Steglitz stellt Stefanie und Yvonne mit „Leselink“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir mehr über Stefanie und Yvonne erfahren sollten, die gemeinsam Leselink verantworten, schlug Harald Sack vor, der Biblionomicon pflegt.

Euer Steckbrief in Stichworten …

Stefanie: Jahrgang ‘76, schreibt beruflich Webtexte, absolviert gerade ein Schreibstudium, nimmt dieses Jahr zum ersten Mal am NaNoWriMo teil. Freizeit: guckt ständig Filme (am liebsten von Sofia Coppola), liest Bücher (gerne Dystopien), liebt die Nordsee und englischsprachige Länder, betreibt zusammen mit Yvonne einen Buchclub, Filmclub und Spieleclub und bloggt über all das.

Yvonne: Gleicher Jahrgang wie Stefanie. Liest und schreibt, reist gerne, bloggt und sieht Filme. Mag Kafka und Clarke, Lynch und Burton, Las Vegas und die Camargue, Worte und Zahlen. Beruflich im Bereich Finanzen und Business Intelligence tätig. Träumt von Haus mit Garten, Hund und Roman.

Seit wann, warum und wo bloggst ihr?

Stefanie und Yvonne © leselink.de

Yvonne bloggt schon seit Juni 2011 auf blogspot.de, Stefanie kam im September dazu. Da wir viel lesen und für unsere Buchclub-Treffen ohnehin über die Bücher recherchieren, wollten wir unsere “Referate” auch anderweitig nutzen. Bald kamen noch weitere Themen hinzu. Da wir beide planen, in näherer Zukunft Romane und Sach-eBooks zu schreiben, wollten wir uns über unseren Blog ein Netzwerk aufbauen, das uns später bei der Verbreitung unterstützen könnte.

Im Mai 2012 sind wir auf unsere eigene Domain leselink.de umgezogen und haben fortan WordPress genutzt, weil es uns deutlich mehr Möglichkeiten gibt, selbst in Design und Technik einzugreifen bzw. – um ehrlich zu sein – eingreifen zu lassen. Viele Kleinigkeiten im Hintergrund, die uns bei blogspot Kopfzerbrechen bereitet haben oder schlicht nicht lösbar waren, gehen uns bei WordPress ganz leicht von der Hand, weil es eine riesige Community gibt, die ständig daran weiterentwickelt.

Eure Themenschwerpunkte …

Kurz gefasst: Bücher, Filme und Kultur. Wir rezensieren Bücher, die uns gefallen, besprechen Filme, die wir gut (oder manchmal auch nicht so toll) finden und berichten über Veranstaltungen, die wir besuchen. Angefangen haben wir, wie oben ausgeführt, mit Büchern, da das auch die Gemeinsamkeit war, die uns aufeinander neugierig gemacht hatte. Schnell stellten wir fest, dass uns noch sehr, sehr viele andere Sachen interessieren und haben dann angefangen, auch über gute Filme zu schreiben. Beides zusammen ist natürlich ein weites Feld, über das wir noch lange bloggen können. Wenn es sich gerade ergibt, berichten wir aber auch über andere kulturelle Veranstaltungen, stellen Schreibtipps vor, die uns persönlich geholfen haben oder erzählen hin und wieder aus unserem Blogger-Alltag.

Was treibt euch in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Aktuell nach der Verleihung des Nobelpreises für Literatur kam das Gefühl auf, dass hier Leserwille und Transparenz fehlen. Bei vielen Autoren, die jahrelang als Kandidaten gehandelt werden, scheint die Tatsache, dass sie gelesen werden, schon fast ein Ausschlusskriterium zu sein. Anders macht es seit Jahren der Man Booker Prize, der ganz einfach an richtig gute Bücher verliehen wird – und bei dem es auch kein Problem ist, mit der Fortsetzung eines bereits prämierten Romans abermals zu gewinnen.

Wie machst ihr das Blog und eure Beiträge bekannt?

Twitter, Facebook, ein bisschen Google Plus. Mittlerweile finden uns aber auch immer mehr Leser über die Google-Suche.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Persönlich mögen wir beide nicht so gern Blogs, die sich selbst zum Zweck haben. Soll heißen: Für uns soll ein Blogartikel immer einen Mehrwert für den Leser darstellen, er sollte also Informationen zu einem bestimmten Thema bieten. Davon abgesehen sollte in unseren Augen ein Blog übersichtlich sein, so dass sich der Nutzer einfach und schnell orientieren kann; der Leser soll Lust haben, weiterzulesen und sich durchzuklicken.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Wie bei allen langfristigen Projekten, die man in erster Linie “für sich” macht, kann es sein, dass einem irgendwann die Luft ausgeht. Bei uns ist die Situation sicher etwas anders, weil wir zu zweit bloggen und uns gegenseitig ergänzen und stützen können.

Das Problem der “Disziplin” haben wir einfach so gelöst, dass wir von Anfang an festgelegt haben, wie viele Blogposts wir wöchentlich schalten wollen und an welchen Tagen. Da will keine von uns diejenige sein, die der anderen sagt: “Och, diese Woche habe ich mal keine Lust.” Auch wenn die andere sicher nicht schimpfen würde, ist es ganz praktisch, dass man sich bei einem Projekt zu zweit nicht nur vor sich selbst verantworten muss.

Euer schönstes Erlebnis als Blogger …

Verschiedene: Als wir gemerkt haben, dass unser Blog ernstgenommen wird, dass die Besucherzahlen steigen, dass wir positive Resonanz bekommen, aber auch, dass Leute mit viel Erfahrung uns konstruktive Kritik geben. Das zeigt uns, dass wir gemeinsam in relativ kurzer Zeit etwas erschaffen haben, das unseren Lesern offenbar Mehrwert bietet und das von Verlagen wie von Filmverleihen wahrgenommen wird. Letzteres führt dazu, dass wir mittlerweile durch Kooperationen Gewinnspiele anbieten können, über die sich dann wiederum unsere Leser freuen. Jüngstes Beispiel ist die Verlosung von Kinofreikarten für den Film “Vielleicht lieber morgen”, der von Capelight verliehen wird.

Auch immer wieder ein tolles Erlebnis: Wenn wir zusammen neue Ideen entwickeln, die wir dann schnell und unkompliziert umsetzen. Es ist einfach großartig, bei seinem eigenen Projekt selbst bestimmen zu können, der eigenen Erfahrung zu vertrauen und dann dafür durch den Erfolg belohnt zu werden.

Wie geht ihr damit um, wenn euch Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Wenn es passt, nehmen wir es an. Wenn nicht, dann nicht. Ein, zwei Mal ist es vorgekommen, dass wir auf diese Weise von einem Buch gehört haben, von dem wir sonst nichts gewusst hätten. Es gibt aber auch Bücher, bei denen wir von vorneherein wissen, dass keine von uns es wirklich gerne lesen würde, und dann lassen wir das auch sein.

Und wie würdet ihr damit umgehen, wenn euch Self Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Genauso, wie wir mit Rezensionsexemplaren von Verlagen umgehen. Wenn uns Genre, Titel und vor allem die Beschreibung ansprechen, würden wir das Buch auch lesen und rezensieren. Bislang ist das leider nicht vorgekommen, da meist entweder das Genre für uns nicht passte, oder der Inhalt nicht allzu attraktiv beschrieben war. Das wäre dann auch ein Tipp an alle Self Publisher: Jeder potenzielle Leser wird natürlich vom „Klappentext“ auf den Inhalt und die Art und Weise, wie das Buch geschrieben ist, schließen. Dieser kurze Beschreibungstext muss also so attraktiv wie möglich und natürlich fehlerfrei sein.

Wie haltet ihr es mit dem eBook?

Stefanie: Bislang besitze ich noch keinen E-Book-Reader, wobei das wohl nur noch eine Frage der Zeit (und des Geldes) ist. EBooks mag ich vor allem, wo es sich um Sachbücher handelt, denn die lese ich anders als Romane, da scanne ich auch einfach gerne die eine oder andere Seite schnell durch. Wenn ich Belletristik lese, will ich mich voll und ganz auf jeden Satz einlassen und momentan habe ich noch das Gefühl, das besser mit der Papier-Version zu können. Aber: Ich lasse mich durchaus vom Gegenteil überzeugen.

Yvonne: Ich habe einen E-Book-Reader geschenkt bekommen, weil mein Mann fand, dass ich es mit meiner Urlaubslektüre manchmal – nun ja – übertreibe. Geändert hat das nichts, der E-Book-Reader ist für mich ein Back-up, das ich zusätzlich mitnehme, aber kaum nutze. Grundsätzlich mag ich Bücher auch als Gegenstand, wobei ein E-Book-Reader ganz klar praktische Vorteile hat. Insofern: Für mich zusätzlich interessant, aber nicht als Ersatz (dann wäre meine Wohnung auch plötzlich sehr leer…).

Welche anderen Blogs empfiehlt ihr (max. 5)? Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Stefanie: Schreibtipps vom Profi hole ich mir regelmäßig bei Pia Helfferichs Schreibberatung & Schreibcoaching. Und natürlich empfehlen wir immer gerne Harald Sack, der sich und  Biblionomicon hier ja bereits vorgestellt hat, weil er großartige Rezensionen von sorgfältig ausgewählten Büchern schreibt.

Yvonne: Zwar keine Bücher-Blogs, aber die beiden Blogs, die mich ans Bloggen gebracht haben: Zum einen der Medienblog von Bildblog-Mitgründer Stefan Niggemeier, zum anderen der Karriereblog von Penelope Trunk. Beides Themen, die mich grundsätzlich zwar interessieren, für die ich allerdings nicht die gleiche Leidenschaft aufbringe wie für Bücher. Trotzdem schaffen beide Blogger es, so zu schreiben, dass ich einfach alles von ihnen lesen will, egal, worum es geht. Vor allem Penelope Trunk gibt außerdem viele wertvolle und zum Teil unkonventionelle Tipps zum Thema Bloggen.

Zu Wort kommen sollte hier gerne Marcus Johanus, da er tolle Rezensionen v.a. zu Science Fiction-Literatur schreibt, aber auch großartige und ermutigende Schreibtipps aus dem Alltag eines Autors bloggt.

Eine prima Idee, hier auch Tipps rund um die Themen Schreiben und Bloggen zu geben. Vielen Dank euch beiden!

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Zuletzt stellte sich der Kopf hinter dem Buecherblogger vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war Jutta S. Piveckova aka Melusine Barby, die Gleisbauarbeiten verantwortet. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier

Steglitz stellt Harald Sack mit „Biblionomicon“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute erfahren wir mehr über Harald Sack, der Biblionomicon betreibt. Dass sich der Kopf vorstellt, der dahinter steht, hatte sich die Durchleserin gewünscht, die Durchleser’s Blog pflegt.

 Dein Steckbrief in Stichworten …

Informatiker, Wissenschaftler und Nerd der ersten Stunde, bibliophil (ok… wahrscheinlich eher biblioman), Teetrinker, Blog- und Buchautor, Vordenker (von Berufswegen) und Querdenker (aus Leidenschaft), Läufer, Genussmensch, aktuell in Potsdam, aber ursprünglich aus Franken (auch wenn man es nicht gleich hört).

Seit wann, warum und wo bloggst du?

der Kopf hinter Biblionomicon © Harald Sack

2005 begann ich mit meinem wissenschaftlichen Blog …more semantic!, in dem sich aber zusehends Buchrezensionen und literarische Beiträge sammelten. Seit 2007 gibt es daher das Biblionomicon zu den Themen Bücher, Rezensionen, Buchkritik und Büchergeschichte(n).

Das Bloggen begann ich 2005, da ich neue Wege und Möglichkeiten des wissenschaftlichen Publizierens ausloten wollte. Da ich schon immer viel gelesen habe und in meinem Umfeld nicht gerade viele Menschen meinen – manchmal etwas exzentrischen – Lesegeschmack teilen, schreibe ich seit 2007 Rezensionen zu allerlei Gelesenem. Daneben gibt es auch noch diverse Beiträge zur Mediengeschichte, in denen Interessantes und Unerhörtes aus meiner Recherchearbeit zu Vorlesungen und Büchern quasi als „Abfallprodukt“ weiterverwertet wird. Aus Bequemlichkeit nutze ich schon immer blogspot.com. Würde ich heute mit dem Bloggen anfangen, wäre ich wahrscheinlich (aus dem gleichen Grund) bei tumblr.

Deine Themenschwerpunkte …

Ganz einfach: Bücher, Rezensionen, Buchkritik und Büchergeschichte(n). Die Auswahl der Bücher ist meinem eigenen speziellen Geschmack geschuldet und sicherlich „nichts für jedermann“ (wie es schon im Steppenwolf heißt). Daneben gibt es auch immer wieder einmal Mediengeschichte.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das allgemeine Gejammer bzw. der ebenso bestehende Hype zum Thema eBook, dem damit verbundenen Niedergang des Abendlandes, des Druckgewerbes, der Literatur und der Kultur überhaupt, das geht mir ziemlich auf die Nerven. Warum müssen Bücher so teuer sein und warum haben die Autoren so wenig davon? Eskapismus schön und gut, aber warum muss man sich die aktuelle Vampirgrütze und Sachen wie Urban Fantasy antun? Warum hat Trivialpornografie zwischen zwei Buchdeckeln aktuell so viel Erfolg? Warum liest kaum jemand mehr Gedichte?

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Twitter, insbesondere mit Bezügen zur Literaturgeschichte, natürlich auch Facebook über meine eigene Seite bzw. über diverse Lese- und Literaturgruppen und google+. Als letztes habe ich blogzug ausprobiert, bin davon aber nicht gerade überzeugt, da 95% der dort vertretenen Buchblogs eher der „rosa Sorte“ zugerechnet werden können.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Kommt darauf an, ob ich persönlich das Blog gut finden soll, oder ob es den Massengeschmack treffen soll. Oft schließt sich das natürlich aus. Daher freue ich mich über all die Bücherblogs, die nicht dem Mainstream folgen und in denen man auch die eigenen Gedanken der Blogautoren finden kann.

Ich hasse blinkende und völlig überladene Blogs, in denen nichts als Werbung zu finden ist. Ich hasse ebenfalls alphabetisch geordnete Rezensionslisten, die nach dem Titel des Buches (100 Bücher, deren Titel mit „Der“ beginnt) bzw. nach dem Vornamen des Autors sortiert sind. Buchblogs sind Buchblogs, die sich mit Gelesenem und Dingen, die damit zu tun haben beschäftigen. Mich interessieren daher keine Ausflüge in die Mode- und Beautyindustrie. Auch sollte man es als Blogautor nicht mit der Selbstdarstellung übertreiben.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Hürden sehe ich keine, wenn man einmal vom nötigen Zeitaufwand absieht. Für eine Rezension benötige ich 1-2 Stunden volle Konzentration. Soviel muss ich erst einmal erübrigen können.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Die Anfrage einer Zeitung, ob sie einen meiner Artikel zur „Kulturgeschichte des Lesens“ abdrucken dürfte, war schon eine tolle Sache, da ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte. Ich finde es auch immer wieder toll, wenn ich einmal eine Rezension zu einem Buch, das ich selbst schon besprochen habe, in einem anderen Blog finde. Gibt mir die Rezension dann einen Denkanstoß, kommentiere und diskutiere ich auch gerne.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Naja, mein Eklektizismus in Sachen Buchgeschmack scheint bei den Verlagen nicht gefragt zu sein. Daher habe ich noch keine Rezensionsexemplare angeboten bekommen. Ehrlich gesagt, ich würde Rezensionsexemplare, die mich nicht interessieren auch zurückschicken bzw. weiterverschenken.

Im wissenschaftlichen Bereich ist das anders. Dort frage ich explizit nach Rezensionsexemplaren nach, die ich dann allerdings nicht für das Blog, sondern direkt für den jeweiligen Verlag nach dessen Vorgaben rezensiere. Da geht es dann meist um Fragen der fachlichen Genauigkeit, Vollständigkeit und der Darstellung des Stoffes.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Als Early Adopter habe ich schon vor einigen Jahren die ersten Erfahrungen in Sachen eBooks gemacht, die man im Biblionomicon nachlesen kann. Leider musste ich das Gerät damals wieder an unser Institut zurückgeben. Allerdings bin ich selbst bislang noch nicht in die Verlegenheit gekommen, mir einen eigenen eBook-Reader zu kaufen, auch wenn ich manchmal unter der Last der mitgeschleppten Seiten stöhne.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Natürlich sind bereits einige meiner Favoriten in dieser Interviewreihe erwähnt worden. Ich lese gerne im Bonaventura, lasse mich von aus.gelesen inspirieren oder von Boylevard. Darüber hinaus möchte ich noch Lebe lieber literarisch sowie Markus Trapps Text & Blog, das ich schon seit einer Ewigkeit lese, empfehlen.

Als Interviewvorschlag wünsche ich mir die beiden unermüdlichen und schwerproduktiven Urheberinnen von leselink.de.

Danke, Harald. Ich habe nachgelesen: Das war 2008 als du erstmals ein Lesegerät zur Hand hattest. Und dein „biblioman“, eine nette Neuschöpfung …

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Zuletzt stellte sich Gisbert Damaschke u.a. mit seinen Echtzeit-Blogs zum Schiller-Goethe-Briefwechsel und zu Eckermanns Gesprächen mit Goethe vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war der Betreiber von litteratur.ch, der sich doch bitte bei mir melden möge. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier

Steglitz stellt die Durchleserin mit „Durchleser’s Blog“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich die frankophile Durchleserin vor, die Durchleser’s Blog seit drei Jahren pflegt. Dass wir sie näher kennenlernen sollten, schlug Jarg vor, der Jargs Blog betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Der Durchleser ist weiblich: (geborene) Bayerin, Bloggerin, Buchhändlerin, Journalistin, Leserin, Marketingmanagerin, (gefühlte) Pariserin, Proustliebhaberin, Texterin – biblioman, designverrückt, frankophil und kunstbegeistert.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Seit über sieben Jahren blogge bzw. empfehle ich Literatur in verschiedenen Buch- und Literaturgruppen auf einer Internet-Business-Networking-Plattform. Vor fast drei Jahren entstand – durch den Wunsch einer gewissen Empfehlungsunabhängigkeit heraus – Durchleser’s Blog, der mit WordPress läuft. WordPress wurde mir von einem befreundeten und erfahrenen Mediendesigner empfohlen und ich habe es bis heute nicht bereut!

Deine Themenschwerpunkte …

Durchleser’s Themenschwerpunkte setzen sich aus den vier Kategorien „Durchgelesen“, „Durchgeblättert“, „Zitat“ und Gedicht“ zusammen. Die beiden Letzteren – man könnte sie auch als Nebenkategorien bezeichnen – bedürfen eigentlich keiner weiteren Erläuterung, wohl handelt es sich bei den ausgesuchten und somit gebloggten Zitaten bzw. Gedichten um einen rein persönlichen, subjektiven Geschmack.

Die zwei Hauptkategorien „Durchgelesen“ und „Durchgeblättert“ bieten eine Plattform für Bücher, die mich mehr als nur faszinieren, die mich zum leidenschaftlichen Lesen verführt haben und die andere Leser meiner Meinung nach unbedingt entdecken sollten. Das bedeutet, dass ich nur Bücher empfehle, die mich absolut überzeugen, somit keine Verrisse veröffentliche, sondern den Leser auf ein bibliophiles bzw. literarisches „Bijou“ aufmerksam machen möchte. Unter „Durchgelesen“ findet man hauptsächlich Romane deutsch- und französischsprachiger Autoren. Die Kategorie „Durchgeblättert“ bietet Bild-, Foto- und Kunstbände, Bücher über Bibliotheken und Buchhandlungen, Essaysammlungen und Graphic Novels.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

ein durchgelesenes Buch © Durchleserin

Es ist bemerkenswert und sehr spannend wie unterschiedlich doch der Literaturbetrieb bzw. die Buchbranche innerhalb Europas in verschiedenen Ländern funktioniert. Deshalb genieße ich es sehr, diese Unterschiede an den Beispielen von Deutschland und Frankreich immer wieder neu zu entdecken, zu bewerten und zu vergleichen. Gehe ich zum Bespiel in München in eine Buchhandlung und mein gewünschtes Buch ist nicht vorrätig, kann es in der Regel (bis auf wenige Ausnahmen) innerhalb von 24 Stunden bei einem Großhändler bestellt werden. Ich darf das Buch am nächsten Tag abholen. Diesen Service gibt es in Frankreich nicht, da das deutsche System Barsortiment in dieser Form dort nicht existiert.

Natürlich kann man auch in einer Pariser Buchhandlung ein Buch bestellen, das kann allerdings je nach Verlag zwischen vier und vierzehn Tagen dauern. Dadurch ist der Buchhändler hier in Frankreich stärker darauf bedacht, die wichtigsten Titel vorrätig zu haben. Eine Folge daraus ist, dass dem Leser in vielen französischen Buchhandlungen, auch wenn sie sehr klein sind, neben den aktuellen Neuerscheinungen eine Vielzahl von Backlisttiteln und Klassikern geboten wird, was wir so in Deutschland heute nur noch selten vorfinden. In Frankreich ist die Buchhandlung somit mehr Buchhandlung. Man wird dort nur in den seltensten Fällen von sogenannten Nonbooks abgelenkt. Und: Man trinkt seinen Espresso oder die Tasse Tee nicht zwischen Bücherregalen, sondern fast immer im Café nebenan.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Die Beiträge werden auf folgenden Internet-Plattformen „beworben“: Facebook, Google plus, paperblog, Twitter und Xing.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Nur dem Mainstream zu folgen und sich zu sehr von anderen Bloggern beeinflussen zu lassen. Grundsätzlich sollte man von jeglicher Art von Werbung absehen (vor allem die unermüdlich Blinkende innerhalb von Artikeln) und insbesondere für eine amerikanische Internetbuchhandlung. – Ernähren kann man sich davon trotzdem noch lange nicht! Dann doch lieber einen örtlichen Buchhändler durch Verlinkung seiner Website unterstützen!

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Es gibt keine wirklichen Hürden als Blogger. Man muss nur den Zeitmangel in punkto Lesen und Schreiben irgendwie mit den vielen anderen Lebensaufgaben in Einklang bringen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Die schönsten Erlebnisse sind direkte Autorenreaktionen auf eine Buchempfehlung, die dann sogar zu einem sehr bereichernden persönlichen Kontakt entwickeln können, und die Verlinkung des Blogs bei Verlagen und natürlich auch bei anderen Bloggern, aber besonders bei Autoren, auf deren persönlichen Websites und Wikipedia-Profilen, bei denen man dann beispielsweise in der Reihe zwischen L’Express, Le Point und Der Spiegel als einziger Blogger erwähnt wird.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Wer dem „Durchleser“ per Mail oder auch per Post ungewollt ein Leseexemplar anbietet, wird dieses Buch zu hundert Prozent sofort in der Ablage P wie Papierkorb wiederfinden. Viele empfohlene Bücher habe ich selbst gekauft oder sie befanden sich bereits vor der Empfehlung in meiner Privatbibliothek, wo noch Tausende andere schlummern. Hin und wieder bestelle ich ein sogenanntes Rezensionsexemplar, nehme mir aber trotzdem die Freiheit, dass ich darüber nichts schreibe, wenn mich das Buch nicht total begeistert und überzeugt.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Da ich sehr an technischem Schnickschnack interessiert bin und eine gewisse Apfelsorte besonders mag, ist für mich auch – natürlich neben dem ECHTBUCH – das E-Book eine grandiose Erfindung. Ich glaube, eine gewisse Offenheit gegenüber dem E-Book sollte heutzutage jeder Leser mitbringen. Es ist fantastisch und äußerst bequem sich eine Leseprobe direkt auf sein iPad, iPhone oder auf seinen E-Reader zu laden. Man kann etwas anlesen, ohne sich sofort für einen Kauf entscheiden zu müssen. Allerdings ziehe ich bei Gefallen letztendlich dann doch das ECHTBUCH vor, das ich vorzugsweise in einer realen Buchhandlung erwerbe. Ich halte vor Beginn der Lektüre erstmal meine Nase in das Papier, nehme einen tiefen Zug und tauche dann langsam in das neue Werk ein.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5)? Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächsreihe möglichst auch zu Wort kommen?

Viele der hier bereits im Interview vorgestellten Blogger gehören auch zu meinen Favoriten. Ich liebe unter anderem auch Blogs über Bücherregale, wie zum Beispiel Bookshelf Porn. Darüber hinaus verfolge ich natürlich auch sehr gerne Literatur- bzw. Buchblogs aus Frankreich wie Le Blog des Livres und La République des livres, das Blog von Pierre Assouline. Und bei den deutschsprachigen Blogs bin ich begeistert von Syn-ästhetisch und Der Umblätterer. Als Interview-Partner für diese grandiose Reihe würde ich sehr gerne den Betreiber des äußerst beeindruckenden Literaturblogs Biblionomicon vorschlagen.

Ganz herzlichen Dank, liebe Durchleserin. Auch für deine vergleichenden Betrachtungen zum deutsch-französischen Buchmarkt …

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Zuletzt stellte sich Kerstin Pistorius mit Atalantes Historien vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin von SchöneSeiten. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier.

Im Überblick: Bibliophile Blogger stellen sich vor

Am 5. September eröffnete Petra Gust-Kazakos die lose Gesprächsreihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, in der sich buchaffine Blogger im Kurz-Interview präsentieren, ihre bevorzugten Bücher- bzw. Autorenblogs empfehlen und Vorschläge machen, wer in der Reihe auch zu Wort kommen sollte. Mit Petras Beitrag kam ein Stein ins Rollen: Seither haben wir 23 Blogs, deren Betreiber und Intentionen näher kennengelernt. Und da es absehbar so fortgeht, dass sich bibliophile Blogger hier vorstellen, sehe ich mich in der Pflicht, ein fortlaufend zu ergänzendes Register zu erstellen, dem ich einige Bemerkungen voranstellen möchte:

Dass das Projekt so viel Beistand und auch Beifall bekommt, zeugt davon, dass das Bedürfnis nach Orientierung, Vernetzung und Austausch im Netz unter buchaffinen Gleichgesinnten groß ist. Und genau dieses Anliegen war es auch, das mich persönlich veranlasste, eine lose Blogger-Interviewreihe auf SteglitzMind anzustoßen. Allerdings habe ich ir nicht träumen lassen, dass das Vorhaben im Anfangsstadium so rasant Fahrt aufnehmen würde. So viele Porträts binnen kurzer Zeit – das spricht für sich. Zu danken ist das euch! Und zwar nicht nur denen, die hier bereitwillig Rede und Antwort stehen, um uns an ihren Bloggererfahrungen teilhaben zu lassen. Auch jenen gebührt Dank, die Kommentare beisteuern und einzelnen Beiträgen oder gar dem gesamten Vorhaben Anerkennung zollen.

Außer dem Engagement der jeweiligen Gesprächspartner und dem Echo, das das Projekt findet, erfreut mich besonders, dass mir bislang kein vorgeschlagener Kandidat absagte, wenn ich darum bat, den Ball aufzugreifen, um sich ebenfalls im Interview zu präsentieren und persönliche Blog-Empfehlungen auszusprechen. Im Gegenteil! Vielfach entwickelte sich ein Austausch, der über die Interviewfragen weit hinausging. Auch dafür möchte ich danken.

Was mich erstaunt, ist der Sachverhalt, dass sich in der Gesprächsreihe bislang mehrheitlich Männer präsentiert haben, die keine Jünglinge sind. Dieser Tatbestand widerspricht der allgemeinen Rede, dass die buchaffine Klientel, die sich im Netz tummelt, überwiegend weiblich und jüngeren Alters ist. Man mag darüber spekulieren, warum das bei SteglitzMind (noch?) anders ist. Ich bin jedenfalls gespannt, ob sich das Geschlechterverhältnis absehbar verändert …

Dass die Bloggerinnen in der vergangenen Zeit aufgeholt haben und manche andere Überlegung zur Gesprächsreihe mit Buchbloggern führe ich an anderer Stelle aus

Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Flatter Satz mit „aus.gelesen“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Flatter Satz mit aus.gelesen vor. Dass er hier zu Wort kommt, hat Mara Giese vorgeschlagen, als sie ihr Blog Buzzaldrins Bücher hier präsentierte.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Männlich, in der zweiten Hälfte der 50er Jahre, Leser und Bücherbegeisterter von Kindesbeinen an, studiert habe ich vor langen Jahren Chemie. Was Literatur angeht, bin ich also absoluter Laie…

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit einigen Jahren. Mein erster Blog (ich weiß, üblich ist das Blog, aber das geht mir einfach nicht über die Lippen…) war auf blog.de, ein Allerweltsblog ohne festes Thema. Seit über vier Jahren betreibe ich den Bücher- und Literaturblog aus.gelesen auf WordPress.com. Wie ich zu WordPress gekommen bin, kann ich gar nicht mehr nachvollziehen, aber offensichtlich gefiel mir die Plattform am besten, denn ich weiß noch, dass ich zwischenzeitlich auch andere Blogsysteme durchprobiert habe.

Deine Themenschwerpunkte …

Grundsätzlich lese ich außer Vampir-, Werwolf- und Fantasygeschichten eigentlich alles. Bedingt durch mein ehrenamtliches Engagement liegt ein Schwerpunkt sicher bei Büchern über Sterben, Tod und Trauer, ein Thema, das ja sonst in Bücherblogs eher weniger vorgestellt wird. Manchmal macht mir mein Gemischtwarenladen auch Angst und Bange, aber ich lese aus Spaß an der Freude und habe halt an vielen Themen Freude und Interesse.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das ist eine Frage, zu der ich nur wenig sagen kann, da ich da einfach nicht „drin“ stecke. Als Leser interessiert mich natürlich, ob sich irgendwann das E-Book am Markt auch bei den normalen Verlagspublikationen so durchsetzen wird, dass keine Printausgaben mehr erscheinen. Für mich wäre das ein großer Verlust, für die nachwachsende Generation wohl nicht: „Wofür brauchen wir Bücher, man kann doch alles am Rechner lesen…“, das habe ich gerade erst letzte Woche gehört….

Obwohl ich im Moment eher die Altbestände meiner eigenen Regale und damit ältere Bücher lese, bekomme ich über andere Blogs mit, dass es eine Menge junger deutscher AutorInnen gibt, die offensichtlich „gute“ Bücher schreiben. Sicherlich werde ich mich auch wieder in solche interessanten Neuausgaben einklinken, denn ich finde es wichtig, gerade junge AutorInnen zu unterstützen, sich im Dickicht aller Neuerscheinungen hervorzuheben. Und natürlich bin ich auch neugierig, wer sich letztlich in der Szene durchsetzen wird.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Über entsprechende Tweets und Facebook-Beiträge, wobei über Twitter kaum Resonanz kommt. Was Twitter angeht, ist mir sogar schon einmal gesagt worden, wer nur so auf seinen Blog hinweist, sei so etwas wie ein Schmarotzer… Da ich nur wenig in anderen Blogs kommentiere, bekomme ich über diese Schiene kaum Kontakte, andererseits ist mein Blog in vielen Linklisten vertreten. Die meisten Besucher kommen aber über Suchmaschinen auf aus.gelesen oder haben meinen Blog über Feed-Systeme abonniert. Bei Facebook hat sich inzwischen eine Gruppe von Bloggern/-innen (überwiegend sind dies ja Frauen) gefunden, die nett miteinander in Kontakt stehen und sich über ihre Besprechungen informieren.

Bücherblogger bei Facebook …

Ja, die sind da sehr aktiv. Zum Beispiel bei Bücher und Buchvorstellungen werden von uns die Besprechungen gepostet, sonst nix. Zwischen den Zeilen ist eine geschlossene Gruppe, in der auch ab und angeplaudert wird. Aber  überwiegend ist die Gruppe mit Büchern und Lesen befasst. Wer mitmachen will, muss sich anmelden. Und dann wird es im Dezember wieder die Jahresgruppe geben, in der jeder seine drei Highlights des abgelaufenen Jahres vorstellen kann.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das ist eine gute Frage, aber das sollte jeder für sich selbst wissen. Ich persönlich versuche, alles zu vermeiden, was kränkt, diskriminiert oder gar beleidigt. Ein wichtiges Kriterium für mich ist auch, nur das zu schreiben, was ich auch im „realen“ Leben von Person zu Person vertreten würde. Ansonsten bin ich – um einen alten Blogfreund zu zitieren – auf meinem Blog der König.

In Reih und Glied © Flatter Satz

Schreibt man, um damit auch Besucher auf seinen Blog zu bekommen und Kontakte zu knüpfen, sollte man vermeiden, nur Klappentexte wieder zu geben. Ein Beitrag, eine Buchvorstellung sollte meiner Meinung nach eine persönliche Note haben, die aufs Weiterlesen neugierig macht.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Eigentlich keine. Rein technisch ist bloggen ein einfaches Unterfangen und so die Beiträge eine gewisse Qualität aufweisen, kommen auch Besucher auf den Blog. Das lässt sich z.B. über Facebookaktivitäten stark beschleunigen, ansonsten braucht man etwas Geduld. Bevor man mit bloggen anfängt, sollte man sich im Klaren darüber sein, für was und wen man bloggen will. Wobei ich auf dem Standpunkt stehe, dass man einen Bücherblog so führen sollte, als ob man ihn für sich schriebe. Also tatsächlich wie ein Tagebuch oder ein Leseprotokoll. Das gibt einem unendlich viel Freiheit beim Schreiben, da man – mit den genannten kleinen Einschränkungen, die eigentlich keine sind – auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen muss und so ein Blog mit eigenem Charakter heranwächst

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Obwohl ich mir immer noch nicht sicher bin, ob ich nicht einem Fake aufsaß, ist der lobende Kommentar von Herta Müller zu der Besprechung ihres Buches des sich verneigenden Königs für mich das Highlight meines Blogs. Überhaupt freue ich mich immer, wenn sich ein Autor bei mir meldet. Diesbezüglich es haben sich auch schon ein paar nette Kontakte entwickelt. Generell freue ich mich auch immer, wenn sich eine Diskussion über ein Buch entwickelt. Dass dies viel zu selten geschieht, liegt wohl auch daran, dass ich selbst wenig in anderen Blogs kommentiere.

Was mir auch ein sehr schönes Gefühl gibt, ist, dass mir unter all meinen Besprechungen vielleicht eine Handvoll gelungen ist, auf die ich richtig stolz bin, weil ich sie – gemessen an meinen eigenen Kriterien – für wirklich gut halte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Wenn mir da nicht gerade ein Buch über Baustatik (auch das ist schon passiert) zum Rezensieren angeboten wird, sage ich normalerweise zu, mache aber gegebenfalls Einschränkungen, dass ich auf diesem Gebiet, z.B. bei Reiseliteratur, keine Erfahrung habe. Meist hat es sich damit dann schon erledigt….

Aktiv auf Verlage etc. mit der Bitte um Rezensionsexemplar zuzugehen vermeide ich, da ich schon bei diesen wenigen anderen Rezensionsexemplaren merke, dass ich nicht ganz frei bin im Kopf beim Schreiben, und wenn es nur um Formulierungen geht. Mara hatte dies in dem Gespräch mit dir hier ja auch schon angedeutet. Dieses „nicht frei sein“ kann übrigens auch in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen: man ist beim Schreiben besonders kritisch und mäkelig, was dem Autoren gegenüber natürlich auch ein wenig unfair ist…

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich möchte es so ausdrücken: Wenn alle Leser meiner Ansicht wären, wäre das E-Book auf dem Markt chancenlos. Ich bin kein E-Book-Leser, ich brauche das Haptische eines Buches, das Umblättern, das Gefühl, über Papier zu streichen, das Gewicht in der Hand, das leichte Ärgern, wenn ich die Schrumpffolie mal wieder nicht schnell genug herunterziehen kann. Ein Buch ist eben ein Buch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Das ist eine „schlimme“ Frage, denn natürlich gibt es viel mehr als fünf Bücherblogs, die ich empfehlen könnte. Aus dem oben schon erwähnten Facebook-Kreis der Blogger käme sicherlich jeder in Frage. Wohl möchte ich die Gelegenheit hier nutzen diesen Kreis ein wenig erweitern, indem ich hier auch auf andere Blogs hinweise, die ich immer wieder gerne und mit Gewinn besuche:

Da wären zum Beispiel der Themenblog Japanliteratur von Friederike, die Historien von Atalante, die Buchbesprechungen der frankophilen Durchleserin oder das Biblionomicon von Harald zu nennen. Und last not least will ich hier auf Veras Glasperlenspiel verweisen. Und jetzt muss ich noch einen Blog nennen, den ich mir als nächsten Interviewpartner wünsche? 🙂 Dann, wenn es sein muss, entscheide ich mich für Atalante und bin sehr gespannt …

Na, ganz so schlimm waren die Fragen ja nun doch nicht 🙂 Danke sehr, Flatter Satz, dass du dich ihnen gestellt hast.

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Zuletzt stellte sich in der losen Gesprächsreihe Selçuk Caydi vor, der sein Blog Konstantiniye notlari (Notizen aus Konstantinopel) meist von Istanbul und Izmit aus betreibt. Er würde es gerne sehen, wenn sich die Österreicherin Mareike Fallwickl hier präsentiert, die das Bücherwurmloch pflegt.