Steglitz stellt Samy Wiltschek mit „Kulturblog der Buchhandlung Jastram“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm bloggt. Dass wir ihn mitsamt seinem Kulturblog ein wenig näher kennenlernen sollten, hatte JuneAutumn vorgeschlagen, die 1001 Bücher pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Lest Bücher nicht T-Shirts  © Samy Wiltschek

Lest Bücher nicht T-Shirts © Samy Wiltschek

Ein Silvesterkind aus dem Jahre 1958 mit einem Arbeitslosenstudium (Grundschullehrer) und seit 1983 Buchhändler in Ulm. Durch die beiden Kinder und dem Enkelkind nie den Kontakt zu Bild-, Kinder- und Jugendbüchern verloren, wobei ich gerne in neue Romane abtauche und mir die halbjährlichen Büchertsunamis schwer zu schaffen machen.

Ein Rettungsanker: Täglich vor dem Frühstück 10 Seiten in einem Klassiker lesen. Somit schaffe ich auch Tolstois Anna Karenina.

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Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich denke, es ist das dritte Jahr. Begonnen hat es mit Jastram Kulturblog, mit täglichen Verlinkungen auf facebook. Danach kam noch das Bilderblog der Jastramwelt dazu. Im Moment gibt es zu unserer Sommeraktion noch Jastrampixi.

Ich denke, das reicht. Uff!

Deine Themenschwerpunkte …

Ich bin Buchhändler, habe eine kleine, literarische Buchhandlung. Das genau ist der Inhalt dieser Blogs. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber: das reicht auch!

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich bin immer auf der Suche nach Neuem und sitze mitten drin in der Bücherwelt und habe meinen Lieblingsberuf. Mich interessieren nicht Querelen bei Suhrkamp, oder wer wo was wie und wann macht. Lieber lese ich Bücher und kann die dann auch verkaufen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Was ich gemerkt habe: Ich brauche einen langen Atem. Es spricht sich einfach rum.

Die Blogs sind eine Erweiterung des Buchlandens. Weitere Schaufenster, an denen Interessierte vorbeibummeln können. Ich bin auch nicht auf Freundesammeln bei facebook aus. Ich denke, wer Lust auf die Seiten hat, wem die Seiten gefallen, schaut immer wieder rein und findet die Buchhandlung auch hier wieder.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Oh je. Ich für mich passe auf, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne und dass die Blogs nicht zu einer Selbstinzensierung werden. Bücher sollen bei mir im Vordergrund stehen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Langer Atem. Und hin und wieder bei anderen Bloggern reinschauen (mach ich zu wenig, da ich keine Zeit dafür habe), dabei lerne ich so viel.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

Ach! Z.B.wenn ein Verlag sich meldet und meinen Beitrag, den er gerade gegoogelt hat, prima findet.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ist bei mir noch nie passiert. Ich fordere auch keine an und schicke den Verlagen auch keine Infos, wenn ich ein Buch von ihnen gebloggt habe. Wenn mir jemand etwas schicken sollte, prüfe ich erst ob es mir persönlich gefällt.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

s.o.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe seit Jahren selbst einen SONY-Reader, den ich immer wieder benutze. Auf Reisen, oder in letzter Zeit auch für Leseexemplare, oder Leseproben, die die Verlag verschicken. Das erspart mir das Entsorgen von Altpapier. Im Laden verkaufen wir Reader und bieten über unsere Plattformen E-Books an.

Aber das ist ein anderes, sehr heikles Thema, über das ich gar nicht groß nachdenken mag.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da ich mich aus Zeitgründen nicht oft und lange im Netz bewege und meine Lieblingsblogs, denen ich folge, hier schon erwähnt worden sind, möchte ich zwei erwähnen, die ganz gut in die Reihe passen könnten.

Zum einen Verenas Welt der Jugendbücher. Verena (wir kennen uns nicht) arbeitet in der Buchhandlung Ravensbuch in Ravensburg und bespricht auf ihrem Blog Kinder- und Jugendbücher. Nicht, dass alles, was sie bespricht mir auch zusagt, aber die persönlichen Besprechungen helfen mir sehr in der Flut von Jugendbüchern, von den ich oft wenig Ahnung habe, wenn es dann auch um Fantasy und ähnliches geht. – Den Stab würde ich gerne an Verena weiterreichen.

Und: WordBrooklyn. Diese kleine und extrem rührige unabhängige Buchhandlung habe ich in Brooklyn kennengelernt, mehrfach besucht und auch schon im Buchmarkt darüber geschrieben. Same same but different. Ich habe einiges von den Mädels dort übernommen und bin begeistert, wie die sich in der Bücherwelt tummeln.

Danke sehr, Samy. Fein, dass ein Buchhändler zu Wort gekommen ist – eine Buchhändlerin haben wir hier ja bereits kennengelernt…

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Zuletzt haben sich Evelyn und Miriam mit Dreaming till Midnight vorgestellt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

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Steglitz stellt JuneAutumn mit „1001 Bücher“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der Vorschlag, dass wir JuneAutumn und ihr Blog 1001 Bücher näher kennenlernen sollten, stammt von DocTotte, der Tottes kleines Literaturlexikon pflegt.

Dein Steckbrief in Worten…

Ehemalige Literaturstudentin, die an der Uni ihre Liebe zu den Büchern nicht ausleben konnte und auf der Suche nach anderen Möglichkeiten ist… Mein Traum ist es, irgendwann einmal meine Brötchen mit Büchern zu verdienen, also schauen wir mal, was die Zukunft bringt.

Seit wann, warum und wo bloggst Du?

der Kopf dahinter © JuneAutumn

der Kopf dahinter © JuneAutumn

1001 Bücher gibt es seit anderthalb Jahren. Vorher habe ich einige Versuche gestartet, auf anderen Plattformen und mit gemischten Themen. Nun fühle ich mich aber bei WordPress sehr gut aufgehoben, da es leicht zu bedienen ist und eine große Community hat. Ich blogge, weil ich hoffte und nun weiß, dass da draußen noch andere sind, die genauso oder zumindest ähnlich denken wie ich. Das ist in einer Stadt, die hauptsächlich auf naturwissenschaftliche Studiengänge setzt, selten zu finden. Es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine ist.

Deine Themenschwerpunkte…

Das ist relativ einfach. Ich lese mich durch die „1001 Bücher, die man gelesen haben sollte, bevor man stirbt„. Das ist zwar nur eine von vielen Listen, aber ich habe mich für diese entschieden, weil sie so umfangreich ist. Dass immer noch vieles und vor allem viele Länder nicht vorhanden sind, stört zwar, kann aber kompensiert werden. Auf jeden Fall denke ich, dass man einen guten Eindruck erlangt und darauf aufbauend weiterlesen kann… Außerdem hat es mir schon immer geholfen, etwas Konkretes zu haben, das ich abarbeiten kann, so dass ich nicht unterwegs vom Weg abkomme…

Was treibt Dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die Hypes. Ich kann nicht verstehen, dass es immer wieder eine Thematik gibt, die komplett ausgeschlachtet wird. Dabei scheint Qualität oder Anspruch keine große Rolle zu spielen. Ich könnte mir vorstellen, dass Menschen, die sich nicht so sehr mit Literatur auseinandersetzen, ein sehr merkwürdiges Bild bekommen. Wäre Vielfalt nicht angebrachter?

Wie machst Du Deinen Blog und Deine Beiträge bekannt?

Tatsächlich nur über WordPress. Facebook und Twitter habe ich mal ausprobiert, dann aber für mich entschieden, dass ich nicht alles von mir preisgeben und vermarktet werden möchte. So besuche ich regelmäßig viele Blogs, like, was mir gefällt und kommentiere, wenn ich was dazu äußern möchte. Es klappt, ich habe mir eine schöne Gemeinschaft aufgebaut.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das trifft einen wunden Punkt bei mir: Wenn ein Blogger nicht nachsieht, ob sein Beitrag ordentlich und fehlerfrei ist. Natürlich unterlaufen immer mal Tippfehler und dergleichen, und das am Monitor zu kontrollieren ist nicht immer einfach. Dennoch würde ich mir wünschen, dass jeder Verfasser noch einmal Korrektur liest, da ich es äußerst schade finde, wenn ein gut geschriebener Beitrag schlechter wird. Wenn ich zig Fehler sehe, höre ich auf zu lesen, und das ist manchmal äußerst ungerecht. Aber Sprache ist unser Werkzeug, und ich finde, es sollte korrekt angewandt werden. Und ich finde es auch fürchterlich, wenn ein Blogger ewig lange Texte verfasst – auch wenn ein Thema es durchaus verdient, intensiver behandelt zu werden. Aber solche Texte lese ich dann lieber in Papierform (klar, wo sollte ich die herbekommen?) als am PC.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Er muss Geduld und Ausdauer haben. Die Literaturbloggemeinde ist zwar sehr freundlich und heißt jeden neuen Blogger willkommen, aber es dauert trotzdem seine Zeit, bis man sich eine Community aufgebaut hat. Man sollte regelmäßig bloggen und den Kontakt halten, das heißt, auch verfolgen, was die anderen machen. Ich möchte aber noch sagen, dass es sehr schön ist, dass man auch mal eine schwächere Zeit haben kann, und einem trotzdem alle die Stange halten.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

Da gibt es kein einzelnes Erlebnis. Ich freue mich, dazuzugehören, ich genieße den Austausch mit Gleichgesinnten, und auch die Möglichkeit solcher Interviews, die mehr von einer Person zeigen, finde ich klasse.

Wie gehst Du damit um, wenn Dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist dank der Natur meines Blogs noch nicht vorgekommen. Meine Leseliste besteht ja aus einer festen Reihe von Büchern, dementsprechend braucht niemand etwas anzubieten. Ich würde demgegenüber allerdings auch sehr skeptisch sein, da ich gerne unbefangen lesen und keine Verpflichtung zu einer positiven Bewertung eingehen möchte.

Und wie würdest Du damit umgehen, wenn Dir Self-Publisher ihre Titel anbieten würden?

Da würde ich grundsätzlich keinen großen Unterschied machen. Ich würde mir den Titel genau ansehen, aber auch hier keine Verpflichtung zu einer positiven Bewertung eingehen wollen.

Wie hältst Du es mit dem E-Book?

Ich kann den Nutzen sehen, den es hat. Und ich habe auch schon von mehreren Lesemuffeln gehört, die dank des E-Books wieder mehr lesen. Seine Existenz ist also okay für mich, aber ich möchte keins haben, da ich tatsächliche Bücher bevorzuge. Ich schleppe sie gerne mit mir rum, halte sie gerne in der Hand, blättere gerne tatsächliche Seiten um… Würde ich allerdings viel auf Reisen sein, würde ich zumindest mit dem Gedanken spielen, mir eines zuzulegen…

Welche anderen Blogs empfiehlst Du (max. 5)? Und welcher Blogger sollte in dieser Gesprächsreihe möglichst auch zu Wort kommen?

Die meisten Blogs, die ich verfolge, sind schon mehrmals empfohlen worden. Ich habe auf meiner Seite Artikel verlinkt, die ich mag, so dass jeder sehen kann, was gerade passiert. Ich möchte Samy vom Kulturblog der Buchhandlung Jastram als Gesprächspartner empfehlen, da er täglich Neues aus der Bücher-, Musik- und Filmszene zu berichten hat, und das in einer sehr unterhaltenden Weise. Außerdem möchte ich mich bei DocTotte für die Überreichung des Staffelstabes bedanken.

Und ich danke dir, dass du den Stab angenommen hast und freue mich, dass du ihn an einen bloggenden Buchhändler weitergibst…

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Zuletzt stelle sich Alban Nikolai Herbst mit Die Dschungel. Anderswelt vor. Seine Wunsch-Interview-Partner waren Sophia Mandelbaum mit  Ze Zurrealism itzelf und Helmut Schulze mit parallalie. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt DocTotte mit „Tottes kleines Literaturlexikon“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der Vorschlag, dass wir DocTotte, in dessen Händen u.a. Tottes kleines Literaturlexikon liegt, näher kennenlernen sollten, stammt von Friederike Kenneweg, die frintze pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

berühmt und berüchtigt - so kennen wir den Betreiber im Netz © DocTotte

berühmt und berüchtigt – so kennen wir den Betreiber im Netz © DocTotte

Seit 1972 Kind des Ruhrgebiets, wenn auch mit einer 10-jährigen Unterbrechung im hohen Norden. Ich habe Archäologie (lief damals noch unter Ur- und Frühgeschichte an den meisten Unis), Skandinavistik und Mittelaltergeschichte studiert und bin schließlich über die römische Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit in Holstein promoviert worden.

Während der Promotion litt ich dermaßen unter der meist miserabel geschriebenen wissenschaftlichen Lektüre, dass ich Belletristik nur so verschlang. Als dann im noch jungen Jahrtausend die Stellen in der Archäologie so weit gestrichen wurden, dass es mir einfach nicht gelang, dauerhaft Fuß zu fassen, erinnerte ich mich an andere Leidenschaften: Wörter und Texte. Ich nahm meine Erfahrung als Vielleser und Ein-bisschen-selbst-Herumschreiber, gewürzt mit ein paar kleinen Veröffentlichungen in der Frankfurter Rundschau sowie im Internet und geriet über ein Hamburger Werbelektorat schließlich als Texter in die Werbebranche. Heute dient mir die Literatur dazu, die Ballaststoffe der Werbewelt geistig zu verarbeiten, ohne irrsinnig zu werden.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich hab Mitte 2007 mit Bloggen angefangen. Mein erster Blog startete bei Blog.de, hauptsächlich weil das für meine damalige Vorstellung das ideale Feld war. Trotzdem habe ich mich schon früh auch auf anderen Plattformen umgeschaut. Selbst die Gründung des hiesigen WordPress-Blogs liegt schon lange zurück, er lag aber über Jahre brach. Mit der Zeit haben mich technische Unzulänglichkeiten und auch das Verschwinden einiger guter Autoren mehr und mehr von Blog.de entfremdet. Da ist irgendwann die Idee herangereift, die Blogs verstärkt thematisch zu trennen und bei WordPress die von mir gelesenen Bücher vorzustellen. Inzwischen überlege ich ernsthaft, die Filmreihe aus meinem anderen Blog zu WordPress zu portieren – sozusagen Tottes kleines Filmlexikon.

Deine Themenschwerpunkte …

… sind im WordPress-Blog eindeutig Bücher. Ganz anders als bei meinem ersten Blog, der von Literatur über Philosophie, Politik, Film und Musik bis hin zu lautem Klamauk und handfestem Nonsens alles umspannte, was mir so in den Sinn kam. Bei dem Literaturblog auf WordPress ist die Nähe des Namens zu Kindlers Literaturlexikon ist übrigens durchaus beabsichtigt. Mich amüsierten im Kindler ganz besonders die Kurzkritiken, die oft genug Zitate von Arno Schmidt enthielten und das Werk eines Autors in einem Satz beschrieben. Besonders gut erinnre ich mich in diesem Zusammenhang daran, wie Schmidt in einem Satz William Blakes Arbeiten als „zeitlose Gesänge eines Irren in erdachten Landschaften“ abkanzelt.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Lange war ich sehr in ältere Literatur vertieft, darunter auch, aber nicht nur Klassiker. Ich wollte einfach die Basis wenigstens ab dem 17. Jahrhundert kennen. Viele moderne Autoren fand ich schrecklich langweilig und wollte nicht lesen, was sie zu sagen haben. Es gab da wenige Ausnahmen wie Kertesz oder Eco. Parallel dazu las ich viel Arno Schmidt und auch manches seiner Empfehlungen, sofern es greifbar war. Heute hopst nur noch ab und an ältere Literatur dazwischen, mehrheitlich schaue ich mich bei aktuellen Schriftstellern um. Es sei mir allerdings die Bemerkung erlaubt, dass ich viele deutsche Autoren, insbesondere die Leipziger Schule eher für unfertige Adepten als für ausgewachsene Schriftsteller halte. Hier sehe ich noch viel Entwicklungsbedarf. Und dass Bücher heutzutage vielfach darüber verkauft werden, ob die Autoren durch Sender wie RTL oder Sat.1 bekannt geworden sind – ich denke, dazu braucht man nicht viel zu sagen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

In der Hauptsache auf zwei Wegen: Meine weiteren Blogs verlinken mehrheitlich auf diesen Literaturblog und jedes neue Posting dieses Blogs lasse ich automatisch per Twitter verbreiten. Manchmal weise ich auch Freunde und Bekannte, die bei mir nicht regelmäßig lesen, mündlich oder per E-Mail auf bestimmte Postings hin, von denen ich denke, dass sie interessant für sie seien.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das hängt vom Anspruch ab, den man hat. Wer seinen Blog nur für sich führt, kann praktisch machen, was er möchte – mal abgesehen von strafbewehrten Vergehen. Wer aber eine Gruppe von Lesern erreichen möchte, und sei sie noch so klein, für den gibt es eigentlich nur ein Vergehen: die Leser zu langweilen. Ich räume ein, dass es nicht immer zu vermeiden ist. Sicher langweile ich auch mit dem einen oder anderen Eintrag, aber ich hoffe, dass ich zumindest die Mehrheit der Leser unterhalte. Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum ich in nahezu allen meinen Blogs eher kurze Einträge verfasse. Es gibt selbstverständlich Themen, die nur in einem längeren Postings angemessen behandelt werden können. Was aber kurz gesagt werden kann, dass sollte auch kurz gesagt werden. Deshalb weigere ich mich zudem, meine Rezensionen mit seitenlangen Inhaltsbeschreibungen aufzublähen. Es gibt wohl kaum ein publiziertes Buch auf der Welt, von dem nicht längst zig Nacherzählungen im Netz kursieren. Nein, ich möchte mit meiner eigenen Meinung als Wegweiser dienen. Ich möchte Lesern Empfehlungen geben oder sie warnen, wenn die Lektüre eines Buchs aus meiner Sicht verschenkte Lebenszeit darstellen sollte.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Da sehe ich mehrere. Zuerst die Themenfindung: Als ich meinen ersten Blog aufgemacht habe, lag er da. Und ich überlegte, was ich damit machen soll. Tagebuch? Publizierung von eigenen Texten? Letztlich bin ich dann bei einem Themen-Misch-Masch gelandet, der meinen ersten Blog lange Jahre auszeichnete und meine facettenreiche Person gut widerspiegelt. Das half dann vor der Aufsplittung der Themen bei der Überwindung der nächsten Hürde: dem Finden von Lesern. Gerade in meinem ersten Blog war das die ersten Monate ein echtes Rätsel für mich. Meinen Durchbruch verdanke ich dann schließlich der Tatsache, dass mich ein Darmstädter Poetry-Slammer namens Nesh Vonk „entdeckte“. Er selbst war mit seinem Blog damals sehr erfolgreich, und dadurch, dass er ab und an auf mein Wirken hinwies, kamen die Leser irgendwann wie von selbst. Manche verschwanden schnell wieder, andere sind mir dagegen seit Jahren treu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Es gibt mehrere Dinge rund um das Bloggen, die ich weniger als Erlebnis bezeichnen würde, die aber nachhaltigen Einfluss auf mein Leben hatten. Dazu gehört, dass ich durch meine Blogs in der ganzen Welt eine Reihe sehr toller Menschen kennenlernen durfte. Zu manchen ist der Kontakt eher locker, gerade wenn sie in Kalifornien oder Kanada leben. Zu anderen habe ich einen so engen Kontakt, dass ich sie ab und zu auch im wirklichen Leben treffe. Darunter sind Menschen, die mir so wichtig geworden sind, dass ich sie in meinem Leben nicht mehr missen möchte. Sehr schön finde ich ferner die Tatsache, dass mir meine Blogs praktisch zu meinem aktuellen Job verholfen haben. Ich verdiene zwar mit ihnen selbst nichts – schon wegen der geringen Leserzahl –, aber sie haben mich dabei unterstützt, dass ich Arbeitgebern meinen Umgang mit Sprache präsentieren und sie von mir überzeugen konnte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist mir in der Form bisher noch nicht widerfahren. Lediglich den Wiener Autor Albert Knorr unterstütze ich in der Funktion als Lektor seit mehreren Jahren bei der Arbeit an seiner Sacer-Sanguis-Reihe. Das führte so weit, dass ich in dieser Reihe selbst als Co-Autor mitwirken durfte. Und auch wenn es noch nicht ganz in trockenen Tüchern ist, darf ich hier ankündigen, dass es ganz danach aussieht, dass das Team aus Albert Knorr, Marlen Raab und mir nächstes Jahr erneut zusammen arbeiten wird.

Ansonsten freue ich mich sehr, wenn mich Autoren oder solche, die es werden wollen, um Rat fragen. Gerade in den letzten Jahren habe ich einige Gespräche über Ideen zu Plots und Geschichten geführt. Hier hilft mir das Hintergrundrauschen der gelesenen Bücher, um einer Idee den notwendigen Drall zu geben oder den Autor darauf hinzuweisen, wenn einer Geschichte elementare Grundlagen fehlen wie beispielsweise die Intention der Protagonisten.

Eine richtiggehende Rezension hinge allerdings stärker davon ab, um was für einen Verlag und Autor es sich handelt. Ich würde meine geringe Freizeit beispielsweise nicht mit der Lektüre von Esoterikbüchern oder allzu fantasievollen Arbeiten über historische Ereignisse verbrauchen. Dazu gibt es noch viel zu viele gute Bücher, die ich unbedingt lesen möchte.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Hier gilt genauso, dass das Thema mich wenigstens im Ansatz interessieren sollte. Grundsätzlich behandle ich Self-Publisher aber nicht anders als Verlage. Ein gutes Buch ist ein gutes Buch, egal wer es verlegt.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich bin noch so altmodisch, dass ich lieber ein richtiges Buch in den Händen halte. Dabei habe ich mich immerhin schon mit Taschenbüchern arrangiert. Früher habe ich sogar großen Wert auf gebundene Bücher gelegt. Ich gebe aber zu, dass ich mein Tablet inzwischen nicht nur nutze, um Zeitungen und Nachrichten zu lesen, sondern auch um Textproben von Büchern zu lesen. Ich finde es wirklich toll, wenn Verlage ein paar Dutzend Seiten eines Buchs zur Verfügung stellen, damit man sich mal ein Bild von der Schreibe und vom Text machen kann. Ich weiß zum Beispiel nicht, ob ich jemals das „House of Leaves“ von Mark Z. Danielewski gelesen hätte, wenn Klett-Cotta damals nicht die ersten 96 Seiten als PDF zum Download angeboten hätte.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5)?

Bei Jargs Blog, dessen Betreiber sich hier ja bereits vorgestellt hat, gefällt mir der Mix aus Themen und Medien, die ich sonst wohl nicht serviert bekäme. Nicht immer ist etwas für mich dabei, aber es ist doch ein angenehmer Blick über den Tellerrand. Die nächsten beiden Blogs, in denen ich gern stöbere, ähneln meinem eigenen Blog: Read the World – das Hundert Bücher Projekt und 1001 Bücher – das Experiment. Im Prinzip unterlag mein Durchmarsch durch die Klassiker einem ähnlichen Ansatz, wenn auch weniger streng, weil ich über keine feste Liste verfügte. Zuletzt möchte ich den hier schon mehrfach genannten Blog Literaturen – Ein Streifzug durch die Welt der Literatur und Kultur empfehlen, für mich eine neuere Entdeckung. – Sophie ist mit ihren Literaturen hier ja ebenfalls bereits zu Wort gekommen.

Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Meines Erachtens hat es juneautumn von 1001 Bücher verdient, an dieser Stelle endlich zu Wort zu kommen.

Danke sehr, DocTotte. Und was Miriam aka juneautumn anbetrifft, stimme ich dir zu. Ihr Blog gehört nämlich auch zu jenen, die in den vergangenen Monaten zwar mehrfach Lob auf sich vereinen konnten, aber noch keine Gelegenheit erhalten haben, sich vorzustellen. Dass ich sie anlässlich der 50. Folge dieser Gesprächsreihe nicht gebeten habe, hier mitzutun, lag daran, dass mir damals bereits bekannt war, dass du die Staffel an sie weitergibst.

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Zuletzt stellte sich Ingrid mit DruckSchrift vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war Peter Hetzler mit seiner Comickunst. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Ingrid mit „DruckSchrift“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

DruckSchrift ist ein Blog unter jenen Zehn, die im bisherigen Verlauf der Gesprächsreihe zwar mehrfach Lob auf sich vereinen konnten, aber noch keine Gelegenheit erhalten haben, sich vorzustellen. Anlässlich der 50. Folge von „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“ habe ich diese Bloggerinnen und Blogger eingeladen, hier mitzutun. – Ich freue mich sehr, dass Ingrid die Gelegenheit heute wahrnimmt und gratuliere zum einjährigen Jubiläum ihres Blogs, das gestern begangen wurde.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Von Kindesbeinen an mit Büchern aufgewachsen. Bücher waren immer mein Hobby Nr. 1, meine ständigen Begleiter. Obwohl ich zeitweise mit dem Gedanken gespielt hatte, Buchhändlerin zu werden, verlief mein beruflicher Weg ganz anders. Ich war fast immer indirekt (politische Stiftung) oder direkt (Geschäftsführerin einer politischen Partei) hauptberuflich politisch tätig. Klar, dass man in diesem stressigen Job einen Ausgleich braucht: Bücher, Lektüre natürlich. Seit einigen Monaten Vorlesepatin bei der Kinderbücherei der Stadtbibliothek Solingen. Bretagne-Fan.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

der Kopf hinter DruckSchrift © IngridW

der Kopf hinter DruckSchrift © IngridW

DruckSchrift gibt es seit einem Jahr; der erste Beitrag erschien am 14. 4. 2012. Bloggen bietet mir die Möglichkeit, über Dinge zu schreiben, die für mich von besonderem Interesse sind und dabei mit Gleich- oder Ähnlich-Gesinnten in Kontakt und – wenn es gut läuft – zum Gedankenaustausch zu kommen.

Ich nutze WordPress, das leicht zu handhaben ist, interessante Features bietet und eine große Auswahl an kostenlosen Themes bereithält. Nicht dass ich wechseln wollte, aber ich stelle in letzter Zeit bei WordPress fest, dass es zunehmend „verkommerzialisiert“ wird.

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Deine Themenschwerpunkte …

Der Untertitel von DruckSchrift lautet nicht umsonst „Buch – Papier – Schreiben – Lesen“. Schwerpunktmäßig ist DruckSchrift aber eindeutig ein Bücherblog. Vor allem Bücher über Bücher, Buchgeschichte, Buchkunst haben es mir angetan und werden vorgestellt – neue wie alte. Ich habe aber auch ein Faible für Papier, Papierantiquitäten, die sogenannten Luxuspapiere, also zumeist Gebrauchspapiere aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts, wie Reklamemarken, Ausschneidebögen, Verwandlungsbilder etc.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

DruckSchrift ist in erster Linie ein Bücherblog, kein Literaturblog. Dafür gibt es eine Vielzahl anderer Blogs, von denen viele hier schon vorgestellt wurden. Deshalb richtet sich meine Aufmerksamkeit auch nicht so sehr auf die aktuelle Literaturszene .. Ich könnte im Moment nicht sagen, dass mich im Literaturbetrieb etwas besonders umtreibt, obwohl ich natürlich sehe, dass durch E-Book und die Möglichkeiten, die Internet und auch Handy schaffen, eine Menge im Fluss ist.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich nutze die bei WordPress eingebaute Funktion, Beiträge automatisch bei Twitter hochzuladen. Ansonsten setze ich darauf, dass DruckSchrift dadurch bekannt wird, dass ich bei anderen Blogs kommentiere.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Bloggen, ohne wenigstens eine gewisse Vorstellung davon zu haben, wohin die Reise gehen soll: Auch wenn Bloggen ein dynamischer Prozess ist, sollte man für sich so etwas wie eine Linie definieren, versuchen, etwas Eigenständiges zu schaffen.

Ansonsten gibt es eigentlich keine Regeln – außer dass man sich, wie im „normalen Leben“ auch, anständig und fair benehmen sollte. Das gilt für das Schreiben wie für das Kommentieren.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

WordPress macht einem das Bloggen leicht. Hürden hatte ich nicht zu bewältigen. Man sollte allerdings schon Ausdauer mitbringen und sich von anfänglichen mageren Besucherzahlen oder zunächst gar ausbleibenden Kommentaren nicht frustrieren lassen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Es ist einfach schön, wenn sich mit der Zeit Freundschaften zu Menschen entwickeln, die man nie gesehen hat und die man wahrscheinlich auch nie persönlich kennen lernen wird.

Das schönste Erlebnis war, dass nach einem Hinweis von DruckSchrift auf die Münchener Ausstellung „Schätze der Buchmalerei“ eine dort ansässige und von der Ausstellung begeisterte Bloggerin angeboten hat, mir Material über die Ausstellung zuzuschicken. Ein Angebot, das ich natürlich sehr gern angenommen habe. Aus dieser Aktion haben sich weitere sehr nette Kontakte ergeben.

Ach ja, erwähnen möchte ich noch, dass ich ganz in der Anfangsphase von DruckSchrift die Möglichkeit hatte, einige Exemplare aus meiner Reklamemarken-Sammlung in der Reihe „Sammelstückchen“ auf Philea’s Blog vorzustellen. Das war eine tolle Starthilfe.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Die Situation hatte ich bis jetzt nicht. Wahrscheinlich wäre ich etwas hin- und hergerissen: einerseits würde ich mich über die Aufmerksamkeit vermutlich freuen, andererseits ist es mir aber ganz wichtig, meine Unabhängigkeit zu wahren. Bekommt man Rezensionsexemplare angeboten, fühlt man sich möglicherweise doch etwas unter Druck gesetzt …?

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Siehe meine vorhergehende Antwort.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe bisher keine Erfahrung mit dem E-Book. Generell denke ich, dass es für Menschen, die viel unterwegs sind, eine nützliche Einrichtung ist. Ich könnte mir durchaus auch vorstellen, einen Roman, einen Krimi, ein Sachbuch auf dem E-Book zu lesen. Aber ein elektronischer Reader wird wohl nie meine geliebten gedruckten „Bücher-Bücher“ ersetzen.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Es wird allmählich eng – in dieser Reihe sind schon fast alle Blogs vorgestellt oder genannt worden, die ich besonders schätze. Ich möchte die Aufmerksamkeit auf das Blog Buchpost lenken. Sehr schön, wenn das Blog auch leider recht selten mit neuen Beiträgen „bestückt“ wird, finde ich Wortumdrehungen. Viele Besucher wünsche ich auch dem Blog 1001 Bücher – das Experiment und dem Literaturblog von Nomadenseele. Und last but not least: es gibt ein bemerkens- und besuchenswertes Blog namens Comickunst über Graphic Novels, das ich nachdrücklich empfehlen möchte.

Sehr leicht fällt mir mein Vorschlag für eine Blog-Präsentation in dieser Reihe: ich warte schon die ganze Zeit auf die Die Seitenspinnerinnen. Vielleicht sind sie ja jetzt bald dabei? Ich würde mich freuen.

Die Seitenspinnerinnen gehören auch zu jenen, die ich anlässlich der 50. Folge eingeladen habe, hier mitzutun …

Dann würde ich gerne das Comic-Blog Comickunst nehmen, das aus dem üblichen Rahmen herausfällt und wirklich gut ist.

Dann machen wir das so. Vielen Dank, Ingrid – und auf viele weitere Jahre mit deiner DruckSchrift, die gestern erstmals Geburstag hatte

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Zuletzt stellte sich Guido Rohm mit Guido Rohms gestammelte Notizen vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Jannis Plastargias mit seinem Blog Schmerzwach. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Simone Finkenwirth mit „Klappentexterin“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der heutige Nikolaus hat einen Beitrag von Simone bzw. der Klappentexterin im Gepäck, womit 30 Interviews innerhalb dieser Gesprächsreihe beisammen sind! Und noch eine Bemerkung mag ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen: Das Genderverhältnis, das lange zuungunsten der Bloggerinnen ausgefallen war, verkehrt sich mit Simones Porträt: Mit 16:14 liegen die Frauen hier ab sofort vorne. – Ob es dabei bleibt?

Dass wir Simone und ihr Blog Klappentexterin etwas näher kennenlernen sollten, hatte Mareike Fallwickl aka Bücherwurm Mariki angeregt, die Bücherwurmloch betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich liebe das gedruckte Wort, ob selbst geschrieben oder mit den Augen aufgelesen. Mein Herz ist groß, mein Verstand hellwach und meine Beine sehr flink.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

mit Lesebrille © Klappentexterin

mit Lesebrille © Klappentexterin

Ich blogge schon längere Zeit. Durch jetzt.de fing ich seinerzeit an, eigene Gedanken niederzuschreiben, manchmal kletterten auch Geschichten aus meinem Kopf, für die ich bei jetzt.de keinen Platz fand. Also füllte ich einen gemischten Blog mit Bildern und Texten, doch irgendwann wollte ich eine gerade Linie, einen starken Baum, an dem ich hochklettern kann. Im April 2010 küsste mich die Muse und legte mir die Klappentexterin auf die Tasten. Dieses Geschenk nahm ich lächelnd an. Lange schon wollte ich einen Ort, an dem ich besondere Bücher vorstellen konnte. Besondere Bücher, an die sich die Menschen seltener heranwagen, weil über sie weniger gesprochen wird und sie nicht unbedingt dem Massengeschmack treffen. Besondere Bücher, die kaum oder nie etwas vom großen Marketingbudget abbekommen. Besondere Bücher, die zu leise für die Bestsellerliste sind und deren kleine Stapel mein Herz schneller schlagen lassen. Ich arbeite mit WordPress, weil mich das Design am meisten überzeugte und das Arbeiten damit sehr einfach ist.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich lese am liebsten zeitgenössische Literatur, druckfrische Bücher genauso gern wie ältere Werke. Anfangs griff ich auch öfter zum Klassiker, doch das hat zuletzt leider etwas nachgelassen, weil die Neuheiten einfach immer mehr werden, so dass mir für die Klassiker oft die Zeit fehlt. Obendrein interessiere ich mich sehr für jüngere Literatur. Dazu habe ich vor eineinhalb Jahr die Rubrik Junge Literatur ins Leben gerufen und mit eigenem Logo versehen. Ich schreibe aber nicht nur über Bücher, sondern auch über andere Themen, die sich mit der Welt der Literatur beschäftigen. Besonders gern entdecke ich Berliner Buchhandlungen, besuche Veranstaltungen oder lasse meiner Kreativität freien Lauf. Bücher setzen in mir viel in Bewegung, ja, sie inspirieren mich im hohen Maße. Warum soll ich all das für mich behalten, wenn ich andere Menschen dort draußen damit glücklich machen kann?

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Dunkle Wolken ziehen auf – momentan ist vieles unsicher und im Wandel. Keiner weiß so genau, wohin die Reise gehen wird. Diese Unsicherheit beschäftigt mich, obwohl ich daran glaube, dass es den Buchhandel weiterhin geben wird, nur anders. Betrübt bin ich darüber, dass immer mehr Menschen aus dem öffentlichen Leben Bücher schreiben und dadurch unbekannten Autoren und Autorinnen den Platz wegnehmen. Außerdem vermisse ich eine Beständigkeit auf dem Literaturmarkt. Wie schnell ist ein Buch heute gefragt und morgen längst vergessen! Das war früher anders. Gut, die Zeiten ändern sich, nur heutzutage ist einfach zu vieles medienausgerichtet. Da braucht nur ein Autor oder Moderator ein Buch in der Talkshow hochzuhalten, und schon wollen alle nur das eine. Und zwar sofort! In zwei Wochen ist dann wieder Sense, es sei denn, der Autor wiederholt das Spiel. Meist handelt es sich um bekannte Menschen, die so etwas veranstalten. Da wird die potentielle Kaufkraft von möglichen anderen Titeln weggezogen. Das macht mich ein bisschen traurig, denn es gibt so viele wunderbare Bücher, die in dem Marketinglärm oft untergehen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Auf meiner Facebook-Fanpage lade ich jeden Beitrag hoch, ebenso bei Twitter. Darüber hinaus bewege ich mich in der vernetzten Blogsphäre. Anfangs war das ein Instrument, um auf mich aufmerksam zu machen. Denn ein Blog ist wie eine Pflanze, die man pflegen muss. Dazu gehört auch Networking, ohne das bleibt man ein unbekanntes Licht im großen Internetuniversum. Jetzt gehören meine Blogspaziergänge einfach dazu. Sie sind das Gewürz in meiner Blogsuppe, ohne die ich mir mein Blogleben nicht mehr vorstellen kann. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen es gibt, die mit mir die Liebe für die Literatur teilen und die so unwahrscheinlich herzlich sind. Wir kennen uns in der Regel nicht persönlich, nur durch unsere Texte, und sind uns doch sehr vertraut. Das sind die Wunder der heutigen Zeit, die mich immer wieder staunen lassen und glücklich machen.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Nicht authentisch zu sein. Der eigene Blog ist das Herzstück der Persönlichkeit sowie die Spielwiese für eigene Ideen und Reflexionen. Kürzlich las ich davon, dass es dort draußen Menschen geben soll, die Rezensionen abschreiben und bei sich veröffentlichen. So etwas macht mich wütend und fassungslos.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Zeit ist eine der größten Hürden. Zeit, Texte zu schreiben. Zeit, sich im Internet zu bewegen und Zeit, seine Kontakte zu pflegen. Das fällt mir gerade jetzt auf, in der eine ereignisreiche Phase in die nächste fällt. Ich möchte so sehr und kann oft nicht. Die Zeit legt mir ihre Ketten an. Ich habe nicht nur meinen Blog, ich habe auch einen Vollzeitjob, Freunde und einen Partner. Bei 24 Stunden am Tag kann das schon sehr eng werden, ein straffes Korsett, das sich um das Leben spannt. Dennoch habe ich es aufgegeben, schon allein durch Selbstschutz, immer und jeden Tag online aktiv zu sein. Da passiert am Ende nämlich genau das Gegenteil – statt Lust kommt der Frust in großen Schuhen angeschlürft. Abschalten gehört zum Bloggen genauso dazu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Oh! Da gibt es viele, so viele, dass ich fliegen könnte. Stell dir einen großen Garten mit leuchtend farbigen Blumen und leckeren Früchten vor. Wie soll ich da nur ein Erlebnis herauspflücken? Großartig und an dieser Stelle unbedingt erwähnenswert sind die Kontakte zu Autoren und Autorinnen. Die sind wertvoll und bereichernd, sie sind meist zufällig durch eine Begegnung im wirklichen Leben entstanden. Genauso schätze ich den Austausch mit meinen Lesern und meinen lieben Freunden aus der Bloggerszene. Ohne meine KollegInnen wäre das Bloggerleben nur halb so schön. – Halt. Doch eine Sache hat mir fast den Atem geraubt. Als ich im vergangenen Jahr nach einem warmen Sommertag abends erfuhr, dass ich zur Online Autorin des Jahres 2011 gekürt worden war!

der Pokal © Klappentexterin

der Pokal © Klappentexterin

Oh, gratuliere! Wie kam es dazu?

Das Autorennetzwerk Suite 101 hat 2011 den 29. Juni als „Tag des Schreibens“ initiiert. Zu diesem Anlass wurde der Online Autor des Jahres 2011 gesucht, für den man vorgeschlagen werden konnte. Plötzlich fand ich mich auf der Liste wieder. Danach folgte eine Abstimmungsphase, in der für die Nominierten gestimmt werden konnte. Ich habe dazu auf meinem Blog sowie auf der Fanpage aufgerufen. Die Kandidaten mit den meisten Stimmen kamen in die Endrunde, in der die Jury selbst entscheiden wollte, wer den Preis verdient hat. Meine Fans und Leser haben mir so viel Unterstützung gegeben, dass ich es ins Finale geschafft habe und die Jury überzeugen konnte. Sie schrieb über mich folgende wertschätzenden Worte: “Klappentexterin Simone Finkenwirth vereint gekonntes, elegantes, schönes Schreiben mit Herzblut für ihre Themen, mit kritisch-liebevoller Distanz, Meinungsstärke und Sachkenntnis – sie hat sich unserer Meinung nach diese erstmals vergebene Auszeichnung redlich erschrieben.” Als Preis gab es einen hübschen Blumenstrauß und einen schönen Pokal.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich habe meinen Blog gegründet, um unabhängig über die Bücher zu schreiben, die mir am Herzen liegen und die ich mir aussuche. Selbstbestimmtheit ist mir wichtig und so wähle ich meine Lektüre aus. Mein Zeitplan ist straff, weshalb ich Anfragen genau unter die Lupe nehme und nur solche Bücher auswähle, die mich wirklich interessieren. Mein Blog soll mir Spaß bereiten, doch wenn ich mich selbst durch zu viele Bücher in die Enge treiben würde, würde aus der bunten Spielwiese sprödes Heu werden.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Wie bereits erwähnt, wähle ich mir meine Bücher selbst aus. Das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun, sondern mit Freiheit. Das zu lesen, was ich möchte – und die Zeit, in der ich das machen kann, ist eng begrenzt. So habe ich nur maximal zwei Stunden dafür am Tag Zeit dafür – außer an den Wochenenden oder im Urlaub. Ich möchte mich nur ungern von meiner Lesefreiheit trennen. Auf der anderen Seite sehe ich, wie schwieriger es für Schreibende wird, ihre Werke bei Verlagen unterzubringen.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Für mich ist ein eBook der Kühlschrank unter den Büchern. Die elektronischen Bücher sind praktisch, aber kalt, kein sinnliches Erlebnis. Wenn ich lese, brauche ich den Papiergeruch (jedes Buch riecht anders) und das wunderschöne, knisternde Rascheln der Seiten. Ich möchte sehen, wie viele Seiten ich noch vor mir habe. Ein Buch in der Hand zu halten, hat auch etwas Heimisches und Vertrautes für mich. Es ist ein Schwert, das stressige Zeiten abwehrt und mir das Gefühl von Geborgenheit schenkt. An einem Buch kann ich mich festhalten, mit einem eBook wäre das ein Ding der Unmöglichkeit. Nein, vorerst bleibe ich lieber beim klassischen Buch. Wenngleich mir klar ist, dass eBooks ein Thema für die Zukunft sein werden.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hier sind schon einige mir wohl vertraute und hochgeschätzte Blogs zu Wort gekommen oder wurden bereits erwähnt wie die liebe Mareike, die mir den Staffelstab in die Hand gedrückt hat. Außerdem Bibliophilin, buzzaldrins Bücher, SchöneSeiten, Syn-ästhetisch, die Seitenspinnerinnen sowie Herr Flatter Satz, deshalb seien auch folgende genannt: writeaboutsomething, Japanliteratur.net, Literaturen, das Experiment 1001 Bücher, Ein Buch muss die Axt sein und … ach, ich darf ja nur fünf nennen. Schade!

Aber ein Blog liegt mir persönlich sehr am Herzen. So wünsche ich mir Ada Mitsou liest… als nächste Stimme in dieser Runde, eine sehr geschätzte Bloggerkollegin von mir, die ein besonderes Gespür für feine Kinderbücher und für das kleine großartige PapierBücherGlück hat.

Danke sehr Simone für deine Auskünfte und besondere Nikolauspräsente in Form von Blogpreziosen.

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Zuletzt stellte sich Marcus Johanus mit seinem gleichnamigen Blog vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Axel Hollmann. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Caterina mit „SchöneSeiten“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts erläutert habe.

Heute stellt sich Caterina vor, die das Literaturblog SchöneSeiten pflegt. Gewünscht hatte sich das Kerstin Pistorius, die Atalantes Historien pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Aufgewachsen bin ich auf der Insel Rügen, zu Hause fühle ich mich aber mittlerweile in Berlin und auch ein wenig in Italien, wo ich eine Weile gelebt, studiert und gearbeitet habe und wohin ich immer wieder gerne zurückkehre. Seit einem Jahr wohne ich im – wie ich finde – mäßig attraktiven Frankfurt und mache meine ersten Gehversuche im Verlagswesen.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Das Bloggen im weitesten Sinne habe ich schon vor langer Zeit für mich entdeckt – wenn man das Basteln von Webseiten, in die man undifferenziert all das hineinpackt, was das eigene Leben ausmacht, und deren einziger Leser man selbst ist, als Bloggen bezeichnen kann. Vor zwei, drei Jahren dann die Wende: Ich wechselte zu WordPress, gab meinem Webauftritt eine inhaltliche Richtung und nahm erstmals Kontakt zu anderen Schreiberlingen auf.

Private Anekdoten gibt es seither keine mehr. SchöneSeiten ist mittlerweile ein reiner Literaturblog, auf dem fast ausschließlich Buchbesprechungen zu finden sind. Warum Literatur? Sie ist meine Leidenschaft, sie begleitet mich sowohl in meinem privaten als auch in meinem beruflichen Leben, sie eröffnet mir Welten, sie zeigt mir, was für ein wunderbares und aufregendes Werkzeug die Sprache ist.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich befasse mich hauptsächlich mit deutschsprachiger und internationaler Gegenwartsliteratur fernab der Genres. Dabei gilt mein besonderes Interesse (aufgrund meiner Studienschwerpunkte) einerseits der aktuellen italienischen Literatur, andererseits literarischen Verarbeitungen der Holocaust-Erfahrung. David Grossmans „Stichwort: Liebe“, Jonathan Safran Foers „Everything Is Illuminated“ und Nicole Krauss’ „The History of Love“ gehören zu den beeindruckendsten Romanen, die ich jemals gelesen habe.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

So einiges, da ich wie gesagt selbst in der Branche tätig bin: u.a. die Frage, die Atalante in der Gesprächsreihe bereits aufgeworfen hat, und zwar diejenige nach der Unabhängigkeit der Literaturkritiker und generell aller Kulturschaffenden. Bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Buchpreises ist mir jüngst wieder bewusst geworden, wie sehr hinter den Kulissen auch politische und wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen. Dass es eben nicht einfach nur um gute Texte und gute Autoren geht, ist eine ernüchternde Erkenntnis, wenn man sich ursprünglich mit einem gewissen Idealismus dem Gegenstand Literatur verschrieben hat.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Indem ich einerseits relativ häufig und ausführlich auf anderen Blogs kommentiere (so viel, dass ich mittlerweile das Gefühl habe, dort präsenter zu sein als auf meinem eigenen Blog) und indem ich andererseits eine Facebook-Seite betreibe, auf der ich allerlei Webfundstücke präsentiere, die über die Inhalte meines Blogs hinausgehen (Rezensionen, Interviews, Debatten, auch Beiträge zu anderen Künsten wie Fotografie und Musik).

schöne Seiten … © Caterina

Außerdem kommentiere ich auf anderen Facebook-Seiten (etwa von Verlagen oder Kulturinstitutionen) nie unter meinem eigenen Namen, sondern ausschließlich als SchöneSeiten, sodass die Leute darauf aufmerksam werden. Übrigens glaube ich, dass meiner Facebook-Seite viel mehr Leute folgen als meinem Blog, wohl weil die knappen „Kulturnews“ bekömmlicher sind als meine weitschweifigen Rezensionen. – Von Werbung für den Blog kann also eigentlich gar keine Rede sein ;).

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich möchte anderen Bloggern ungern sagen, was sie tun und lassen sollten, da ich meinen Blog selbst nicht gerade vorbildlich führe. Mir fehlt leider die Zeit (und hin und wieder auch die Geduld), meine Seite regelmäßig mit Material zu speisen, was zur Folge hat, dass sie – für Internetverhältnisse – ziemlich selten aktualisiert wird und es lange Durststrecken gibt. Andererseits bin ich der Ansicht, dass man die Leser auch nicht überfordern sollte: Ich denke, ein bis drei Beiträge pro Woche sind ein guter Schnitt (den ich selbst nicht einhalte).

Ansonsten gelten die üblichen Regeln: fair und sachlich sein (sowohl in den eigenen Beiträgen als auch in den Kommentaren), gut argumentieren, nicht beleidigen, sich um ein zivilisiertes Miteinander bemühen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Das Bloggen ist wie gesagt ungemein zeitintensiv, zumindest wenn man den Kontakt zu anderen Bloggern sucht und um einen regen Austausch bemüht ist. Mir fällt es schwer, oft und regelmäßig Beiträge zu veröffentlichen. Um dennoch nicht in Vergessenheit zu geraten, füttere ich eifrig meine Facebook-Seite (was kaum Aufwand bedeutet) und melde mich häufig auf den anderen Blogs zu Wort.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

An ein spezielles Erlebnis kann ich mich nicht erinnern, generell empfinde ich aber diesen Dialog, in den man mit den anderen Bloggern tritt, als überaus bereichend. Es ist immer schön zu wissen, dass man nicht nur für sich selbst schreibt, sondern dass es da Leser gibt, die sich für deine Texte interessieren und die aus ihnen irgendeine Erkenntnis gewinnen – und sei es die Erkenntnis, dass man völlig verschiedener Meinung ist.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist bisher noch nicht vorgekommen. Ich selbst habe noch nie ein Rezensionsexemplar angefordert, und mein Blog ist offenbar noch nicht so bekannt, dass die Verlage von selbst auf mich zukommen. Generell lehne ich diese Prozedur nicht ab, allerdings würde ich mich umfassend über das jeweilige Buch informieren und mich vergewissern, dass es in etwa meinem Geschmack entspricht. Außerdem lasse ich mich ungern unter Druck setzen, da ich ohnehin schon so wenig Zeit für meinen Blog zur Verfügung habe, d.h. ich würde mir eine ausreichend lange „Bearbeitungsfrist“ zusichern lassen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich arbeite ja, wie bereits gesagt, in der Buchbranche, beobachte das Phänomen Self-Publishing also aus beruflichem Interesse und sehe das Potential, das darin steckt. Daher müsste ich eigentlich sagen: Ich halte es mit selbstverlegten Büchern genauso wie mit den „traditionell“ bzw. „professionell“ verlegten, d.h. ich informiere mich umfassend über den Titel und entscheide dann, ob er in das Profil von SchöneSeiten passt. Doch die Wahrheit ist, dass ich auf ein solches Rezensionsangebot sehr skeptisch reagieren würde, um nicht zu sagen: Ich würde es vermutlich aus Prinzip ablehnen.

Warum das?

Wirklich begründen kann ich es nicht; es liegt wohl daran, dass es in meinem Kopf (noch!) eine Art Schranke gibt: Ich verbinde Self-Publishing nicht mit Qualität und glaube nach wie vor an die Rolle der Verlage, sprich der Lektoren, der Hersteller, der Graphiker usw., denn wenn dem nicht so wäre, dann müsste ich dringend meinen Berufswunsch überdenken. Gleichzeitig bin ich mir aber sehr wohl darüber bewusst, dass auch die traditionellen Buchverlage schon längst keine Garantie mehr für Qualität sind. Ein Dilemma…

Wie hältst du es mit dem eBook?

Ich benutze beruflich einen e-Reader, um Manuskripte zu lesen und zu prüfen – das reduziert den Papierverbrauch ungemein, was ja auch keine schlechte Sache ist. Allerdings habe ich noch nie ein eBook gekauft, für meine privaten Lektüren bevorzuge ich dann doch das gedruckte Buch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Viele der Blogs und Blogger, die ich sehr schätze und die eine große Inspirationsquelle für mich darstellen, wurden bereits genannt und mitunter auch schon in dieser Interviewreihe vorgestellt, weshalb ich ihre Namen an dieser Stelle nicht wiederholen werde. Hinzufügen möchte ich Bibliophilin, wortlandschaften (der zwar leider selbst nicht mehr bloggt, aber nach wie vor sehr eifrig liest und kommentiert), das glasperlenspiel13 sowie 1001 Bücher. Als nächste Gesprächspartnerin wünsche ich mir Syn-aesthetisch, die mich überhaupt erst in die Gemeinschaft der Literaturblogger eingeführt hat und der ich hiermit ganz herzlich danke.

Danke sehr, Caterina. Die Urheberin von Syn-aesthisch wurde in der Gesprächsreihe ja bereits verschiedentlich mit Lob bedacht. Nun hoffe ich doch sehr, dass sie sich den Fragen stellen wird.

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Zuletzt stellte sich Buechermaniac mit der lesewelle vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin von glasperlenspiel13. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier