Steglitz stellt Ludger Menke mit „krimiblog“ u.a. vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute kommt Ludger zu Wort, der u.a. das Krimiblog pflegt. Vorgeschlagen hatte ihn Bettina Schnerr-Laube, die hinter Bleisatz steht.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Vielen Dank an Dich, liebe Bettina vom Blog Bleisatz für das Weiterreichen der Staffel und Dir, liebe Gesine, dass ich hier zu Gast sein darf. – Die Stichworte: Mensch seit 1966 | Bibliothekar seit 1992 | DJ seit 1994 | Netzarbeiter seit 1999 | Blogger seit 2005 | Fortsetzung folgt (hoffentlich)

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Eine Warnung: Sie hören jetzt eine „Opa erzählt vom Kaiser“-Geschichte.
Erste Gehversuche in Internet unternahm ich 1999 bei GeoCities und sammelte erste Foren-Erfahrungen bei Parsimony.net (beide Plattformen gibt es nicht mehr). Dort konnte ich 2002 auch erste  „Blog“-Erfahrungen sammeln, nur hieß das damals noch nicht „Blog“. Das „Nachtbuch“ war ein Experiment, persönlich angehauchte Texte online zustellen und zugleich einen Krimi-Nachrichten-Dienst anzubieten. Seit 2005 blogge ich mit WordPress-Installationen auf einem eigenem (gemieteten) Serverplatz. Und habe so die Freuden und Tiefen erlebt, die man als technischer Laie erleben kann. Datenbank-Crash, Datenverlust und – besonders beliebt – Hacker-Angriffe. Dennoch: WordPress ist klasse, ich habe beruflich auch mal Serendipity ausprobiert, hat mir aber nicht so zugesagt.

Ludger Menke ©  RTL Nord

Ludger Menke © RTL Nord

Stichwort Technik: Seit etwa zwei Jahren bin ich großer Tumblr-Fan, weil ich es sinnvoll finde, für jede mediale Form, die im Internet möglich ist (Texte, Fotos, Videos, Podcasts, Links, Zitate) eine eigene, mediale Aufbereitung im Blog zu haben. Der große Nachteil bei Tumblr: Es ist ein externer Anbieter in den USA, zwar kostenlos, aber man hat eben keinen Einfluss darauf, ob die Seite läuft oder die Server ausfallen. Zum Glück sind einige Webdesigner und Programmierer, die mit und für WordPress arbeiten, auf die Idee gekommen, solche unterschiedlichen Formatvorlagen auch für WordPress möglich zu machen. In einem meiner Blogs – den Krimi-Depeschen – kann man das erkennen.

Seit dem es für WordPress die Multsite-Funktion gibt, nutze ich die ausgiebig. Zur Erklärung: Bei einer Multisite-Installation muss man WordPress nur einmal aufsetzen, kann aber durch Subdomänen ganz viele, verschiedene Blogs anbieten. Man kann das bei meinem Krimiblog erkennen: Es gibt das Hauptblog krimiblog.de und dann eben die Krimi-Depeschen und die Attraktionen. Außerdem pflege ich als Tumblr-Fan das Blog tage-des-lesens.de, in dem ich in der Regel den ersten Eintrag des Tages blogge, als Aufwärm- und Schreibübung.

Deine Themenschwerpunkte …

Mein Aliasname Krimiblogger verrät es: Ich mag Krimis, Thriller, Spannungsromane und auch Schund. Was genau Krimi ist, kann ich nicht sagen, meine Blogs spiegeln auch meine Suche nach Definitionen und Begriffserklärungen wider. Im Laufe der Zeit bin ich vorsichtiger geworden, ein Buch als „Krimi“ zu bezeichnen. Daneben versuche ich aber auch über den literarischen Tellerrand zu schauen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Durch die Krimi-Depeschen, die ich jetzt seit eineinhalb Jahren pflege, beschäftige ich mich viel mit den Unterschieden im deutschsprachigen und englischsprachigen Feuilleton. Für Krimileser ist der Blick nach England und in die USA wichtig und tatsächlich finde ich das Feuilleton im anglo-amerikanischen Raum vielseitiger, abwechslungsreicher, verspielter. Dort ist nicht alles toll, aber es gibt interessante Versuche, Literatur aufzubereiten und nachvollziehbar zu vermittelten. Deutsches Feuilleton besteht in Bezug auf Literatur vor allem aus Rezensionen und gelegentliche Autorenportraits, alles oft mit einem hohen Bildungsanspruch. Umfassendere, verständliche Texte, historische Abrisse, gute Grafiken, oder gar Texte von Lesern finden sich so gut wie gar nicht. Noch trostloser wird es, wenn ich in die Online-Ausgaben schaue. Was etwa die Süddeutsche Zeitung, die im Print ja durchaus eine gute Zeitung ist, im Online-Feuilleton bietet, ist in meinen Augen enttäuschend – um es freundlich auszudrücken. Schaut man hingegen auf die Feuilletons des Guardian, der New York Times oder auf so ein hervorragendes Online-Feuilleton wie Los Angeles Review of Books, findet man Leserrezensionen, anspruchsvolle Bilderstrecken, spannende Grafiken, umfassende Autorendossiers oder einfach auch mal die Einbindung von Tweets.

Das Netz bietet so viele neue Formen  und Möglichkeiten des Erzählens  – auch und gerade für Literaturkritik und die Auseinandersetzung mit Literatur. Dazu kommt oft eine visuell enttäuschende Umsetzung der Texte. Deutsches Feuilleton ist immer noch Bleiwüste, auch online. Dabei möchte ich ansprechende, lustvolle, geistreiche Texte in einem schönen Layout sehen. Gerade bei längeren Texten braucht man das doch: Gliederung, Zwischenüberschriften, eingerückte Zitate, eine gut lesbare Schriftart.

Fast schon peinlich finde ich manche Versuche von Zeitungsredaktionen, auf Krampf Videos abzuliefern. Als jemand, der hauptberuflich seit fast 20 Jahren beim Fernsehen arbeitet, muss ich einfach sagen, dass vieles davon scheußlich aussieht, matschig gedreht wurde, einen furchtbaren Ton hat und lieblos zusammengeschnitten wurde, wenn überhaupt jemand sich die Mühe des Schnitts gemacht hat. Wenn Blogger Videos mit ihrer persönlichen, authentischen Art drehen ist das etwas völlig anderes – eben authentisch und glaubwürdig – als wenn ein hauptberuflicher Rezensent seinen Monolog vor einer Bücherwand abfilmen lässt.

Dich treibt so einiges um …

Oh, es gibt noch so viel, – die Nicht-Kommunikation, die Ignoranz gegenüber Genre-Literatur, die Rückkehr der Buchillustrationen und schöne Bücher, die inszenierten Skandälchen, aber Deine Leser wissen sicher, worüber ich schreibe. Und ich möchte nicht langweilen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Die üblichen Verdächtigen: Facebook, Google+, seit kurzem auch bei Pinterest, und vor allem Twitter. Ich mag Twitter sehr, es ist auf den ersten Blick oberflächlich, quatschig, schnell. Mit entsprechenden Helfern und der Bereitschaft zur Kommunikation kann man aber viel mit Twitter gewinnen. Ich habe zum Beispiel einige interessante Kontakte zu Autoren, gerade auch aus dem anglo-amerikanischen Raum, durch Twitter knüpfen können.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Kokett könnte ich sagen, es steht mir nicht zu, dass zu sagen. Aus eigener Erfahrung: Lasst  das Pöbeln. Ich habe früher gerne mal einen „Rant“, wie man das heute in der Onlinewelt nennt, losgetreten. In der Regel verlierst Du damit nur. Du magst vielleicht für einen Moment Aufmerksamkeit bekommen, aber randalierst Du öfter, wirst Du schnell in die Motz-Ecke gestellt und längerfristig verlierst Du Leser. Persönlicher Streit hat nichts in Blogs zu suchen. Was nicht heißt, dass ich jetzt nie wieder einen Rant lostreten werde. Wenn es etwas gibt, worüber ich mich richtig aufrege…

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Von Rechtsstreitigkeiten oder Urheberrechtsklagen bin ich bislang zum Glück verschont geblieben. Aber Du musst damit rechnen, selbst wenn Du alles nach besten Wissen und Gewissen machst, das ein Abmahn-Anwalt auf der Matte steht. Bloggen kann – und das sollte man sich klar machen – nicht nur Zeit kosten, es kann auch Deinen Bankkonto belasten.

Immer wieder wird ja auch Ausdauer angemahnt – blogge regelmäßig! Ich sehe Blogs eher als zeitlich begrenzte Publikationsformen. Das machst Du halt mal für ein, zwei Jahre, manche auch länger und dann lässt Du es ruhen, weil Deine Interessen sich verändert haben, Du Vater oder Mutter geworden bist, eine Wohnung renovieren musst – was auch immer. Blogs sind nicht starr, sie leben, verändern sich, sterben. Das gehört dazu und solange man das als Blogger halbwegs offen und transparent macht, finde ich das sehr in Ordnung. Man nennt es, glaube ich, Leben.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Darf ich auch zwei?

Du darfst auch zwei …

Mein E-Mail-Wechsel mit dem wunderbaren Joseph Hansen, einem US-amerikansichen Krimiautor, der mit seinen Dave-Brandstetter-Krimis einen authentischen, schwulen Serienhelden erschaffen hat. Und eine faszinierende Begegnung mit Magdalen Nabb, einer sympathischen, intelligenten englischen Autorin, die in Florenz lebte, kluge Krimis schrieb und einen Briefwechsel mit George Simenon führte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Wenn ich vorher kontaktiert werde, wäge ich ab, ob ich es schaffe, das Buch zu besprechen. Oft lehne ich freundlich ab, immer mit dem Hinweis, dass ich als Einzelkämpfer eben nicht alles lesen kann. Habe ich ein Rezensionsexemplar bestellt und bespreche das Buch dann nicht, dann plagt mich mein schlechtes Gewissen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Genauso wie mit traditionellen Verlagen. Da mache ich keinen Unterschied.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Mittlerweile habe ich meinen zweiten Kindle, ich habe ein iPad geschenkt bekommen und auf allen Rechnern, die sich in meinem Haushalt befinden, sind Lese-Apps installiert. E-Books sind eine gute Ergänzung, gerade auf Reisen. Und ja: Wenn ich ein Buch auf dem Kindle habe und es mir gefällt, dann kaufe ich durchaus auch noch die Print-Ausgabe, oder umgekehrt. Da wäre es schön, wenn sich Verlage ein Beispiel an Haffmans & Tolkemitt nehmen würden. Deren Hardcoverplus (du kaufst das gedruckte Buch und bekommst das E-Book kostenlos dazu) finde ich einen guten Ansatz.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Die schwierigste Frage, denn es gibt so viele, tolle Blogs! Ich mag das Zeilenkino, das recht junge Blog crimenoir und Pflichtlektüre für Krimileser ist The Rap Sheet. Neu und leider nicht immer zu erreichen ist 54books.de. Da geht es nicht um Krimis, sondern um die vielen, ungelesenen Bücher, die man im Regal hat. Eine schöne Idee!
Mehr erfahren sollten Deine Leser über den Macher von Krimikultur:Archiv, weil der noch viel, viel mehr über Krimis weiß als ich.

Danke vielmals, Ludger! Hat gar nicht weh getan, die Geschichte „Opa erzählt vom Kaiser“ …

Vielen Dank, dass ich hier sein durfte.

