„Wer will denn ernsthaft mit dem konkurrieren wollen, was die Internet-Handelsunternehmen da veranstalten?“ – SteglitzMind stellt Clemens Bellut von der Buchhandlung „artes liberales“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Heute lernen wir Clemens Bellut vom Heidelberger Buchladen artes liberales etwas näher kennen. Vorgeschlagen hatte das Giovanni Belmonte, der das Blog vnicornis pflegt.

Eine Skizze vom Laden…

Im Mai 2013 habe ich den Buchladen unter dem Namen artes liberales in der Heidelberger Altstadt, am Kornmarkt, in einem frisch restaurierten, 300 Jahre alten traumhaft schönen Haus eröffnet. Er ist in einem ausgesprochen ernst gemeinten Sinn als philosophischer Buchladen aufgebaut, versammelt auf sehr kleinem Platz einen entsprechend kleinen Bestand von ca. 1.200 Titeln, die vornehmlich aus meiner eigenen disziplinären Perspektive in einem gewissen Verhältnis zur Philosophie stehen: Dichtung, Literatur, Philologie, Kunstwissenschaft, Physik, Musikwissenschaft, Geschichte.

Clemens Bellut © L. Povilas Ludvikas

Clemens Bellut © L. Povilas Ludvikas

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

Weil ich vor eineinhalb Jahren nach Heidelberg gezogen bin und in der Altstadt, neben all den zahlreichen Antiquariaten, leidvoll die Abwesenheit eines solchen Buchladens registrieren musste – eines Buchladens zum Lesen, zum Gespräch, zur Entdeckungsreise und zur veritablen Konkurrenz fürs Café oder für die Kneipe als Tagesraum.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ja.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Der Wechsel von den akademischen Tätigkeitsorten zu einem Buchladen. Dabei ist der Wechsel lange nicht so grundsätzlich wie es scheinen mag: Seit alters her trage ich mich mit der Idee, einmal eine kleine Akademie oder ein Kolleg oder Institut zu gründen, auch zur Wiederaufnahme der alten, herkömmlichen Impulse in der Gründungszeit der ersten europäischen Universitäten. Und auf die Idee mit dem Buchladen bin ich, über den genannten äußeren Anlass hinaus, nur darum gekommen, weil ich mir einen solchen Buchladen mit seiner Präsenz höchst sorgfältig ausgesuchter Titel und Bücher denken kann als die Keimzelle einer solchen „Akademie“.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Ich unternehme keine gesonderten Anstrengungen – aber ich nutze die digitalen Techniken überall, wo sie sich hilfreich machen können. So gibt es eine Facebook-Präsenz des Ladens, eine Internet-Seite, die auch zur Bestellung und zur Beauftragung taugt und man kann eben alle gedruckten, digitalen, audio-visuellen Werke – soweit sie mir erreichbar sind – bestellen und erhalten. Ich sehe nicht den geringsten Anlass, einerseits, mich deswegen von meinem ursprünglichen Impuls abbringen zu lassen – und der Impuls war eben nicht zuerst auf digitale Experimente ausgerichtet – oder, andererseits, mich ohne Not auf völlig gegenstandslose Abgrenzungskämpfe verpflichten zu lassen.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Das Sterben ist vielleicht ein sehr populärer und doch ein wenig stichhaltiger Topos: Es verhält sich vermutlich so ähnlich wie mit den Schallplattenläden. Sie sind ja auch nicht gestorben – oder sie sind jedenfalls wiedergekommen. Und sie genießen vermutlich eine erheblich höhere Wertschätzung als zu Zeiten vor der Digitalisierung. Und so geht es auch mit den Buchläden. Freilich wenn man glaubt, der Digitalisierung und dem Internet-Handel hinterherlaufen zu müssen und davon ausgeht, dass es sich beim Buch um ein völlig austauschbares Handelsgut gegenüber anderen Waren handelt – dann hat man auch ökonomisch schon verloren, bevor man auch nur einmal in seine Buchhaltung geguckt hat … umso mehr in inhaltlicher Hinsicht. Wer will denn ernsthaft mit dem konkurrieren wollen, was die Internet-Handelsunternehmen da veranstalten? Das ist für sich womöglich mehr oder weniger legitim, aber ich will doch gar nicht neben Büchern oder austauschweise gegen sie irgendwelche anderen Waren vertreiben, nur um überhaupt Handel zu treiben oder nur um überhaupt Gewinn zu erzielen. Sondern ich habe eine Idee und einen Wunsch und ich sehe Menschen, die sich wie ich weit unterfordert fühlen von dieser selbstverständlich restlos anti-intellektuellen Industrie. Nicht zufällig geht das Sterben insbesondere bei denjenigen Läden und Ketten los, die ihrerseits einmal einst die kleinen kostbaren Läden zu Grabe gebracht haben und nun einem Trend hinterherlaufen, unter dem sie gar nicht anders als ersticken können.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Ich schreibe niemandem vor, in welcher Gestalt er dasjenige, was mir lesenswert scheint, in die Hand nehmen will: In Schweinsleder gebunden, in Leinen gebunden, kartoniert, als Hörbuch, in irgendeiner digitalen Gestalt…

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Es gibt kein grundsätzliches Argument dagegen – und keines dafür. Die beiden entscheidenden Argumente sind ausschließlich: 1.  was damit publiziert wird und 2.  wie es gemacht ist.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

artes liberales © Clemens Bellut

artes liberales © Clemens Bellut

Indem man einen Buchladen wie ein Café und wie eine Kneipe auffasst: Wenn man versteht, dass es beim Buchverkauf wie bei einigen anderen bemerkenswert eigenartigen Gütern darauf ankommt, ihren ökonomische Ertrag als notwendigen Ermöglichungsgrund ansieht – aber nicht als das ausschlaggebende Anliegen. Ich brauche den Verkauf dafür, den Laden überhaupt betreiben zu können – aber ich mache ihn aus einem völlig anderen Grund. Da braucht es dann aber auch ein intimes Verhältnis sowohl zu den ausgestellten Büchern als auch zu den Menschen, die zu Besuch kommen. Und vielleicht fängt schon alles damit an, diese Menschen nicht als Kunden, sondern als Besucher anzusehen. Und bei den Büchern kommt es darauf an, den Schreck vor den Verlagspreisen zu verlieren und sich mit denjenigen schönen, gutgemachten und verdienstvollen Editionen, Titeln und Publikationen zu umgeben, für die es sich immer lohnen wird, Menschen damit in Berührung zu bringen, darauf aufmerksam zu machen und sie miteinander in Verbindung zu bringen. Das darf man ruhig in beiden Richtungen als ein erotisches Verhältnis ansehen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

1. Dass auch umgekehrt sie, wenn sie denn solcherart Bücher machen und herausbringen, in ein ähnlich ambitioniertes Verhältnis zu denjenigen Buchläden und Buchhändlern treten, wo sie ein solches Verhältnis zu ihren Büchern lebendig vorfinden können.

2. Dass die Gelder, die in ihre oft unglaublich aufwendigen Kataloge und Präsentationen gehen, eher den Autoren, den Lektoren, den Setzern und den Buchhändlern zugute kommen lassen.

3. Dass sie meine Vorstellung einer erneuernden Art der Akademie, die aus dem Buchladen hervorgeht, fördern wollten.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Für diese Wunschliste reicht das (virtuelle) Papier hier nicht: Vielleicht am kürzesten zu sagen, dass der Börsenverein wirklich eine Vereinigung des BUCH handels werden sollte und nicht ein Instrument von Großunternehmen, die wahlweise Bücher, Schlüsselanhänger, Teddybären, Tassen u.a. vertreiben. Oder umgekehrt gesagt: die klare Selbstzuordnung, ob der Börsenverein für den Handel arbeiten will, der zufällig auch die Ware ‚Buch‘ vertreibt, oder für die Bücher, ihre Autoren, ihre Verleger, ihre Setzer und Drucker, ihre Buchläden und ihre Leser arbeiten will, die nebenbei auch über Handelsbeziehungen verbunden sind. – Und am banalsten zu sagen: an mir könnte der Börsenverein schon eine Menge sparen, wenn er den unglaublichen Aufwand mit seinen Magazinen und Informationsblättern einschränken oder einstellen würde und auch den dazugehörigen ganzen Apparat der Werbewirtschaft, des Marketings, der Produktion und des Vertriebs dieser völlig überflüssigen Papiere…

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die engstirnige Beschränkung auf einen Talkshow- und Nachtisch-Literaturbegriff, der aus merkwürdigen Gründen die wissenschaftliche Literatur fast ausschließlich unter der Kategorie „Sachbuch“ oder „Populärwissenschaft“ oder „Wissenschaftsjournalismus“ kennt und weitergibt. Und die Beschränkung auf der anderen Seite, die aus der ängstlichen Scheu kommt, in Deutschland noch das Wort „Dichtung“ in den Mund zu nehmen.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Es fängt damit an, dass überhaupt  niemand  in eine Buchhandlung gehen  sollte  – und es geht weiter mit dem Buchhändler und dem Verleger, die aufhören sollten, ihre Leser und Besucher so maßlos wie die Talkshows zu unterschätzen und die ihrerseits vielmehr diesen Lesern und Besuchern den  lohnenden  Weg in eine Buchhandlung überhaupt  möglich  zu machen.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Den Reisebuchladen in Heidelberg, Buchhandlung & Antiquariat Schöbel, ebenfalls in Heidelberg ansässig, die literarische Buchhandlung Quichotte in Tübingen, ebenfalls in Tübingen die H.P. Willi Buchhandlung, Pro qm aus Berlin, die sich hier bereits vorgestellt haben, Calligramme in Zürich und die Buchhandlung Klio, auch in Zürich. – Für ein Gespräch schlage ich Wolfgang Zwierzynski von der Tübinger Quichotte Buchhandlung vor, weil sie meiner auch auf beste komplementäre Weise entspricht.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/ innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

Außerdem gibt es inzwischen ein dreiteiliges Fazit zu den 44 Interviews:

1. Ob und wie sich die Befragten im Netz engagieren 2) inwieweit E-Bücher bereits Einzug in ihre Läden gehalten haben 3) wie sie es mit Publikationen von Self-Publishern halten. Zum “Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen” geht es hier und falls sich jemand die Frage stellen sollte, einmal Buchhändler, immer Buchhändler?, der wird hier fündig

Avantgarde oder Traditionalisten? Wie sich Buchhändler heute positionieren (Teil 3)

Nach immerhin 44 Beiträgen, die seit September 2013 im Rahmen der Gesprächsreihe SteglitzMind stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor zusammengekommen, schien die Zeit reif, etwas näher darzulegen, wie sich die befragten Sortimenter im Zuge der Digitalisierung aufstellen. Bewahrheiten sich Vorurteile, die vielfach kolportiert werden: Hinken sie den Entwicklungen hinterher? Ist ihnen das Netz fremd und Online-Shopping ein rotes Tuch? Haben Sie mit E-Books und Publikationen von Self Publishern nichts am Hut?

Ob und wie sich die Befragten im Netz engagieren und inwieweit E-Bücher bereits Einzug in ihre Läden gehalten haben, habe ich bereits dargelegt. Somit geht es heute im dritten Teil meines Resümees um die Frage:

  • Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Verneint wird die Frage selten. Lediglich acht von 44 Gesprächsteilnehmern denken nicht daran, Titel von Self Publishern feil zu bieten. Ein Buchhändler führte an, den Markt nicht zu überschauen – Hand auf’s Herz: wer tut das schon? Andere begründeten ihre Abwehr damit, dass man der Bücherschwemme auf dem Markt sowieso nicht Herr werden könne und deshalb auf die Selektion durch Gatekeeper angewiesen sei, die sich bewährt habe.

Anna Jeller ©  Jacqueline Godany

Anna Jeller © Jacqueline Godany

Nein. Verlage leisten sehr viel, egal ob Groß, Mittel oder Klein. Diese Filterfunktion benötige ich in dem schieren Überangebot von Büchern. Verlagsprogramme schaffen Identität und stehen für Qualität, jeder Verlag hat seinen eigenen Ausdruck. Meint Klaus Kowalke von der Buchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Eher nicht. Die Produktionen der Verlage sind ohnehin unübersichtlich genug. Sagt Anna Jeller von der Wiener Buchhandlung Anna Jeller

Mir reichen schon die Bücher, die mir von den Verlagen angeboten werden. So Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Das Gros allerdings hat mit Self Publishern keine Berührungsängste. Wohl konnte ich mich bisweilen des Eindrucks nicht erwehren, dass man dabei vorrangig an Werke aus Independent Verlagen denkt, die im Buchmarkt ja durchaus ein gewisses Ansehen haben.

Das machen wir schon immer bei Pro qm. Im Eigenverlag herausgegebene Publikationen – aus dem In- und Ausland – in Form von Heften, Büchern, Zeitschriften, Platten, CDs und DVDs gehören bei uns zentral zum Sortiment, sofern sie sich thematisch mit unseren Fragestellungen überschneiden. Die Verwaltung ist  zugegebenermaßen etwas aufwändiger, aber manchmal kommen gerade die wertvollsten Kommentare zu einer Thematik aus den verwickeltsten Kanälen. Meint das Team von der Buchhandlung Pro qm in Berlin/Mitte

Maria Glusgold-Drews © privat

Maria Glusgold-Drews © privat

Ich biete sowieso schon Titel von Self Publishern an. Ich finde es enorm wichtig, eine Plattform zu haben, auf der man ausprobieren kann. Ich habe einige Titel am Lager, die in Kleinstauflagen produziert wurden und die durchaus auch verkauft werden. So Maria Glusgold-Drews vom Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

Ja – ich biete seit Beginn der Buchhandlung auch Publikationen von Self-Publishern an – diese können eine große Bereicherung sein, weil es viele besondere Publikationen gar nicht in einem Verlag gibt, sondern in sehr geringen Auflagen in Eigeninitiative erscheinen. Voraussetzung ist die qualitative Umsetzung des entsprechenden Themas. Sagt Lia Wolf von der Wiener Buchhandlung Lia Wolf

So Titel von Self Publishern ins Sortiment aufgenommen werden, dann im Kommissionsbezug. Chancen räumen die befragten Buchhändler am ehesten Titeln mit regionalen Bezügen und solchen Autoren ein, die im Umkreis der Buchhandlung leben und wirken. Ob die Bücher, die in Kommission genommen wurden, dann tatsächlich auch gekauft werden – das freilich steht auf einem anderen Blatt.

Beate Laufer-Johannis  © privat

Beate Laufer-Johannis © privat

Hm, ja, habe ich schon ab und zu gemacht. Es handelte sich dann um Autoren aus dem Ort. Da war es durchaus auch für andere interessant zu erfahren, was ihr Freund oder Nachbar zu sagen hatte. Auch wenn nicht immer die Qualität dem entsprach, was ich normalerweise empfehle. Es gibt aber immer wieder Überraschungen, eines dieser Bücher war sogar ein richtiger Renner. So Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus im sächsischen Tharandt

Einige Titel haben wir im Laden, diese sind allerdings sorgfältig ausgesucht. Ich muss von dem Buch wirklich überzeugt sein und die Chemie zum Autor muss stimmen. Es ist sehr unterschiedlich, wie diese Titel ankommen. Bücher mit einem regionalen Bezug verkaufen sich da noch am besten. Sagt Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach

Christian Röhrl © privat

Christian Röhrl © privat

Ich verkaufe ja auch seit 25 Jahren Bücher von Eigenverlegern. Es sind vor allem regional gute Titel dabei. Generell denke ich aber, dass es Sinn macht, vor einer Veröffentlichung jemanden zu haben, der das Ganze lektoriert, korrigiert, bewirbt, veröffentlicht und einen wirtschaftlich sinnvollen (gebündelten) Vertrieb ermöglicht. – Kurz ich bevorzuge Verlage. Meint Christian Röhrl von der Buchhandlung Bücherwurm in Regensburg

Es kommt immer wieder vor, dass uns Eigenproduktionen angeboten werden, in der Regel von Menschen aus unserem näheren Buchhandlungsumfeld, sprich regionale Geschichten. Da bin ich immer offen und nehme sie in Kommission. Allerdings verkaufen sich solche Werke meist schlecht. Oft ist die sprachliche Qualität leider nicht besonders gut. Ein Lektorat/ Korrektorat ist sehr wichtig, das fehlt in der Regel. Sagt Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

lesende Buchhändlerin ©  Mila Becker

lesende Buchhändlerin © Mila Becker

Ich biete sie an. Allerdings nur, wenn sie mich wirklich überzeugen. Der Haken bei diesen ist, und ich höre schon den Aufschrei, man sieht es ihnen leider zu 90% an. Das Auge isst ja bekanntlich auch mit, und die meisten sehen vollkommen unprofessionell aus. Wenn man da dann nicht 100% hinter steht, liegen diese, wie in Blei gegossen. Meint Mila Becker von Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Gefragt ist Qualität, und zwar sowohl in inhaltlicher als auch in gestalterischer Hinsicht.

Es gibt kein grundsätzliches Argument dagegen – und keines dafür. Die beiden entscheidenden Argumente sind ausschließlich: 1. was  damit publiziert wird und 2. wie  es gemacht ist. So Clemens Bellut vom Heidelberger Buchladen Artes Liberales (diesen Beitrag könnt Ihr hier ab 6. März in Gänze lesen)

Warum denn nicht? Schließlich entscheidet die Qualität, die Form, der Inhalt. Wenn das stimmt, sehr gern. Sagt Susanne Dagen vom Buchhaus Loschwitz in Dresden

Doch der Anforderungen an Form und Inhalt nicht genug. Qualität allein reicht nicht, um das Herz von Buchhändlern zu gewinnen! Self Publisher punkten bei ihnen vorrangig dann, wenn die Publikation gedruckt vorliegt und der Titel zum Sortiment der Buchhandlung passt. Wünschenswert ist außerdem, dass das Marketing stimmt. Da die Befragten unisono berichten, dass Titel von Self Publishern besonders beratungsintensiv sind, sollte man nicht mit (sachlichen!) Informationen geizen, die auf die Belange des Buchhandels zugeschnitten sind. Von Lobhudeleien und Marktschreierei sei dringend abgeraten. Gut beraten ist außerdem, wer sich gewisse Kenntnisse über die buchhändlerische Praxis aneignet. Und – last but not the least – potentielle Handelspartner lassen sich nur dann überzeugen, wenn die Rabatte stimmen. Und genau hier scheint noch manches im Argen zu liegen.

Frau Bergmann © Hedwig Bergmann

Martina Bergmann © Hedwig Bergmann

Ich verkaufe auch Bücher von Self Publishern – wenn sie mir gefallen und wenn die Einkaufsbedingungen marktfähig sind. Deshalb verkaufe ich meistens keine Bücher von Self Publishern. Meint Martina Bergmann von der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Gedruckte Exemplare, wenn sie denn gut sind, auf jeden Fall. So Lutz Heimhalt von der gleichnamigen Buchhandlung in Hamburg

Barbara Roth  © Iris Roth

Barbara Roth © Iris Roth

Grundsätzlich kann ich mir diese Entwicklung gut vorstellen. Wichtig wäre dabei, dass wir uns über diese Titel auch vorab informieren und die Kunden dazu beraten könnten. Wünscht sich Barbara Roth von der Offenburger Buchhandlung Roth

Warum nicht, wenn die Qualität stimmt. Allerdings scheitert es oft an dieser Voraussetzung. Unser örtlicher Bestseller wurde von einer Marketingfrau zusammen mit einem alten Verlagsprofi gemacht, da stimmte alles. Auch die Kalkulation mit Buchhandelsrabatten. Oft hat man statt dessen aber den Eindruck, dass einige Produzenten glauben, Buchhändlers ausreichender Lohn sei die Ehre, ihre Produkte zu handeln. Wird von uns erwartet, Eitelkeiten zu finanzieren? Sagt Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster in Ganderkesee

Thomas Calliebe  ©  Thomas Calliebe

Thomas Calliebe © Thomas Calliebe

Wir führen selbstverständlich Titel von Autoren aus unserer Region, auch Self Publisher – allerdings hat das nichts mit Umsatz oder gar Gewinn zu tun. Diese Titel sind mangels Marketing sehr beratungsintensiv und zudem nur mäßig rabattiert. Auf den gesamten Buchmarkt bezogen vertraue ich auf Bücher aus eingeführten Verlagen, weil ich mir hier in Bezug auf Inhalt, Form und Gestaltung sicher sein kann. So Thomas Calliebe von der Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Unbeliebtes Thema Self-Publisher. Grundsätzlich habe ich keine Einwände – vorausgesetzt die (Text-)Qualität stimmt. Ja, liebe Self-Publisher, auch Druck, Schriftbild, Papierqualität, Covergestaltung… beeinflussen die Kaufentscheidung! In der Praxis gibt’s jedoch jede Menge Ärger: fehlende Einträge im VLB und oft auch via Internet schlecht oder gar nicht zu bibliografieren. Fehlerhafte Rechnungsstellung, unorthodoxe Liefermethoden, fehlendes Wissen der Usancen im Buchhandel, nicht zu reden von Rechtschreibfehlern im oft genug miserablen Text. Und ja, es ist ja schön, wenn der Autor von seinem Werk begeistert ist, aber wir wollen auch unsere Kunden im Laden bedienen und nicht so gerne umständlichen Inhaltsangaben am Telefon lauschen. Meint Rosemarie Reif-Ruppert von der Gostenhofer Buchhandlung in Nürnberg

Beate und Mischa Klemm © lesen und lesen lassen

Beate und Mischa Klemm © lesen und lesen lassen

Also in unserem Laden gibt es genau ein Buch eines Self Publishers. Super Cover, super Titel, ansprechender Klappentext, günstiger Preis, bei unserem Großhändler einfach zu beziehen. Aber diese Dinge treffen leider nur ganz selten zusammen. Und dann ist es ja so, dass wir zweimal im Jahr etwa fünfzig Kilo Verlagsvorschauen durchsehen, Leseexemplare testen, mit Verlagsvertretern sprechen, auswählen, aussortieren … Wenn man das geschafft hat, klickt man einfach nicht mehr auf den Link zu einem „ganz tollen“ Buch. Sorry. Sagen Beate und Mischa Klemm von der Berliner Buchhandlung lesen und lesen lassen

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Zum “Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen” gelangt Ihr hier. Und falls sich wer die Frage stellen sollte, einmal Buchhändler, immer Buchhändler?, der wird hier fündig

Zu guter Letzt: Die Aussagen von 44 Buchhändlerinnen und Buchhändlern sind ebensowenig repräsentativ wie das Resümee, das ich ziehe.

„Die Zeit des Einzelhandels ist vorbei.“ – SteglitzMind stellt Lutz Heimhalt von der Buchhandlung Lutz Heimhalt vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Heute lernen wir Lutz Heimhalt etwas näher kennen, dessen gleichnamige Buchhandlung in Hamburg zu finden ist. Herrn Heimhalt habe ich gebeten, hier mitzutun. Neben der Arbeit im Buchladen widmet er sich Vintage Postkarten, die restauriert und nachgedruckt werden. Die historischen Reprints, darunter auch einige rund um das Thema Bücher und Frauen, kann man in ausgewählten Buchhandlungen und Online erwerben.

Eine Skizze vom Laden…

Lutz Heimhalt mit Ehefrau Natalia Banakh © Lutz Heimhalt

Lutz Heimhalt mit Ehefrau Natalia Banakh © Lutz Heimhalt

Unsere Buchhandlung ist eine Stadtteilbuchhandlung in Hamburg Fuhlsbüttel. Die Buchhandlung habe ich 1975 noch während meiner Ausbildung mit 600.- DM Eigenkapital von meinem Ausbilder übernommen. Da war ich gerade 21 Jahre alt…

Wir und unsere Kunden empfinden unsere Buchhandlung als gemütlich, das liegt nicht nur an unserem offenen Kamin im Laden. – Schwerpunkt ? Unsere Kunden sollen zufrieden, mit einem guten Buch und einem Lächeln im Gesicht, den Laden wieder verlassen.

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

Ganz einfach, weil wir Bücherwürmer sind !

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Nein. Leider ist meiner Meinung nach die Zeit des Einzelhandels insgesamt vorbei. Das große Geschäft macht heute schon fast allein Amazon.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

(lacht) Viel, früher konnten wir mit unseren Kunden zahllose Zigaretten im Laden rauchen, ohne dass es jemanden gestört hätte. Das ist natürlich vorbei. Auch politische Diskussionen im Laden sind sehr viel weniger geworden. Und natürlich hat der Computer, dann das Internet unseren Betrieb auf den Kopf gestellt.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

der Buchladen © Lutz Heimhalt

der Buchladen © Lutz Heimhalt

Die Devise ‚Buchhandel go online‘ ist meiner Meinung nach eher eine Durchhalteparole. Gegen den großen Anbieter können wir online nicht konkurrieren. Nur offline ! Und darauf sollten wir uns alle besinnen!

Ok, eine selbstgestrickte Website haben wir, aber keinen Onlineshop für Bücher, und auch keine E-Books. „Schuster, bleib bei deinen Leisten“, so habe ich das mal gelernt, und so halte ich es auch. Wir konkurrieren gegen den Onlinehandel mit uns selbst. Und das klappt bisher recht gut, obwohl natürlich die Umsätze der 80er Jahre bei uns nicht mehr erreicht werden. Das hat nicht nur bei uns natürlich leider Arbeitsplätze gekostet.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Schlimm wäre es, wenn mehrere Geschäfte in der Straße schließen würden, weiterhin Parkplätze rückgebaut werden. Damit verliert dann der Kiez seine Attraktivität. Und dann natürlich die übermächtige Amazon-Krake.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

E-Book? Kaufen die Menschen im Netz, nicht im Buchhandel. Bei uns gibt es Bücher, die schön gestaltet sind, die riechen, die man anfassen und ansehen kann. Wenn sie dann doch nicht gefallen, kann man sie verkaufen, verschenken oder in den Kamin werfen. Versuchen Sie das mit einem E-Book!

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Gedruckte Exemplare, wenn sie denn gut sind, auf jeden Fall.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

deutlich zu lesen © Lutz Heimhalt

deutlich zu lesen © Lutz Heimhalt

Leidenschaft. Fachwissen, ein nettes Gespräch nebenbei. Wie ich oben schrieb: Der Kunde soll den Laden mit einem Lächeln verlassen.

Wir beschaffen auch vergriffene Bücher. Und, wie bei uns deutlich zu lesen ist: Was Amazon liefern kann, können auch wir liefern. Genau so schnell und zum gleichen Preis. Versprochen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Den gleichen Rabatt, den Amazon auch bekommt, nette Vertreterbesuche und ganz wichtig: sinnlich gestaltete schöne Bücher, die man einfach anfassen muss. Dann gibt es auch kein Problem mehr mit den E-Books.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Wir sind nicht Mitglied dieses Vereins. Aber ich würde mir z.B. wünschen, dass dieser Verein zukünftig eine glücklichere Hand bei der Auswahl seiner Werbeagenturen hat.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Wir drehen hier bei uns gerade einen kleinen Film. Es ist schwieriger, als wir zunächst dachten, aber wir werden das schaffen. Mehr wollen wir noch nicht verraten.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil es hier noch Menschen gibt, mit denen man nicht nur über Bücher reden kann, man immer wieder beim Stöbern hochinteressante Bücher findet, die man sonst nie entdeckt hätte.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Einfach alle! Jede Buchhandlung hat ihr eigenes persönliches Flair und Gesicht.

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Eine Übersicht, wer bislang Rede und Antwort stand, findet sich hier und zu allen empfohlenen Buchhandlungen geht es hier.

Im Entstehen ist ein Resümee der Gesprächsreihe. Teil 1 “Avantgarde oder Traditionalisten. Wie sich Buchhändler aufstellen” kann man hier nachlesen und den zweiten Teil (Wie sie es mit dem E-Book halten) dort.

Zum “Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen” gelangt man hier. Und falls sich wer die Frage stellen sollte, einmal Buchhändler, immer Buchhändler?, wird hier fündig

Avantgarde oder Traditionalisten? Wie sich Buchhändler heute positionieren (Teil 2)

Dass der stationäre Buchhandel den Entwicklungen infolge der Digitalisierung hinterherhinkt. Dass Buchhändler mit dem E-Book und Publikationen von Self Publishern nichts am Hut hätten. Dass ihnen das Netz fremd und Online-Shopping ein rotes Tuch ist. Alles Vorurteile?

Könnte man meinen, so man sich näher mit den 43 Beiträgen beschäftigt, die ab September 2013 im Rahmen der Gesprächsreihe“ SteglitzMind stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” zusammengekommen sind. In den kommenden Wochen werde ich hier zusammenfassen, wie sich die Gesprächspartner unter den heutigen Bedingungen positionieren. Nachdem der erste Teil meines Resümees darlegte, was sich im beruflichen Alltag verändert hat und wie sich die Befragten online aufstellen, geht es heute mit dieser Frage weiter:

  • Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Zwar sind E-Books und E-Reader bei Sortimentern nicht sonderlich beliebt, ihren Einzug in die Buchhandlungen haben sie inzwischen dennoch gehalten.

Wir bieten E-Books über die Homepage und jetzt auch im Laden an, da gibt es keine Berührungsängste. Papier ist uns freilich weitaus lieber und welches digitale Buch kann in Sachen Attraktivität und Sinnlichkeit etwa mit einer leinengebundenen, fadengehefteten Dünndruckausgabe mithalten? Eben dies (und den daraus resultierenden höheren Preis) müssen wir allerdings vermitteln, ohne dabei das E-Book zu brandmarken. Argumentiert Thomas Bleitner von der Hamburger Buchhandlung Lüders

Obwohl die Liebe der befragten Buchhändler uneingeschränkt dem gedruckten Buch gehört, bieten 36 der 43 Gesprächsteilnehmer E-Books an. Und zwar nicht nur im jeweiligen Online-Shop. Einige präsentieren sie auch im Buchladen, bei anderen sind außerdem E-Book-Cards erhältlich.

Der harte Kopierschutz, Schwierigkeiten beim technischen Support oder mangelnde Nachfrage seitens der Kundschaft– das sind einige Argumente dafür, warum E-Books und Lesegeräten wenig Begeisterung entgegengebracht wird. Durchweg für Unmut sorgen allerdings die geringen Gewinnspannen bei den Readern und die schlechten Provisionen, die bei den Downloads von elektronischer Lektüre gewährt werden.

Brigitte Gode  © privat

Brigitte Gode © privat

Nun, ich betreibe eine Buchhandlung, kein Elektronik-Fachgeschäft. Ich bin nicht bereit, meine Energie in etwas zu investieren, von dem wir genau wissen, dass es uns nie ein wirtschaftliches Auskommen sichern wird. Was haben wir davon, wenn wir uns mühsam die technischen Kenntnisse unterschiedlicher Reader aneignen, um dann mit einer lächerlich geringen Gewinnspanne alle paar Monate einen Reader zu verkaufen? In der Liga derjenigen, die mit diesem Geschäft Gewinne machen, können wir Kleinen nicht mitspielen. Nachdem sich die Tolino Verhandlungen des Börsenvereins zerschlagen haben, sehe ich kaum noch Chancen in diesem Geschäft nennenswert mitzumischen. Ich sehe unsere Aufgabe darin, den elektronischen Content zur Verfügung zu stellen. Wir bieten in unserem Web-Shop die Möglichkeit E-Books herunterzuladen. Wir klären unsere Kunden auch darüber auf. Die Diskussionen um Amazon haben dazu geführt, dass verstärkt nach alternativen Download-Möglichkeiten gefragt wird. So Brigitte Gode von der Gollenstein Buchhandlung in Blieskastel

Susanne Martin © Silvie Brucklacher

Susanne Martin © Silvie Brucklacher

Wir haben von Anfang an E-Reader im Sortiment gehabt und offensiv verkauft. Das ist auch heute noch so. Allerdings merken wir, dass es für uns als stationäres Sortiment schwierig ist, ein adäquates Angebot zu machen: Der harte Kopierschutz, mit dem die meisten Bücher belegt sind, macht die Ladevorgänge kompliziert und viele KundInnen sind damit überfordert. Als kleine Buchhandlung ist es schwierig für uns, den technischen Support zu bieten, der notwendig wäre und den größere Buchhandlungen leisten können. Dazu kommen immer wieder neue Geräte in relativ kurzen Intervallen, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Und diesem erheblichen zeitlichen und auch finanziellen Aufwand, den ich durchaus als notwendige Investition sehe, stehen miserable Provisionen aus den Downloads entgegen. Ich sehe die Zukunft in diesem Bereich für das kleine und mittlere Sortiment eher schwierig. Meint Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Die Hoffnung, sich vom Geschäft mit elektronischen Büchern à la longue eine Scheibe abschneiden zu können, teilen die Befragten jedenfalls nicht.

E-Books können bei uns bestellt werden, die Anzahl der Verkäufe ist jedoch absolut marginal. Und ich denke, das bleibt auch so, denn meiner Meinung nach werden E-Books und stationärer Buchhandel nie wirklich zusammen finden. So Torsten Meinicke vom Hamburger Buchladen Osterstraße

Hannah und Nina © die Buchkönigin

Hannah und Nina © die Buchkönigin

Auch das E-Book wird es dem klassischen Buchhandel in der Zukunft schwer machen. Es ist wahrscheinlich eine Illusion zu glauben, dass Buchhandlungen an diesem Geschäft partizipieren können. Die meisten Menschen werden sich ihre E-Books direkt aus dem Internet ziehen und nicht den Weg über eine Buchhandlung nehmen. Sagen Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner von der Berliner Buchhandlung Die Buchkönigin

Bleibt zu fragen, warum sich Buchhändler das überhaupt antun, ein beratungsintensives Produkt zu verkaufen, das im Laden kaum nachgefragt wird und zudem wenig in die Kasse bringt? Weil sie den Servicegedanken hoch halten und zukunftsfähig bleiben wollen.

Simone Dalbert © privat

Simone Dalbert © privat

Wir verkaufen E-Books sowohl im Online-Shop als auch direkt im Laden, dort gibt es auch die E-Book Cards und natürlich E-Book Reader. Auch wenn wir damit weniger Rohertrag erwirtschaften, wegen der höheren Mehrwertsteuer von 19% und der geringeren Rabatte, ist es ein Service, den wir unseren Kunden anbieten möchten. Wer gerne E-Books lesen möchte, sollte die auch bei uns bekommen können, nicht nur bei Amazon. Denn wer dort seine E-Books kauft, kauft schnell auch die gedruckten Bücher dort und ist für uns ein verlorener Kunde. Meint Simone Dalbert von der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

Ich habe welche da, ich berate auch intensiv, ich benutze seit Jahren eine Maschine. Was das Finanzielle angeht, halte ich das alles für mehr als fragwürdig. Für mich stellte sich nur die Alternative: Mitmachen und zeigen, dass wir das auch haben/können, oder gleich die Kunden weiterschicken. Allerdings werden die Downloadwege an uns und vielen anderen Buchhandlung vorbeiziehen, was ja schon der Fall ist. So Samy Wiltschek von der Ulmer Kulturbuchhandlung Jastram

Diejenigen, die ausschließlich auf das gedruckte Buch setzen, argumentieren vorrangig mit der besseren Handelsspanne. Andere wiederum können den Verkauf von E-Books schlechterdings nicht mit ihrem Selbstverständnis vereinbaren:

Ok, eine selbstgestrickte Website haben wir, aber keinen Onlineshop für Bücher, und auch keine E-Books. „Schuster, bleib bei deinen Leisten“, so habe ich das mal gelernt, und so halte ich es auch. Argumentiert Lutz Heimhalt von der gleichnamigen Buchhandlung in Hamburg

Buchhandlung Lessing und Kompanie © Lessing und Kompanie

Buchhandlung Lessing und Kompanie © Lessing und Kompanie

Wir setzen auf „Buch pur“:  „Buch Pur“ meint: kein Webshop, kein E-Book-Verkauf (obwohl über die Barsortimente möglich), kein Non-Book-Firlefanz, kein Geschenkkram, lediglich Postkarten, DVDs und Hörbücher, ggfs. Spiele. Dafür Bücher, gute Bücher, Bücher die wertvoll sind, Bücher die gut aussehen, Bücher die wichtig sind, Bücher die lehrreich sind, Bücher die Spaß machen, Bücher, Bücher, Bücher aber kein vordergründiger Mainstream und Boulevard, nein, richtige Bücher. Was, das klingt „Ewig gestrig“? Nun, vielleicht ist es ja das Alleinstellungsmerkmal der Zukunft? Meint Klaus Kowalke von der Buchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

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In der kommenden Woche geht es mit der Frage weiter, ob Titel von Self Publishern auch eine Option sind. Zum “Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen” gelangt Ihr hier. Und falls sich wer die Frage stellen sollte, einmal Buchhändler, immer Buchhändler?, der wird hier fündig

Zu guter Letzt: Die Aussagen von 43 Buchhändlerinnen und Buchhändlern sind ebensowenig repräsentativ wie die Resümees, die ich daraus ziehe…

„Macht mehr Werbung für das Buch!“ – SteglitzMind stellt Barbara Roth von der „Buchhandlung Roth“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Heute erfahren wir etwas mehr über die Offenburger Buchhandlung Roth, die Barbara Roth in vierter Generation führt. Vorgeschlagen hatte das Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen. Ich freue mich sehr, dass Barbara Roth der Einladung gefolgt ist.

Eine Skizze vom Laden…

Unsere Buchhandlung ist fast 400 qm groß auf zwei Etagen und liegt mitten im Herzen von Offenburg, einer Stadt mit knapp 60.000 Einwohnern in der idyllischen Ortenau zwischen Freiburg und Karlsruhe gelegen. Das Rothe Team umfasst 23 Köpfe, betriebswirtschaftlich sind wir 12,5 Personen. – „Roth ist die Liebe zum Buch.“ – Die Liebe zum Buch wird bereits in der vierten Generation der Familie gelebt: 1897 gründete mein Urgroßvater Gustav Roth die damalige „Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung Gustav Roth“ in Offenburg. 1996 habe ich die Buchhandlung von meiner Mutter übernommen.

Barbara Roth  © Iris Roth

Barbara Roth © Iris Rothe

Als unabhängige Sortimentsbuchhandlung und als traditionelles mittelständisches Familienunternehmen ist das Ziel der Buchhandlung Roth: Wir begeistern die Menschen für das Buch und für das Lesen! Dies gelingt uns mit unserem Buch-Angebot, unserer „Buchhandlung zum Wohlfühlen“, fachkundiger Beratung und unseren Veranstaltungen. Hierbei gehen wir gerne auch ungewöhnliche und überraschende Wege (wie zum Beispiel mit unserer Jubiläums-Aktion 2008)! – Voraussetzung für unser Wirken ist dabei erfolgreiches und gewinnbringendes Wirtschaften.

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Warum sind Sie Buchhändlerin geworden?

Das ist ein wunderbarer Beruf für mich, der mir unglaublich großen Spaß macht! Ich habe mit Menschen zu tun, bin im kaufmännischen Bereich tätig und liebe Bücher – eine geniale Kombination, die mich bis heute absolut begeistert und glücklich macht. Mit den Inhalten der Bücher sind wir stets „am Puls der Zeit“ und so bleibt das Buchhandeln für mich unendlich abwechslungsreich und interessant.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ja, das würde ich, denn ich liebe diesen Beruf nach wie vor.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Die EDV-technische Seite hat sehr zugenommen: vieles habe ich nur noch als Datei, nicht mehr auf Papier (z.B. die elektronische Archivierung!); ebenso muss ich viel mehr technisches Wissen haben zu den elektronischen Geräten (Readern) und dem Umgang sowie dem Verkauf von E-Books.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir haben seit 13 Jahren eine eigene Homepage, die wir immer wieder aktiv bewerben und den Kunden vorstellen. Dazu gibt es etliche Werbe-Maßnahmen (Lesezeichen, Plakate, Service-Karten, Flyer, Schilder am Schaufenster, Banner, etc.), die auf unsere Homepage als auch auf den Verkauf und die Beratung von Readern und E-Books hinweisen. Mit Aktionstagen rund um das elektronische Lesen wollen wir die Kunden informieren, begeistern und natürlich darauf aufmerksam machen, dass wir ihr Partner für das Buch sind – egal ob auf Papier oder anderen Medien! Auf Facebook sind wir seit drei Jahren und bieten dort nette Unterhaltung. Unser Veranstaltungskalender gibt es selbstverständlich auch per Newsletter.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Das veränderte Kaufverhalten der Kunden: Wie wird die Mehrzahl der Kunden zukünftig einkaufen? Nur noch elektronisch oder auch noch vor Ort? Das Bewusstsein der Kunden: Schaffen wir es, den regionalen Bezug zu erhalten, so dass der Kunde auf unserer Homepage einkaufen will? Oder glaubt der Kunde nur an Amazon? Aktuell für Offenburg ist Mitte Dezember die Entscheidung für ein innenstadtnahes Einkaufs-Center gefallen, welches in vier Jahren fertig gestellt werden soll. Wie wird sich dann unsere Innenstadt entwickeln? Was wird mit unserer Stadt passieren?

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Wir verkaufen E-Books sowohl über unsere Homepage als auch in der Buchhandlung. Im Geschäft bezahlt der Kunde bar und bekommt den Download-Link per email nach Hause geschickt. Eine sichere Sache!

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Grundsätzlich kann ich mir diese Entwicklung gut vorstellen. Wichtig wäre dabei, dass wir uns über diese Titel auch vorab informieren und die Kunden dazu beraten könnten.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Buchhandlung Roth  © Iris Roth

Buchhandlung Roth © Iris Rothe

Mit viel Begeisterung! Mit kompetenter Beratung und außergewöhnlichem Service. Mit einem durchgängigen, markanten (in unserem Falle ROTHEN) Marketing. Mit einer ausgezeichneten Vernetzung in der Stadt. Mit einem über viele Jahrzehnte gewachsenem Veranstaltungsprogramm, mit dem wir die Kunden immer wieder überraschen. Mit dem Halten und Steigern der eigenen Qualitätsmerkmale. Mit einem großartigem Team. Mit dem Leben der Firmenphilosophie. Mit Aufmerksamkeit für Veränderungen und Bedürfnissen. Mit schnellem Umsetzen von beobachteten Trends. Mit einer „Wohlfühlbuchhandlung“.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

  1. Dass die Verlage zu uns Buchhandlungen als Partner 100% stehen und somit alle Geschäfte über den Buchhandel abgewickelt werden (und nicht die arbeitsintensiven abgeben, die leicht zu händelnden und lukrativen jedoch direkt über Verlag-Kunde laufen…)
  2. Dass die Verlage uns auf Ihre Homepages verlinken und listen und nicht als erstes (und meist auch noch ausschließlich) Amazon als Bezugsquelle anführen.
  3. Dass die Verlage auf das Einschweißen der Bücher verzichten und bei besonderen Büchern, z.B. Bildbände, diese in ein durchscheinendes Schutzpapier geben.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Macht noch viel mehr Werbung für das Buch & das Lesen – in allen Formen!!! Bespielt dabei verschiedene Kanäle! Bietet mehr lokale Aktionen an, die dann individuell von den Buchhandlungen genutzt und ergänzt werden können…

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Durch die Veränderungen auch auf Seiten der Verlage wird es für unbekannte Autoren und kleinere Verlage sehr schwierig, bekannt und erfolgreich zu werden. Daher wünsche ich mir, dass die Literatur nicht untergeht und wir Buchhändler weiterhin den Lesern besondere Bücher anbieten und verkaufen können!

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil sie dort eine sehr gute Beratung (und Auswahlhilfen) sowie einen außergewöhnlichen Service erhalten. Um persönliche Kontakte zu haben, sich mit anderen zu treffen, ins Gespräch kommen. Um sich inspirieren zu lassen und Neues zu entdecken. Um Bücher anschauen und be-greifen zu können. Um Aktionen, Veranstaltungen, Autoren etc. zu erleben.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächsreihe möglichst auch zu Wort kommen?

Irmgard Clausen, Buchhandlung Riemann in Coburg; Christoph Greuter, Buch Greuter in Singen; Peter Peterknecht, Buchhandlung Peterknecht in Erfurt.

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Eine Übersicht, wer bislang Rede und Antwort stand, findet sich hier und zu allen empfohlenen Buchhandlungen geht es hier.

Im Entstehen ist ein Resümee der Gesprächsreihe. Teil 1 „Avantgarde oder Traditionalisten. Wie sich Buchhändler aufstellen“ kann man hier nachlesen. Zum “Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen” gelangt man hier. Und falls sich wer die Frage stellen sollte, einmal Buchhändler, immer Buchhändler?, wird hier fündig

Avantgarde oder Traditionalisten? Wie sich Buchhändler aufstellen (I)

Kolportiert wird so manches: Dass der stationäre Buchhandel den Entwicklungen infolge der Digitalisierung hinterherhinkt. Dass Buchhändler mit dem E-Book und Publikationen von Self Publishern nichts am Hut hätten. Dass ihnen das Netz fremd und Online-Shopping ein rotes Tuch ist. Vorurteile?

Haltlose Behauptungen! Das gilt jedenfalls für den Fall, wenn man sich mit den 43 Beiträgen näher beschäftigt, die ab September 2013 im Rahmen der Gesprächsreihe“ SteglitzMind stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” zusammengekommen sind. In den kommenden Wochen werde ich hier zusammenfassen, wie sich die Gesprächspartner unter den heutigen Bedingungen positionieren. Der erste Teil meines Resümees bezieht sich auf die beiden Fragen:

  • Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?
  • Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Unisono berichten die 43 Gesprächspartner, dass die Entwicklungen den Alltag in der Buchhandlung erheblich verändert haben. Verwaltungsaufwand und Arbeitstempo haben zugenommen; die Freizeit wurde beschnitten. Gefragt sind mehr Medienkompetenz und viel mehr technisches Know-how als in früheren Jahren. Mit dem Internet und vor allem dem Angebot, Einkäufe per Mausklick im Netz bequem zu erledigen, sind die Serviceansprüche an den Buchhandel gestiegen. Elektronisches Bibliographieren und Warenwirtschaftssysteme haben die Arbeit einerseits zwar erleichtert, andererseits stellen die Errungenschaften auch neue Anforderungen an die Händler. Dank Internet wissen die Kunden heute besser Bescheid, womit der Informationsvorsprung des Buchhändlers geschrumpft ist. Kurzum: Ein Buchhändler muss heute schneller reagieren, besser informiert, gut vernetzt und möglichst allseits präsent sein.

Thomas Bleitner © Buchhandlung Lüders

Thomas Bleitner © Buchhandlung Lüders

Natürlich ist die Welt digitaler geworden und sie wird’s weiter. Sich einerseits darauf einzustellen und mitzuziehen, andererseits aber eben den Gegenpol zu bilden, den man zu Recht von uns erwartet, das ist eine so spannende wie knifflige Herausforderung. Konkret und auf den beruflichen Alltag bezogen bedeutet dies, per Mail, Homepage, Newsletter, Internetverkaufsplattform und sozialen Netzwerken stets ebenso präsent zu sein, wie „vor Ort“ im Laden, leibhaftig, in Fleisch und Blut und Ruhe ausstrahlend. Da kommt es schon mal vor, dass man fünf Dinge gleichzeitig erledigen muss, das war vor ein paar Jahren noch nicht so extrem. So Thomas Bleitner von der Hamburger Buchhandlung Lüders

Der Informationsvorsprung des Buchhändlers – seine wichtige Währung – ist massiv geschrumpft. Kunden wissen über Dinge, die sie interessieren oft genauso gut, wenn nicht noch besser Bescheid, als das Fachpersonal. Allerdings hat sich unsere Arbeit gerade durch das Internet deutlich vereinfacht. Wenn die Angaben auch nur einigermaßen stimmen, finde ich durch Google jedes Buch, die Datenbanken sind komfortabel und wenn – wie grade erst passiert – die Telekom Schwierigkeiten macht, dann kann ich auch bequem von daheim aus recherchieren und meine Bestellungen aufgeben. Das sagt Nicole Jünger vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

Beate und Mischa Klemm © lesen und lesen lassen

Beate und Mischa Klemm © lesen und lesen lassen

Da ist zum einen der technische Hintergrund. Wir haben mit Buchlaufkarten und viel Bauchgefühl begonnen, arbeiten jedoch seit mittlerweile einigen Jahren mit Warenwirtschaftssystemen. Sie erleichtern die Arbeit wesentlich, stellen aber auch ihre ganz eigenen Anforderungen. Was sich auch verändert hat, ist der Grad an Aktualität, den ein Sortiment haben muss, denn parallel dazu sind die Kunden wesentlich informierter als früher. Meinen Beate und Mischa Klemm von der Berliner Buchhandlung lesen und lesen lassen

Allerdings sind es nicht allein die Folgen der Digitalisierung, mit denen Buchhändler heute klar kommen müssen. Auch die Veränderungen in der Branche und die Titelflut machen ihnen zu schaffen.

Die Branche hat sich verändert, in unserer Buchhandlung hat sich in den letzten fünf Jahren nicht allzu viel verändert. Wir arbeiten an unseren Qualitätsvorstellungen einer „perfekten“ Literaturhandlung…  So Klaus Kowalke von Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Gustav Förster © privat

Gustav Förster © privat

Gleichzeitig hat die Aufblähung des Angebots nicht unbedingt eine Qualitätssteigerung mit sich gebracht, sondern eher eine Vielfalt austauschbarer Produkte. In vielen Verlagen haben offensichtlich BWLer und Controller, die versuchen, die Welt per Excel zu gestalten, mehr zu sagen als Verleger und Lektoren. Allerdings ist die Wirklichkeit nicht Excel-kompatibel, sondern eher anarchistisch. Manchmal drängt sich der Eindruck auf, es gäbe irgendwo eine Instanz, die sagt „Ihr könnt verkaufen, soviel wie ihr wollt. Wir drucken mehr“. Oder bezogen auf Verlage „Ihr könnt drucken, soviel wie ihr wollt. Wir schreiben mehr“. Meint Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster in Ganderkesee

Dass die Befragten allesamt im Netz zu finden sind, verwundert wenig, da ich ausdrücklich darum gebeten hatte, solche Buchhandlungen für ein Gespräch vorzuschlagen, die online präsent sind. Fast alle verfügen über einen Web-Auftritt, in die ein Shop eingebunden ist. Vielfach wird berichtet, dass der Online-Shop in jüngerer Zeit zunehmende Frequenz erfährt. Parallel dazu machen einige Gesprächspartner die Erfahrung, dass die Online-Bestellungen im Laden abgeholt werden. – Wenn sie versenden, dann versandkostenfrei. Geklagt wird bisweilen darüber, wie viel Mühe es macht, den Kunden die eigene Webpräsenz nebst Online-Shop schmackhaft zu machen. Hier nehmen einige den Börsenverein für den deutschen Buchhandel in die Pflicht, dessen Aufgabe es wäre, diesbezüglich Aufklärungsarbeit zu leisten.

Wir haben seit dem ersten Tag einen Online-Shop, wie bei den meisten Kollegen, es ist allerdings tastsächlich schwierig, diesen in die Köpfe der Kunden zu bekommen. Die Kollegen vom großen Fluss haben es da wirklich geschafft, allgegenwärtig zu sein. Sagt John Cohen von der Hamburger Buchhandlung cohen + dobernigg

Brigitte Gode  © privat

Brigitte Gode © privat

Wir betreiben einen Online-Shop über unser Barsortiment und bewerben diesen auch. Wir verzeichnen zunehmende Frequenz über diesen Bestellweg, sowohl von Stammkunden, die die Bequemlichkeit zu schätzen wissen, als auch von Neukunden, die wir dann sehen, wenn sie ihre Bücher abholen. Wir machen die Erfahrung, dass die Online-Kunden selten den Versandweg wählen, sondern ihre Bestellung in der Buchhandlung abholen. Ein Zeichen dafür, dass der persönliche Kontakt nach wie vor geschätzt wird. Wenn wir die Stimme gegen Amazon erheben, müssen wir etwas entgegensetzen. Deshalb sollte heute jeder Buchhändler diese Bestellmöglichkeit anbieten. Meint Brigitte Gode von der Gollenstein Buchhandlung in Blieskastel

Gegen die Möglichkeit, Bücher online zu verkaufen, spricht sich Lutz Heimhalt von der gleichnamigen Buchhandlung in Hamburg aus: „Die Devise ‚Buchhandel go online‘ ist meiner Meinung nach eher eine Durchhalteparole. Gegen den großen Anbieter können wir online nicht konkurrieren. Nur offline ! Und darauf sollten wir uns alle besinnen!“

Anna Jeller ©  Jacqueline Godany

Anna Jeller © Jacqueline Godany

Persönlich gestaltete Internetseiten mit eigenen Webshop-Lösungen sind bei den 43 Gesprächsteilnehmern eher die Ausnahme. Obwohl sie keine individuellen Profile abbilden und für meinen Geschmack auch wenig Lust auf’s Stöbern oder gar einen Besuch der betreffenden Buchhandlung machen, dominieren Fertigprodukte, die die Barsortimente mitsamt Warenkörben zur Verfügung stellen. Kritisch sieht das Anna Jeller von der Wiener Buchhandlung Anna Jeller: „Webshoplösungen kommen für uns nicht in Frage. Zu teuer, zu unschön, zu unpassend für unser Sortiment.

Annaluise Erler © Julius Erler

Annaluise Erler © Julius Erler

Hoch im Kurs steht bei den 43 Gesprächspartnern Facebook; immerhin 33 von ihnen sind dort präsent. Einige betreiben neben der Fanpage auch ein eigenes Profil. Freilich pflegen nicht alle ihre Accounts aktiv. Die Gefolgschaft ist beim Gros überschaubar. Geschätzt wird der schnelle und unkomplizierte Austausch, den das soziale Netzwerk ermöglicht. Gerne als Instrument genutzt wird die Plattform zudem, um Veranstaltungen anzukündigen. Diese Funktion erfüllen ebenfalls die Newsletter, die einige der Befragten regelmäßig an Kunden und Interessierte verschicken. – Dass sich über das soziale Netzwerk Bücher verkaufen ließen, mit diesem Glauben räumt Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus in Tharandt allerdings auf: „Seit rund zwei Jahren habe ich auch noch einen Facebook-Account, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Zwar habe ich noch kein Buch über Facebook verkauft, wie auch? Aber hier bildet sich eine ganz andere, frische Kundschaft heraus. Für mich ist es immer wieder überraschend, wer da so ‚vorbeischaut‘ und Kommentare abgibt. Ich denke, diese Art der Kommunikation ist wichtig für uns Einzelhändler, aber wir müssen auch etwas bieten.“

lest Bücher nicht T-Shirts  © Samy Wiltschek

Samy Wiltschek © Samy Wiltschek

Twitter nutzen acht, Google+ und Pinterest spielen hingegen so gut wie keine Rolle. Vier Buchhändler, die SteglitzMind Rede und Antwort standen, bloggen. Einige spielen mit dem Gedanken, diese Präsentationsmöglichkeit für ihre Buchhandlung zu nutzen; wohl schreckt sie noch der Aufwand ab. Blogs zu verschiedenen Themenfeldern unterhalten Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram und Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung, die im Übrigen als einzige auch bei Google+ und Pinterest aktiv ist.

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Generell gilt: Trotz allem Engagement im Netz – das Gespräch mit den Kunden im Laden hat bei allen Befragten absolute Priorität.

Ich kümmere mich zu 5% um Online und zu 95% um meine Kunden im Laden. Die Kunden sollen im Laden erleben, dass das was anderes ist, als am PC zu hocken. Sagt Christian Röhrl von der Buchhandlung Bücherwurm in Regensburg

Lia Wolf  © Oskar Schmidt

Lia Wolf © Oskar Schmidt

Und so ist der Internetauftritt die Ergänzung zum Laden. Natürlich sehen wir unsere Kunden lieber im Laden, kommen mit ihnen ins Gespräch, beraten sie. Meint  Gaby Kellner von Barbaras Bücherstube in Moosburg

Wir haben seit Ende der 90er Jahre eine Website und bieten Bücher auch online an. Ebenso nützen wir Facebook als Plattform. Aber am spaßigsten bleibt es immer noch im vis à vis ein Buch zu verkaufen. So Lia Wolf von der Wiener Buchhandlung Lia Wolf

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In der kommenden Woche geht es mit der Frage weiter, welchen Stellenwert das E-Book bei den befragten Buchhändlern und Buchhändlerinnen hat. Zum “Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen” gelangt Ihr hier. Und falls sich wer die Frage stellen sollte, einmal Buchhändler, immer Buchhändler?, der wird hier fündig

Zu guter Letzt: Die Aussagen von 43 Buchhändlerinnen und Buchhändlern sind ebensowenig repräsentativ wie die Resümees, die ich daraus ziehe…

Einmal Buchhändler. Immer Buchhändler!?

Buchhändler sind Idealisten. Unverbesserliche Idealisten sogar und Züge vom Romantiker haben sie auch. Sie lieben ihren Beruf nahezu bedingungslos und hängen ihn auch dann nicht an den Nagel, wenn das Einkommen gering ist, Stress und Überstunden überhand nehmen und die Zukunftsaussichten düster sind. Buchhändler bleiben bei der Stange, weil sie Bücher lieben!

Buchhandlung Moby Dick  © Ingo Herrmann

Buchhandlung Moby Dick © Ingo Herrmann

Nahezu unisono haben diejenigen, die mir bislang dankenswerterweise im Rahmen der Reihe “SteglitzMind stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” Rede und Antwort standen, ihr Hobby zum Beruf gemacht. Fast alle antworteten auf die Frage, warum sie Buchhändler/in geworden sind, dass sie von Kindesbeinen an Buchliebhaber und begeisterte Leser gewesen sind und sich deshalb für eine Laufbahn als Buchhändler entschieden haben. Bei einigen fiel bei der Berufswahl neben der Leidenschaft für das Buch auch die Freude am Umgang mit Menschen ins Gewicht. – Zwei Gesprächspartner entschieden sich politisch motiviert für den Beruf, für andere war die Karriere anfangs lediglich ein Notnagel, weil der ursprüngliche Traumberuf nicht verwirklicht werden konnte. Anderen wurde die Karriere nebst Laden in die Wiege gelegt, da sie aus Buchhändlerfamilien stammen.

„Ich habe tatsächlich mit Anfang 20 gedacht, mach mal dein Hobby zum Beruf. So richtig Ahnung hatte ich nicht.“- Maria Glusgold-Drews vom Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

„Eigentlich habe ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht, ich war schon immer absolut fasziniert von Büchern und den Welten, die sich durch sie eröffnen.“ – Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach

„Diese Entscheidung ist bei der  Befragung zum Berufswunsch in der ersten Schulklasse gefallen. Danach kam ein anderer Beruf nicht mehr in Frage. Natürlich lese ich gerne aber ich verkaufe auch sehr gerne. Beides zu kombinieren ist mein Traumberuf.“ – Britta Beecken von der Berliner Buchkantine

„Weil ich mich schon immer in Geschichten verlieren konnte, weil ich gerne über das, was ich gelesen habe, rede und gerne Umgang mit anderen Menschen habe. Wahrscheinlich habe ich dadurch in Sachen Literatur ein gewisses Sendungsbewusstsein entwickelt. Auf den Punkt gebracht: weil ich mir ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen kann. – Brigitte Gode von der Gollenstein Buchhandlung in Blieskastel

Ich liebe Bücher, ich bin Übersetzer, Schriftsteller und betreibe einen kleinen Verlag in meine Heimatstadt Barcelona. Der nächste logische Schritt war Buchhändler zu werden in der Stadt, in der ich seit 15 Jahren lebe. – David Armengou von Echo Bücher im Berliner Wedding

„Eher durch Zufall und als Quereinsteigerin. Mein Wunschstudium hätte mich arbeitslos gemacht und der Raum, in dem sich die Buchhandlung befindet, hat mich schon als Kundin fasziniert.“ – Anna Jeller von der Wiener Buchhandlung Anna Jeller

„Aus Liebe zu den Büchern – ist wohl die Standartantwort, aber stimmt natürlich. Mit zehn Jahren war mir klar, dass es für mich nur einen Beruf gibt: Buchhändlerin. Zum Glück hat es geklappt und ich bin nach wie vor mit Leib und Seele dabei.“ – Trix Niederhauser von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental (Schweiz)

Buchhandlung cohen + dobernigg © cohen + dobernigg

Buchhandlung cohen + dobernigg © cohen + dobernigg

Wie gesagt: Buchhändler sind Idealisten; auch unter schwierigen Bedingungen halten sie an ihrer Leidenschaft fest. Bedingungslos! Jeder Zweite der 43 Gesprächspartner beantwortete die Frage, ob ihm heute abermals eine Laufbahn als Buchhändler in den Sinn käme, mit einem klaren Bekenntnis zu seinem Traumberuf.

„Ja, sofort und unbedingt würde ich wieder eine Buchhandlung aufmachen! Gibt es denn etwas Abwechslungsreicheres als Bücher? Als Buchhändlerin in einem abhängigen Arbeitsverhältnis würde ich wohl nicht so gerne arbeiten.“ – Rosemarie Reif-Ruppert von der Gostenhofer Buchhandlung in Nürnberg

„Jetzt erst recht!“ – Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

„Na klar! Die heutigen Bedingungen bieten uns doch sehr viele Chancen.“ – Thomas Bleitner von der Hamburger Buchhandlung Lüders

„Ja. Ich glaube das Jammertal ist langsam durchschritten. Die ehemaligen Marktriesen bluten, das Internet ist etabliert und die unabhängigen Buchhandlungen, die bis jetzt durchgehalten haben, haben in meinen Augen auch eine reelle Chance ihren Platz zu behaupten.“ – Mila Becker von Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

„Was gibt es schöneres, als täglich neue Perlen auf dem Büchermarkt entdecken zu können und anderen davon erzählen zu dürfen?!“ – Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus im sächsischen Tharandt

„Wenn der Freiraum zum selbst bestimmten Arbeiten vorhanden ist wie bei uns, jederzeit wieder, denn der tägliche Kampf gegen Verblödung und Konzentration im Buchhandel kann auch sehr unterhaltsam sein.“ – Torsten Meinicke vom Hamburger Buchladen Osterstraße

„Ja natürlich würde ich heute wieder Buchhändlerin werden, weil der Grundgedanke: Lesen und zum Lesen motivieren sich nicht geändert hat bzw. nicht ändern wird.“ –  Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Buchladen Mascha Kascha © Mascha Kascha

Buchladen Mascha Kascha © Mascha Kascha

15 Gesprächspartner taten sich mit der Antwort auf die Frage schwer, ob sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für ihren Beruf entscheiden würden. Herz und Bauch sagten zwar „ja“, der Kopf allerdings riet dazu, die Finger vom Buchhandel besser zu lassen.

„Schwer zu sagen, weil ich eigentlich mehr oder weniger so reingeschlittert bin. Gefühlsmäßig schwanke ich permanent zwischen ‚Ja‘ und ‚Nein‘. Wenn ich nachrechne, was ich in meinem ursprünglichen Beruf verdient hätte, dominiert das „Nein“, wenn ich auf meinen Bauch höre das ‚Ja‘“. – Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster in Ganderkesee

„Schwierige Frage. Es kommt für mich drauf an, wo man letztlich hin will. Für eine Karriere, Filialleiterin, Geschäftsführerin oder eben Inhaberin, klares Ja. Für ein paar Stunden neben den Kindern und der Familie, auch auf jeden Fall. Aber als einfaches Buchhändlerlein vor sich hinzuarbeiten und versuchen, sich noch eine Rente aufzubauen – wahrscheinlich nicht.“ Nicole Jünger vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

„Schwere Frage. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden und wenn ich wieder 30 wäre, dann wohl ja. Ich wüsste ja dann auch gar nicht, WAS da auf mich zukäme!“ – Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

„Ich weiß es nicht. Einerseits hat er nichts von seiner Faszination verloren. Andererseits wandelt sich unsere Branche so sehr, sodass gerade der Beruf der Buchhändlerin besonders vom Wandel betroffen ist. Sicher ist, dass heute noch viel mehr dazu gehört als Mitte der 70er Jahre. Als junger Mensch hätte ich aber vielleicht auch ganz viele Ideen, wie ich diesen Beruf neu füllen könnte. Insofern: Ich weiß es wirklich nicht!“ – Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

„Jein – den Beruf selber finden wir immer noch klasse, zumindest in einem kleinen Laden mit selbstständiger Form der Arbeit (alle können alles machen), die Rahmenbedingungen gerade auch in Kleinstädten werden allerdings immer schwieriger.“ Sabine und Ute Gartmann von der Buchhandlung die schatuelle, Osterholz-Scharmbek – diesen Beitrag könnt Ihr ab 4. Februar hier in Gänze nachlesen

„Im Nachhinein stellt sich für mich vielmehr die generelle Frage, ob es nicht auch eine ökonomisch aussichtsreichere Alternative zu Geisteswissenschaft und Kulturbetrieb gegeben hätte. Andererseits ist man eben einfach durch seine Neigungen und Interessen bestimmt; wenn man ihnen grundlegend zuwiderhandelt, muss man sich dreißig und mehr Jahre in Zusammenhängen bewegen, die nicht die eigenen sind. Insofern: Ja, ich würde wahrscheinlich wieder einen ähnlichen Weg gehen.“ – Stefanie Diez von der Buchhandlung Die Insel im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg

Taschenbuchladen  © Taschenbuchladen

Taschenbuchladen © Taschenbuchladen

Lediglich sieben der Befragten würden als Berufsanfänger heute andere Weichen stellen. Sie beantworteten die Frage, ob sie sich abermals für eine Laufbahn als Buchhändler entscheiden würden, mit „nein“.

„Nein. Und schon gar nicht, wenn es für mehr als einen selbst reichen muss (finanziell).“- Maria Glusgold-Drews vom Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

„Wahrscheinlich nicht, weil die Zukunftsaussichten nicht wirklich rosig sind. Wie es mit dem Buchhandel in zehn oder zwanzig Jahren aussehen wird, weiß niemand. Aber einfacher wird es nicht für die kleinen unabhängigen Buchhandlungen. Man braucht heute noch mehr Idealismus um diesen Beruf zu erlernen, als ich damals vor zehn Jahren.“ – Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

„Nein, weil ich schon mittelfristig keine Perspektive für das Berufsbild sehe. Zu einschneidend sind die Veränderungen und Verwerfungen in der Branche.“ – Thomas Calliebe von der Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

„Nein. Leider ist meiner Meinung nach die Zeit des Einzelhandels insgesamt vorbei. Das große Geschäft macht heute schon fast allein Amazon.“ – Lutz Heimhalt von der gleichnamigen Buchhandlung in Hamburg. Sein Beitrag ist hier in Gänze ab 18. Februar zu lesen

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Eine Übersicht, wer bislang Rede und Antwort stand, findet sich hier und zu allen empfohlenen Buchhandlungen geht es hier. Zum „Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen“ gelangt Ihr hier

„Thematische Buchhandlungen sind die Zukunft der Buchhandlung.“ SteglitzMind stellt David Armengou von „Echo Bücher“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir mehr über Echo Bücher in Berlin/Wedding erfahren sollten, wo u.a. Bücher und Schallplatten präsentiert werden, hatte das Team der Berliner Buchhandlung Pro qm vorgeschlagen. Ich freue mich sehr, dass der gebürtige Spanier David Armengou, der seit geraumer Zeit in Berlin lebt, der Einladung gefolgt ist.

Eine Skizze vom Laden…

Echo Bücher ist ein Experiment. Es ist zwar ein Buchladen, aber zugleich auch ein Plattenladen, Eventspace, Ausstellungsraum, Shop und Kaffeebar. Echo Bücher wurde im Juli 2013 in Berlin-Wedding eröffnet und beschäftigt sich mit zeitgenössischer elektronische Musik und Clubkultur.

David Armengou © Juny Brullet

David Armengou © Juny Brullet

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

Ich liebe Bücher, ich bin Übersetzer, Schriftsteller und betreibe einen kleinen Verlag in meiner Heimatstadt Barcelona. Der nächste logische Schritt war Buchhändler zu werden in der Stadt, in der ich seit 15 Jahren lebe.

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Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ich kann diese Frage noch nicht beantworten, da ich gerade erst eröffnet habe.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

In den vergangenen sechs Monaten hat sich vieles in meinem Alltag verändert, vor allem ein neues Zuhause, der Buchladen, ein Ort wo ich jeden Tag Menschen treffe, die etwas Gemeinsames mit mir teilen: die Leidenschaft zu elektronischer Musik.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Unsere Webseite wird bald bereit sein. Selbstverständlich kann man dort dann Bücher kaufen, aber mir persönlich wäre es viel lieber, wenn die Kunden zu uns kommen würden. Vor Ort kann man viel entdecken, Kunst, Musik, interessante Gespräche führen oder ganz einfach einen Kaffee trinken. – Bis unsere Webseite mit Programm, Archiv und Online-Shop fertig ist, sind wir hauptsächlich bei Facebook aktiv.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Thematische Buchhandlungen sind die Zukunft der Buchhandlung. Wichtig ist, eine kleine, gute Auswahl an Büchern zu bieten und einen Ort, an dem sich der Kunde wohl fühlt und vieles Interessantes findet.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Ich habe noch nie ein digitales Buch gelesen. Es interessiert mich einfach nicht. Aber ich habe nichts dagegen, im Gegenteil, das E-Book bringt viele Menschen dazu, das Lesen wieder oder neu zu entdecken und hoffentlich Bücher zu kaufen und mehr zu lesen.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

so schaut's aus © Juny Brullet

so schaut’s aus © Juny Brullet

Auf jeden Fall. Bis jetzt haben wir keine derartigen Anfragen von Autoren bekommen, aber wir haben jede Menge Musik im Sortiment von Musikern, die ihre eigene Musik vertreiben. Meistens in CD oder Kassetten-Format.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Man muss etwas anderes zum Buch dazu bieten. Die Möglichkeit zum Beispiel, andere Menschen mit gemeinsamen Interessen zu treffen. Wir haben auch viele Bücher im Regal, die mir gehören und unverkäuflich sind. Es sind Bücher die out of print sind, Bücher die man sehr selten kaufen kann. So gesehen ist Echo Bücher auch eine kleine Bibliothek für Technokultur. Einige Kunden kommen zu uns, einfach um die Bücher zu lesen und Kaffee zu trinken.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Bücher über elektronische Musik gibt es noch relativ wenige, aber die größeren Verlage wie Suhrkamp oder Bloomsbury haben gerade ein großes Potenzial entdeckt. Es wäre toll wenn die Kleinstverlage, Independents und Self Publisher mehr Produkte über dieses Fach veröffentlichen würden.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Der Börsenverein sollte die Kleinstverlage besser unterstützen und die Vertriebskanäle optimieren.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Unser Ziel ist es, eine neue Szene zu schaffen: Technokultur zum Lesen und Genießen.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

zu Besuch bei Echo Bücher  © Juny Brullet

zu Gast bei Echo Bücher © Juny Brullet

Der Besuch in einer Buchhandlung erweitert Horizonte. Schon ganz einfach, um das zu finden, was die digitale Welt und das Netz uns nicht bringen kann: Kontakt mit Menschen, Ideen, Austausch, Freunde finden. Der Besuch einer Buchhandlung bringt uns einfach dazu, ein im Geist reicherer Mensch zu werden.

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Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

La Central in Barcelona, L’écume des pages in Paris, Aoyama Book Center in Roppongi (Tokyo). Zu Wort kommen sollten Gudberg in Hamburg oder Motto in Berlin … Und Pro qm, aber die standen hier ja bereits Rede und Antwort.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

Vorsicht, Buchhändler! – Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Seit einem halben Jahr stellen sich hier Buchhändlerinnen und Buchhändler vor. Mich interessiert, wie sie mit den Folgen der Digitalisierung umgehen, welche Chancen und Risiken sie sehen und wo sie Weichen stellen, um zukunftsfähig zu bleiben. Deshalb habe ich seit Juli vergangenen Jahres 133 Buchhandlungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz darum gebeten, einige standardisierte Fragen zu beantworten. Mitgemacht haben bis zum heutigen Tag 42 Sortimenter.

Obschon ich mir eine etwas regere Beteiligung erhofft hatte, ist doch so viel Stoff zusammengekommen, dass ich mich in der Pflicht sehe, die Gespräche zu resümieren und einige Thesen zu formulieren. Da viele Statements der Buchhändler und Buchhändlerinnen für sich stehen, habe ich mich zudem entschieden, die Interviewten im Rahmen der Rückschau abermals zu Wort kommen zu lassen. Und zwar in Form einer Auswahl, die ich aus den eingegangenen Antworten treffe. Obwohl es meine persönlichen Preziosen sind, nenne ich das der Einfachheit halber „Best of“.

Buchhandlung Lessing und Kompanie © Lessing und Kompanie

Buchhandlung Lessing und Kompanie © Lessing und Kompanie

Den Anfang machen heute Antworten auf die Frage „Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?“ Wer sollte es besser wissen, womit Buchhandlungen bei Kunden punkten, als diejenigen, die in ihrem Laden Tag für Tag um Anerkennung, Kundschaft und teilweise auch ums Überleben kämpfen?

Vielleicht heißt die nächste Kampagne, die auf’s Lesen und Bücher neugierig machen will, ja „Vorsicht, Buchhändler!“? – Lust, einen Buchladen zu besuchen, dürften die Stellungnahmen jedenfalls machen…

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Best of: Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

„Weil es lebendig ist, gute Laune machend, entspannend und anregend, menschlich und persönlich. Und weil es Bücher gibt. Bücher! Himmel!“ Nicole Jünger vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

„Weil Bücher etwas Tolles, etwas Faszinierendes sind. Weil man über Bücher sprechen sollte, und über die Besonderen ohnehin. Weil sonst die Gefahr besteht, dass man sie übersieht, übergeht. Und weil man in einer Buchhandlung Anregung, Inspiration bekommt – auch mal was anderes zu lesen, zu erfahren. Und weil Buchhandlungen einfach schön sind.“ Gaby Kellner von Barbaras Bücherstube in Moosburg

„Der Besuch einer Buchhandlung bringt uns einfach dazu, ein im Geist reicherer Mensch zu werden.“ David Armengou von Echo Bücher, Berlin/Wedding – alle Antworten von ihm könnt Ihr hier ab 28. Januar lesen

Schroersche Buchhandlung © Schroersche Buchhandlung

Schröersche Buchhandlung © Schroersche Buchhandlung

„Buchhandlungen sind so vieles: wichtige Tankstellen für Lesefutter und unvermutete Entdeckungen, Rettungsanker für Geburtstagseinladungen und Stöberplätze für Kinder, Jugendliche und Junggebliebene. Nicht zuletzt sind sie unglaublich wichtig für das soziale Miteinander im Ort.“ Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

„Weil sie uns vermissen werden, wenn wir nicht mehr da sind!“ Brigitte Gode von der Gollenstein Buchhandlung in Blieskastel

„Weil [Kunden] auf engagierte Buchhändler treffen, die mehr sind als reine Verkäufer, denen es egal ist, was sie verkaufen, Hauptsache die Quote stimmt. Und weil sie dort jenseits von Algorithmen auf Bücher treffen, individuell ausgesucht und empfohlen. Bücher, die sie auffordern ‚lies mich!‘“ Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster, Ganderkesee

„Um sich inspirieren zu lassen. Um sich mit Anderen auszutauschen über ihre Leseerfahrungen, Lesefreuden, Büchersuche. Um sich zu entspannen und sich in angenehmer Atmosphäre eine kleine Pause zu gönnen.“ Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner von der Buchhandlung Die Buchkönigin, Berlin-Neukölln

„Damit es im buchverbreitendem Gewerbe menschlich bleibt.“ Margarete Haimberger von der Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Buchhandlung Lüders © Buchhandlung Lüders

Buchhandlung Lüders © Buchhandlung Lüders

„Wo soll man sonst seine Bücher kaufen – ein Leben ohne Buchhandlung ist wie ein Leben ohne Bierkneipe – wahlweise ohne Weinlokal.“ Klaus Kowalke von Lessing und Kompanie Literatur in Chemnitz

„Weil man die Vielseitigkeit und Schönheit von Büchern nur so erleben kann. Die Entdeckung von Büchern, auf die man sonst niemals gekommen wäre.“ Britta Beecken von der Berliner Buchkantine

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„Weil wir aus dem Meer der Bücher die besten Perlen fischen.“ John Cohen von der Hamburger Buchhandlung cohen + dobernigg

„Weil sie Bücher lieben! Weil sie sich wohlfühlen in der Gesellschaft von Büchern und gerne Neues entdecken, das Gespräch darüber suchen oder einfach auch nur den Austausch mit ihrer Buchhändlerin. Und natürlich, um sich Bücher zu kaufen!“ Bettina Haenitsch von der Buchhandlung der buchladen in Seligenstadt

„Weil Buchhandlungen im Idealfall lebendige Orte der Entdeckung und Begegnung sind, die sich durch Individualität und Engagement auszeichnen.“ Holger Brandstädt von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung, Ueckermünde

„Profan gesagt, um ein Buch zu kaufen, was man vielleicht gar nicht suchte, es aber trotzdem großartig findet. Die Buchhandlung ist nicht nur geistiger Ort in einer Stadt, sondern auch Kommunikationspunkt, Wohlfühlort und kultureller Botschafter…“ Heike Wenige vom Taschenbuchladen im sächsischen Freiberg

Buchhandlung Pro qm  ©  Katja Eydel

Buchhandlung Pro qm © Katja Eydel

„Letztlich gibt es ein paar tausend Gründe … vom Glücksgefühl bis zum Trennungsschmerz. Man muss nur neugierig sein!“ Beate und Mischa Klemm mit der Buchhandlung lesen und lesen lassen, Berlin/Friedrichshain

„Weil Buchhandlungen besondere Orte sind und es dort wie eh und je sehr viel zu entdecken gibt! Ein Buchladen ist ein lebendiger, kreativer Prozess, der sich zwischen den Repräsentanten des Geschäfts und seinem Publikum abspielt: Wir zünden den Funken in unseren Kunden und umgekehrt bekommen wir viele Anregungen zurück, die dann wieder in unser Sortiment einfließen.“ Stefanie Diez von der Buchhandlung Die Insel im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg

„Buchkauf ist Vertrauenssache, darum! Wir fragen auch nach dem Grund des Wunsches, um das optimal passende Buch für den Kunden zu finden, bieten Alternativen und Ergänzung und ganz wichtig: raten auch ab!“ Edda Braun von der Buchhandlung am Turm, Ochsenfurt

Anna Jeller Buchhandlung ©  Jacqueline Godany

Anna Jeller Buchhandlung © Jacqueline Godany

„Es riecht gut, es sind nette Menschen vor und hinter dem Tresen, mit Chance entstehen interessante Gespräche und last but not least – jede Menge schöner Bücher zum Anschauen/Lesen/Grabbeln.“ Sabine und Ute Gartmann von der Buchhandlung die schatuelle, Osterholz-Scharmbek – diesen Beitrag könnt Ihr ab 4. Februar hier in Gänze nachlesen

„Um Freude zu haben!“ Thomas Bleitner von der Hamburger Buchhandlung Lüders

„Durch die neuen Medien ist alles hektischer geworden.“ SteglitzMind stellt Daniela Binder von „Obergass Bücher“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir Daniela Binder von der Buchhandlung Obergass Bücher etwas näher kennenlernen sollten, die im schweizerischen Winterthur zu finden ist, hatte Bettina Schnerr-Laube vorgeschlagen. – Ich freue mich, dass Daniela Binder dabei ist.

Eine Skizze vom Laden…

Mitten in der Winterthurer Altstadt gelegen. Die Buchhandlung wurde 1968 begründet, seit November 1999 unter dem Namen Obergass Bücher. Schwerpunkte: Belletristik Erwachsene, Kinder- und Jugendbuch. Beratung.

Warum sind Sie Buchhändlerin geworden?

Daniela Binder © Obergass Bücher

Daniela Binder © Obergass Bücher

Lesen: immer schon die große Leidenschaft. Freude am Umgang mit Menschen.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Kann ich so nicht beantworten. Vielleicht eher nicht.

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Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Viel mehr Administratives. Durch die neuen Medien ist alles hektischer geworden.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir haben seit Jahren eine Homepage. Zusätzlich versenden mir monatlich einen elektronischen Newsletter.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Internet/Wegfallende Budgets bei Bibliotheken und Schulen.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Bestellmöglichkeit über Homepage, ab Januar auch im direkt im Laden.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self-Publishern anzubieten?

Nein.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

so schaut's innen aus © Obergass Bücher

so schaut’s innen aus © Obergass Bücher

Persönliche Beratung, 4 x Jahr eigene Hauszeitung (über unsere Homepage Obergass Blätter ersichtlich), Buchvorstellungen mit aktueller Belletristik in diversen Bibliotheken fürs dortige Publikum.

Was würden Sie sich vom Schweizer Buchhändlerverband wünschen?

Bin sehr zufrieden mit der Arbeit des Verbandes, dieser kann aber auch nicht zaubern und die Schwierigkeiten beseitigen, die unsere Branche bedrohen.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil sie den persönlichen Kontakt, die Beratung suchen.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Buchhandlung zur Rose, St. Gallen und die Züricher Buchhandlung Hirslanden

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier