„Laut meinem alten Zeugnis hatten wir Staatsbürgerkunde und Literaturpropaganda“. Gespräche mit ehemaligen DDR-Buchhändlern

Meinen hier publizierten Versuch, die Entwicklung des DDR-Buchhandels und dessen Strukturwandel infolge der Privatisierung zu skizzieren, habe ich mit der Bitte verknüpft, dass sich Zeitzeugen mit ihren Erfahrungen einbringen mögen. Nachdem uns Maritta Tanzer, Heike Wenige, Holger Brandstädt und Simone Zopf einiges haben wissen lassen, teilt nun Kerstin Hänsel (geb. 1961) ihre Erinnerungen. Zwischen 1978 und 1980 hat sie die Buchhändler-Lehranstalt in Leipzig besucht, die damals unter dem Namen „Betriebsberufsschule des Volksbuchhandels der DDR“ firmierte. Ihre praktische Ausbildung machte sie in der Volksbuchhandlung „Gutenberg“ in Zwickau, dann war sie im sächsischen Glauchau bei „Buch und Kunst“ tätig.

Was hat Sie bewogen, Buchhändlerin zu werden?

Ausschlaggebend war die Liebe zum Buch, ich habe sehr viel gelesen und als junges Mädchen haben mich auch die Großstadt Leipzig und das Internatsleben, weg von den Eltern, gereizt.

Selbstverständlich war das damals nicht, dass man seinen Wunschberuf erlernen konnte …

Kann ich nicht bestätigen. Ich wollte diesen Beruf und bin sofort genommen worden.

War Ihnen bewusst, dass dem Buchhandel eine erzieherische Funktion zugedacht war und er dementsprechend auch in der Pflicht stand, politisch genehme „Schwerpunkttitel“ zu vertreiben?

Nein, das war mir nicht bewusst. Ich hatte vor allem mit Kinderbüchern und unpolitischen Klassikern zu tun. Nie fühlte ich mich unter Verkaufsdruck und meine Schaufensterwettbewerbe konnte ich auch selbstständig und kreativ durchführen. Gestaltet wurden die Fenster mit – natürlich – sozialistischen Autoren.

Wie würden Sie Ihre Ausbildung an der Buchhandelsschule in Leipzig im Rückblick bewerten?

Jahrgang an der Buchhänderschule © Kerstin Hänsel

Ausgesprochen positiv. Es wurde Fachwissen von Shakespeare über das Verlagswesen bis zur Buchbinderei vermittelt. Das Internatsleben war streng, aber auf gar keinen Fall ideologisch geprägt.

Worauf wurde in Leipzig besonders großen Wert gelegt?

In welcher Position im Buchhandel jeder Einzelne eingesetzt werden kann, nach seinem Interesse und Wissen. Ich war die geborene Verkäuferin und kam deshalb ins Sortiment. Beim Besuch der Verlage, unter anderen Volk und Welt, oder in der Buchdruckerei wusste ich sofort, das ist nicht mein Ding. Ich wollte immer Kontakt mit Menschen.

Welchen Anteil hatte die Staatsbürgerkunde im Rahmen Ihrer Ausbildung?

Maximal 10 Prozent. Ist an mir vorbei gegangen, ich kann mich kaum noch an solche Unterrichtsstunden erinnern. Aber laut meinem alten Zeugnis hatten wir Staatsbürgerkunde und Literaturpropaganda.

Was war während Ihrer Lehrzeit Pflichtlektüre?

Dieter Noll „Abenteuer des Werner Holt“, Fallada „Wolf unter Wölfen“, Scholochow „Der stille Don“, Theodor Storm „Der Schimmelreiter“ Johann Wolfgang Goethe „Die Leiden des jungen Werther“, Bruno Apitz „Nackt unter Wölfen“, Anna Seghers „Das siebte Kreuz“. An andere erinnere ich mich nicht mehr.

Spielten die „Ordnung für den Literaturbetrieb“ und das „Statut für den Volksbuchhändler“ noch eine Rolle?

Nein.

Gab es etwas, woran Sie an der Buchhandelsschule Anstoß genommen haben?

Nein, nur die sehr strenge Internatshausordnung.

Ihre praktische Ausbildung haben Sie bei der „Volksbuchhandlung Gutenberg“ in Zwickau gemacht. War das Ihr Wunschbetrieb?

Es war mein Wunschbetrieb, da ich damals ja auch in Zwickau gewohnt habe. Nach der Ausbildung musste ich bei „Buch und Kunst“ in Glauchau arbeiten und dorthin umziehen. Habe eine Nacht in Buchhandlung geschlafen, um eine Wohnung in Glauchau zu bekommen.

Der Kabarettist Bernd-Lutz Lange war zwischen 1963 und 1965 als buchhändlerische Hilfskraft in der Zwickauer „Volksbuchhandlung Gutenberg“ beschäftigt. In seinem Buch „Das gabs früher nicht. Ein Auslaufmodell zieht Bilanz“ berichtet er, dass es zu seinen Aufgaben gehörte, jene Bücher in den Schaufenster auszulegen, die im Laden wie Blei lagen. War das zu Ihren Zeiten auch noch so? Und sagt Ihnen der Begriff „Gebrauchswerber“ noch etwas?

Gebrauchswerber kamen alle Vierteljahre in die Buchhandlung und waren ausnahmslos für die Schaufenstergestaltung zuständig. Wir Buchhändler mussten die Vorarbeit leisten und schwerverkäufliche Titel heraussuchen. Die kamen dann in die Auslage. Für mich ein Grund, mehrfach an Schaufensterwettbewerben teilgenommen zu haben. Ich wollte meine eigenen Ideen verwirklichen.

Für welche Bereiche waren Sie dann bei „Buch und Kunst“ zuständig?

Vorwiegend im Sortiment und im Bestellwesen beziehungsweise der Warenannahme, wenn Paletten vom LKG (Leipziger Kommissions- und Großbuchhandel) geliefert wurden.

Wichtig war die Planerfüllung im Volksbuchhandel. Aber auch der Umsatz von Parteiliteratur und Importbuch musste stimmen. Wie wurde in Ihrem Betrieb verfahren, wenn absehbar war, dass der Plan nicht erfüllt werden konnte?

Habe ich bewusst nicht wahrgenommen. Schon gar nicht als Lehrling, der an Besprechungen nicht teilnehmen musste.

Stichwort Bückware. Gingen in Ihrem Betrieb auch Bücher unter der Ladentheke weg? Erinnern Sie sich noch daran, was besonders gefragt war?

Ich würde sagen, dass gut 40 Prozent unter der Ladentheke verkauft wurden. Besonders Globen, Märchenbücher, Bücher von Christa Wolf und Titel aus dem zentralen tschechischen Exportverlag Artia, damals in Prag ansässig.

Was lagerte wie Blei?

Sowjetische Propaganda und Parteitagsbeschlüsse.

Wie lief das mit den Vorbestellungen?

Man hatte mehrere Holzkisten mit Karteikarten und sobald eine Lieferung kam, wurde ausgewählt. Ein Großteil ging an Verwandte, Bekannte, Doktoren, dann erst bekam Otto Normalkunde eine Postkarte, das er sein Buch abholen könne.

Was war bei „Buch und Kunst“ im sächsischen Glauchau anders als in der Gutenberg-Buchhandlung in Zwickau?

Vom Arbeitsstil gab es keine Unterschiede. Aber in der Kleinstadt da waren die Schiebereien noch viel ausgeprägter. Selbst ich hatte Mühe, mal ein von mir gewünschtes Buch zu kommen. Dort herrschte die Buchhandlungsleiterin und die hatte Haare auf den Zähnen. Zum 1. Mai mussten wir zum Demonstrieren nach Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz. Am Rosenhof wurde dann im Block des Volksbuchhandels losmarschiert.

Mauerfall im November 1989, Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion im Juni 1990, deutsche Einheit am 3. Oktober 1990. Wie haben Sie diese turbulenten Monate erlebt?

Ich war damals mit einem Volkspolizisten verheiratet, der als Abschnittsbevollmächtigter tätig war. Wie er mit der Wende umgegangen ist, habe ich nicht verkraftet. 1990 habe ich mich sofort selbstständig gemacht und ein Antiquitätengeschäft eröffnet. Der Neubeginn, ob privat oder beruflich, war einfach phantastisch. Ich habe die neue Zeit genossen und ausgelebt.

Welche Hoffnungen hatten Sie für Ihr Land? Welches waren Ihre größten Sorgen?

Bis zuletzt dachte ich, die DDR würde als Staat mit demokratischer Führung und Reisefreiheit weiterexistieren. Aber als das „Volk“ dann nur noch nach der DM schrie, war mir klar, dass es vorbei sei mit der DDR als selbstständiges Land. Im Nachhinein erschreckend ist für mich die Vorgehensweise der Treuhandanstalt. Ich glaube, da ist viel Unrecht geschehen.

Welche Standards, die der volkseigene Buchhandel gesetzt hat, würden Ihres Erachtens dem Buchhandel heute gut tun?

Auf jeden Fall die persönliche Beratung. Die fehlt mir in jeder Buchhandlung. Die schauen nur in Ihren Computer, wo ein Buch steht. Eine inhaltliche Beratung fehlt komplett. Ich habe während meiner buchhändlerischen Tätigkeit immer in nahezu jedes Buch zumindest hineingeschnuppert und konnte konkrete Angaben über Inhalte machen. Man könnte auch öfter wieder Buchbesprechungen durchführen und die Menschen so an neue Bücher und Nachwuchsautoren heranführen.

Existieren die beiden Buchhandlungen noch, in denen Sie gearbeitet haben?

Nein, beide wurden in 1990er Jahren geschlossen.

Liebe Frau Hänsel, herzlichen Dank für Ihren Rückblick.

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Mein Dank gilt allen, mit denen ich mich bislang habe austauschen dürfen. Ich würde mich freuen, wenn sich weitere Zeitzeugen einfänden und ihre Erfahrungen einbringen.

Das ungelöste Verhältnis von Politik und Ökonomie. – Buchhandel in der DDR (Teil 1)

Womöglich habe ich mir mit dem Vorhaben, die Geschichte des DDR-Buchhandels auszuloten, zu viel vorgenommen? Je länger mich die Materie allerdings beschäftigt, desto mehr Fragen stellen sich, die nur diejenigen beantworten können, die dabei gewesen sind.

Trotzdem habe ich Mut zur Lücke: In fünf Folgen werde ich darlegen, was ich bisher zur Entwicklung des Buchhandels in der DDR (Teil 1 – 4) und nach der Wende (Teil 5) trotz spärlicher Quellen recherchiert habe. – Warum wage ich diese Skizze? Weil ich mir erhoffe, dass sich Zeitzeugen einfinden, die das eine und andere aus der eigenen Erfahrung zurechtrücken und/oder Lücken schließen.

Eine Zusammenstellung der verwendeten Quellen findet sich hier.

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Autokennzeichen der DDR © GvP

Autokennzeichen der DDR © GvP

Obwohl sich die Bedingungen im Kulturbetrieb im Zuge des Zentralisierungs- und Professionalisierungsprozesses in der Phase zwischen 1951 und 1965 zunehmend verschärften, ließen sich die Buchhändler nur mit Mühe vor den Karren der Politik spannen. Am buchhändlerischen Selbstverständnis konnte auch der flächenmäßige Ausbau und organisatorische Aufbau des Volksbuchhandels bis Ende der 1960er Jahre nicht rütteln, in dessen Verlauf die verbliebenen privaten Buchhandlungen zunehmend zurückgedrängt beziehungsweise in Gestalt von sogenannten Kommissionsbuchhandlungen vereinnahmt wurden. Ende 1952 gab es in der DDR 322 Volksbuchhandlungen, zirka 50 Gewerkschaftsbuchhandlungen und etwa 850 private Buchhandlungen (Petry 2001, S. 48.) Ab Mitte der 1960 gaben viele private Sortimenter auf. Wahrscheinlich ist, dass viele von ihnen dem wachsenden Druck nicht standhielten.

Viel weiß man über die schwierigen Umstände und prekären Verhältnisse, denen der private Buchhandel in der DDR unterlag, leider nicht. Dietrich Löffler (2011) berichtet, dass Buchhändler diskriminiert und in Einzelfällen sogar kriminalisiert wurden. Nach 1948 wurden ihnen Devisengeschäfte angelastet, später Wirtschaftsvergehen unterstellt, die auch mit Haftstrafen geahndet wurden. Wie zum Beispiel Anton Hiersemann, der 1951 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde und erst 1991 wieder rehabilitiert werden konnte.

Zeit seiner Existenz musste der private Buchhandel immense Widerstände und Benachteiligungen in Kauf nehmen. Er wurde mit hohen Steuernachzahlungen belegt, seinen Wareneinkauf beeinträchtigten spezielle Auflagen, Bücher durften nur an Privatkunden verkauft werden. Die Übergabe des Ladens an Erben oder andere Interessierte war ihm lediglich in Ausnahmefällen gestattet, Banken gewährten keine oder nur unter extremen Auflagen Kredite. Etwas besser soll die Lage bei den christlichen Buchhandlungen gewesen sein, die weniger stark im Visier der Partei standen.

Ein konstituierendes Element für die umfassende Steuerung und Kontrolle der literarischen Infrastruktur war die Gründung der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur im Jahr 1963. Die Zentralisierung des Literaturvertriebs forcierte schließlich die „Anordnung über das Statut des Volksbuchhandels“, die gut anderthalb Jahre nach Einrichtung der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im August 1964 mit dem Ziel verabschiedet worden war, die Handlungsspielräume der Mitarbeiter im Buchhandel weiter zu beschneiden. Von weitreichender Bedeutung war außerdem das „Perspektivprogramm für die ideologische und kulturpolitische Arbeit auf dem Gebiet der Literatur, des Verlagswesens und der Literaturverbreitung“, das im Februar 1965 erlassen wurde.

Auf Grundlage des Perspektivprogramms wurde die „Ordnung für den Literaturvertrieb“ erarbeitet, die das „Zusammenwirken aller am Literaturvertrieb beteiligten Betriebe und Einrichtungen zum Nutzen der Bürger der DDR“ regeln sollte. Die Bestimmungen, die im Spätsommer 1969 verabschiedet wurden, lösten die „Buchhändlerische Verkehrsordnung“ ab, die zwar bislang offiziell nicht außer Kraft gesetzt, wohl aber durch gravierende strukturelle und organisatorische Maßnahmen ausgehebelt worden war. Im Juli 1976 wurde die „Ordnung für den Literaturvertrieb“ aktualisiert und 1981 abermals abgeändert. Diese Fassung blieb bis zum Ende der DDR gültig.

Dass Buchhändler mitunter recht eigensinnig sein können, das haben sie auch in der DDR bewiesen. Die Gesetze des Marktes, und hier vornehmlich das Prinzip von Angebot und Nachfrage, waren ihnen wohl stets näher als die zugedachten gesellschaftspolitischen Funktionen, nach denen der Buchhandel als eine „Institution zur Verbreitung der Ideologie“ galt, die mit „fortschrittlicher Literatur“ einen Beitrag zur „Erziehung der sozialistischen Persönlichkeit“ zu leisten hatte. Dass der politische Auftrag mit dem hergebrachten buchhändlerischen Selbstverständnis nicht konform ging, trieb den frisch bestallten Leiter des Volksbuchhandels, Fritz Brilla, 1956 in seinem Grundsatzartikel „Es geht um die Arbeit des Volksbuchhandels“ um: „Eine solche [fortschrittliche] Literatur zu vertreiben, ist nicht Vorgang krämerhaften Handelns, nicht ein Vorgang des Profits oder Gewinns wegen, nicht ein wirtschaftlicher Vorgang; eine solche Literatur zu vertreiben, ist eine politisch-gesellschaftliche Aufgabe, ist eine kulturpolitische Funktion.“ (zit. nach Löffler, 2011, S. 213f.)

Obschon die Manschetten immer enger gezogen und die Anforderungen höher geschraubt wurden, blieb der Buchhandel auf jenen Büchern sitzen, die er aus ideologischen Gründen massenhaft unters Volk hätte bringen sollen. Das galt insbesondere für die Klassiker des Marxismus-Leninismus, Schulungs- und Propagandamaterialien der Partei und die „sozialistische Gegenwartsliteratur“, deren Produktion und Verbreitung ab der ersten Bitterfelder Konferenz im April 1959 in der Hoffnung vorangetrieben wurde, eine genuine „sozialistische Nationalkultur“ aus der Taufe zu heben. Erhebliche Probleme beim Absatz, die den Buchhandel immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik brachten, hatten vor allem Publikationen aus dem parteieigenen Dietz-Verlag, der nach dem Zusammenschluss von KPD und SPD aus der Zusammenlegung der ihnen zugehörigen Verlage „Neuer Weg“ (KPD) sowie „Vorwärts“ und „Das Volk“ (SPD) im Juni 1946 entstanden war und der Abteilung Finanzverwaltung und Parteibetriebe im ZK der SED zugeordnet wurde.

An dem Umstand jedoch, dass jene Bücher wie Blei in den Läden lagen, deren Lektüre die Partei für notwendig erachtete, konnten weder eine „Ordnung für den Literaturvertrieb“, noch die verstärkten Anstrengungen der Funktionäre rütteln, Buchhändler auf die Funktion eines Transmissionsriemen für Agitprop einzuschwören. Trotz Verteilerpraktiken und einer oft restriktiven Warenbestandsplanung stiegen die Bestände an nicht absetzbarer Literatur im Volksbuchhandel kontinuierlich an. Wenn die ideologischen Traktate aus dem Verlag Volk und Wissen, dem Akademieverlag, dem Staatsverlag und dem Dietz-Verlag überhaupt über den Ladentisch gingen, dann wurden sie vielfach nicht bezahlt. Dass ausgerechnet die Literaturobleute der SED, deren Aufgabe es gewesen ist, die Grundeinheiten der Partei mit Schulungs- und Propagandamaterial zu versorgen, im Verlauf der Jahrzehnte beim Volksbuchhandel immense Schulden anhäuften, entbehrt sicher nicht einer gewissen Ironie. Laut Löffler (2011) beliefen sich deren Schulden jährlich allein auf circa 1 Million Ostmark. Dass die „Genossen“ zudem nicht gemahnt werden durften, sorgte unter den Buchhändlern ebenso sehr für Irritation wie der Umstand, dass deren Gesinnung doch nicht so vorbildhaft war wie propagiert wurde. In den Rechenschaftsberichten der Leitungen des Volksbuchhandels, die nach Rentabilität und Gewinn strebten, waren die unbezahlten Rechnungen der Literaturobleute jedenfalls ein immer währendes Thema.

Schlussendlich waren sämtliche Anstrengungen, den Buchhandel auf die politisch-ideologische Linie zu bringen, a priori zum Scheitern verurteilt. Schon deshalb, weil den Sortimentern die Nachfrage seitens ihrer Kundschaft zwangsläufig immer näher stand als Ansagen der Partei. Dieser systemimmanente Widerspruch, auf den die Politbürokratie gebetsmühlenartig mit dem Vorwurf reagierte, dass der Buchhandel „die Frage des Verhältnisses von Politik und Ökonomie zugunsten der Ökonomie verschoben“ habe, wurde bis zum Ende der DDR nicht aufgelöst. Selbst noch im Jahr 1986 fand die 4. Ökonomische Konferenz des Volksbuchhandels unter dem Motto „Kulturpolitik und Ökonomie – eine Einheit im buchhändlerischen Handeln“ statt.

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Buchhandel in der DDR (Teil 2) „Das richtige Buch zur richtigen Zeit in die richtigen Hände“ kann man hier nachlesen