändlerin werden, weil der Grundgedanke: Lesen und zum Lesen motivieren sich nicht geändert hat bzw. nicht ändern wird.“ –  Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Buchladen Mascha Kascha © Mascha Kascha

Buchladen Mascha Kascha © Mascha Kascha

15 Gesprächspartner taten sich mit der Antwort auf die Frage schwer, ob sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für ihren Beruf entscheiden würden. Herz und Bauch sagten zwar „ja“, der Kopf allerdings riet dazu, die Finger vom Buchhandel besser zu lassen.

„Schwer zu sagen, weil ich eigentlich mehr oder weniger so reingeschlittert bin. Gefühlsmäßig schwanke ich permanent zwischen ‚Ja‘ und ‚Nein‘. Wenn ich nachrechne, was ich in meinem ursprünglichen Beruf verdient hätte, dominiert das „Nein“, wenn ich auf meinen Bauch höre das ‚Ja‘“. – Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster in Ganderkesee

„Schwierige Frage. Es kommt für mich drauf an, wo man letztlich hin will. Für eine Karriere, Filialleiterin, Geschäftsführerin oder eben Inhaberin, klares Ja. Für ein paar Stunden neben den Kindern und der Familie, auch auf jeden Fall. Aber als einfaches Buchhändlerlein vor sich hinzuarbeiten und versuchen, sich noch eine Rente aufzubauen – wahrscheinlich nicht.“ Nicole Jünger vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

„Schwere Frage. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden und wenn ich wieder 30 wäre, dann wohl ja. Ich wüsste ja dann auch gar nicht, WAS da auf mich zukäme!“ – Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

„Ich weiß es nicht. Einerseits hat er nichts von seiner Faszination verloren. Andererseits wandelt sich unsere Branche so sehr, sodass gerade der Beruf der Buchhändlerin besonders vom Wandel betroffen ist. Sicher ist, dass heute noch viel mehr dazu gehört als Mitte der 70er Jahre. Als junger Mensch hätte ich aber vielleicht auch ganz viele Ideen, wie ich diesen Beruf neu füllen könnte. Insofern: Ich weiß es wirklich nicht!“ – Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

„Jein – den Beruf selber finden wir immer noch klasse, zumindest in einem kleinen Laden mit selbstständiger Form der Arbeit (alle können alles machen), die Rahmenbedingungen gerade auch in Kleinstädten werden allerdings immer schwieriger.“ Sabine und Ute Gartmann von der Buchhandlung die schatuelle, Osterholz-Scharmbek – diesen Beitrag könnt Ihr ab 4. Februar hier in Gänze nachlesen

„Im Nachhinein stellt sich für mich vielmehr die generelle Frage, ob es nicht auch eine ökonomisch aussichtsreichere Alternative zu Geisteswissenschaft und Kulturbetrieb gegeben hätte. Andererseits ist man eben einfach durch seine Neigungen und Interessen bestimmt; wenn man ihnen grundlegend zuwiderhandelt, muss man sich dreißig und mehr Jahre in Zusammenhängen bewegen, die nicht die eigenen sind. Insofern: Ja, ich würde wahrscheinlich wieder einen ähnlichen Weg gehen.“ – Stefanie Diez von der Buchhandlung Die Insel im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg

Taschenbuchladen  © Taschenbuchladen

Taschenbuchladen © Taschenbuchladen

Lediglich sieben der Befragten würden als Berufsanfänger heute andere Weichen stellen. Sie beantworteten die Frage, ob sie sich abermals für eine Laufbahn als Buchhändler entscheiden würden, mit „nein“.

„Nein. Und schon gar nicht, wenn es für mehr als einen selbst reichen muss (finanziell).“- Maria Glusgold-Drews vom Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

„Wahrscheinlich nicht, weil die Zukunftsaussichten nicht wirklich rosig sind. Wie es mit dem Buchhandel in zehn oder zwanzig Jahren aussehen wird, weiß niemand. Aber einfacher wird es nicht für die kleinen unabhängigen Buchhandlungen. Man braucht heute noch mehr Idealismus um diesen Beruf zu erlernen, als ich damals vor zehn Jahren.“ – Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

„Nein, weil ich schon mittelfristig keine Perspektive für das Berufsbild sehe. Zu einschneidend sind die Veränderungen und Verwerfungen in der Branche.“ – Thomas Calliebe von der Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

„Nein. Leider ist meiner Meinung nach die Zeit des Einzelhandels insgesamt vorbei. Das große Geschäft macht heute schon fast allein Amazon.“ – Lutz Heimhalt von der gleichnamigen Buchhandlung in Hamburg. Sein Beitrag ist hier in Gänze ab 18. Februar zu lesen

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Eine Übersicht, wer bislang Rede und Antwort stand, findet sich hier und zu allen empfohlenen Buchhandlungen geht es hier. Zum „Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen“ gelangt Ihr hier

„Thematische Buchhandlungen sind die Zukunft der Buchhandlung.“ SteglitzMind stellt David Armengou von „Echo Bücher“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir mehr über Echo Bücher in Berlin/Wedding erfahren sollten, wo u.a. Bücher und Schallplatten präsentiert werden, hatte das Team der Berliner Buchhandlung Pro qm vorgeschlagen. Ich freue mich sehr, dass der gebürtige Spanier David Armengou, der seit geraumer Zeit in Berlin lebt, der Einladung gefolgt ist.

Eine Skizze vom Laden…

Echo Bücher ist ein Experiment. Es ist zwar ein Buchladen, aber zugleich auch ein Plattenladen, Eventspace, Ausstellungsraum, Shop und Kaffeebar. Echo Bücher wurde im Juli 2013 in Berlin-Wedding eröffnet und beschäftigt sich mit zeitgenössischer elektronische Musik und Clubkultur.

David Armengou © Juny Brullet

David Armengou © Juny Brullet

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

Ich liebe Bücher, ich bin Übersetzer, Schriftsteller und betreibe einen kleinen Verlag in meiner Heimatstadt Barcelona. Der nächste logische Schritt war Buchhändler zu werden in der Stadt, in der ich seit 15 Jahren lebe.

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Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ich kann diese Frage noch nicht beantworten, da ich gerade erst eröffnet habe.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

In den vergangenen sechs Monaten hat sich vieles in meinem Alltag verändert, vor allem ein neues Zuhause, der Buchladen, ein Ort wo ich jeden Tag Menschen treffe, die etwas Gemeinsames mit mir teilen: die Leidenschaft zu elektronischer Musik.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Unsere Webseite wird bald bereit sein. Selbstverständlich kann man dort dann Bücher kaufen, aber mir persönlich wäre es viel lieber, wenn die Kunden zu uns kommen würden. Vor Ort kann man viel entdecken, Kunst, Musik, interessante Gespräche führen oder ganz einfach einen Kaffee trinken. – Bis unsere Webseite mit Programm, Archiv und Online-Shop fertig ist, sind wir hauptsächlich bei Facebook aktiv.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Thematische Buchhandlungen sind die Zukunft der Buchhandlung. Wichtig ist, eine kleine, gute Auswahl an Büchern zu bieten und einen Ort, an dem sich der Kunde wohl fühlt und vieles Interessantes findet.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Ich habe noch nie ein digitales Buch gelesen. Es interessiert mich einfach nicht. Aber ich habe nichts dagegen, im Gegenteil, das E-Book bringt viele Menschen dazu, das Lesen wieder oder neu zu entdecken und hoffentlich Bücher zu kaufen und mehr zu lesen.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

so schaut's aus © Juny Brullet

so schaut’s aus © Juny Brullet

Auf jeden Fall. Bis jetzt haben wir keine derartigen Anfragen von Autoren bekommen, aber wir haben jede Menge Musik im Sortiment von Musikern, die ihre eigene Musik vertreiben. Meistens in CD oder Kassetten-Format.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Man muss etwas anderes zum Buch dazu bieten. Die Möglichkeit zum Beispiel, andere Menschen mit gemeinsamen Interessen zu treffen. Wir haben auch viele Bücher im Regal, die mir gehören und unverkäuflich sind. Es sind Bücher die out of print sind, Bücher die man sehr selten kaufen kann. So gesehen ist Echo Bücher auch eine kleine Bibliothek für Technokultur. Einige Kunden kommen zu uns, einfach um die Bücher zu lesen und Kaffee zu trinken.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Bücher über elektronische Musik gibt es noch relativ wenige, aber die größeren Verlage wie Suhrkamp oder Bloomsbury haben gerade ein großes Potenzial entdeckt. Es wäre toll wenn die Kleinstverlage, Independents und Self Publisher mehr Produkte über dieses Fach veröffentlichen würden.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Der Börsenverein sollte die Kleinstverlage besser unterstützen und die Vertriebskanäle optimieren.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Unser Ziel ist es, eine neue Szene zu schaffen: Technokultur zum Lesen und Genießen.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

zu Besuch bei Echo Bücher  © Juny Brullet

zu Gast bei Echo Bücher © Juny Brullet

Der Besuch in einer Buchhandlung erweitert Horizonte. Schon ganz einfach, um das zu finden, was die digitale Welt und das Netz uns nicht bringen kann: Kontakt mit Menschen, Ideen, Austausch, Freunde finden. Der Besuch einer Buchhandlung bringt uns einfach dazu, ein im Geist reicherer Mensch zu werden.

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Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

La Central in Barcelona, L’écume des pages in Paris, Aoyama Book Center in Roppongi (Tokyo). Zu Wort kommen sollten Gudberg in Hamburg oder Motto in Berlin … Und Pro qm, aber die standen hier ja bereits Rede und Antwort.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

Vorsicht, Buchhändler! – Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Seit einem halben Jahr stellen sich hier Buchhändlerinnen und Buchhändler vor. Mich interessiert, wie sie mit den Folgen der Digitalisierung umgehen, welche Chancen und Risiken sie sehen und wo sie Weichen stellen, um zukunftsfähig zu bleiben. Deshalb habe ich seit Juli vergangenen Jahres 133 Buchhandlungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz darum gebeten, einige standardisierte Fragen zu beantworten. Mitgemacht haben bis zum heutigen Tag 42 Sortimenter.

Obschon ich mir eine etwas regere Beteiligung erhofft hatte, ist doch so viel Stoff zusammengekommen, dass ich mich in der Pflicht sehe, die Gespräche zu resümieren und einige Thesen zu formulieren. Da viele Statements der Buchhändler und Buchhändlerinnen für sich stehen, habe ich mich zudem entschieden, die Interviewten im Rahmen der Rückschau abermals zu Wort kommen zu lassen. Und zwar in Form einer Auswahl, die ich aus den eingegangenen Antworten treffe. Obwohl es meine persönlichen Preziosen sind, nenne ich das der Einfachheit halber „Best of“.

Buchhandlung Lessing und Kompanie © Lessing und Kompanie

Buchhandlung Lessing und Kompanie © Lessing und Kompanie

Den Anfang machen heute Antworten auf die Frage „Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?“ Wer sollte es besser wissen, womit Buchhandlungen bei Kunden punkten, als diejenigen, die in ihrem Laden Tag für Tag um Anerkennung, Kundschaft und teilweise auch ums Überleben kämpfen?

Vielleicht heißt die nächste Kampagne, die auf’s Lesen und Bücher neugierig machen will, ja „Vorsicht, Buchhändler!“? – Lust, einen Buchladen zu besuchen, dürften die Stellungnahmen jedenfalls machen…

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Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

„Weil es lebendig ist, gute Laune machend, entspannend und anregend, menschlich und persönlich. Und weil es Bücher gibt. Bücher! Himmel!“ Nicole Jünger vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

„Weil Bücher etwas Tolles, etwas Faszinierendes sind. Weil man über Bücher sprechen sollte, und über die Besonderen ohnehin. Weil sonst die Gefahr besteht, dass man sie übersieht, übergeht. Und weil man in einer Buchhandlung Anregung, Inspiration bekommt – auch mal was anderes zu lesen, zu erfahren. Und weil Buchhandlungen einfach schön sind.“ Gaby Kellner von Barbaras Bücherstube in Moosburg

„Der Besuch einer Buchhandlung bringt uns einfach dazu, ein im Geist reicherer Mensch zu werden.“ David Armengou von Echo Bücher, Berlin/Wedding – alle Antworten von ihm könnt Ihr hier ab 28. Januar lesen

Schroersche Buchhandlung © Schroersche Buchhandlung

Schröersche Buchhandlung © Schroersche Buchhandlung

„Buchhandlungen sind so vieles: wichtige Tankstellen für Lesefutter und unvermutete Entdeckungen, Rettungsanker für Geburtstagseinladungen und Stöberplätze für Kinder, Jugendliche und Junggebliebene. Nicht zuletzt sind sie unglaublich wichtig für das soziale Miteinander im Ort.“ Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

„Weil sie uns vermissen werden, wenn wir nicht mehr da sind!“ Brigitte Gode von der Gollenstein Buchhandlung in Blieskastel

„Weil [Kunden] auf engagierte Buchhändler treffen, die mehr sind als reine Verkäufer, denen es egal ist, was sie verkaufen, Hauptsache die Quote stimmt. Und weil sie dort jenseits von Algorithmen auf Bücher treffen, individuell ausgesucht und empfohlen. Bücher, die sie auffordern ‚lies mich!‘“ Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster, Ganderkesee

„Um sich inspirieren zu lassen. Um sich mit Anderen auszutauschen über ihre Leseerfahrungen, Lesefreuden, Büchersuche. Um sich zu entspannen und sich in angenehmer Atmosphäre eine kleine Pause zu gönnen.“ Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner von der Buchhandlung Die Buchkönigin, Berlin-Neukölln

„Damit es im buchverbreitendem Gewerbe menschlich bleibt.“ Margarete Haimberger von der Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Buchhandlung Lüders © Buchhandlung Lüders

Buchhandlung Lüders © Buchhandlung Lüders

„Wo soll man sonst seine Bücher kaufen – ein Leben ohne Buchhandlung ist wie ein Leben ohne Bierkneipe – wahlweise ohne Weinlokal.“ Klaus Kowalke von Lessing und Kompanie Literatur in Chemnitz

„Weil man die Vielseitigkeit und Schönheit von Büchern nur so erleben kann. Die Entdeckung von Büchern, auf die man sonst niemals gekommen wäre.“ Britta Beecken von der Berliner Buchkantine

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„Weil wir aus dem Meer der Bücher die besten Perlen fischen.“ John Cohen von der Hamburger Buchhandlung cohen + dobernigg

„Weil sie Bücher lieben! Weil sie sich wohlfühlen in der Gesellschaft von Büchern und gerne Neues entdecken, das Gespräch darüber suchen oder einfach auch nur den Austausch mit ihrer Buchhändlerin. Und natürlich, um sich Bücher zu kaufen!“ Bettina Haenitsch von der Buchhandlung der buchladen in Seligenstadt

„Weil Buchhandlungen im Idealfall lebendige Orte der Entdeckung und Begegnung sind, die sich durch Individualität und Engagement auszeichnen.“ Holger Brandstädt von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung, Ueckermünde

„Profan gesagt, um ein Buch zu kaufen, was man vielleicht gar nicht suchte, es aber trotzdem großartig findet. Die Buchhandlung ist nicht nur geistiger Ort in einer Stadt, sondern auch Kommunikationspunkt, Wohlfühlort und kultureller Botschafter…“ Heike Wenige vom Taschenbuchladen im sächsischen Freiberg

Buchhandlung Pro qm  ©  Katja Eydel

Buchhandlung Pro qm © Katja Eydel

„Letztlich gibt es ein paar tausend Gründe … vom Glücksgefühl bis zum Trennungsschmerz. Man muss nur neugierig sein!“ Beate und Mischa Klemm mit der Buchhandlung lesen und lesen lassen, Berlin/Friedrichshain

„Weil Buchhandlungen besondere Orte sind und es dort wie eh und je sehr viel zu entdecken gibt! Ein Buchladen ist ein lebendiger, kreativer Prozess, der sich zwischen den Repräsentanten des Geschäfts und seinem Publikum abspielt: Wir zünden den Funken in unseren Kunden und umgekehrt bekommen wir viele Anregungen zurück, die dann wieder in unser Sortiment einfließen.“ Stefanie Diez von der Buchhandlung Die Insel im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg

„Buchkauf ist Vertrauenssache, darum! Wir fragen auch nach dem Grund des Wunsches, um das optimal passende Buch für den Kunden zu finden, bieten Alternativen und Ergänzung und ganz wichtig: raten auch ab!“ Edda Braun von der Buchhandlung am Turm, Ochsenfurt

Anna Jeller Buchhandlung ©  Jacqueline Godany

Anna Jeller Buchhandlung © Jacqueline Godany

„Es riecht gut, es sind nette Menschen vor und hinter dem Tresen, mit Chance entstehen interessante Gespräche und last but not least – jede Menge schöner Bücher zum Anschauen/Lesen/Grabbeln.“ Sabine und Ute Gartmann von der Buchhandlung die schatuelle, Osterholz-Scharmbek – diesen Beitrag könnt Ihr ab 4. Februar hier in Gänze nachlesen

„Um Freude zu haben!“ Thomas Bleitner von der Hamburger Buchhandlung Lüders

„Durch die neuen Medien ist alles hektischer geworden.“ SteglitzMind stellt Daniela Binder von „Obergass Bücher“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir Daniela Binder von der Buchhandlung Obergass Bücher etwas näher kennenlernen sollten, die im schweizerischen Winterthur zu finden ist, hatte Bettina Schnerr-Laube vorgeschlagen. – Ich freue mich, dass Daniela Binder dabei ist.

Eine Skizze vom Laden…

Mitten in der Winterthurer Altstadt gelegen. Die Buchhandlung wurde 1968 begründet, seit November 1999 unter dem Namen Obergass Bücher. Schwerpunkte: Belletristik Erwachsene, Kinder- und Jugendbuch. Beratung.

Warum sind Sie Buchhändlerin geworden?

Daniela Binder © Obergass Bücher

Daniela Binder © Obergass Bücher

Lesen: immer schon die große Leidenschaft. Freude am Umgang mit Menschen.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Kann ich so nicht beantworten. Vielleicht eher nicht.

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Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Viel mehr Administratives. Durch die neuen Medien ist alles hektischer geworden.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir haben seit Jahren eine Homepage. Zusätzlich versenden mir monatlich einen elektronischen Newsletter.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Internet/Wegfallende Budgets bei Bibliotheken und Schulen.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Bestellmöglichkeit über Homepage, ab Januar auch im direkt im Laden.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self-Publishern anzubieten?

Nein.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

so schaut's innen aus © Obergass Bücher

so schaut’s innen aus © Obergass Bücher

Persönliche Beratung, 4 x Jahr eigene Hauszeitung (über unsere Homepage Obergass Blätter ersichtlich), Buchvorstellungen mit aktueller Belletristik in diversen Bibliotheken fürs dortige Publikum.

Was würden Sie sich vom Schweizer Buchhändlerverband wünschen?

Bin sehr zufrieden mit der Arbeit des Verbandes, dieser kann aber auch nicht zaubern und die Schwierigkeiten beseitigen, die unsere Branche bedrohen.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil sie den persönlichen Kontakt, die Beratung suchen.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Buchhandlung zur Rose, St. Gallen und die Züricher Buchhandlung Hirslanden

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

„Man kehrt einem Beruf, den man mit Leidenschaft ausübt, nicht einfach den Rücken, weil die Bedingungen schwieriger geworden sind.“ – SteglitzMind stellt Brigitte Gode von der Gollenstein Buchhandlung vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir die Gollenstein Buchhandlung kennenlernen sollten, die in Blieskastel (nahe Homburg und Saarbrücken) ansässig ist, hatte Blogleserin arise vorgeschlagen. – Ich freue mich sehr, dass Brigitte Gode der Einladung gefolgt ist und sich und ihren Buchladen heute vorstellt.

Eine Skizze vom Laden…

Die Gollenstein Buchhandlung wurde von mir im Jahr 2005 gegründet. Mit mir zusammen arbeitet meine Tochter Annabelle. Wir repräsentieren also zwei Generationen, was von den Kunden sehr geschätzt wird. Auf 70 qm in der historischen Altstadt von Blieskastel bieten wir ein allgemeines Sortiment. Unser Schwerpunkt liegt auf der Belletristik und dem Kinder- und Jugendbuch. Letzterem räumen wir einen besonderen Platz ein, ergänzt durch hochwertige Spiele der Firma Haba.

Warum sind Sie Buchhändlerin geworden?

Brigitte Gode  © privat

Brigitte Gode © privat

Weil ich mich schon immer in Geschichten verlieren konnte, weil ich gerne über das, was ich gelesen habe, rede und gerne Umgang mit anderen Menschen habe. Wahrscheinlich habe ich dadurch in Sachen Literatur ein gewisses Sendungsbewusstsein entwickelt. Auf den Punkt gebracht: weil ich mir ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen kann.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Aus heutiger Sicht ist es natürlich schwer zu entscheiden, wie ich mich als Berufseinsteigerin entscheiden würde. Aber nach fast 40 Jahren im Buchhandel und dem unerschütterlichen Optimismus, mit dem ich ausgestattet bin, kann ich die Frage nur mit Ja beantworten. Außerdem, siehe oben, was könnte man mit solchen Veranlagungen Besseres tun? Man kehrt einem Beruf, den man mit Leidenschaft ausübt, nicht einfach den Rücken, weil die Bedingungen schwieriger geworden sind. Ich würde einem Berufsanfänger heute aber raten, sich diesen Schritt sehr genau zu überlegen und empfehlen, seine Motivation für diesen Beruf sehr genau zu hinterfragen.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Ich gehöre der Generation an, die das Bibliographieren anhand von dickleibigen Katalogen gelernt und mit Buchlaufkarten hantiert hat. Elektronisches Bibliographieren, Warenwirtschaftssysteme, Online-Shops und E-Books haben unseren Alltag grundlegend verändert, in vielen Bereichen auch leichter gemacht. Andererseits stehen wir heute einem ganz anderen Kundentypus gegenüber. Viele Kunden sind vorinformiert, haben schon „bei Amazon nachgesehen“, Internetrezensionen gelesen und stellen daher höhere Anforderungen an die Beratung.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir betreiben einen Online-Shop über unser Barsortiment und bewerben diesen auch. Wir verzeichnen zunehmende Frequenz über diesen Bestellweg, sowohl von Stammkunden, die die Bequemlichkeit zu schätzen wissen, als auch von Neukunden, die wir dann sehen, wenn sie ihre Bücher abholen. Wir machen die Erfahrung, dass die Online-Kunden selten den Versandweg wählen, sondern ihre Bestellung in der Buchhandlung abholen. Ein Zeichen dafür, dass der persönliche Kontakt nach wie vor geschätzt wird. Wenn wir die Stimme gegen Amazon erheben, müssen wir etwas entgegensetzen. Deshalb sollte heute jeder Buchhändler diese Bestellmöglichkeit anbieten.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

hereinspaziert... © Gollenstein Buchhandlung

hereinspaziert… © Gollenstein Buchhandlung

Wir sind eine typische Kleinstadtbuchhandlung und außerdem konkurrenzlos. Insofern haben wir keine Standortprobleme. Wenngleich die Situation in Kleinstädten eine eigene Problematik besitzt: Unvollständiger Branchenmix, unterschiedliche Öffnungszeiten und dadurch weniger Kundenfrequenz. Ich engagiere mich in meiner Stadt, habe angeregt und in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung auch erreicht, dass Blieskastel, eine schöne kleine Barockresidenz, Città slow geworden ist. Weil ich es für überlebenswichtig halte, dass Kleinstädte ihre Qualitäten verstärkt bewusst machen, mit ihrer einzigartigen Atmosphäre punkten.

Die größte Gefahr lauert nach meiner Einschätzung im Internet. Wenn es uns nicht gelingt, gerade die jüngere internetaffine Generation aufzurütteln und sie zum Nachdenken über die Folgen ihrer Bequemlichkeit zu bringen, dann hat das nicht nur für den Buchhandel verheerende Folgen. Eine Stadt ohne lebendigen Handel ist eine tote Stadt, ohne Lebensqualität. Die Buy local-Initiative zielt genau in die richtige Richtung. Wirklich nachhaltigen Erfolg kann die Initiative nur erreichen, wenn es gelingt, vor allem die Kommunalpolitiker ins Boot zu holen und zum Umdenken zu bringen.

Was nützt die schönste Kampagne, wenn Stadträte weiterhin in den besten Innenstadtlagen überdimensionierte Shopping-Center genehmigen?

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Nun, ich betreibe eine Buchhandlung, kein Elektronik-Fachgeschäft. Ich bin nicht bereit, meine Energie in etwas zu investieren, von dem wir genau wissen, dass es uns nie ein wirtschaftliches Auskommen sichern wird. Was haben wir davon, wenn wir uns mühsam die technischen Kenntnisse unterschiedlicher Reader aneignen, um dann mit einer lächerlich geringen Gewinnspanne alle paar Monate einen Reader zu verkaufen? In der Liga derjenigen, die mit diesem Geschäft Gewinne machen, können wir Kleinen nicht mitspielen. Nachdem sich die Tolino-Verhandlungen des Börsenvereins zerschlagen haben, sehe ich kaum noch Chancen in diesem Geschäft nennenswert mitzumischen. Ich sehe unsere Aufgabe darin, den elektronischen Content zur Verfügung zu stellen. Wir bieten in unserem Web-Shop die Möglichkeit E-Books herunterzuladen. Wir klären unsere Kunden auch darüber auf. Die Diskussionen um Amazon haben dazu geführt, dass verstärkt nach alternativen Download-Möglichkeiten gefragt wird.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Ein klares Nein, ausgenommen vielleicht Autoren aus dem regionalen Umfeld. Ich vertraue  lieber der professionellen Selektion durch die Verlage. Wir wollen uns nichts vormachen, das meiste was auf dem Gebiet entsteht, ist aus dem Bedürfnis nach Selbstverwirklichung entstanden. Es mag Ausnahmen geben, aber in aller Regel lassen diese Machwerke qualitativ zu wünschen übrig. Ich möchte mit gutem Gewissen hinter dem stehen, was ich meinen Kunden empfehle. Das erwartet man auch von mir.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Vorleseaktion mit der Patenschule  © privat

Vorleseaktion mit der Patenschule © privat

Da nenne ich jetzt die beiden „abgedroschensten“ Phrasen aus dem „angestaubten“ Buchhändlervokabular: Atmosphäre und Beratungskompetenz. Aber es ist nun mal so. Bei uns ist es bunt und gemütlich und wir sind zwei gestandene Buchhändlerinnen, die wissen, was sie tun.

Was soll ich sonst dazu sagen? Wir arbeiten keine Bestsellerlisten ab, sondern setzen uns für die Bücher ein, von denen wir überzeugt sind. Wir werten uns und unsere Bücher auch nicht mit MA vor der Tür ab. Außerdem engagieren wir uns sehr für den Lesenachwuchs. Wir sind eine Lesepatenschaft mit einer weiterführenden Schule eingegangen, das heißt, wir unterstützen die Schülerbibliothek, sponsern Lesungen und helfen mit, die Schüler auf den Vorlesewettbewerb vorzubereiten.

Unser bester Werbeträger hängt an der Decke, ist bunt, leuchtet 24 Stunden und heißt Kronleuchter. Das Ding besitzt magische Kräfte.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Zuallererst: vertraut auf euer angestammtes Produkt. Das Buch hat schließlich auch die Erfindung des Fernsehens und des Internets überlebt. Neuerdings wird kolportiert, dass in den USA der E-Book Umsatz stagniert und das Hardcover zulegt. Na also!

Und dann: Sucht sorgfältiger aus, strafft die Programme. Das gäbe dem Buch eine größere Wertigkeit. Nicht alles, was gedruckt werden kann, muss auch gedruckt werden.

Und drittens: Kümmert euch mit dem Marketing mehr um die kleineren und mittleren Buchhandlungen. Schnürt Pakete, die zu unserer Größe passen. Stellt uns auch bei kleineren Bestellmengen Werbematerial und Leseexemplare zur Verfügung. Wir, die Indis, sind diejenigen, die sich auch für die Bücher einsetzen, die nicht auf den Bestsellerlisten landen.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Ich bin selbst seit vielen Jahren im Ehrenamt engagiert und deshalb sicherlich voreingenommen. Es wird ja immer wieder unter Kollegen diskutiert, ob man den Börsenverein wirklich braucht und ob man sich den Beitrag nicht sparen könnte. Ich halte ihn für enorm wichtig, weil wir eine sehr sensible Branche sind und daher eine starke Branchenvertretung brauchen. Das kann nur der Börsenverein leisten. Ich wünsche mir, dass die Kampagne „Vorsicht Buch“ noch mehr Fahrt aufnimmt und dass es den Verantwortlichen gelingt, noch mehr Kollegen dafür zu begeistern.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Wir hatten einen fantastischen Bücherherbst mit so vielen guten Büchern wie selten. Die Frühjahrsvorschauen sind inzwischen eingetrudelt und müssen noch gesichtet werden. Wäre schön, wenn auch im Frühjahr die literarischen Quellen so ergiebig sprudeln würden.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil sie uns vermissen werden, wenn wir nicht mehr da sind!

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Für mich als Vertreterin der saarländischen Buchhändler ist das jetzt ein bisschen heikel. Ich schätze die Arbeit aller Kollegen, deshalb nenne ich jetzt eine Buchhandlung aus Cochem, die sehr engagierte Cornelia Layaa-Laulhé.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

„Der tägliche Kampf gegen Verblödung und Konzentration im Buchhandel kann auch sehr unterhaltsam sein.“ – SteglitzMind stellt Torsten Meinicke vom Buchladen Osterstraße vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir Torsten Meinicke vom Hamburger Buchladen Osterstraße etwas näher kennenlernen sollten, das hatte Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung vorgeschlagen.

Eine Skizze vom Laden …

Der „Buchladen in der Osterstraße“ wurde eben dort, im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel, 1978 als politische Stadtteilbuchhandlung in Selbstverwaltung gegründet. Das ist der Laden – nach diversen Veränderungen wie Umzug auf die andere Straßenseite und Vergrößerung auf ca. 80 qm – immer noch. Zurzeit wird der Laden von drei Menschen betrieben.

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

Torsten Meinicke © Buchladen Osterstraße

Torsten Meinicke © Buchladen Osterstraße

Weil mir nach einem (abgebrochenen) Geschichtsstudium und einer Umschulung zum Buchhändler, die Möglichkeit vor die Füße fiel, in der Osterstrasse weitgehend selbst bestimmt und politisch voreingenommen meine Brötchen zu verdienen. Und ja, lesen tue ich auch gerne…

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Angestellt, womöglich noch bei einer der großen Ketten, sicherlich nicht. Wenn der Freiraum zum selbst bestimmten Arbeiten vorhanden ist wie bei uns, jederzeit wieder, denn der tägliche Kampf gegen Verblödung und Konzentration im Buchhandel kann auch sehr unterhaltsam sein.

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Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

1. Längere Ladenöffnungszeiten. 2. Serviceleistungen (Einpacken, liefern, zur Ansicht bestellen etc.) nimmt seit Jahren zu.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Unser Online-Shop hat seit wenigen Tagen geöffnet. Was die Großen können und die Fiesen mit dem a am Anfang, können wir auch. Ob es genügend Menschen merken, werden wir sehen.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Dass die Menschen, die lesen (Bücher meine ich), bald aussterben. Unsere Stammkundschaft ist im Schnitt deutlich jenseits der 50, dafür aber treu, klug und politisch interessiert. Wenn der Rest nur noch den Kaffeesatz ihres Galao liest und Nichtigkeiten auf dem Smartphone entziffert, dann wird für uns irgendwann Schluss sein.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

E-Books können bei uns bestellt werden, die Anzahl der Verkäufe ist jedoch absolut marginal. Und ich denke, das bleibt auch so, denn meiner Meinung nach werden E-Books und stationärer Buchhandel nie wirklich zusammen finden.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Nein, das liegt jedoch auch daran, dass ich diesen Markt nicht wirklich überblicke.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Viele Abende verbringen wir mit Büchertischen auf mehr oder weniger spannenden literarischen und politischen Abendveranstaltungen. Persönliche Empfehlungen von wirklich gelesenen und für gut befundenen Büchern sind der wesentliche Verkaufsmotor. Abseitig-Spannendes macht neugieriger als die Präsentation der ewig austauschbaren Stapelware.

so schaut's Innen aus © Buchladen Osterstraße

so schaut’s Innen aus © Buchladen Osterstraße

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

1. Faire Rabatte. 2. Übernahme eines Teils der Kosten bei Lesungen, denn schließlich machen wir mit unseren Lesungen Werbung für das jeweilige Buch. 3. Produziert endlich weniger Bücher!!!

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Weiter eine feste Haltung im beständigen Kampf für die Ladenpreisbindung.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die intellektuell und politisch hoch anregende Debatte, die um den Stand der Kriminalliteratur geführt wird von kompetenten Menschen wie Thomas Wörtche, Tobias Gohlis und nicht zuletzt Else Laudan von ariadne, mit der wir gerade unsere Reihe „Der Krimi wird politisch“ über die Bühne gebracht haben

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Zum Beispiel, um solch spannende Lesungen nicht zu verpassen. Und weil ständiges Galaotrinken auf die Dauer nur dick macht.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Bin ich in Berlin, bin ich immer wieder beim Kollegen Koch in der Kreuzberger Hammett-Krimibuchhandlung. Mehr krimineller Sachverstand ist in diesem Land auf so wenigen Quadratmetern nicht zu finden. Zu Wort kommen sollten aber auch die Gartmann-Sisters, die mit ihrer Schatulle seit vielen Jahren in Osterholz-Scharmbek die Provinz rocken.

Danke sehr! Und nun weiß ich auch, dass Galao in Hamburg offenbar sehr angesagt ist…

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

Weiter geht’s mit der Gesprächsreihe wieder Mitte Januar…

„Das Internet nimmt uns schon gehörig Umsatz weg.“ SteglitzMind stellt Rosemarie Reif-Ruppert von der Gostenhofer Buchhandlung vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir die Gostenhofer Buchhandlung, die in Nürnberg ansässig ist, kennenlernen sollten, das hatte sich MacG gewünscht.

Eine Skizze vom Laden…

Rosi Reif-Ruppert © Rainer Kradisch

Rosi Reif-Ruppert © Rainer Kradisch

Die Gostenhofer Buchhandlung gibt es seit 1985 in einem Nürnberger Stadtteil unweit des Altstadtrings. Als wir sie gründeten war der Stadtteil verrufen als ehemaliges „Glasscherben-Viertel“. Inzwischen hat sich viel geändert, aus dem Arbeiter und Handwerker-Viertel wurde ein Stadtteil, in dem viele Künstler ihre Ateliers haben – in den aufgelassenen Handwerks- und Industriebetrieben gibt es viel Raum für wenig Geld. Seit den ersten „Gastarbeitern“ in den 60iger Jahren leben hier auch viele Migranten, die den Stadtteil bunt und vielseitig machen, für die Buchhandlung allerdings nur bedingt Kunden bringen.

Auf ca. 60 qm bieten wir vor allem Belletristik (Krimis!) und Kinderbücher. Seit zwei Jahren sind wir auch Partnerbuchhandlung der Büchergilde Gutenberg. Wir legen großen Wert darauf, Bücher abseits des Mainstreams anzubieten.

Außer mir arbeiten noch eine Vollzeit-Buchhändlerin und drei Minijob-Buchhändlerinnen.

Warum sind Sie Buchhändlerin geworden?

Ich bin der typische Quereinsteiger: Nach zwei anderen Berufen habe ich meinen Traum verwirklichen können und – damals zusammen mit einem Freund – die Buchhandlung eröffnet, was angesichts unserer eher versteckten Lage und dem geringen finanziellen Spielraum ziemlich abenteuerlich war.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ja, sofort und unbedingt würde ich wieder eine Buchhandlung aufmachen! Gibt es denn etwas Abwechslungsreicheres als Bücher? Als Buchhändlerin in einem abhängigen Arbeitsverhältnis würde ich wohl nicht so gerne arbeiten.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Einiges: Es gibt immer mehr Verwaltungsarbeiten, Verordnungen und Gesetze, die zu beachten sind. Man denke nur an all die gesetzlichen Regelungen in Zusammenhang mit der Website. Dafür ist es viel einfacher geworden, Titel zu bibliografieren, selbst solche, die nicht im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) und in Barsortimentskatalogen auftauchen.

Wir besorgen sehr viel mehr antiquarische Titel als früher, insgesamt bieten wir viel mehr Service, um die Kunden bei Laune zu halten (das geht so weit, dass wir für Stammkunden deren Lieblings-Karamellen bereithalten)

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir haben seit Jahren eine individuelle Website mit Buchtipps, Veranstaltungsinformationen u.a., in die wir den Shop von KNV eingebunden haben. Der wird vor allem von unseren Stammkunden benutzt, die abends noch schnell etwas bestellen wollen. – Facebook ist momentan kein Thema.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

hereinspaziert... © Rainer Kradisch

hereinspaziert… © Rainer Kradisch

Leider muss auch ich sagen, das Internet nimmt uns schon gehörig Umsatz weg. Wir steuern mit all unseren stationären Aktivitäten dagegen. Nischen zwischen Buchkaufhaus und Internetanbieter gibt es auch heute noch genug.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Reader verkaufen wir nicht. Der E-Book-Verkauf im Laden ist im letzten Jahr ziemlich gewachsen, vor allem bei Viellesern, die gerne zusätzlich noch „richtige“ Bücher kaufen, aber z.B. für lange Zugreisen lieber das leichte Lesegerät mitnehmen.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Unbeliebtes Thema Self-Publisher. Grundsätzlich habe ich keine Einwände – vorausgesetzt die (Text-)Qualität stimmt. Ja, liebe Self-Publisher, auch Druck, Schriftbild, Papierqualität, Covergestaltung… beeinflussen die Kaufentscheidung! In der Praxis gibt’s jedoch jede Menge Ärger: fehlende Einträge im VLB und oft auch via Internet schlecht oder gar nicht zu bibliografieren. Fehlerhafte Rechnungsstellung, unorthodoxe Liefermethoden, fehlendes Wissen der Usancen im Buchhandel, nicht zu reden von Rechtschreibfehlern im oft genug miserablen Text.

Und ja, es ist ja schön, wenn der Autor von seinem Werk begeistert ist, aber wir wollen auch unsere Kunden im Laden bedienen und nicht so gerne umständlichen Inhaltsangaben am Telefon lauschen.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Unserer eher ungünstigen Geschäftslage geschuldet, bieten wir unseren Kunden eine ganze Palette von Leistungen und Veranstaltungen an: In unserem Literarischen Wohnzimmer stellt eine Kollegin Bücher im Wohnzimmer einer Kundin vor, die dann bestellt werden können. Kunden können sich nach Geschäftsschluss bei uns einschließen lassen und ganz in Ruhe stöbern. In der „Perlen“-Reihe gibt es jeweils in Frühjahr und Herbst Buchvorstellungen für Kinderbücher bzw. Belletristik. Die Bücher-Lounge ist als Gesprächskreis mit Kunden gedacht. Bei einem Glas Wein dürfen auch unsere Kunden Bücher vorstellen und sich darüber austauschen. Unsere Themen-Abende bieten neben Lesungen ausgewählter Literatur passend dazu auch ein vier-gängiges Menue.

Unser Jugendclub für 8- bis 15-Jährige trifft sich einmal im Monat. Im Moment dümpelt er etwas vor sich hin – da brauchen wir eine neue Idee. Zum Welttag des Buches haben wir Schulklassen zu Gast, denen wir ein einstündiges Programm bieten. Kürzlich haben wir für den Stadtteil in Vernetzung mit Kindergärten und Horten eine ganze Woche mit Veranstaltungen rund ums Buch organisiert. Und Büchertische zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen sind ja eh’ klar.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Sind leider mehr als drei.

Na, denn los…

Türchen auf... © Rainer Kradisch

Türchen auf… © Rainer Kradisch

Liebe Verlage, bitte macht Bücher nicht so billig! Wenn die Qualität stimmt, darf ein Taschenbuch auch 14,99 kosten und nicht nur 8.99. Achtet doch bitte wieder mehr auf das Preis-Leistungsverhältnis: für 800 Seiten mit schmucken Cover sind 10 € zu wenig, für 80 Seiten, auf schlechtes Papier gedruckt, sind € 12,90 zu viel.

Übernehmt die Versandkosten, denn dann bekomme ich keine Rechnungen mehr, auf denen statt der billigeren Büchersendung exorbitante Versandkosten im zweistelligen Bereich ausgewiesen werden.

Reduziert die vielen austauschbaren Titel und blast Bücher nicht künstlich auf: in unsere Regale passt halt nur eine begrenzte Zahl von Titeln. Ein Buch mit den Ausmaßen eines Backsteins nimmt uns einfach zu viel Platz weg wenn man den Text auch – ohne Einbußen an guter Lesbarkeit – auf ein Drittel der Seiten unterbringen könnte.

Das gleiche gilt für die Vorschauen: Es bringt mir nichts, einen umworbenen Bestseller einmal von hinten, von vorne, auf einem Stapel, in einen kunstvollen Aufbau oder sonstwie auf jeweils einer ganzen Seite abgebildet bestaunen zu können. Dagegen hätte ich gerne Vorschauen oder Leseproben, die Informationen über Text und Autor bieten. Ja, auch wie die Geschichte ausgeht und wer der Täter ist, darf gerne verraten werden…

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Weiterhin für den Erhalt des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes und natürlich die Preisbindung zu kämpfen (Gefahrenquelle Freihandelsabkommen mit den USA)

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Aktuell gerade nichts. Nach der Buchmesse hat sich bei uns hier eine gewisse Frustration breit gemacht, was den Messebesuch betraf. Irgendwie hatten wir uns in den letzten Jahren an den Ständen der Verlage zunehmend als Störfaktor gefühlt, nicht als interessierten und möglicherweise sogar interessanten Partner der Verlage. Klar gilt das nicht für alle, wir hatten auch sehr nette Messegespräche, aber wenn mir gesagt wird, ich solle doch von zu Hause aus bestellen, man habe gerade keine Zeit zum Aufnehmen einer Bestellung, dann komme ich schon ins Grübeln…

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Nun, den Kontakt zu richtigen Menschen, die zuhören und Empfehlungen punktgenau auf den Kunden abgestimmt geben können, kann keine noch so gute Maschine ersetzen. Eine Buchhandlung ist immer auch ein Treffpunkt, ein Ort, an dem ich (nicht nur literarische) Anregungen bekomme und der einfach alle Sinne anspricht.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Doris Müller-Höreth von der Buchhandlung Pelzner in Nürnberg-Eibach ist eine enorm engagierte und ideenreiche Buchhändlerin. Und die sehr schöne Regensburger Buchhandlung Dombrowsky, die viele tolle Veranstaltungen organisiert.

Danke sehr, ich freue mich, dass Sie dabei sind.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

„Gebt tollen Titeln mehr Zeit sich zu entwickeln.“ – SteglitzMind stellt Heike Röminger und Ingo Herrmann von der Buchhandlung „Moby Dick“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir ein wenig mehr über Ingo Herrmann und Heike Röminger von der Buchhandlung Moby Dick erfahren sollten, die im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg ansässig ist, hatten sich Beate und Mischa Klemm von der Berliner Buchhandlung lesen und lesen lassen gewünscht.

Eine Skizze vom Laden …

Wir haben Moby Dick vor gut 2 Jahren in der sehr lebendigen Stargarder Straße im Prenzlauer Berg gegründet. Wir wollen eine Adresse für die Bewohner dieses Viertels sein und bieten daher ein allgemeines Sortiment an; d.h. neben unseren Schwerpunkten (Belletristik, Kinder- und Jugendbuch und Kriminalromane) findet man bei uns auch Sachbücher zu verschiedenen Themen sowie Berlin-Literatur. Außerdem bekennen wir uns sichtbar zu unserem Faible für Klassiker und für schöne Bücher.

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

Ingo Herrmann & Heike Röminger  © Ingo Herrmann

Ingo Herrmann & Heike Röminger © Ingo Herrmann

Ingo Herrmann: Vor mehr als 30 Jahren wollte ich Buchhändler werden und ich hatte bislang auch das Glück nichts anderes sein zu müssen.

Heike Röminger: Ich bin Buchhändlerin geworden, weil ich viel gelesen habe und mich schon sehr früh für eine Ausbildung entscheiden musste. Dass dieser Beruf für mich eine glückliche Wahl sein würde, hat sich erst später herausgestellt.

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Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ingo Herrmann: Ja – und solange Buchhändler noch gebraucht werden auch immer wieder. Ich wäre aber auch ein guter Gärtner…

Heike Röminger: Nein, bei einem zweiten Versuch würde ich lieber ein Handwerk lernen. Dann kann ich auch jederzeit lesen, was ich will.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Im Grunde nicht so viel. Gut, es gibt mehr Technik, vieles geht einfacher und schneller, die Kunden sind, dank Internet, im Bereich Recherche informierter und kompetenter; letztlich möchte der Kunde im Buchhandel aber nach wie vor sehr guten Service von ausgebildeten Fachkräften, gute und individuelle Beratung und auch mal über ein Buch reden, das er gelesen hat oder noch lesen möchte. – Persönliche Tipps jenseits der Bestsellerlisten sind zunehmend gefragt.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir werden im kommenden Jahr über einen Online-Shop verfügen – so können unsere Kunden (und alle, die es noch werden möchten) vom PC aus bequem über das Internet einkaufen und zugleich den stationären Buchhandel vor Ort, die Buchhandlung ihres Vertrauens  unterstützen. Via Internet einkaufen heißt ja nicht automatisch: via Amazonien. Außerdem wollen wir unsere Homepage intensiver nutzen und auch auf unserer Facebook-Seite etwas aktiver werden. Das Herz von Moby Dick schlägt aber in der Stargarder Straße…

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Das größte Problem für den Handel vor Ort sind die steigenden Kosten insbesondere der Mieten und die Bedrohung der gesetzlich festgeschriebenen Preisbindung für das Medium Buch.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Wir werden sie im Shop anbieten (ca. 800.000 Titel), ich habe gerade einen Reader geschenkt bekommen und bin dabei mich schlau zu spielen…

Natürlich ist es praktisch, die Schrift den eigenen Seh- und Lesegewohnheiten anpassen zu können und weniger Platz für seine Bibliothek zu benötigen. Mein Herz hängt nicht daran – vielleicht weil es eben „nur“ eine Datei ist und kein Buch? Ich persönlich habe es lieber haptisch – ich wohne gerne mit meinen Büchern und besitze sie auch gerne. Aber das ist eine persönliche  Entscheidung.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Wir haben die Möglichkeit so genannte Books on Demand über unseren Händler zu bestellen, darüber hinaus spielt das Thema bei uns keine Rolle.

Meist ist es ja so, dass jemand kommt und einen eigenen Titel anbietet; in der Regel stellt sich dann heraus, dass er/sie sich noch keine Gedanken über Konditionen, Preisgestaltung, Mehrwertsteuer, Vertrieb u. ä. gemacht hat. Von der Gestaltung ganz zu schweigen.

Es gibt natürlich Ausnahmen, eigentlich sind wir aber ganz zufrieden mit dem Filter „Verlag“.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Das Besondere an jeder (inhabergeführten!) Buchhandlung ist die Auswahl des im Geschäft präsentierten Sortiments. Wir haben zweimal im Jahr mehrere Regalmeter Verlagsvorschauen gesichtet und ausgewählt, was wir haben müssen und was wir haben wollen. Da ist viel Persönliches dabei und wir führen auch Bücher und Titel, die nicht im Scheinwerferlicht des Literaturbetriebes stehen.

Wir teilen eben gern, was wir mögen, und unsere Kunden wissen das inzwischen zu schätzen und freuen sich über ihre Trouvaillen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

stöbern und schmökern  © Ingo Herrmann

stöbern und schmökern © Ingo Herrmann

Mit vielen Verlagen arbeiten wir sehr gut zusammen aber manchmal hakt es eben doch und ich glaube, das hat oft mit falschen Vorstellungen von der Arbeit des jeweils anderen zu tun – also bitte mehr Kommunikation wie z. B. Händlerbeiräte.

Wenn ich mich dann auf drei Wünsche beschränken soll (Kommunikation zählt nicht als Wunsch weil das in dieser Branche eigentlich selbstverständlich sein sollte…):

  • Es wäre schön, wenn man nicht als Bittsteller sondern als Handelspartner mit gemeinsamem Interesse (Handel mit Kultur UND Ware, nämlich Buch) gesehen würde.
  • Wenn, wie die Verlage gerne betonen, der Buchhandel als Vertriebsweg so wichtig ist: Wieso gibt es dann Bücher in Supermärkten und wieso verkaufen sie, die laut über nicht rentable Einzellieferungen an die Buchhändler wettern, ihre Bücher direkt an Endkunden?
  • Und bitte reduziert die Produktion und gebt damit tollen Titeln mehr Zeit sich zu entwickeln; die Regale der Buchhändler sind nicht unendlich groß und Rezensenten sind auch nur Menschen – immer öfter erscheinen Rezensionen ja erst wenn der Titel „durch“ ist und es ja schon wieder ganz viele neue Bücher gibt…

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Ich wünsche mir weniger Event und mehr Information; mich erschreckt immer wieder, wie wenig Kunden um z. B. die gesetzliche Buchpreisbindung in Deutschland wissen und darum, dass die (auch kostenlose!) Lieferung auf den nächsten Tag zwar etwas Besonderes  st (im Vergleich zum europäischen Ausland), aber keine Erfindung der Eingeborenen von Amazonien. – Mit diesem Wissen relativiert sich der „Vorteil“  der Bestellung bei Amazon doch erheblich.

Und wenn ich schon mal beim Wünschen bin, wünsche ich mir von den Kollegen Buchhändlern weniger gehobene Brauen, wenn ein Kunde sich beispielsweise eine schöne, saftige, triviale Schmonzette o. ä.  kauft…schließlich hat uns niemand zum Richter über den Geschmack anderer gemacht. –  Man hört und liest da so manches – gerade auch im Netz (!!!) …und dann ist unsere Aufregung jedes Jahr  groß, wenn der Beruf Buchhändler auf der Beliebtheitsskala mal wieder gleich hinter Gerichtsvollzieher ganz hinten steht und die Leser lieber im Internet einkaufen, weil sie da nicht angemault werden und niemandem Rechenschaft über ihren Geschmack schulden.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

  • Das Jammern über den Untergang der Buchhandlungen (auch in der Branchenpresse)
  • Lieblose und uninspirierte Klappentexte und Rezensionen
  • Menschen in Verlagen, die den Unterschied zwischen Kultur und Handel wertend betonen – ich finde als begleitender Verlagsmensch darf man bei einer Buchpräsentation oder einer Autorenlesung durchaus darauf hinweisen, dass das Buch dort käuflich zu erwerben ist.  iemand findet das anrüchig und Autoren, Buchhändler und ja, auch Verleger leben davon.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

  • Weil das dazu beiträgt, dass es Buchhandlungen weiterhin gibt
  • Weil Gespräche, Meinungs- und Gedankenaustausch zu Buch und Lesen Kunden und Buchhändler freundlich verbindet, interessant sind und einfach dazu gehören
  • Weil es Spaß macht (bzw. machen kann)?

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Wir schlagen den Kollegen Kurt von Hammerstein von der Buchhandlung Hundt Hammer Stein in Berlin vor.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

„Independents, Kleinstverlag und Selfpublisher sollten bessere Vertriebsmöglichkeiten erhalten.“ – SteglitzMind stellt das Team von „Pro qm“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir das Team von der Buchhandlung Pro qm etwas näher kennenlernen, die sich auf die Themen Stadt, Politik, Pop, Ökonomiekritik, Architektur, Design, Kunst  und Theorie spezialisiert hat und in Berlins Mitte zu finden ist, hatte sich eine Leserin von SteglitzMind gewünscht, die sich arise nennt.

Eine Skizze vom Laden…

hier geht's hoch  ©  Katja Eydel

hier geht’s hoch © Katja Eydel

Pro qm wurde als thematische Buchhandlung 1999 in Berlin-Mitte gegründet und beschäftigt sich vor allem mit Stadt und deren Schnittstellen zu Politik, Pop, Ökonomiekritik, Architektur, Design, Mode und Kunst. Das Projekt ist interdisziplinär: Neben der Buchhandlung veranstalten wir regelmäßig Vorträge, Diskussionen und Buchpräsentationen im Laden, arbeiten an Ausstellungen und Konferenzen mit, haben Büchertische und temporäre Dependancen.

Ungefähr die Hälfte unseres Bestandes ist nicht-deutschsprachig, wir importieren sehr viel vor allem aus dem englischsprachigen Raum, aber auch aus allen anderen Gegenden der Welt. Daneben bieten wir auch eine große Reihe an internationalen Magazinen bei uns an.

Wie kam es zu Pro qm?

Wir sind inzwischen ein Team aus zehn Leuten mit den verschiedensten Hintergründen: Kunst, Architektur, Design, Kunst-, Kultur-, Filmwissenschaften – nur nicht aus dem Buchhandel. Pro qm ist aus einer theoretischen Auseinandersetzung mit Stadtpolitik heraus erstanden und einer Diskussion um alternative Räume der kulturellen Produktion, als sozialer Ort, um die Beschäftigung mit solchen Fragestellungen zu ermöglichen. Die Funktionalität der Buchhandlung ist vor allem eine spezifische Form der Verhandlung, die gleichzeitig die Ökonomie des Ladens sichert. Sie ermöglicht eine vernetzte Beschäftigung mit Theorien und deren Distribution, mit eigener wissenschaftlicher Arbeit und mit künstlerischen Projekten.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Weg entscheiden?

Unbedingt! Aber die Mischung macht’s, wir sind alle noch in weiteren Bereichen aktiv, schreiben, forschen, kuratieren, dozieren, pendeln und/ oder erziehen. Diese Erfahrungen und das Wissen werden dann wieder in den Buchladen importiert in Gestalt von neuen thematischen Schwerpunkten oder von Veranstaltungen, die sich aus diesen Netzwerken speisen.

Auftritt des Musikers Dan Bodan  © Pro qm

Auftritt des Musikers Dan Bodan © Pro qm

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Vermutlich ist die Antwort quer zu allen Berufssparten mit Computernutzung ähnlich: das Ringen mit den anschwellenden E-Mail-Halden.
Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir haben eine Website mit einem selbstprogrammierten Webshop, dort bieten wir ausgewählte Neuheiten an, kündigen in einem Blog unsere Veranstaltungen an, die wir auch noch gesondert per Mail verschicken. Facebook nutzen wir auch als Plattform.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Wir sehen für uns derzeit noch keine Bedrohung. Wir sind so spezialisiert, dass unsere KundInnen aus aller Welt gezielt zu uns kommen, weil sie sich mit ihren spezifischen fachlichen Anliegen bei uns ernst genommen wissen oder einfach von unserem thematischen Sortiment angesprochen fühlen

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Bisher gab es vor zwei Jahren mal eine einzige eher als Witz gemeinte Nachfrage dazu. Via Barsortiment sind wir freigeschaltet für den Verkauf von E-Books, wir warten entspannt auf den Ansturm. Da wir einen großen Anteil an Publikationen führen, bei denen Gestaltung und Materialität, Art der Bindung, Papier, Bildqualität, Farbigkeit oder ähnliches von zentraler Bedeutung sind, sehen wir in diesem Bereich auf absehbare Zeit auch noch nicht die Gefahr einer Ablösung durch elektronische Datenträger.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Das machen wir schon immer bei Pro qm. Im Eigenverlag herausgegebene Publikationen – aus dem In- und Ausland – in Form von Heften, Büchern, Zeitschriften, Platten, CDs und DVDs gehören bei uns zentral zum Sortiment, sofern sie sich thematisch mit unseren Fragestellungen überschneiden. Die Verwaltung ist  zugegebenermaßen etwas aufwändiger, aber manchmal kommen gerade die wertvollsten Kommentare zu einer Thematik aus den verwinkeltsten Kanälen.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

so schaut's Innen aus  ©  Katja Eydel

so schaut’s Innen aus © Katja Eydel

Sicher trifft die These von der Nische auch auf unseren Ansatz zu: die Spezifik der Auswahl und der thematischen Sortierung, das Angebot der gezielten Recherche und der Bestellung von Büchern aus aller Welt, ihr Versand überallhin, nicht zuletzt aber auch die Möglichkeit des Zufallsfundes im Laden. Die regelmäßigen Veranstaltungen in unseren Räumen sowie die aushäusigen Engagements bei Konferenzen, Ausstellungen und Messen betten die Literatur in ihr jeweiliges diskursives und soziales Umfeld ein.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Ein Wunsch ginge eher in Richtung Vertriebsstrukturen: Independents, Kleinstverlage, Selfpublisher sollten bessere Vertriebsmöglichkeiten erhalten, dass sich so womöglich auch das Angebot anderer unabhängiger Buchläden diversifizieren kann. Vielleicht ließen sich ja so etwas wie solidarische Finanzierungsmodelle denken, wo Major-Verlage einen kleinen Anteil in die Vertriebsstruktur der unterversorgten Indies investieren?

Ein weiterer Wunsch wäre die Optimierung der Vertriebskanäle, innereuropäisch wie weltweit. Es ist manchmal ein zähes Projekt, einen Titel alleine schon aus einem unserer Nachbarländer zu nachvollziehbaren Konditionen nach Berlin zu bekommen. In dem Maße, in dem sich unsere Städte internationalisieren und sich die Nachfrage entsprechend auffächert, sollte dem ja eigentlich auch die Vertriebsgeschwindigkeit und Vielfalt des Buches entsprechen.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?


Der Börsenverein könnte Impulse geben in Richtung der oben erwähnten Vertriebsthematik.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Suhrkamp lässt ja keinen kalt.

eine Ausstellung der Architekturzeitschrift OASE  © Pro qm

eine Ausstellung der Architekturzeitschrift OASE © Pro qm

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Mit Belustigung beobachten wir alleine schon die verdichtete Verkehrssituation vor unserem Laden, wenn die diversen Versanddienstleister ihre Lastwagen in zweiter Reihe stapeln, und im Anschluss die Nachbarn mit den Benachrichtigungszettelchen durch die Läden ziehen, um ihre Päckchen einzusammeln. Und etliche Anbieter verschicken übrigens nicht an die vielbemühte Packstation.

Und wir sind natürlich mit unserem Stadtschwerpunkt auch echte Fans von lebhafter Innenstadt, deren Lokalspezifik sich in der Buntheit, Schrägheit und Vielfalt ihrer Geschäfte und Märkte ausdrückt, und wünschenswerterweise auch in ökonomischem Zusammenhang mit ihren BewohnerInnen steht, deren Einkommen sich teilweise ja durchaus auch aus lokalen Ökonomien speisen könnte – jetzt mal im Gegensatz zu den Monopolen an der Autobahn und in Shoppingmalls.

In Berlin haben wir, was den Buchhandel betrifft, sicher einen privilegierten Status, hier gab es etliche Neugründungen in letzter Zeit, was wir natürlich super finden, denn so kann auf lokaler Ebene ein immer diverseres und spezifischeres Angebot ausgebreitet werden.


Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

 Zuallererst unsere Freunde von der Buchhandlung & Verlag b_books in Kreuzberg, mit denen wir 2007 zusammen den Buchladen der documenta 12 in Kassel organisiert haben, und deren verlegerische Projekte für unseren Laden sehr wichtig sind. Auch ganz wichtig, gleich um die Ecke von denen, sind Motto Berlin, Buchhandlung und Vertrieb für Kunst und Independents. In Charlottenburg ist die erste Adresse für Kunst, Architektur, Design natürlich der wohlsortierte Bücherbogen! Eine wichtige linke Institution in Berlin, auch als Verlag, ist der Buchladen Schwarze Risse im Mehringhof. Und vor kurzem neugegründet im Wedding hat sich Echo Bücher, spezialisiert auf elektronische Musik, eine Mischung aus Veranstaltungsort, Buchladen und Café. Man könnte jetzt seitenweise weiterlisten…

Feine Empfehlungen. Neben der Website und Facebook ist Pro qm auch anderweitig im Netz präsent…

Ja, Designers & Books ist eine amerikanische Website mit Buchempfehlungen aus den Bereichen Design und Architektur, auf der wir ein „gefeatured bookshop“ sind, und wo wir monatlich einige unserer Bestseller auflisten. Stil in Berlin bewegt sich in den Straßen und im Alltag Berlins und Hipshops gibt Emfehlungen aus für „concept stores from around the world“.

Vielen Dank, dass Pro qm diese Gesprächsreihe bereichert.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier