„Wer will denn ernsthaft mit dem konkurrieren wollen, was die Internet-Handelsunternehmen da veranstalten?“ – SteglitzMind stellt Clemens Bellut von der Buchhandlung „artes liberales“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Heute lernen wir Clemens Bellut vom Heidelberger Buchladen artes liberales etwas näher kennen. Vorgeschlagen hatte das Giovanni Belmonte, der das Blog vnicornis pflegt.

Eine Skizze vom Laden…

Im Mai 2013 habe ich den Buchladen unter dem Namen artes liberales in der Heidelberger Altstadt, am Kornmarkt, in einem frisch restaurierten, 300 Jahre alten traumhaft schönen Haus eröffnet. Er ist in einem ausgesprochen ernst gemeinten Sinn als philosophischer Buchladen aufgebaut, versammelt auf sehr kleinem Platz einen entsprechend kleinen Bestand von ca. 1.200 Titeln, die vornehmlich aus meiner eigenen disziplinären Perspektive in einem gewissen Verhältnis zur Philosophie stehen: Dichtung, Literatur, Philologie, Kunstwissenschaft, Physik, Musikwissenschaft, Geschichte.

Clemens Bellut © L. Povilas Ludvikas

Clemens Bellut © L. Povilas Ludvikas

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

Weil ich vor eineinhalb Jahren nach Heidelberg gezogen bin und in der Altstadt, neben all den zahlreichen Antiquariaten, leidvoll die Abwesenheit eines solchen Buchladens registrieren musste – eines Buchladens zum Lesen, zum Gespräch, zur Entdeckungsreise und zur veritablen Konkurrenz fürs Café oder für die Kneipe als Tagesraum.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ja.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Der Wechsel von den akademischen Tätigkeitsorten zu einem Buchladen. Dabei ist der Wechsel lange nicht so grundsätzlich wie es scheinen mag: Seit alters her trage ich mich mit der Idee, einmal eine kleine Akademie oder ein Kolleg oder Institut zu gründen, auch zur Wiederaufnahme der alten, herkömmlichen Impulse in der Gründungszeit der ersten europäischen Universitäten. Und auf die Idee mit dem Buchladen bin ich, über den genannten äußeren Anlass hinaus, nur darum gekommen, weil ich mir einen solchen Buchladen mit seiner Präsenz höchst sorgfältig ausgesuchter Titel und Bücher denken kann als die Keimzelle einer solchen „Akademie“.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Ich unternehme keine gesonderten Anstrengungen – aber ich nutze die digitalen Techniken überall, wo sie sich hilfreich machen können. So gibt es eine Facebook-Präsenz des Ladens, eine Internet-Seite, die auch zur Bestellung und zur Beauftragung taugt und man kann eben alle gedruckten, digitalen, audio-visuellen Werke – soweit sie mir erreichbar sind – bestellen und erhalten. Ich sehe nicht den geringsten Anlass, einerseits, mich deswegen von meinem ursprünglichen Impuls abbringen zu lassen – und der Impuls war eben nicht zuerst auf digitale Experimente ausgerichtet – oder, andererseits, mich ohne Not auf völlig gegenstandslose Abgrenzungskämpfe verpflichten zu lassen.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Das Sterben ist vielleicht ein sehr populärer und doch ein wenig stichhaltiger Topos: Es verhält sich vermutlich so ähnlich wie mit den Schallplattenläden. Sie sind ja auch nicht gestorben – oder sie sind jedenfalls wiedergekommen. Und sie genießen vermutlich eine erheblich höhere Wertschätzung als zu Zeiten vor der Digitalisierung. Und so geht es auch mit den Buchläden. Freilich wenn man glaubt, der Digitalisierung und dem Internet-Handel hinterherlaufen zu müssen und davon ausgeht, dass es sich beim Buch um ein völlig austauschbares Handelsgut gegenüber anderen Waren handelt – dann hat man auch ökonomisch schon verloren, bevor man auch nur einmal in seine Buchhaltung geguckt hat … umso mehr in inhaltlicher Hinsicht. Wer will denn ernsthaft mit dem konkurrieren wollen, was die Internet-Handelsunternehmen da veranstalten? Das ist für sich womöglich mehr oder weniger legitim, aber ich will doch gar nicht neben Büchern oder austauschweise gegen sie irgendwelche anderen Waren vertreiben, nur um überhaupt Handel zu treiben oder nur um überhaupt Gewinn zu erzielen. Sondern ich habe eine Idee und einen Wunsch und ich sehe Menschen, die sich wie ich weit unterfordert fühlen von dieser selbstverständlich restlos anti-intellektuellen Industrie. Nicht zufällig geht das Sterben insbesondere bei denjenigen Läden und Ketten los, die ihrerseits einmal einst die kleinen kostbaren Läden zu Grabe gebracht haben und nun einem Trend hinterherlaufen, unter dem sie gar nicht anders als ersticken können.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Ich schreibe niemandem vor, in welcher Gestalt er dasjenige, was mir lesenswert scheint, in die Hand nehmen will: In Schweinsleder gebunden, in Leinen gebunden, kartoniert, als Hörbuch, in irgendeiner digitalen Gestalt…

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Es gibt kein grundsätzliches Argument dagegen – und keines dafür. Die beiden entscheidenden Argumente sind ausschließlich: 1.  was damit publiziert wird und 2.  wie es gemacht ist.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

artes liberales © Clemens Bellut

artes liberales © Clemens Bellut

Indem man einen Buchladen wie ein Café und wie eine Kneipe auffasst: Wenn man versteht, dass es beim Buchverkauf wie bei einigen anderen bemerkenswert eigenartigen Gütern darauf ankommt, ihren ökonomische Ertrag als notwendigen Ermöglichungsgrund ansieht – aber nicht als das ausschlaggebende Anliegen. Ich brauche den Verkauf dafür, den Laden überhaupt betreiben zu können – aber ich mache ihn aus einem völlig anderen Grund. Da braucht es dann aber auch ein intimes Verhältnis sowohl zu den ausgestellten Büchern als auch zu den Menschen, die zu Besuch kommen. Und vielleicht fängt schon alles damit an, diese Menschen nicht als Kunden, sondern als Besucher anzusehen. Und bei den Büchern kommt es darauf an, den Schreck vor den Verlagspreisen zu verlieren und sich mit denjenigen schönen, gutgemachten und verdienstvollen Editionen, Titeln und Publikationen zu umgeben, für die es sich immer lohnen wird, Menschen damit in Berührung zu bringen, darauf aufmerksam zu machen und sie miteinander in Verbindung zu bringen. Das darf man ruhig in beiden Richtungen als ein erotisches Verhältnis ansehen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

1. Dass auch umgekehrt sie, wenn sie denn solcherart Bücher machen und herausbringen, in ein ähnlich ambitioniertes Verhältnis zu denjenigen Buchläden und Buchhändlern treten, wo sie ein solches Verhältnis zu ihren Büchern lebendig vorfinden können.

2. Dass die Gelder, die in ihre oft unglaublich aufwendigen Kataloge und Präsentationen gehen, eher den Autoren, den Lektoren, den Setzern und den Buchhändlern zugute kommen lassen.

3. Dass sie meine Vorstellung einer erneuernden Art der Akademie, die aus dem Buchladen hervorgeht, fördern wollten.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Für diese Wunschliste reicht das (virtuelle) Papier hier nicht: Vielleicht am kürzesten zu sagen, dass der Börsenverein wirklich eine Vereinigung des BUCH handels werden sollte und nicht ein Instrument von Großunternehmen, die wahlweise Bücher, Schlüsselanhänger, Teddybären, Tassen u.a. vertreiben. Oder umgekehrt gesagt: die klare Selbstzuordnung, ob der Börsenverein für den Handel arbeiten will, der zufällig auch die Ware ‚Buch‘ vertreibt, oder für die Bücher, ihre Autoren, ihre Verleger, ihre Setzer und Drucker, ihre Buchläden und ihre Leser arbeiten will, die nebenbei auch über Handelsbeziehungen verbunden sind. – Und am banalsten zu sagen: an mir könnte der Börsenverein schon eine Menge sparen, wenn er den unglaublichen Aufwand mit seinen Magazinen und Informationsblättern einschränken oder einstellen würde und auch den dazugehörigen ganzen Apparat der Werbewirtschaft, des Marketings, der Produktion und des Vertriebs dieser völlig überflüssigen Papiere…

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die engstirnige Beschränkung auf einen Talkshow- und Nachtisch-Literaturbegriff, der aus merkwürdigen Gründen die wissenschaftliche Literatur fast ausschließlich unter der Kategorie „Sachbuch“ oder „Populärwissenschaft“ oder „Wissenschaftsjournalismus“ kennt und weitergibt. Und die Beschränkung auf der anderen Seite, die aus der ängstlichen Scheu kommt, in Deutschland noch das Wort „Dichtung“ in den Mund zu nehmen.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Es fängt damit an, dass überhaupt  niemand  in eine Buchhandlung gehen  sollte  – und es geht weiter mit dem Buchhändler und dem Verleger, die aufhören sollten, ihre Leser und Besucher so maßlos wie die Talkshows zu unterschätzen und die ihrerseits vielmehr diesen Lesern und Besuchern den  lohnenden  Weg in eine Buchhandlung überhaupt  möglich  zu machen.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Den Reisebuchladen in Heidelberg, Buchhandlung & Antiquariat Schöbel, ebenfalls in Heidelberg ansässig, die literarische Buchhandlung Quichotte in Tübingen, ebenfalls in Tübingen die H.P. Willi Buchhandlung, Pro qm aus Berlin, die sich hier bereits vorgestellt haben, Calligramme in Zürich und die Buchhandlung Klio, auch in Zürich. – Für ein Gespräch schlage ich Wolfgang Zwierzynski von der Tübinger Quichotte Buchhandlung vor, weil sie meiner auch auf beste komplementäre Weise entspricht.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/ innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

Außerdem gibt es inzwischen ein dreiteiliges Fazit zu den 44 Interviews:

1. Ob und wie sich die Befragten im Netz engagieren 2) inwieweit E-Bücher bereits Einzug in ihre Läden gehalten haben 3) wie sie es mit Publikationen von Self-Publishern halten. Zum “Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen” geht es hier und falls sich jemand die Frage stellen sollte, einmal Buchhändler, immer Buchhändler?, der wird hier fündig

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Avantgarde oder Traditionalisten? Wie sich Buchhändler heute positionieren (Teil 3)

Nach immerhin 44 Beiträgen, die seit September 2013 im Rahmen der Gesprächsreihe SteglitzMind stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor zusammengekommen, schien die Zeit reif, etwas näher darzulegen, wie sich die befragten Sortimenter im Zuge der Digitalisierung aufstellen. Bewahrheiten sich Vorurteile, die vielfach kolportiert werden: Hinken sie den Entwicklungen hinterher? Ist ihnen das Netz fremd und Online-Shopping ein rotes Tuch? Haben Sie mit E-Books und Publikationen von Self Publishern nichts am Hut?

Ob und wie sich die Befragten im Netz engagieren und inwieweit E-Bücher bereits Einzug in ihre Läden gehalten haben, habe ich bereits dargelegt. Somit geht es heute im dritten Teil meines Resümees um die Frage:

  • Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Verneint wird die Frage selten. Lediglich acht von 44 Gesprächsteilnehmern denken nicht daran, Titel von Self Publishern feil zu bieten. Ein Buchhändler führte an, den Markt nicht zu überschauen – Hand auf’s Herz: wer tut das schon? Andere begründeten ihre Abwehr damit, dass man der Bücherschwemme auf dem Markt sowieso nicht Herr werden könne und deshalb auf die Selektion durch Gatekeeper angewiesen sei, die sich bewährt habe.

Anna Jeller ©  Jacqueline Godany

Anna Jeller © Jacqueline Godany

Nein. Verlage leisten sehr viel, egal ob Groß, Mittel oder Klein. Diese Filterfunktion benötige ich in dem schieren Überangebot von Büchern. Verlagsprogramme schaffen Identität und stehen für Qualität, jeder Verlag hat seinen eigenen Ausdruck. Meint Klaus Kowalke von der Buchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Eher nicht. Die Produktionen der Verlage sind ohnehin unübersichtlich genug. Sagt Anna Jeller von der Wiener Buchhandlung Anna Jeller

Mir reichen schon die Bücher, die mir von den Verlagen angeboten werden. So Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Das Gros allerdings hat mit Self Publishern keine Berührungsängste. Wohl konnte ich mich bisweilen des Eindrucks nicht erwehren, dass man dabei vorrangig an Werke aus Independent Verlagen denkt, die im Buchmarkt ja durchaus ein gewisses Ansehen haben.

Das machen wir schon immer bei Pro qm. Im Eigenverlag herausgegebene Publikationen – aus dem In- und Ausland – in Form von Heften, Büchern, Zeitschriften, Platten, CDs und DVDs gehören bei uns zentral zum Sortiment, sofern sie sich thematisch mit unseren Fragestellungen überschneiden. Die Verwaltung ist  zugegebenermaßen etwas aufwändiger, aber manchmal kommen gerade die wertvollsten Kommentare zu einer Thematik aus den verwickeltsten Kanälen. Meint das Team von der Buchhandlung Pro qm in Berlin/Mitte

Maria Glusgold-Drews © privat

Maria Glusgold-Drews © privat

Ich biete sowieso schon Titel von Self Publishern an. Ich finde es enorm wichtig, eine Plattform zu haben, auf der man ausprobieren kann. Ich habe einige Titel am Lager, die in Kleinstauflagen produziert wurden und die durchaus auch verkauft werden. So Maria Glusgold-Drews vom Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

Ja – ich biete seit Beginn der Buchhandlung auch Publikationen von Self-Publishern an – diese können eine große Bereicherung sein, weil es viele besondere Publikationen gar nicht in einem Verlag gibt, sondern in sehr geringen Auflagen in Eigeninitiative erscheinen. Voraussetzung ist die qualitative Umsetzung des entsprechenden Themas. Sagt Lia Wolf von der Wiener Buchhandlung Lia Wolf

So Titel von Self Publishern ins Sortiment aufgenommen werden, dann im Kommissionsbezug. Chancen räumen die befragten Buchhändler am ehesten Titeln mit regionalen Bezügen und solchen Autoren ein, die im Umkreis der Buchhandlung leben und wirken. Ob die Bücher, die in Kommission genommen wurden, dann tatsächlich auch gekauft werden – das freilich steht auf einem anderen Blatt.

Beate Laufer-Johannis  © privat

Beate Laufer-Johannis © privat

Hm, ja, habe ich schon ab und zu gemacht. Es handelte sich dann um Autoren aus dem Ort. Da war es durchaus auch für andere interessant zu erfahren, was ihr Freund oder Nachbar zu sagen hatte. Auch wenn nicht immer die Qualität dem entsprach, was ich normalerweise empfehle. Es gibt aber immer wieder Überraschungen, eines dieser Bücher war sogar ein richtiger Renner. So Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus im sächsischen Tharandt

Einige Titel haben wir im Laden, diese sind allerdings sorgfältig ausgesucht. Ich muss von dem Buch wirklich überzeugt sein und die Chemie zum Autor muss stimmen. Es ist sehr unterschiedlich, wie diese Titel ankommen. Bücher mit einem regionalen Bezug verkaufen sich da noch am besten. Sagt Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach

Christian Röhrl © privat

Christian Röhrl © privat

Ich verkaufe ja auch seit 25 Jahren Bücher von Eigenverlegern. Es sind vor allem regional gute Titel dabei. Generell denke ich aber, dass es Sinn macht, vor einer Veröffentlichung jemanden zu haben, der das Ganze lektoriert, korrigiert, bewirbt, veröffentlicht und einen wirtschaftlich sinnvollen (gebündelten) Vertrieb ermöglicht. – Kurz ich bevorzuge Verlage. Meint Christian Röhrl von der Buchhandlung Bücherwurm in Regensburg

Es kommt immer wieder vor, dass uns Eigenproduktionen angeboten werden, in der Regel von Menschen aus unserem näheren Buchhandlungsumfeld, sprich regionale Geschichten. Da bin ich immer offen und nehme sie in Kommission. Allerdings verkaufen sich solche Werke meist schlecht. Oft ist die sprachliche Qualität leider nicht besonders gut. Ein Lektorat/ Korrektorat ist sehr wichtig, das fehlt in der Regel. Sagt Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

lesende Buchhändlerin ©  Mila Becker

lesende Buchhändlerin © Mila Becker

Ich biete sie an. Allerdings nur, wenn sie mich wirklich überzeugen. Der Haken bei diesen ist, und ich höre schon den Aufschrei, man sieht es ihnen leider zu 90% an. Das Auge isst ja bekanntlich auch mit, und die meisten sehen vollkommen unprofessionell aus. Wenn man da dann nicht 100% hinter steht, liegen diese, wie in Blei gegossen. Meint Mila Becker von Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Gefragt ist Qualität, und zwar sowohl in inhaltlicher als auch in gestalterischer Hinsicht.

Es gibt kein grundsätzliches Argument dagegen – und keines dafür. Die beiden entscheidenden Argumente sind ausschließlich: 1. was  damit publiziert wird und 2. wie  es gemacht ist. So Clemens Bellut vom Heidelberger Buchladen Artes Liberales (diesen Beitrag könnt Ihr hier ab 6. März in Gänze lesen)

Warum denn nicht? Schließlich entscheidet die Qualität, die Form, der Inhalt. Wenn das stimmt, sehr gern. Sagt Susanne Dagen vom Buchhaus Loschwitz in Dresden

Doch der Anforderungen an Form und Inhalt nicht genug. Qualität allein reicht nicht, um das Herz von Buchhändlern zu gewinnen! Self Publisher punkten bei ihnen vorrangig dann, wenn die Publikation gedruckt vorliegt und der Titel zum Sortiment der Buchhandlung passt. Wünschenswert ist außerdem, dass das Marketing stimmt. Da die Befragten unisono berichten, dass Titel von Self Publishern besonders beratungsintensiv sind, sollte man nicht mit (sachlichen!) Informationen geizen, die auf die Belange des Buchhandels zugeschnitten sind. Von Lobhudeleien und Marktschreierei sei dringend abgeraten. Gut beraten ist außerdem, wer sich gewisse Kenntnisse über die buchhändlerische Praxis aneignet. Und – last but not the least – potentielle Handelspartner lassen sich nur dann überzeugen, wenn die Rabatte stimmen. Und genau hier scheint noch manches im Argen zu liegen.

Frau Bergmann © Hedwig Bergmann

Martina Bergmann © Hedwig Bergmann

Ich verkaufe auch Bücher von Self Publishern – wenn sie mir gefallen und wenn die Einkaufsbedingungen marktfähig sind. Deshalb verkaufe ich meistens keine Bücher von Self Publishern. Meint Martina Bergmann von der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Gedruckte Exemplare, wenn sie denn gut sind, auf jeden Fall. So Lutz Heimhalt von der gleichnamigen Buchhandlung in Hamburg

Barbara Roth  © Iris Roth

Barbara Roth © Iris Roth

Grundsätzlich kann ich mir diese Entwicklung gut vorstellen. Wichtig wäre dabei, dass wir uns über diese Titel auch vorab informieren und die Kunden dazu beraten könnten. Wünscht sich Barbara Roth von der Offenburger Buchhandlung Roth

Warum nicht, wenn die Qualität stimmt. Allerdings scheitert es oft an dieser Voraussetzung. Unser örtlicher Bestseller wurde von einer Marketingfrau zusammen mit einem alten Verlagsprofi gemacht, da stimmte alles. Auch die Kalkulation mit Buchhandelsrabatten. Oft hat man statt dessen aber den Eindruck, dass einige Produzenten glauben, Buchhändlers ausreichender Lohn sei die Ehre, ihre Produkte zu handeln. Wird von uns erwartet, Eitelkeiten zu finanzieren? Sagt Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster in Ganderkesee

Thomas Calliebe  ©  Thomas Calliebe

Thomas Calliebe © Thomas Calliebe

Wir führen selbstverständlich Titel von Autoren aus unserer Region, auch Self Publisher – allerdings hat das nichts mit Umsatz oder gar Gewinn zu tun. Diese Titel sind mangels Marketing sehr beratungsintensiv und zudem nur mäßig rabattiert. Auf den gesamten Buchmarkt bezogen vertraue ich auf Bücher aus eingeführten Verlagen, weil ich mir hier in Bezug auf Inhalt, Form und Gestaltung sicher sein kann. So Thomas Calliebe von der Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Unbeliebtes Thema Self-Publisher. Grundsätzlich habe ich keine Einwände – vorausgesetzt die (Text-)Qualität stimmt. Ja, liebe Self-Publisher, auch Druck, Schriftbild, Papierqualität, Covergestaltung… beeinflussen die Kaufentscheidung! In der Praxis gibt’s jedoch jede Menge Ärger: fehlende Einträge im VLB und oft auch via Internet schlecht oder gar nicht zu bibliografieren. Fehlerhafte Rechnungsstellung, unorthodoxe Liefermethoden, fehlendes Wissen der Usancen im Buchhandel, nicht zu reden von Rechtschreibfehlern im oft genug miserablen Text. Und ja, es ist ja schön, wenn der Autor von seinem Werk begeistert ist, aber wir wollen auch unsere Kunden im Laden bedienen und nicht so gerne umständlichen Inhaltsangaben am Telefon lauschen. Meint Rosemarie Reif-Ruppert von der Gostenhofer Buchhandlung in Nürnberg

Beate und Mischa Klemm © lesen und lesen lassen

Beate und Mischa Klemm © lesen und lesen lassen

Also in unserem Laden gibt es genau ein Buch eines Self Publishers. Super Cover, super Titel, ansprechender Klappentext, günstiger Preis, bei unserem Großhändler einfach zu beziehen. Aber diese Dinge treffen leider nur ganz selten zusammen. Und dann ist es ja so, dass wir zweimal im Jahr etwa fünfzig Kilo Verlagsvorschauen durchsehen, Leseexemplare testen, mit Verlagsvertretern sprechen, auswählen, aussortieren … Wenn man das geschafft hat, klickt man einfach nicht mehr auf den Link zu einem „ganz tollen“ Buch. Sorry. Sagen Beate und Mischa Klemm von der Berliner Buchhandlung lesen und lesen lassen

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Zum “Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen” gelangt Ihr hier. Und falls sich wer die Frage stellen sollte, einmal Buchhändler, immer Buchhändler?, der wird hier fündig

Zu guter Letzt: Die Aussagen von 44 Buchhändlerinnen und Buchhändlern sind ebensowenig repräsentativ wie das Resümee, das ich ziehe.

„Durch die neuen Medien ist alles hektischer geworden.“ SteglitzMind stellt Daniela Binder von „Obergass Bücher“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir Daniela Binder von der Buchhandlung Obergass Bücher etwas näher kennenlernen sollten, die im schweizerischen Winterthur zu finden ist, hatte Bettina Schnerr-Laube vorgeschlagen. – Ich freue mich, dass Daniela Binder dabei ist.

Eine Skizze vom Laden…

Mitten in der Winterthurer Altstadt gelegen. Die Buchhandlung wurde 1968 begründet, seit November 1999 unter dem Namen Obergass Bücher. Schwerpunkte: Belletristik Erwachsene, Kinder- und Jugendbuch. Beratung.

Warum sind Sie Buchhändlerin geworden?

Daniela Binder © Obergass Bücher

Daniela Binder © Obergass Bücher

Lesen: immer schon die große Leidenschaft. Freude am Umgang mit Menschen.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Kann ich so nicht beantworten. Vielleicht eher nicht.

.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Viel mehr Administratives. Durch die neuen Medien ist alles hektischer geworden.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir haben seit Jahren eine Homepage. Zusätzlich versenden mir monatlich einen elektronischen Newsletter.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Internet/Wegfallende Budgets bei Bibliotheken und Schulen.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Bestellmöglichkeit über Homepage, ab Januar auch im direkt im Laden.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self-Publishern anzubieten?

Nein.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

so schaut's innen aus © Obergass Bücher

so schaut’s innen aus © Obergass Bücher

Persönliche Beratung, 4 x Jahr eigene Hauszeitung (über unsere Homepage Obergass Blätter ersichtlich), Buchvorstellungen mit aktueller Belletristik in diversen Bibliotheken fürs dortige Publikum.

Was würden Sie sich vom Schweizer Buchhändlerverband wünschen?

Bin sehr zufrieden mit der Arbeit des Verbandes, dieser kann aber auch nicht zaubern und die Schwierigkeiten beseitigen, die unsere Branche bedrohen.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil sie den persönlichen Kontakt, die Beratung suchen.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Buchhandlung zur Rose, St. Gallen und die Züricher Buchhandlung Hirslanden

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

„Der tägliche Kampf gegen Verblödung und Konzentration im Buchhandel kann auch sehr unterhaltsam sein.“ – SteglitzMind stellt Torsten Meinicke vom Buchladen Osterstraße vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir Torsten Meinicke vom Hamburger Buchladen Osterstraße etwas näher kennenlernen sollten, das hatte Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung vorgeschlagen.

Eine Skizze vom Laden …

Der „Buchladen in der Osterstraße“ wurde eben dort, im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel, 1978 als politische Stadtteilbuchhandlung in Selbstverwaltung gegründet. Das ist der Laden – nach diversen Veränderungen wie Umzug auf die andere Straßenseite und Vergrößerung auf ca. 80 qm – immer noch. Zurzeit wird der Laden von drei Menschen betrieben.

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

Torsten Meinicke © Buchladen Osterstraße

Torsten Meinicke © Buchladen Osterstraße

Weil mir nach einem (abgebrochenen) Geschichtsstudium und einer Umschulung zum Buchhändler, die Möglichkeit vor die Füße fiel, in der Osterstrasse weitgehend selbst bestimmt und politisch voreingenommen meine Brötchen zu verdienen. Und ja, lesen tue ich auch gerne…

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Angestellt, womöglich noch bei einer der großen Ketten, sicherlich nicht. Wenn der Freiraum zum selbst bestimmten Arbeiten vorhanden ist wie bei uns, jederzeit wieder, denn der tägliche Kampf gegen Verblödung und Konzentration im Buchhandel kann auch sehr unterhaltsam sein.

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Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

1. Längere Ladenöffnungszeiten. 2. Serviceleistungen (Einpacken, liefern, zur Ansicht bestellen etc.) nimmt seit Jahren zu.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Unser Online-Shop hat seit wenigen Tagen geöffnet. Was die Großen können und die Fiesen mit dem a am Anfang, können wir auch. Ob es genügend Menschen merken, werden wir sehen.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Dass die Menschen, die lesen (Bücher meine ich), bald aussterben. Unsere Stammkundschaft ist im Schnitt deutlich jenseits der 50, dafür aber treu, klug und politisch interessiert. Wenn der Rest nur noch den Kaffeesatz ihres Galao liest und Nichtigkeiten auf dem Smartphone entziffert, dann wird für uns irgendwann Schluss sein.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

E-Books können bei uns bestellt werden, die Anzahl der Verkäufe ist jedoch absolut marginal. Und ich denke, das bleibt auch so, denn meiner Meinung nach werden E-Books und stationärer Buchhandel nie wirklich zusammen finden.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Nein, das liegt jedoch auch daran, dass ich diesen Markt nicht wirklich überblicke.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Viele Abende verbringen wir mit Büchertischen auf mehr oder weniger spannenden literarischen und politischen Abendveranstaltungen. Persönliche Empfehlungen von wirklich gelesenen und für gut befundenen Büchern sind der wesentliche Verkaufsmotor. Abseitig-Spannendes macht neugieriger als die Präsentation der ewig austauschbaren Stapelware.

so schaut's Innen aus © Buchladen Osterstraße

so schaut’s Innen aus © Buchladen Osterstraße

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

1. Faire Rabatte. 2. Übernahme eines Teils der Kosten bei Lesungen, denn schließlich machen wir mit unseren Lesungen Werbung für das jeweilige Buch. 3. Produziert endlich weniger Bücher!!!

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Weiter eine feste Haltung im beständigen Kampf für die Ladenpreisbindung.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die intellektuell und politisch hoch anregende Debatte, die um den Stand der Kriminalliteratur geführt wird von kompetenten Menschen wie Thomas Wörtche, Tobias Gohlis und nicht zuletzt Else Laudan von ariadne, mit der wir gerade unsere Reihe „Der Krimi wird politisch“ über die Bühne gebracht haben

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Zum Beispiel, um solch spannende Lesungen nicht zu verpassen. Und weil ständiges Galaotrinken auf die Dauer nur dick macht.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Bin ich in Berlin, bin ich immer wieder beim Kollegen Koch in der Kreuzberger Hammett-Krimibuchhandlung. Mehr krimineller Sachverstand ist in diesem Land auf so wenigen Quadratmetern nicht zu finden. Zu Wort kommen sollten aber auch die Gartmann-Sisters, die mit ihrer Schatulle seit vielen Jahren in Osterholz-Scharmbek die Provinz rocken.

Danke sehr! Und nun weiß ich auch, dass Galao in Hamburg offenbar sehr angesagt ist…

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

Weiter geht’s mit der Gesprächsreihe wieder Mitte Januar…

„Independents, Kleinstverlag und Selfpublisher sollten bessere Vertriebsmöglichkeiten erhalten.“ – SteglitzMind stellt das Team von „Pro qm“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir das Team von der Buchhandlung Pro qm etwas näher kennenlernen, die sich auf die Themen Stadt, Politik, Pop, Ökonomiekritik, Architektur, Design, Kunst  und Theorie spezialisiert hat und in Berlins Mitte zu finden ist, hatte sich eine Leserin von SteglitzMind gewünscht, die sich arise nennt.

Eine Skizze vom Laden…

hier geht's hoch  ©  Katja Eydel

hier geht’s hoch © Katja Eydel

Pro qm wurde als thematische Buchhandlung 1999 in Berlin-Mitte gegründet und beschäftigt sich vor allem mit Stadt und deren Schnittstellen zu Politik, Pop, Ökonomiekritik, Architektur, Design, Mode und Kunst. Das Projekt ist interdisziplinär: Neben der Buchhandlung veranstalten wir regelmäßig Vorträge, Diskussionen und Buchpräsentationen im Laden, arbeiten an Ausstellungen und Konferenzen mit, haben Büchertische und temporäre Dependancen.

Ungefähr die Hälfte unseres Bestandes ist nicht-deutschsprachig, wir importieren sehr viel vor allem aus dem englischsprachigen Raum, aber auch aus allen anderen Gegenden der Welt. Daneben bieten wir auch eine große Reihe an internationalen Magazinen bei uns an.

Wie kam es zu Pro qm?

Wir sind inzwischen ein Team aus zehn Leuten mit den verschiedensten Hintergründen: Kunst, Architektur, Design, Kunst-, Kultur-, Filmwissenschaften – nur nicht aus dem Buchhandel. Pro qm ist aus einer theoretischen Auseinandersetzung mit Stadtpolitik heraus erstanden und einer Diskussion um alternative Räume der kulturellen Produktion, als sozialer Ort, um die Beschäftigung mit solchen Fragestellungen zu ermöglichen. Die Funktionalität der Buchhandlung ist vor allem eine spezifische Form der Verhandlung, die gleichzeitig die Ökonomie des Ladens sichert. Sie ermöglicht eine vernetzte Beschäftigung mit Theorien und deren Distribution, mit eigener wissenschaftlicher Arbeit und mit künstlerischen Projekten.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Weg entscheiden?

Unbedingt! Aber die Mischung macht’s, wir sind alle noch in weiteren Bereichen aktiv, schreiben, forschen, kuratieren, dozieren, pendeln und/ oder erziehen. Diese Erfahrungen und das Wissen werden dann wieder in den Buchladen importiert in Gestalt von neuen thematischen Schwerpunkten oder von Veranstaltungen, die sich aus diesen Netzwerken speisen.

Auftritt des Musikers Dan Bodan  © Pro qm

Auftritt des Musikers Dan Bodan © Pro qm

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Vermutlich ist die Antwort quer zu allen Berufssparten mit Computernutzung ähnlich: das Ringen mit den anschwellenden E-Mail-Halden.
Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir haben eine Website mit einem selbstprogrammierten Webshop, dort bieten wir ausgewählte Neuheiten an, kündigen in einem Blog unsere Veranstaltungen an, die wir auch noch gesondert per Mail verschicken. Facebook nutzen wir auch als Plattform.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Wir sehen für uns derzeit noch keine Bedrohung. Wir sind so spezialisiert, dass unsere KundInnen aus aller Welt gezielt zu uns kommen, weil sie sich mit ihren spezifischen fachlichen Anliegen bei uns ernst genommen wissen oder einfach von unserem thematischen Sortiment angesprochen fühlen

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Bisher gab es vor zwei Jahren mal eine einzige eher als Witz gemeinte Nachfrage dazu. Via Barsortiment sind wir freigeschaltet für den Verkauf von E-Books, wir warten entspannt auf den Ansturm. Da wir einen großen Anteil an Publikationen führen, bei denen Gestaltung und Materialität, Art der Bindung, Papier, Bildqualität, Farbigkeit oder ähnliches von zentraler Bedeutung sind, sehen wir in diesem Bereich auf absehbare Zeit auch noch nicht die Gefahr einer Ablösung durch elektronische Datenträger.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Das machen wir schon immer bei Pro qm. Im Eigenverlag herausgegebene Publikationen – aus dem In- und Ausland – in Form von Heften, Büchern, Zeitschriften, Platten, CDs und DVDs gehören bei uns zentral zum Sortiment, sofern sie sich thematisch mit unseren Fragestellungen überschneiden. Die Verwaltung ist  zugegebenermaßen etwas aufwändiger, aber manchmal kommen gerade die wertvollsten Kommentare zu einer Thematik aus den verwinkeltsten Kanälen.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

so schaut's Innen aus  ©  Katja Eydel

so schaut’s Innen aus © Katja Eydel

Sicher trifft die These von der Nische auch auf unseren Ansatz zu: die Spezifik der Auswahl und der thematischen Sortierung, das Angebot der gezielten Recherche und der Bestellung von Büchern aus aller Welt, ihr Versand überallhin, nicht zuletzt aber auch die Möglichkeit des Zufallsfundes im Laden. Die regelmäßigen Veranstaltungen in unseren Räumen sowie die aushäusigen Engagements bei Konferenzen, Ausstellungen und Messen betten die Literatur in ihr jeweiliges diskursives und soziales Umfeld ein.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Ein Wunsch ginge eher in Richtung Vertriebsstrukturen: Independents, Kleinstverlage, Selfpublisher sollten bessere Vertriebsmöglichkeiten erhalten, dass sich so womöglich auch das Angebot anderer unabhängiger Buchläden diversifizieren kann. Vielleicht ließen sich ja so etwas wie solidarische Finanzierungsmodelle denken, wo Major-Verlage einen kleinen Anteil in die Vertriebsstruktur der unterversorgten Indies investieren?

Ein weiterer Wunsch wäre die Optimierung der Vertriebskanäle, innereuropäisch wie weltweit. Es ist manchmal ein zähes Projekt, einen Titel alleine schon aus einem unserer Nachbarländer zu nachvollziehbaren Konditionen nach Berlin zu bekommen. In dem Maße, in dem sich unsere Städte internationalisieren und sich die Nachfrage entsprechend auffächert, sollte dem ja eigentlich auch die Vertriebsgeschwindigkeit und Vielfalt des Buches entsprechen.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?


Der Börsenverein könnte Impulse geben in Richtung der oben erwähnten Vertriebsthematik.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Suhrkamp lässt ja keinen kalt.

eine Ausstellung der Architekturzeitschrift OASE  © Pro qm

eine Ausstellung der Architekturzeitschrift OASE © Pro qm

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Mit Belustigung beobachten wir alleine schon die verdichtete Verkehrssituation vor unserem Laden, wenn die diversen Versanddienstleister ihre Lastwagen in zweiter Reihe stapeln, und im Anschluss die Nachbarn mit den Benachrichtigungszettelchen durch die Läden ziehen, um ihre Päckchen einzusammeln. Und etliche Anbieter verschicken übrigens nicht an die vielbemühte Packstation.

Und wir sind natürlich mit unserem Stadtschwerpunkt auch echte Fans von lebhafter Innenstadt, deren Lokalspezifik sich in der Buntheit, Schrägheit und Vielfalt ihrer Geschäfte und Märkte ausdrückt, und wünschenswerterweise auch in ökonomischem Zusammenhang mit ihren BewohnerInnen steht, deren Einkommen sich teilweise ja durchaus auch aus lokalen Ökonomien speisen könnte – jetzt mal im Gegensatz zu den Monopolen an der Autobahn und in Shoppingmalls.

In Berlin haben wir, was den Buchhandel betrifft, sicher einen privilegierten Status, hier gab es etliche Neugründungen in letzter Zeit, was wir natürlich super finden, denn so kann auf lokaler Ebene ein immer diverseres und spezifischeres Angebot ausgebreitet werden.


Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

 Zuallererst unsere Freunde von der Buchhandlung & Verlag b_books in Kreuzberg, mit denen wir 2007 zusammen den Buchladen der documenta 12 in Kassel organisiert haben, und deren verlegerische Projekte für unseren Laden sehr wichtig sind. Auch ganz wichtig, gleich um die Ecke von denen, sind Motto Berlin, Buchhandlung und Vertrieb für Kunst und Independents. In Charlottenburg ist die erste Adresse für Kunst, Architektur, Design natürlich der wohlsortierte Bücherbogen! Eine wichtige linke Institution in Berlin, auch als Verlag, ist der Buchladen Schwarze Risse im Mehringhof. Und vor kurzem neugegründet im Wedding hat sich Echo Bücher, spezialisiert auf elektronische Musik, eine Mischung aus Veranstaltungsort, Buchladen und Café. Man könnte jetzt seitenweise weiterlisten…

Feine Empfehlungen. Neben der Website und Facebook ist Pro qm auch anderweitig im Netz präsent…

Ja, Designers & Books ist eine amerikanische Website mit Buchempfehlungen aus den Bereichen Design und Architektur, auf der wir ein „gefeatured bookshop“ sind, und wo wir monatlich einige unserer Bestseller auflisten. Stil in Berlin bewegt sich in den Straßen und im Alltag Berlins und Hipshops gibt Emfehlungen aus für „concept stores from around the world“.

Vielen Dank, dass Pro qm diese Gesprächsreihe bereichert.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

„Viele wunderbare Bücher, die es auf einer anderen Seite der Welt gibt, erfahren erst durch Blogs und Foren Aufmerksamkeit.“ – SteglitzMind stellt Lia Wolf von der Buchhandlung „lia wolf“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass heute Lia Wolf von der gleichnamigen Wiener Buchhandlung Rede und Antwort steht, haben wir Gaby Kellner von Barbaras Bücherstube und Anna Jeller von der Wiener Buchhandlung Anna Jeller zu verdanken.

Eine Skizze vom Laden…

Ich bedanke mich für die Empfehlung für dieses Forum bei Anna Jeller, die ich bereits in den achtziger Jahren zu schätzen wusste und damals Gast einer wunderbaren Begegnung zwischen Buchliebhaber und Buchliebhaberin sprich Vertreter und Buchhändlerin sein konnte, und bei Gabriele Kellner von Barbaras Bücherstube in Moosburg, die eine treue und liebe Kundin und Freundin bei jedem ihrer Wien-Besuche ist.

Die Buchhandlung Lia Wolf befindet sich seit Februar 1996 in der Bäckerstrasse, 5 Minuten vom Stephansplatz. Im Jahre 1999, ebenfalls im Februar, sind wir in der gleichen Straße in den historischen Wiener Innenhof in der Bäckerstrasse 2 gezogen, der durch seine Pawlatschen und einen sogenannten Wohnturm architektonisch bedeutsam ist. Die Schwerpunktsetzung der Buchhandlung liegt auf Fotografie, Graphic-Design, Design, Mode, aber auch in erweitertem Sinne, das immer besondere Buch, das auch Kinderbuch, Kochbuch, Architekturbuch oder auch Literatur or something else bedeuten kann, wenn es einen Kontext für mich ergibt.

Warum sind Sie Buchhändler/in geworden?

Lia Wolf  © Oskar Schmidt

Lia Wolf © Oskar Schmidt

Durch Fügung und Lebensumstände – der Beruf ist mir eigentlich „zugefallen“ – ich habe ihn nicht angestrebt. Nach meinem Studium habe ich bei Judith Ortner,  d e r  Kunstbuchhändlerin Wiens in den 80er und 90er Jahren, in ihrer Filiale salopp ausgedrückt „gejobbt“ – so dachte ich anfangs.

Wenn aber Leidenschaft mitspielt, bleibt es nicht beim „jobben“ und durch learning by doing bin ich in diesen Beruf hineingewachsen und habe es lieben gelernt, Bücher in größerem Umfang kennenzulernen, auszusuchen und zu empfehlen. Die Liebe zum Buch und Buch und Mensch zusammenzubringen, war aber immer schon vorhanden. Nach einiger Zeit hat es sich ergeben, dass ich mich mit meinem damaligen Lebensmenschen mit der eigenen Buchhandlung selbständig gemacht habe, was nochmals eine neue Herausforderung war.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Das Drehbuch des Lebens schreibt sich in veränderten Situationen immer neu. Vermutlich nein – da er sich aus einer speziellen Lebenskonstellation und grandiosen, sehr speziellen Begegnungen entwickelt hat: but never say never again.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Durch die neuen Medien ist vieles, was Recherche bedeutet, noch spezialisierter, vielschichtiger und umfangreicher geworden – sowohl in positiver als auch in negativer Richtung – man muss auf vielen Hochzeiten tanzen können, was zuweilen den Überblick zu bewahren schwieriger gestaltet. Die Kompetenz wird manchmal schwer durch die Pseudoallwissenheit und Pseudoverfügbarkeit im Netz auf manche Probe gestellt, die vieles unübersichtlicher, weil eindimensionaler über den Kamm schert.

so schaut's innen aus  © Michael Kollmann

so schaut’s Innen aus © Michael Kollmann

Konzentration ist noch zentraler geworden. Viele wunderbare Bücher, die es auf einer anderen Seite der Welt gibt, erfahren allerdings oft auch erst durch ihre Verbreitung auf Blogs und Foren Aufmerksamkeit, was gerade in meinen Spezialgebieten auch zu wunderbaren Entdeckungen führen kann und auch einen Dialog mit den Schöpfern vereinfacht und möglich macht. Auch die Kommunikation via E-mail mit Verlegern, Vertretern und Kunden ist eine sinnvolle Sache, was ja nicht heißt, dass es den persönlichen Kontakt ersetzt.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir haben seit Ende der 90er Jahre eine Website und bieten Bücher auch online an. Ebenso nützen wir Facebook als Plattform. Aber am spassigsten bleibt es immer noch im vis à vis ein Buch zu verkaufen.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

und so von Außen  © Michael Kollmann

und so von Außen © Michael Kollmann

Eine Gefahr wäre die Aufhebung der Buchpreisbindung. Eine andere ist die massive Verramschung von Büchern, sprich nach ein, zwei Jahren werden oft aufgrund zu hoher Auflagen in meinen Spezialgebieten die Ladenpreise aufgehoben und en gros ab verkauft – das irritiert. Der Preisdruck bei Büchern aus dem englischen und amerikanischen Raum im Onlinehandel ist ein großes Problem.

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Wie halten Sie es mit dem E-Book?

In der Buchhandlung führe ich keine E-Books. Ich selbst lese nach wie vor das Buch.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Ja – ich biete seit Beginn der Buchhandlung auch Publikationen von Self-Publishern an – diese können eine große Bereicherung sein, weil es viele besondere Publikationen gar nicht in einem Verlag gibt, sondern in sehr geringen Auflagen in Eigeninitiative erscheinen. Voraussetzung ist die qualitative Umsetzung des entsprechenden Themas.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Mit Kompetenz, Spaß, Leidenschaft, Persönlichkeit und Unverwechselbarkeit. – Und dem Versuch, die eigene Neugier auf Bücher auf den Kunden zu übertragen. Als Buchhändlerin muss man auch etwas Trüffelschweiniges haben… schon weit vorher rausriechen, was den Appetit anregt. Positive und eine einem gewogene Mundpropaganda, ist trotz allem Vernetzsein (das ist mittlerweile schon Voraussetzung) ein wichtiges Element geblieben. Gewichtig ist sicher, wenn die Kundschaft, die beglückt durch das empfohlene oder auch selbst entdeckte „richtige“ Buch geht, wiederkommt und zu anderen sagt – „geh doch mal dorthin“ – weil hier wird  d a s  Buch für  d e n  Kunden gefunden und nicht anonym auf Bestsellerstapel einsortiert. Der Mensch ist ein Mischwesen aus dem Wunsch nach Einzigartigkeit und doch zugehörig sein Wollendem. So soll er sich im Gespräch bei seiner Buchhändlerin oder seinem Buchhändler doch auch als individuell wahrgenommen und beraten fühlen, was er andernorts vermissen könnte.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

1. weniger Publizieren in 2. niedrigeren Auflagen was zu 3. weniger Verramschen führt und somit der dritte Wunsch sich von selbst erfüllt und für den Wunsch nach Backlistpflege frei bleibt.

Und was würdest Sie sich vom Hauptverband des österreichischen Buchhandels wünschen?

Ich bin nicht Mitglied des Hauptverbandes.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Einladung zum Stöbern © homolk

Einladung zum Stöbern © homolk

Das Wunder, wie viele interessante Bücher noch entdeckt werden können, die immer wieder das Feuer am Lodern halten… und immer noch der Effekt, den Karton zu öffnen, und sich wie eine Schneekönigin über ein wieder einmal noch nie gesehenes, besonderes Buch zu freuen, das man in Händen hält – das ist dann wie ein bisschen high sein. Und auch die Menschen, die für und um das Buch sich bewegen und Sorge tragen darum, es schreiben oder gestalten, fotografieren oder zeichnen und diejenigen, die kaufen – ein nicht geringer Teil der Menschen, mit denen ich Freundschaft pflege, sind Menschen, die in diesem Odeur der Buchwelt leben und arbeiten, die ich in und über meinen Beruf kennenlernen durfte und die wunderbare Gesprächspartner sind, weil es ja wenn‘s um Bücher geht auch immer um Leben geht. Das ist ein Biotop, das nicht im virtuellen Leben möglich ist. Dies ist ein guter Anschluss an Ihre vorvorletzte Frage…

Na, dann stelle ich die jetzt auch: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Beim Besuch einer guten Buchhandlung, wächst die Seele empor – um ein Voltaire-Zitat zu zitieren.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich empfehle die Buchhandlung Anna Jeller, Buchhandlung a.punkt von Brigitte Salander, beide in Wien, und liber wiederin, Thomas Wiederin, in Innsbruck. Gespräche mit Brigitte Salander und Thomas Wiederin von liber wiederin, weil beide meines Wissens hier noch nicht vorgekommen sind.

Ich bedanke mich und freue mich sehr, dass Sie dabei sind.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

Die empfohlenen Buchhandlungen – in der Überschau

Die 150 ist fast erreicht. Deshalb möchte ich Euch einen Überblick über die empfohlenen Buchhandlungen geben, die seit Juli 2013 im Rahmen der Gesprächsreihe “SteglitzMind stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” zusammengekommen sind.

Mit 144 Buchhandlungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wartet die Liste mit einem doch recht stattlichen Ergebnis auf. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass nur ein knappes Drittel aller eingeladenen Buchhändler und Buchhändlerinnen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hat, sich und ihren Buchladen hier zu präsentieren. Die Mehrheit reagierte auf meine persönliche Einladung via E-Mail leider überhaupt nicht; ein gutes Dutzend sagte mit der Begründung ab, für die Beantwortung der Fragen keine Zeit erübrigen zu können.

Ich bin traurig darüber, dass die Initiative, die erfreulich erfolgreich startete, aufgrund einer mangelnden Beteiligung inzwischen ins Stocken geraten ist. Meine Skepsis, dass Buchhändler/innen anderes zu tun haben, als Fragen einer Bloggerin zu beantworten, scheint sich bestätigt zu haben. Möglicherweise sind aber einige von denen, die meine Anfrage ignoriert haben, wenig internetaffin und infolgedessen auch nicht daran interessiert, sich und ihre Buchhandlung im Netz  vorzustellen? In diese Kerbe schlug jedenfalls der neue Vorsteher des Börsenvereins, Heinrich Riethmüller, als er vor wenigen Tagen in seiner Begrüßungsrede zum 13. Branchenparlament u.a. ausführte, dass sich die Sortimenter mit dem digitalen Geschäft noch schwer tun.

81 Empfehlungen stammen von den Buchhändlerinnen und Buchhändlern, die bislang Rede und Antwort standen, 52 von Lesern, die die Aktion verfolgt haben. Es wären einige mehr gewesen, so ich ebenfalls den Aufwand hätte leisten können, auch jene Vorschläge zu berücksichtigen, die in diversen sozialen Netzwerke genannt wurden. Elf Buchhandlungen habe ich ins Spiel gebracht. – Im Übrigen glaube ich fest daran, dass die Gesprächsreihe lediglich ins Stocken, aber nicht an ihr Ende gekommen ist. So Ihr noch Empfehlungen habt, ich bleibe am Ball. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge (nebst Link zur Buchhandlung) hier als Kommentar.

Buchreihe3

Falls Ihr eine Eurer Nominierungen in der Liste vermissen solltet: Empfohlene Buchhandlungen, die keine Online-Präsenz haben, berücksichtigt die Übersicht nur dann, wenn der Vorschlag von einem Interviewpartner aus dem Buchhandel stammt. Ebenfalls durchs Raster fallen mussten leider jene Buchhandlungen, zu denen ich keine E-Mail-Alias habe recherchieren können.

Die Empfehlungen von den Buchhändler/innen, die mir Rede und Antwort standen:

andere buchhandlung in Rostock

AnkerBuch in Anderbuch

Anna Jeller Buchhandlung in Wien (mehrfach nominiert)

buch|bund in Berlin/Neukölln

Buch Greuter in Singen

Bücherbutze in Nienburg (keine Online-Präsenz)

Bücherinsel Dieburg in Dieburg

Bücherinsel in Frauenaurach in Frauenaurach bei Erlangen (mehrfach nominiert)

Bücherladen Marianne Sax in Frauenfeld/Schweiz

Bücherstube in Bielefeld (keine Online-Präsenz)

Buchhandlung a.punkt in Wien (mehrfach nominiert)

Buchhandlung am Amtshaus in Dortmund

Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Buchhandlung Anakoluth in Berlin/Prenzlauerberg

Buchhandlung & Verlag b_books in Berlin/Kreuzberg

Buchhandlung Bornhofen in Gernsheim

Buchhandlung Bücherwurm in Hannover

Buchhandlung Dombrowsky in Regensburg

Buchhandlung Dust in Warstein (keine Online-Präsenz)

Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg

Buchhandlung Gralla in Berlin am Hindenburgdamm

Buchhandlung Hirslanden in Zürich (Schweiz)

Buchhandlung Hoffmann in Eutin

Buchhandlung Hundt Hammer Stein in Berlin/Mitte

Buchhandlung Jünemann in Delmenhorst

Buchhandlung Klio in Zürich

Buchhandlung Layaa-Laulhé in Cochem

Buchhandlung Lesebär in Großkrotzenburg

Buchhandlung Lesekatze in Schöllkrippen

Buchhandlung LeseZeichen in Germering

Buchhandlung Lesezeit in Düsseldorf

Buchhandlung Lüders in Hamburg

Buchhandlung Mascha Kascha in Hannover

Buchhandlung Moby Dick in Berlin/Prenzlauer Berg

Buchhandlung Pelzner in Nürnberg-Eibach

Buchhandlung Peterknecht in Erfurt

Buchhandlung Quichotte in Tübingen

Buchhandlung Riemann in Coburg

Buchhandlung Roth in Offenburg

Buchhandlung Schmitz in Essen

Buchhandlung Taube in Marbach am Neckar

Buchhandlung Universitas in Chemnitz

Buchhandlung Vaternahm inWiesbaden

Buchhandlung Wolgast in Wolgast

Buchhandlung zur Rose in St. Gallen (Schweiz)

Buchhandlung & Antiquariat Schöbel in Heidelberg

Buchhaus Loschwitz in Dresden

Buchkontor in Wien

Buchladen Alte Lahnbrücke in Wetzlar

Buchladen Neusser Strasse in Köln

Buchladen Osterstraße in Hamburg

Bücherbogen in Berlin am Savignyplatz

Calligramme in Zürich

cohen + dobbernigg in Hamburg

Czuly Barbarzynca in Warschau

der buchladen in Seeligenstadt

Echo Bücher in Berlin/Wedding

Franz-Mehring-Buchhandlung in Berlin/Friedrichshain

Friedrich-Wagner-Buchhandlung in Ueckermünde

Gudberg in Hamburg

Hammett-Krimibuchhandlung in Berlin/Kreuzberg

H.P. Willi Buchhandlung in Tübingen

liber wiederin in Innsbruck

Kinderbuchhandlung Mundo Azul in der Choriner Straße, Berlin

Köndgen in Wuppertal (mehrfach nominiert)

Lesen und lesen lassen in Berlin/Friedrichshain (mehrfach nominiert)

Lia Wolf in Wien (mehrfach nominiert)

Libelle in Berlin/Friedrichshain

Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Motto Berlin, Buchhandlung und Vertrieb für Kunst und Independents in Berlin

Mrs.Books in Lank

Reisebuchladen in Heidelberg

Rittersche Buch- und Kunsthandlung in Soest

schatulle in Osterholz-Scharmbek

Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Schmitz-Buchhandlungen in Essen-Werden

Schroppsche Buchhandlung in Berlin, Am Steinplatz

Schwarze Risse in Berlin im Mehringhof

Shakespeare und So in Mainz (keine Online-Präsenz)

Stöppel in Weilheim

tiempo nuevo in Wien

Buchreihe3

Blog-Leser, die die Initiative auf SteglitzMind verfolgt haben, brachten diese Vorschläge ein:

Barbaras Bücherstube – die Schafhüterin

Buch & Bohne in München – Dirk Spannhaus

BücherKeuck in Geldern – Christiane aka Texthaseonline

Buch in der Au in München – Karla Paul

Buchhandlung artes liberales in Heidelberg – Giovanni Belmonte

Buchhandlung Christiansen in Hamburg – Cornelie Müller-Gödecke

Buchhandlung Die Insel in BerlinPrenzlauer Berg – die Brunnenwaechterin

Buchhandlung Falderstraße in Köln – Eva Hehemann

Buchhandlung Findus in Tharandt – Barbara Miklaw

Buchhandlung Herold & Kramer in Hermsdorf – Ina Schulze

Buchhandlung Hoffmann in Hamburg

Buchhandlung Klaus Bittner in Köln – Eva Hehemann

Buchhandlung Krüger in Versmold – Twixibuch

Buchhandlung Pusteblume in Dresden – Barbara Miklaw

Buchhandlung Schöningh in Würzburg – Wolfgang Walz

Buchhandlung Schopf in Brunsbüttel – KSW

Buchhandlung Wortreich in Kerpen – Andrea

Buchhandlung zum Wetzstein in Freiburg – Mme Winterberg

Buchkantine in Berlin/Moabit – Berlinbewohner

Buchladen Neusser Straße in Köln – Frauke Ehlers

Buch-Zeiten in Berlin/Prenzlauer Berg – Twixibuch

Die Buchkönigin in Berlin/Neukölln – Barbara Miklaw

Die Wendeltreppe in Frankfurt – Nomadenseele

dreimann Buchhandlung in Olpe – Ulla Buthe

ebertundweber in Berlin/Kreuzberg – Snoopylife und Barbara Miklaw

Eulenspiegel in Bielefeld – Folkert Roggenkamp

Findorffer Bücherfenster in Bremen – Mara Giese

Frau Bergmann in Borgholzhausen – Jost Renner

Gollenstein Buchhandlung in Blieskastel – arise

Gostenhofer Buchhandlung in Nürnberg – MacG

Gute Morgen Buchladen & Büchergilde in Braunschweig – Jeanine

Hartliebs Bücher in Wien – Frauke Ehlers

Isarflimmern in München – Karla Paul

Köndgen in Wuppertal – Wolfgang Walz und Rainer Zenz

Krammel & Meier in München am Nordbad – Folkert Roggenkamp

Kriminalbuchhandlung Glatteis in München – Karla Paul

Lehmkuhl in München – Folkert Roggenkamp

Lengfeld’sche Buchhandlung in Köln – Twixibuch

Lessing und Kompanie in Chemnitz – Barbara Miklaw

Lindemann’s Fotobuch in Stuttgart – Frauke Ehlers

litera Weinkultur und schöne Bücher in Kiel – Timo Off

Literaturhandlung Müller & Böhm in Düsseldorf – Twixibuch

Meißener Buchhandlung in Meißen – MacG

Mila Becker Buch & Präsent in Voerde – Eva Hehemann

Obergass Bücher in Winterthur/Schweiz – Bettina Schnerr-Laube

ocelot in Berlin/Mitte – Mme Winterberg und Daniel Bräuer

Pro qm in Berlin/Prenzlauer Berg – arise

proust WÖRTER + TÖNE in Essen – Gesine Schulz

Roter Stern in Marburg – Buchpost

Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg – Meinolf Reul

stories! in Hamburg – Frauke Ehlers

Tucholsky-Buchhandlung in Berlin/Mitte – Barbara Miklaw

Diese zwölf Buchhändler und Buchhändlerinnen habe ich gebeten, mitzutun:

Buchhandlung Lutz Heimhalt in Hamburg/Fuhlsbüttel

Bücherwurm Borken in Borken

Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental (Schweiz)

Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Buchhandlung Bücherwurm in Regensburg

Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Taschenbuchladen im sächsischen Freiberg

Wein-Lese-Handlung Förster in Ganderkesee

Buchhandlung Buchfinger in Berlin

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Ich habe mich bemüht, diese Übersicht mit größter Sorgfalt zusammenzutragen. Sollte etwas fehlen oder eine Verlinkung nicht klappen, bitte ich um Eure Hinweise. – Danke sehr.

Aktualisiert: 27. März 2015

„Self Publishing kann auch eine Chance sein.“ SteglitzMind stellt Gabriele Kellner von „Barbaras Bücherstube“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir heute Gaby Kellner mit Barbaras Bücherstube kennenlernen, die in Moosburg liegt, haben wir einer Empfehlung von der Schafhüterin zu danken, die in ihrem Kommentar schrieb: Den Buchladen „gibt es mit wechselnden Inhabern seit fast 30 Jahren und die tolle Beratung und das tolle Sortiment, das ich in meinen Jugendjahren dort erlebt habe, war mit ausschlaggebend, dass ich tatsächlich selbst Buchhändlerin geworden bin. […]. Die Gründerin Barbara war eine Koryphäe und hatte tolle Mitarbeiterinnen, eine davon führt den Laden inzwischen. Ich würde ihr gerne die Chance geben, über die Grenzen dieser oberbayerischen Kleinstadt hinaus zu strahlen. Schon lange vor den Zeiten des Internets barg diese Ladentür einen Zugang in die ganze Welt.“

Eine Skizze vom Laden…

Barbaras Bücherstube ist eine Buchhandlung in Moosburg (ca. 17.000 Einwohner) mit allgemeinem Sortiment – und einer Vorliebe für besondere, spezielle, schöne Bücher, auch von kleinen und unabhängigen Verlagen.

Warum sind Sie Buchhändler/in geworden?

Gaby Kellner und ihr Buchladen © Barbaras Bücherstube

Gaby Kellner und ihr Buchladen © Barbaras Bücherstube

Ich wollte immer schon Buchhändlerin werden, habe aber zunächst eine ganz klassische Ausbildung in der Sparkasse gemacht. Dann habe ich irgendwann begonnen, in Barbaras Bücherstube zu arbeiten – unter der Inhaberin, die der Bücherstube ihren Namen gab: Barbara Breimesser. Eine Leidenschaft für schöne Bücher, für Literatur, für Kinderbücher, hatte ich schon immer. Dann, vor knapp drei Jahren, hatte ich die Möglichkeit, die Buchhandlung, in der ich seit mehr als 20 Jahren gearbeitet hatte, zu übernehmen. In Zeiten, in denen es fast schon als „mutig“ bezeichnet werden kann, dieses Wagnis einzugehen, ging für mich damit ein Traum in Erfüllung.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ja, auf jeden Fall, auch wenn es sicher nicht einfacher wird.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Die inzwischen nicht mehr so „neuen Medien“ haben unseren Alltag sehr verändert. Der Einsatz ist höher geworden um unsere Kunden zu begeistern, und auch zu halten.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir sind schon einige Jahre „online“, d.h. wir haben eine Internetseite, auf der man auch bestellen kann. Wir sehen diesen „Onlineshop“ als Ergänzung zu unserem Angebot im Buchladen. So sind die Seiten auch gestaltet: von uns selbst, das ist mit dem System, für das wir uns entschieden haben, auch möglich – und das war uns wichtig. Wir empfehlen dort nur Bücher, die wir toll finden, die wir mögen, die uns berührt haben. Schöne Bücher bekommen dort immer eine Bühne. Und so ist der Internetauftritt die Ergänzung zum Laden. Natürlich sehen wir unsere Kunden lieber im Laden, kommen mit ihnen ins Gespräch, beraten sie. Derzeit holen unsere Kunden die Bücher bei uns ab, wir planen aber auch einen Versand anzubieten.

Wir überlegen, und diskutieren immer wieder, ob wir einen Blog einrichten oder auch auf Facebook zu finden sein sollten – was aber eine intensive Auseinandersetzung und Pflege der Seiten erfordert.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Wie bei vielen anderen in der Branche auch im Internet. Und darin, dass viele glauben, dass Bücher im Internet oder woanders günstiger sind.

Wir versuchen uns diesen Gefahren zu stellen, indem wir unsere Kunden persönlich kennen, eine gute Beratung anbieten, Empfehlungen geben, Veranstaltungen anbieten, Lesungen. Besonders widmen wir uns der Leseförderung im Kinder- und Jugendbuchbereich. Wir arbeiten eng mit Schulen und Kindergärten zusammen, stellen vor Ort Bücher vor und laden die Kinder und Jugendlichen zu uns ein.

Aber auch das Sterben der einst attraktiven (auch kleinen) Innenstädte mit ihrem vielfältigen und individuellen Angebot sehen wir als große Gefahr.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

In unserem Internetauftritt kann man sich auch E-Books kaufen und diese herunterladen. Ja, wir bieten diese Bücher an, aber Bücher aus Papier sind uns – ehrlich gesagt – lieber.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Das machen wir bereits, wenn wir die Autoren kennen und von ihren Titeln überzeugt sind, z.B. haben wir ein kleines, aber feines Büchlein von Ingrid Kellner (wir sind übrigens nicht verwandt), das über Book on Demand erschien, verkauft und haben eine Lesung mit ihr veranstaltet. Self Publishing kann auch eine Chance sein.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

so schauts innen aus  © Barbaras Bücherstube

so schauts innen aus © Barbaras Bücherstube

Über individuelle Beratung und mit viel Leidenschaft. Durch Buchvorstellungen, Lesungen, Veranstaltungen. Und natürlich indem man seine Kunden kennt, berät und passende Empfehlungen geben kann. Hier sind wir im stationären Buchhandel gefordert und wir stellen uns dieser Herausforderung. Als Ergänzung zum Angebot im Buchladen bieten wir unseren Internetshop an. Hier spiegelt sich das Angebot im Laden, auch wenn wir hier keine Beratung geben können, aber dafür Tipps.

Besonderes bieten wir im Laden: wir haben eine Vorliebe für besondere Bücher, für schöne Bücher, für tolle Illustrationen, für schöne Texte – jenseits der Bestsellerlisten und des Mainstream (auch wenn wir diese Titel natürlich auch anbieten). Und dafür wollen wir unsere Kunden begeistern. Und wir freuen uns, dass wir viele Kundinnen und Kunden haben, die dies zu schätzen wissen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

1.) Mut zu besonderen Büchern und Programmen

2.) Gesponserte oder subventionierte Lesungen, damit sich auch kleinere Buchhandlungen tolle Autoren leisten können

3.) Mut, sich nicht immer den Wünschen von einigen Wenigen (Großen) zu beugen

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Dass sich der Börsenverein – gerade jetzt – für die Buchpreisbindung einsetzt.

Kostengünstigere Seminare, denn der Kostendruck in einer Buchhandlung ist ohnehin schwierig, da wäre es wünschenswert, dass Seminare, die zweifelsohne wichtig sind, günstig (nicht kostenlos) angeboten würden.

Und auch eine Senkung des Börsenvereinsbeitrages für kleinere Sortimente wäre (gerade für diese) hilfreich und wünschenswert.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Es ist schön, dass es immer wieder kleine, mutige Verlage gibt, die sich trauen, besondere Programme anzubieten, vor allem im Kinderbuchbereich, z.B. Mixtvision Verlag. Dazu braucht es aber auch Buchhandlungen, die sich mit den Programmen auseinandersetzen und die dieselbe Leidenschaft dafür empfinden – und diese auch dem Kunden vermitteln wollen und können. Nur dann kann es funktionieren.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil eine Buchhandlung ein ganz besonderer Ort ist. Ich darf Ihre Blogleserin zitieren, die uns für dieses Interview empfohlen hat: weil Buchhandlungen „einen Zugang in die ganze Welt“ in sich bergen. Weil Bücher etwas Tolles, etwas Faszinierendes sind. Weil man über Bücher sprechen sollte, und über die Besonderen ohnehin. Weil sonst die Gefahr besteht, dass man sie übersieht, übergeht. Und weil man in einer Buchhandlung Anregung, Inspiration bekommt – auch mal was anderes zu lesen, zu erfahren. Und weil Buchhandlungen einfach schön sind. – Ich gehe in anderen Städten immer in die kleinen Buchhandlungen. Und kaufe dort auch ein.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Wir wollen eine ganz besondere Buchhandlung empfehlen, unsere Lieblingsbuchhandlung in Wien: Lia Wolf. Lia Wolf hat ein sehr spezielles Sortiment: Grafikdesign, Fotografie, Mode, aber auch ganz viele andere tolle Bücher, sowohl deutschsprachig, als auch international. Ihr Buchladen liegt in einem der Wiener Innenhöfe und ist ein wahres Juwel.

Schön, dass Sie dabei sind.

Darüber freuen wir uns sehr und sind sehr gerne dabei. Vielen Dank auch an die Bloggerin, die uns empfohlen hat!

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Fünf Fragen vom Börsenblatt für den deutschen Buchhandel zur Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen beantworte ich hier

Zu Wort gekommen sind bislang:

Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Martina Bergmann mit der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Thomas Calliebe mit seiner Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Mila Becker mit Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

Petra Hartlieb von der Wiener Buchhandlung Hartliebs Bücher

Nicole Jünger aka Kata Butterblume vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung

Stefanie Diez und ihre Buchhandlung Die Insel im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg

Britta Beecken von der Berliner Buchkantine

Heike Wenige mit dem Taschenbuchladen, der im sächsischen Freiberg ansässig ist

Christian Röhrl von der Buchhandlung Bücherwurm in Regensburg

Susanne Dagen vom Buchhaus Loschwitz in Dresden

Jessica Ebert und Katja Weber von der Berliner Buchhandlung ebertundweber

Anna Jeller mit ihrer Buchhandlung Anna Jeller in Wien

Holger Brandstädt von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung, die in Ueckermünde ansässig ist

Bettina Haenitsch mit der Buchhandlung der buchladen in Seligenstadt

Gustav Förster mit der Wein-Lese-Handlung Förster, die in Ganderkesee zwischen Oldenburg und Bremen zu finden ist

John Cohen von der Hamburger Buchhandlung cohen + dobernigg

Beate und Mischa Klemm mit der Buchhandlung lesen und lesen lassen, die ihren Sitz in Berlin/Friedrichhain hat

Maria Glusgold-Drews mit ihrem Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner mit ihrer Buchhandlung Die Buchkönigin, die in Berlin-Neukölln zu finden ist

Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus ans Herz gelegt, die in sächsischen Tharandt ansässig ist