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Zuletzt stellte sich Ilja Regier mit Muromez vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war Frintze. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Bettina Schnerr-Laube mit „Bleisatz“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir etwas mehr über Bettina und ihr Blog Bleisatz erfahren sollte, hatten die Herren sandhofer und scheichsbeutel vorgeschlagen, die gemeinsam litteratur.ch betreiben.

Dein Steckbrief in Stichworten …

# Mutter, Fachjournalistin, Leseratte (in unterschiedlicher Reihenfolge)

# Badenerin, die seit Jahren in der Schweiz lebt und arbeitet

# Vielleserin, aber keine Allesleserin

Seit wann, warum und wo  bloggst du?

Seit 1999 treibe ich mich mit einer Website im Netz herum, aus der sich im Januar 2008 die auf Bücher fokussierte Website Bleisatz entwickelte. Bleisatz ist eine komplette Eigenentwicklung: Ich kümmere mich um die Inhalte, html und css, mein Mann erledigt die php-Programmierung, von der ich schlicht keinen Schimmer habe.

Deine Themenschwerpunkte …

© Bettina Schnerr-Laube

© Bettina Schnerr-Laube

Wie sandhofer schon anmerkte, kümmere ich mich besonders um Krimis. Sicher 60% meiner Lektüre fallen in dieses Genre. Seit einiger Zeit bin ich zusätzlich auf literarischer Weltreise und versuche, jedes Land dieser Welt mit je einem Buch zu besuchen. Ursprünglich sollten es „nur“ 25 Bücher werden, aber mich faszinieren die Neuentdeckungen inzwischen so sehr, dass sich die Idee verselbständigt hat. Irgendwo zwischen Land 70 und Land 80 stecke ich gerade.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Wirklich umtreiben tut mich wenig, da ich nicht im eigentlichen Literaturbetrieb drinstecke. Eher amüsiert beobachte ich allerdings Autoren, die über Leser und deren Meinungen herziehen (und davon kommt ja hin und wieder was hoch), weil die Autoren in der Regel sehr viel mehr über sich dabei verraten als – wie gemutmaßt – über die geschmähten Rezensenten.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Damit habe ich erst im Sommer 2010 angefangen. Ich wurde bei Facebook aktiv, später auch bei G+ und Twitter. Wie stark die Aktivität dort etwas für die Bekanntheit leistet, vermag ich allerdings nicht zu beurteilen. Auf allen drei Kanälen bin ich mittlerweile auch deshalb gerne unterwegs, weil ich viel für mich selbst dort entdecke.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Nichts. Ich verstehe Blogs als Spiegel persönlicher Meinungen und Interessen, den jeder Blogger in einer frei wählbaren Form umsetzt. Per Bild, Video, mit Link, ohne Link, langem oder kurzem Text. Ein Leser wird grundsätzlich nach seinen eigenen Vorstellungen den einen oder anderen Blog lieber besuchen als einen anderen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die größte Aktivierungsenergie benötigt man vermutlich für den Blogstart. Technische Probleme sind dank vieler kostenfreier Angebote in der Regel aus dem Weg geräumt. Also bleibt nur eines: Anfangen (… und ein bisschen dranbleiben).

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Das war der Moment, als ich bei meinen ersten zaghaften Anfragen nach Rezensionsexemplaren ohne Zögern die Zusage von allen damals angeschriebenen Verlagen gleichzeitig erhielt. Es ging um ein kleines Argentinien-Special zur Buchmesse und ich hatte einen ganz erheblichen Anteil von Absagen eingerechnet.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Zwei oder drei Verlage wissen gut um meine Schwerpunkte und fragen sehr gezielt an. Interessieren mich die Titel, sage ich abhängig von meinen Terminmöglichkeiten zu. Mit meinem Beruf und einer lebhaften Familie an der Seite sind zeitnahe Lektüren eine waghalsige Angelegenheit, sodass auch bei interessanten Krimis schon das ein oder andere Nein sein musste.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Selfpublisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Anfragen von Selfpublishern erhalte ich fast nie. Zugesagt habe ich in diesen Fällen auch noch nicht. Ein wenig Skepsis ist vorhanden, da meine bisherigen Versuche mit BoD und Eigenverlagen nicht alle begeisternd waren. Daher belasse ich es bei Selbstversuchen, die ich nach gusto einstreuen kann.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ganz positiv, seit ich einen Reader habe und den erfolgreich ausprobiert habe. Ich werde jubeln, sobald eine einheitliche Regelung für Dateiformate gefunden ist, sodass ich alle Bücher bei allen Anbietern kaufen kann – wie bei mp3-files für Musik auch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da sandhofer schon so offen den Ball einer Krimibegeisterten zugeworfen hat, bleibe ich in diesem Genre. Erst vor kurzem habe ich Janet Rudolph mit ihrer Mystery Fanfare entdeckt, die offensichtlich gute Krimilisten zu bestimmten Themen zusammenstellt. Auch die Kriminalakte ist eine Anlaufstelle, zumal sich der Macher auch um Film und Verfilmungen kümmert.

Die zwei nächsten Blogs haben abgesehen vom Krimi noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie haben – jeder für sich – eigene grafische Stile entwickelt und dafür habe ich eine kleine Schwäche. Die Krimikiste bietet jede Rezension als Podcast an. Und den Krimiblog(ger)  möchte ich gerne als neuen Interviewpartner vorschlagen. Was mich an diesem Blog fasziniert ist, dass der Krimiblogger und ich meist recht wenig Überschnitt in der Lektüre haben: Genau das ist der Grund, warum ich dort immer neue Anregungen und Perspektiven entdecke.

Danke sehr, Bettina. Eine feine Idee zudem, dass wir etwas mehr über den Krimiblogger erfahren sollten.

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Zuletzt stellten sich Anne-Kathrin und Jessica mit lesErLeben vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerinnen waren die Betreiberin von jungesbuch. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt die Herren sandhofer und scheichsbeutel mit „litteratur.ch“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Es dauerte ein ganzes Weilchen, bis ich die Köpfe ausfindig machen konnte, die hinter litteratur.ch stehen. Der Vorschlag, dass wir sie etwas näher kennenlernen sollten, kam von Giesbert Damaschke , der u.a. die Echtzeit-Blogs zum Schiller-Goethe-Briefwechsel und zu Eckermanns Gesprächen mit Goethe pflegt.

Euer Steckbrief in Stichworten …

sandhofer: Zuerst vielen Dank für die Einladung zum Interview. Wie Du siehst, gibt es uns durchaus…

sandhofer erblickte das Licht der Welt vor ca. einem Dutzend Jahren als e-mail-Adresse. (Weshalb sandhofer bis heute Wert darauf legt, dass sein Name mit kleinem ’s‘ beginnt!) Zwei oder drei Jahre später mutierte sandhofer zum nom de plume (oder nom de guerre – wie man will) in verschiedenen Foren, seit kurzem auch in einem sog. Blog. Der Mensch hinter „sandhofer“ ist der Meinung, genügend uninteressant zu sein, dass sein Name und sein Werdegang weggelassen werden können. Außerdem ist er der Meinung, dass es das Recht jedes Menschen sein sollte, im Internet unter Pseudonym unterwegs sein zu dürfen. Dabei ist er allerdings auch nicht so verbissen wie z.B. der Mann, der hinter „Atze Schröder“ steckt. Er weiß durchaus, dass sich sein Klarname finden lässt, so man sucht.

scheichsbeutel: Österreicher mit Hang zur Anonymität, im Grunde dadurch motiviert, dass – wie mein Vorredner bereits bemerkte – der Name hinter den Beiträgen von nachrangiger Bedeutung ist.

Seit wann, warum und wo bloggt ihr?

sandhofer: sandhofer hat sich jahrelang in Foren herumgetrieben. Als Mitglied, als Moderator, als Administrator – bis eines Tages bei zwei weiteren und ihm das Bedürfnis entstand, ein eigenes Forum zu verwirklichen, wo nach unsern Vorstellungen diskutiert werden konnte. Erste Versuche bei einem Forenhoster waren wegen dessen Unzuverlässigkeit im Erbringen seiner Dienstleistungen recht unbefriedigend. Also kam der Gedanke auf, auf einer eigenen Domain ein eigenes Forum zu betreiben. Dass dies dann in der Schweiz geschehen sollte, war reiner Zufall, da wir alle drei aus verschiedenen Ländern stammen. Allerdings fand sandhofer einen guten und trotzdem nicht teuren Anbieter, der auch schon unsere Lieblings-Forensoftware vorinstalliert hatte, SMF. Mittlerweile haben wir die Dritte im Bunde, die einzige Frau, verloren. Ganz einfach verloren. Eines Tages war sie weg, so, wie eines Tages Herkules plötzlich aus dem Kreise der Argonauten verschwunden war. Ich hoffe, dass sie wirklich einfach wie Herkules zu eigenen Heldentaten unterwegs ist. Wir zwei verbleibenden Argonauten schiffen unterdessen alleine weiter.

der Lesevogel © litteratur.ch

der „Lesevogel“ © litteratur.ch

Schon bald kam bei den Betreibern von litteratur.ch der Gedanke auf, dass die eine oder die andere Notiz auch etwas hervorgehobener erscheinen sollte, als dies in einem Forum möglich ist. Die Frage der technischen Möglichkeit behinderte uns allerdings etwa zwei Jahre lang. Ich weiß nicht mehr, wie viele Datenbanken ich installiert und deinstalliert habe, wie viele CMS wir getestet haben. Selbst an den Aufbau einer eigenen Datenbank dachten wir. Für mich war von Anfang an klar: Kein Blog, ich will kein Blog. Als ich dann endlich begriff, dass eine Blogging-Software auch nur eine Spezialform eines CMS ist, war mein Widerstand allerdings gebrochen. WordPress war bei meinem Host ebenfalls vorinstalliert; als einfachstes in Bezug aufs Handling wurde es dann aktiviert. So haben wir nun vor kurzem das Ein-Jahres-Jubiliäum des Blogs gefeiert. Dennoch lässt sich der Fori nicht verdrängen und bis heute fasst sandhofer sich nicht als Blogger auf. Die Antwort-Funktion in unserm Blog war zuerst komplett deaktiviert, und noch immer muss man angemeldet sein, um einen Kommentar hinterlassen zu können. Ich bin auch der Meinung, dass die Blogging-Software keine Diskussionen ermöglicht in der Art, wie dies ein Forum tut.

scheichsbeutel: Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Außer, dass ich früher auf antville auf ein eher privates Blog mit eingeschränktem Zugang unterhalten habe.

Eure Themenschwerpunkte …

sandhofer: Ich zitiere der Einfachheit halber von unserer Startseite. „Wir lesen alles – aber erfahrungsgemäß sind nicht alle Texte gleichermaßen in der Lage, interessante Diskussionen zu entfachen. Daher das “falsche” ‘t’ in „Litteratur“, ein Hinweis auf das Faible für Klassiker, oder besser gesagt ein Faible für jene Zeit, in der in Anlehnung an das lateinische “littera = Alles Geschriebene” dieses zweite ‘t’ noch verwendet wurde.“

scheichsbeutel: Tatsächlich alles, denn über Einfältiges lässt sich Intelligentes sagen (und vice versa). Wobei mein Interesse sehr stark in Richtung Philosophie geht …

Was treibt euch in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

sandhofer: Umtreiben … umtreiben … Ich denke, das ist das falsche Wort, denn das würde bedeuten, dass ich wegen einer Sache schlaflose Nächte verbringe. Dem ist mitnichten so, aber ich verfolge interessiert die Bemühungen von SteglitzMind so etwas wie einen Verhaltenscodex der mit literarischen Texten beschäftigten Blogs zu definieren. Ebenfalls fasziniert mich im Moment der „Shitstorm“ um ein paar Wörter, die ein Verlag in einem alten Kinderbuch geändert hat. Und last but not least (und à propos „Shitstorm“) die immer wieder aufflackernden Flame-Wars, wenn mal wieder ein Blogger sich traut, ein Buch zu besprechen, das er bekennender Weise nicht zu Ende gelesen hat.

scheichsbeutel: Mich treibt kaum etwas um – im Gegenteil: Ich bin froh, in keinster Weise in den Literaturbetrieb involviert zu sein.

Wie macht ihr das Blog und eure Beiträge bekannt?

sandhofer: Kaum. Hin und wieder ein Eintrag bei Google+. Noch seltener einer bei Facebook. Ich bin kein genuiner Blogger, und mein Ziel sind nicht möglichst viele „Follower“ oder Blogger, die auf litteratur.ch Kommentare hinterlassen. Viel interessanter finde ich, dass wir – je nach Ländereinstellung – bei gewissen Suchbegriffen für Google unterdessen auf der ersten Seite auftauchen. Dafür braucht es eine gewisse Regelmäßigkeit im Publizieren, vielleicht sogar eine gewisse Qualität der Beiträge – und geschickt gewählte Tags in WordPress.

scheichsbeutel: Gar nicht. Ich bin ein schlechter Apostel meiner selbst.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

sandhofer: Nichts. Nichts in doppeltem Sinn: Einerseits kann ich mir nichts vorstellen, das ein Blogger sein lassen müsste. Es gibt sicher Dinge, die machen, dass ich das Blog nicht lese – aber das ist ein kleiner Teil der Welt, den der Blogger deshalb verliert.

Nichts tun andererseits bedeutet den Tod eines jeden Blogs. Wenn längere Zeit nichts Neues erscheint, wird der Leser (und wird Google!) das Interesse verlieren. Wie viele Blogs gibt es nicht, die voll Enthusiasmus begonnen wurden, und die nun seit Monaten, Jahren brach liegen.

scheichsbeutel: Wenn ihm an mir als Leser gelegen ist: Keine Videos oder Fotoserien. Ich bin an Texten interessiert, nicht an visuellem Allerlei.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

sandhofer: Ich blogge in meiner Freizeit und aus Spaß. Hürdenlauf würde mir keinen Spaß machen. Insofern habe ich beim Bloggen offenbar keine Hürden gefunden …

scheichsbeutel: Dem kann ich nur zustimmen. Die Freude am Schreiben und Lesen ist der alles bestimmende Antrieb. Wenn dieser nicht mehr vorhanden wäre, würde ich alles Bloggen sofort sein lassen.

Euer schönstes Erlebnis als Blogger …

sandhofer: Als ich das erste Mal realisierte, dass Google uns prominent zur Kenntnis nimmt. Und natürlich das Lob, das uns Giesbert Damaschke erteilte, als er litteratur.ch zu seinem Nachfolger in deiner Interview-Reihe erkor.

scheichsbeutel: In meinem ersten Blog eine kurze Antwort, die aber ein tiefes Verständnis für das Geschriebene vermuten ließ. Mit Recht, wie sich herausstelle. Derlei ist selten.

Wie geht ihr damit um, wenn euch Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

sandhofer: Das ist bisher erst einmal passiert. Und leider waren es E-books – die ich nicht lesen kann und will. Also habe ich die Anfrage ignoriert, da sich der betreffende Kleinverlag offenbar nicht die Mühe genommen hat, mein Profil sorgfältig genug zu erstellen.

scheichsbeutel: Ist früher einige Male passiert. Ich warne dann die Betreffenden vor den zu verfassenden Rezensionen.

Und wie würdet ihr damit umgehen, wenn euch Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

sandhofer: Self-Publisher? Das hieß früher „Eigen-Verlag“, ja? Keine Ahnung – so etwas ist bisher noch nicht passiert.

Wie haltet ihr es mit dem E-Book?

sandhofer: Gar nicht. Erstens stört mich der aktuell immer noch herrschende Formate-Wirrwarr. Zweitens mag ich nicht, dass ich einen elektronisch aufbereiteten Text offenbar nur zur Verfügung gestellt bekomme und nicht besitze. Drittens finde ich die theoretische Möglichkeit, dass der Zur-Verfügung-Steller den Text jederzeit wieder auf meinem Lesegerät löschen kann, gelinde gesagt, störend. Man stelle sich so etwas bei einem Papierbuch vor! Viertens sind alle Lesegeräte, die ich bis jetzt gesehen habe, Ausbünde an Hässlichkeit. Mit so etwas in der Hand würde ich mich nie in der Öffentlichkeit sehen lassen. Nicht einmal im Schlafzimmer vor meiner Frau…

scheichsbeutel: Reizvoll der vielen alten, nicht wieder aufgelegten Bücher wegen (etwa Philosophen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts). Solange allerdings die Geräte weitgehend proprietäre Formate darstellen, warte ich mit der Anschaffung. Für die Zukunft aber sicher ein wertvoller Zusatz.

Welche anderen Blogs empfehlt ihr (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

sandhofer: Drei der meiner Meinung nach wichtigsten Blogs zur Literatur sind hier ja bereits zu Wort gekommen: die von Christian Köllerer, Marius Fränzel und Giesbert Damaschke. Die muss ich nicht mehr empfehlen, die Drei haben sich hier ja bereits vorgestellt. Das „Leipziger Bücherlei“ auch nicht, es wurde bereits empfohlen. So, wie es aktuell aussieht, hat es Kolbeck aber mal wieder vom Netz genommen. Nun, wird schon wieder…

Zu den Empfehlungen also: Da ist einmal das ziemlich junge Blog Alles nicht so wichtig von Papyrus. Wie ihr Pseudonym sagt, sind ihre Themenschwerpunkte das Buch und Ägypten. Das einzige Blog, zu dem wir von unserm her verlinken (außer Damaschke und Köllerer) ist Literatur mit mArtinus. Er schreibt mittlerweile lieber selber, als über Texte zu schreiben. Zwischen den Seiten von BigBen wäre sehr interessant, wenn der Kerl nur nicht zu faul wäre, um regelmäßig zu posten. Ich weiß nämlich, dass er nach wie vor regelmäßig liest und auch regelmäßig sehr interessante Texte liest. yeRainbow and its world and its world leidet unterm selben Defizit.

Blog N° 5, das ich empfehle, ist Bleisatz. Zwar liest die Betreiberin dieser Seite praktisch nur Krimis, und ich praktisch selten welche, aber sie gehört zu den wenigen Bloggern + Foris, die korrektes und gutes Deutsch schreiben können. (Mein eigenes ist mehr oder minder korrekt, aber nicht gut!) Das ist auch die Seite (bzw. das Blog, sie hat eines dort!), von der ich möchte, dass du sie mal vorstellst – und sei es nur, weil sie sich diebisch gefreut hat, dass ich mich hier bei Dir outen soll…

scheichsbeutel: Erinnert mich eigentlich nur daran, dass ich kaum noch Blogs lese. Das letzte war vague., das ich häufiger besucht habe. Scheint aber den Weg alles Irdischen gegangen zu sein; dass ausgerechnet der letzte Eintrag ein youtube-Link war, ist angesichts meiner diesbezüglichen Abneigung paradigmatisch.

Danke sehr, die Herren. Stoff genug, um neuerlich über einen „Verhaltenskodex der mit literarischen Texten beschäftigten Blogs“ zu sinnieren … Und: im Übrigen, Bettina von Bleisatz hakte auch bei mir nach, wo denn euer Porträt bliebe.

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Zuletzt stellte sich Sophie mit Literaturen vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war der Betreiber von Muromez. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier