Steglitz stellt Kid37 mit „Das hermetische Café“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Von @Anousch, die ihr gleichnamiges Blog Anousch betreibt, kam der Vorschlag, dass wir Kid37 etwas näher kennenlernen sollten, der Das hermetische Café betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Geboren in Wuppertal – seit Mitte der 90er in Hamburg – wohnt am Wasser und kann zum Einschlafen Boote zählen – schreibt seit neun Jahren ins „Hermetische Café“ – macht „was mit Medien“

Seit wann, warum und wo bloggst du?

© Das hermetische Café

© Das hermetische Café

Eine schöne Bescherung: Nach ersten Versuchen anderswo blogge ich seit Heiligabend 2003 bei Blogger.de. Die Plattform galt damals als „kleiner Bruder“ vom einst legendären Antville, das ähnlich wie Twoday auf derselben Software basiert. Das Hermetische Café begann dann als eine Mischung aus Schreibtherapie und experimenteller Kleinkunstbühne, wo ich doof, albern, traurig und schräg sein konnte, allerdings nach der Show ohne Tomaten nach Hause gehen musste. Ich mochte von Anfang an die Idee, die unterschiedlichsten, konträrsten Dinge im Zickzack in ein Blog stellen zu können, wie in eine Wunderkammer. Nachts lange wach sitzen, hoffen, dass der Server nicht abstürzt und mit anderen das Netz vollschreiben.

Deine Themenschwerpunkte …

Lange Zeit schrieb ich nur über wirklich wichtige Dinge im Leben: Ringelstrümpfe, tote Tiere und andere skurrile Funde links und rechts der Wegstrecke. Heute bin ich etwas entspannter und schreibe auch schon mal über Quatsch. Mittlerweile habe ich auch eine Reihe autobiografischer Fiktionen aufgezeichnet, über Leben, die ich nie gelebt habe. So ein Blog ist ja wie ein Kamin, vor dem man sitzt und Fäden spinnt.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich mache ab und an bei Lesungen mit, zuletzt meist bei den Hamburger Kaschemmenlesungen, die Isabo und Herr Buddenbohm veranstalten. Das unterhält mich und manchmal auch andere. Spannend finde ich, wie viele Blogger mittlerweile Bücher veröffentlichen. Darunter sind bewundernswert talentierte Leute. Ich selbst rede lieber über Romane, die ich hätte schreiben können. Man kann das auch einen Mangel an Disziplin nennen. Andererseits glaube ich, dass „Bloggen“ als Kulturphänomen nach wie vor unterschätzt wird, wie Comix früher oder Computerspiele. Wir sind noch in der Stummfilmphase, aber ab und an schaut bereits Kafka vorbei und weint.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Wir besuchen uns alle regelmäßig gegenseitig. Mit Kaffee und Kuchen, und ich hab das dann alles ausgedruckt.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Blogs sind eine gar nicht mal schwache, unabhängige Stimme. Drei Akkorde, und raus auf die Bühne! Ich finde es schade, wenn Blogger allzu leicht diese ganz eigene Stärke aus der Hand geben, sich schwach machen. Werbung für große Konzerne zum Beispiel ist bei anderen Medien sicher besser aufgehoben. Interessanterweise sehen das manche anders – das macht Blogs so irre aufregend.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ich hatte nur schöne Erlebnisse beim Bloggen. Und alles war ganz leicht.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger?

Ich habe durchs Bloggen sehr interessante, sehr liebenswerte und häufig sehr faszinierende Menschen kennengelernt. Solche, die für eine Sache oder eine Idee brannten. Und manchmal brannte man auch für einander.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das trauen die sich nicht.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich suche mir meine Themen eher selbst, und bei Geschenken sage ich Danke. – Manchmal rührt mich was, manchmal entdecke ich etwas sehr hübsches, indem man mich darauf stupst.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Es macht Spaß, alte, teils obskure Werke in der Public Domain zu finden. Oder sich welche dieser Independent-Magazine als PDF herunterzuladen. Und liegt man krank auf dem Sofa, ist ein E-Book-Reader ein tapferer Geselle. Mein Gerät liest sogar mit einer Angst einflößenden Computerstimme vor. Man wird sofort gesund! Einmal habe ich ein aktuelles E-Book gekauft. Das war von der wunderbaren Anousch, die mich an die junge Isabelle Huppert erinnert, und die die schönsten Tweets schreibt.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5)?

Mek Wito mit mitquito (später wird alles trübe) – weil er Hamburg zwar abtrünnig geworden ist, aber immer noch mit wilden Abenteuern und singenden Texten begeistert. Madame Modeste – weil sie seit Jahr und Tag mit feiner Ironie und ehrlicher Zuneigung die Zumutungen und Freuden dieser chaotischen, großen Stadt beschreibt, die im Osten von Hamburg liegt. Miss Wurzeltod – weil sie eine prall gefüllte Wunderkammer mit obskuren, makabren und überaus sinnvollen Kunstschätzen gefüllt hat (leider aber ein wenig pausiert). Und Unter Geiern – weil dort jemand mit Hingabe und reicher Kenntnis Kultur und Reise und Alltag so mischt, dass man ohne den Schreibtisch zu verlassen viele Schritte mitgetan hat.

Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Auf jeden Fall Herr Fabe, dessen Blog coderwelsh/sychron. eines der ersten war, die ich regelmäßig las. Er schreibt kleine, schräggestrickte Vignetten, ganz unaufgeregt und leider zu selten.

Es hat zwar ein Weilchen gedauert bis ich dich an der Angel hatte. Wohl war es mir dann ein doppeltes Vergnügen … Danke sehr, auch für die besonderen Blogpreziosen, die du uns ans Herz legst.

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Zuletzt stellten sich die Herren sandhofer und scheichsbeutel mit litteratur.ch vor. Deren Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin von Bleisatz. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt die Bücherliebhaberin mit „Glasperlenspiel13“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Die Empfehlung, dass wir die Bücherliebhaberin und ihr glasperlenspiel13 näher kennen lernen sollten, stammt von Buechermaniac, die lesewelle pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich nenne mich auf meinem Blog Bücherliebhaberin, bin 80er Jahrgang und komme gebürtig aus Leipzig. Momentan wohne ich in der Nähe – ich zitiere Caterina, die in ihrem Porträt hier gesagt hat: „vom mäßig attraktiven Frankfurt“. Habe ein geisteswissenschaftliches Studium hinter mir und bin beruflich in der PR Branche unterwegs. Einige Familienmitglieder verweigern sich mittlerweile mir Bücher zum Geburtstag zu schenken, da seit Jahren nichts anderes auf meinem Wunschzettel steht.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit März 2011 auf blogger.com Würde sehr gern wechseln, scheue mich aber vor dem Zeit- und Arbeitsaufwand, der damit verbunden ist. Zum Bloggen hat mich meine Schwangerschaft gebracht. Ich wusste, dass ich das erste Jahr mit Kind zu Hause bleiben werde und hatte ein wenig Horror davor überhaupt nicht mehr geistig gefordert zu sein. Ein Blog schien mir genau das Richtige, um meine Leseleidenschaft weiterzuführen, dem Windelwechsel-Alltag ein wenig zu entfliehen und meiner Liebe zu Strukturen, Listen und Tabellen gerecht zu werden. Viele befreundete Mütter meinten, dass ich die Zeit zum Lesen UND für den Blog nicht haben würde. Bis jetzt klappt es aber eigentlich ganz gut. Mein Sohn ist immerhin schon anderthalb.

Deine Themenschwerpunkte …

Bücherliebhaberin mit Lieblingsfigur aus der Literatur © glasperlenspiel13

Auf meinem Blog findet man zeitgenössische Literatur aber auch ältere Werke; viel aus spanischsprachigen Ländern und Osteuropa. Bei mir eher unterbesetzt: Literatur aus dem englischsprachigen Sprachraum und Krimis. Ich besuche relativ viele Lesungen und berichte natürlich auch über meine Eindrücke.

Vor einiger Zeit habe ich meine Freude an Specials entdeckt. Das bedeutet, dass ich eine Woche lang jeden Tag einen Beitrag zu einem ganz bestimmten Thema veröffentliche. Anfang des Jahres war es die Leipziger Buchmesse, kurz darauf eröffnete ich die Jüdische Woche und erst vor wenigen Wochen endete die Lateinamerikanische Woche. Das nächste Special steht bereits in den Startlöchern – zumindest gedanklich.

Ja und dann gibt es noch „en español“ und „en français“. Das bedeutet in regelmäßig unregelmäßigen Abständen erscheinen auf glasperlenspiel13 spanische und französische Artikel. So bleiben meine Fremdsprachenkenntnisse ein wenig in Schuss.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die Verdrängung der Inhabergeführten Buchläden. Und zum anderen: Das permanente Geschrei um das eBook. Das ist nun mal die Entwicklung. Wer nutzt denn heute noch Schallplatten für die Musikrezeption? Das bedeute aber nicht, dass ich selbst auch eBooks konsumiere – im Gegenteil.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Da triffst du einen wunden Punkt. Kurz nach dem Start meines Blogs habe ich eine Seite beim „blauen Netzwerk“ eingerichtet, um dann doch die Finger davon zu lassen. Monate später habe ich erneut einige Posts eingestellt. Langfristig werde ich wohl eher darauf verzichten. ABER: Sag niemals nie.

Viele Blogger beklagen, dass bei Ihnen zu wenig kommentiert wird und gehen dann den Weg über Twitter und andere. Auch bei mir kommen keine 20 Kommentare bei jedem Beitrag zustande. Natürlich freue ich mich über jeden Austausch aber ich habe in den letzten Monaten auch viele Rückmeldungen aus meinem persönlichen Umfeld erhalten. Sei es per Telefon, per Mail oder über direkten Kontakt. Das motiviert und spornt ebenso an.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Persönliche Angriffe auf andere Blogger. Werbung für amerikanische Versandhäuser mag ich persönlich überhaupt nicht. Aber letztendlich ist jeder Blog der individuelle Ausdruck einer einzelnen Person und da kann man schlecht was vorschreiben.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Am Anfang muss man sich einige Zeit nehmen, um sich mit der Nutzeroberfläche anzufreunden und danach benötigt man noch mehr Zeit, um seinen Blog zu pflegen. Nebenbei lese ich auch sehr gern andere Blogs, möchte auch da einen Kommentar hinterlassen, wenn angebracht. Das ist auf jeden Fall ein enormer Zeitaufwand, auf den ja in dieser Reihe auch schon andere Blogger hingewiesen haben.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

1) Als ich Javier Marías den Link zu meinem Beitrag über seine Lesung schickte, stelle er diesen kurzerhand auf seinen Blog. Eine Stunde später hatte ich halb Lateinamerika und Spanien bei mir zu Gast … 2) Die Einladung, hier Antworten geben zu können. 3) Andere Blogger persönlich kennenzulernen: Wie in dem Fall von Caterina.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich schau mir immer genau den Inhalt an, ob es mich interessieren könnte. Wenn nicht antworte ich höflich, dass es einfach nicht meinen Geschmack trifft. Hin und wieder frage ich auch mal einen Verlag nach einem Rezensionsexemplar. Meist aber nur kleinere Verlage, da die großen eh mit Anfragen überschwemmt werden.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ähnlich. Entweder es passt oder eben nicht.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Dazu kann ich nur sagen: Ich nenne mich Bücherliebhaberin und werde mich niemals in eBook-Liebhaberin umbenennen. Auf diesem Gebiet bleibe ich sicher altmodisch. Selbst das Argument ein E-Reader sei praktisch für Reisen überzeugt mich einfach nicht, da ich meine Wälzer auch in der Ferne in den Händen halten will. Dann pack ich lieber eine Hose wieder aus. – Selbst Hörbüchern stand ich jahrelang sehr skeptisch gegenüber. Und Taschenbücher kommen mir grundsätzlich nicht ins Haus. Du siehst altmodischer geht es wirklich nicht.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hier sind schon viele gute Empfehlungen zusammengekommen, die auch meinen Geschmack treffen. Zwei Blogs wurden noch nicht genannt, deshalb möchte ich an dieser Stelle auf diese hinweisen. Besonders beeindruckend finde ich die Impressionen auf Where books live…. Wo Bücher wohnen. Und wer sich besonders für Kinderbücher interessiert, sollte bei Papillionis liest vorbeischauen, auch wenn es da momentan etwas ruhiger zugeht. – Als nächste Gesprächspartnerin wünsche ich mir Ruth von Ruth liest. Mit ihr verbindet mich die gemeinsame Leidenschaft für die Leipziger Buchmesse.

Danke sehr. Auch dafür, dass du Ruth zum Gespräch bittest, ihr Blog wurde hier ja bereits verschiedentlich als Perle gehandelt.

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Zuletzt stellte sich @Anousch mit Anousch vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war der Betreiber von Kid37. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt @Anousch mit „Anousch“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Mit @Anousch, die sich und ihr gleichnamiges Blog heute auf Wunsch von Ada Textkrieg vorstellt, holen die Frauen auf. Das heißt, dass das Missverhältnis innerhalb dieser Gesprächsreihe, das ich am 30. September noch konstatierte, nun ausgeglichen ist. Abzuwarten bleibt natürlich, ob es hier gendermäßig weiterhin ausgewogen zugeht, ob sich die Bloggerinnen gar an die Spitze setzen oder ob die Blogger wieder geballt nachlegen …

Dein Steckbrief in Stichworten …

1979 Geburt in Erfurt/seit 2001 in Berlin/Boxen, Segeln, Reisen/2008 Magister in Literaturwissenschaft (Adalbert Stifter)/danach Jahre in Therapie und Internet/schließlich Heilpraktiker-Ausbildung (Esoterik nein, Suggestion ja)/ Zen/2012 Mann, Kind, Roman.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Anousch © Anousch Otto

Seit 2007, ursprünglich auf Twoday, zuerst hier, später dort, bis ich mit Anousch endgültig bei WordPress gelandet bin. Die Zeit auf Twoday war sehr aufregend, inspirierend, mitunter beglückend. Das Bloggen hat mir über eine lange Zeit der Isolation und Depression hinweg geholfen. Bei Twoday befand ich mich in einer kleinen, warmherzigen, gebildeten und gewitzten Community. In den Kommentaren fand das eigentliche, oftmals nächtelange Spektakel aus Wortspielereien, Reflexionen, Melancholie und Klamauk statt. Ich habe viele Menschen ins Herz geschlossen, von denen mir einige fehlen, weil sie verschwunden sind. Twitter hat dann für mich alles verändert und das Bloggen entbehrlicher gemacht. Aber die Sehnsucht danach ist geblieben. Es ist ja wie eine Flaschenpost, die immer jemanden erreicht.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich hatte immer etwas mit Land und Lyrik im Sinn. Ich liebe Brandenburg und das ziellose Herumcruisen. Aber bei Twoday ist schnell etwas anderes entstanden. Irgendwas mit Aeorophilie, Fährtenlesen, Biofiktion. Assoziationscluster und Bekenntnisse, Wort-Bild-Spiele, vieles, das sich erst mit dem Link auflöste bzw. mehr zur Verrätselung beitrug.

Inzwischen schreibe ich in größeren Abständen Rückblicke auf die vergangenen Monate. Ich habe mich zerstreut durch Twitter, Facebook, Instagram. Vielleicht es mal wieder Zeit, konzentriert Texte zu Bildern zu fügen und zu bloggen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Naja, mein eigener Roman, der hoffentlich momentan wie ein schönes Turnierpferd gehandelt wird. Ansonsten interessiert mich der Literaturbetrieb nicht sonderlich. Aber dieser Text „Das Nächste, bitte!“ von Stephan Porombka hat mich begeistert. Außerdem finde ich die Umtriebe von Christiane Frohmann spannend. Das einzige, das ich jemals als Szene leibhaftig wahrgenommen habe, sind die Lesereihen, die Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer veranstaltet. – Soweit ich weiß, stand dir Herr Fitz  hier ja bereits Rede und Antwort.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ganz klassisch via Facebook und Twitter.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Nichts. Ich schätze die ganze Bandbreite menschlichen Irrsinns.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Gelesen zu werden. Je mehr Blogs es gibt, umso schwieriger wird es, überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Ein gutes Mittel, Aufmerksamkeit zu erzielen ist es, auf den Punkt zu kommen. Redundanz ist ein schlimmes Übel. Ausschweifung eine Kunst. Der letzte, der das meiner Meinung nach beherrscht hat, war Thomas Mann. Und der war ja kein Blogger. Zum Glück, sonst hätte er uns jeden Morgen mit einem Verdauungspost genervt.

Ich möchte mir nicht den Finger wund scrollen, wenn ich einen Blogtext lese. Es sei denn, ich bin gefesselt, was in der Tat einige Blogger vermögen. Ansonsten kann man auch mit der kleinen Form immer wieder große Wirkung erzielen. Ganz wunderbar macht das Horst, Hund und Brodt. Außerdem liebe ich die Gedichte von Jost Renner.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Eine Nacht auf dem Zauberberg.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Soweit habe ich es noch nicht gebracht.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Es kommt ganz darauf an, ob mich das Werk interessiert. Aber grundsätzlich sehe ich mich derzeit nicht als Rezensentin. Nur wenn mich etwas so begeistert oder empört, dass ich andere daran teilhaben lassen möchte, dann mache ich darauf aufmerksam.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Hätte ich eines, hielte ich es sicher gut mit ihm. Ich vermisse es aber auch nicht. Mein iPhone ist mein eBook und das ist inzwischen wie ein zusätzliches Organ.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Platz nehmen auf dem West-Fernöstlichen Divan. Einander verstehen, hey!: Amorphismen.

Ein Maniac, Autor einer schrägen Never-Ending-Story, der „Balzac des Internets“ (Jan-Uwe Fitz): Erdge Schoss.

Kirschkern, Kunst und alles kursiv: Schneck.

Bloggt aus der Auguststraße und aus ihrer Seele heraus: Gaga Nielsen.

Ich reiche das Wort weiter an den unvergleichlichen Kid37. Eine Eminenz im lateinischen Wortsinn.

Vielen Dank, Anousch, auch für deine großartigen Blog-Preziosen. Und: Glück auf mit deinem TWEETeBOOk „Bescheiden, aber auch ein bisschen göttlich„, das der Frohmann Verlag aufbereitet hat.

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Zuletzt stellte sich Jutta S. Piveckova aka Melusine Barby mit Gleisbauarbeiten vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war Hartmut Abendschein, der u.a. taberna kritika verantwortet und gemeinsam mit Christiane Zintzen litblogs.net herausgibt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Ada Blitzkrieg mit „text krieg“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute lernen wir Ada Textkrieg aka @bangpowwww on Twitter kennen, die text krieg pflegt. Dass sie hier zu Wort kommt, hat sich der Kopf gewünscht, der den Zeitspiegel macht.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Kreuzberg. Texthaudegen. Motiviert. Jung. Journalistin. Autorin. Bloggerin. Textkrieg. Popkultur. Dinge mit Tieren am Laufen haben. INTRO Magazin. In Bewegung.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Textkrieg ist in der Tat mein erstes eigenes Blog. Jahre davor, in einem Alter von etwa 16 Jahren, habe ich mich auch bei neon.de, jetzt.de und im lokalen Forum meines damaligen Wohnortes herumgetrieben und tiefnachdenkliche Texte oder Gedichte publiziert, die in erster Linie dazu dienten, Jungs klarzumachen oder umsonst in die Disko zu kommen. Irgendwann hat sich das geändert. Inzwischen publiziere ich unter Textkrieg und über Twitter meine Gedanken und nutze diese Plattformen nicht mehr zum Generieren von Geschlechtsverkehr oder Anerkennung, sondern als Megafon für meine Energien und Philosophien. Das Projekt Textkrieg dürfte jetzt zwei Jahre alt sein und ich bin immer noch verliebt wie am ersten Tag.

Deine Themenschwerpunkte …

DAS Thema des Blogs © Ada Blitzkrieg

Ich selbst bin der Themenschwerpunkt meines Blogs. Ich intensiviere und verschriftliche alle Gedanken, die einem jungen Menschen in einer Großstadt so überfallen. Dabei sind die Themen oft unterhaltsam (Kurzgeschichten), politisch (Barbara Scheel und der Rassismus), kulinarisch (Rezepte) oder einfach nur aus meinem Leben (Reisen, Konzerte, Pop, Literatur). Derzeit experimentiere ich viel mit SoundCloud und versuche, einige meiner Texte auch als Audiofassung anzubieten, um damit auch einer Lesergruppe Zugang zu den Inhalten meiner Texten zu verschaffen, denen das Lesen langer Texte nicht vertraut ist oder eben für blinde Menschen. Das Echo ist bisher sehr gut ausgefallen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich habe schon oft versucht für mich selber zu erkennen und zu verstehen, warum ich ein Buch bedingungslos liebe oder es bereits nach den ersten Seiten wieder beiseitelege. Ich bin nicht themengebunden. Die Art und die Leidenschaft der Erzählung ist es, die mich bindet.

Ich liebe Christian Kracht – auch nach Jahren. „Imperium“. Wow! Gut, er ist etwas ausgelutscht durch das Feuilleton und er wirkt menschlich unglaublich kalt, aber die Leidenschaft in seinen Büchern ist der Motor meiner Aufmerksamkeit. Sybille Berg legt eine ähnliche Leidenschaft ans Tageslicht und ihr neuer Roman „Vielen Dank für das Leben“ wirkt ehrlich und bewegt mich sehr. Ich kann schwer sagen was mich besonders im Literaturbetrieb rumtreibt. Viele meiner Freunde sind Autoren und veröffentlichen derzeit Stoff und ich liebe ihre Bücher. Linus Volkmann schrieb kürzlich „Kein Schlaf bis Langenselbold“ und hat mir damit ein paar schöne Stunden geschenkt.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich verweise über Twitter und Facebook auf den neuen Beitrag.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das kommt ganz darauf an was man mit seinen Inhalten überhaupt möchte. Wer ist man? Was möchte man? Wen möchte man erreichen? Wie möchte man sich darstellen? Ich scheine recht intuitiv die richtigen Themen und die richtigen Worte zu finden. Ich würde es als sehr schlimm empfinden mich eines Tages wegen „Was sollten Blogger sein lassen“-Regularien entfremdet von meinem eigenen Blog zu erkennen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Je größer die Reichweite des Blogs, desto mehr Menschen glauben zu spüren, dass sie ein Anrecht auf die Inhalte haben. Es wird Lob und Kritik verübt, die den Urheber dann auf den unterschiedlichsten Kanälen erreicht. Das ist schön und eine große Chance solange die Kritik sachlich und beitragsspezifisch stattfindet und nicht persönlich und verletzend daherkommt.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Wenn ich den Computer abends ausschalte und mich trotzdem auf den nächsten Tag freuen kann.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

So was würden Verlage machen?

Wie hältst du es mit dem eBook?

Meine Hände haben genau die richtige Größe für mein Kindle. Ich reise viel und bin viel in der Stadt unterwegs. eBooks und ich funktionieren gut zusammen.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Unbedingt das Blog von Mischa-Sarim Vérollet anschauen. Cartoons und allerlei hübscher Tand aus dem Leben eines sympathischen Autors. Herms Farm passt für mich in keine Kategorie und bekommt daher eine eigene Zuordnung: In der Kategorie Hermsfarm empfehle ich also das Blog von Herms Farm. Ich mag classless Kulla und über Horst, Hund und Brodt hängen Rauchschwaden.

Außerdem möchte ich uneingeschränkt GIRLS CAN BLOG von Annina Luzie Schmid über Frauen im Netz empfehlen. Im Interview würde ich mir gerne eine inspirierende Frau wünschen: @Anousch mit ihrem Blog Anousch.

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Zuletzt stellte sich Lothar Struck alias  Gregor Keuschnig mit Begleitschreiben vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war der Der Buecherblogger. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier