„Was soll ich als Händlerin mit einem Produkt, das keine Handelsspanne hat?“ – SteglitzMind stellt Edda Braun von der Buchhandlung am Turm vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten (hier etwas mehr zum Vorhaben). – Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort standen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte.

Nachdem Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung die Gesprächsreihe am Mittwoch eröffnet hat, erfahren wir heute mehr über Edda Braun und ihre Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt, der ich herzlich danke.

Eine Skizze vom Laden …

Die Buchhandlung befindet sich seit 1994 auf 100qm in der Hauptstraße von Ochsenfurt, am 1. Oktober 2000 habe ich sie übernommen. Wir führen ein allgemeines Sortiment mit den Schwerpunkten Belletristik, Taschenbücher, Kinder- und Jugendbuch, Reiseführer, Franconica.

Warum bist du Buchhändlerin geworden?

so kennen wir sie auch bei Twitter © Edda Braun

so kennen wir sie auch bei Twitter © Edda Braun

Mehr durch Zufall, ich wollte eine Lehre machen und danach studieren 🙂

Würdest du dich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ob ich nochmal in den Einzelhandel ginge, weiß ich nicht. Es muss einem schon klar sein, dass man trotz der schönen Bücher im Einzelhandel tätig ist, durchaus der Arbeit einer Verkäuferin vergleichbar.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in deinem beruflichen Alltag verändert?

Die guten alten Buchlaufkarten wurden vom Warenwirtschaftssystem abgelöst, gedruckte Kataloge vom Computer, sonst hat sich am Arbeitsalltag wenig geändert.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternimmst du in dieser Richtung?

Wir haben eine Homepage (Onlineshop), die zugegebenermaßen besserer Pflege bedürfte, jedoch seit Jahren kaum Umsatz generiert; sind leidenschaftlos bei Facebook und leidenschaftlich bei Twitter.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verortest du für deine Buchhandlung die größten Gefahren?

Die mindere bis gar nicht mehr vorhandene Bereitschaft der Banken, den Buchhandel als Partner oder Kunden ernst zu nehmen. Kurz-, mittel- und langfristige Finanzierung durch die Bank ist schwierig bis unmöglich geworden.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Sind auf unserer Homepage downloadbar, spielen für mich keine Rolle. – Was soll ich als Händlerin mit einem Produkt, das keine Handelsspanne hat?

Wäre das eine Option für dich, auch Titel von Selfpublishern anzubieten?

Gewisse Qualitätsstandards müssen einfach erfüllt sein: Korrektorat und Lektorat sind bei einem Buch unabdingbar und im Falle von Self Publishing meist nicht gegeben, deshalb zurzeit eher keine Option für uns.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

der Buchladen © Buchhandlung am Turm

der Buchladen © Buchhandlung am Turm

Wir sind absolut serviceorientiert, machen alles möglich: Abends liefern oder schon vor Ladenöffnung, geben Bücher beim Nachbarn ab oder an jedem gewünschten Ort, besorgen vergriffene Titel bei ZVAB und selbstverständlich überhaupt jedes nicht vorrätige lieferbare Buch, sprich auch die unwirtschaftlichen Verlagseinzelbestellungen, die längst nicht mehr von jedem ausgeführt werden.

Wenn du drei Wünsche frei hättest, die dir Verlage erfüllen… Welche wären das?

Den Buchhandel als Handelspartner betrachten und nicht die „Endkunden“ (Leser klänge schöner).

Bei der Konditionengestaltung nicht nur die „Großen“ zu hofieren, sondern an unseren gemeinsamen Auftrag denken, für die Verbreitung und den Erhalt der Buches als Kulturgut und Bildungsmittels ersten Ranges zu sorgen.

Die buchhändlerischen Werte nicht vergessen, die in Verkehrsordnung und Spartenpapier niedergelegt sind.

Und was würdest du dir vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Eine Lobby ähnlich der der Filmbranche. Unabhängige Kinos bekommen Fördergelder, warum nicht auch Buchhandlungen? Wir liefern die Vorlagen!

Was treibt dich in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Och, umtreiben. Eigentlich nichts. Ich trotze stur jeder Mode 🙂

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Buchkauf ist Vertrauenssache, darum! Wir fragen auch nach dem Grund des Wunsches, um das optimal passende Buch für den Kunden zu finden, bieten Alternativen und Ergänzung und ganz wichtig: raten auch ab!

Welche anderen Buchhandlungen empfiehlst du? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Beate Laufer-Johannes von der Bücherinsel in Frauenaurach bei Erlangen, die sollte hier Rede und Antwort stehen.

Das wird sie, Edda, herzlichen Dank!

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Mit meinem Versuch, das Augenmerk auf unabhängige Buchhandlungen zu lenken, stehe ich im Netz gottlob nicht alleine da. Und deshalb dürfen Hinweise auf mir bekannte Initiativen hier natürlich nicht fehlen:

Ende Mai 2013 rief Sophie auf ihrem Blog Literaturen die Aktion „Die Kleinsten werden die Größten sein“ ins Leben, Simone Finkenwirth listet auf ihrem Blog Klappentexterin seit längerem auserlesene Buchhandlungen und seit April 2013 stellen Autoren bei schmerzwach, dem Blog von Jannis Plastargias, ihre Lieblingsbuchhandlung vor. Frank Maria Reifenberg präsentiert auf schreibkraft_fmr verschiedentlich 4 Buchtipps von Buchhändler/innen für 4 Jungs; auch We read Indie – das brandneue Projekt von Ada Mitsou (Ada Mitsou liest….), Dorota Federer (Bibliophilin), Simone Finkenwirth (Klappentexterin), Svenja (Syn-ästhetisch), Mareike Fallwickl aka Bücherwurm Mariki (Bücherwurmloch), Caterina  (SchöneSeiten) und Mara Giese (Buzzaldrins Bücher) – das sich Publikationen von unabhängigen Verlagen annimmt, stellt in loser Folge Buchhandlungen vor.

Ich freue mich auf die Gespräche bei SteglitzMind – und Eure Vorschläge, wer in der losen Interviewreihe mit Buchhändlerinnen und Buchhändlern ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr!