Im Überblick: Bibliophile Blogger stellen sich vor

Am 5. September eröffnete Petra Gust-Kazakos die lose Gesprächsreihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, in der sich buchaffine Blogger im Kurz-Interview präsentieren, ihre bevorzugten Bücher- bzw. Autorenblogs empfehlen und Vorschläge machen, wer in der Reihe auch zu Wort kommen sollte. Mit Petras Beitrag kam ein Stein ins Rollen: Seither haben wir 23 Blogs, deren Betreiber und Intentionen näher kennengelernt. Und da es absehbar so fortgeht, dass sich bibliophile Blogger hier vorstellen, sehe ich mich in der Pflicht, ein fortlaufend zu ergänzendes Register zu erstellen, dem ich einige Bemerkungen voranstellen möchte:

Dass das Projekt so viel Beistand und auch Beifall bekommt, zeugt davon, dass das Bedürfnis nach Orientierung, Vernetzung und Austausch im Netz unter buchaffinen Gleichgesinnten groß ist. Und genau dieses Anliegen war es auch, das mich persönlich veranlasste, eine lose Blogger-Interviewreihe auf SteglitzMind anzustoßen. Allerdings habe ich ir nicht träumen lassen, dass das Vorhaben im Anfangsstadium so rasant Fahrt aufnehmen würde. So viele Porträts binnen kurzer Zeit – das spricht für sich. Zu danken ist das euch! Und zwar nicht nur denen, die hier bereitwillig Rede und Antwort stehen, um uns an ihren Bloggererfahrungen teilhaben zu lassen. Auch jenen gebührt Dank, die Kommentare beisteuern und einzelnen Beiträgen oder gar dem gesamten Vorhaben Anerkennung zollen.

Außer dem Engagement der jeweiligen Gesprächspartner und dem Echo, das das Projekt findet, erfreut mich besonders, dass mir bislang kein vorgeschlagener Kandidat absagte, wenn ich darum bat, den Ball aufzugreifen, um sich ebenfalls im Interview zu präsentieren und persönliche Blog-Empfehlungen auszusprechen. Im Gegenteil! Vielfach entwickelte sich ein Austausch, der über die Interviewfragen weit hinausging. Auch dafür möchte ich danken.

Was mich erstaunt, ist der Sachverhalt, dass sich in der Gesprächsreihe bislang mehrheitlich Männer präsentiert haben, die keine Jünglinge sind. Dieser Tatbestand widerspricht der allgemeinen Rede, dass die buchaffine Klientel, die sich im Netz tummelt, überwiegend weiblich und jüngeren Alters ist. Man mag darüber spekulieren, warum das bei SteglitzMind (noch?) anders ist. Ich bin jedenfalls gespannt, ob sich das Geschlechterverhältnis absehbar verändert …

Dass die Bloggerinnen in der vergangenen Zeit aufgeholt haben und manche andere Überlegung zur Gesprächsreihe mit Buchbloggern führe ich an anderer Stelle aus

Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Marius Fränzel mit „Bonaventura“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Dr. Marius Fränzel vor, der sein Blog Bonaventura – Lektüren eines Nachtwächters seit 2005 pflegt. Vorgeschlagen hatte ihn hier Christian Köllerer, der Dr. Christian Köllerers Notizen betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

50 Jahre alt, Studium der Philosophie, Neueren deutschen Literatur und Rhetorik in Tübingen, Promotion über Arno Schmidts erzählerisches Werk, gelernter Buchhändler, verschiedene Berufe und Selbstständigkeit, arbeite heute als Bürokaufmann. Nebenberuflich literarhistorische Vorträge und Rezitationen. Schachspieler (leidenschaftlich und schlecht).

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Angefangen habe ich im September 2005, damals noch auf einem von meinem Hoster vorinstallierten Blogsystem (Nucleus CMS). Nach gut einem Jahr bin ich auf WordPress umgestiegen, wobei ich mir zusammen mit der Plattform auch ein wenig php und MySQL angeeignet habe, so dass ich inzwischen auch einige Webseiten und Blogs für andere unter WordPress realisiert habe.

Warum auf dieser Plattform?

Die Frage nach dem Warum ist deutlich schwerer zu beantworten, weil dem wahrscheinlich ein Gemisch ganz verschiedener Motivationen zugrunde liegt. Angefangen hat es ganz pragmatisch während des Studiums mit einem Lektüretagebuch, das ich einige Zeit lang geführt habe. Auch noch während des Studiums habe ich angefangen, regelmäßig über Arno Schmidt zu veröffentlichen. Der nächste Schritt war dann Ende der 90er Jahre die sehr intensive Teilnahme an der Newsgroup de.rec.buecher, die allerdings mehr diskussionsorientiert war, und zu der ich mehr als 10 Jahre regelmäßig beigetragen habe. 2003 kam dann meine erste eigene Webseite www.musagetes.de hinzu, auf der dann 2005 auf einer Subdomain Bonaventura gestartet wurde.

Oh! Ein Pionier der deutschen bibliophilen Blogosphäre …

Ich schreibe schon seit langer Zeit in unterschiedlichen Kontexten über Literatur, so dass das Aufsetzen eines Blogs äußerlich nur als eine weitere Drehung derselben Schraube erscheint. Schreiben über die eigene Lektüre fokussiert die Wahrnehmung des Gelesenen und erlaubt es zugleich, auf die eigene Lesehistorie zurückzublicken. Überhaupt hat mit dem Bloggen meine Aufmerksamkeit für das nicht-wissenschaftliche, empathische Lesen (das sicherlich nicht immer gelingt; aber auch das gehört zur Lesehistorie), für den unmittelbar kommunikativen Anteil des Schreibens und Lesens deutlich zugenommen.

Deine Themenschwerpunkte …

Aha. Da fällt doch der Groschen! Fundort: zvab.com

Deutsch- und englischsprachige Hochliteratur (ich weiß, dass das ein böses Wort ist) seit 1750. Darüber hinaus besteht eine immer wieder erneute Beschäftigung mit der Literatur der Antike. Und ich hätte gerne mehr Zeit für die Literatur des deutschen Mittelalters und für Herder. Aber man muss Geduld haben; die Zeit dafür kommt vielleicht noch.

Insgesamt bin ich ein anspruchsvoller Mainstream-Leser. Ich investiere kaum Zeit in den Bereich der grauen Literatur, der Kleinstauflagen und Privatdrucke, obwohl mir bewusst ist, dass da sicherlich der eine oder andere Fund zu machen wäre. Aber es gibt sowieso zu viel Gutes zu lesen, dass man in seiner begrenzten Lesezeit nicht fertig wird.

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Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Nichts, oder fast nichts. Ich muss gestehen, dass ich die Literaturszene oder den -betrieb immer nur zufällig und fragmentarisch wahrnehme und mich das allermeiste von dem, was ich dann wahrnehme, kaum interessiert. Ich habe gerade auf Philip Roth’ offenen Brief im New Yorker über seine Erfahrung mit der Wikipedia reagiert, aber das ist eher eine Ausnahme. Außerdem habe ich kurz überlegt, ob ich etwas zum Kanon-Entwurf der ZEIT schreiben sollte, aber dann fand ich ihn alles in allem zu wenig kontrovers, als dass sich das gelohnt hätte.

Doch in der Hauptsache spiegelt mein Blog meine eigene Lesehistorie wider, ohne sich um den allgemeinen Literaturbetrieb groß zu kümmern.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Das Erscheinen eines neuen Artikels zeige ich auf Twitter und Facebook an, sonst kümmere ich mich nicht viel darum. Wer mein Blog finden will, braucht ja nur zu googeln.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Dazu habe ich keine Meinung.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ich vermute, dass das größte Problem der meisten Blogger die Kontinuität ist, nachdem die Anfangseuphorie einmal verflogen ist. Einige Monate überlebt fast jedes Blog, danach trennt sich die Spreu vom Weizen. Aber das ist auch nicht weiter schlimm: Das Internet ist ein sehr bewegliches, stets im Fluss befindliches Medium, in dem jede und jeder ausprobieren kann, was für sie oder ihn geeignet ist und was nicht.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Mich freut es immer sehr, wenn ich eine positive Rückmeldung von jemanden erhalte, der gerade Bonaventura entdeckt hat und es als eine Fundgrube nutzt.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das kommt sehr darauf an, um was es sich handelt. Ich hatte zwischenzeitlich eine Phase, wo ich mich regelmäßig aktiv um Leseexemplare bemüht habe, aber ich musste feststellen, dass das die Freiheit meiner Lektüre unangenehm beschränkt, weil ich dann den Stapel der Neuerscheinungen abzuarbeiten habe. Inzwischen bitte ich nur noch selten und dann immer sehr gezielt um Rezensionsexemplare. Die mir ungefragt angedienten Bücher interessieren mich zum allergrößten Teil einfach nicht oder zu wenig. Zuletzt hat mir aber ein renommierter wissenschaftlicher Verlag als Reaktion auf eine meiner Besprechungen von sich aus angeboten, mich bei Gelegenheit mit Leseexemplaren zu versorgen; das hat mich als Anerkennung dann wieder gefreut.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich freue mich, immer etwas zu lesen dabei haben zu können. Ich habe 2009 damit begonnen, systematisch alle Romane von Zolas Zyklus der Rougon-Macquart auf einem E-Book-Reader zu lesen, zuerst auf einem Sony PRS-600, inzwischen auf dem Kindle. E-Book-reader sind für mich kein Ersatz für Bücher, sondern eine nützliche Ergänzung. Leider verschlafen die großen deutschen Verlage und Verleger gerade die hier entstandenen Möglichkeiten oder verschenken sie durch ein unprofessionelles Management. Ich bin enttäuscht über die derzeit langsame und bewusst verschleppte Entwicklung auf dem deutschen Markt.

Es treibt dich also doch etwas im Literaturbetrieb um: das E-Book …

Das E-Book wird wohl seine Stärken auf lange Sicht in den Bereichen ausspielen, wo entweder das zu erwartende geringe Interesse des Marktes ein gedrucktes Buch unkalkulierbar macht, oder dort, wo niemand auf eine zweite Lektüre wert legt, also im Bereich der reinen Unterhaltungsliteratur.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Den Herrn Doktor Köllerer aus Wien hast du hier ja schon vorgestellt. Anschauen sollte man sich auf jeden Fall den Umblätterer von Frank Fischer und die Blogs von Giesbert Damaschke, der mit seinen Echtzeit-Blogs zum Schiller-Goethe-Briefwechsel und zu Eckermanns Gesprächen mit Goethe die Form wieder ganz anders ausfüllt. Hoch interessant ist natürlich auch der Turmsegler von Benjamin Stein, der inzwischen auch als Schriftsteller Erfolge feiert. Und zum Urgestein des Literaturbloggens gehört natürlich Oliver Gassner mit seiner Literaturwelt, die auch mal ein frisches Design vertragen könnte. – Wer hier zu Wort kommen sollte? Jeder dieser Blogger wäre sicher ein interessanter Gesprächspartner für SteglitzMind.

Danke sehr, Marius! Womöglich unterhalten wir uns anderenorts einmal über unsere Studienerfahrungen, die wir ja gemeinsam haben …

Steglitz stellt Christian Köllerer mit „Dr. Christian Köllerers Notizen“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Christian Köllerer vor, der Dr. Christian Köllerers Notizen meist von Wien aus betreibt. Er greift den Vorschlag von Petra Gust-Kazakos auf, die hinter Philea’s Blog steht. Sie hatte sich in unserem Gespräch gewünscht, dass Christian hier ebenfalls zu Wort kommen sollte.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Promovierter Literaturwissenschaftler & ”Philosoph”, Kulturpublizist, Skeptiker aus Wien / Reisender / Mobilfunk & Telekommunikation als Broterwerb.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Begonnen habe ich im April 2001 mit einer „normalen“ Webseite. Auf das Blogformat WordPress stieg ich erst im Januar 2009 um. Bis dahin war mein Selbstverständnis in erster Linie, ein Literaturprojekt im Internet zu betreiben. Viele Aspekte der Blogszene sind mir nach wie vor suspekt.

Deine Themenschwerpunkte …

Klassiker der Weltliteratur, Rezensionen aus dem Wiener Kulturleben, Reiseberichte.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Wie die meisten finde ich die Entwicklung in Richtung E-Books interessant. Obwohl ich eine ansehnliche Bibliothek mit 5500 Büchern zuhause habe, lese ich vor allem unterwegs zunehmend auf meinen Kindle.

Was mich ferner verblüfft, ist, wie billig Bücher inzwischen geworden sind. In unserer Gesellschaft ist ja Wert immer mit dem Preis verknüpft. Wenn die besten Bücher der Geistesgeschichte für ein paar Cent zu haben sind, ist das einerseits bildungspolitisch erfreulich, andererseits ein deutliches Signal, welchen geringen Wert die Gesellschaft diesen Werken heutzutage beimisst.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Die Notizen gibt es seit mehr als 10 Jahren, weshalb ich viele regelmäßige Leser habe. Ansonsten schreibe ich auch für Zeitschriften, was ebenfalls den Bekanntheitsgrad fördert. Twitter, und in geringerem Maße Facebook sind ebenfalls wichtig.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Über Themen schreiben, von denen er nichts versteht.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ich finde die technischen Hürden am lästigsten. Man muss entweder WordPress-Experte sein und braucht regelmäßig Unterstützung.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

…ist Anerkennung durch renommierte Medien, etwa wenn man von der NZZ lobend erwähnt wird, oder der ORF zum Interview bittet.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich ignoriere viele dieser Anfragen. Wenn mich Bücher interessieren, lasse ich mir Rezensionsexemplare schicken. Die meisten bespreche ich dann auch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du. Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Auch wenn ich mit ihm nicht immer übereinstimme: Einer der besten Literaturkenner im Netz ist zweifellos Marius Fränzel, der hinter Bonaventura steht.

Danke, Christian. Womöglich sollten wir noch kurz erläutern, warum dein Beitrag ohne Konterfei oder Illustration daherkommt …

Eine Illustration kann es schon deshalb nicht geben, weil mein Blog aus konzeptuellen Gründen völlig bildfrei ist.

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In der losen Interview-Reihe präsentierte sich zuletzt Mara Giese mit Buzzaldrins Bücher. Ihre Blog-Preziosen sind die Klappentexterin, Syn-ästhetisch, SchöneSeiten von Caterina, Ruth liest, Lesewelle von Buechermaniac und aus.gelesen von Flatter Satz, von dem sie sich wünscht, dass er hier in einem Interview zu Wort kommt.

Steglitz stellt Sandra Matteotti mit „Bücherwelten“ und „Denkzeiten“ vor

Das Netz-Buch-Dickicht etwas lüften will die Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“. Gedacht ist das so: Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber ich wiederum einlade, die acht Fragen zu beantworten. –  Langfristig, könnte so ein bibliophiles Blog-Brevier entstehen, das von allgemeinerem Interesse ist. Und darüber hinaus profitieren wir von den Erfahrungen anderer Blogger für unsere eigenen Wege im Netz … (Wer es noch genauer wissen will, was die lose Gesprächsreihe soll, kann das hier nachlesen.)

Den Fragen stellt sich heute die Schweizerin Sandra Matteoti, die seit einigen Jahren bloggt. Ihre beiden Hauptblogs sind „Bücherwelten“ und „Denkzeiten“. Als Interviewgäste empfiehlt sie die Betreiber von „Buchkolumne“ und „Zeitspiegel“.

Dein Steckbrief in wenigen Stichworten …

Ich habe als Kind die ganze Ortsbibliothek verschlungen und die Liebe zu Büchern, zur Literatur führte mich dann geradewegs ins Studium. Ich habe Germanistik, Philosophie und Geschichte studiert, mit einer Arbeit über Thomas Mann, der mich als Schriftsteller und Mensch fasziniert, abgeschlossen. Danach promovierte ich in Philosophie, mit literarischem Exkurs. Dabei ging es mir weniger um den Titel als mehr ums Schreiben, die Vertiefung in ein Thema. Danach schrieb ich in den unterschiedlichsten Bereichen und zu unterschiedlichen Themen weiter. Sei es freischaffend als Journalistin, als Texterin im Bereich Kommunikation und PR oder als Autorin in eigenen Projekten. – Schreiben ist mein Leben, bestimmt es maßgeblich.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit einigen Jahren. Den genauen Anfang weiß ich nicht mal mehr, der erste Blog existiert auch nicht mehr. Früher war es Tagebuch, waren es Texte für die eigenen Notizbücher und die Nachttischschublade, heute geschieht das meiste Schreiben am Computer. Schreiben ist meine Leidenschaft, ich muss schreiben, sonst fehlt mir etwas. Ich drücke mich in Buchstaben und Texten aus, lebe mich aus, finde auch immer wieder ganz neue Dinge über mich heraus, indem ich schreibe, Texte fließen lassen. Oft haben die Texte wie auch die Gedichte eine eigene Dynamik. Ich beginne irgendwo und am Schluss hat mich mein Schreiben geleitet. Das geht natürlich nicht in allen Bereichen. In mir gibt es zwei Seiten, die sehr strukturierte und die kreativ-intuitive. Ich habe gelernt, dass ich beiden ihren Raum geben muss.

Sandra Matteotti © Sandra Matteotti

Ich habe zwei Hauptblogs. Einer enthält meine Gedanken, meine Gedichte. Er befasst sich mit dem Leben, der Welt, mit dem, was mir gerade durch den Kopf geht, mich beschäftigt, mir zufliegt. Er heiß Denkzeiten. Hier lebe ich meine philosophische Ader aus. Der andere heißt Bücherwelten. Hier findet man hauptsächlich Rezensionen, aber auch Artikel und Gedanken zur Literatur. Den zweiten Blog habe ich relativ neu gestartet. Ich habe früher schon Rezensionen verfasst und natürlich rund um die Literatur geschrieben, allerdings in anderen Formaten und zu anderen Zwecken.

Ich bloggte zuerst auf Blogger, wechselte dann zu WordPress. Das hatte nicht einmal wirkliche Gründe. Zuerst hatte ich meine Blogs auf beide Portale verteilt, dann entschloss ich mich, dass es einfacher wäre, nur bei einem zu sein. Bei WordPress habe ich mehr Vernetzung, da die meisten Blogs, die mir gefallen, bei WordPress sind. Dazu kommt, dass mir die Plattform irgendwie sympathisch ist. Bauchgefühl.

Der Austausch ist dir beim Bloggen wichtig …

Ja, ich schätze es, wenn ich Menschen kennen lerne, die mit ähnlichen Interessen und Themen beschäftigt sind, ich finde einen Austausch da schön. Das ist mir insofern auch wichtig, als ich doch meistens alleine zu Hause an meinem Tisch sitze und vor mich hin schreibe. Vom universitären Bereich bin ich jedoch vielleicht ein wenig vorbelastet, als ich da sehr viel Neid und Intrigen kennenlernte. Das hat mich sicher ein Stück weit zurückhaltend und vorsichtig gemacht. Bislang kann ich mich aber nicht beklagen. Alle werden sich nie mögen, in keinem Bereich …

Deine Themenschwerpunkte …

Die Schwerpunkte sind – wie bereits erwähnt – Literatur und Philosophie. Ich bin lange Zeit immer hin und her geschwankt, dachte, mich für das eine oder andere entscheiden zu müssen. Es hat beides Platz, manchmal überwiegt das eine, manchmal das andere …

Was treibt dich in der Literatur-, Kulturszene derzeit besonders um?

Eigentlich nicht viel. Ich befasse mich wenig mit der Szene.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich verbreite sie momentan hauptsächlich über Twitter und Facebook. Die Rezensionen findet man auch auf anderen Bücherseiten wie LovelyBooks und Amazon.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich denke, das muss jeder für sich selber wissen. Wichtig ist, dass man sich immer bewusst ist, dass das, was man schreibt, danach öffentlich sichtbar ist, wenn man es nicht schützt. Man muss sich also immer überlegen, was man preisgeben will, wie offen man sein will. Es kommen Reaktionen und die Menschen neigen dazu, das, was steht, eins zu eins auf dich anzuwenden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ab und an kommt die Sinnfrage auf: Wozu machst du das eigentlich? Das liest doch eh niemand, das braucht die Welt doch nicht, niemand wartet auf deine Texte. Das zweite Problem ist die Isolation teilweise. Kein berufliches Umfeld da ist beim Schreiben, wie ich es tue. Auf der anderen Seite ist es ja genau das Leben, das ich leben will. Die Zweifel gehören wohl einfach zu mir dazu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Schön sind Feedbacks, die mir sagen, sie hätten sich wiedererkannt in meinen Texten, die Texte hätten ihnen etwas gegeben. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude. Es ist schön, jemandem etwas mit auf den Weg geben zu können. Und wenn es nur ein Lächeln ist oder eine kleine Hilfe, etwas zu sehen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Grundsätzlich freue ich mich darüber. Schwierig wird es ab und an, wenn ich das Buch wirklich schlimm finde. Schönreden werde ich nie ein Buch, dann verzichte ich eher auf eine Rezension. Einen Verriss schreiben möchte ich eher nicht, Kritikpunkte anmerken aber immer!

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe ein iPad und sowohl darauf wie auch auf dem Computer die Kindle-App. Ich war schon einmal froh darum, im Store Bücher zu finden, die nicht mehr publiziert werden und vergriffen sind. Sie waren sogar gratis! In schlaflosen Nächten nutzte ich den Kindle auch deshalb, weil man dann kein Licht anmachen muss. Ich mag es allerdings nicht wirklich, so zu lesen. Ich bin sehr technisch interessiert, kenne mich mit Technik auch recht gut aus, aber etwas wird dadurch nie zur Seite geschoben: Papier und vor allem Bücher. Dass ich auch meine Papieragenda liebe, gehört hier wohl nicht her. Ist aber auch so.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

SteglitzMind darf ich nicht empfehlen, lese ich aber sehr gerne. Daneben lese ich eigentlich wenig Bücher- oder Literaturblogs. Ich klicke mich ab und an durch die Blogs durch, finde einzelne Artikel gelungen. Einige möchte ich aber doch nennen, die mir als Ganzes positiv aufgefallen sind: Gunnar Kaisers Philosophieblog Philosophisch leben – eine Reise durch verschiedene Themen des Alltags, philosophische Themen, die zum Nachdenken anregen. Zeitspiegel – vielfältige Themen wie Politik, Kultur, Leben, Wissen. Schön geschrieben, mit viel Hintergrund und Tiefe. Christian Köllerers Blog „Dr. Christian Köllerers Notizen“ – ich mag seinen Zugang zur Literatur und seine Auswahl der Werke. Und Karla Pauls Buchkolumne –  ein Blog direkt aus dem Leben. Ihre Texte gefallen mir durch ihre Natürlichkeit. Zudem spricht eine große Liebe zur Literatur aus ihren Zeilen. Ich kenne sie nicht persönlich, aber irgendwie habe ich sie ins Herz geschlossen. – Für ein Gespräch würde ich gerne die Betreiber von „Buchkolumne“ und „Zeitspiegel“ empfehlen. Da möchte ich mich nicht festlegen.

Danke sehr, Sandra. Vielleicht unterstützt du mich dabei, Karla Paul und den Betreiber von Zeitspiegel dazu zu bewegen, die Fragen ebenfalls zu beantworten?

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Den acht Fragen stellte sich zuletzt hier Petra Gust-Kazakos, die „Philea’s Blog“ seit September 2010 unterhält. Empfehlungen sprach sie u.a. für die Klappentexterin, Jüdische Lebenswelten, DruckSchrift, Strange Flowers, die Blogs von Petra van Cronenburg und den der Seitenspinnerinnen aus. Ein Gespräch würde sie sich mit Dr. Christian Köllerer wünschen, der das Blog Dr. Christians Köllerers Notizen unterhält, das uns Sandra ebenfalls empfiehlt.